Die Beurteilung der Westbindung der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Thomas S. Fischer
- Abgabedatum: März 1995
- Umfang: 220 Seiten
- Dateigröße: 11,6 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1558-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1558-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1558-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fischer, Thomas S. März 1995: Die Beurteilung der Westbindung der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Stalin-Note, Adenauer, Deutsche Einheit, Westbindung
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Magisterarbeit von Thomas S. Fischer
Einleitung:
Das Thema der Arbeit "Die Beurteilung der Westbindung der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung" behandelt den Zeitraum zwischen 1949 und 1954/55. In diesen Jahren wurde der Prozeß der Westintegration vollzogen, eingeleitet durch die Weichenstellung im Petersberger Abkommen (November 1949) und abgeschlossen mit den Pariser Verträgen (Oktober 1954), die im Mai 1955 in Kraft traten und die Bundesrepublik unwiderruflich im Westen verankerten.
Die im Einvernehmen mit den drei Westalliierten in Angriff genommene außenpolitische Neuorientierung der jungen Demokratie beruhte einerseits auf der herausragenden Position Konrad Adenauers im Innern und wurde andererseits durch eine spezifische internationale Macht- und Interessenkonstellation determiniert, die zu Beginn des ersten Kapitels nach der Rekonstruktion der Vorgeschichte anhand einer Interessenanalyse der vier Siegermächte näher untersucht wird.
Unter Zuhilfenahme des historisch-phänomenologischen Ansatzes in Verbindung mit der Operationalisierung des interdependenten Begriffspaares "Wahrnehmung und Wirklichkeit" sollen die einzelnen subjektiven Entscheidungen Adenauers von der objektiven Realität getrennt werden, um auf diese Weise die Perzeption des ersten Bonner Bundeskanzlers sowie die Faktizität der zeitgeschichtlichen Ereignisse voneinander unterscheidbar zu machen.
Der anschließend skizzierte Verlauf der Westbindung erschöpft sich nicht in einer chronologischen Aneinanderreihung der einzelnen Ereignisse, sondern soll vielmehr den Interaktionszusammenhang zwischen Adenauer und den außenpolitischen Entscheidungsträgern der Westmächte herausarbeiten, wobei die Memoiren Adenauers (vor allem Band 1) für das historische Verständnis unerläßlich sind.
Da es wenig Sinn machen würde, bei der Beschreibung der Westintegration die in ihrem Umfang kaum mehr überschaubare Literaturbasis miteinzubeziehen und damit den Anmerkungsapparat zu überfrachten, stütze ich mich im wesentlichen auf die beiden Bände von Hans-Peter Schwarz, die meiner Ansicht nach die fundierteste wissenschaftliche Betrachtung Adenauers und seiner Politik liefern.
Unter Berücksichtigung der gebotenen Kürze ist es nicht zu vermeiden, die bei Schwarz auf über 500 Seiten dargestellte Komplexität der Ereignisse in dieser Arbeit auf etwa 20 Seiten zu komprimieren.
Gang der Untersuchung:
Kapitel II bildet einen Querschnitt durch die 40-jährige Geschichte der alten Bundesrepublik, wobei die Haltung zur Westbindung in Politik, Presse, Gesellschaft und Wissenschaft anhand der zur Verfügung stehenden Sekundärliteratur eruiert wird.
Das eigentliche Thema dieser Arbeit (Kapitel III) behandelt die Frage, inwieweit die veränderte Perzeption historischer Sachverhalte durch die Wiederherstellung der deutschen Einheit auf die Beurteilung der Westbindung Einfluß genommen hat und ob daraus eine Tendenzwende in der zeitgeschichtlichen Forschung abgeleitet werden kann. Dabei sind verschiedene Ebenen der Bewertung in ein Beziehungsgefüge zueinander zu setzen: das Weltverständnis und die Wahrnehmung der polittischen Wirklichkeit Konrad Adenauers sowie die abweichenden Perzeptionen seiner Gegner; die rückwirkende Betrachtung der Westintegration durch die Historiker aus der Distanz des zeitgenössischen Beobachters; die Erweiterung des Erkenntnishorizontes aufgrund der Einsichtnahme in bis dato unzugängliche Akten; die Interpretation der Westintegration durch Geschichts- und Politikwissenschaftler, welche die Regierungszeit Adenauers nicht bewußt miterleben konnten oder zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren waren; die Beurteilung der Westbindung aus der höheren Warte und Weitwinkelperspektive der deutschen Einheit; schließlich die nach Auswertung der umfangreichen Literatur vom Autor dieser Magisterarbeit eigens gesetzten Schwerpunkte der Bewertung.
