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Daily Soaps und ihre möglichen Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen

Unter besonderer Beachtung geschlechtsspezifischer Unterschiede

Daily Soaps und ihre möglichen Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Merle Machenbach
  • Abgabedatum: April 1998
  • Umfang: 138 Seiten
  • Dateigröße: 841,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1550-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1550-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1550-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Machenbach, Merle April 1998: Daily Soaps und ihre möglichen Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Geschlecht, Soaps, Soap-Opera, Fernsehen, Serien

Diplomarbeit von Merle Machenbach

Einleitung:

Am 11. Mai 1992 startete RTL als besondere Form der Familienserie seine erste eigenproduzierte Daily Soap GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN. Damit trat eine entscheidende Veränderung der bislang bekannten Angebotsformen im bundesdeutschen Fernsehen ein. Das neue Genre, welches als minderwertiger "trash" abgewertet wird, hat in den folgenden Jahren dennoch zunehmend an Bedeutung gewonnen, 1992 bis 1995 wurde die Eigenproduktion von Daily Soaps von verschiedenen Sendern übernommen. Mittlerweile besitzt vor allem die Soap-Opera GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN mit täglich 5,54 Mio. Zuschauern eine enorm hohe Einschaltquote. Diese hohe Quote läßt vermuten, daß auch die gesellschaftliche Bedeutung von Daily Soaps zugenommen hat. Über Musik und Mode wird der Lifestyle einer großen Anzahl junger Zuschauer mitbestimmt oder zumindest beeinflußt. Besonders in der Arbeit mit Jugendlichen in sozialpädagogischen Berufsfeldern ist es daher wichtig, sich mit dem Thema "Daily Soaps" zu beschäftigen.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Frage, ob die Rezeption dieser Serien Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen haben kann. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Rezeptionsverhalten und damit verbundene unterschiedliche Auswirkungen werden mit berücksichtigt.

Als Einstieg in das Thema wird im zweiten Kapitel zunächst ein Überblick über die geschichtliche Entwicklung von Serien in Literatur und Radio bis zu ihrer Einführung in das Medium Fernsehen gegeben.

Im dritten Kapitel werden die verschiedenen Formen der Darstellung "Serie, Sendereihe und Mehrteiler" erläutert. Außerdem befaßt sich dieses Kapitel mit typischen genrespezifischen Merkmalen und der Dramaturgie von Serien. Abschließend wird beleuchtet, wie sich durch die Einbindung von Serien in den Alltag der Rezipienten die "Wirklichkeit" der Medien und die "Realität" vermischen können.

Im vierten Kapitel werden die veränderten ökonomischen Bedingungen der Programmplanung durch die Kommerzialisierung des deutschen Fernsehens sowie die produktionstechnischen Hintergründe von Soap-Operas vorgestellt. Ein weiterer Punkt befaßt sich mit den besonderen Formen des Jugend-Marketings, wie z.B. Kult-Marketing und Erlebnis-Marketing, und seiner Bedeutung für Jugendliche.

Im fünften Kapitel werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Darstellung verschiedener Rollenbilder im Fernsehen beschrieben. Die stereotype Darstellung von Männern und Frauen in Familienserien und deren Entwicklung seit den 50er Jahren findet ebenso Erwähnung wie die aktuelle Darstellung von Frauen, Männern, Mädchen, Jungen und unterschiedlichen Jugendbildern im Fernsehen. Es werden verschiedene Erklärungsansätze für die stereotype Darstellung von Frauen und Männern gegeben sowie die geschlechtsspezifischen Auswirkungen auf die Sozialisation erläutert. Der Gender-Ansatz, ein sozialwissenschaftlicher Forschungsansatz, der von einer Zweigeschlechtlichkeit unserer Gesellschaft ausgeht, bietet eine Möglichkeit, sich aus der gegenwärtigen Geschlechterdarstellung zu lösen, und wird daher in diesem Kapitel vorgestellt.

Der letzte Punkt dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Frage, ob Soap-Operas ein Genre für Mädchen sind und ob bei der Auswahl von Serien geschlechtsspezifische Vorlieben existieren.

Die vorliegende Arbeit kommt in diesem Kapitel zu dem Ergebnis, daß Soap-Operas stärker von Mädchen als von Jungen rezipiert werden, da Mädchen eher von der emotionalen Erzählweise und den stark am Alltag orientierten Geschichten der Soap-Operas angesprochen werden. Die Auseinandersetzung mit den dargestellten Rollenbildern, Verhaltensweisen und Normen beinhaltet eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem sozialen Umfeld und bietet daher die Möglichkeit zur "Identitätsbildung und Subjektkonstituierung". Dies zeigt die indivuelle und gesellschaftliche Bedeutung der Soap-Operas und ihre Sozialisationsfunktion vor allem für Mädchen, aber auch für Jugendliche im allgemeinen auf.

