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Einflussmöglichkeiten von Nicht-Regierungsorganisationen auf die Umweltpolitik der Europäischen Union

Einflussmöglichkeiten von Nicht-Regierungsorganisationen auf die Umweltpolitik der Europäischen Union
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tilmann Wörner
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 677,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6014-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6014-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6014-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wörner, Tilmann August 2002: Einflussmöglichkeiten von Nicht-Regierungsorganisationen auf die Umweltpolitik der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Umweltverbände, Lobbying, Lobbyarbeit, Europäisches Umweltbüro, EEB

Diplomarbeit von Tilmann Wörner

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit wird zunächst untersucht, in wie weit im Bezug auf die Umweltpolitik der EU von einem vergemeinschafteten Politikfeld gesprochen werden kann, also in welchem Maße Umweltpolitik bereits auf europäischer Ebene betrieben wird.

Anschließend wird anhand von den theoretischen Modellen des Pluralismus und des (Neo-) Korporatismus ein Fundament gelegt, wie man Verbände in das politisch-administrative System verorten kann, also in welchem Maße diese mit den staatlichen Institutionen verzahnt sind.

Während diese zwei Verbändetheorien eher die Grobstruktur der Zusammenarbeit von Staat und Verbände verdeutlichen, wird anhand einer Netzwerkanalyse illustriert, welche konkrete Rolle Umweltverbände innerhalb von politischen Netzwerken spielen. Ein besonderer Aspekt ist hierbei, welche Art von Tauschgütern Umweltverbände in den politischen Prozess einbringen können, da dies Aufschluss über deren Verhandlungsmacht gibt. In diesem Zusammenhang werden auch in kurzer Form die Einflusspotentiale von Wirtschafts- und Industrieverbänden thematisiert, die die zweite Kategorie von Verbänden bilden, die Einfluss auf die Umweltpolitik der EU nehmen.

Ein weiteres Erkenntnisinteresse liegt darin, wie offen die Institutionen der EU für die Einflussnahme von Umweltverbänden sind.

Darüber hinaus werden die Parameter verdeutlicht, die die Organisationsfähigkeit und die Interessenaggregation der europäischen Umweltverbände determinieren. Daher wird das Spannungsfeld von Mitgliedschafts- und Einflusslogik aufgezeigt, in dem sich Umweltverbände befinden. Als weiterer Erklärungsansatz wird zudem Mancur Olsons Theorie des kollektiven Handelns herangezogen.

Anschließend gibt ein Fallbeispiel aus der EU-Umweltpolitik darüber Aufschluss, wie zumindest im Einzelfall die Zusammenarbeit von Umweltverbänden und dem politischen System gestaltet ist.

