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Die ökologische Steuerreform in Deutschland

Die ökologische Steuerreform in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Susann Reimers
  • Abgabedatum: April 2001
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 887,8 KB
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Wiesbaden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4161-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4161-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4161-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reimers, Susann April 2001: Die ökologische Steuerreform in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ökosteuerreform, Steuerreform, ökologische Steuerreform, Ökologie, Ökosteuer

Diplomarbeit von Susann Reimers

Einleitung:

Mit dem Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform hat der Deutsche Bundestag am 01.04.1999 die Einführung einer Ökosteuer in Deutschland beschlossen. Noch im gleichen Jahr ist die erste von insgesamt 5 Reformstufen in Kraft getreten, in deren Rahmen durch eine Erhöhung der Energiebesteuerung der Energieverbrauch in Deutschland und damit die daraus resultierenden Emissionen vermindert werden sollen. Mit den zusätzlichen Steuereinnahmen wird eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge und damit der Lohnnebenkosten finanziert.

Die ökologische Steuerreform war sowohl im Vorfeld als auch in den ersten Phasen ihrer Realisierung aus verschiedenen ökologischen, ökonomischen und juristischen Gründen umstritten. Der Streit gewann an politischer Brisanz, als zu Beginn des Jahres 2000 die Importpreise für Mineralölprodukte durch den Anstieg der Weltmarkpreise für Rohöl und die Abwertung des Euro drastisch gestiegen sind.

Dies hat unter anderem zu heftigem Widerstand bei Teilen der Wirtschaft und der Bevölkerung in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern geführt. Von da an gab es kaum ein anderes Thema, das den Volkszorn in dem Maße auf sich zog und an dem sich die politischen Geister so stark schieden. Im Besonderen stellten die Opposition und Interessenvertreter der Industrie den Sinn und die wirtschaftliche wie soziale Zumutbarkeit der Reform in Frage und forderten ihre Aussetzung bzw. Aufhebung. Somit wurde die ökologische Steuerreform auch innerhalb der Koalition zum „hässlichen Entlein“ und damit zu deren unpopulärsten Reformobjekt, was sehr oft von der Opposition und den gegnerischen Medien polemisch und unsachlich für eigene Zwecke missbraucht wurde. Unglücklicherweise behalten nur noch wenige im emotionsgeladenen Streit um das Ob und Wie den eigentlichen Sinn dieses Themas im Auge. Um so schwieriger gestaltet sich die Aufgabe, der Bevölkerung Sinn und Nutzen einer solchen Steuer zu vermitteln und weitgehende Akzeptanz bei ihr zu gewinnen. So halten 53% der Deutschen die Ökosteuer für sozial ungerecht und 59 % empfehlen der Regierung sogar, von der weiteren Durchsetzung unbedingt abzusehen.

Die hektische öffentliche Debatte hat inzwischen einer ruhigeren und sachlicheren Auseinandersetzung Platz gemacht. Und dies, obwohl am 1.1.2001 die dritte Stufe der ökologischen Steuerreform in Kraft getreten ist. Wenngleich nun andere Themen vorrangig das Politgeschehen beherrschen, bleibt die Ökosteuerproblematik ein ernstzunehmender umweltpolitischer Brennpunkt. Gerade in Anbetracht der jüngsten Aussagen des Bundeskanzlers über die unwahrscheinliche Fortführung der Ökosteuerreform bleibt es von höchster Bedeutung, dass Umweltbewusstsein in der Regierung und unter der Bevölkerung zu erhöhen und sie für die Notwendigkeit einer derartigen Steuer zu sensibilisieren bzw. zu mobilisieren.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht zum einen in der Vermittlung wesentlicher Fakten über die Historie, die Notwendigkeit und die tatsächliche Einführung von ökologischen Steuern in Deutschland und zum anderen in der sachdienlichen Auseinandersetzung und Einschätzung der Ökosteuerproblematik.

Es soll darüber hinaus beurteilt werden, wie effizient und effektiv die ökologische Besteuerung als umweltpolitisches Instrument agiert.

Gang der Untersuchung:

Im 1. Kapitel soll der Leser zunächst mit dem Begriff „ ökologische Steuerreform“ vertraut gemacht werden, um weitere Sachverhalte besser zu verstehen.

