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Anorexie und Bulimie als (inadäquater) Versuch der Adoleszenzbewältigung

Anorexie und Bulimie als (inadäquater) Versuch der Adoleszenzbewältigung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marion Komp
  • Abgabedatum: Juni 1999
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 681,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Darmstadt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4959-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4959-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4959-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Komp, Marion Juni 1999: Anorexie und Bulimie als (inadäquater) Versuch der Adoleszenzbewältigung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bulimie, Anorexie, Therapie, Adoleszenz, Systematik

Diplomarbeit von Marion Komp

Einleitung:

Mein Hauptanliegen beim Verfassen der nachfolgenden Arbeit war es, die Funktionen von Anorexie und Bulimie aufzuzeigen, sowohl innerhalb der Familie als auch als Be-wältigungsversuch der adoleszenten Entwicklungsaufgaben und die daraus resultierenden sozialpädagogisches Interventionsmöglichkeiten zu verdeutlichen. Dazu hielt ich es nach einer kurzen Einführung in das Thema für notwendig und sinnvoll, zunächst die Begriffe Magersucht und Bulimie näher auszuführen und voneinander abzugrenzen und mit einem Fallbeispiel zu verdeutlichen. Auf die Adoleszenz im allgemeinen und die damit verbundenen Entwicklungsanforderungen im speziellen bin ich dann im fünften Kapitel eingegangen, bevor ich die positiven und negativen Funktionsweisen von Eßstörungen in diesem Zusammenhang diskutiert habe. Hierbei habe ich mich hauptsächlich an den Grundzügen der systemischen Sichtweise orientiert. Das siebte und letzte Kapitel be-schäftigt sich dann mit den Therapie und Interventionsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, wobei ich ein besonderes Augenmerk auf die Familientherapie und die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten für Sozialpädagogen gelegt habe. Der empirische Teil dieser Arbeit besteht aus einem Interview, das ich mit einer Betroffenen geführt habe und dem Besuch des Therapiecentrums für Eßstörung in München.

Da der größte Teil der von Eßstörungen Betroffenen weiblich ist, habe ich für diese Arbeit die jeweils weibliche Form gewählt, spreche also im folgenden nur von Patientinnen und nicht von Patientinnen und Patienten. Dies gilt ebenso für Sozial-pädagoginnen, Therapeutinnen und Beraterinnen.

