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Das System des Leistungssports in der DDR

Darstellung der Struktur und des Aufbaus anhand ausgewählter Beispiele

Das System des Leistungssports in der DDR
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Reichelt
  • Abgabedatum: Februar 1995
  • Umfang: 219 Seiten
  • Dateigröße: 11,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2960-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2960-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2960-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reichelt, Frank Februar 1995: Das System des Leistungssports in der DDR, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutscher Turn- und Sportbund, Sportklubs, KJS, DTSB, SC

Diplomarbeit von Frank Reichelt

Einleitung:

Über die DDR herrscht in der Bundesrepublik ein sehr unterschiedliches Meinungsbild, das unter anderem durch die Medien und von den politischen Interessenkonflikten zwischen den damaligen zwei Teilen Deutschlands entscheidend geprägt ist. Dies bezieht sich auch auf den Leistungssport, ein Gebiet, in dem die DDR bis zur Wende im September 1989 eine starke Präsenz besaß.

Bei der publizierten Informationsflut und dem derzeitigen Stand der Erforschung der DDR-Geschichte ist es für den einzelnen Betrachter schwierig, sich ein objektives Bild über die Ursachen der Leistungsstärke der DDR-Sportler zu machen. Die sportlichen Erfolge der DDR wurden von den bundesrepublikanischen Medien oftmals mit einer geschickten Anwendung von unterstützenden Mitteln und dem hohen Motivationsgrad der Athleten begründet. Die Motivation wurde auf zwei Faktoren zurückgeführt: zum einen auf den vom Staat selbst ideologisch begründeten Kampf gegen die kapitalistischen Länder und zum anderen auf die dem Athleten bei einem Erfolg in Aussicht gestellten materiellen Privilegien. Wenn man allein die Höhe der Einwohnerzahlen der DDR und deren wirtschaftliche Voraussetzungen mit denen anderer im sportlichen Bereich erfolgreicher Nationen wie z.B. den USA vergleicht, sind deren sportliche Erfolge nicht allein durch das Doping und die Motivation erklärbar, sondern sind nur durch eine genauere Analyse der Teilstrukturen des DDR-Sportsystems zu erklären. Nachdem die DDR 1965 in das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufgenommen wurde und 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko mit einer eigenen Mannschaft starten konnte, wurden 1969 auf staatlichen Beschluss die Ressourcen für den Breitensport und die Mannschaftssportarten gekürzt und der frei werdende Etat für die Förderung der medaillenträchtigen olympischen Einzeldisziplinen wie zum Beispiel Schwimmen, Leichtathletik, Turnen, Rudern und Radsport benutzt. Durch diese Konzentration erzielte die DDR beachtliche Erfolge, die durch zunehmenden finanziellen und materiellen Einsatz kontinuierlich gesteigert wurden.

Bei den olympischen Winter- und Sommerspielen 1988 in Calgary und Seoul, bei denen zuletzt Sportler unter der DDR-Flagge starteten, errangen die Athleten des DTSB 127 Medaillen. Erfolgreicher war nur die Mannschaft der Sowjetunion mit 161 Medaillen, die Mannschaft der USA erreichte eine Gesamtmedaillenzahl von 100, die der Bundesrepublik Deutschland 47. Insgesamt siegten DDR-Sportler seit dem Bestehen des Staats bei Olympischen Spielen, Europa- und Weltmeisterschaften über 4000 mal und rangierten damit meist im oberen Teil der Medaillenspiegel.

„Nirgendwo in der Welt ist etwas Vergleichbares zustande gekommen, und es wird auch künftig nie zustande kommen,“ resümierte Prof. Dr. Ernst Jokl von der Kentucky-Universität, USA, langjähriger Präsident des Forschungskomitees für Sport und Körpererziehung bei der UNESCO und Kenner des DDR-Sports, zum Ende der DDR über das dort praktizierte Leistungssport-System in einem Interview.