In Kapitel 2 erfolgt eine Untersuchung der Entwicklung der Ökosteuerdebatte. Dabei beziehe ich mich als Ausgangspunkt der Ökosteuerüberlegung auf die zwei Produktionsfaktoren Umwelt und Arbeit. Die derzeitigen Situationen der beiden Sektoren sowie ihre politischen Grundrisse werden aufgezeigt.

Im 3. Kapitel wird die Notwendigkeit einer ökologischen Ausrichtung der Politik mithilfe von wissenschaftlichen Theorien fundiert. Empfehlungen der Wissenschaft werden diskutiert und verglichen.

Welche Ansprüche eine erfolgreiche ökologische Steuerreform nach heutigem Wissenstand zu erfüllen hat, wird im 4. Kapitel aufgezeigt. Unter Bezugnahme bestimmter Kriterien wird deutlich, dass eine Reihe von Voraussetzungen gegeben sein müssen, um eine erfolgreiche Reform zu gewährleisten.

Kapitel 5 gibt einen historischen Abriss der Ökosteuerdiskussion in Deutschland.

Die konkrete Ausgestaltung der ökologischen Steuerreform in Deutschland seit 1999 ist Inhalt des 6. Kapitels. Die Kernaussagen der Gesetze „Einstieg in die ökologische Steuerreform“ und „Fortführung der ökologischen Steuerreform“ werden inhaltlich wiedergegeben und Sonderreglungen bzw. die sozialen Ausgleichsmaßnahmen eingehend beleuchtet.

Das 7. Kapitel befasst sich mit den Auswirkungen der ökologischen Steuerreform in Deutschland. Hierbei ergibt sich jedoch insbesondere die Schwierigkeit, dass die exakten Auswirkungen der seit 1999 eingeführten Ökosteuer noch nicht genau analysiert werden können. Daher konzentriere ich mich hauptsächlich auf ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahre 2001, das mit Hilfe von ökonomischen Modellen die erwarteten Effekte der Reform berechnet.

Die große Diskussion um die Ökosteuer und ihre vielfältigen Argumente ergeben den Schwerpunkt des 8. Kapitels. Durch die Wiedergabe der am häufigst genannten Kritikpunkte und deren Gegenargumentationen, soll versucht werden, einen neutralen Eindruck über die Debatte zu vermitteln. Bei dieser Untersuchung wird eine Unterteilung in Kritik der Ökosteuergegner und der Ökosteuerbefürworter vorgenommen, um die Verschiedenheit der einzelnen Argumentationsparteien zu verdeutlichen.

In Kapitel 9 nehme ich eine persönliche Stellungnahme sowie eine Beurteilung vor. Wertneutral und distanziert von Parteilichkeiten werde ich Verbesserungsvorschläge bzw. eine kritische Einschätzung der erfolgten Umsetzung herausarbeiten. Hierzu beziehe ich zu den im 5. Kapitel genannten Ansprüchen an eine erfolgreiche Umsetzung Standpunkt.

Abschließend erfolgt in Kapitel 10 ein Ausblick auf die Zukunft der ökologischen Steuerreform in Deutschland. Hierbei konzentriere ich mich hauptsächlich auf ihre Chancen für ein Fortbestehen. Ebenso werden Ideen für eventuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten erörtert.

Der Begriff „ökologische Steuerreform“ ist eine Wortschöpfung der umweltpolitischen Praxis und deshalb nicht genau abgegrenzt. Selbst in der Fachliteratur wird er sehr weit gefasst und unterschiedlich interpretiert. Daher werde ich zu Beginn meiner Arbeit mein persönliches Verständnis über das Wesen einer „ökologischen Steuerreform“ definieren und herausarbeiten.

Unter einer Steuerreform versteht man im allgemeinen „eine wesentliche Umgestaltung eines bestehenden Steuersystems oder einzelner Steuerarten.“(Bertelsmann, Band17, S.161) Der Zusatz „ökologisch“ macht darauf aufmerksam, dass es sich dabei um eine Neugestaltung unter Einbezug des Gesamthaushaltes der Natur handelt. Folglich ist eine ökologische Steuerreform eine grundlegende und tiefgreifende Umgestaltung des Steuersystems, die durch die Erhebung von Umweltsteuern eine unter ökologischen Gesichtspunkten geführte Neuausrichtung des bestehenden Abgabensystems bewirken soll.

