Spin-offs
Eine eklektische Erklärung von Unternehmensteilungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Helena von Gladiß
- Abgabedatum: November 2000
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 474,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4329-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4329-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4329-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: von Gladiß, Helena November 2000: Spin-offs, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Agency-Theorie, Ressourcen, Spin-off, Transaktionskosten, Unternehmensteilung
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Diplomarbeit von Helena von Gladiß
Einleitung:
Spin-offs und ähnliche Umstrukturierungsformen haben seit den 80er Jahren beständig an Bedeutung gewonnen. Spin-offs sind von großer Relevanz für Theorie und Wirtschaftspraxis, da sie die Effizienz von Unternehmungen erhöhen können. Ein möglicher Grund hierfür ist die Eliminierung der Kosten von strategischem Misfit und Bürokratie. In empirischen Studien wurde bestätigt, dass Spin-offs außerdem eine Steigerung des Shareholder Value bewirken. Das kann daran liegen, dass insbesondere unverbunden diversifizierte Unternehmungen vor ihrer Teilung durch den Markt unterbewertet waren und diese Unterbewertung nach der Teilung korrigiert wurde.
Bei einem Spin-off wird die Unternehmung in zwei Teile gespalten, deren Anteile unabhängig voneinander am Markt gehandelt werden. Die Eigentümer der ursprünglichen Unternehmung bleiben die Eigentümer der beiden getrennten Unternehmungen, indem die Anteile des abgespaltenen Unternehmungsteils verhältniswahrend an die Altaktionäre verteilt werden. Die Kontrolle über die Unternehmungen wird durch den Spin-off geteilt, so dass der abgespaltene Unternehmungsteil über ein eigenes Entscheidungszentrum verfügt und Strategien entwickelt, die sich von denen der Mutterunternehmung unterscheiden können. Es wird also eine unabhängige Unternehmung gebildet, und das Vermögen der ursprünglichen Unternehmung wird dementsprechend aufgeteilt.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Hintergründe für die Entscheidung und Durchführung von Spin-offs herauszuarbeiten. Dabei finden die Faktoren Beachtung, die Desintegrationsprozesse im allgemeinen und Spin-offs im besonderen vorantreiben und somit die Determinanten für die Grenzen der Unternehmung darstellen. Es soll veranschaulicht werden, dass bei der Durchführung von Spin-offs Effizienzvorteile erzielt werden können, die sowohl aus der Perspektive der Mutterunternehmung als auch des abzuspaltenden Unternehmungsteils für eine Ausgliederung sprechen. Außerdem wird auf die mit Spin-offs verbundenen Gewinne der Anteilseigner eingegangen.
Diese Überlegungen finden vor dem Hintergrund verschiedener theoretischer Ansätze statt. Die Verknüpfung dieser Forschungsansätze soll zu einer möglichst umfassenden Begründung von Spin-offs beitragen. Die Ausführungen der Arbeit lassen sich in mehrere Analysebereiche teilen:
Der mit einer Unternehmungsteilung verbundene Übergang von einer Hierarchie zu mindestens zwei kleineren Hierarchien verlangt die Neugestaltung institutioneller Arrangements. Zur Beurteilung der Effizienz werden Agency-Kosten und Transaktionskosten herangezogen. Aus diesem Grund wird der Hintergrund für die Durchführung von Spin-offs und die damit verbundene Frage nach den Grenzen der Unternehmung mit Hilfe der positiven Agency-Theorie und des Transaktionskostenansatzes untersucht. Ein weiterer bedeutender Ansatz für die Analyse ist der ressourcenbasierte Ansatz, da durch ihn die Hintergründe der Refokussierungsentscheidung erklärt werden und Minimalanforderungen an die Ressourcenausstattung formuliert werden können, damit die nun getrennt agierenden Unternehmungen Wettbewerbsvorteile erlangen können und ihr Überleben gesichert wird.
Die Ansätze ermöglichen unabhängig voneinander nur ein begrenztes Verständnis von Spin-offs. Eine eklektische Vorgehensweise hilft dabei, die unterschiedlichen Dimensionen des untersuchten Phänomens zu analysieren und zu verstehen. Dabei sollen die Forschungsansätze an den wichtigen Aspekten von Spin-offs verbunden werden.