Am Ende der Arbeit werden die Umweltverbände anhand der Verbändetheorien in das politische System der EU eingeordnet. Maßgeblich hierfür sind die Informationen und Erkenntnisse, die im Verlauf der Arbeit präsentiert werden konnten.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
Methodische Vorgehensweise und Erkenntnisinteresse 3
1. Die Europäische Union als Umweltunion 4
1.1 Entwicklung der rechtlichen Grundlagen der Umweltpolitik 4
1.1.1 Anfänge einer gemeinschaftlichen Umweltpolitik 4
1.1.2 Gemeinschaftliche Umweltkompetenzen durch die EEA 6
1.1.3 Artikel 130r, Absatz 1 und 2 6
1.1.4 Artikel 100a 7
1.1.5 Umweltschutzkompetenzen durch den Maastrichter Vertrag 8
1.1.6 Umweltschutzkompetenzen durch den Vertrag von Amsterdam 9
1.1.7 Subsidiaritätsprinzip in der Umweltpolitik 10
1.1.8 Diskussion 12
1.2 Bedeutung der EU für Umweltverbände 14
1.3 Umweltverbände auf EU-Ebene 15
2. Begriffsdefinitionen 16
2.1 Nicht-Regierungsorganisationen 16
2.2 Einflussnahme von Interessenverbänden 17
2.3 Lobbying 17
2.3.1 Begriffsdefinition Lobbying 17
2.3.2 Lobbying als Tausch 19
2.3.3 Lobbying bei politischen Akteuren 19
2.3.4 Lobbying bei bürokratischen Akteuren 20
3. Theoretischer Bezugsrahmen 22
3.1 Verbände im politischen Prozess 22
3.2 Pluralismus 23
3.2.1 Begriff 23
3.2.2 Entstehung von Verbänden im Pluralismus 24
3.2.3 Kennzeichen einer pluralistischen Interessenvermittlung 24
3.2.4 Einbettung der Verbände ins pluralistische System 25
3.3 (Neo-) Korporatismus 26
3.3.1 Korporatismusbegriff 26
3.3.2 Neokorporatismus 26
3.3.3 Begriff 26
3.3.4 Akteure 27
3.3.5 Institutionelle Beteiligung von Verbänden beim Neokorporatismus 28
3.3.6 Voraussetzungen für neokorporativ-verbandliche Strukturen 29
3.3.7 Makro- und Mesokorporatismus 30
3.4 Mitgliedschafts- und Einflusslogik 31
3.5 Politik-Netzwerk-Konzept 33
3.5.1 Die EU als Mehrebenen-Netzwerk 34
3.5.2 Akteure 35
3.5.3 Netzwerkfunktion 36
3.5.4 Netzwerkstrukturen 37
3.5.5 Machtverteilung 37
3.6 Machtasymmetrie zwischen Umweltverbänden und anderen Verbänden 38
3.7 Professionalisierung der Interessenpolitik 40
3.8 Diskussion 41
4. Offenheit der EU-Institutionen für das Lobbying von Umweltverbänden 42
4.1 Die Kommission 42
4.1.1 Kompetenzen der Kommission 42
4.1.2 Einflussmöglichkeiten von NGO’s auf die Kommission 43
4.1.3 Lobbying-Verständnis der Europäischen Kommission 46
4.1.4 Taktiken der Kommission in der Umweltpolitik 46
4.2 Rat der Europäischen Union („Ministerrat“) 48
4.2.1 Kompetenzen des Rats der Europäischen Union 48
4.2.2 Bedeutung des Rats der Europäischen Union für das Lobbying 48
4.3 Europäisches Parlament 50
4.3.1 Kompetenzen des Europäischen Parlamentes 50
4.3.2 Bedeutung des EP’s für die Einflussnahme von NGO’s 51
4.3.3 Lobbying-Verständnis des Europäischen Parlaments 53
4.4 Europäischer Rat 54
4.5 Ausschusswesen in der EU 55
4.5.1 Ausschüsse des Rates 56
4.5.2 Ausschüsse der Kommission 56
4.6 Wirtschafts- und Sozialausschuss 57
4.7 Europäischer Gerichtshof EuGH 58
4.8 Gesetzgebungsverfahren 59
4.8.1 Initiations- und Vorbereitungsphase 59
4.8.2 Entscheidungsphase 61
4.8.3 Implementationsphase 62
4.9 Diskussion 63
5. Determinanten der Zusammenarbeit von Umweltverbände 65
5.1 Dachverbandsdilemma beim EEB 66
5.2 Unterschiedliche Zielsetzung und Strukturen der Umweltverbände 66
5.3 Unterschiedliche Politikstile 67
5.4 Unterschiedlicher ideologischer Hintergrund der Umweltverbände 68
5.5 Selbstverständnis der Umweltverbände 70
5.6 Zusammenarbeit zwischen den Umweltverbänden 71
5.7 Diskussion 73
6. Organisationsfähigkeit und Interessenaggregation 74
6.1 Theorie des kollektiven Handelns 75
6.2 Kritik an Olsons Theorie 77
6.3 Bereitschaft der Individuen zur Unterstützung eines Umweltverbandes 78
6.4 Unterstützung der Umweltverbände durch EU-Bürger 79
6.5 Anwendung der Theorie Olsons auf das Verhalten innerhalb der Umweltverbände 81
6.6 Diskussion 82
7. Fallbeispiel Flora-Fauna-Habitatschutzrichtlinie 83
7.1 Motivation der FFH-Richtlinie 83
7.2 Entstehungsprozess der FFH-Richtlinie 84
7.3 Umsetzung der Richtlinie 85
7.4 Bewertung der FFH-Richtlinie 86
8. Umweltverbände in der verbandstheoretischen Sicht 88
8.1 Anzeichen für Pluralismus 88
8.2 Anzeichen für (Neo-) Korporatismus 90
8.3 Diskussion 92
9. Resumee und Ausblick 94
10. Literaturverzeichnis 96

Automatisiert erstellter Textauszug:

einflussreichsten Organ der Union, dem Rat, wenig Einflusschancen besitzen. So haben Umweltverbände kaum einen Zugang zu den Ausschüssen des Rates. Dies hat zur Folge, dass Umweltverbände in der Entscheidungsphase des Gesetzgebungsprozesses so gut wie keine Möglichkeit haben, ihre Forderungen durchzusetzen. Dagegen zeichnet sich die Kommission durch eine relativ hohe Offenheit für das Lobbyieren von Umweltverbänden aus. Die Kommission hat sich im Verlauf der Entwicklung der EU-Institutionen eine gewichtige Rolle in der Umweltpolitik erkämpfen können, wie man an ihren diesbezüglichen Taktiken erkennen kann. So können Umweltverbände in der Phase der Politikformulierung vor allem durch technische Gutachten der Kommission zuarbeiten. Allerdings ist zu hierbei und das wieder die –netzwerken Europäische auf die oftmals einen ressourcenstarke in zu für den den die Gegenpol sind Wirtschaftsverbände verweisen, [...]

