Die Kosten-Nutzen-Analyse betrieblicher Gesundheitsförderung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Juliane Lang
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 772,6 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4057-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4057-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4057-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lang, Juliane September 2004: Die Kosten-Nutzen-Analyse betrieblicher Gesundheitsförderung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: ökonomische Evalution, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Gesundheitsmanagement, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Prävention
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Magisterarbeit von Juliane Lang
Einleitung:
Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung etablieren sich seit den 80er Jahren zunehmend in deutschen Unternehmen. Ihre Durchführung wurde anfänglich vor allem mit humanorientierten Argumenten begründet (Thiehoff, 2000). Die gegenwärtige Wirtschaftslage macht jedoch besonders deutlich, dass humanorientierte Argumente alleine nicht zu einer dauerhaften Etablierung betrieblicher Gesundheitsförderung ausreichen. Betriebliche Gesundheitsförderung muss trotz humanitärer Zielsetzung im Rahmen unternehmerischer Entscheidungen zur kostenminimalen Gestaltung der Produktion beitragen. Um ein möglichst gutes Unternehmensergebnis zu erreichen, müssen alle Ressourcen optimal genutzt werden. Für das Unternehmen ist daher entscheidend, dass Investitionen in eine Gesundheitsförderungsmaßnahme mehr Nutzen als Kosten verursachen. Damit rückt im unternehmerischen Umfeld das Kosten-Nutzen-Verhältnis von betrieblicher Gesundheitsförderung in den Vordergrund.
Die Effizienz ist, wie die Effektivität, wichtiges Qualitätskriterium einer Gesundheitsförderungsmaßnahme. Nur betriebliche Gesundheitsförderung, die effektiv die Gesundheit verbessert und den Unternehmen, welche die Maßnahmen finanzieren, ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis gewährleistet, kann auf Dauer durchgeführt werden und somit zu einer humaneren und gesünderen Arbeitswelt beitragen. Das positive Kosten-Nutzen-Verhältnis zu belegen oder zur Weiterentwicklung der entsprechenden Maßnahmen beizutragen, ist Aufgabe der Evaluation.
Die vorliegende Arbeit betrachtet im Rahmen der Evaluation eines Projektes der betrieblichen Gesundheitsförderung in einem großen Automobilunternehmen die Kosten und die Nutzeneffekte von betrieblicher Gesundheitsförderung und stellt Methoden zur Wirtschaftlichkeitsanalyse vor. Konkrete Aufgabenstellung dieser Magisterarbeit ist, die Wirtschaftlichkeit des Projektes „Gesund X“, das zur Prävention von Rückenschmerzen eingeführt wurde, zu untersuchen.
Um die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit, aber auch die Notwendigkeit von Gesundheitsförderung einzuordnen, werden einleitend in Kapitel 2 ausgewählte Rahmenbedingungen betrachtet. Der anhaltende Wandel in der Arbeitswelt bringt einerseits Veränderungen für die Arbeitnehmer mit sich, andererseits entsteht ein hoher Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen, die gerade deshalb auf gesunde, leistungsfähige Arbeitnehmer angewiesen sind. Beides macht die Notwendigkeit von betrieblicher Gesundheitsförderung deutlich, auf die am Ende des 2. Kapitels eingegangen wird.
Verschiedene Methoden der Wirtschaftlichkeitsanalyse, anhand derer die Effizienz einer betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahme beurteilt werden kann, stellt Kapitel 3 vor. Dabei werden die Schwierigkeiten und Besonderheiten der Wirtschaftlichkeitsanalyse von betrieblicher Gesundheitsförderung aufgezeigt. Besonders die Nutzenbestimmung von betrieblicher Gesundheitsförderung bereitet Probleme. Deshalb wird neben den Kosten von betrieblicher Gesundheitsförderung ausführlich auf die Nutzeneffekte einer Gesundheitsförderungsmaßnahme eingegangen. Das Kapitel schließt mit einem Überblick über bisher durchgeführte Evaluationsstudien von betrieblicher Gesundheitsförderung, die ökonomische Komponenten berücksichtigen.
Nach einer theoretischen Darstellung der Analysemöglichkeiten von Gesundheitsförderungsmaßnahmen in Kapitel 3 folgt in Kapitel 4 eine Wirtschaftlichkeitsanalyse für das Projekt „Gesund X“. Zur Nutzenbestimmung des Projektes werden zunächst für die Teilnehmer an dem Projekt „Gesund X“ die Arbeitsunfähigkeitsdaten ausgewertet. Darauf aufbauend werden die Nutzen- und Kostenkomponenten der Maßnahme ermittelt und anschließend durch Verfahren der Investitionsrechnung gegenübergestellt. Diese Wirtschaftlichkeitsrechnungen erlauben nach der zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse eine Einschätzung der Effizienz der Gesundheitsförderungsmaßnahme aus Unternehmenssicht.
