Aktienoptionspläne als Bestandteil von Managementanreizsystemen
Eine personalökonomische Analyse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Bernd Vermaaten
- Abgabedatum: Juli 2002
- Umfang: 105 Seiten
- Dateigröße: 872,6 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6137-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6137-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6137-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Vermaaten, Bernd Juli 2002: Aktienoptionspläne als Bestandteil von Managementanreizsystemen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Stock Options, Vergütung, Entlohnung, Prinzipal Agenten Theorie
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Diplomarbeit von Bernd Vermaaten
Einleitung:
Mit fortschreitender Globalisierung der Wirtschaft sowie zunehmender Deregulierung und Internationalisierung der Kapitalmärkte verändert sich auch die fundamentale Unternehmenszielsetzung. Seit den 90-er Jahren tritt die wertorientierte Unternehmensführung und die Ausrichtung der Unternehmenspolitik an den Interessen der Kapitalgeber als Zielgröße verstärkt in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen. Deshalb werden – auch in Deutschland – vermehrt Shareholder Value-Konzepte (-Ansätze) in den Unternehmen eingeführt. Für diesen Trend sind im Wesentlichen (a) das Umdenken zur Aktionärsorientierung, (b) die Veränderung von Entlohnungssystemen, (c) die verstärkte Propagierung des Shareholder Value durch internationale Beratungsgesellschaften und (d) die zunehmende Globalisierung der Kapitalmärkte verantwortlich.
Die unterschiedlichen Ansätze zum Shareholder Value basieren alle auf dem Grundprinzip der Diskontierung zukünftiger Cash Flows (Discounted Cash Flow). Sie verknüpfen dabei Methoden der Unternehmensbewertung, der langfristigen strategischen Planung und der dynamischen Investitionsrechnung. Die Entwicklung hin zu umfassenden Planungs- und Steuerungssystemen sowie die ausschließliche Orientierung der Unternehmensführung an den finanzwirtschaftlichen Interessen der Aktionäre bedingt somit auch eine Veränderung innerhalb der Vergütungssysteme der ersten Führungsebene.
Die langfristige Maximierung der Eigentümerrendite und die dann gekoppelte variable Managementvergütung lässt herkömmliche Erfolgsgrößen wie Jahresabschluss und Bilanzgewinn daher als zu kurzfristig und durch das Management manipulierbar erscheinen. „[…]“how much“ CEOs are paid is not that important; however, „how” they are paid is important”. Das bedeutet, dass für ein erfolgreiches, langfristiges wertorientiertes Management neben einem fixen Entlohnungsbestandteil anreizwirksame Vergütungskomponenten für die Führungsebene notwendig sind. In den Vereinigten Staaten sind langfristige, wertorientierte Vergütungsanreize bereits seit den 20er Jahren in Form sogenannter erfolgsabhängiger „Stock Option Plans“ bekannt. Mit dem steigenden Druck nachhaltiger Unternehmenswertentwicklung auf deutsche Unternehmen gewinnen diese langfristigen Vergütungsinstrumente auch innerhalb des deutschen Entlohnungsmix an Bedeutung.
Durch diese variable Form der Vergütung – als Teil der Gesamtentlohnung – erhält das Management das Recht, Aktien des eigenen Unternehmens zu einem zuvor festgelegten Bezugspreis zu erwerben. Die dabei aus Aktienkurssteigerungen möglichen hohen Gewinne führen in der Fach- und Wirtschaftspresse häufig zu kontroversen Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit zwischen Leistung und Entlohungshöhe auf Top-Managementebene. Die Höhe der Gehälter ist nach Meinung Schillers aus wissenschaftlicher Sicht zunächst von geringem Interesse.
Die wissenschaftliche Forschung hinsichtlich der Managemententlohnung hat ihren Ursprung in der Prinzipal-Agenten-Theorie und versucht die Struktur der Gehälter zu analysieren sowie Empfehlungen für die Praxis (z.B. bzgl. der Ausgestaltungsmöglichkeiten von Arbeitsverträgen) abzuleiten. Der Agencytheoretische Ansatz greift dabei speziell das Problem der asymmetrischen Informationsverteilung (ASIV) und der Interessendivergenz zwischen Unternehmenseignern und Management auf. Bereits 1929 haben Berle/Means erkannt, dass durch das Auseinanderfallen von Eigentum und Kontrolle Probleme entstehen können. Mittels theoretischer Überlegungen versucht die Principal-Agent-Theorie Lösungsansätze zu entwickeln, um diese Gegensätze zu mildern. Ein wesentliches Ziel ist dabei die Entwicklung entsprechender Anreize, bspw. durch die Beteiligung des Managements am Unternehmen mittels Aktienoptionen.