Das DIW präzisiert den Grundgedanken einer ökologischen Steuerreform in der „ Erhebung von umweltpolitisch motivierten Lenkungsabgaben (...), deren Aufkommen zu wesentlichen Teilen eingesetzt wird, um unerwünschte Eigenschaften des bestehenden Steuersystems zu korrigieren“.

Letzteres gestattet eine Abgrenzung zum Begriff „Einführung ökologisch motivierter Steuern“. Zieht man beide Zieldefinitionen heran, stellt man fest, dass es bei den „ökologisch motivierten Steuern“ alleinig um die Schonung der Umwelt geht, während das Herzstück der ökologischen Steuerreform in Deutschland die Realisierung einer doppelten Dividende ist. Demnach soll eine solche Reform nicht nur umweltpolitische sondern ebenfalls arbeitspolitische Vorteile bringen. Neben dem vorrangigen Ziel, die Umweltbelastungen zu vermindern, werden durch die Reform steigende Beschäftigungszahlen erwartet.

Fragwürdig ist, ob man angesichts der im Rahmen der ökologischen Steuerreform schon umgesetzten Maßnahmen in Deutschland tatsächlich von einer Reform nach o.g. Definition sprechen kann. Darauf soll erst nach der Abhandlung des Themas in Kapitel 10 eingegangen werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung - Einleitende Gedanken 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau dieser Arbeit 2
1.3 Begriffsbestimmung 4
2. Entwicklung der Ökosteuerdiskussion in Deutschland 5
2.1 Zwei Grundprobleme in Deutschland 5
2.2 Analyse des Faktors Umwelt 6
2.2.1 Die momentane Umweltsituation 6
2.2.2 Die deutsche Umweltpolitik 7
2.3 Analyse des Faktors Arbeit 8
2.3.1 Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit 9
2.3.2 Die Arbeitsmarktpolitik 9
2.4 Die Kritik am deutschen Steuersystem 10
3. Theoretische Grundlagen der ökologischen Steuerreform 12
3.1 Internalisierung externer Kosten 12
3.2 Umweltökonomische Konzepte 13
3.2.1 Theorie nach Arthur C. Pigou 13
3.2.2 Theorie nach Ronald Coase 14
3.2.3 Der Standard-Preis-Ansatz 15
4. Ansprüche an eine ökologische Steuerreform in Deutschland 16
4.1 Konzeptionelle Ansprüche 17
4.2 Fiktiver Anspruch: Nachhaltigkeit 18
5. Historischer Verlauf der Ökosteuerdiskussion 18
5.1 Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 18
5.2 Greenpeace/DIW-Studie 1994 19
5.3 „Die zweite Generation“ 20
5.4 Der Montivorschlag 21
5.5 Klimakonferenz in Kyoto 1997 21
6. Die Ausgestaltung der ökologischen Steuerreform in Deutschland 22
6.1 Das Reformgesetz der ökologischen Steuerreform 22
6.1.1 Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform 22
6.1.2 Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform 23
6.2 Sonderreglungen für Industrie und Gewerbe 25
6.3 Soziale Ausgleichsmaßnahmen 27
7. Auswirkungen der ökologischen Steuerreform 29
7.1 Auswirkungen auf den Energieverbrauch und die Emissionen 29
7.2 Auswirkungen auf die Volkswirtschaft 31
7.2.1 Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation 31
7.2.2 Auswirkungen auf das Wachstum 32
7.2.3 Auswirkungen auf die Verwendungskomponenten des BIP 33
7.2.4 Auswirkungen auf Preise und Nachfrage 34
7.2.5 Sektorale Auswirkungen: Gewinner und Verlierer der Reform 36
7.2.6 Auswirkungen auf Produktion und Technologie 37
7.3 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen 39
8. Die politische Diskussion um die ökologische Steuerreform in Deutschland 40
8.1 Rolle der Medien 40
8.2 Argumentationen der Befürworter und Gegner der Reform 40
8.2.1 Kritik der Opposition 41
8.2.2 Kritik der Befürworter 46
9. Persönliche Beurteilung der Reform 50
9.1 Fehlende Zieldefinition 52
9.2 Mangelhafte Aufklärung der Bevölkerung 53
9.3 Konzeptionelle Kritik 55
10. Schlussbetrachtung 57
10.1 Ausblick 57
10.2 Zusammenfassung 58
Literaturverzeichnis XIII