In Kapitel 2 der Arbeit werden die Grundlagen für die theoretische Behandlung von Spin-offs gelegt. Nach einer Erläuterung von Umstrukturierung im allgemeinen wird der Begriff des Spin-off genau definiert, da er in der Literatur und Wirtschaftspraxis sehr vielseitig verwendet wird. Anschließend werden Spin-offs von anderen ähnlichen Umstrukturierungsformen abgegrenzt. Es folgt eine Betrachtung der Motive für Spin-offs. Daran schließt sich die Vorstellung mehrerer empirischer Arbeiten zu Spin-offs in den USA.
In Kapitel 3 werden theoretische Begründungen für die Durchführung von Spin-offs durch die Agency-Theorie, den Transaktionskostenansatz und den ressourcenbasierten Ansatz angeführt. Diese Forschungsansätze werden vorgestellt, bevor auf ihren Erklärungsbeitrag zu der Durchführung von Spin-offs eingegangen wird.
Kapitel 4 enthält den Versuch einer Synthese dieser Ansätze, um das untersuchte Phänomen möglichst umfassend zu erklären. Dazu werden zuerst die theoretischen Ansätze unabhängig von Spin-offs miteinander verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen ihnen herauszuarbeiten. Vor dem Hintergrund dieses Vergleichs werden unterschiedliche Aspekte von Spin-offs mit Hilfe der kombinierten Theorien erläutert. Die Arbeit schließt in Kapitel 5 mit einer Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse und einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 7 |
| 2. | GRUNDLAGEN | 7 |
| 2.1 | Umstrukturierung | 7 |
| 2.2 | Umstrukturierung durch Spin-offs | 8 |
| 2.2.1 | Definitionsansätze | 8 |
| 2.2.2 | Definition | 9 |
| 2.3 | Abgrenzung von Spin-offs zu ähnlichen Umstrukturierungsformen | 10 |
| 2.4 | Motive für Spin-offs | 11 |
| 2.4.1 | Konzentration auf bestimmte Geschäftsaktivitäten | 11 |
| 2.4.2 | Verbesserung der Transparenz der Unternehmung | 12 |
| 2.4.3 | Verbesserung der Motivation der Unternehmungsführung | 12 |
| 2.4.4 | Verbesserung der Handlungsfähigkeit des Unternehmungsteils | 13 |
| 2.4.5 | Steigerung des Shareholder Value | 13 |
| 2.4.6 | Lösen eines internen Wettbewerbskonflikts | 14 |
| 2.4.7 | Abwenden einer feindlichen Übernahme | 14 |
| 2.5 | Empirische Untersuchungen hinsichtlich der Effekte von Spin-offs | 15 |
| 3. | THEORETISCHER HINTERGRUND | 16 |
| 3.1 | Die Agency-Theorie | 19 |
| 3.1.1 | Die Beziehung zwischen Prinzipal und Agent | 20 |
| 3.1.2 | Informationsasymmetrie | 21 |
| 3.1.3 | Agency-Kosten | 22 |
| 3.1.4 | Möglichkeiten der Reduzierung von Agency-Problemen | 23 |
| 3.1.5 | Kritische Würdigung der Agency-Theorie | 24 |
| 3.1.6. | Möglichkeiten der Reduzierung von Agency-Problemen durch Spin-offs | 25 |
| 3.1.6.1 | Kontrollmechanismen | 25 |
| 3.1.6.2 | Anreizmechanismen | 27 |
| 3.1.6.3 | Informationsmechanismen | 28 |
| 3.1.6.4 | Garantie und Reputation | 29 |
| 3.2 | Der Transaktionskostenansatz | 29 |
| 3.2.1 | Der Ansatz von Coase | 30 |
| 3.2.2 | Der Transaktionskostenansatz von Williamson | 31 |
| 3.2.2.1 | Verhaltensannahmen | 32 |
| 3.2.2.2 | Eigenschaften von Transaktionen | 32 |
| 3.2.3 | Die Wahl der Beherrschungsform | 33 |
| 3.2.4 | Erklärung der Diversifikation | 35 |
| 3.2.5 | Kritische Würdigung des Transaktionskostenansatzes | 37 |
| 3.2.6 | Transaktionskostentheoretische Implikationen für Spin-offs | 38 |
| 3.3 | Der ressourcenbasierte Ansatz | 41 |
| 3.3.1 | Ressourcen und Fähigkeiten | 41 |
| 3.3.2 | Gegenstand und Annahmen des ressourcenbasierten Ansatzes | 43 |
