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Analyse und Förderung der Wissenskommunikation in kooperativen computermediierten Lernumgebungen

Eine empirische Untersuchung zur Förderung des Lernprozesses und des Lernerfolges in textvermittelter asynchroner Kommunikation mit einem Kooperationsskript

Analyse und Förderung der Wissenskommunikation in kooperativen computermediierten Lernumgebungen
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Alexandra Gabler
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 7,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6547-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6547-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6547-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gabler, Alexandra Juli 2002: Analyse und Förderung der Wissenskommunikation in kooperativen computermediierten Lernumgebungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wissenskonstruktion, kooperativ, lernen, Computer, Kommunikation

Magisterarbeit von Alexandra Gabler

Problemstellung:

Kooperative Lernformen nehmen in der Aus- und Weiterbildung einen immer höheren Stellenwert ein. In neueren Forschungsansätzen wird der eigentliche Nutzen kooperativen Lernens im Vergleich zu individuellem Lernen in der gemeinsamen Wissenskonstruktion gesehen, also dem Austausch bzw. der Aushandlung unterschiedlicher Standpunkte zu einem Thema, aufgrund derer eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden soll. Es wird davon ausgegangen, das die aktive Aushandlung verschiedener Perspektiven nicht nur zur Beseitigung von Fehlkonzepten führt, sondern dass in der gemeinsamen Kooperation vor allem kritischeres und mehrperspektivischeres Wissen erworben wird, welches sich somit auch einfach er auf andere Anwendungskontexte übertragen lässt. Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl pädagogischer Studien, die eine Überlegenheit der kooperativen Lernens gegenüber dem Einzellernen feststellen konnten, ein grundlegendes Problem kooperativer Lernarrangement liegt allerdings in der Tatsache, dass wich die Wissensstände der Lernpartner innerhalb einer Gruppe am Ende der Lernsitzung oftmals quantitativ und qualitativ stark von einander unterscheiden: Renkl fand beispielsweise heraus, dass nur manche Lernpartner deutlich von der Kooperation profitieren, während andere wiederum kaum neues Wissen erwerben oder dieses nicht adäquat anwenden können. Des weiteren wurde beobachtet, dass nur ein sehr geringer Teil des in der Kooperation erworbenen Wissens „geteiltes Wissen“ ist, d.h. Wissensinhalte, über die zwei oder mehr Kooperationspartner nach der Kooperation verfügen. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der Wissensaustausch unter Lernenden nicht immer effektiv ist bzw. dass manche Lernpartner mehr von der gemeinsamen Kooperation profitieren als andere. So konnte Coleman beispielsweise folgende Verhaltensweisen kooperativ Lernender beobachten, die auf eine uneffektive Kooperation hinweisen:

Äußerungen werden kaum erklärt oder gerechtfertigt, Es werden eher leere Behauptungen aufgestellt und verteidigt anstatt verschiedene Perspektiven kooperativ auszuhandeln, Die Ideen des Lernpartner werden oftmals verworfen oder gar nicht erst beachtet, Entscheidungen werden vor allem von dem Teilnehmer mit dem höchsten Sozialstatus getroffen.

Eine Förderung kooperativen Lernens wäre daher notwendig, allerdings fehlt ihr die Basis: „Elaborierte theoretische Modelle, auf deren Grundlage die Analyse und Förderung der gemeinsamen Wissenskonstruktion aufbauen könnte, sind bislang rar“. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Förderungsansätzen, die versuchen durch die Gestaltung verschiedener Ausgangsbedingungen kooperativen Lernens (wie beispielsweise der Aufgabenart oder der Gruppenzusammensetzung), die kooperativen Aktivitäten unter Lernenden zu intensivieren. Allerdings kamen Forschungen , die sich lediglich mit den Ausgangsbedingungen und den Ergebnissen der Kooperation auseinander setzten, meist nicht zu einheitlichen Ergebnissen. So fanden Renkl und Mandl heraus, dass sich Rahmenbedingungen auch gegenseitig substituieren können bzw., oftmals nur für bestimmte Kontexte ihre Gültigkeit besitzen, was einer Generalisierung der Ergebnisse entgegensteht. Zudem muss auch bedacht werden, dass es für eine adäquate gemeinsame Wissenskonstruktion vor allem entscheidend ist, wie die Lernenden miteinander interagieren bzw. kommunizieren. Verschiedene neuere Instruktionsansätze versuchen daher zusätzlich durch verschiedene Strukturierungsmaßnahmen ()wie z.B. Kooperationsskripts) direkt auf die Interaktion der Lernenden einzuwirken, um speziell die als positiv erachteten Verhaltensweisen kooperativ Lernender zu fördern und negative zu reduzieren.

