Prüfung und Beratung
Eine Würdigung der Vereinbarkeit unter besonderer Berücksichtigung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers vor dem Hintergrund der Entwicklung in Irland
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nils Bolender
- Abgabedatum: August 2004
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 481,2 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4529-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4529-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4529-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bolender, Nils August 2004: Prüfung und Beratung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Auditor's indepandance, Sarbanes-Oxley Act, Bilanzierungsskandal, Vertrauen, Jahresabschluss
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Diplomarbeit von Nils Bolender
Zusammenfassung:
Bis vor einiger Zeit wurden Bilanzierungsskandale hauptsächlich mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Zusammenhang gebracht. Unternehmenszusammenbrüche wie z.B. Enron und Worldcom, bei denen Aktionäre mehrere Milliarden Dollar verloren, wurden hauptsächlich auf die amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften und die darin enthaltenen Bilanzierungswahlrechte geschoben. Man war der Auffassung, dass solche Bilanzierungsskandale in Europa nicht vorkommen könnten.
Diese Ansicht änderte sich schlagartig mit der Aufdeckung der Bilanzierungsskandale von Ahold und Parmalat. Nun war plötzlich auch die europäische Wirtschaft betroffen. Mit Parmalat haben die Skandale eine neue Größenordnung erreicht und hatte somit im Vergleich zu Enron einen wesentlich größeren Einfluss auf die nationale Wirtschaft.
Die Aufdeckung dieser Bilanzierungsskandale hatte zur Folge, dass Aktienkurse einbrachen, Aktionäre Teile ihrer Kapitalinvestitionen verloren und generell das Vertrauen der Anleger, neues Kapital in den Aktienmarkt zu investieren, deutlich geschwächt wurde. Häufig wird die Frage gestellt, wie es dazu kommen konnte, dass, wie im Fall Parmalat, ein Fehlbetrag von €4 Milliarden nicht rechtzeitig aufgedeckt worden ist. Calisto Tanzi, Parmalats Gründer, hatte mit einfachsten Mitteln Bankauszüge gefälscht und fiktive Guthaben in Millionenhöhe ausgewiesen. Der Betrug wurde erst aufgedeckt, als die Wirtschaftsprüfer einer Tochtergesellschaft, die auf den Cayman Island ansässig war, bei der Bank nach einer Bestätigung des Guthabens nachfragten und es sich herausstellte, dass das Konto nicht existierte.
Wenn nach einem Schuldigen gesucht wird, um zu klären, wie es zu den Betrugsdelikten kommen konnte, dauert es nicht lange bis in der öffentlichen Diskussion die Wirtschaftsprüfer erwähnt werden. Haben die Wirtschaftsprüfer versagt? Sind sie ihren Pflichten ordnungsgemäß nachgekommen? Haben sie die benötigte Distanz zum prüfenden Unternehmen, um die Prüfung objektiv durchzuführen, eingehalten oder ist ihre Unabhängigkeit durch die gleichzeitige Ausübung von Prüfungs- und Beratungsleistungen beeinträchtigt gewesen?
Das man die Schuldfrage nicht pauschal auf eine Partei, wie zum Beispiel den Wirtschaftsprüfer (WP) abwälzen kann, ist einleuchtend. Gerade in Fällen, bei denen das Management eines Unternehmens aktiv in den Betrugsfall involviert ist und versucht, diesen vor dem WP zu verbergen, sind die Aufdeckungsmöglichkeiten auf Seiten des Abschlussprüfers eingeschränkt. Es soll zwar nicht versucht werden, den WP von jeglicher Schuld freizusprechen, viel mehr soll darauf hingewiesen werden, dass bei Finanzskandalen wie im Fall Parmalat mehrere Aspekte betrachtet werden müssen. Oftmals liegt ein Versagen oder Fehlverhalten von Management, Aufsichtsratsgremien sowie Finanzanalysten und Banken vor. So ist es zum Beispiel fragwürdig, inwiefern die Trennung von Eigentum und Kontrolle, wie sie im Code der Corporate Governance gefordert wird, von Parmalat eingehalten wurde. Nur 3 der 13 Mitglieder des Board of Directors erfüllten die Kriterien zum unabhängigen Direktor, ein Internal Audit Committee wurde erst im Jahr 2001 eingeführt und außerdem war der Hauptaktionär des Unternehmens gleichzeitig dessen Geschäftsführer.
