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Einfluss und Auswirkung des Internets auf den Musikmarkt von morgen

Betrachtung und Ausblick unter kultureller und ökonomischer Perspektive

Einfluss und Auswirkung des Internets auf den Musikmarkt von morgen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Dirk Wieseke, Thomas H. Gawrisch
  • Abgabedatum: Juni 2000
  • Umfang: 195 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2709-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2709-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2709-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dirk Wieseke, Thomas H. Gawrisch Juni 2000: Einfluss und Auswirkung des Internets auf den Musikmarkt von morgen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Popmusik, Internet, Musik, Musikmarkt, Musikwirtschaft

Diplomarbeit von Dirk Wieseke, Thomas H. Gawrisch

Einleitung:

Die Welt ist in Aufruhr. Ein Prozess ist ins Rollen gekommen, der von vielen in Anlehnung an die industrielle Revolution (mit Erfindung der Dampfmaschine) als informationale Revolution bezeichnet wird — mit der Erfindung des World Wide Web (WWW). Das Internet hat seinen Siegeszug angetreten, und scheint sich unaufhaltsam seinen Weg in alle Bereiche des Lebens zu bahnen.

Schaut man sich den heutigen Musikmarkt an — grob dargestellt mit künstlerischer Kreation, künstlerischer Ausführung, Präsentation in der Öffentlichkeit (hier vor allem die Tonträgerindustrie) und Rezeption durch das Publikum, so scheint er sich auf den ersten Blick in den letzten Jahren kaum verändert zu haben. Produktions-, Distributions- und Nutzungsformen haben sich nur wenig gewandelt, Stellenwert und Relevanz der Teilnehmer am Musikmarkt kaum verschoben.

Bei einem zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass die technischen Entwicklungen der letzten Jahre wie die beschreibbare Compact Disk (CD-R) und das Internet die Musikindustrie dem Anschein nach auf eine schwere Krise zusteuern lässt. Nach langen Jahren des Wachstums sind die Verkaufszahlen der Tonträgerindustrie wieder rückläufig. Auf der Seite der Künstler und Rezipienten dagegen hegen sich Hoffnungen auf mehr Eigenständigkeit und neue kreative Möglichkeiten.

Diese Arbeit soll einen Einblick in die derzeitigen, teilweise noch verdeckten Entwicklungen, und einen Ausblick auf daraus folgende Szenarien geben.

Die Geschichte der Musik ist seit jeher auch eine Geschichte technologischer Entwicklungen. Diese haben nicht nur das Trägermedium verändert, sondern ganze Strukturen beeinflusst, aufgelöst und neu entstehen lassen. Mit der Entwicklung des Internets von einem rein wissenschaftlich bzw. militärisch genutzten Netzwerk zu einem populären Kommunikationsmittel entstanden neue Möglichkeiten für die Distribution von Musik. Diese neuen Möglichkeiten setzen sich, im Gegensatz zu aktuell vorherrschenden Tonträgerformaten wie z. B. CD oder Mini Disk (MD), ohne großen Einfluss der Musikindustrie durch. Die Musikindustrie hat die Entwicklung zu Beginn unterschätzt und nun entsprechenden Nachholbedarf. Neben den Reaktionsversuchen der Musikindustrie auf diese neuen, sich festigenden Rahmenbedingungen, sind auch kulturelle Veränderungen auszumachen. Die Digitalisierung der Informationen ermöglicht neue Zusammenhänge von Bild und Ton, Multimedia ist zum neuen Schlagwort geworden. Die Übermittlung von Musik ohne ein festes Trägermedium, wie der CD, stellt einstige (ökonomisch notwendige) ästhetische Zusammenhänge wie die eines Albums in Frage. Die Interaktivität des Mediums schafft neue Verbindungswege zwischen Künstlern und Rezipienten, neue kreative Freiräume, ganz neue kulturelle Sinnzusammenhänge. Globalität, Lokalität, Zeit, Raum, bekommen neue Wertigkeiten.

Gang der Untersuchung:

In unserer Arbeit möchten wir der Fragestellung nachgehen, welchen Einfluss und welche Auswirkung das Medium Internet auf zukünftige Entwicklungen des Musikmarktes haben könnte, wobei wir unseren Zukunftsblickpunkt auf das Jahr 2010 legen.

In diesem Kontext interessieren uns zwei Perspektiven, welche die Gestalt des zukünftigen Musikmarktes beleuchten sollen. Erstens die ökonomische, wie Strukturen und Prozesse aussehen könnten, mit denen Musik in Zukunft verteilt wird, welchen Stellenwert das Medium Internet hierbei spielen und welche Auswirkungen dies auf bestehende Strukturen und Prozesse des Musikmarktes haben wird.

