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Systeme der Altersversorgung in Deutschland

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Systeme der Altersversorgung in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kristin Pehl
  • Abgabedatum: Juni 2007
  • Umfang: 64 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hessische Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Deutschland
  • Bibliografie: ca. 63
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0474-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pehl, Kristin Juni 2007: Systeme der Altersversorgung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rentenversicherung, Betriebliche Altersversorgung, Private Altersversorgung, Riesterrente, Demographie

Diplomarbeit von Kristin Pehl

Einleitung:

Die Alterssicherung in Deutschland war sicherlich vor einigen Jahrzehnten ein relativ stabiles System zur Sicherung der Renten im Alter. In jüngerer Zeit ist diese Sicherheit stark ins Schwanken geraten. Besonders die öffentliche Diskussion über die gesetzliche Rentenversicherung (gRV), dass sie alleine nicht mehr zur Alterssicherung im Alter ausreiche, macht der Bevölkerung Angst. Die Aussage des ehemaligen Ministers für Arbeit und Sozialordnung, Norbert Blüm, Mitte der 80er Jahre „Die Rente ist sicher“, glaubt kaum noch jemand. Zu groß ist die Angst vor Stichworten wie Einheitsrente und den finanziellen Einbußen im Alter.

Wovon hängt jedoch die Zukunft der gRV in Deutschland ab? Welche Aspekte haben einen Einfluss auf das der gRV unterliegende Umlageverfahren? Hat der Gesetzgeber mit der Umstrukturierung des so genannten Drei-Säulen-Modells wirklich einen Schritt in die richtige Richtung unternommen, um etwaigen finanziellen Schwierigkeiten der gRV entgegen zu wirken?

Das Ziel dieser Arbeit ist es, Probleme in der gRV und Alternativen zu ihr aufzuzeigen. Darüber hinaus soll die Eignung der Alternativen überprüft werden. Diese Ausarbeitung kann auf Grund des Umfangs und der Komplexität allerdings keine Prognose für zukünftige Rentenhöhen erstellen. Die Arbeit konzentriert sich im Wesentlichen im Hinblick auf alternative Vorsorgeformen auf staatlich geförderte Konzepte. Außen vor bleiben daher der Immobilienerwerb als Altersvorsorge sowie die Betrachtung privater Sparformen ohne staatliche Förderung respektive Angebotsstruktur Dritter. Um dieses Ziel zu erreichen, wird zunächst im zweiten Kapitel das System der Alterssicherung in Deutschland und dessen Eckpfeiler erklärt. Die Ausgangssituation der gRV im Kontext von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren wird im dritten Kapitel dargestellt. Davon ausgehend werden im vierten Kapitel die aktuelle Situation der gRV und ihre Probleme näher erläutert. Weiterhin soll dargestellt werden, welche Bedeutung der betrieblichen Alterversorgung und der privaten Altervorsorge in Zukunft zukommen wird (Kapitel fünf). Die Arbeit schließt mit Beispielrechnungen (Kapitel sechs) zu bestimmten Vorsorgeformen und einer kritischen Würdigung der Ergebnisse der Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
Symbolverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Das Alterssicherungssystem in Deutschland 2
3. Die gesetzliche Rentenversicherung 5
3.1 Kreis der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung 5
3.2 Aufgaben und Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung 6
3.3 Das Umlageverfahren 7
3.4 Möglichkeiten der Umstellung auf Kapitaldeckungsverfahren 10
4. Ursachen der Finanzkrise der gesetzlichen Rentenversicherung 14
4.1 Einführung 14
4.2 Probleme aufgrund der demographischen Entwicklung 14
4.2.1 Entwicklung des Altersaufbaus in Deutschland 14
4.2.2 Ursachen für die demographische Entwicklung 16
4.2.2.1 Geburtenentwicklung in Deutschland 16
4.2.2.2 Lebenserwartung in Deutschland 18
4.2.2.3 Zu- und Abwanderung in Deutschland 20
4.3 Probleme aufgrund der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt 22
4.3.1 Anstieg der Arbeitslosigkeit 22
4.3.2 Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit 24
4.3.3 Zunahme der Frühverrentung 25
4.3.4 Zunahme von Teilzeitarbeit 27
4.4 Probleme aus der Wiedervereinigung 28
5. Ausgewählte Alternativen zur gesetzlichen Rentenversicherung 30
5.1 Die betriebliche Altersversorgung 30
5.1.1 Die Direktzusage 31
5.1.2 Die Direktversicherung 32
5.1.3 Der Pensionsfonds 33
5.2 Die private Altersvorsorge 35
5.2.1 Die Riester-Rente 36
5.2.2 Die Rürup-Rente 37
5.2.3 Die Lebensversicherungen 38
5.2.3.1 Die private Rentenversicherung 38
5.2.3.2 Die Kapitallebensversicherung 39
5.3 Fazit und kritische Würdigung 40
6. Das Problem der Versorgungslücke 43
6.1 Definition 43
6.2 Beispiele zur Ermittlung der Versorgungslücke 43
6.3 Zwischenfazit 46
7. Kritische Würdigung der Gesamtergebnisse 48
Anhang 50
Literaturverzeichnis 52
Ehrenwörtliche Erklärung 58

