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Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize

Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tobias Forderer
  • Abgabedatum: März 2009
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • Bibliografie: ca. 49
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0632-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Forderer, Tobias März 2009: Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Klangtherapie, Entspannungsverfahren, Trance, Klangschale, Walter Häfner

Diplomarbeit von Tobias Forderer

Einleitung:

1.1 Einleitung:

Körperlich und geistig entspannt, gelöst, mit wachem Bewusstsein, gesund und gut gelaunt. Solche oder ähnliche Zustände werden von den meisten Menschen als angenehm und erstrebenswert beschrieben.

Im Gegensatz dazu sind Hektik, Stress, das Burnout-Syndrom oder Anspannung, allzu bekannte Schlagworte aus dem 21. Jahrhundert. Wenn die Prognosen der WHO stimmen, dann wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einer drastischen Zunahme stress- und angstbedingter Erkrankungen innerhalb der hoch entwickelten Industriestaaten kommen.

Wir leben in einer Epoche, in der eine Vielzahl unterschiedlicher bio-psycho-sozialer Belastungen auf uns Menschen der westlichen Welt einwirken und in der zunehmend Fähigkeiten fehlen, um mit derartigen Belastungen umzugehen. Deshalb ist es für jeden Einzelnen umso wichtiger, eine persönliche Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden, um Krankheit zu verhindern und Gesundheit zu fördern.

Um diese individuelle Balance herzustellen, bedarf es Fähigkeiten wie Selbstregulation, Selbstreflexion, Flexibilität und Selbstwirksamkeitskompetenzen, sowie Tätigkeiten, Kontakten oder Methoden, die einem dabei helfen, aktiv oder passiv von einem Zustand der Anspannung in einen Entspannungszustand zu gelangen. Neue Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass die Verfahren zur Stressbewältigung immer die körperliche und emotionale Ebene mit einbeziehen sollten, um ein körperliches, mentales und emotionales Reaktionsmuster zu verankern und zu stabilisieren.

Eine Möglichkeit dafür sind Entspannungsverfahren.

Von den Menschen unserer heutigen Welt werden vielfältige Möglichkeiten genutzt, das Gefühl von Entspannung und Wohlbefinden im Körper zu erzeugen. In den vergangenen vier Jahrzehnten haben Entspannungsverfahren eine große Popularität erlangt und sich auch als therapeutische Methode etabliert.

Es existieren vielerlei Entspannungsmethoden, welche von altbekannten Hausmitteln wie Ausschlafen, Dösen oder Singen bis hin zu derzeit in der westlichen Welt sehr populären Methoden wie Meditation, Tai Chi oder Yoga, reichen.

Auf dem freien Markt der Möglichkeiten gesellen sich zu den bereits klinisch anerkannten und evaluierten Verfahren jede Menge fragwürdige, meist gar nicht oder nur in Ansätzen erforschte Techniken aus dem Bereich der ‘alternativen Heilverfahren’ oder Esoterik. Das Feld alternativer Therapieangebote und Entspannungsmethoden ist geradezu überschwemmt von Angeboten und Erfolgsversprechungen einzelner Techniken. Für viele suchende und bedürftige Menschen ist es schwierig, sich aus diesem Dschungel von Möglichkeiten, bewährte, wirkungsvolle Verfahren auszuwählen, die nachweisbaren Erfolg versprechen.

Eine wissenschaftlich bisher kaum untersuchte Verfahrensgruppe, welche sich seit etwa 20 Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die gezielte, therapeutische Arbeit mit Klängen. Ähnlich wie Musik sollen bestimmte Klänge neben ihrer postulierten Wirkung bei bestimmten Krankheitsbildern und der Anregung der Selbstheilungskräfte von Patienten entspannend wirken, den Körper beruhigen und harmonisieren.

Schlimmer als ein eventuell teuer bezahltes, wirkungsloses Entspannungs- oder Therapieverfahren sind für den Klienten allerdings Techniken, welche destabilisieren und womöglich mehr Schaden zufügen als sie Gutes bringen. Unqualifizierte Handhabung von nicht evaluierten Methoden und fehlende Kompetenz der Behandelnden bei auftretenden Schwierigkeiten sind eine reale Gefahr für denjenigen, der sich auf eine neue Methode einlässt, welche als effektiv dargeboten wird.