Mit der Entwicklung neuer Technologien wurde vor allem das kooperative Lernen im Netz (CSCL) immer populärer. An vielen Hochschulen ist der Einsatz virtueller Seminare als Ergänzung zum herkömmlichen Seminarangebot bereits Gang und Gebe. Vor allem von der asynchronen textvermittelten Kommunikation verspricht man sich neben der räumlichen und zeitlichen Flexibilisierung, auch verschiedene Vorteile für den Wissenserwerb wie beispielsweise eine gleichberechtigtere Partizipation oder eine höhere Aufgabenorientierung. Allerdings konnten verschiedene Studien zeigen, dass sich bei der Wissenskommunikation in Netzwerken die Probleme des Wissenserwerbs in herkömmlichen kooperativen Settings teilweise sogar noch zuspitzen: Der gemeinsame Diskurs ist auch hier gekennzeichnet durch eine Ungleichverteilung der Beiträge, durch mangelnde Bezugnahmen zu Aussagen anderer Lernpartner sowie einen Mangel an Abstimmung über den gemeinsamen Wissenshintergrund. Neue Kommunikationstechnologien bieten im Vergleich zur Face-to-face-Kommunikation den Vorteil, dass die Interaktionen unter Lernenden direkt innerhalb des Kommunikationsinterfaces strukturiert werden können nur somit relativ spezifische Verhaltensweisen kooperativ Lernender gefördert werden können. Allerdings beschäftigen sich die meisten bisherigen Forschungen zur Förderung kooperativen Lernens in Netzwerken eher mit der globalen Gestaltung von Lernumgebungen anhand grobkörniger Vorgaben, in denen unklar bleibt, welche Aspekte des Lernprozesses genau mit einem positiven Lernerfolg zusammenhängen. Kooperationsskripte, die gezielt auf der Mikroeben der Interaktion ansetzen, wurden bisher kaum systematisch untersucht.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern durch ein spezifisches Kooperationsskript, das bestimmt Handlungstypen vorgibt und die Interaktion der Lernenden sequenziert, der Lernprozess sowie der Lernerfolg in einer textvermittelten netzbasierten Lernumgebung optimiert werden können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Anwendbarkeit theoretischen Wissens in verschiedenen Kontexten zu fördern. Dabei soll nicht nur der individuelle Lernerfolg der Lernenden berücksichtigt werden, sondern es soll zudem festgestellt werden, inwiefern die Lernenden in ähnlicher Wiese von der Strukturierungsmaßnahme profitieren bzw., inwiefern diese Ergebnisse mit Aspekten des Lernprozesses zusammenhängen.

In Kapitel 2 soll zunächst ein Rahmenmodell vorgestellt werden, in welchem der Interaktion der Lernenden ein grundlegende Bedeutung für den Lernerfolg zugemessen wird, Nach der Betrachtung des Forschungsstandes zur Interaktion in verschiedenen Theorien, werden wichtige Aspekte des Lernprozesses dargestellt, von denen angenommen wird, dass sie den Lernerfolg entscheidend beeinflussen, Anschließend soll der Frage nachgegangen werden, was genau unter Lernerfolg zu verstehen ist.

In Kapitel 3 geht es speziell um das kooperative Lernen in Netzwerken. Es wird zunächst ein Überblick über die verschiedenen Unterscheidungsdimensionen von Netzwerken gegeben. Anschließend werden die Befunde bisheriger Forschungen zum kooperativen Lernen in textvermittelter asynchroner Kommunikation vorgestellt.

In Kapitel 4 geht es um die Förderung kooperativen Lernens durch Kooperationsskripte. Es soll zunächst eine grundlegende Unterscheidung von Förderungsmaßnahmen vorgenommen werden. Anschließend soll auf die bisherigen Untersuchungen zu Kooperationsskripten in Face-to-face-Settings eingegangen werden. Schließlich wird der Forschungsstand zum Einsatz von Kooperationsskripten in Computernetzwerken dargestellt.

In Kapitel 5 wird der Hintergrund und die Fragestellungen der vorliegenden empirischen Untersuchungen dargestellt.