Trotzdem überwiegt in der Öffentlichkeit die Meinung, dass primär die Wirtschaftsprüfer ihren Pflichten nicht ordnungsgemäß nachgekommen sind. Dem Berufsstand wird vorgeworfen, dass er sich von seinem Core Business, der reinen Jahresabschlussprüfung, entfernt und durch profitablere Beratungsleistung seine Unabhängigkeit gegenüber dem Unternehmen gefährdet.
Das Vertrauen der Investoren in die Abschlussprüfung wieder zu gewinnen und zu stärken ist momentan das primäre Ziel des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer, sowie nationaler und im Fall der Europäischen Union supranationaler Gesetzgeber. So wurde im Sommer 2002 in den Vereinigten Staaten von Amerika der „Sarbanes-Oxley Act” (SOA) verabschiedet, in Irland wurde im Dezember 2003 der „Irish Companies (Auditing and Accounting) Act 2003” (Act) unterzeichnet und die Europäische Kommission veröffentlichte am 16. März 2004 eine überarbeitete Version ihrer „Eighth EU Directive on Auditing”. Ein Hauptaspekt der drei Vorschriften besteht unter anderem in der Stärkung der Unabhängigkeit des WPs. Dies soll durch eine Einschränkung, oder wie im SOA gefordert ein totales Verbot der parallelen Ausübung von Prüfungs- und Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer, erreicht werden.
Das grundsätzliche Dilemma vor dem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften heute durch diese neuen Vorschriften stehen, ist einerseits der Ruf nach einer strickten Trennung von Prüfung und Beratung und anderseits die zunehmende Komplexität der Jahresabschlussprüfung, die multidisziplinäre Teams aus Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, Rechtsanwälten, sowie Risikomanagement- und EDV-Spezialisten erfordert. Diese beiden Aspekte zu vereinbaren ist die aktuelle Herausforderung, der sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stellen müssen.
In der nachfolgenden Untersuchung wird die Vereinbarkeit der Prüfung und Beratung unter besonderer Berücksichtigung der Unabhängigkeit des WPs genauer untersucht. Dabei wird auf die Entwicklung der irischen Gesetzgebung und insbesondere auf die Verabschiedung des Acts, eingegangen.
Es soll zunächst ein Bezugsrahmen entwickelt werden, auf dessen Grundlage sich die weitere Untersuchung inhaltlich stützt. Insbesondere wird dabei die unterschiedliche Zielsetzung von Prüfungs- und Beratungsleistungen und deren Differenzierung voneinander herausgestellt.
Im Anschluss daran werden die Charakteristika der verschiedenen Formen der Unabhängigkeit des WPs genauer skizziert. Dies schafft eine Basis, anhand derer im weiteren Verlauf der Untersuchung zunächst ein Überblick über die potentiellen Risiken der gleichzeitigen Prüfung und Beratung durch den Abschlussprüfer dargestellt wird. Daran anschließend werden die in der Literatur diskutierten Vorteile der gleichzeitigen Ausübung von Prüfungs- und Beratungsleistungen aufgeführt. Ferner wird in diesem Abschnitt untersucht, ob theoretische und empirische wissenschaftliche Erklärungsansätze einen Zusammenhang zwischen Prüfungs- und Beratungsleistungen und der Beeinträchtigung der Unabhängigkeit des WPs belegen können.
Darüber hinaus wird die Regulierung des Berufstandes am Beispiel von Irland vorgestellt. Daran anschließend werden die gegenwärtigen Richtlinien und Vorschriften, die sich mit der Einhaltung der Unabhängigkeit des irischen WPs und speziell mit der Vereinbarkeit von gleichzeitiger Prüfung und Beratung, beschäftigen, aufgeführt. Wie bereits in der Problemstellung erwähnt, wurden von der Europäischen Kommission und den Regierungsbehörden in den Vereinigten Staaten von Amerika separate Vorschriften zur stärkeren Kontrolle der Unabhängigkeit des WPs erlassen. Die Globalisierung der Märkte und die damit verbundene Internationalisierung der Wirtschaft hat auch Auswirkungen auf den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer. Inwieweit hierdurch nationale Vorschriften anderer Länder wie z.B. die der amerikanischen Security and Exchange Commission (SEC) Auswirkungen auf den irischen Berufstand haben, ist ein weiterer Bestandteil dieses Kapitels.