In diesem Zusammenhang soll es genügen, anstatt der Gesamtheit der Entscheidungs- und Aktionssequenz Adenauers einige seiner wegweisenden außenpolitischen Handlungen durch eine gründliche Analyse der Reden und Aufsätze seiner politischen Gegner sowie den Erkenntnisgewinn neu erschlossener Quellen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
Inhaltsverzeichnis:
| A. | Zur Zielsetzung der Arbeit und Methodik | V |
| B. | Einleitung | 1 |
| C. | Vorgeschichte | 6 |
| D. | Die Westbindung der Bundesrepublik Deutschland | 10 |
| I. | Voraussetzungen und Verlauf der Westbindung | 10 |
| 1. | Interessenlage der Alliierten | 10 |
| 1.1 | UdSSR | 10 |
| 1.2 | USA | 12 |
| 1.3 | Großbritannien | 14 |
| 1.4 | Frankreich | 16 |
| 2. | Perzeption Konrad Adenauers | 17 |
| 2.1 | Berücksichtigung des historisch bedingten westalliierten Sicherheitsbedürfnisses | 17 |
| 2.2 | Schrittweise Gewinnung außenpolitischer Handlungsfreiheit durch Schaffung einer soliden Vertrauensbasis | 19 |
| 2.3 | Antinationalismus und Antikommunismus | 20 |
| 2.4 | Neutralitätsphobie und "Potsdam-Komplex" | 22 |
| 3. | Der Verlauf der Westbindung | 24 |
| 3.1 | Weichenstellung in Richtung Westen: Das Petersberger Abkommen | 24 |
| 3.2 | Schuman-Plan und Gründung der Montanunion | 24 |
| 3.2.1 | Historischer Hintergrund | 25 |
| 3.2.2 | Kongruenz deutscher und französischer Interessen | 26 |
| 3.3 | Wiederbewaffnung der Bundesrepublik | 29 |
| 3.3.1 | Historischer Hintergrund | 29 |
| 3.3.2 | Innenpolitische Diskussion | 29 |
| 3.3.3 | Perzeption der Westalliierten | 31 |
| 3.4 | Pleven-Plan und Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) | 32 |
| 3.4.1 | Entstehung des Pleven-Plans | 32 |
| 3.4.2 | Interessengegensätze zwischen Frankreich und seinen Partnern | 33 |
| 3.4.3 | Schaffung und Scheitern der EVG | 34 |
| 3.5 | Pariser Verträge: Integration der Bundesrepublik in NATO und WEU | 36 |
| II. | Die Beurteilung der Westbindung bis zur Wiedervereinigung | 38 |
| 1. | Kontinuität der Westbindung von Adenauer bis Kohl | 38 |
| 2. | Haltung der überregionalen Tages- und Wochenpresse | 42 |
| 3. | Infragestellung der Westbindung durch die 68er Generation | 45 |
| 4. | Ernsthafte Gefährdung der Westbindung durch die Massenwirksamkeit der Friedensbewegung | 47 |
| 5. | "Die Grünen" als parlamentarische Vertretung der Westbindungsgegner | 49 |
| 6. | Neutralitätsdebatten der 80er Jahre | 51 |
| 7. | Verfassungspatriotismus und Historikerstreit | 54 |
| 8. | Demoskopie | 56 |
| III. | Die Beurteilung der Westbindung nach der Wiedervereinigung | 60 |
| 1. | Die politische Lage Deutschlands nach dem Ende des Kalten Krieges und die daraus sich ergebenden neuen Fragestellungen in der Geschichtswissenschaft | 60 |
| 2. | Zur außenpolitischen Eigenständigkeit Adenauers: "Kanzler der Alliierten" oder "amerikanischer als die Amerikaner"? | 63 |
| 2.1 | Die Ausgangslage 1949 | 63 |
