Eßstörungen
Erklärung und Therapiemöglichkeiten. Was kann insbesondere die Sporttherapie leisten?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Eva Niederschmidt
- Abgabedatum: Dezember 1995
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 5,5 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4613-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4613-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4613-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Niederschmidt, Eva Dezember 1995: Eßstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sporttherapie, Ursachen, Behandlungen, Anorexia nervosa, Bulimia
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Diplomarbeit von Eva Niederschmidt
Einleitung:
Vielleicht liegt gerade in der Hektik unserer Zeit die Antwort auf die Frage begründet, warum das Thema „Essstörungen“ mehr und mehr in den Blickpunkt rückt. Immer häufiger zeigt die Öffentlichkeit reges Interesse an Magersucht und Bulimie - kaum ein Magazin, das sich diesem Trend verschließt. Jeder meint, dazu etwas sagen zu können - alle wollen den „Stein der Weisen“ gefunden haben und versprechen die Maßnahme schlechthin.
Studiert man die Artikel dann einmal genauer, springen dem interessierten Leser die zahlreichen Schwierigkeiten sofort ins Auge. Anscheinend fällt es Ernährungsexperten und Journalisten gleichermaßen schwer, den Begriff der Eßstörung richtig zu greifen - ihn entsprechend zu definieren. Auf der Suche nach möglichen Behandlungen geben sie Ratschläge, die oft auf unrichtigen Annahmen basieren. Falsche Vorstellungen von Krankheiten wie etwa der Adipositas oder Pubertätsmagersucht resultieren in verschiedenen Meinungen. Was die einen für empfehlenswert halten, wird bei anderen schon wieder als nicht so wichtig eingestuft. Und wenn es genauso viele Meinungen wie Therapien gibt, lassen sich nur schwer gesicherte Erkenntnisse über die Effektivität der einzelnen Möglichkeiten gewinnen.
Leider wurde bisher - zumindest bei Magersucht und Bulimie - eine dieser Therapieformen eher stiefmütterlich behandelt - die Sporttherapie. Und weil ihr in der Vergangenheit nur so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, liefert sie bis dato auch kaum nennenswerte Ergebnisse. Dabei könnte gerade diese Form der Behandlung - eingeflochten in ein therapeutisches Gesamtkonzept - eine Bereicherung darstellen. Auf jeden Fall aber nimmt sie schon jetzt eine Sonderstellung ein. Denn während andere - traditionelle - Modelle einem psychoanalytischen Ansatz nachgehen, verfolgt die Sporttherapie als einzige eine körperorientierte Idee. Sie setzt genau da an, wo die Krankheit sichtbar wird - am Körper.
Diese Diplomarbeit macht es sich daher zur Aufgabe, bezüglich der Sporttherapie zwei entscheidende Fragen zu klären:
1. Kann eine Sporttherapie bei Eßstörungen Hilfestellung bieten?
2. Und wenn ja, in welcher Form nimmt sie ihren Platz im Rahmen der Gesamtstrategie aller konventionellen Maßnahmen ein?
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit gliedert sich grob umrissen in zwei Teile. Auf der einen Seite zielt sie darauf ab, das Themengebiet der Eßstörung in seiner ganzen Vielfalt zu behandeln. Den einzelnen Gebieten, wie z.B. Symptomatologie, Ursachen, gesundheitliche Folgeerscheinungen und bewährte Behandlungsformen soll so das Rätselhafte genommen werden. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf dem Krankheitsbild der Bulimia nervosa, wobei aber immer wieder die Pubertätsmagersucht vergleichsweise herangezogen wird. Die Adipositas wird nur zu Beginn - der Vollständigkeit halber - erwähnt. Die Ergebnisse dieses ersten Teils bilden die Grundlage für den entscheidenden Ansatzpunkt des zweiten Abschnitts.
Denn auf der anderen Seite darf die Antwort auf die Frage, ob, und in welcher Form der Sport für Eßgestörte von Nutzen sein kann, nicht offen bleiben. Dabei macht es der Gedanke, Bewegung als eine mögliche Form der Therapie in eine Gesamtstrategie einzubinden notwendig, zunächst auf Möglichkeiten und Grenzen der herkömmlichen psychotherapeutischen Verfahren einzugehen. Wesentliche Aspekte hinsichtlich eines körpereigenen Zugangs werden herausgegriffen, um vor dem Hintergrund dieser therapeutischen Zielsetzungen eine differenzierte Konzeption des Sports als therapeutisches Mittel bei der Behandlung von Eßstörungen zu entwickeln. Die konkreten Umsetzungsmöglichkeiten des Konzepts werden später anhand von praktischen Beispielen demonstriert.