Automatisiert erstellter Textauszug:

7.2.3 Auswirkungen auf die Verwendungskomponenten des BIP Substantielle Unterschiede w eisen die Untersuchungsergebnisse in bezug auf die Verwendungskomponenten des BIP und der Entwicklung der Produktionsstruktur auf. Eine Erklärung für diese Abweichungen sind die Unterschiede in der Preisbildung und in der Berechnung der Preisindizes in den beiden Modellen. Während LEAN unterstellt, dass sich auf allen Absatzmärkten eine einheitliche Preisentwicklung für eine Gütergruppe einstellt, lässt PANTA RHEI unterschiedliche Preise zu und berechnet für jeden der 58 Sektoren 8 Güterindizes für verschie dene Verwendungen. 94 Diese hängen von den Stückkosten des Sektors und den Preisen konkurrierender Importe bzw. der Weltmarktpreise (bei Exporten) ab. Dabei weist PANTA RHEI relativ hohe Preissteigerungen aus, wenn Güter für den Konsum verwendet werden, rela tiv niedrige für den Absatz auf den wettbewerbsintensiven Exportmärkten. Die Ausfuhr erweist sich daher bei PANTA RHEI als stabil, während sie bei LEAN deutliche Einbußen erleidet. [...]

Ökosteuern angehoben werden, danach fällt das Wachstum im Steuerszenario etwas höher aus als im Referenzszenario, sodass die Differenz im BIP bis zum Ende des Analysezeitraums (2010) auf knapp 0,5% schrumpft. Der jahresdurchschnittliche Wachstumsverlust von weniger als 0,05% ist vernachlässigbar gering. Bei LEAN fallen die Auswirkungen auf das Wachstum noch geringer aus, hier ist der Effekt auf das BIP sogar während der 5 Stufen der ökologischen Steuerreform positiv. Wie auch bei PANTA RHEI klingen die Effekte ab, sobald weitere Steuererhöhungen ausbleiben, und werden in den Folgejahren wieder ausgeglichen, so dass sich das BIP am Ende des Analysezeitraums annähernd auf dem Niveau des Referenzszenarios bewegt. [...]

Auch andere Schätzungen, beispielsweise die des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, bestätigen die positiven Beschäftigungsimpulse aufgrund der geringeren Lohnkosten. Demnach werden die Arbeitgeber und –nehmer um jährlich rund 7,5 Mrd. DM entlastet. Folglich entstehen durch die ökologische Steuerreform bis zum Jahre 2005 etwa 75.000 neue Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenzahlen der letzten Monate konnten mit einer rückläufigen Quote diesen Trend bestätigen. So lag im August 2000 die Arbeitslosenzahl mit rund 3,78 Mio. so niedrig wie seit fünf Jahren nicht.91 Im März 2001 waren 3,99 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 141.400 weniger als im Vorjahr und 113.100 weniger als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote für März 2001 sank damit auf 9,8%. Das Statistische Bundesamt vermeldete gleichzeitig einen Beschäftigungsrekord: Im Januar 2001 hatten seit der Wiedervereinigung mehr Menschen eine Arbeitsstelle als jemals zuvor in diesem Monat. Gegenüber dem Januar 2000 ist die Zahl der Erwerbstätigen um 428.000 oder 1,1% auf 38,2 Mio. gestiegen. 92 Beschäftigungszuwachsraten durch die Ökosteuer werden vor allem in arbeitsintensiven Branchen wie dem Baugewerbe und bei den Herstellern umweltfreundlicher Energietechnologien zu verzeichnen sein. [...]

Arbeit zitieren:
Reimers, Susann April 2001: Die ökologische Steuerreform in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ökosteuerreform, Steuerreform, ökologische Steuerreform, Ökologie, Ökosteuer

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