Das Abkommen von Cotonou
Die neue Partnerschaft zwischen den AKP-Staaten und der EU unter Mitberücksichtigung der Neo-Modernisierungstheorie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sebastian Müller
- Abgabedatum: Dezember 2001
- Umfang: 179 Seiten
- Dateigröße: 3,3 MB
- Note: 2,1
- Institution / Hochschule: Hochschule für Politik München (HfP) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5390-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5390-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5390-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Sebastian Dezember 2001: Das Abkommen von Cotonou, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Entwicklungspolitik, Europäische Union
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Diplomarbeit von Sebastian Müller
Einleitung:
Im Zentrum dieser Arbeit steht das Cotonou Abkommen: die Inhalte, die Strukturen und schließlich eine kritische Auseinandersetzung mit den Zielsetzungen des Abkommens und ob die Ziele, vor allem die Bekämpfung und Überwindung der Armut, mit den geschaffenen Instrumenten zu erreichen sind.
Ziel dieser Arbeit ist es, aufbauend auf den historischen Hintergründen und der bisherigen EU Entwicklungspolitik, das Abkommen von Cotonou zu beschreiben, zu erläutern und eine kritische Betrachtung der Zielvorstellungen und seiner Durchführungsmöglichkeiten zu geben. Dabei sollen die entwicklungstheoretischen Hintergründe das Verständnis von praktischer Entwicklungshilfe bzw. -zusammenarbeit fördern.
Die Systematik von entwicklungstheoretischen Konzeptionen ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung in eine praktische Entwicklungszusammenarbeit.
Diese Arbeit kann und will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Zum einen würde ein Anspruch auf Vollständigkeit den Rahmen sprengen und zum anderen erachtet sich der Autor als nicht fachkompetent genug, das gesamte Spektrum der Entwicklungspolitik und -theorie abdecken zu können. Sehr wohl ist die Beschäftigung mit und um das Cotonou Abkommen, den Umständen entsprechend, relativ intensiv gewesen und hat fast ein Jahr in Anspruch genommen.
In bezug auf Vollständigkeit kann hier nur auf einige Themen in der Arbeit eingegangen werden. So ist z.B. bei der Beschreibung der AKP-Staaten bewusst auf die dem Autor wichtig erscheinenden Aspekte oder aktuellen Problematiken, die in Bezug zum Cotonou Abkommen stehen, eingegangen worden. Des weiteren wurden bei der Kritik des Abkommens einzelne Themen herausgenommen, die entweder sehr deutlich veranschaulichen, wo Problematiken oder Defizite auftauchen oder, wo einzelne Bereiche in ihrer Umsetzung als besonders sinnvoll erscheinen. Um die Unvollständigkeiten kompensieren zu können, verweist der Autor mehrfach auf weiterführende Literatur, anhand derer sich bei Interesse das Wissen in einzelnen Bereichen vertiefen lässt.
Inhaltsverzeichnis:
| DARSTELLUNGSVERZEICHNIS | 5 | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | 6 | |
| 1. | EINLEITUNG | 8 |
| 2. | GRUNDLEGUNG: DIE EU ALS ENTWICKLUNGSPOLITISCHER AKTEUR | 15 |
| 2.1 | BEWEGGRÜNDE EINER EUROPÄISCHEN ENTWICKLUNGSPOLITIK | 15 |
| 2.1.1 | Post-Koloniale Verantwortung | 16 |
| 2.1.2 | Wachsende Verantwortung als internationaler Akteur | 19 |
| 2.2 | DIE ABKOMMEN MIT DEN AKP-STAATEN | 22 |
| 2.2.1 | Vor Jaunde (1957-1963) | 24 |
| 2.2.2 | Jaunde I (1963-1969), Jaunde II (1969-1975), Abkommen von Arusha | 25 |
| 2.2.3 | Lomé I (1975-1980), Lomé II (1980-1985), Lomé III (1985-1990), Lomé IV (1990-2000) | 26 |
| 2.3 | THEORETISCHER HINTERGRUND | 31 |
| 2.3.1 | Die Modernisierungstheorien | 33 |
| 2.3.2 | Die Dependenztheorie | 35 |
| 2.3.3 | Die Neo-Modernisierungstheorie | 39 |
| 2.3.4 | Kriterien der Unterentwicklung | 41 |
| 2.4 | AUSWIRKUNGEN DER ENTWICKLUNGSPOLITISCHEN KONZEPTIONEN | 45 |
| 2.4.1 | Modernisierungstheorie | 46 |
| 2.4.2 | Dependenztheorie | 48 |
| 2.4.3 | Zusammenfassende Kritik der „grossen Theorien“ | 49 |
| 3. | DAS ABKOMMEN VON COTONOU | 51 |
| 3.1 | WARUM EIN NEUES ABKOMMEN? | 51 |
| 3.1.1 | Fundamentale Veränderungen | 52 |
| 3.1.2 | WTO-Konformität | 56 |
| 3.1.3 | Negative Erfahrungen mit Lomé | 58 |
| 3.2 | DIE INHALTE DES ABKOMMENS | 62 |
| 3.2.1 | Ziele des neuen Abkommens | 62 |
| 3.2.2 | Grundprinzipien des Abkommens | 64 |
| 3.2.3 | Akteure der Partnerschaft und die Gemeinsamen Organe | 65 |