Somit setzt sich der erste Teil der Diplomarbeit mit dem Gesamtkonzept zur Symptomatologie, Ätiologie und gängiger Therapiemaßnahmen auseinander, während sich der zweite Teil mit dem Thema beschäftigt, inwieweit der Sport als eine erfolgversprechende Interventionsmaßnahme im Rahmen einer Gesamtstrategie zu sehen ist.
Im 2. Kap. erfolgt eine Einteilung der Eßstörungen in die drei Hauptformen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Adipositas. Die jeweiligen Krankheitsbilder werden entsprechend definiert.
Es folgt Kap. 3 zum Thema Epidemiologie. Hier wird nicht nur über das erstmalige Auftreten der Krankheitsbilder Anorexia - und Bulimia nervosa referiert, sondern auch über dessen Häufigkeit und Verbreitung. Weiterhin wird darüber berichtet, welche Zielgruppe am häufigsten davon betroffen ist und in welchem Durchschnittsalter die Krankheit beginnt.
Kap. 4 zeigt die Entwicklung der Krankheit auf und skizziert ihren Verlauf im einzelnen. Über gesundheitliche Folgen einer langanhaltenden Eßstörung klärt das 5. Kap. auf. Es werden die verschiedenen Folgeerscheinungen hinsichtlich körperlicher, psychischer und sozialer Gesichtspunkte unterschieden.
Schon im Hinblick auf den 2. Teil der Diplomarbeit werden im Kap. 6 äußere und innere Gemeinsamkeiten bei Eßstörungen herausgearbeitet, die wichtige Ansatzpunkte für einen körperorientierten Zugang ergeben.
Mit der Ursachenforschung beschäftigt sich das 7. Kap. Es werden sowohl familiäre und soziokulturelle, als auch individuelle und genetische Faktoren diskutiert.
Im Anschluß daran ergeben sich im 8. Kap., entsprechend der ätiologischen Annahmen, spezielle Behandlungsmodelle. Dabei seien neben dem Kognitiven Modell und dem Feministischen Modell auch das Familieninteraktions-, Depressions- und Suchtmodell genannt.
Die Kap. 9 bis 13 bilden mit dem Thema Sport als Therapie“ den 2. Eckpfeiler dieser Arbeit. Nach einem allgemeinen Teil (9.1) werden im Kap. 9.2 einige begriffliche Klärungen zu bewegungsbezogenen Konzepten vorgenommen. Bspw. wird erörtert, was unter Sporttherapie, Sportpsychotherapie und Bewegungspsychotherapie verstanden wird.
Das Kap. 9.3 beschäftigt sich anschließend mit verschiedenen Therapieansätzen des Sports. Von Bedeutung sind hierbei sowohl der medizinische, als auch der psycho- und soziotherapeutische Ansatz.
Anthropologisch-pädagogische Grundlagen des Sports werden indes im Kap. 9.4 zum Thema gemacht. Hier wird auf das Wesen des Sports bzgl. seiner Einwirkungsmöglichkeiten und Gehalte für Eßgestörte eingegangen, die in Kategorien wie „Handlung“, „Erfahrung“ und „Interpersonale Erlebnisinhalte“ zum Ausdruck kommen.
Das anschließende Kap. 9.5 stellt hingegen einige Ergebnisse heraus, die bisher in Zusammenhang mit Sport und dessen Auswirkung auf die Befindlichkeit und Persönlichkeit gemacht wurden.