In der vorliegenden Arbeit wird ein Verfahren näher unter die Lupe genommen, welches als entspannend, Ressourcen aktivierend und achtsamkeitsfördernd angepriesen wird.

Inhaltsverzeichnis:

I. Inhaltsverzeichnis 2
II. Selbstständigkeitserklärung 4
III. Danksagung 5
IV. Zusammenfassung 6
V. Anliegen der Arbeit 7
VI. Tabellenverzeichnis 8
VII. Abbildungsverzeichnis 9
VIII. Abkürzungsverzeichnis 10
IX. Glossar 11
THEORETISCHER TEIL
1. THEORETISCHER HINTERGRUND 12
1.1 Einleitung 12
1.2 Historischer Abriss der Musik- und Klanganwendung 13
1.3 Einordnung des Themas in die bestehenden Wissenschaftsdisziplinen 15
1.3.1 Musiktherapie 16
1.3.2 Entspannungsverfahren 18
1.3.3 Musik und Klang in der Medizin 19
1.3.4 Weitere, angrenzende Wissenschaftsgebiete 20
1.4 Aktueller Forschungsstand zum Thema 21
1.5 Theorie zur Klangtherapie 23
1.5.1 Der Begriff der Klangtherapie 23
1.5.2 Klangtherapie nach Walter Häfner 24
1.5.3 Erkenntnisse über das Phänomen Klang und Annahmen zur Wirkung 26
1.5.3.1 Klänge vs. Musik 26
1.5.3.2 Das Weniger ist Mehr Prinzip 27
1.5.3.3 Klangwahrnehmung 27
1.5.3.4 Klangwirkung 28
1.5.3.5 Musikalische und außermusikalische Parameter 30
1.5.4 Klinische Einsatzgebiete und Kontraindikationen von Klängen 31
1.5.5 Nicht-klinische Einsatzgebiete von Klang 32
1.6 Psychophysiologie und Nutzen von Entspannungsverfahren 32
1.6.1 Das vegetative Nervensystem 33
1.6.2 Die Entspannungsreaktion 34
1.6.3 Das Aktivierungskonzept 35
1.6.4 Kardiovaskuläres System 36
1.6.5 Elektrische Muskelaktivität 37
1.6.6 Hautleitfähigkeit 38
1.6.7 Entspannung und ihr Nutzen 39
1.7 Wie Klänge das Bewusstsein verändern können 41
1.8 Instrumente 43
1.8.1 Klangschalen 44
1.8.2 Klangliege 44
1.8.3 Gongs 46
1.8.4 Zimbeln 47
1.8.5 Glocke 47
1.9 Voraussetzungen auf Seiten des Klang-Therapeuten 47
2. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN 49
EMPIRISCHER TEIL
3. METHODEN UND MATERIAL 51
3.1 Stichprobe 51
3.2 Versuchsaufbau und –ablauf 51
3.3 Design 53
3.4 Räumlichkeit 54
3.5 Material 54
3.5.1 Fragebögen 54
3.5.1.1 Mehrdimensionaler Befindlichkeitsfragebogen 55
3.5.1.2 Stress-Verarbeitungs-Fragebogen 56
3.5.1.3 Prä-Fragebogen 57
3.5.1.4 Post-Fragebogen 57
3.5.2 Physiologische Messungen 58
3.5.2.1 PARPORT-F 58
3.5.2.2 Elektrokardiogramm 59
3.5.2.3 Elektromyogramm 59
3.5.2.4 Skin Conductance Level 59
3.5.3 Verwendete Musikinstrumente 60
3.5.4 Technische Geräte und Hilfsmittel 60
3.6 Datenanalyse 60
4. ERGEBNISSE 61
4.1 Deskriptive Ergebnisdarstellung 61
4.2 Statistische Prüfung der Hypothesen 62
4.2.1 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese I 62
4.2.2 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese II 63
4.2.3 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese III 66
4.2.4 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese IV 67
5. DISKUSSION DER ERGEBNISSE 68
5.1 Zusammenfassung der Befunde 68
5.2 Interpretation der Daten 71
5.2.1 Physiologische Korrelate einer Klangsitzung 71
5.2.2 Veränderungen des psychischen Befindens durch Klang 72
5.2.3 Veränderte Bewusstseinszustände 73
5.3 Fehlerbetrachtung und Kritik 75
5.4 Ausblick 77
5.5 Abschließende Bemerkungen 78
6. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 80
7. ANHANG 84
7.1 Anhang A: Instrumente, Versuchsaufbau und Versuchsablauf 84
7.1.1 Versuchsaufbau 85
7.1.2 Details zu den verwendeten Instrumenten 86
7.1.3 Ablauf einer Live-Klangsitzung 88
7.2 Anhang B: Deskriptive Statistik 91
7.2.1 Soziodemographische Daten 91
7.2.2 Erfahrung mit Entspannungsverfahren 94
7.2.3 Entspannungsfähigkeit 97
7.3 Anhang C: Ergebnisdarstellungen 98
7.3.1 Physiologische Veränderungen 98
7.3.2 Psychische Veränderungen 102
7.3.3 Veränderte Bewusstseinszustände 103
7.4 Anhang D: Untersuchungsmaterialien 106
7.4.1 Versuchsablauf 107
7.4.2 Einverständniserklärung 108
7.4.3 Prä-Fragebogen 109
7.4.4 MDBF-Langform 110
7.4.5 SVF-120 – Subtest Entspannung 111
7.4.6 Post-Fragebogen 113
7.4.7 Abbildungen der Ableitorte (EKG, SCL und EMG) 114