| 3.3.3 | Managementfähigkeiten als Quelle dauerhafter Wettbewerbsvorteile | 45 |
| 3.3.4 | Erklärung der Diversifikation | 46 |
| 3.3.5 | Kritische Würdigung des ressourcenbasierten Ansatzes | 49 |
| 3.3.6 | Dynamisierung des ressourcenbasierten Ansatzes | 50 |
| 3.3.7 | Spin-offs vor dem Hintergrund des ressourcenbasierten Ansatzes | 51 |
| 3.3.7.1 | Abspaltung verbundener vs. unverbundener Unternehmungsteile | 51 |
| 3.3.7.2 | Anforderung an den abzuspaltenden Unternehmungsteil | 52 |
| 4. | SYNTHESE DER THEORETISCHEN GRUNDLAGEN | 54 |
| 4.1 | Transaktionskostenansatz und ressourcenbasierter Ansatz | 56 |
| 4.2 | Transaktionskostenansatz und Agency-Theorie | 60 |
| 4.3 | Ressourcenbasierter Ansatz und Agency-Theorie | 62 |
| 4.4 | Spin-offs – eine Synthese | 63 |
| 4.4.1 | Spezifität und strategische Bedeutung | 64 |
| 4.4.2 | Die Kosten der Verbundenheit | 65 |
| 5. | SCHLUßBETRACHTUNGEN | 68 |
| Literaturverzeichnis | 72 |
Unternehmungsgröße überproportional zu, so daß es dem Management nicht mehr gelingt, die Produktionsfaktoren wertmaximierend einzusetzen. Die Zusammenfassung von Transaktionen in einer Unternehmung lohnt sich demnach nur so lange, bis die Grenzkosten der unternehmensinternen Organisation die Höhe der als konstant angenommenen Grenzkosten der marktlichen Organisation erreicht haben. Ab einer bestimmten Unternehmungsgröße sind demnach marktliche Transaktionen effizienter (Coase, 1937: 394f.). Der Aufsatz von Coase blieb lange Zeit unberücksichtigt, bis er in den 70er Jahren in den Blickpunkt der Wirtschaftswissenschaften rückte. Seitdem nahm sein Einfluß beträchtlich zu (Cheung, 1983: 1). Das liegt vor allem daran, daß Williamson in seinen Arbeiten „Markets and Hierarchies“ (1975) und „The Economic Institutions of Capitalism“ (1985) auf den Ausführungen von Coase aufbaut und diese zu einem umfassenden Theorieansatz weiterentwickelt. In den folgenden Gliederungspunkten werden die wichtigsten Aussagen von Williamson dargestellt. 3.2.2 Der Transaktionskostenansatz von Williamson Williamson definiert den Begriff der Transaktion und gibt zahlreiche Beispiele für die Kosten, die bei der Abwicklung von Transaktionen anfallen. Darüber hinaus führt er zentrale Verhaltensannahmen und Eigenschaften von Transaktionen ein. Während Coase nur die Beherrschungsformen Markt und Hierarchie unterscheidet, berücksichtigt Williamson Zwischenformen. Williamson definiert eine Transaktion als Transfer eines Gutes oder einer Dienstleistung über eine technisch separierbare Grenze. Ein Beispiel ist der Kauf von Input durch eine Unternehmung bei einer anderen Unternehmung (Williamson, 1985: 1). Transaktionskosten entstehen bei der marktlichen Abwicklung von Transaktionen und innerhalb von Unternehmungen. Williamson unterscheidet die Transaktionskosten in solche, die vor dem Vertragsabschluß anfallen (Ex-Ante-Transaktionskosten), und andere, die nach dessen Abschluß verursacht werden (Ex-Post-Transaktionskosten). Im Gegensatz zur Agency-Theorie und zur Property-Rights-Theorie, die lediglich die ExAnte-Transaktionskosten betrachten, hebt der Transaktionskostenansatz insbesondere die Bedeutung der Ex-Post-Transaktionskosten hervor (Williamson, 1985: 29f.). Informations-, Such- sowie Vertragsverhandlungs- und Vertragsabschlußkosten zählen zu den Transaktionskosten, die vor Vertragsabschluß anfallen. Ex-Post31 [...]
Der Transaktionskostenansatz nach Williamson unterscheidet die drei grundsätzlichen Beherrschungsformen Markt, Hierarchie und Hybrid. Bei der marktlichen Abwicklung von Transaktionen erfolgt eine Koordination über den Marktpreis. Eine Integration der Transaktionen in die Hierarchie erfolgt dann, wenn für diese Transaktionen nicht auf einen funktionierenden Markt zurückgegriffen werden kann. Hybridformen beruhen sowohl auf marktlicher als auch auf hierarchischer Koordination, wie es bei Joint Ventures oder Lizenzvereinbarungen der Fall ist (Williamson, 1991a: 280). Zunächst soll der Ansatz von Coase als Ansatzpunkt der Transaktionskostenökonomik erläutert werden, gefolgt von den zusätzlichen Annahmen von Williamson. 3.2.1 Der Ansatz von Coase Coase stellt in seinem Aufsatz „The Nature of the Firm“ aus dem Jahre 1937 die Frage, warum Unternehmungen innerhalb von Volkswirtschaften überhaupt entstehen. Mit Hilfe der neoklassischen Theorie läßt sich diese Frage nicht beantworten, da diese nur eine Erklärung für die marktliche Abwicklung von Transaktionen zuläßt, nicht jedoch für die Abwicklung von Transaktionen in der Hierarchie (Coase, 1937: 387ff.). Dieses Erklärungsdefizit liegt darin begründet, daß die neoklassische Theorie die Kosten der marktlichen Abwicklung von Transaktionen nicht berücksichtigt, da der Preismechanismus kostenlos alle Informationen liefert, die zur Abwicklung von Transaktionen nötig sind. In der Realität jedoch fallen bei der Abwicklung einer Transaktion über den Markt Kosten der Beschaffung von Informationen über den Preis und die Qualität von Gütern an. Außerdem entstehen Kosten für die Aushandlung, den Abschluß und gegebenenfalls eine nachträgliche Anpassung von Verträgen. In der Hierarchie werden Verträge zwar nicht eliminiert, aber stark reduziert. Die bei einer Markttransaktion auftretenden Kosten können dazu führen, daß eine hierarchische Abwicklung mehrerer Transaktionen innerhalb einer Unternehmung günstiger ist als die Koordination über den Markt (Coase, 1937: 390f.). Da durch die Integration von Transaktionen in eine Unternehmung Kosten der marktlichen Abwicklung eingespart werden können, ergibt sich die Frage, warum die gesamte Volkswirtschaft nicht in einer einzigen großen Unternehmung organisiert ist (Coase, 1937: 394). Laut Coase spielen in diesem Zusammenhang Hierarchiekosten eine Rolle. Die Kosten der unternehmungsinternen Organisation nehmen mit steigender Anzahl der in einer Hierarchie zusammengefaßten Transaktionen bzw. mit steigender 30 [...]
Der Transaktionskostenansatz beschäftigt sich mit der Koordination wirtschaftlicher Leistungsbeziehungen. Grundlegende Analyseeinheit ist die einzelne Transaktion. Er untersucht die Effizienz von institutionellen Einbindungsformen, die der Absicherung von Transaktionsbeziehungen dienen. Aus einer Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten der institutionellen Einbindung von Transaktionen soll die Beherrschungsform ermittelt werden, die für die Abwicklung bestimmter Transaktionen am besten geeignet ist (Williamson, 1985: 41). Bei dem Vergleich dieser alternativen Beherrschungsformen legt der Transaktionskostenansatz die Summe aus Produktionskosten und Transaktionskosten als Effizienzkriterium zugrunde (Williamson, 1985: 22). Das paradigmatische Beispiel des Transaktionskostenansatzes ist die vertikale Integration. Jedoch wird er in der Literatur auch auf die Diversifikation angewandt (Teece, 1980; Hill & Hoskisson, 1987; Jones & Hill, 1988). 29 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832443290
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von Gladiß, Helena November 2000: Spin-offs, Hamburg: Diplomica Verlag
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Agency-Theorie, Ressourcen, Spin-off, Transaktionskosten, Unternehmensteilung




