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Kommunikationsmodelle und Medientheorien

Analyseinstrument oder Praxisanleitung für den politischen Wahlkampf?

Kommunikationsmodelle und Medientheorien
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Matiack
  • Abgabedatum: März 2002
  • Umfang: 156 Seiten
  • Dateigröße: 4,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität der Künste Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5813-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5813-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5813-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Matiack, Christian März 2002: Kommunikationsmodelle und Medientheorien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Massenmedien, Systemtheorie, Wahlen, Berlin, Konstruktivismus

Diplomarbeit von Christian Matiack

Einleitung:

Die Medien beeinflussen das Wahlverhalten – glauben die Politiker. Nur nach welchem Muster? Die Medienwirkungsforschung hat es in unzähligen Modellen darzustellen versucht. Doch was können die wichtigsten Theorien aus einem Dreivierteljahrhundert den Parteistrategen heute bieten, um erfolgreich Wählerstimmen zu gewinnen? Der Autor weist nach, dass Modelle im Wahlkampf nur in besonderen Fällen als Praxisanleitung und Analyseinstrument dienen können. Er untersucht dabei primär die Strategien des erfahrenen Wahlkämpfers Peter Radunski und dessen CDU-Kampagne vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2001. Dort scheint das Erfolgsmodell Radunskis erstmals versagt zu haben: Die CDU fuhr ihr schlechtestes Ergebnis seit 1948 ein. Warum?

Politiker, Wähler und das Massenmediensystem, über das sie miteinander kommunizieren, werden in der vorliegenden Diplomarbeit aus wahrnehmungstheoretischer Sicht betrachtet. Denn der Wähler wechselt nicht nur immer häufiger seine Parteivorlieben, auch als Rezipient scheint er unberechenbar. Die Angebote des Massenmediensystems erlebt er als Zusammenspiel der Säulen Journalismus, Unterhaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Mit dieser Beschreibung stützt sich der Autor auf den Systemtheoretiker Niklas Luhmann und den Radikalkonstruktivisten Ralf Dulisch. Seine These: Die Interaktionen zwischen den Säulen sind so stark, dass politische Kommunikation nicht verlässlich planbar ist – auch nicht mit Hilfe klassischen Modelldenkens.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
1.1 Fragestellung 8
1.2 Theoretische Grundlagen 11
1.3 Vorgehen 12
1.4 Quellen 14
2. Präsentation 16
2.1 Die Kommunikationsmodelle 16
2.1.1 Der passive Mediennutzer 17
2.1.1.1 Das Stimulus-Response-Modell 17
2.1.1.2 Die „Schweigespirale“ 19
2.1.1.3 Die Agenda-Setting-Theorie 21
2.1.2 Der aktive Mediennutzer 23
2.1.2.1 Der Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation 25
2.1.2.1.1 Das „Vier-Ohren-Modell“ 27
2.1.2.2 Die Verstärkerhypothese und die Theorie der kognitiven Dissonanz 29
2.1.2.3 Der Nutzen- und Belohnungsansatz 30
2.1.3 Der chaotische Mediennutzer 30
2.1.3.1 Systemtheorie 31
2.1.3.2 Radikaler Konstruktivismus 33
2.1.3.3 Das Vier-Säulen-Modell 35
2.2 Radunskis Wahlkampfmodell 38
3. Diskussion 41
3.1 Die Säule Public Relations 43
3.1.1 Das Stimulus-Response-Modell 53
3.1.2 Die „Schweigespirale“ 58
3.1.3 Die Agenda-Setting-Theorie 65
3.2 Die Säule Journalismus 74
3.2.1 Die Verstärkerhypothese und die Theorie der kognitiven Dissonanz 79
3.3 Die Säule Unterhaltung 83
3.3.1 Der Nutzen- und Belohnungsansatz 86
3.4 Die Säule Werbung 91
3.5 Gemeinsame Funktionen der vier Säulen 94
3.5.1 Der Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation 97
3.6 Fazit 104

Automatisiert erstellter Textauszug:

Vielleicht wirkt die Thematisierung sogar eher auf Politiker als auf Wähler. Letztere bieten nur das Alibi dafür. Denn: Weil Politiker glauben, daß die Medien starken Einfluß auf ihre Rezipienten haben, setzen sie sich selbst der eigentlich viel größeren Wirkung aus – sie handeln tatsächlich, wie Presseorgane es wünschen, um die Wähler zu beeindrucken. Kein Wunder, daß auf Ministerebene gilt: „Am meisten zählen ,Tagesschau‘, ,Heute‘ und ,Bild‘Zeitung.“253 Beispiel: die „Kaviar-Affäre“ um Kanzlerberater Michael STEINER. Der belegte ranghohe Soldaten in Moskau mit einigen Verbalinjurien – und verlangte (im Scherz?) nach Kaviar, um sich das lästige Warten auf den Abflug seiner Bundeswehrmaschine zu vertreiben. [...]

