Bachelor + Master Publishing
765 Bachelorarbeiten, 508 Masterarbeiten, 10.071 Diplomarbeiten

Anthony Giddens' Strukturierungstheorie als Modell für die Untersuchung von Multiagenten -Systemen

Anthony Giddens' Strukturierungstheorie als Modell für die Untersuchung von Multiagenten -Systemen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Diego Compagna
  • Abgabedatum: Mai 2000
  • Umfang: 141 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2955-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2955-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2955-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Compagna, Diego Mai 2000: Anthony Giddens' Strukturierungstheorie als Modell für die Untersuchung von Multiagenten -Systemen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Techniksoziologie, Netzwerke, Multiagenten-Systeme, Sozionik, Künstliche Intelligenz

Diplomarbeit von Diego Compagna

Einleitung:

Die sehr junge Forschungsrichtung „Sozionik“ verbindet auf eigentümliche Weise die Disziplinen Soziologie und Informatik. Sie befasst sich mit der Nutzung soziologischer Theorien für die Konzeption und Untersuchung informationsverarbeitender Netzwerke. Im Unterschied zu sogenannten „Neuronalen Netzen“ bzw. gehirnphysiologischen oder kognitionspsychologischen Modellen werden Sozialmetaphern und soziologische Theoriestücke herangezogen, um flexible, lernfähige und verteilte Systeme künstlicher Intelligenz zu entwerfen.

Softwaresysteme verteilten Problemlösens werden zunehmend als Multiagenten-Systeme bezeichnet. Was der soziologischen Theorie der „Akteur“ ist, ist der Sozionik der „Agent“ als eine der vielen autonomen Softwareeinheiten des Netzwerks. Wissen, Intelligenz und die Kompetenz des Problemlösens wird hier wie dort als emergentes Phänomen aufgefasst, das durch die Interaktionen der Akteure bzw. Agenten erzeugt wird. In der Spannung zwischen Handlungsautonomie und interaktionsfördernder bzw. gar -ermöglichender Strukturen sieht die Sozionik eine ihrer konzeptuellen Hauptschwierigkeiten und Herausforderungen.

Hier wird pointiert - ausgehend von den Anforderungen, die an Multiagenten-Systemen gestellt werden - danach gefragt, welche Kriterien eine soziologische Theorie aufweisen muss, um sich als sozionische Theorie empfehlen zu können. Damit wird insbesondere der Dualismus zwischen Handlung und Struktur fokussiert und die Mikro-Makro-Debatte thematisiert. Da Mikrotheorien oft arg vereinfachend mit subjektivistischen, ‘strukturlosen’ Theorien gleichgesetzt werden, wird - im Hinblick auf einen differenzierteren und den Theorien gerechter werdenden Umgang - dem Gegensatzpaar Mikro vs. Makro, das Subjektivistisch vs. Objektivistisch hinzugefügt. Die soziologische Mikro-Makro-Debatte erfährt aus dem jüngst getauften Forschungsfeld der Sozionik fruchtbare und reichhaltige Impulse. Diese Arbeit kann - vor dem Hintergrund der von Anthony Giddens’ entworfenen Dualität von Struktur, in die Mikro- und Makroaspekte, als sich gegenseitig bedingende zwei Seiten einer Medaille, gleichermaßen einfließen - als ein diese Debatte bereichernder Beitrag angesehen werden.

Es wird die These vertreten, dass einerseits mikro-subjektivistische (z.B. Rational Choice) sowie andererseits makro-objektivistische Theorien (z.B. Luhmanns Systemtheorie) mit einer sehr starken systemischen oder strukturellen Verankerung aus der Diskussion herausgehalten werden sollten, da sie den erklärten Zielen der Sozionik und den von ihr erhofften Eigenschaften von Multiagenten-Systemen diametral entgegenstehen. Da, wo jenen der Strukturaspekt abgeht, die Interaktion nicht auf Strukturen fußt bzw. zu deren Reproduktion beiträgt, fehlt diesen die Perspektive eines handlungsautonomen Akteurs, der stets im Schatten der Emergenz von Strukturen steht.