Textprobe:

Kapitel 1.6, Psychophysiologie und Nutzen von Entspannungsverfahren:

Die methodisch fundierte Basis, um überhaupt einen empirischen Zugang zur Evaluierung einer Klangintervention zu finden, liefert die Psychophysiologie, mit Hilfe derer sich somatische und psychische Veränderungen während einer Intervention abbilden lassen. Beziehungen zwischen körperlichen Funktionen und psychischen Vorgängen werden in dieser Disziplin genauer erforscht.

In diesem Abschnitt soll eine Beschreibung der biologischen Grundlagen, eine psychophysiologische Betrachtungsweise von Entspannungsverfahren und der Nutzen für den Anwender, gegeben werden.

1.6.1, Das vegetative Nervensystem:

Das vegetative oder autonome Nervensystem ist neben dem zentralen Nervensystem als eine weitere, funktionelle Einheit zu sehen. Die meisten psychophysiologischen Indikatoren werden aus Reaktionsgrößen dieses Systems gewonnen, so z.B. die elektrodermale Aktivität, Pulsfrequenz oder die periphere Vasomotorik.

Die Hauptaufgabe dieses Systems ist die Konstanthaltung des inneren Milieus des Körpers und die Anpassung innerer Organfunktionen an veränderte äußere Bedingungen. Neben den inneren Organen sind die Drüsen, Blutgefäße und die Haut Erfolgsorgane des vegetativen Nervensystems (VNS).

Eine unter funktionellen und anatomischen Gesichtspunkten nahe liegende Unterteilung des VNS ist die Einteilung in ein sympathisches und ein parasympathisches Subsystem, obwohl dies den komplexen Verbindungen und Interaktionen im menschlichen Organismus nicht gerecht wird. Auch eine biochemische Unterteilung wäre möglich, da in beiden Subsystemen unterschiedliche Überträgersubstanzen wirksam sind. Dieser Aspekt sei aber lediglich der Vollständigkeit halber genannt und wird im Weiteren nicht näher behandelt. Teilweise stehen diese beiden Subsysteme in einem funktionellen Antagonismus zueinander, was bedeutet, dass die meisten Organe von beiden Systemen innerviert werden, und zwar mit gegensätzlichem Effekt. In Belastungs- oder Stresssituationen erfolgt eine sympathische Aktivierung der Erfolgsorgane, um die momentane Leistungsfähigkeit des Organismus zu sichern (z.B. Erhöhung des Blutdrucks oder Anstieg der Atem- und Pulsfrequenz), während in stressfreien Situationen der eher dämpfende Einfluss des parasympathischen Subsystems die Innervation der Organe übernimmt (z.B. die Verlangsamung der Atem- oder Herzfrequenz). Neben den zweiseitig innervierten Organen gibt es aber auch einige Ausnahmen, welche nur einseitig, von sympathischen Fasern, innerviert werden, so z.B. die Schweißdrüsen, periphere Arteriolen, die Nebennieren oder der Uterus.