Wenn die Grenzen eines Systems sich jedoch aus dem Sinn, den Gedanken ergeben, die sie zusammenhalten – dann liegt auf der Hand, daß sie indirekt auch immer ihre Umwelt mitdefinieren. Wo die Welt nicht mehr nach den Regeln des Journalismus zu bewältigen ist, da muß „das andere“ beginnen. Ähnlich sehen es die Politiker aus ihrem System heraus. Doch die Grenze, an der sich beide Systeme begegnen, ist elastisch. Und es herrscht reger Verkehr. Mehr noch: Der Journalismus prägt nicht nur die PR, diktiert Begriffe, speist Themen ein – er ruft direkt politisches Handeln hervor. Aber das ist für RADUNSKI ohnehin nicht von der Kommunikation zu trennen. Wenn Politik aber nichts ohne Kommunikation ist, dann prägt Kommunikation auch Politik – das heißt, Journalisten verschieben ihre Systemgrenze immer wieder ins Politische hinein. [...]

kann gelingen – unter bestimmten Bedingungen, zu denen gehört, nicht die ursprüngliche Hypothese zur unabdingbaren Grundlage zu machen. Der Nutzwert als Praxisanleitung läßt sich nämlich nicht daran messen, inwieweit es gelingt, das System Journalismus zu steuern – sondern ob das Instrument in der Lage ist, die Einflüsse zu verarbeiten, die das Grenzsystem „Redaktion“ aus Richtung der Bürger liefert. HOMBACH hat es angedeutet: Ziel sollte sein, die Probleme aufzugreifen, die vor Ort benannt werden. Damit muß der breitere Kommunikationsstrom vom Wähler zum politischen System laufen – und erst im nächsten Schritt in die umgekehrte Richtung. Legen wir RÖSSLER zugrunde, entstehen Themen und auch ihre Interpretationen in Privatgesprächen. Die Menschen reflektieren vorrangig, was sie erleben – und nicht, was Politiker in den Medien sagen. Die Lebensbedingungen vor Ort aber entstehen aus konkreten politischen Maßnahmen. Sie können positiv oder negativ empfunden werden. Also sprechen die Menschen der einen Partei Kompetenz zu oder ab. Damit aber ist politisches Handeln, insofern es positiv ankommt, selbst die beste Kommunikation in Richtung der Wähler. Oder wie HOMBACH sinngemäß sagt: Was die Politik halten kann, darf sie versprechen243 – und falls sie es gehalten hat, darüber reden. Ob sie ihre Versprechen gehalten hat, äußert sich jedoch nur in der Kommunikation „draußen im Lande“. Als öffentliche Meinung nun münden auch die empfundenen Probleme in Kommunikation. Das Problem wird persönlich wichtig. Als Thema gelangt es in die Medien – und damit am Ende ins politische System. IssueManagement ist also eher Aufgreifen, Verarbeitung, nicht Steuerung – auch im Wahlkampf. Das Problem jedoch ist so banal wie gravierend: Beide Seiten, Wähler wie Politiker, kommunizieren im wesentlichen über das Mediensystem. Kommunikation über Probleme wie auch über Problemlösungen läuft durch diesen Katalysator. Darauf werden wir im folgenden Kapitel und auch in der Fallstudie (4.4) zurückkommen. Sicher aber scheint zunächst: Ein Praxismodell „Issue-Management“, selbst wenn es von aller Überredungsabsicht befreit wäre, zu nutzen kann für den Wahlkämpfer allenfalls ein Versuch sein. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. [...]

Arbeit zitieren:
Matiack, Christian März 2002: Kommunikationsmodelle und Medientheorien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Massenmedien, Systemtheorie, Wahlen, Berlin, Konstruktivismus

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