Es wird gezeigt, dass der Symbolische Interaktionismus als mikro-objektivistischer Ansatz und die strukturell-funktionale-Theorie als makro-objektivistischer Ansatz, jedoch - im Gegensatz zur funktional-strukturellen Variante Luhmanns - hier mit starkem Handlungsbezug, sich in jeweils verschiedener Hinsicht als tauglich und gewinnbringend für die Sozionik herausstellen. Der Symbolische Interaktionismus weist dem Agenten jedoch womöglich einen zu großen Ermessensspielraum zu, wohingegen die strukturell-funktionale-Theorie diesen zu stark beschneidet. Giddens’ Strukturierungstheorie als mikro-makro-objektivistischer Ansatz vermag es, diesen Schwierigkeiten auszuweichen; zeigt sich in einer breiten, auf eine Anwendung zielenden, Umsetzung jedoch als sperrig. Die sich diesen Erwägungen anschließende These plädiert für einen Theoriemix soziologischer Entwürfe in der Sozionik.

Bei dem Versuch einer Formalisierung von Giddens’ Strukturierungstheorie für die konkrete Anwendung auf Multiagenten-Systeme zeigt sich, dass diese dem Symbolischen Interaktionismus näher anzusiedeln ist als der strukturell-funktionalen-Theorie, obwohl die strukturell-funktionale-Theorie von ihrem Programm her die Mikro-Makro-Spannung aufzulösen trachtet und damit der Strukturierungstheorie zunächst einmal näher stehen sollte. Diesem Datum verschuldet sich der im Exkurs breiter angelegte Vergleich zwischen Talcott Parsons’ und Anthony Giddens’ Theorie.

Eine Hauptschwierigkeit der Arbeit liegt in der Formalisierung der Strukturierungstheorie für eine Anwendung auf Multiagenten-Systeme. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass es jeder soziologischen Theorie mit Universalitätsanspruch eigen ist, sich vor einer Formalisierung zu verschließen. Schließlich stellt es somit ein Teilergebnis dieser Arbeit dar, diese Schwierigkeit einerseits zu konstatieren und andererseits daraus zu folgern bzw. dafür zu plädieren, dass im sozionischen Feld nicht nur interdisziplinär sondern auch intradisziplinär-intertheoretisch gearbeitet werden sollte. Ein ausgewogenes, praktikables und realisierbares Verhältnis zwischen Handlungsautonomie der Agenten und der Emergenz erzeugenden Interaktion durch Strukturierung - wie im Kleinen das Theoriestück der homöostatischen Kausalschleife die Konzeption emergenter Funktionalität bei reflexiven Agenten zulässt - kann für Multiagenten-Systeme im Ganzen nur durch eine gelungene Mischung erreicht werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
2. Soziologische Mikro- und Makrotheorien und die Sozionik 8
2.1 Mikrotheorien und Sozionik 13
2.2 Makrotheorien und Sozionik 20
2.3 Fazit I: Mikro- und Makroansätze im Vergleich 31
Exkurs: Parsons’ und Giddens’ Zusammenführung von mikro- und makrotheoretischen Ansätzen 39
A. Talcott Parsons 39
A.I Die strukturell-funktionale Theorie 43
A.I.a Die Handlungstheorie 43
A.I.b Die Rollentheorie 47
A.I.c Die strukturell-funktionale (System-)Theorie 49
A.II Zusammenfassung 56
B. Anthony Giddens 58
B.I Die Strukturierungstheorie 59
B.I.a Das Stratifikationsmodell des Handelns 59
B.I.b Die homöostatische Kausalschleife 64
B.I.c Giddens’ Emergenzbegriff 69
B.II Zusammenfassung 70
C. Von Parsons zu Giddens 72
3. Giddens’ Theorie und MAS 77
3.1 Soziologie und MAS - Welche Theorien eignen sich? 78
3.2 Die Strukturierungstheorie und die Untersuchung von MAS 89
3.3 Fazit II: Vor- und Nachteile der Strukturierungstheorie 101
4. Formalisierung der Strukturierungstheorie für MAS 112
4.1 Versuch einer Formalisierung der Strukturierungstheorie 112
4.2 Fazit III: Sinn und Zweck einer Formalisierung 123
5. Ertrag und Nutzen für die Soziologie und für die Sozionik 125
6. Schluss 130
Verzeichnis der Abkürzungen 132
Literaturverzeichnis 133
Eidesstattliche Erklärung 137

Arbeit zitieren:
Compagna, Diego Mai 2000: Anthony Giddens' Strukturierungstheorie als Modell für die Untersuchung von Multiagenten -Systemen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Techniksoziologie, Netzwerke, Multiagenten-Systeme, Sozionik, Künstliche Intelligenz

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren