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Die Rolle des Sporteinzelhandels bei einem Mass Customization

Konzept für die Individualisierung von Skischuhen und dessen marketingpolitische Auswirkungen

Die Rolle des Sporteinzelhandels bei einem Mass Customization
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Thomas Josten

Einleitung:

Kundenindividuelle Massenproduktion (Mass Customization), als ein innovatives Wertschöpfungsmodell zur Herstellung kundenspezifischer Produkte und Dienstleistungen, wird in vielen Branchen als Wettbewerbsstrategie der Zukunft angesehen.

Dabei bildet die effiziente Abwicklung der Informationsflüsse zwischen Anbieter und Nachfrager den zentralen Erfolgsfaktor einer Mass Customization, welcher nur durch die konsequente Nutzung moderner Informations- sowie Produktionstechnologien verwirklicht werden kann. Die corpus.e AG entwickelte in diesem Zusammenhang ein neuartiges Body-Scanning-System, mit dem wirtschaftlich die dreidimensionale Raumform des menschlichen Körpers digital erfasst werden kann.

Vor dem Hintergrund dieser neuartigen Scanning-Technologie, bildet beispielsweise die Individualisierung von Skischuhen ein erfolgsversprechendes Mass Customization Konzept. Denn der deutsche Skiverband schätzt, dass zur Zeit ungefähr 50% der Skifahrer unzufrieden mit der Passform ihrer Skischuhe sind und laut Scott Russo von Dalbello besteht bei vielen Fahrern „eine regelrechte biomechanische Inkompatibilität mit den meisten Skischuhen [vgl. DSV, 2001].

Im Vergleich zu anderen Teilen der Wertschöpfungskette eines Mass Customization Konzeptes, wie zum Beispiel Hersteller oder Dienstleister, wurde der Handel bisher nur unzureichend betrachtet. Während der klassische Konsumgüterbereich seinen primären Endkunden insbesondere im Handel sieht, verlangt Mass Customization eine direkte Verbindung zum Kunden. Dies könnte in letzter Konsequenz zu einer Ausschaltung des Handels führen. Jedoch scheint es, dass speziell im Skischuhbereich eine Kooperation zwischen Hersteller und Handel im Rahmen eines Mass Customization Konzeptes enormes Potential bietet.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll daher die Rolle des Handels bei einem Mass Customization Konzept für die Individualisierung von Skischuhen untersucht und unter marketingpolitischen Aspekten betrachtet werden. Untersuchungsziel ist es zu zeigen, welchen Einfluss insbesondere der deutsche Sportfachhandel auf den Erfolg neuer Mass Customization Konzepte besitzt und welche Möglichkeiten sich damit für innovative Handelsbetriebe ergeben, auf die heutigen Wettbewerbsbedingungen zu reagieren.

Neben der wettbewerbsstrategischen Fundierung der Rolle des Handels beschäftigt sich der Hauptteil mit der konkreten Umsetzung eines Mass Customization Konzeptes für die Individualisierung von Skischuhen im Sportfachhandel. Des weiteren wird eine Evaluation möglicher Individualisierungskonzepte vor dem Hintergrund der Potentiale eines neuartigen 3D-Body-Scanning-Verfahrens zur Erfassung der dreidimensionalen Raumform des Fußes vorgenommen.

Die Arbeit basiert, neben einer Literaturrecherche, auf Befragungen von Sportfachhändlern, die im Rahmen einer empirischen Untersuchung durchgeführt wurden.

Gang der Untersuchung:

Ausgehend von der Problemstellung wird im zweiten Kapitel die Branchenstruktur des deutschen Sporteinzelhandels im Bereich Skischuhe analysiert. Zunächst werden die Händlerstrukturen sowie der Markt für Standard- und angepasste Skischuhe betrachtet. Das Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Darstellung der charakteristischen Merkmale, welche die derzeitige Wettbewerbsituation im deutschen Sportfachhandel beschreiben.

Das zentrale Anliegen des dritten Kapitels ist es, die Einbindung des Handels in ein ausgewähltes Mass Customization Konzept für die Individualisierung von Skischuhen durch die Beschreibung und Darstellung der Wertschöpfungskette zu strukturieren. Insofern werden nach einer kurzen Vorstellung der Mass Customization Strategie, mögliche Konzeptionen erläutert. Im Anschluss daran, werden ausgehend von den Ansatzpunkten am Skischuh, bestehende Verfahren zur Skischuhanpassung mit ihren Stärken und Schwächen aufgezeigt. Es wird schließlich das grundlegende Funktionsprinzip eines neuartigen 3D-Body-Scanning-Verfahrens aufgezeigt. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse werden verschiedene Konzepte für die Individualisierung von Skischuhen entwickelt, wobei der Schwerpunkt hierbei auf die Art und Weise gelegt wird, wie die Umsetzung der Konzepte aus Sicht des Handels vollzogen werden kann.

Im Rahmen des vierten Kapitels wird am Beispiel eines ausgewählten Individualisierungskonzeptes die Rolle des Sportfachhandels näher durchleuchtet. Ausgehend von den klassischen Handelsfunktionen werden Potentiale sowie Ziele der Integration des Handels erarbeitet. Darauf aufbauend werden spezielle Funktionen des Handels innerhalb des Mass Customization Konzeptes definiert.

Abschließend werden die marketingpolitischen Auswirkungen der Handelsintegration bezogen auf den Marketing-Mix eines Sporteinzelhändlers betrachtet. Anliegen ist es, Optionen aufzuzeigen, wie der Händler mit dem gezielten Einsatz seiner Marketinginstrumente die Implementierung des Mass Customization Konzeptes wirksam unterstützen kann.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
2. Branchenstruktur des deutschen Sporteinzelhandels im Bereich Skischuhe 4
2.1 Händlerstrukturen 4
2.1.1 Umsatzsituation des deutschen Sportfachhandels 4
2.1.2 Fragmentierung des Sportmarktes 6
2.1.3 Betriebsformenpositionierung im Sportartikelhandel 8
2.1.4 Exkurs: Verbundgruppen des Sportfachhandels 10
2.2 Markt für Standard- und angepasste Skischuhe 12
2.2.1 Skiindustrie 12
2.2.1.1 Wettbewerbsbedingungen und Tendenzen 12
2.2.1.2 Herstellerüberblick im Skiausrüstungsmarkt 13
2.2.1.3 Probleme der Branche 18
2.2.2 Nachfrage nach Skischuhen 19
2.2.2.1 Nachfrage in Deutschland 19
2.2.2.2 Charakteristik der Nachfrage 21
2.3 Fazit 24
3. Mass Customization Konzept für die Individualisierung von Skischuhen 26
3.1 Mass Customization als Wettbewerbsstrategie 26
3.1.1 Darstellung der Mass Customization Strategie 26
3.1.1.1 Definition 26
3.1.1.2 Eigenschaften 27
3.1.1.3 Konzeptionen 28
3.1.2 Mass Customization als hybride Wettbewerbsstrategie 30
3.2 Stand der Technik bei der Anpassung von Skischuhen 32
3.2.1 Etablierte Verfahren 32
3.2.1.1 Ansatzpunkte 32
3.2.1.2 Thermische Anpassung 34
3.2.1.3 Angepasstes Fußbett 35
3.2.1.4 Aufschäumen 35
3.2.1.5 Automatische Anpassung bei der Benutzung 37
3.2.1.6 Anpassung durch Einsätze 37
3.2.2 Evaluation 37
3.3 3D-Body Scanning zur Erfassung von Kundenmaßen 40
3.3.1 Grundlegendes Funktionsprinzip 41
3.3.2 Technologie: corpus.e Scan Suite 42
3.3.2.1 Customer-front-end: corpus.scan 43
3.3.2.2 Digitalisierung: corpus.digital 43
3.3.2.3 Extraktion von Maßen: corpus.work 43
3.4 Einbindung des Sportfachhandels in die Wertschöpfungskette 44
3.4.1 Mögliche Konzepte 44
3.4.1.1 Visualisierung 45
3.4.1.2 Maßselektion 46
3.4.1.3 Teilanpassung durch Handel 47
3.4.1.4 Komplettanpassung durch Handel 47
3.4.1.5 Teilfertigung durch Hersteller 48
3.4.1.6 Modularisierung: Komplettfertigung durch Hersteller 48
3.4.2 Evaluation und Auswahl eines Konzeptes 49
3.4.3 Wertschöpfungskette Hersteller, Dienstleister und Handel 53
4. Rolle des Handels und dessen marketingpolitische Auswirkungen 55
4.1 Klassische Handelsfunktionen 55
4.2 Potentiale einer Integration 57
4.2.1 Kostensenkungspotentiale 57
4.2.2 Handelsstruktur 58
4.2.3 Erhebung der Individualisierung 59
4.2.4 Aufbau von dauerhaften Kundenbeziehungen 62
4.3 Ziele einer Integration 63
4.4 Definition der speziellen Funktionen 67
4.4.1 Systematik der Handelskooperationen 67
4.4.1.1 Kontakter 68
4.4.1.2 Vermittler 68
4.4.1.3 Individualisierungspartner 68
4.4.1.4 Mass Customization-Partner 69
4.4.2 Spezielle Funktionen 69
4.5 Marketingpolitische Auswirkungen 73
4.5.1 Standortpolitik 73
4.5.2 Sortimentspolitik 74
4.5.3 Preispolitik 75
4.5.4 Servicepolitik 76
4.5.5 Kommunikationspolitik 77
5. Zusammenfassung und Ausblick 79
6. Literaturverzeichnis 81
6.1 Selbständige Schriften 81
6.2 Nichtselbständige Schriften 84
6.3 Beiträge in Sammelwerken 84
6.3.1 Zeitschriftenaufsätze 84
6.3.2 Nachschlagewerke 85
6.4 Ungedrucktes und Internet-Dokumente 85
6.4.1 Manuskripte 85
6.4.2 Informationsbroschüren 88
6.4.3 Internet-Dokumente 88
6.4.4 Sonstiges 89
7. Anhang VII
7.1 Anhang A: Interview Emig Schuh- und Sporthaus GmbH VII
7.2 Anhang B: Interview Sportarena Oberhausen XII
7.3 Anhang C: Interview Breitmeyer-Sport G. Riehm GmbH XVII