Im 10. Kap. geht es dann darum, Zielsetzungen festzulegen, die für ein sporttherapeutisches Programm für Eßgestörte von Bedeutung sind. Während zunächst übergeordnete Zielsetzungen einer Sporttherapie formuliert werden, die neben kognitiven und motivational/emotionalen auch motorische Aspekte berücksichtigen, wird in einem weiteren Kap. (10.2) geklärt, in welcher Form der Sport konkret für Eßgestörte eingesetzt werden kann. Welche Zielsetzungen im einzelnen mit der Sporttherapie für Eßgestörte verfolgt werden können, zeigt sich dann im Kap. 10.3 Es scheint dabei sinnvoll, zwischen persönlichkeits- und umweltorientierten Zielen zu unterscheiden; aber auch zwischen dem Ziel seiner Verbesserung der Befindlichkeit“. Da diesem Ziel eine besondere Bedeutung für Eßgestörte zukommt, wird es in einem separaten Kap. (10.3.3) abgehandelt.
Über den Erfolg einer Therapie entscheiden aber nicht nur die Festlegung einzelner Zielsetzungen, sondern auch äußere und personelle Bedingungen. Deshalb werden im Kap. 10.4 sowohl räumliche Bedingungen, Gruppenstärke, zeitliche Dauer und Gruppenzusammensetzung als auch das Anforderungsprofil des Therapeuten diskutiert.
Noch konkreter wird es dann im Kap. 11, wenn die inhaltlichen Aspekte einer Sporttherapie angesprochen werden. Funktionsgymnastik, Ausdauer- und Koordinationstraining, Spielen, Schwimmen und Entspannung durch Sport bilden in diesem Teil die Themenschwerpunkte.
In Kap. 12 kann nun entsprechend der konkreten Zielsetzungen und Inhalte ein differenziertes Konzept zur Sporttherapie erarbeitet werden. Es werden praktische Beispiele genannt, die die konkrete Umsetzungsmöglichkeit des Konzepts demonstrieren sollen. Das Kapitel ist deswegen auch mit „Organisation einer Sporttherapiestunde“ überschrieben.
Im Anschluß daran setzt sich die Arbeit mit einer Diskussion fort, ehe sie dann mit der Zusammenfassung schließt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Hauptformen schwerer Eßstörungen | 4 |
| 2.1 | Anorexia nervosa | 5 |
| 2.2 | Bulimia | 5 |
| 2.2.1 | Bulimie als Symptom | 6 |
| 2.2.2 | Bulimie als Syndrom | 6 |
| 2.3 | Übergewicht mit physiologischen Störungen (Adipositas) | 6 |
| 3. | Epidemiologie | 10 |
| 4. | Krankheitsverlauf | 11 |
| 4.1 | Krankheitsverlauf bei Anorexia nervosa | 11 |
| 4.2 | Krankheitsverlauf bei Bulimia nervosa | 12 |
| 5. | Gesundheitliche Risiken einer langanhaltenden Eßstörung | 16 |
| 5.1 | Körperliche Folgeerscheinungen | 16 |
| 5.1.1 | Folgen des Untergewichts | 16 |
| 5.1.2 | Folgen bulimischen Eßverhaltens | 18 |
| 5.1.2.1 | Folgen des Erbrechens | 18 |
| 5.1.2.2 | Folgen von Abführmittelmißbrauch | 19 |
| 5.1.2.3 | Folgen von entwässernden Medikamenten (Diuretika) | 19 |
| 5.1.2.4 | Folgen von Appetitzüglern | 20 |
| 5.1.2.5 | Folgen von „Freßanfällen“ | 20 |
| 5.2 | Psychische und soziale Folgeerscheinungen | 20 |
| 5.2.1 | Folgen des Untergewichts | 20 |
| 5.2.2 | Folgen bulimischen Eßverhaltens | 21 |
| 6. | Äußere und innere Gemeinsamkeiten bei Eßstörungen | 22 |
| 6.1 | Äußere Gemeinsamkeiten | 22 |
| 6.2 | Innere Gemeinsamkeiten | 23 |
| 6.2.1 | Der Kampf um die Kontrolle | 23 |
| 6.2.2 | Das Gefühl der Unzulänglichkeit | 24 |