Den Bereich des sexuellen Mißbrauchs habe ich bewußt komplett ausgeklammert, obwohl mir durchaus klar ist, daß dieses Thema ein wichtiger Faktor sein kann bei der Entstehung einer Anorexie oder Bulimie. Allerdings hätte die ausführliche Beschäftigung mit diesem Gebiet den Rahmen des ohnehin schon komplexen Themas gesprengt. Statt dessen habe ich mich verstärkt mit den familiären Strukturen auseinander gesetzt, die zur Entstehung bzw. Aufrechterhaltung einer Eßstörung beitragen können, da ich diese erstens als essentiell wichtige Faktoren halte und zweitens hier einen geeigneten Ansatz-punkt für familientherapeutische und sozialpädagogische Interventionen sehe.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 1
1. Einführung 2
1.1 Schlankheitswahn oder Eßstörung 2
1.2 Normal-, Idealgewicht und Body Mass Index 3
2. Anorexia nervosa 5
2.1 Geschichte, Definition und Symptomatik 5
2.2 Diagnostische Kriterien der Anorexia nervosa 6
2.3 Das Leben und Erleben der Welt von Anorektikerinnen 7
2.4 Die familiäre Struktur 10
2.4.1 Familientüren 15
3. Bulimia nervosa 16
3.1 Definition, Symptomatik und physiologische Folgen 16
3.2 Diagnostische Kriterien der Bulimia nervosa 17
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Anorexie und Bulimie 18
3.4 Das Leben und Erleben der Welt von Bulimikerinnen 19
3.4.1 Heißhungerattacken 20
3.4.2 Erbrechen und andere entleerende Maßnahmen 21
3.4.3 Der Heimlichkeitsaspekt 23
4. Fallbeispiel 24
5. Adoleszenz 31
5.1 Definition 31
5.2 Krisen und Entwicklungsaufgaben 33
5.3 Körperliche Veränderungen 35
5.3.1 Menarche 37
5.3.2 Das Körperselbstbild und seine Auswirkungen auf den Jugendlichen 37
5.4 Ablösung aus dem Elternhaus 37
5.4.1 Ausziehen aus dem Elternhaus 38
5.4.2 Neue Verhaltensweisen erproben 39
5.4.3 Das psychosoziale Moratorium 41
5.4.4 Veränderung des Eltern-Kind-Verhältnisses 43
5.4.5 Veränderungen für die Eltern 44
5.4.6 Die Ablösung komplizierende Familienstrukturen 46
5.5 Das Ende der Adoleszenz 47
6. Eßstörungen als Strategie zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben 48
6.1 Zum Krankheitsbegriff 48
6.2 Eßstörungen als Weigerung, die Geschlechtsrolle anzunehmen 51
6.3 Eßstörungen als misslungener Ablösungsversucht aus der Familie 53
6.3.1 Autonomiebestrebungen 54
6.3.2 Veränderungsbestrebungen 55
6.3.3 Magersucht als Weg, Gefühle zu äußern 56
6.3.4 Intensivierung des Familienzusammenhaltes 57
6.4 Die Bewältigung anderer Entwicklungsaufgaben 58
7. Therapieformen und Interventionsmöglichkeiten für Sozialpädagoginnen 61
7.1 Das Konzept des Therapiecentrums für Eßstörungen (TCE) 61
7.1.1 Allgemeines und Voraussetzungen für eine Therapie 61
7.1.2 Erstkontakt 63
7.1.3 Motivationsphase 65
7.1.4 Tagklinik-Phase 66
7.1.5 Therapieformen 68
7.1.5.1 Essen und Ernährungstherapie 68
7.1.5.2 Körperwahrnehmungstherapie 71
7.1.5.3 Kreative Therapie 73
7.1.5.4 Soziales Kompetenztraining 75
7.1.5.5 Gruppentherapie 76
7.1.6 Therapeutisches Wohnen 77
7.1.7 Ambulante Phase 78
7.1.8 Abschiedsphase 79
7.1.9 Einbeziehen der Familie in die Therapie 79
7.1.10 Fazit 82
7.2 Familientherapie 84
7.2.1 Neutralität 85
7.2.2 Familienbrett 87
7.2.3 Zirkuläre Fragen 89
7.3 Der Beitrag von Sozialpädagoginnen zur Genesung einer Patientin 92
7.3.1 Aufbau von tragfähigen Beziehungen 92
7.3.2 Hilfe beim Umgang mit der Herkunftsfamilie 94
7.3.3 Aufweichung von Krankheitsideen = Entpathologisierung 95
7.3.4 Sozialpädagogische Unterstützung nach der Therapie 96
Schlußwort 97
Literatur 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