Das sechste Kapitel befaßt sich mit der veränderten Kindheit von Jugendlichen, die zunehmend durch Medien geprägt ist. Die in diesem Kontext bedeutenden Ansätze, die in der Medienwirkungsforschung eher unverbunden nebeneinander stehen und unterschiedliche Perspektiven besitzen, werden vorgestellt.

Außerdem beschäftigt sich dieses Kapitel mit der Bedeutung von Medienpädagogik, ihrer Verbindung zu verschiedenen Medienwirkungstheorien und der Bedeutung von Medienkompetenz.

Im siebten Kapitel werden die vorangegangenen theoretischen Überlegungen anhand der empirischen Untersuchung mit 13- bis 15jährigen Jugendlichen in der Praxis überprüft und der sozialisatorische Einfluß der Daily Soaps untersucht.

Die empirische Untersuchung konzentriert sich auf die fünf deutschen Daily Soaps UNTER UNS, MARIENHOF, VERBOTENE LIEBE, GELIEBTE SCHWESTERN UND GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN. Dabei wird die Herangehensweise an das Forschungsfeld erklärt und die Zielgruppe der Interviews beschrieben. Anhand einiger formulierter Leitfragen werden die Interviews ausgewertet, interpretiert und im letzten Teil dieses Kapitels zusammengefaßt, wobei die begrenzte Aussagekraft der Interviews und die individuelle Bedeutung der Rezeption der Daily Soaps berücksichtigt wird.

Die Arbeit schließt mit einer Schlußbetrachtung zu den herausgearbeiteten Ergebnissen mit dem Schwerpunkt auf der Frage der Sozialisationsfunktion der Daily Soaps und einem Ausblick auf Veränderungsvorschläge für die Programmgestaltung und -planung im bundesdeutschen Fernsehen.

Im Anhang sind die Leitfragen, die interviewten Personen und die vollständigen Interviews aufgeführt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Geschichtliche Entwicklung von Serien 6
2.1. Serien in der Literatur 6
2.2. Entstehung der Seifenoper - Soap-Opera - im Radio 7
2.3. Einführung der Serien und Soap-Operas im Medium Fernsehen 8
3. Struktur der Produktionsform Serie 11
3.1. Formen der Darstellung: Serie, Sendereihe und Mehrteiler 11
3.2. Genrespezifische Merkmale und Dramaturgie von Soap-Operas 12
3.2.1. Entwicklung der Serienfiguren 15
3.2.2. Verhaltensmodelle und Stereotypenansatz 16
3.3. Alltagseinbindung von Serien 18
3.4. Medienwirklichkeit und Realität 19
4. Veränderte Produktions- und Vermarktungsformen im deutschen Fernsehen 21
4.1. Kommerzialisierung der Programme 21
4.2. Produktionstechnische Entstehung einer Soap-Opera 23
4.3. Formen des Jugend-Marketings: Kult-Marketing und Erlebnis-Marketing 25
4.3.1. Merchandising-Produkte 27
4.3.2. Musik-Produkte und populärkulturelle Ereignisse 28
4.3.3. Lifestyle-Inszenierungen und Jugendkulturen 30
5. Geschlechtsspezifische Unterschiede 32
5.1. Verschiedene Rollenbilder im Medium Fernsehen 32
5.1.1 Familienbilder 32
5.1.2. Frauen- und Männerbilder 34
5.1.3. Mädchen-, Jungen- und Jugendbilder 38
5.2. Geschlechtsspezifische Rezeption 41
5.2.1. Gender-Ansatz 43
5.2.2. Soap-Operas - ein Genre für Mädchen? 45
6. Medienwirkungsforschung 50
6.1. Veränderte Kindheit und Medienwelten 50
6.2. Medienwirkungsansätze im Spiegel der Forschung 53
6.2.1. Reiz-Reaktions-Modell (Stimulus-Response-Modell) 54
6.2.2. Ideologiekritische Ansätze 55
6.2.3. Nutzenansatz (Uses-and-Gratifications-Approach) 55
6.2.4. Ansätze latenter Folgen von Medienwirkung 58
6.2.5. Alltags- und lebensweltliche Ansätze 61
6.2.6. Sozialisationstheoretische Perspektive der Medienwirkungsforschung 66
6.3. Medienpädagogik 64
6.4. Medienkompetenz 70
7. Empirische Untersuchung 74
7.1. Beweggründe 74
7.2. Zielgruppe 76
7.3. Durchführung der Tonbandaufnahmen 76
7.3.1. Erhebungsmethoden 76
7.3.2. Auswertung der Gespräche 78
7.4. Zusammenfassung der Ergebnisse 93
8. Schlußbetrachtung und Ausblick 95
9. Anhang 97
9.1. Leitfragen 97
9.2. Interviewte Personen 98
9.3. Aufgezeichnete Interviews 98
10. Literaturverzeichnis 139