| 6.2.3 | Die Störung des Bildes vom eigenen Körper | 24 |
| 6.2.4 | Kontaktstörungen | 25 |
| 7. | Ätiologie | 26 |
| 7.1 | Soziokulturelle Faktoren | 26 |
| 7.2 | Familiäre Faktoren | 27 |
| 7.3 | Genetische Faktoren | 29 |
| 7.4 | Individuelle Faktoren | 30 |
| 7.5 | Auslösende Faktoren | 31 |
| 7.6 | Bestärkende Faktoren | 31 |
| 8. | Behandlungsmodelle | 33 |
| 8.1 | Das kognitive Modell | 33 |
| 8.2 | Das feministische Modell | 36 |
| 8.3 | Das Familieninteraktionsmodell | 36 |
| 8.4 | Das Depressionsmodell | 39 |
| 8.5 | Das Suchtmodell | 40 |
| 9. | Sport als Therapie | 43 |
| 9.1 | Allgemeines | 43 |
| 9.2 | Bewegungsbezogene Konzepte - einige begriffliche Klärungen | 44 |
| 9.3 | Sporttherapeutische Ansätze | 46 |
| 9.4 | Antropologisch-pädagogische Grundlagen des Sports | 47 |
| 9.4.1 | Handlung | 47 |
| 9.4.1.1 | Explorieren | 48 |
| 9.4.1.2 | Üben | 48 |
| 9.4.1.3 | Spielen | 49 |
| 9.4.1.4 | Leisten | 50 |
| 9.4.2 | Erfahrung | 51 |
| 9.4.2.1 | Eigenerfahrung | 52 |
| 9.4.2.2 | Materielle Erfahrungen | 52 |
| 9.4.2.3 | Soziale Erfahrungen | 53 |
| 9.4.3 | Interpersonale Erlebnisgehalte | 53 |
| 9.5 | Sporttherapie im Kontext anderer Erkrankungen | 55 |
| 10. | Zielsetzungen eines sporttherapeutischen Programms | 57 |
| 10.1 | Übergeordnete Zielsetzungen der rehabilitativen Sporttherapie | 57 |
| 10.1.1 | Kognitive Aspekte | 57 |
| 10.1.2 | Motivational/emotionale Aspekte | 59 |
| 10.1.3 | Motorische Aspekte | 62 |
| 10.2 | Sport als Therapie bei Eßstörungen | 64 |
| 10.3 | Zielsetzungen im einzelnen | 67 |
| 10.3.1 | Persönlichkeitsorientierte Ziele | 67 |
| 10.3.1.1 | Aktivierung des Patienten | 67 |
| 10.3.1.2 | Aufbau eines Körperbewußtseins | 68 |
| 10.3.1.3 | Verbesserungen der physischen Bedingungen | 70 |
| 10.3.1.4 | Stabilisierung der Persönlichkeit | 70 |
| 10.3.1.5 | „Entängstigung“ des Patienten | 71 |
| 10.3.1.6 | Gezielte Lenkung der Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit | 71 |
| 10.3.2 | Umweltorientierte Ziele | 71 |
| 10.3.2.1 | Förderung der Kontaktfähigkeit | 71 |
| 10.3.2.2 | Entwicklung positiver Verhaltensmuster | 72 |
| 10.3.2.3 | Erziehung zu Gemeinschaftsbewusstsein und Wohlbefinden | 73 |
| 10.3.3 | Verbesserung der Befindlichkeit | 73 |
| 10.4 | Äußere und personelle Bedingungen | 75 |
| 10.4.1 | Äußere Bedingungen | 75 |
| 10.4.1.1 | Räumliche Bedingungen | 75 |
| 10.4.1.2 | Gruppenstärke | 75 |
| 10.4.1.3 | Zeitliche Dauer | 76 |
| 10.4.1.4 | Gruppenzusammensetzung | 76 |
| 10.4.2 | Personelle Bedingungen | 77 |
| 11. | Inhaltliche Aspekte der Sporttherapie | 80 |
| 11.1 | Ausdauertraining | 81 |
| 11.2 | Funktionsgymnastik | 81 |
| 11.3 | Koordinationstraining | 83 |
| 11.4 | Spielen | 84 |
| 11.5 | Schwimmen | 87 |
| 11.6 | Entspannung durch Sport | 88 |
| 12. | Organisation einer Sporttherapie-Stunde | 90 |
| 13. | Diskussion | 98 |
| 14. | Zusammenfassung | 105 |
| 15. | Literatur | 107 |
| 16. | Anhang | 115 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832446130
Arbeit zitieren:
Niederschmidt, Eva Dezember 1995: Eßstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sporttherapie, Ursachen, Behandlungen, Anorexia nervosa, Bulimia