Der zweite Aspekt der uns interessiert ist, ob — und wenn wie, sich kulturelle Zusammenhänge ändern werden. Hierbei sollen Themen wie Multimedialität, Globalität, Regionalität, Verfügbarkeit und Diversität, sowie künstlerische Veränderungen in der Musik aufgrund des neuen Mediums untersucht werden.

Der Tonträger bildet derzeit das Zentrum der Musikwirtschaft. Durch das Internet, speziell das WWW verändert sich die Form — von einer körperlichen zu einer unkörperlichen, und damit die Distribution des Tonträgers. Wir behaupten, dass dies tiefgreifende Auswirkungen auf die Strukturen und Prozesse zur Folge hat, die um den Tonträger angesiedelt sind. Wir stellen weiter folgende Hypothesen auf:

Hypothesen aus ökonomischer Perspektive:

1. Ökonomische Wertschöpfungsprozesse im Musikmarkt werden durch das Internet grundlegend optimiert.

2. Das Oligopol der Major Labels (Majors) wackelt – es wird fundamentale Strukturveränderungen im Musikmarkt geben.

Durch die neue (technische) Unabhängigkeit wird die Relevanz und der Marktanteil der Independent Labels (Indies) steigen.

3. Neue Firmen werden allein durch ihre technische Kompetenz ein neuer Marktteilnehmer im Musikmarkt werden. Die inhaltliche Kompetenz wird durch Kooperation und Fusion erlangt.

4. Die bereits begonnene Tendenz der Konzentration der Majors über Kooperationen und Fusionen als Notwendigkeit der (wenigstens teilweisen) Machterhaltung wird durch das Internet verstärkt.

5. Das Internet wird die Globalisierung im Zuge der Expansion des Kapitals in der Musikwirtschaft verstärken.

Hypothesen aus kultureller Perspektive:

1. Durch das Internet entstehen neue kulturelle Zusammenhänge, die Auswirkungen auf die Rezeption, Entstehung und Einbettung von Musik haben. Trotz Globalisierung werden konkrete lokale Bezüge von Popmusik eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

2. Die Optimierung ökonomischer Prozesse und die Flexibilisierung der kulturellen Prozesse führt zu einer stärkeren Diversität.

3. Der Tonträger der Zukunft, wird sich nicht auf Musik als akustisches Erlebnis beschränken, sondern wird visuelle und interaktive Elemente einbeziehen. Popkultur als ein Konglomerat aus Musik, Mode, Lebensstil, Kommunikation wird sich in der Gestalt des zukünftigen Tonträgers widerspiegeln.

4. Der Einfluss des Rezipienten und seine Position im Diskurs Popmusik wird in Zukunft größer.

Zur Überprüfung der Hypothesen legen wir den Fokus auf den Tonträger — ob nun körperlich oder unkörperlich, ob CD oder Datenmenge, als abgrenzbare, definierbare und kalkulierbare Einheit Hilfsmittel. An ihm werden wir ökonomische Strukturen und Prozesse, ästhetische Formen und kulturelle Entwicklungen anhand von bereits geschehenen und aktuellen Ereignissen und Theorien untersuchen, um daraus Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Die theoretische Arbeit fußt vorrangig auf der Literaturrecherche. Wir beziehen und aber auch auf unsere Beobachtungen im Internet.

In unserer Arbeit konzentrieren wir uns auf den Bereich der Popmusik (inkl. Rock, Dance) da dieser Bereich im Tonträgermarkt den Umsätzen zufolge der größte ist (66,3% des Gesamtumsatzes des deutschen Tonträgermarktes 1994-1998) und in diesem Segment musikalische Entwicklungen voran getrieben werden.

Die Entscheidung, uns auf den ökonomischen und den kulturellen Aspekt zu konzentrieren, gründet sich auf dem namentlichen und auch inhaltlichen Schwerpunkt des Studiengangs „KulturArbeit“. Popkultur ist eine Konsumkultur und somit durch ökonomische Bedingungen in besonderer Weise beeinflusst. Deshalb lassen sich ohne die Betrachtung und die Kenntnis ökonomischer Prozesse kulturelle Zusammenhänge von Popkultur nicht verstehen und erklären.