Die Schlussbetrachtung der Arbeit spricht Lösungsvorschläge für weiterführende Fragen an und führt zu einem Ausblick auf zukünftige Anforderungen und Aufgaben von Wissenschaft und Wirtschaft sowie anderer Beteiligter der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Problemstellung | 3 |
| 2. | Arbeit und Gesundheit | 5 |
| 2.1 | Wandel der Arbeitswelt | 5 |
| 2.2 | Einfluss der Arbeit auf die Gesundheit | 7 |
| 2.3 | Personal: Produktions-, Wettbewerbs- und Kostenfaktor | 11 |
| 2.4 | Betriebliche Gesundheitsförderung | 15 |
| 2.4.1 | Ziele betrieblicher Gesundheitsförderung | 19 |
| 2.4.2 | Fehlzeiten | 22 |
| 3. | Die ökonomische Evaluation betrieblicher Gesundheitsförderung | 25 |
| 3.1 | Wirtschaftlichkeitsrechnungen | 27 |
| 3.1.1 | Die Investitionsrechnung | 27 |
| 3.1.2 | Die Kosten-Nutzen-Analyse | 28 |
| 3.1.3 | Die Kosten-Wirksamkeits-Analyse | 29 |
| 3.1.4 | Die Nutzwert-Analyse | 30 |
| 3.2 | Schwierigkeiten bei der ökonomischen Analyse | 32 |
| 3.3 | Vorüberlegungen zu einer Wirtschaftlichkeitsanalyse | 33 |
| 3.4 | Effekte betrieblicher Gesundheitsförderung | 35 |
| 3.4.1 | Kosten | 37 |
| 3.4.2 | Nutzeneffekte | 38 |
| 3.4.2.1 | Monetäre Nutzeneffekte | 39 |
| 3.4.2.2 | Schwer quantifizierbare und intangible Nutzeneffekte | 42 |
| 3.5 | Studien zur ökonomischen Evaluation von betrieblicher Gesundheitsförderung | 44 |
| 4. | Wirtschaftlichkeitsanalyse einer Gesundheitsförderungsmaßnahme in einem Automobilunternehmen | 47 |
| 4.1 | Projektbeschreibung | 47 |
| 4.1.1 | Trainingssteuerung | 50 |
| 4.2 | Einbettung der Wirtschaftlichkeitsanalyse in die Gesamtevaluation des Projektes „Gesund X“ | 54 |
| 4.3 | Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten | 56 |
| 4.3.1 | Zusammensetzung der Stichprobe | 56 |
| 4.3.2 | Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten | 58 |
| 4.3.3 | Beurteilung der Ergebnisse | 62 |
| 4.4 | Kosten und Nutzen der Intervention „Gesund X“ | 65 |
| 4.4.1 | Nutzeneffekte des Projektes „Gesund X“ | 65 |
| 4.4.2 | Kosten des Projektes „Gesund X“ | 70 |
| 4.5 | Kosten-Nutzen-Analyse für das Projekt „Gesund X“ | 72 |
| 4.5.1 | Berechnung des Vermögensendwertes | 73 |
| 4.5.2 | Berechnung der Amortisationszeit | 75 |
| 4.5.3 | Mindestteilnehmerzahl und Einsparungspotenzial | 79 |
| 4.6 | Zusammenfassung der Ergebnisse und Beurteilung | 80 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 83 |
| Abbildungsverzeichnis | 86 | |
| Tabellenverzeichnis | 87 | |
| Literaturverzeichnis | 88 |
Für die Anschaffung der speziellen Trainingsgeräte wurde ein Vergleich der zahlreichen Anbieter im Bereich der Kräftigungsgeräte durchgeführt, wobei die Trainingsgeräte der Firma David die Kriterien für die Analyse und das Training der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur erfüllten und aus Kosten- und Servicegründen bevorzugt wurden. Um die technischen Voraussetzungen für das Vorhaben abzudecken, war folgendes Anforderungsprofil an die Trainingsgeräte erforderlich: Computergestützte Analyse- und Trainingssysteme, welche die Quantifizierung und gezielte Beseitigung von Defiziten der wirbelsäulensichernden Strukturen in allen Bewegungsebenen ermöglichen Optimaler Hüftfixierungsmechanismus für ein effektives isoliertes Training und eine valide, reliable Messung Exakte Beinfixierung Exakte Wirbelsäulenkontrolle Die zur Umsetzung des Projektes notwendige Anschaffung von Trainingsgeräten beruhte auf vier Rückentrainingsgeräten, mit denen ausschließlich die Lumbalextensoren trainiert werden und einem Bauchtrainingsgerät zum isolierten Training der Abdominalflexoren. Ausgehend von dem übergeordneten Ziel, eine statistisch nachweisbare Reduzierung der durch Rückenschmerzen bedingten Ausfallzeiten zu erreichen, wurde ein auf den Grundprinzipien der betrieblichen Gesundheitsförderung aufbauendes Minimalkonzept entworfen. Das Konzept wird während der Arbeitszeit oder direkt vor bzw. nach der Arbeit auf dem Werksgelände realisiert. Teilnahmeberechtigt ist die gesamte werksinterne Belegschaft, wobei angestrebt wird, möglichst alle Beschäftigten zu integrieren. Für die Umsetzung des Konzepts wird auf dem Werksgelände ein Trainingszentrum mit zwei Rückentrainingsgeräten und einem Bauchtrainingsgerät angeboten. Zusätzlich werden für diejenigen Arbeiter, die aus zeitlichen Gründen nur bedingt den Arbeitsplatz [...]