Gang der Untersuchung:
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher die Analyse und kritische Betrachtung, ob aus personalökonomischer Sicht Aktienoptionen als Bestandteil der Managemententlohnung ein geeignetes Instrument darstellen, um die Unternehmensführung derart zu lenken, dass der Unternehmenswert langfristig gesteigert wird. Weiterhin wird kurz dargestellt, ob sich mit der Implementierung von Aktienoptionsprogrammen für Unternehmen und begünstigte Mitarbeiter dadurch Probleme ergeben können.
Da diese Arbeit die Anreizwirkung von Aktienoptionsprogrammen u.a. vor dem theoretischen Hintergrund der Principal-Agent-Theorie erörtert, werden in Kapitel 2 zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie im Kontext einer anreizkompatiblen Entlohnung dargelegt.
Im Rahmen des dritten Kapitels werden das Corporate Governance Prinzip und der Shareholder Value Ansatz primär im Zusammenhang mit der strategischen Unternehmensführung diskutiert. Dabei wird insbesondere auf die Zielsetzung wertorientierter Unternehmensführung eingegangen. Zur Steigerung des langfristigen Unternehmenswertes sind Managementanreizsysteme notwendig, die die Umsetzung des Shareholder Value Ansatzes unterstützen.
Das Kapitel 4 untersucht folglich Notwendigkeit, Funktionen und Anforderungen dieser Anreizsysteme. Dabei wird insbesondere auf die strategische Ausrichtung sowie die notwendige Motivations- und Lenkungswirkung eingegangen.
Im Kapitel 5 werden die Möglichkeiten der Ausgestaltung sowie Probleme von Aktienoptionsprogrammen als Vergütungsbestandteil eines Managementanreizsystems diskutiert.
Das letzte Kapitel setzt sich kritisch mit den Umsetzungsproblemen der theoretischen Ansätze in der Praxis auseinander.
Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung und kritische Würdigung der erarbeiteten Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 5 | |
| 1. | Einführung | 6 |
| 1.1 | Problemstellung | 6 |
| 1.2 | Zielsetzung und Verlauf der Arbeit | 9 |
| 2. | Die Prinzipal-Agenten Theorie als Grundlage einer wertorientierten Unternehmensführung | 10 |
| 2.1 | Theoretischer Ausgangspunkt und Einordnung | 10 |
| 2.1.1 | Die Theorie der Unternehmung | 10 |
| 2.1.2 | Die normative Agency-Theorie | 12 |
| 2.1.3 | Die positive Agency-Theorie | 12 |
| 2.2 | Die Agency-Theorie im Unternehmenskontext | 13 |
| 2.2.1 | Wer ist Prinzipal, wer ist Agent? | 13 |
| 2.2.2 | Grundprinzip einer Prinzipal-Agenten-Beziehung | 13 |
| 2.2.3 | Die asymmetrische Informationsverteilung | 17 |
| 2.3 | Zwischenfazit | 21 |
| 3. | Wertorientierte Unternehmensführung vor dem Hintergrund anreizkompatibler Vergütung | 22 |
| 3.1 | Charakteristika wertorientierter Unternehmensführung | 22 |
| 3.2 | EXKURS: Ausgewählte Shareholder-Value Ansätze | 26 |
| 3.3 | Das Spannungsfeld Shareholder vs. Stakeholder | 33 |
| 3.4 | Die Notwendigkeit von Corporate Governance | 34 |
| 3.5 | Zwischenfazit | 38 |
| 4. | Gestaltungsprinzipien eines Managementanreizsystems | 39 |
| 4.1 | Allgemeine Grundlagen von Anreizsystemen | 39 |
| 4.2 | Strategisch-orientiertes Anreizsystem für das Management | 41 |
| 4.3 | Notwendige Funktionen eines Managementanreizsysteme | 44 |
| 4.3.1 | Die Motivationswirkung | 44 |
| 4.3.2 | Selektions- und Koordinationsfunktion | 49 |
| 4.4 | Anforderungen an Managementanreizsysteme | 50 |
| 4.5 | Zwischenfazit | 56 |
| 5. | Aktienoptionsprogramme als Bestandteil der Managementvergütung | 57 |
| 5.1 | Grundlagen Optionen/Aktienoptionsprogramme | 57 |
| 5.1.1 | Zielsetzung von Aktienoptionsprogrammen | 58 |
| 5.1.2 | Rechtliche Grundlagen von Aktienoptionsprogrammen | 59 |
| 5.1.2.1 | Gesellschaftsrechtliche Aspekte | 59 |
| 5.1.2.2 | Bilanzielle Behandlung von Aktienoptionen | 62 |
| 5.1.3 | Grundformen von Optionsplänen | 65 |
| 5.1.4 | Gestaltungsparameter eines Aktienoptionsprogrammen | 69 |
| 5.1.5 | Gestaltungsprobleme und Manipulationsgefahren | 74 |
| 5.2 | Aktienoptionsprogramme zwischen Theorie und Empirie | 81 |
| 6. | Kritische Würdigung: In der Praxis sind Aktienoptionen für Managementanreizsysteme wenig geeignet | 85 |
| Anhang | 88 | |
| Literaturverzeichnis | 90 |