Automatisiert erstellter Textauszug:

rung und durch die Übernahme der Handelsfunktionen im hohen Maße die Komplexität der Mass Customization. 4.4.1.4 Mass Customization-Partner Der höchste Grad der Kooperation zwischen Mass Customizer und Handel wird durch eine Mass Customization-Partnerschaft erreicht. Hierbei ist der Handelspartner voll in die Individualisierung integriert und über ihn wird die gesamte Kommunikation zwischen Hersteller und Endabnehmer abgewickelt. Abhängig von dem realisierten Mass Customization Konzept kommt es hierbei auch zur Übernahme von Fertigungsschritten. So zum Beispiel bei dem bereits erläuterten Soft Customization Konzept der „Individuellen Endfertigung im Handel/Vertrieb“. Hierbei wird ein einheitliches Rohprodukt vom Hersteller ausgeliefert, welches dann im Handel nach Kundenwunsch vollendet wird [siehe Kap. 3.1.1.3]. Im Rahmen dieser Partnerschaft führt der Handel die gesamte Erhebung der Individualisierungsinformationen durch. Daher kann es aus Sicht des Kunden teilweise dazu kommen, dass der Händler zum Mass Customizer wird, denn der Abnehmer nimmt den eigentlichen Hersteller nicht mehr wahr. Dies führt zu Vorteilen, wenn der Handelspartner einen höheren Bekanntheitsgrad besitzt als der Hersteller. Der Aufgabenbereich des Händlers innerhalb dieser Kooperation geht aber noch darüber hinaus. Der Aufbau von dauerhaften Kundenbeziehungen ist eine wichtige Aufgabe, die der Händler vor Ort wirksam unterstützen kann. Anzustreben ist eine auf Kundenwissen begründete Beziehung zum Kunden, eine sogenannte „Learning Relationship“ [siehe Kap. 4.2.4]. Des weiteren werden oftmals vom Handel zusätzliche kundenindividuelle Dienstleistungen angeboten, hierbei kann es sich beispielsweise um die Montage am Verwendungsort oder um eine maßgeschneiderte Finanzierung handeln. [...]