Kapitel 3.4, Möglichkeiten der Umstellung auf Kapitaldeckungsverfahren: Die angesprochenen Nachteile bzw. Entwicklungen im Umlagesystem vor allem im Hinblick auf die demographischen Faktoren werden aller Voraussicht nach die folgenden, unmittelbaren Konsequenzen mit sich bringen: Entweder führen sie zu einem starken Anstieg der Beitragssätze oder einem entsprechenden Rückgang des Rentenniveaus. Deshalb könnte ein vollständiger oder teilweiser Übergang zum Kapitaldeckungsverfahren (KDV) zur dauerhaften Stabilisierung des Alterssicherungssystems führen.

Im Kapitaldeckungsverfahren werden die eigenen Beiträge, die während der Erwerbstätigkeit geleistet wurden, zur Finanzierung der eigenen Rente verwendet. Wie viel jeder Versicherte spart, ist jedem selbst überlassen. Dies muss Monat für Monat nicht gleich sein. Je höher die gezahlten Beiträge und die Kapitalerträge (z.B. Zinsen, Dividenden) ausfallen, desto höher fällt die Rente aus. Damit findet im Gegensatz zum Umlageverfahren ein Ansparprozess statt. Dadurch ist jede Generation allein auf sich gestellt und nicht so stark von der nachfolgenden Generation abhängig wie im ULV.

Trotzdem baut das Kapitaldeckungsverfahren genauso wie das Umlageverfahren auf den Leistungen der Kinder auf. Im ULV sind die Beiträge der Kinder die Rente der Eltern. Das KDV ist davon abhängig, dass die Kinder die Zinsen, Dividenden und Wertzuwächse zahlen, aus denen die Renten dieses Verfahrens stammen.

Damit ist nicht nur das Umlageverfahren von der Bevölkerungsentwicklung abhängig, sondern auch kapitalgedeckte Systeme. Denn mit wachsender Alterslast sinkt die Rendite. Welche genauen Wirkungen die demographische Veränderung auf das KDV haben wird, ist schwer abzuschätzen. Dieses Problem lässt sich zwar durch Auslandsanlage des Deckungskapitals vermindern, führt allerdings zu einer größeren Abhängigkeit von den internationalen Kapitalmärkten.

Das Kapitaldeckungsverfahren unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom Umlageverfahren: Das ULV in Deutschland mag für den Einzelnen bequemer sein, da es ihm die Entscheidung zur Vorsorge abnimmt. Darüber hinaus besitzt es einen gewissen Automatismus in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Lage der Volkswirtschaft. Die Renten können steigen, wenn es mehr Arbeitnehmer gibt oder wenn diese mehr verdienen. Wie erwähnt werden im ULV jedoch keine Rücklagen gebildet, die Beiträge zur Rentenversicherung sind in jedem Monat gleich den ausgezahlten Renten.

Beim KDV können Arbeitnehmer ihre Beitragszahlungen ihrem individuellen Lebensstandard anpassen. Das heißt, dass zum Beispiel im Fall der Arbeitslosigkeit beitragsfreie Zeiten vereinbart werden können, der Einzelne ist an keinen fixen Beitragssatz gebunden. Er kann seine Sparraten weitestgehend selbst bestimmen. Damit kann die Rente im Alter umso höher ausfallen, je mehr angespart wurde und je höher die Kapitalerträge respektive die gebildeten Rücklagen (Zinsen, Dividenden, etc.) ausfallen. Der Nachteil des KDV mag darin liegen, dass sich der Einzelne eigenverantwortlich um seine Vorsorge kümmern muss. Es besteht somit die Gefahr der Unter- und Überversicherung für das Alter.