In Kapitel 6 wird die Methode der empirischen Untersuchung vorgestellt. Es wird auf den Ablauf der Untersuchung, den Aufbau der Lernumgebung, die Versuchsteilnehmer und die Versuchsleiter sowie auf die Erfassung der abhängigen Variablen und der Kontrollvariablen eingegangen.

In Kapitel 7 werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung präsentiert, die anhand eines Vergleichs zwischen Gruppen mit Kooperationsskript und einer Kontrollgruppe ohne Interaktionsstrukturierung gewonnen wurden.

In Kapitel 8 werden diese Ergebnisse diskutiert, während in Kapitel 9 ein Ausblick für weiter Forschungen im Bereich des kooperativen Lernens in Computernetzen gegeben wird.

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemstellung und Ziele der Studie 1
2. Kooperatives Lernen 6
2.1 Ein Rahmenmodell zum kooperativen Lernen 7
2.2 Die Sicht der Interaktion in verschiedenen Ansätzen 9
2.2.1 Interaktion in der Organisations- und der Sozialpsychologie 9
2.2.2 Interaktion in der Unterrichtsforschung 10
2.2.3 Interaktion in neueren pädagogischen Instruktionsansätzen 11
2.3 Wichtige Merkmale des Lernprozesses 12
2.3.1 Partizipation 13
2.3.2 Ebene der epistemischen Aktivitäten 14
2.3.3 Ebene des sozialen Kokonstruktionsmodus 16
2.4 Der Lernerfolg beim kooperativen Lernen 20
2.4.1 Wissensarten 20
2.4.2 Kooperativer und individueller Lernerfolg 21
2.4.3 Divergenz der individuellen Lernerfolge 22
2.5 Zusammenfassung 23
3. Kooperatives Lernen in Netzwerken 24
3.1 Unterscheidungsdimensionen von Computernetzen 25
3.1.1 Räumliche Organisation der Kooperation 25
3.1.2 Koordination der Kommunikation in der Zeit 26
3.1.3 Instruktionale Rolle der Technologie 29
3.2 Forschungsstand zum Lernprozess in textvermittelter asynchroner Kommunikation 31
3.2.1 Partizipation 32
3.2.2 Epistemische Aktivität 34
3.2.3 Sozialer Kokonstruktionsmodus 37
3.3 Der Lernerfolg in textbasierter asynchroner Kommunikation 39
3.4 Zusammenfassung und Fazit 40
4. Förderung kooperativen Lernens mit Kooperationsskripten 42
4.1 Unterscheidung von Förderungsmaßnahmen 42
4.2 Kooperationsskripte in Facte-to-face-Setting 46
4.3 Kooperationsskripts in netzbasierten Settings 48
4.4 Zusammenfassung und Fazit 51
5. Hintergrund und Fragestellung der empirischen Untersuchung 53
5.1 Inwieweit wirkt sich das Kooperationsskript auf den Lernprozess aus ? 54
5.2 Inwieweit wirkt sich das Kooperationsskript auf den Lernerfolg aus ? 55
5.3 Inwieweit bestehen Zusammenhänge zwischen Merkmalen des Lernprozesses und Lernerfolg 55
6. Methode der empirischen Untersuchung 57
6.1 Ablauf der Untersuchung 57
6.2 Aufbau der Lernumgebung 61
6.3 Versuchsteilnehmer und Design 67
6.4 Versuchsleiterinnen und Versuchsleiter 68
6.5 Erfassung der abhängigen Variablen 68
6.5.1 Erfassung der Variablen des Lernprozesses 69
6.5.2 Erfassung des Lernerfolges 76
6.6 Erfassung der Kontrollvariablen 77
6.7 Statistische Verfahren 79
7. Ergebnisse der empirischen Untersuchung 82
7.1 Wirkung des Kooperationsskriptes auf den Lernprozess 82
7.2 Wirkung des Kooperationsskriptes auf den Lernerfolg 91
7.3 Zusammenhänge zwischen Lernprozess und Lernerfolg 94
8. Diskussion 99
9. Ausblick 107

Arbeit zitieren:
Gabler, Alexandra Juli 2002: Analyse und Förderung der Wissenskommunikation in kooperativen computermediierten Lernumgebungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wissenskonstruktion, kooperativ, lernen, Computer, Kommunikation

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