Europäischen Parlament eingebracht wird. Auch wenn die „Rechtswirkungen einer Aufforderung des Rates oder des EP an die Kommission umstritten ist“174, ist die Kommission in der Praxis de facto verpflichtet, darauf zu reagieren. Prinzipiell lässt sich aber sagen, dass obwohl die Kommission über das Initiativmonopol verfügt, die EU-Richtlinien zum Umweltbereich „oftmals durch die Initiative eines oder mehrerer Mitgliedstaaten, einzelner Behörden oder Interessengruppen entstehen“175. Daher bestehen in dieser Phase, in der die Kommission viele Informationsquellen zur Umsetzung des Gesetzesvorschlages heranzieht, die größten Chancen für Umweltverbände, Einfluss auf die Umweltpolitik der EU zu nehmen. Zudem hat das Europäische Parlament die Möglichkeit, „eine Initiative der Kommission lancieren, entweder durch informelle Konsultationen, durch appellative Entschließungen, durch die gemeinsame Beratung des legislativen Kalenders oder, seit Maastricht, indem es die Kommission förmlich dazu auffordert“176. Hat sich ein Thema in der europäischen Diskussion etabliert, muss zunächst geprüft werden, ob es nach dem Subsidiaritätsgrundsatz (Art. 3b EGV) ein Gebiet ist, das auf Ebene der EU behandelt werden muss. Interessengruppen haben hierbei die Möglichkeit „durch geeignete Teilnahme am Diskurs einen Gesetzgebungsvorschlag zu fördern oder zu Fall zu bringen“177. Denn ein Vorschlag hat bessere Chancen den Subsidiaritätstest zu bestehen, wenn er von großen respektive wichtigen Teilen der Gesellschaft getragen wird. Ist die Entscheidung für einen Gesetzesentwurf gefallen, wird ein Kommissionsbeamter mit dessen Betreuung beauftragt. Dieser Kommissionsbeamte nimmt als Vertreter der Kommission auch Teil an den Entscheidungsprozessen der anderen EU-Organe und versucht zu verhindern, „dass die dem Entwurf zugrunde liegenden Ziele im weiteren Gesetzgebungsprozess durch andere Akteure verwässert wird“178. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung ist die genaue inhaltliche und formale Abgrenzung der zu behandelnden Thematik. Aufgrund der Heterogenität der verschiedenen Akteure im EU-Netzwerk ist dieser Prozess der Problemeingrenzung und Problemformulierung [...]

Héritier 1996: 475ff). Es soll gezeigt werden, mit welchen Mitteln die Kommission den Stellenwert der Umweltpolitik vergrößert hat. Besonders hervorzuheben ist bezüglich der Umweltpolitik die Zusammenarbeit der Kommission mit subnationalen Verwaltungen sowie mit Akteuren aus dem nicht öffentlichen Bereich, denn die Kommission „kann auf diese Weise Terrain besetzen, ohne daran unmittelbar von den Regierungen der Mitgliedstaaten gehindert werden zu können“139. Eine andere Strategie der Kommission, um ihren Einflussbereich zu vergrößern ist es, ökologische Maßnahmen mit Sachfragen aus anderen Bereichen, wie z.B. dem Binnenmarkt zu verknüpfen. Durch diese so genannten „Rucksack-Strategie“ haben unpopuläre umweltpolitische Vorhaben eine größere Chance durchgesetzt zu werden, wenn sie mit Vorschlägen verbunden werden, die die Marktintegration vorantreiben. Diese Strategie bietet sich vor allem bei Normenfestlegungen und Produktregulierungen an. Darüber hinaus versucht die Kommission mittels der „Russische-Puppen-Strategie“ Rahmenrichtlinien zu formulieren, die konsensfähig sind, da sie nur sehr vage formuliert sind. An diese Rahmenrichtlinie schließen sich aber „Tochter-Richtlinien“ an, die „genauer festlegen, wie der allgemeine Rahmen ausgefüllt werden muss“140. Die Mitgliedstaaten werden hierbei dazu getrieben, Folgerechtsakten zuzustimmen, da sie ja schon den Rahmenrichtlinien zugestimmt haben. Eine weitere Taktik der Kommission ist es, externe Experten bei der Entwurfsphase von Gesetzen einzubinden. Diese Experten, die zwar nur beratende Funktion haben, setzen umweltpolitische Regelungen auf ein komplexes, technisches Niveau, das den „politisch Verantwortlichen oder gar der Öffentlichkeit unzugänglich ist“141. Insgesamt gesehen ist es für die Kommission ein großer Vorteil, dass sie sowohl einen Gesamtüberblick auf die europäische Umweltpolitik besitzt, als auch über die Interessenlagen der Mitgliedstaaten informiert ist. Dieses Wissen erlaubt ihr, bestimmte Themen gerade dann auf die Agenda zu setzen, wenn dafür der geeignete Zeitpunkt gekommen ist. [...]

Arbeit zitieren:
Wörner, Tilmann August 2002: Einflussmöglichkeiten von Nicht-Regierungsorganisationen auf die Umweltpolitik der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Umweltverbände, Lobbying, Lobbyarbeit, Europäisches Umweltbüro, EEB

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