Aus den oben genannten Aspekten wird ersichtlich, dass sich in beiden Verfahren die jeweiligen erzielbaren Renditen prinzipiell unterscheiden. Damit ist das Verhältnis der gesamten ausbezahlten Rente zu den insgesamt einbezahlten Beiträgen gemeint. Die Rendite im Umlageverfahren ist also von der Anzahl der Arbeitnehmer pro Rentner und vom Wachstum des Lohns abhängig.

Im Kapitaldeckungsverfahren dagegen wird die Rendite von den eigenen Beiträgen bestimmt. Daraus ergibt sich für das KDV zunächst ein struktureller Nachteil, denn die Rendite ist den Schwankungen des Kapitalmarktes ausgesetzt. Einen Vorteil ergibt sich für das Umlageverfahren, denn die Rendite hängt mit dem Arbeitseinkommen zusammen, welches sich in der Regel recht gleichmäßig entwickelt, auch wenn es oft nur langsam wächst. Der Nachteil des ULV, der den zuletzt genannten Punkt sicherlich aktuell überwiegt, ist die Abhängigkeit von der demographischen Entwicklung.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass im KDV eine internationale Komponente enthalten sein kann, wenn ein Teil der Beiträge im Ausland angelegt wird. Das ULV dagegen arbeitet national, da die Finanzierung der Beiträge von den in Deutschland sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern erfolgt.

Durch die längere Lebenserwartung ergibt sich nicht nur ein Problem beim Umlageverfahren, sondern auch beim Kapitaldeckungsverfahren. Im Zusammenhang mit dem steigenden Alter, werden die Rentenbezugszeiten ebenfalls länger. Dies erfordert einen höheren finanziellen Aufwand, wenn das Versorgungsniveau nicht verschlechtert werden soll. Bei steigender Lebenserwartung verschlechtert sich das Verhältnis von Beitrag und Rentenleistung sowohl beim ULV als auch beim KDV, obwohl die rechnerische Rendite unverändert bleibt. Lediglich wegen der längeren Rentenbezugszeit muss bei unveränderter Rendite mehr Kapital angelegt werden.

Die Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren vom Umlageverfahren ist jedoch problematisch. In der Aufbauphase eines Deckungskapitals müssten die Versicherten nicht nur ihre eigenen Sparbeiträge finanzieren, sondern auch noch die Renten für die jetzigen Rentner im reinen Umlageverfahren. Bei einer Totalumstellung ist dieses Problem besonders groß und praktisch unlösbar. Dabei muss bedacht werden, ob die Übergangskosten durch Doppelbelastung der Erwerbstätigen oder von den Rentnern der Umstellungsperiode getragen werden sollen.

Durch die Doppelbelastung einer Umstellung würde die Sparquote der Aktiven gemindert und gleichzeitig würde das Zinsniveau steigen. Falls ein volkswirtschaftlicher Wachstumseffekt eintritt, würde dem teilweise entgegengewirkt werden. Im Gegensatz dazu, wenn die Rentner belastet werden, würde die volkswirtschaftliche Sparquote steigen und die Zinsen sinken. Volkswirtschaftliches Wachstum würde gefördert. Allerdings senken die Übergangskosten in jedem Fall den Renditevorteil, der für jüngere und künftige Beitragszahlergenerationen durch das Kapitaldeckungsverfahren zu erwarten ist. Dies wäre nicht der Fall, wenn die jetzigen Rentenbezieher die ganze Last der Umstellung tragen. Keine Generation kann allerdings durch die Umstellung auf das KDV ihre Rendite verbessern, ohne dass mindestens eine der übrigen Generationen schlechter gestellt wird. Somit ist ein kompletter Systemwechsel nicht Pareto-optimal möglich.

Arbeit zitieren:
Pehl, Kristin Juni 2007: Systeme der Altersversorgung in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rentenversicherung, Betriebliche Altersversorgung, Private Altersversorgung, Riesterrente, Demographie

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