Der Leistungssport in der DDR war für das Ansehen der Parteiführung von immenser Bedeutung und wurde dementsprechend behandelt. Weil die ausgeführten Maßnahmen zur Förderung des Hochleistungssportes unter einer vom Staat ideologisch begründeten Prämisse standen, erlangte dieser durch ein enges Zusammenwirken von Wissenschaftlern, Technikern, Trainern und Sportlern eine weit höhere Bedeutung als in anderen Nationen. Durch die offenkundige Überlegenheit auf einem international renommierten Gebiet wollte die SED-Führung innenpolitisch eine höhere Akzeptanz ihrer vorgegebenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen erreichen und das System außenpolitisch besser repräsentieren. Dass dieses nur über einen begrenzten Zeitraum möglich war, hat die jüngere Geschichte bereits gezeigt. Die Identifikation der Menschen in der DDR mit den Erfolgen ihrer Sportler konnte von der Partei zwar bis zum Zusammenschluss fast uneingeschränkt aufrechterhalten werden. Als die wirtschaftliche Lage sich jedoch extrem verschlechterte, reichten auch die Siege der Sportler nicht mehr aus, um eine Akzeptanz der politischen Führungsspitze der DDR zu erreichen.

Gang der Untersuchung:

Dem Verfasser erscheint es notwendig, die organisatorischen, institutionellen und exekutiven Maßnahmen, die für die Leistungskonstanz der DDR-Sportler ausschlaggebend waren, zu untersuchen. Die innen- und außenpolitischen Auswirkungen der in der DDR betriebenen Sportpolitik stehen nicht im Vordergrund dieser Arbeit, werden aber in dem Maß berücksichtigt, das für die Aufgabenstellung relevant ist. Die zu erörternde Fragestellung umfasst die Kooperation zwischen den staatlichen und gesellschaftlichen Organen und den Wissenschaftlern und Technikern an den einzelnen Instituten sowie den Nutzen, den Trainer und Sportler daraus zogen.

Im einzelnen werden die wichtigsten Komponenten des Leistungssports in der DDR wie zum Beispiel das Sichtungssystem, die sportmedizinische Betreuung, die Trainingsmethodik und die interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit an den Instituten behandelt. Der Verfasser stellt den DDR-Hochleistungssport und seine Funktionen in der ihm am sinnvollsten erscheinenden Reihenfolge dar. Zuerst werden die staatlichen und gesellschaftlichen Organe, ihre Funktionsweise und hierarchische Struktur beschrieben. Als nächster Schritt erfolgt eine nähere Betrachtung der wissenschaftlichen Funktionsträger:

Die ausführenden Institutionen und deren methodische Vorgehensweise werden am Beispiel der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK), dem Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) in Leipzig und dem Sportmedizinischen Dienst (SMD) erklärt. An der DHfK erfolgte die Ausbildung der meisten, später als Trainer im Hochleistungssport tätigen Studenten. Am FKS wurde intensive Forschung unter hohem materiellen und finanziellen Aufwand zum größten Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit betrieben. Der SMD trug mit der breitflächigen sportmedizinischen Versorgung und Betreuung ebenfalls erheblich zu den Erfolgen der DDR-Sportler bei. Bei der Beschreibung der Institute werden auch die interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit und weitere Aspekte wie die wissenschaftlich begründete Trainingsmethodik genauer beschrieben.

Die Thematik der unterstützenden Mittel wird in einem Exkurs erläutert, da sich die Dopingpraxis und -forschung nicht ausschließlich einem einzelnen Institut zuordnen lässt. Die staatlich gesteuerten und durch mehrere Instanzen realisierten Förderungsmaßnahmen - wie das System der einheitliche Talentsichtung und die kontinuierliche Weiterförderung im Seniorenbereich - werden folgend dargestellt. Da der Talentsichtung und -förderung ein wesentlicher Anteil an den Erfolgen des DDR-Sports zukommt, wird diese in ihren einzelnen Stadien in der Schule, den Trainingszentren (TZ), den Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) und der Förderung im Erwachsenenbereich geschildert. Eine Betrachtung der Spartakiadebewegung ist in den Themenbereich integriert.