| 2.2 | "Mythos" Handlungsspielraum? | 65 |
| 3. | Westbindung im Vergleich: Kontinuität oder Bruch mit außenpolitischen Traditionen? | 67 |
| 3.1 | Die Locarno-Politik Gustav Stresemanns | 67 |
| 3.2 | Der Mythos von der frühen Westbindung | 69 |
| 3.3 | Fazit | 70 |
| 4. | Alternativkonzepte zur Westbindung in der Adenauer-Ära | 72 |
| 4.1 | Innerparteiliche Opposition: Jakob Kaiser und die Brückentheorie | 72 |
| 4.1.1 | Perzeption Kaisers nach Kriegsende | 73 |
| 4.1.2 | Politisches Wirken zwischen 1945 und 1948: Kurs gegen die Westbindung | 75 |
| 4.1.3 | Das Scheitern des Brückenkonzepts | 77 |
| 4.1.4 | Die Beurteilung Kaisers vor und nach der Wiedervereinigung | 79 |
| 4.2 | Parlamentarische Opposition: Kurt Schumacher und die Möglichkeiten der Neutralität | 83 |
| 4.2.1 | Perzeption Schumachers nach Kriegsende | 83 |
| 4.2.2 | Schumachers Magnettheorie | 87 |
| 4.2.3 | Opposition gegen Adenauer | 89 |
| 4.2.4 | Haltung zur Neutralität | 93 |
| 4.2.5 | Die Beurteilung Schumachers vor und nach der Wiedervereinigung | 95 |
| 4.3 | Außerparlamentarische Opposition: Gustav Heinemann und das Konzept der Ausklammerung | 99 |
| 4.3.1 | Perzeption Heinemanns nach Kriegsende | 100 |
| 4.3.2 | Heinemann und die frühe Westbindung | 103 |
| 4.3.3 | Argumente gegen die Wiederbewaffnung | 105 |
| 4.3.4 | Die Theorie der Ausklammerung | 109 |
| 4.3.5 | Außerparlamentarische Opposition gegen Adenauer | 113 |
| 4.3.6 | Die Beurteilung Heinemanns vor und nach der Wiedervereinigung | 117 |
| 5. | Die Stalin-Note im Licht neuer Erkenntnisse: Kompromittierung oder Bestätigung der Westbindung? | 121 |
| 5.1 | Wortlaut der Note vom 10. März 1952 | 121 |
| 5.2 | Grundlage der Forschungsdiskussion: Die Legendenbildung um eine (vermeintlich) verpaßte Gelegenheit zur Wiedervereinigung | 123 |
| 5.3 | Genese der Forschung und Erweiterung der Quellenbasis | 128 |
| 5.4 | Die Entstehungsgeschichte der Stalin-Note im Kontext der Kontinuität konfrontativer sowjetischer Deutschlandpolitik seit 1947 | 133 |
| 5.5 | Die Evidenz des reinen Propagandacharakters | 140 |
| 5.6 | Die Schwäche der wissenschaftlichen Gegenposition | 148 |
| 5.7 | Die Fragwürdigkeit der Alternativhypothese | 152 |
| 5.8 | Weitere Beweise für die mangelnde Ernsthaftigkeit der Sowjet-Offerte | 156 |
| 5.9 | Die Beurteilung der Haltung Adenauers zur Stalin-Note | 159 |
| 6. | Die Beurteilung Adenauers nach der Wiedervereinigung | 167 |
| 6.1 | Adenauer als Einheitsgegner? | 167 |
| 6.2 | Westbindung und Politik der Stärke aus Sicht der 90er Jahre | 171 |
| E. | Zusammenschau und Ausblick | 182 |
| F. | Quellen | 197 |
| G. | Literatur | 199 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832415587
Arbeit zitieren:
Fischer, Thomas S. März 1995: Die Beurteilung der Westbindung der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Stalin-Note, Adenauer, Deutsche Einheit, Westbindung