4.4.1.1 Kontakter In der schwächsten Form der Handelsintegration stellt der Händler als Kontakter lediglich auf Provisionsbasis den Kontakt zwischen Kunden und Hersteller her. Wenn der Kunde im Standardsortiment kein entsprechendes Produkt findet, kann der Händler ihn auf die Möglichkeit der Mass Customization Lösung verweisen. Das kann geschehen, indem er den Kunden auf den Web-Auftritt des Herstellers aufmerksam macht oder aber, durch die Bereitstellung eines Multimediaterminals. Hierbei hat der Kunde die Möglichkeit, selbständig sein individuelles Produkt zu konfigurieren und zu bestellen. Der Kontakter bzw. der Händler liefert somit keinen Beitrag zur Umsetzung der Individualisierung und eine wirkliche Integration in das Mass Customization Geschäft findet nicht statt. 4.4.1.2 Vermittler Der Handel als Vermittler hilft beim Zustandekommen des Geschäftes, wobei er Kontaktanbahnung, Zahlungsabwicklung sowie die Auslieferung des Produktes übernimmt. Die Erhebung der Individualisierungsinformationen wird wiederum vom Hersteller durchgeführt, er muss dazu in einen individuellen Kontakt mit dem Kunden zum Beispiel mit Hilfe eines Kiosksystems treten. Diese Integrationsform hat den allgemeinen Vorteil, dass sich sowohl Hersteller als auch Händler auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Der Händler befasst sich mit den reinen Handelstätigkeiten und der Hersteller führt die eigentliche Umsetzung der Individualisierung durch. 4.4.1.3 Individualisierungspartner In einer weiteren Stufe der Handelsintegration werden die Aufgaben des Vermittlers um die Durchführung der Individualisierung im Auftrag des Herstellers ergänzt. Der Händler als Individualisierungspartner benötigt hierzu ein relativ hohes Produkt-Know-how, da er seine umfassende Informations- und Beratungsfunktion gegenüber dem Kunden wahrnehmen muss. An die Vertrauens- und Kompetenzvermittlung des Handelspartners werden hohe Ansprüche gestellt, damit er so das Kaufrisiko des Kunden wirksam reduzieren kann. Die Einbindung des Handels als Individualisierungspartner reduziert durch die Unterstützung bei der Individualisie- [...]

verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen würde. Das heißt, es besteht die Möglichkeit, mit dem gleichen Scanningverfahren sowohl die Individualisierung von Skischuhen als auch die Anpassung von Lauf- oder Fußballschuhen durchzuführen. Zur Kompetenzsteigerung trägt neben den oben beschriebenen innovativen technischen Lösungen vor allem auch die Ausbildung des Verkaufspersonals bei. Die Beherrschung der technischen Vorgänge durch das Personal ist von großer Bedeutung, aber auch das Produkt-Know-how ist sehr wichtig. Denn der Anspruch an die Mitarbeiter bei der Erhebung der individuellen Kundenwünsche ist aufgrund der größeren Beratungsintensität erheblich höher, als beim Verkauf von Standardskischuhen [siehe Kap. 4.2.3]. Jedoch ist der Sportfachhandel wegen seiner langjährigen Erfahrung im Verkauf von Standardskischuhen geradezu prädestiniert, um in die Mass Customization Kette eingebunden zu werden. Zuletzt sei noch die Angabe von Referenzen zur Kompetenzvermittlung und Schaffung von Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Anbieters zu erwähnen. Ähnlich wie im Business-to-Business-Bereich könnte man hier die Zahl der bedienten und die der zufriedenen Kunden nennen. Die Ausführungen haben gezeigt, dass der Handel durch eine Reihe von Maßnahmen zu einer Reduzierung des Kaufrisikos auf Seiten des Kunden beitragen kann. [...]

Arbeit zitieren:
Josten, Thomas August 2002: Die Rolle des Sporteinzelhandels bei einem Mass Customization, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kundenindividuelle Massenfertigung, hybride Wettbewerbsstrategie, Handelsintegration, Sportfachhandel, Informationstechnologie

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