Aufgrund der anatomischen Verschaltung von Gehör, Thalamus und limbischem System können akustische Reize direkt das vegetative System beeinflussen (Harrer, 1982), wobei die Formatio Reticularis dabei eine besondere Stellung einnimmt. Diese ist auf der einen Seite für Wachheit und Aufmerksamkeitsleistungen zuständig, andererseits ist sie mit den vegetativen Zentren und weiteren Funktionskreisen verbunden. Mit dem Aktivitätsniveau in dieser ‚Wachzentrale’ ändert sich darum nicht nur die Bewusstseinshelligkeit, vielmehr kommt es simultan zu motorischen, vegetativen, psychischen und mentalen Funktionsveränderungen.

1.6.2, Die Entspannungsreaktion:

Als Gegenstück zur Stressreaktion ist die Entspannungsreaktion ist eine normale, biologische Reaktion, welche zum normalen Verhaltensrepertoire des Menschen zählt. Sie ist ein spezifischer, psychophysiologischer Prozess, welcher sich unentwegt auf dem Kontinuum ‘Aktiviertheit – Deaktiviertheit’ bewegt.

Unabhängig von der Methode der Entspannungsinduktion, lassen sich immer wieder mehr oder weniger ähnliche psychophysiologische Veränderungen finden, die unter dem Begriff der Entspannungsreaktion zusammengeführt werden können. Ist diese in einer Person einmal aufgebaut, stellen sich auch längerfristige Effekte ein.

Gekennzeichnet ist diese Reaktion durch vielschichtige, physiologische Korrelate. Zu den am häufigsten beobachteten Veränderungen zählen unter anderem eine geringfügige Verlangsamung der Herzrate und die Abnahme der Hautleitfähigkeit. Weitere Korrelate der Entspannungsreaktion können neuromuskuläre Veränderungen (Tonus der Skelettmuskulatur sinkt, Reflextätigkeit ändert sich), respiratorische Veränderungen (langsamere Atemfrequenz, Gleichmäßigkeit der Atemzyklen, Sauerstoffverbrauchabnahme) oder zentralnervöse Veränderungen (Veränderung der hirnelektrischen Aktivität) sein.

Inter- und intraindividuelle Unterschiede treten aber in der Häufigkeit und der Intensität der Entspannungsreaktion, als auch im Reaktionsverlauf, je nach verwendetem Entspannungsverfahren, auf.

Neben bereits anerkannten und bekannten Entspannungsverfahren wie AT, Meditation oder Yoga können diese Reaktionen auch durch Klänge und Musik ausgelöst werden.

Musik beeinflusst laut Campbell über die Atmung und den Kreislauf die Pulsfrequenz, das Schwitzen und die Körpertemperatur. Auch beschreibt er eine muskelentspannende Wirkung durch Klänge. Diese wird dadurch begründet, dass das Innenohr über den Hörnerv und das autonome Nervensystem mit allen Muskeln in Verbindung steht. Weitere physiologische Wirkungen, speziell von Klängen, können nach Campbell in einer Senkung des Stresshormonspiegels im Blut beobachtet werden. So werden die Hormone Adrenokortikotropin (ACTH), Prolaktin und das menschliche Wachstumshormon (STH) durch das Hören bestimmter, entspannender Klänge und Musik, weniger produziert.

Im Anschluss an die Entspannungsreaktion stellt sich eine mentale Frische (erhöhte Vigilanz), ein körperliches Gefühl des Ausgeruht-seins ein. Die Wahrnehmungsschwellen werden erhöht und insofern es sich um Übungen (z.B. beim AT) handelt, verlieren Außenreize während des Übens an Bedeutung, sie können vom Übenden zunehmend ausgeblendet werden. Von wissenschaftlicher Seite her ist es nachgewiesen, dass bestimmte Entspannungsreaktionen aufgrund regelmäßigen Übens konditioniert und so willentlich hervorgerufen werden können.

Arbeit zitieren:
Forderer, Tobias März 2009: Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klangtherapie, Entspannungsverfahren, Trance, Klangschale, Walter Häfner

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