| 3.2.4 | die politische Dimension | 70 |
| 3.2.5 | Kontrollmechanismen und Systematik der Bekämpfung der Unterentwicklung | 72 |
| 3.3 | NEUERUNGEN DES COTONOU ABKOMMENS GEGENÜBER LOMÈ | 76 |
| 3.3.1 | Der politische Dialog | 76 |
| 3.3.2 | Neugestaltung der Handelsbeziehungen | 77 |
| 3.3.3 | Betonung der Civil Society (Zivilgesellschaft) | 80 |
| 3.3.4 | Der private Sektor als Akteur | 82 |
| 3.3.5 | Finanzielle Kooperation | 85 |
| 3.3.6 | Das Thema Umwelt | 87 |
| 4. | COTONOU: PERSPEKTIVE, PROGNOSE, EMPFEHLUNG | 88 |
| 4.1 | DER POLITISCHE DIALOG | 88 |
| 4.1.1 | Good Governance und die politische Konditionierung | 88 |
| 4.1.2 | Das Partnerschaftsprinzip | 91 |
| 4.2 | DIE HANDELSBEZIEHUNGEN | 92 |
| 4.2.1 | Die WTO-Konformität | 92 |
| 4.2.2 | Die Economic Partnership Agreements (EPA) | 95 |
| 4.2.3 | Die Regionale Integration | 97 |
| 4.3 | BETONUNG DER CIVIL SOCIETY | 99 |
| 4.3.1 | Information, Konsultation und Einbindung nichtstaatlicher Akteure | 101 |
| 4.3.2 | Probleme der Definition von Zivilgesellschaft im Vertrag | 102 |
| 4.4 | DER PRIVATE SEKTOR | 103 |
| 4.4.1 | Private Investitionen | 103 |
| 4.4.2 | Das EU-AKP Business Forum | 106 |
| 4.4.3 | Exkurs: Everything but Arms – springt die EU über ihren eigenen Schatten? | 107 |
| 4.5 | FINANZIELLE KOOPERATION | 108 |
| 4.5.1 | Der 9 European Development Fund | 109 |
| 4.5.2 | Exporterlösstabilisierung: SYSMIN und STABEX unter anderen Namen? | 111 |
| 4.6 | DAS THEMA UMWELT | 112 |
| 4.7 | DIE REFORM DER EG AUßENHILFE | 113 |
| 5. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 115 |
| 5.1 | NEO-MODERNISIERUNG UND DAS ABKOMMEN VON COTONOU | 115 |
| 5.2 | GLOBALISIERUNG: WTO MINISTERKONFERENZ & DER 11. SEPTEMBER 2001 | 117 |
| 5.3 | RESUMÈE | 120 |
| ANHANG I: DIE AKP-STAATEN | 125 | |
| ANHANG II: BESCHREIBUNG DER AKP-STAATEN | 128 | |
| 1. die Staaten Afrikas | 128 | |
| 1.1 Geografische Kriterien | 128 | |
| 1.2 Wirtschaft | 130 | |
| 1.3 Politik | 139 | |
| 1.4 Gesellschaft | 144 | |
| 2. Die Länder des Karibischen und des Pazifischen Raums | 146 | |
| 2.1 Geografische Kriterien | 146 | |
| 2.2 Wirtschaft | 148 | |
| 2.3 Politik | 151 | |
| 2.4 Umwelt | 154 | |
| ANHANG III: WORLD DEVELOPMENT INDICATORS | 156 | |
| ANHANG IV: TITEL XX, ART | 177-181 | |
| VERTRAG V: AMSTERDAM | 159 | |
| ANHANG V: KRITERIENKATALOG DES HDR DER UNDP | 161 | |
| ANHANG VI: DECLARATION OF ACP CIVIL SOCIETY FORUM | 164 | |
| QUELLEVERZEICHNIS | 168 |
3. Besondere Behandlung von LDCs; wie oben besprochen, sollen die LDCs die Möglichkeit haben zu wählen, ob sie ein EPA aushandeln wollen oder ob sie sich dazu nicht in der Lage sehen. Wollen sie keine neuen EPAs aushandeln, so behalten diese Länder die nichtreziproken Handelpräferenzen. Regionale Integration, d.h. die verstärkte wirtschaftliche und politische Kooperation der AKP-Staaten innerhalb ihrer jeweiligen Region, gehört zu den vorrangigen Zielen des neuen Abkommens. Die regionale Kooperation soll vorrangig der allmählichen Integration der AKP-Staaten in die Weltwirtschaft, sowohl im Handel als auch bei privaten Investitionen, dienen, aber auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit der verschiedenen Regionen innerhalb der AKP-Gruppe stärken.219 Erst mit der Halbzeitüberprüfung des Lomé IV-Abkommens wird der Bedeutung des Handels der AKP-Staaten untereinander Rechnung getragen, jedoch nicht in dem Maße, wie es das Cotonou Abkommen vorsieht. Sicherlich eine Auswirkung der Erfahrungen der letzten 40 Jahre mit der Überlegung, dass Wohlfahrtssteigerungen dann erst sich voll entfalten können, wenn u.a. die Regionen untereinander Handel betreiben und die Fertigung von Endprodukten innerhalb der AKP-Staaten stattfinden. Es herrscht ein reges Interesse der EU an Wohlfahrtssteigerungen der AKP-Staaten, schließlich geht es neben der Stabilisierung dieser Region auch um neue Absatzmärkte. Nach sechs von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studien über die Auswirkungen regionaler Freihandelsabkommen wird sich der Import von den AKP-Staaten in die EU nicht vergrößern, jedoch dürfte der Export der EU in eben diese Länder sich merklich erhöhen. Neu im EU-AKP Abkommen ist ein Abschnitt über nicht-tarifäre-Handelshemmnisse.220 Im Art. 46 macht der Vertrag besonders auf die Einhaltung des TRIPS221 Abkommens aufmerksam. [...]