Anreizsystems interpretiert werden, während Motivation eine auf Wirtschaftlichkeit aufbauende Funktion darstellt. Demzufolge ist eine begriffliche Trennung in Funktionen und Anforderungen angebracht und sinnvoll.214 Die nachfolgenden Anforderungen an das Managementanreizsystem werden daher auf diejenigen reduziert, die notwendig sind, um die in Kapitel 4.3. vorgestellten Funktionen zu erfüllen. Von den in der Literatur definierten Anforderungen werden folgende übernommen: Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Flexibilität, Anreizkompatibilität und vor allem Leistungsorientierung. Die Bestimmung und Auswahl von bestimmten Anforderungen ist notwendig, da es nicht möglich ist, alle Forderungen bei der Systemgestaltung zu berücksichtigen und zu realisieren.215 Zudem ist die Lösung des Principal-AgentKonflikts nicht kostenlos.216 Insofern stellen die ausgewählten Anforderungen, aus Sicht des Verfassers, die Minimalforderungen an die Eignung eines strategischen Managementanreizsystems dar. Wie an jedes betriebswirtschaftliche Instrument sollte auch bei der Planung und Umsetzung eines Anreizsystems auf die Wirtschaftlichkeit geachtet werden. Die Kosten/Nutzenrelation zwischen Prinzipal und Agent muss dabei besonders beachtet werden217, d.h. die Kosten für die Leistungserbringung sollten langfristig unter dem direkten und indirekten Nutzen aus dem Anreizsystem liegen.218 Becker versteht unter Kosten z.B. die Kontrollkosten („agency costs“), die bei der Leistungsüberwachung entstehen.219 Die wirtschaftliche Durchführung eines Anreizsystems darf in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der Entlohnungshöhe nicht vernachlässigen. Dies wird gerade bei der aktuellen Diskussion bzgl. der Bilanzierung von Aktienoptionen für Mit- [...]
Neben der reinen Selbstselektion könnte das Anreizsystem auch als Personalund Karriereentwicklungstool für talentierte Nachwuchsführungskräfte dienen und so eine zusätzliche Anreizwirkung auf der zweiten Führungsebene bewirken. Ein wichtiges Problemfeld, das ein Anreizsystem aufgreifen sollte, ist der Koordinationsaspekt innerhalb des Unternehmens. Nach Winter lässt sich der Gesamterfolg einer Unternehmung nicht aus einer Summe von Einzelleistungen erreichen.210 Eine effiziente Zusammenarbeit kann nur durch Koordination erzielt werden. Leistungsorientierte Anreizsysteme bergen aber die Gefahr von unkooperativem bis hin zu opportunistischem Verhalten.211 Damit können laut Winter „[...] die Vorteile eines leistungsbezogenen Anreizsystems zunichte [...]“212 gemacht werden. Aufgabe eines Anreizsystems muss es daher sein, dem Manager entsprechende Anreize zu bieten, um dem vorzubeugen. Managementanreizsysteme sollen somit motivieren, selektieren und Aktivitäten koordinieren, um zu einer Steigerung des Eigentümervermögens beizutragen. Die Erfüllung der drei Funktionen: Motivation, Selektion und Koordination setzt verschiedene Anforderungen voraus. [...]
4.3.2 Selektions- und Koordinationsfunktion Um die Eigentümerrendite zu maximieren, ist neben entsprechenden Anreizen für zielorientiertes Handeln, auch die Qualifikation der Führungsebene wichtig. Die Selektionsfunktion eines Anreizsystems muss daher einen Auswahlmechanismus beinhalten, der hilft, geeignete Führungskräfte anzuziehen.207 Ziel ist die Selektion von Bewerbern, die den quantitativen und qualitativen Anforderungen gerecht werden. Die Auswahl der zukünftigen Mitarbeiter kann dabei durch Fremdselektion erfolgen, d.h. der Bewerber wird durch Dritte beurteilt. Die zweite Variante, die Eigenselektion, wird durch das Anreizsystem selbst beeinflusst. Potentielle Mitarbeiter würden sich demnach nur dann für das Unternehmen interessieren, wenn der dadurch erzielbare positive Gesamtnutzen über vergleichbaren Alternativen liegt.208 Aus Unternehmens- und Investorensicht würde ein Managementanreizsystem einen positiven Beitrag zur Unternehmensentwicklung beitragen, wenn es gelänge, Anreize zu setzen, die ausschließlich hochqualifizierte Führungskräfte anziehen würden. Aufgrund der vorhandenen Informationsasymmetrie kann jedoch nur eine gewisse Selbstselektion erreicht werden.209 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832461379
Arbeit zitieren:
Vermaaten, Bernd Juli 2002: Aktienoptionspläne als Bestandteil von Managementanreizsystemen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Stock Options, Vergütung, Entlohnung, Prinzipal Agenten Theorie