Im vorletzten Kapitel zu den Problemen und der Situation des deutschen Sports nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten versucht der Verfasser, aktuelle Bezüge herzustellen. Abschließend erfolgt eine Wertung der Bestandteile des Leistungssports und ihrer Effektivität für das Sportsystem der DDR.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Staatliche Organisation der Leistungssportförderung 4
2.1 Der Führungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei (SED) 5
2.1.1 Die Bedeutung des Sports für die SED 7
2.1.2 Die Leistungssportbeschlüsse des Politbüros der SED 10
2.1.3 Die Erläuterung und Vermittlung der Leistungssportbeschlüsse 13
2.2 Das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport 14
2.2.1 Die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport 14
2.2.2 Die Umbildung zum Staatssekretariat für Körperkultur und Sport 19
2.2.3 Der Wissenschaftliche Rat beim Staatssekretariat 20
2.3 Die Leistungssportkommission (LSK) 23
2.3.1 Die Gründung der Leistungssportkommission und ihre frühen Aufgaben 23
2.3.2 Die Bedeutung der Leistungssportkommission in den siebziger und achtziger Jahren 25
3. Gesellschaftliche Organisationen der Leistungssportförderung 27
3.1 Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) 29
3.1.1 Die Gründung des Deutschen Sportausschusses (DS) 29
3.1.2 Die Gründung und der allgemeine Aufbau des DTSB 31
3.1.3 Die interne und externe Leitungsstruktur und -funktion des DTSB im Leistungssport 34
3.1.4 Die Finanzierung des DDR-Sports 35
3.1.5 Die Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftrag und der realen Gestaltung von Breiten- und Spitzensport durch den DTSB in den sechziger Jahren 38
3.1.6 Der DTSB in den siebziger und achtziger Jahren 41
3.1.6.1 Die Bemühungen des DTSB zur Entwicklung einer breiten Basis für den Leistungssport am Beispiel der Übungsleiterausbildung 44
3.1.6.2 Der Zentrale Trainerrat des DTSB 47
3.1.6.3 Die praktische Umsetzung der Leistungssportbeschlüsse in den Verbänden des DTSB 48
3.1.6.4 Die Folgen der fortschreitenden Zentralisierung in der Sportführung des DTSB für den Leistungssport 50
4. Die wissenschaftlichen Funktionsträger der Sportförderung 53
4.1 Die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) in Leipzig 53
4.1.1 Gründung, Aufbau und Entwicklung der DHfK 53
4.1.2 Die Ausbildung an der DHfK 58
4.1.3 Das Weiterbildungssystem an der DHfK 62
4.1.4 Die Forschungstätigkeit an der DHfK 65
4.2 Das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) in Leipzig 69
4.2.1 Gründung, Aufbau und Entwicklung des FKS 69
4.2.2 Die Realisierung der interdisziplinären Zusammenarbeit am FKS 74
4.2.3 Die praktische Umsetzung der sportartspezifischen Forschung in den Forschungsgruppen 76
4.3 Der Sportmedizinische Dienst (SMD) 82
4.3.1 Aufbau und Funktion 82
4.3.2 Die Aufgabengebiete der Sportfachärzte im Leistungssport 85
4.4 Exkurs: Die Anwendung unterstützender Mittel am Beispiel des Doping 88
4.4.1 Die Entstehung der Dopinganwendung im DDR-Leistungssport 89
4.4.2 Anwendungsbereiche und Funktion des Dopings im DDR-Leistungssport 91
5. Die Stufen der Leistungssportförderung 94
5.1 Sichtung und Auswahl 94
5.1.1 Das einheitliche Talentsichtungs- und Auswahlsystem (ESA-System) 95
5.1.1.1 Die Methodik des ersten Auswahlschritts 95
5.1.1.2 Die Methodik des zweiten Auswahlschritts 98
5.1.2 Exkurs: Forschungsprojekte im Kinder- und Jugendsport 101
5.2 Die Spartakiadebewegung 102
5.2.1 Die Entwicklung der Spartakiade in den sechziger Jahren 102
5.2.2 Die Spartakiadebewegung in den siebziger und achtziger Jahren 103
5.2.3 Problemstellungen durch überhöhte Leistungsanforderungen 105
5.3 Die Förderstufe 1 107
5.3.1 Die Entwicklung der Trainingszentren (TZ) 107
5.3.2 Das TZ-Training und die Vorbereitung auf die nächste Förderstufe 111
5.3.3 Die Kooperation zwischen den einzelnen Förderstufen 112
5.4 Die Förderstufe 2 113
5.4.1 Die Entwicklung der Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) 113
5.4.2 Die pädagogische KJS-Forschung 116
5.5 Die Förderstufe 3 117
5.5.1 Die Sportklubs des DTSB der DDR (SC) 117
5.5.2 Die Leitungsstruktur eines Sportklubs 119
6. Probleme nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten 121
7. Abschließende Betrachtung des Leistungssportsystems der DDR 127
8. Literaturverzeichnis 129
9. Anlage 147

Arbeit zitieren:
Reichelt, Frank Februar 1995: Das System des Leistungssports in der DDR, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutscher Turn- und Sportbund, Sportklubs, KJS, DTSB, SC

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