Unsere Arbeit wird aus der Logik des Themas heraus auch von juristischen, ökologischen, sozial-, gesellschafts- und medienwissenschaftlichen, sowie technischen Aspekten tangiert; sie sollen jedoch nur zur Unterstützung der Untersuchung dienen. Im Kapitel „Portal in die Zukunft“ verwenden wir die Szenariotechnik. Bei der Erstellung des Szenarios haben wir uns die Ausgangsfrage: „Wie könnte die Distribution von Popmusik im Jahr 2010 in Deutschland aussehen?“ gestellt. Darauf aufbauend werden Schlussfolgerungen für die anderen Bereiche des Musikmarktes gezogen. Wir versuchen über inferente Extrapolationen und Abstraktionen in ein heute noch nicht überprüfbares Gebiet vorzudringen — das Morgen. Über die Untersuchung jetziger Zusammenhänge und Strukturen nähern wir uns der Zukunft an, ohne den Anspruch, die Zukunft tatsächlich vorhersagen zu können. Die Richtigkeit der am Ende verifizierten oder falsifizierten Hypothesen wird sich erst in der Zukunft erweisen, zu viele Faktoren sind nicht vorhersehbar, sei es die Natur, sei es der Mensch:

„Der Mensch ist eben keine statisch und vorhersehbar funktionierende ‚Maschine‘, sondern lässt sich als ein dynamisch und multifaktoriell komplex rückgekoppeltes nichtlineares kybernetisches System sehen, dessen ‚Vorausberechnung‘ eben immer problematisch bleiben wird.“ Im folgenden ein kurzer Überblick über den Aufbau unsere Arbeit.

Im zweiten Kapitel werden wir einen Exkurs in die Welt des Internets unternehmen, da dies unerlässlich für das Verständnis des Themas ist. Hier wollen wir das Internet von seiner technischen und kulturellen Dimension, als Medium und als Marktplatz beleuchten.

Kapitel III befasst sich mit dem Spannungsfeld Musik und Musikmarkt. Das geschieht, wie der Untertitel unserer Diplomarbeit bereits anzeigt, unter ökonomischer und kultureller Perspektive. Dabei werden wir auf die kulturellen Bedeutungen und Funktionen von Popmusik, die Strukturen und Prozesse der Musikwirtschaft, und die Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen eingehen.

Als Portal in die Zukunft soll uns Kapitel IV — das Szenario dienen. Hierbei stützen wir uns auf die Vorgaben der Seminarausarbeitungen von Frau Prof. Dr. Müller-Friemauth und Frau Dr. Reeb für den Studiengang Kulturarbeit.

Im Kapitel V versuchen wir, mit den Ergebnissen der vorangegangen Kapitel ein Bild vom Musikmarkt von morgen zu zeichnen. Dabei werden wir bestehende Entwicklungen und Tendenzen — wieder unter ökonomischer und kultureller Perspektive, weiterdenken.

In Kapitel VI werden wir unsere Hypothesen anhand der gewonnenen Ergebnisse überprüfen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung DW & THG 1
II. Das Internet „gestern-heute-morgen“ 7
II.1 Das Internet als Medium und öffentlicher Raum DW 8
II.2 Das Internet als Business und Marktplatz THG 23
II.3 Zusammenfassung THG 35
III. Musik & Markt 37
III.1 Popmusik als kulturelles Medium DW 38
III.2 Akteure des Musikmarktes - wer macht was mit wem? THG 47
III.3 Wertschöpfungsprozesse im Musikmarkt THG 66
III.4 Einfluss der Musikwirtschaft auf kulturelle Zusammenhänge von Popmusik DW 71
III.5 Zusammenfassung DW 82
IV. Portal in die Zukunft 83
IV.1 Szenario -Wie könnte die Distribution von Popmusik im Jahr 2010 in Deutschland aussehen? THG 84
Szenario „Cyberpoly“ THG
Szenario „Schall und Rauch“ DW
Szenario „Ministry of Sound“ DW
IV.2 Zusammenfassung DW & THG 97
V. Der Musikmarkt morgen 99
V.1 Hürden auf dem Weg in die Zukunft DW 100
V.2 Zukunftsmusik - Wie könnte der Musikmarkt im Jahr 2010 aussehen? THG 107
V.3 Veränderte Wertschöpfungsprozesse im Musikmarkt der Zukunft THG117
V.4 Popmusik in veränderten Zusammenhängen DW 126
V.5 Der Wandel im Musikmarkt THG 137
V.6 Zusammenfassung DW 145
VI. Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesen 147
VI.1 Ergebnisse im Hinblick auf die ökonomischen Hypothesen THG 148
VI.2 Ergebnisse im Hinblick auf die kulturellen Hypothesen DW 151
VII. Glossar 153
VIII. Literatur- und Quellenverzeichnis 170
IX. Eidesstattliche Erklärung 185

Arbeit zitieren:
Dirk Wieseke, Thomas H. Gawrisch Juni 2000: Einfluss und Auswirkung des Internets auf den Musikmarkt von morgen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Popmusik, Internet, Musik, Musikmarkt, Musikwirtschaft

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