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Prozessorientierte Betrachtung von Trennung/Scheidung bei Paaren mit Kindern

Prozessorientierte Betrachtung von Trennung/Scheidung bei Paaren mit Kindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Heike Weber
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 897,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Akademie für Sozialarbeit des Landes Steiermark Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6036-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6036-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6036-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Weber, Heike Januar 2002: Prozessorientierte Betrachtung von Trennung/Scheidung bei Paaren mit Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konflikte, Entstehung, Verlauf, Phasenverlauf

Diplomarbeit von Heike Weber

Einleitung:

„Auf ewig dein.“ Das vorherrschende Leitbild unserer Gesellschaft ist dasjenige der romantischen Liebe. Dies beinhaltet eine gefühlsmäßige Bindung, die zum Traualtar führt und dann lebenslang hält. Doch die Statistiken widersprechen diesem Bild. Hin und her gerissen zwischen alten Idealen und neuen Beziehungskonzepten ist es heute nicht mehr ausschließlich der Tod, der die Ehe „scheidet“. Jedes 3. Ehepaar lässt sich scheiden. In Wien liegt die Scheidungsrate sogar bei 50%. Im Diskurs mit anderen Menschen zum Thema Trennung/Scheidung erlebe ich immer wieder, dass eine der häufigsten Fragestellungen ist, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass so viele Beziehungen wieder in die Brüche gehen.

Was also sind die Faktoren, die darüber entscheiden, ob eine Partnerschaft von Dauer ist? Ich möchte in meiner Diplomarbeit versuchen, Antworten auf diese Frage zu finden. Ich werde die Trennung als Ausgangspunkt aufgreifen und zurückblicken, weshalb dieser Lösungsversuch gewählt wurde. Danach möchte ich auf diesen Trennungsprozess in einer allparteilichen Sichtweise eingehen und aufzeigen, welche Bedürfnisse Eltern und Kinder in dieser Zeit haben.

Gang der Untersuchung:

Zu Anfang erörtere ich, welche entwicklungsgeschichtlichen Aspekte für das Phänomen Scheidung relevant sind und zeige auf, mit welchen Chancen und Problemen Familie heute konfrontiert ist.

Danach möchte ich anhand der sozialen Ausstattungs- und Austauschprobleme nach Silvia Staub-Bernasconi zurückverfolgen, wie Konflikte entstehen können. In weiterer Folge möchte ich schildern, wie Konflikte verlaufen und welche möglichen Umgangsformen damit existieren.

Im nachfolgenden Kapitel beleuchte ich den Übergang von Konflikten zur Trennung, die Bedeutung von Trennungen, deren psychische Komponenten und die subjektiven Ursachen und anhand einiger demografischer Daten werde ich veranschaulichen, welche Tendenzen vorhanden sind.

Im weiteren Verlauf setze ich mich mit der Perspektive der Eltern in der Trennungs-phase auseinander und zeige auf, welche Scheidungsphasen/Trennungsphasen diese durchlaufen.

Das nachfolgende Kapitel geht auf die kindliche Perspektive der elterlichen Trennung ein. Hier stehen unter anderem die entwicklungsspezifischen Bewältigungsstrategien und die Frage danach, was es Kindern erleichtert bzw. erschwert, diese Krisensituation zu bewältigen, im Mittelpunkt.

Im letzten Abschnitt schildere ich, welche persönlichen Anforderungen die elterliche Trennung an Eltern stellt und welche professionellen Beratungsziele für Eltern und Kinder im Zusammenhang damit von Bedeutung sind.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Entwicklungsgeschichtliche Aspekte des Phänomens Trennung/Scheidung 7
1.1 Definition von Familie 7
1.2 Historische Entwicklung von Familie 7
1.2.1 Allgemeine Betrachtung 7
1.2.2 Familienentwicklung nach Lawrence Stone 9
1.3 Faktoren für den Wandel der Bedeutung von Familie nach Beck-Gernsheim 10
1.4 Anforderungen an die Familie heute 13
1.5 Chancen und Probleme von Familien 15
1.5.1 Chancen von Familien 15
1.5.2 Probleme von Familien 16
2. Erklärungsmodell für Entstehung, Verlauf und Umgang von/mit Konflikten 18
2.1 Soziale Ausstattungs- und Austauschprobleme nach Staub-Bernasconi 18
2.1.1 Ausstattungsprobleme 20
2.1.1.1 Körperliche Ausstattungsprobleme 21
2.1.1.2 Sozioökonomische und sozialökologische Ausstattungsprobleme 21
2.1.1.3 Ausstattungsprobleme mit Wahrnehmungs- und Erlebnisweisen 23
2.1.1.4 Ausstattungsprobleme mit Symbolen 25
2.1.1.5 Ausstattungsprobleme mit Handlungsweisen 27
2.1.1.6 Beziehungsmäßige Ausstattungsprobleme 28
2.1.2 Soziale Austauschprobleme zwischen Menschen 29
2.1.2.1 Asymmetrien der körperlichen Begegnung 31
2.1.2.2 Asymmetrien des Güteraustausches/Ressourcenaustausches 31
2.1.2.3 Asymmetrien des Austausches von Wahrnehmungsweisen und Wahrnehmungskompetenzen 31
2.1.2.4 Asymmetrien des Austausches von Symbolen 32
2.1.2.5 Asymmetrien des Austausches von Handlungsweisen, Handlungskompetenzen 32
2.2 Konflikte 33
2.2.1 Definition von Konflikten 33
2.2.2 Einige charakteristische Merkmale von Konflikten 34
2.2.3 Häufige Themen in zwischenmenschlichen Konflikten 34
2.2.3.1 Paarkonflikte 34
2.2.3.2 Dreier- oder Dreieckskonflikte 36
2.2.4 Faktoren, die den Umgang mit Konflikten erschweren 37
2.2.5 Umgangsmöglichkeiten mit Konflikten 37
2.2.6 Verlauf von Konflikten 38
3. Trennung als möglicher Lösungsansatz 39
3.1 Der Übergang von Konflikten zur Trennung 39
3.2 Die Bedeutung von Trennungen 39
3.3 Innerpsychische Vorgänge 41
3.4 Subjektive Ursachen der Trennung 42
3.5 Demografische Entwicklung 44
4. Eltern in der Trennungsphase 50
4.1 Prozessverlauf der Trennung 51
4.1.1 Die Vorscheidungsphase 52
4.1.1.1 Verschlechterung der Beziehung 53
4.1.1.2 Entscheidungskonflikt 54
4.1.2 Die Scheidungsphase 58
4.1.2.1 Die Trennung und die Zeit danach 58
4.1.2.2 Die Scheidung 61
4.1.3 Die Nachscheidungsphase 61
5. Trennung aus der kindlichen Perspektive 65
5.1 Wie erleben Kinder eine Trennung? 66
5.2 Phasen zur Bewältigung einer existentiellen Krise nach Kübler-Ross 68
5.3 Entwicklungsspezifische Bewältigungsstrategien von Kindern 69
5.3.1 Reaktionen von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren 69
5.3.2 Bewältigungsversuche von Kindern im Alter von 2 ½ bis 6 Jahren 71
5.3.3 Bewältigungsversuche von Kindern im Alter von 5 bis 9 Jahren 72
5.3.4 Bewältigungsstrategien von Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren 73
5.3.5 Bewältigungsstrategien von Kindern/Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren 75
5.3.6 Bewältigungsstrategien in der Adoleszenz 76
5.3.7 Trennungssymptome nach Alter 78
5.4 Ausgewählte anpassungsfördernde und -hemmende Faktoren 80
5.4.1 Geschlecht des Kindes 80
5.4.1.1 Geschlechtsspezifische Auswirkungen bei Obsorge der Mutter 81
5.4.1.2 Geschlechtsspezifische Auswirkungen bei Obsorge des Vaters 83
5.4.2 Psychosoziale Kompetenzen, Bewältigungs- und Anpassungsfähigkeit 83
5.4.3 Beziehung der Eltern zueinander 84
5.4.4 Kontakthäufigkeit und Qualität der Kontakte zum „außerhalb“ lebenden Elternteil 85
5.5 Bedeutung der Trennungserfahrung für die Entwicklungsprognose 88
5.6 Gibt es einen „optimalen“ Trennungszeitpunkt? 90
5.7 Plädoyer für das Recht des Kindes auf beide Elternteile 92
6. Der Umgang mit Trennungen 96
6.1 Unterschiedliche Zielsetzungen in der professionellen Scheidungs- bzw. Trennungsarbeit 96
6.2 Was unterstützt Eltern in der Trennungssituation? 98
6.2.1 Psychische Aufgaben nach der Trennung 98
6.2.2 Die „Schuldfrage“ nach Hellinger 101
6.2.3 Schwerpunkte der Trennungsberatung bei Eltern 102
6.3 Bedürfnisse von Kindern, um die Trennungserfahrung aufzuarbeiten 104
6.3.1 Sofortmaßnahme in der Trennungssituation 104
6.3.2 Umgang mit den unmittelbaren Trennungsreaktionen der Kinder 105
6.3.3 Phasengerechte Beratung von Scheidungskindern 107
6.3.4 Ganzheitlicher Ansatz bei Trennung der Eltern 109
6.3.5 Langfristige Bedürfnisse der Kinder nach der Trennung der Eltern 113
7. Schlussbemerkung 115
Quellennachweis 118

Automatisiert erstellter Textauszug:

Für Eltern bedeutet Trennung – neben dem Schmerz, den sie aufarbeiten müssen – die Chance auf einen Neubeginn. Für Kinder stellt sich die Situation anders dar: Für sie zerbricht unwiderruflich ein Stück heile Welt. Haben sie sich bis vor kurzem noch sicher gefühlt in der Triade zwischen Vater und Mutter, so müssen sie plötzlich feststellen, dass man offenbar so sehr streiten kann, dass man sich nicht mehr lieb hat. Trotz aller Beteuerungen von Vater und Mutter, dass sich nicht sehr viel ändern wird, ändert sich für sie alles – nichts ist mehr so wie es war. Die elterliche Trennung ist für Kinder ein beängstigendes und zutiefst unerwünschtes Ereignis.97 Sie müssen sich nach der Trennung der Eltern mit einer gänzlich veränderten Situation zurechtfinden: Sie müssen erleben, dass die Eltern mit ihrer eigenen Krise so beschäftigt sind, dass sie dem erhöhten Zuwendungsbedürfnis der Kinder nicht gerecht werden können. Kinder verlieren schlagartig den ständigen Kontakt zu dem Elternteil, der "aus der Familie geht" und in weiterer Folge büßen sie auch an Quantität und Qualität im Kontakt zu dem Elternteil ein, bei dem sie verbleiben. Dies lässt sich zwar durch emotionale und ökonomische Hintergründe erklären, ist jedoch für ein Kind nicht nachvollziehbar. Auch die Beziehungen zu den Großeltern, anderen Verwandten und zum sozialen Umfeld verändern sich oder werden gänzlich abgebrochen. Die Rahmenbedingungen innerhalb der Familie werden ebenso umgestaltet. Oft müssen Mütter, die vorher zu Hause bei den Kindern waren, erwerbstätig werden und die Kinder werden tagsüber in Betreuungseinrichtungen untergebracht. Manchmal ist ein Umzug notwendig und in dessen Folge zieht dies eine weitreichende Veränderung der Lebensumwelt der Kinder nach sich. Die schmerzlichste Erfahrung für Kinder ist oft, dass das einzig Positive, das sie an der Trennung finden können, nämlich das Ende der Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, sich nicht bewahrheitet. Streitigkeiten über das Sorgerecht und das Besuchsrecht sind häufig. Oft kommt es auch weiterhin zu gegenseitigen Abwertungen der Eltern und Kinder werden häufig in die Konflikte der Eltern [...]

Problemlösungsfähigkeit und Kreativität wirken sich positiv auf die Verarbeitung aus. Die subjektive Bewertung der eigenen Situation spielt auch hier wieder eine wichtige Rolle. Ein wichtiger Aspekt ist auch, ob der/die Betroffene die "psychische Scheidung" von dem/der PartnerIn vollzogen hat. Dazu bedarf es einer Auseinandersetzung mit der Partnerschaft und auch Trauerarbeit muss geleistet werden. Außerdem müssen Gefühle des Versagens und Schuldgefühle verarbeitet werden. Sehr wichtig ist auch, dass der/die Betroffene den eigenen Anteil am Scheitern der Beziehung erkennt und akzeptiert. Somit entsteht ein der Realität entsprechendes Bild von dem/der getrennten PartnerIn und er/sie ist für das psychische Wohlbefinden nicht mehr von Bedeutung.95 Gelingt die psychische Scheidung nicht, so zentriert sich das Leben der getrennten Person nach wie vor auf den/die Ex-PartnerIn. Wurde diese Ablösung erfolgreich bewältigt, so kann man sich frei für oder gegen eine neue Partnerschaft entscheiden. Die vorhergehenden Erfahrungen wurden [...]

suchen sich einen neuen Freundeskreis und definieren die Beziehung zu ihren Kindern neu. Gleichzeitig entwickeln sie neue Lebensziele und bilden eine neue Identität aus. Sie sind mit dem Leben zufrieden und entwickeln eine innere Ruhe. Dennoch kann man auch bei diesen Personen feststellen, dass manchmal Gefühle wie direkt nach der Trennung hervorbrechen. Dies insbesondere dann, wenn der/die frühere PartnerIn wieder eine feste Bindung eingeht oder wenn er/sie ein Kind bekommt bzw. im eigenen Leben eine größere Veränderung eintritt. Insgesamt kann man hier wieder feststellen, dass die individuelle Entwicklung der getrennten Personen besser verläuft, wenn sie bereits vor der Trennung relativ wenig psychische und interpersonale Probleme erlebt haben, wenn die Trennung mit relativ wenig Stress verbunden war, sie über gute coping-Strategien verfügen und wenn die Betroffenen viel Unterstützung wie im primären Netzwerk erfuhren. Auch Persönlichkeitseigenschaften Durchsetzungsfähigkeit, Selbstsicherheit, [...]

Arbeit zitieren:
Weber, Heike Januar 2002: Prozessorientierte Betrachtung von Trennung/Scheidung bei Paaren mit Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konflikte, Entstehung, Verlauf, Phasenverlauf

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