Diesen Plänen nach wird die Liberalisierung in 2 Phasen unterteilt: die Vorbereitungs- und die Übergangsphase. Nach zwanzig Jahren, also nach Ablauf des Cotonou Abkommens soll die völlige Liberalisierung der Märkte vollzogen sein und somit die Integration der AKPStaaten in die Weltwirtschaft. Obwohl die EU den Zugang zu den sensiblen Bereichen, besonders den Agrarbereich auch im Cotonou Abkommen gegenüber den AKP-Staaten weitestgehend verschlossen hält, übt sie den Liberalisierungsdruck auf diese Staaten durch diesen Artikel aus. Die Motivation hinter diesem Vorgehen, ist für die EU u.a. die unbedingte WTOKonformität. Die reziproken Handelspräferenzen, die über 40 Jahre der AKP-EU Beziehungen galten, werden jetzt nach und nach abgebaut. Neu ist demgegenüber die explizite Nennung der Bedürftigkeit der 39 LDC-Staaten und die der Binnen- und Inselstaaten.218 Hier soll bis zum Jahr 2005 für die LDCs im wesentlichen freier Zugang zum europäischen Markt gewährleistet werden. Bei den Staaten, die sich außerstande sehen die EPAs im gesetzten Rahmen zu erfüllen, soll ein alternativer Handelsrahmen gefunden werden, der einerseits WTOKonform und andererseits die unter Lomé IV gewährten Handelspräferenzen garantiert. Die Economic Partnership Agreements, die während des Liberalisierungsprozesses auf bilateraler Ebene ausgehandelt werden sollen, sehen drei Prinzipien als Grundlage: 1. Reziprozität; Die EU gewährt den meisten Produkten aus AKP-Staaten freien Zugang zum EU Binnenmarkt. Umgekehrt ist dies nicht der Fall. Hier soll ein Wandel stattfinden von einem nicht-reziproken Handelssystem zu einem reziproken, d.h. gegenseitige Öffnung der Märkte. 2. Regionen; Die EU motiviert die AKP-Staaten nicht nur Einzeln, sondern auch kollektiv als regionale Gruppe die EPAs auszuhandeln. Das würde die Anzahl von Abkommen verringern und gleichzeitig die angestrebte regionale Integration fördern. Es bleibt allerdings den AKP-Staaten überlassen, ob sie sich regional vertreten lassen wollen oder lieber unabhängig verhandeln wollen. [...]
Hier gab es auch das erste mal „echte“ Sanktionsmöglichkeiten der EU gegen AKPStaaten,213 die sich diesen Prinzipien entziehen wollten. Jedoch erst im Cotonou Abkommen wurde dieses Thema zur zentralen Bedingung für Entwicklungszusammenarbeit. Im politischen Dialog des Cotonou Abkommens steht die Vertiefung und Aktivierung des politischen Dialogs auf allen Ebenen, die Achtung der essentiellen und fundamentalen Rechte, die Konfliktprävention und –lösung, sowie die sog. „performance based aid allocation“214, d.h. die laufende Überprüfung der Effektivität der Programme und Projekte, eben auch auf politischer Ebene im Zentrum. Schließlich noch die Themen Asyl und Einwanderung.215 Der vielbeschworene „Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern“ muss kritisch betrachtet werden.216 Ebenfalls neu am politischen Dialog ist eine immer wiederkehrende Forderung und Nennung im Vertragstext: Die WTO-Konformität.217 3.3.2. Neugestaltung der Handelsbeziehungen Die Liberalisierung der Handelsbeziehungen zwischen der EU und den AKP-Staaten ist der Kern des Cotonou Abkommens. Für beide Vertragsparteien blieben sie bis zuletzt eine der strittigsten Fragen überhaupt. Darstellung 15 zeigt den Zeitrahmen, den das Cotonou Abkommen für die Liberalisierung festlegt. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832453909
Arbeit zitieren:
Müller, Sebastian Dezember 2001: Das Abkommen von Cotonou, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Entwicklungspolitik, Europäische Union