Identifikationsmöglichkeiten mit der Rolle des Erwachsenen. Das Alltagsleben kann stark durch nicht zur Diskussion stehende häusliche Regeln, Normen und Wertvorstellungen bestimmt sein. Eigene, von der Familienmeinung abweichende Ansichten zu vertreten, wird dem Heranwachsenden in diesen Systemen nicht leicht gemacht. Auch das Erproben selbständigen Verhaltens wird durch die starre Rollenverteilung und die strenge elterliche Kontrolle erschwert. • Die Familie strebt um jeden Preis danach, vor der Außenwelt als untadeliges und harmonisches System dazustehen. Die Kinder sollen immer tadellos aussehen, fleißig in der Schule sein und sich nie dreist aufführen. Probleme und Konflikte werden nicht angesprochen, geschweige denn ausdiskutiert, da man der Meinung ist, sowas dürfte in einer „guten Familie“ nicht auftreten. Dies mag eine Zeitlang auch funktionieren, in der Regel jedoch stoßen die Eltern dann in der Adoleszenz auf Widerstand. Gibt es dann mit dem Jugendlichen Schwierigkeiten, wird er alleine (oder der schlechte Einfluß seiner Freunde) als einzige Ursache für die auftretenden Schwierigkeiten angesehen. • In der dritten die Ablösung erschwerenden Familiensituation wird der Jugendliche von den Eltern benötigt, um deren Bedürfnisse zu befriedigen. Probleme mit dem Partner werden mit dem Heranwachsenden besprochen statt mit dem Partner selbst geklärt. Der Jugendliche muß dadurch Aufgaben übernehmen, für die eigentlich der andere Elternteil zuständig wäre und fungiert auch häufig als Ehegattensubstitut, wenn der eigentliche Partner nicht erreichbar ist. Auf dieses als Parentifikation bezeichnete Muster bin ich jedoch in Bezug auf die Rollendiffussion in Magersuchtsfamilien bereits ausführlicher eingegangen. Hinzuzufügen ist lediglich noch, daß Parentifizierungen im gewissen Rahmen normal sind, um sich für das künftige Leben mit verantwortlichen Rollen zu identifizieren. Pathogen werden diese Rollenzuweisungen lediglich dann, „wenn sie das Ausmaß des Gelegentlichen überschreiten, rigide und erstarrt sind und somit die seelische Entwicklung des Kindes lähmen oder sogar zum Stillstand bringen.“69 [...]

5.4.6. Die Ablösung komplizierende Familienstrukturen Abgesehen von der Fixierung eines oder beider Elternteile auf die Kinder gibt es auch Familienstrukturen, die es den Jugendlichen nicht leicht machen, sich daraus zu lösen. In Anlehnung an Wit & Veer68 möchte ich diese, die ich im Zusammenhang mit der Familienstrukur eßgestörter Patientinnen für besonders relevant halte, hier kurz skizzieren: • Die Familie hat sehr starre Grenzen nach außen und lebt abgeschlossen und von ihrer Umwelt isoliert; Freundschaften und andere soziale Kontakte sind eingeschränkt. Die Mitglieder einer solchen Familie sind daher hauptsächlich aufeinander angewiesen. Daher neigen die Eltern auch dazu, die Kinder festzuhalten und sie dadurch daran zu hindern, selbständig aufzutreten und zu lernen, mit anderen umzugehen. Für die Jugendlichen gibt es außerhalb der Familie kaum [...]

Gerade bei dieser Rollenverteilung ist es oft der Fall, daß die Person der Frau weitgehend identisch geworden ist mit der Rolle der Mutter, es gibt also keine Trennung mehr zwischen Mutter und Ehefrau. Wird also die Rolle der Mutter nicht mehr gebraucht, muß es der Frau so vorkommen, als würde sie als Person nicht mehr benötigt. Dies kann um so krasser sein, je mehr sie auf Karriere und persönliche Entwicklung der Familie zuliebe verzichtet hat. Es erweist sich also als Falle der Mutterrolle, die Kinder zum einzigen Lebensinhalt zu machen und daneben alle anderen Interessen und Hobbys zu vernachlässigen. Die Trennung von den Kindern fällt um einiges leichter, je mehr die Frau sich auch neben ihrer Rolle als Mutter eine eigenständige Rolle als Person erhalten hat, auf die sie nun verstärkt zurückgreifen kann. Laut Mühlbauer-Braun wirkt sich dies in jeder Beziehung äußerst positiv aus: „Die Kinder brauchen eine ‘lebendige’ Mutter, die sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinandersetzt, die etwas weiß und auch noch dazulernt. Und auch für die Partnerbeziehung ist es sicher günstiger, wenn die Mutter nicht nur mit den Kindern zu Hause bleibt und sich zwangsläufig auf dem jeweiligen Niveau der Kinder bewegt.“67 Sie braucht die Kinder nicht als Lebensinhalt, läuft daher also auch weniger Gefahr, sie zwanghaft festzuhalten und damit die notwendige Ablösung zu erschweren. [...]

Arbeit zitieren:
Komp, Marion Juni 1999: Anorexie und Bulimie als (inadäquater) Versuch der Adoleszenzbewältigung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bulimie, Anorexie, Therapie, Adoleszenz, Systematik

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