Im Dezember 2003 wurde in Irland der Irish Companies (Auditing and Accounting) Act 2003 erlassen. Dessen Entstehung und die vorausgegangene Untersuchung des irischen Berufsstandes durch die Review Group on Auditing wird am Anfang dieses Abschnittes dargestellt. Die Vorschriften des neuen Gesetzes etablieren die Irish Auditing and Accounting Supervisory Authority (IAASA). Hierdurch entsteht eine Kontrollinstanz über den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer in Irland. Ihre Zusammensetzung sowie Unabhängigkeit und Befugnisse werden im weiteren Verlauf dieses Kapitels aufgezeigt.
Inwiefern der Act durch die Etablierung der IAASA die Regulierung des irischen Berufsstandes verändert und ob hierdurch die Unabhängigkeit des WPs gestärkt wird, ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Ferner wird untersucht, ob die zusätzlichen Vorschriften des neuen Gesetzestextes zu einer Stärkung der Unabhängigkeit des WPs in Irland führen können.
In der Schlussbetrachtung werden zunächst die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst. Im Anschluss daran wird im Ausblick kritisch untersucht, ob neue Vorschriften, die u.a. ein Verbot oder die Einschränkung der parallelen Ausübung von Prüfungs- und Beratungsleistungen fordern und momentan in den nationalen Gesetzgebungen verschiedener Länder umgesetzt werden, der effektivste Weg sind, die Unabhängigkeit des WPs zu stärken und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Berufsstand wieder zu gewinnen. Oder kann dieses Ziel durch alternative Ansätze effektiver erreicht werden?
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis. | V | |
| 1. | Einleitung. | 1 |
| 1.1 | Problemstellung. | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung. | 3 |
| 2. | Grundlagen der Prüfung und Beratung. | 5 |
| 2.1 | Prüfung | 5 |
| 2.2 | Beratung | 8 |
| 2.3 | Abgrenzung von Prüfung und Beratung. | 9 |
| 3. | Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 11 |
| 3.1 | Formen der Unabhängigkeit | 12 |
| 3.2 | Einflüsse von paralleler Prüfung und Beratung auf die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers. | 13 |
| 3.2.1 | Potentielle Risiken. | 14 |
| 3.2.1.1 | Self Review Threat | 15 |
| 3.2.1.2 | Self Interest Threat | 16 |
| 3.2.1.3 | Advocacy Threat | 18 |
| 3.2.1.4 | Familiarity oder Trust Threat | 19 |
| 3.2.1.5 | Intimidation Threat. | 20 |
| 3.2.2 | Vorteilhaftigkeit der parallelen Prüfung und Beratung durch den Abschlussprüfer | 21 |
| 3.2.3 | Wissenschaftliche Erklärungsansätze zu Analyse des Einflusses von paralleler Prüfung und Beratung auf die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 25 |
| 3.2.3.1 | Theoretische Erklärungsansätze | 26 |
| 3.2.3.2 | Empirische Erklärungsansätze | 27 |
| 3.2.3.2.1 | Empirische Erklärungsansätze zur wahrgenommenen Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 27 |
| 3.2.3.2.2 | Alternative empirische Erklärungsansätze | 31 |
| 4. | Betrachtung der gegenwärtigen Vorschriften zur Sicherung der Unabhängigkeit des irischen Wirtschaftsprüfers | 39 |
| 4.1 | Irische Vorschriften | 39 |
| 4.1.1 | Regulierung des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer in Irland | 39 |
| 4.1.2 | Ethical Guidelines | 41 |
| 4.1.3 | Vorschriften des Auditing Practice Board | 43 |
| 4.1.4 | Weitere Vorschriften zur Sicherung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 45 |
| 4.2 | Auswirkung internationaler Vorschriften auf Irland | 46 |
| 4.2.1 | EU-Richtlinien | 46 |
| 4.2.2 | Sarbanes-Oxley Act und Security and Exchange Commission | 48 |
| 5. | Irish Companies (Auditing and Accounting) Act 2003 | 50 |
| 5.1 | Entstehung | 50 |
| 5.2 | Vorschriften zur Stärkung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 54 |
| 5.3 | Irish Auditing and Accounting Supervisory Authority | 56 |
| 6. | Kritische Beurteilung des Irischen Companies (Auditing andAccounting) Act 2003 | 59 |
| 6.1 | Änderung in Bezug auf die Regulierung des Berufsstandes | 59 |
| 6.2 | Zusätzliche Vorschriften zur Stärkung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers | 61 |
| 7. | Schlussbetrachtung | 63 |
| 7.1 | Zusammenfassung der Untersuchung | 63 |
| 7.2 | Ausblick | 67 |
| Anhang | 70 | |
| A. | Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von Quick (2002) | 70 |
| B. | Vergleich der Vorschriften zur Zulässigkeit unterschiedlicher Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer | 73 |
| Literaturverzeichnis | 75 |
Zusätzlich wurden von der Review Group konkrete Empfehlungen zur Sicherung der Unabhängigkeit des WPs entwickelt. Unter anderem sollte durch eine neue Gesetzesvorschrift des Company Laws die Veröffentlichung von Prüfungs- und Beratungskosten durch den Abschlussprüfer vorgeschrieben werden. Zudem sollten Details über die Art der Beratung im Jahresabschluss veröffentlicht werden. Im Fall, dass die Beratungs- die Prüfungshonorare übersteigen, muss das Audit Committee den Aktionären darlegen, warum die Beratung durch den Abschlussprüfer durchgeführt worden ist. Außerdem ist das Audit Committee verpflichtet, schriftlich in einem Bericht an die Aktionäre zu bestätigen, dass es sich davon überzeugt hat, dass die Unabhängigkeit des WPs durch diesen Beratungsauftrag nicht gefährdet ist. [...]
Ein Schwerpunkt der Untersuchung der Review Group lag in der Unabhängigkeit des WPs. Es sollte untersucht werden, ob durch Beratungsleistungen die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers gefährdet wird. Die Review Group stimmte in ihrer Untersuchung mit den Feststellungen des PAC überein, dass Beratungsleistungen ein Risiko für die Unabhängigkeit des WPs darstellen und mit steigender Profitabilität der Beratungsleistung dieses Risiko erhöht wird. Desweiteren kam die Review Group zu dem Ergebnis, dass die bestehenden Unabhängigkeitsvorschriften des irischen Berufsstandes nicht mehr zeitgemäß sind. Durch neue Gesetze des Company Laws und des Berufsstandes sollten die irischen den internationalen Vorschriften angeglichen werden. Diese Aufgabe sollte vom Oversight Board übernommen werden. [...]
Die Review Group on Auditing kam in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtigen Strukturen des Berufsstandes der irischen Wirtschaftsprüfer nicht mehr dem sich kontinuierlich verändernden wirtschaftlichen Umfeld entsprechen. Dieser Zustand hat sich negativ auf das Ansehen des Berufsstandes in der Öffentlichkeit ausgewirkt. Deshalb ist es dringend notwendig, dass durch gezielte Veränderungen und Umstrukturierungen des Berufsstandes das Ansehen und der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Wirtschaftsprüfung wieder hergestellt und verstärkt wird. Als wesentliche Veränderung, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, wird von der Review Group eine Verbesserung und Klarstellung der unterschiedlichen Verantwortungsbereiche gefordert. Dies gilt sowohl für das Verhältnis zwischen dem Staat und den unterschiedlichen Wirtschaftsprüfungsinstitutionen sowie zwischen den Institutionen an sich und deren Mitgliedern. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832445294
Arbeit zitieren:
Bolender, Nils August 2004: Prüfung und Beratung, Hamburg: Diplomica Verlag
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Auditor's indepandance, Sarbanes-Oxley Act, Bilanzierungsskandal, Vertrauen, Jahresabschluss