Automatisiert erstellter Textauszug:

Auf Jugendliche angewendet, unterteilt COLEMAN bezüglich unterschiedlicher Mediennutzung und der Umgangsweise mit den Medieninhalten Jugendkulturen in: „Subkultur des Vergnügens“ und „Subkultur des Wissenserwerbs“.333. Während der eine Jugendliche souverän in den Programmen hin und her „zappt“, die erweiterten Programmangebote und neuen Informationstechniken flexibel und produktiv nutzt, ohne dabei andere Interessen und Freizeitaktivitäten zu vernachlässigen und sich neben der Erweiterung seines Wissens in der Medienrezeption sein Vergnügen sucht, droht der andere Jugendliche sich im bloßen „Unterhaltungfaktor“ des Umgangs mit Medien, wie z.B. der Rezeption von Spielfilmen, Action-Angeboten oder Computerspielen, festzufahren.334 Nach SANDER werden Neuerungen im Medienbereich ohnehin zunächst von denjenigen Rezipienten genutzt, die schon zu den „multi-channel-people“ gehören und eine höhere [...]

nem Thema auseinanderzusetzen, aber die Wichtigkeit eines Themas wird erst durch interpersonalen Austausch bestimmt.328 MERTEN genügt die Begründung des Ansatzes, daß Themen, bevor sie in den Köpfen der Rezipienten erscheinen, in den Medien thematisiert werden, zur Erklärung dieses Ansatzes nicht; dies sei lediglich eine notwendige Bedingung. Außerdem ist nach MERTEN zu prüfen, ob nicht auch gegenteilige Einflüsse im Sinne der „Reflexionshypothese“ (Medien berichten über die Themen der Rezipienten) vorhanden sind, so daß eine Wechselwirkung zu konstatieren wäre.329 Die „Wissenskluft-Hypothese“ (Knowledge-Gap-Hypothesis) ist ein weiterer Ansatz der latenten Folgen von Medienwirkungen. Mit diesem Ansatz werden nicht-intendierte, negative Folgen medialer Informationsvermittlung beschrieben.330 TICHENOR/DONOHUE/OLIEN stellten 1970 anhand einer Langzeituntersuchung fest, daß mediale Informationsvermittlung von verschiedenen Gruppen der Bevölkerung differenziert genutzt wird und zu unterschiedlichen Ergebnissen in ihren Auswirkungen führt:331 [...]

6.2.4. Ansätze latenter Folgen von Medienwirkungen Die Ansätze latenter Folgen von Medienwirkungen untersuchen gesellschaftliche Folgen, welche die „bloße“ Existenz von Massenmedien nach sich ziehen. Sie verbinden im Gegensatz zur traditionellen Medienwirkungsforschung, Medienauswirkungen nicht direkt mit Medieninhalten.323 Der vom Stimulus-Response-Ansatz abgekehrte „Thematisierungsansatz“ (AgendaSetting-Approach) untersucht, wie durch selektive thematische Medienausstrahlung und Verbreitung von Themen diese in der öffentlichen Diskussion Relevanz erhalten, wobei Massenmedien nach diesem Ansatz keinen Einfluß darauf nehmen, „wie“ das Publikum über die Themen denkt.324 Durch laufende Berichterstattung in den Medien gelangen Themen in „die Köpfe“ der Menschen, und in der Folge denkt der Rezipient in gewisser zeitlicher Verzögerung über diese Themen nach und diskutiert in seinem sozialen Umfeld darüber. Die Aussagen der Massenkommunikation spiegeln somit nicht das Wissen und Problembewußtsein des Publikums wider, sondern durch sie wird das Weltbild des Rezipienten beeinflußt, kontrolliert und strukturiert.325 Der Thematisierungsansatz stellt die Frage, ob der Rezipient durch die bevorzugte mediale Behandlung bestimmter Themen diese für wichtiger hält als andere.326 Nach SCHENK sind bezüglich der Thematisierung in den Medien und der wahrgenommenen Wichtigkeit der Themen in der Bevölkerung noch verschiedene Variablen zu berücksichtigen, wie z.B. das „Orientierungbedürfnis“ der Rezipienten, welches zu einer selektiven Auswahl der Medienthemen und unterschiedlicher Wahrnehmung und Interpretation der Medienbotschaften führt. Auch die interpersonale Kommunikation (Koorientierung) innerhalb der „Netzwerke“,327 in welchen sich der Rezipient bewegt, ist nach SCHENK zu berücksichtigen, denn erst durch sie wird ein Thema wirklich wichtig, d.h. Massenmedien schaffen zwar die Bekanntmachung und Anreize, sich mit ei- [...]

Arbeit zitieren:
Machenbach, Merle April 1998: Daily Soaps und ihre möglichen Auswirkungen auf die Sozialisation von Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Geschlecht, Soaps, Soap-Opera, Fernsehen, Serien

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