Mehr als "Dreizehn Tage"
Die Kubakrise im historischen Kontext
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arnold Piok
- Abgabedatum: Juni 2000
- Umfang: 179 Seiten
- Dateigröße: 9,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2580-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2580-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2580-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Piok, Arnold Juni 2000: Mehr als "Dreizehn Tage", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Geschichte, Zeitgeschichte, Kuba, Kennedy, Kalter Krieg
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Diplomarbeit von Arnold Piok
Einleitung:
Die Kubakrise vom Oktober 1962 stellt einen unbestrittenen Höhe- und Wendepunkt des Kalten Krieges dar. Gleichzeitig ist sie eines der am meisten und gründlichsten untersuchten Einzelereignisse in der US-amerikanischen Historiographie. Die englischsprachige Literatur dazu füllt in den USA halbe Bibliotheken. In der deutschsprachigen Geschichtsschreibung ist die Situation eine ganz andere: das Erscheinungsdatum des letzten Werks, welches die damaligen Ereignisse umfassend zu schildern trachtete (von Bernd Greiner), liegt schon zwölf Jahre zurück. Bis auf ein paar Zeitschriftenartikel ist seither nichts mehr erschienen. Es gab aber mindestens zwei gute Gründe, die Krise wieder zum Gegenstand einer eingehenden wissenschaftlichen Betrachtung zu machen:
1. Die bipolare Nachkriegsordnung ist zusammengebrochen, der Kalte Krieg ist vorbei. Gerade dadurch, dass er jetzt etwas abgeschlossenes und vergangenes darstellt, wird die nötige Distanz des Forschers zum Forschungsgegenstand möglich. Der Kalte Krieg kann (und muss!) nunmehr „historisiert“ werden, um bewusst einen Begriff aus der deutschen Zeitgeschichtsschreibung zu verwenden.
2. Die Quellensituation hat sich erheblich verbessert. Es wurden nicht nur die geheimen Tonbandaufzeichnungen aus dem Weißen Haus (bekannt unter dem Namen „Kennedy Tapes“) vollständig freigegeben, sondern auch umfangreiche Aktenbestände aus dem Weißen Haus und aus dem State Department. Erstmals gibt es seit den 90er Jahren auch sowjetische Akten; bisher waren Historiker was die sowjetische Seite angeht ausschließlich auf Memoiren-Literatur und Interviews angewiesen.
Die Arbeit besteht im wesentlichen aus drei Teilen:
1. Die Vorgeschichte, die mit der Machtergreifung Fidel Castros auf Kuba beginnt. In zwei großen Abschnitten (Kuba und Amerika; Kuba und die Sowjetunion) zeigt der Autor, wie sich die Karibikinsel unter der neuen Führung stetig und scheinbar unaufhaltsam aus dem Einfluss der USA befreit und in den Einfluss des europäischen „Ostblocks“ bzw. der Sowjetunion gerät. Primärquellen aus dem Nationalarchiv (Washington, D.C.), aus dem Kennedyarchiv (Boston) und aus den Papieren von Adlai E. Stevenson belegen, dass diese Entwicklung nicht so zwangsläufig war, wie sie im Rückblick erscheinen mag. Vielmehr hätte es Gelegenheiten gegeben, ein Auskommen mit Castro zu finden und dadurch den sowjetischen Einfluss einzudämmen, welche aber nicht wahrgenommen wurden.
2. „Die Raketen“, nennt sich der zweite thematische Schwerpunkt, welcher die Entstehung und Durchführung von „Operation Anadyr“ beleuchtet. Aktenstudien russischer Historiker (vor allem: Aleksandr Fursenko) und vom Cold War International History Project veröffentlichte sowjetische Dokumente ermöglichen es heute, ein viel präziseres Bild von der sowjetischen Raketenstationierung zu zeichnen, als es noch vor wenigen Jahren möglich gewesen wäre.