drei Studien zurück, die ein konkretes Kosten-Nutzen-Verhältnis ermittelten (Aldana, 2001; zit. nach Kreis & Bödeker, 2003). Auch Chapman (2003; zit. nach Kreis & Bödeker, 2003), der in seinem Review 42 Studien berücksichtigt, sieht die Reduktion von Fehlzeiten als ausreichend gestützt an. Bezüglich der Krankheitskosten berichtet er von einer durchschnittliche Senkung von 26,1 Prozent. Pelletier (2001) gibt in seinem “Review of the Clinical and Cost-effectiveness Studies of Comprehensive Health Promotion and Disease Management Programs at the Worksite“ einen Überblick über in Amerika durchgeführte Studien, die sowohl klinische Effekte als auch Kosteneffekte von Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung berücksichtigen. Bei dem Review von 2001 berücksichtigt er 15 Studien zwischen 1998 und 2000 und kommt zu der Hauptaussage: “Despite the many limitations of the current methodologies of the 15 new studies, the vast majority of the research to date indicates positive clinical and cost outcomes.”4 (Pelletier, 2001, p. 107). Die positiven Kosteneffekte stellt er sowohl aufgrund der Senkung der Fehlzeiten als auch aufgrund der Abnahme der direkten Krankheitskosten fest. Studien über Programme speziell nur zu körperlicher Aktivität werden von Shepard (1996; zit. nach Kreis & Bödeker, 2003) untersucht. Diese zeigen eine Reduktion der medizinischen Kosten von 100 $ bis 400 $ pro Arbeiterjahr. Eine Übertragung der Ergebnisse amerikanischer Studien auf Deutschland ist nur unter Vorbehalt möglich, da deutsche Unternehmen nicht direkt und nur sehr langfristig von reduzierten Krankenkosten über eine Senkung der Krankenversicherungsbeiträge profitieren. [...]
3.4.2.2 Schwer quantifizierbare und intangible Nutzeneffekte Viele Wirkungen und Effekte der betrieblichen Gesundheitsförderung können nicht oder nur schwer quantitativ erfasst und bewertet werden. Bei der Beurteilung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen sollten diese Aspekte aber dennoch in die Überlegungen miteinbezogen werden, da sie einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Unternehmensergebnis haben. Ein schwer quantifizierbarer Nutzeneffekt der betrieblichen Gesundheitsförderung ist die Einsparung fehlzeitenbedingter, immaterieller Kosten. Diese immateriellen Kosten entstehen z.B. durch Organisationsprobleme bei der Vertretungsregelung, durch eine verringerte Motivation der anwesenden Mitarbeiter, die Aufgaben ihrer fehlenden Kollegen übernehmen müssen oder auch durch eine hohe Fluktuation. Weiterer Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung ist ein erhöhtes Wohlbefinden der Mitarbeiter, ein verbessertes Betriebsklima und eine gesteigerte Motivation. Diese Faktoren tragen zu einer größeren Leistungsbereitschaft der Belegschaft und somit auch zum Unternehmenserfolg bei. Einen wertvollen aber kaum messbaren Beitrag leistet betriebliche Gesundheitsförderung durch die positive Wirkung auf das Ansehen eines Unternehmens. Sowohl das externe als auch das interne Image eines Unternehmens hat großen Einfluss auf seinen wirtschaftlichen Erfolg. Das Unternehmen wird durch betriebliche Gesundheitsförderung für Arbeitnehmer attraktiver, qualifizierte Kräfte können angeworben bzw. im Unternehmen gehalten werden; die Bereitschaft, sich für das Unternehmen einzusetzen, steigt sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei Externen, da betriebliche Gesundheitsförderung als Sozialleistung anerkannt und geschätzt wird. Die oben genannten Effekte können in einer rein monetären Kosten-Nutzen-Bewertung nicht miteingerechnet werden. Da sie jedoch durchaus wichtig sind, sollten sie bei einer Evaluation zumindest aufgeführt werden. Eine Berücksichtigung können diese Effekte in Nutzwert-Analysen finden indem über Fragebögen z.B. die Motivation der Mitarbeiter ermittelt wird oder das Image des Unternehmens untersucht wird. Schwierigkeiten bereitet die Zurechnung der Wirkung auf den Unternehmenserfolg und die Isolation der Effekte der Gesundheitsförderungsmaßnahme von anderen Einflüssen. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832440572
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Lang, Juliane September 2004: Die Kosten-Nutzen-Analyse betrieblicher Gesundheitsförderung, Hamburg: Diplomica Verlag
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ökonomische Evalution, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Gesundheitsmanagement, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Prävention