3. Der Abschnitt „Die Krise“ beginnt bewusst mit dem 22. Oktober 1962, also bewusst erst vier Tage nachdem der CIA die sowjetische Aktion entdeckt hatte. Der Verfasser argumentiert, dass die Krise nicht durch die sowjetische Handlung (also die Stationierung atomarer Raketen), sondern durch die amerikanische Reaktion, also die Ankündigung der Schiffsblockade durch Präsident Kennedy, unmittelbar ausgelöst wurde. Dies deckt sich natürlich vollkommen mit der damaligen Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit, für die der Ausbruch der Krise mit der Präsidentenrede zusammenfiel. Trotzdem gelang es der amerikanischen Regierung durch äußerst geschicktes diplomatisches Agieren, die Sowjetunion als alleinigen Verantwortlichen an den Pranger zu stellen.
Die Verwendung der freigegebenen schriftlichen Dokumente, der Tonbandaufzeichnungen und anderer zeitgenössischer Quellen (Tageszeitungen) erlauben es dem Verfasser, die Ereignisse im Weißen Haus und im Kreml, auf dem diplomatischen Parkett (UNO und OAS) und die militärischen Abläufe zur See und in der Luft so detailliert zu rekonstruieren, wie es zum jetzigen Zeitpunkt nur möglich ist.
Im Sinne größerer Einheitlichkeit werden alle Zitate generell in deutscher Sprache wiedergegeben, obwohl es denkbar gewesen wäre, englischsprachige Zitate im Original zu belassen. Selten wurden einzelne kaum übersetzbare Begriffe zusätzlich in ihrer englischen bzw. amerikanischen Form, noch seltener in Spanisch oder Russisch wiedergegeben.
Im Erstellen der Arbeit ging es zunächst um eine möglichst getreue Rekonstruktion der Ereignisse, eine präzise Nacherzählung sozusagen. Daneben wurde das Augenmerk aber immer wieder auf ungelöste Fragen und Kontroversen der Forschung gelenkt. Beispiele wären: Warum wurde Castro Kommunist? Warum entschied sich Chruschtschow, Atomraketen auf Kuba zu stationieren? Warum entschied sich Kennedy für die Blockade? Hatten die sowjetischen Kommandeure auf Kuba die Erlaubnis, Atomwaffen einzusetzen? Wie gefährlich war die Kubakrise wirklich? Der Autor hat diese und andere Fragen nicht immer erschöpfend oder endgültig beantworten können, ist aber bei einigen zu neuen und eigenen Antworten gelangt.
Die intensiven Archivrecherchen des Autors in Washington, Boston und Princeton machen diese Hausarbeit zu einer echten Forschungsarbeit, welche den üblichen Rahmen einer Diplomarbeit sprengt.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort: die Kubakrise als historisches Faktum | 2 | |
| 1. | Kuba und Amerika | 8 |
| 1.1 | Castros Revolution | 9 |
| 1.2 | Castros Verhältnis zu den USA: der Versuch eines Auskommens | 9 |
| 1.3 | Der Linksruck | 13 |
| 1.4 | Der Bruch | 16 |
| 1.5 | Kennedys Kuba-Politik | 26 |
| 1.6 | Geheimpläne und Drohgebärden | 36 |
| 2. | Kuba und die Sowjetunion | 44 |
| 2.1 | Erste Kontakte | 44 |
| 2.2 | Neue Freunde | 49 |
| 3. | Die Raketen | 66 |
| 3.1 | Die sowjetische Entscheidung | 67 |
| 3.2 | Operation Anadyr | 78 |
| 3.3 | Die USA zwischen Ahnung und Ahnungslosigkeit (Juli bis Oktober 1962) | 82 |
| 3.4 | Ex-Comm | 86 |
| 4. | Die Krise | 120 |
| 4.1 | Diplomatischer Großeinsatz | 120 |
| 4.2 | Stunde Null: die Fernsehansprache | 129 |
| 4.3 | OAS und UNO | 133 |
| 4.3 | Die Blockade | 139 |
| 4.4 | Eskalation und Einigung | 141 |
| 5. | Nachwehen | 158 |
| 5.1 | Castro und Chruschtschow: die Krise nach der Krise | 158 |
| 6. | Schlußbetrachtungen | 162 |
| 6.1 | Der Mythos der dreizehn Tage | 162 |
| 6.2 | Die historische Singularität | 165 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 171 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 173 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832425807
Arbeit zitieren:
Piok, Arnold Juni 2000: Mehr als "Dreizehn Tage", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Geschichte, Zeitgeschichte, Kuba, Kennedy, Kalter Krieg




