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Das chinesische Finanzsystem

Risiken und Krisenanfälligkeit

Das chinesische Finanzsystem
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sven Kalies
  • Abgabedatum: August 2009
  • Umfang: 67 Seiten
  • Dateigröße: 5,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 38
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0359-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kalies, Sven August 2009: Das chinesische Finanzsystem, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Bankensystem, Finanzkrise, systemisches Risiko, Netzwerkmodell

Bachelorarbeit von Sven Kalies

Einleitung:

Ein funktionsfähiges Finanzsystem schafft innerhalb einer Volkswirtschaft die Voraussetzungen für den arbeitsteiligen Produktionsprozess. Diese besondere Stellung führt dazu, dass alle volkswirtschaftlichen Bereiche durch eine Vielzahl von Transaktionsbeziehungen eng mit dem Finanzsystem verflochten sind. Es entstehen wechselseitige Abhängigkeiten, die durch Rückkopplungseffekte zu sich selbst verstärkenden Reaktionen führen können.

Entsprechende Transaktionsbeziehungen bestehen jedoch nicht nur zwischen dem Finanzsystem und seiner volkswirtschaftlichen Umwelt: Die aktuelle Finanzkrise zeigt, dass auch innerhalb eines Finanzsystems zwischen den einzelnen Systemelementen Verflechtungsstrukturen existieren, die zu wechselseitigen Abhängigkeiten führen. Die finanzielle Schieflage einer einzelnen Bank kann so weitere Banken in Mitleidenschaft ziehen und zu einer Destabilisierung des Finanzsystems als Ganzes führen.

Vor diesem Hintergrund besteht für das Thema Das chinesische Finanzsystem – Risiken und Krisenanfälligkeit beim Verfasser ein besonderes Interesse. Bei der ersten Literatursichtung stach vor allem das Working Paper Systemic Risk: A Survey der europäischen Zentralbank hervor, das eben diese Verflechtungsstrukturen innerhalb eines Finanzsystems als Untersuchungsgegenstand hat.

Um entsprechende Wirkungsbeziehungen, die zu Krisensituationen führen, besser verdeutlichen zu können, richtet sich die vorliegende Arbeit zum einen an dem Konzept des systemischen Risikos aus und begrenzt das Untersuchungsfeld zum anderen auf das Bankensystem als ein Teil des Finanzsystems. Darüber hinaus wird diese Eingrenzung dem Umstand gerecht, dass das chinesische Finanzsystem nach wie vor bankendominiert ist.

Die Arbeit beginnt mit einer grundlegenden Darstellung von Bankbetrieb, Bankensystem und ihren Funktionen innerhalb einer Volkswirtschaft. Ausgehend von der volkswirtschaftlichen Verflechtung eines Bankbetriebes werden für ein Bankensystem sowohl externe, als auch interne Wirkungszusammenhänge ermittelt. Hieraus abgeleitet können die Risiken Schockanfälligkeit und systemisches Risiko als spezifische Risiken eines Bankensystems definiert werden.

Anschließend wird ein Beurteilungskonzept entwickelt, mit dem genauere Aussagen zu den beiden Risiken, als auch zur Krisenanfälligkeit eines Bankensystems möglich sind. Im ersten Teil des Konzeptes erfolgt eine Auswahl geeigneter Indikatoren, die erste Hinweise auf die bankbetriebliche Risikolage geben. Im zweiten Teil wird das Netzwerkmodell von Eisenberg und Noe vorgestellt.

Ausgehend von diesem Netzwerkmodell wird ein Modell erstellt, in dem die vier großen State-Owned Banks und ausgewählte Joint-Stock Commercial Banks ein vereinfachtes chinesisches Bankensystem bilden. Anhand von Bilanzdaten wird eine mögliche Verpflichtungsstruktur zwischen den Banken bestimmt. Hierdurch können für verschiedene Szenarien die interbanklichen Zahlungsströme eindeutig bestimmt und mögliche Insolvenzen nach ihrer Ursache unterschieden werden. Art und Anzahl der Insolvenzen geben dann für jedes Szenario Auskunft über die Ausprägung der Merkmale systemisches Risiko, Schockanfälligkeit und Krisenanfälligkeit.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Finanzsystem und Volkswirtschaft 3
2.1 Finanzsystem, Finanzintermediäre und volkswirtschaftliches Wachstum 3
2.2 Bankbetriebe und Bankensystem 4
2.3 Risiken und Krisenanfälligkeit eines Bankensystems 6
2.3.1 Schockabsorbtionsfähigkeit 6
2.3.2 Systemisches Risiko 8
3. Beurteilungskonzept für die Risiken und die Krisenanfälligkeit eines Bankensystems 11
3.1 Indikatoren zur Schockabsorbtionsfähigkeit 12
3.2 Netzwerkanalyse zur Identifizierung des systemischen Risikos 14
3.2.1 Netzwerkmodell eines vereinfachten Bankensystems 14
4. Überblick Finanzsystem China 17
4.1 Struktur des chinesischen Bankensystems 18
4.2 Interbankenmarkt 20
5. Risiken und Krisenanfälligkeit eines vereinfachten chinesischen Bankensystems 22
5.1 Schockabsorbtionsfähigkeit ausgewählter chinesischer Banken 23
5.1.1 Eigenkapitalrentabilität als Finanzstabilitätsindikator 23
5.1.2 Gesamtkapitalrentabilität als Finanzstabilitätsindikator 24
5.2 Schockanfälligkeit und systemisches Risiko in einem Modell des chinesischen Bankensystems 26
5.2.1 Datenerhebung 26
5.2.2 Modellerstellung 27
5.3 Szenarien-Gestaltung 34
5.4 Analyse und Interpretation 36
5.4.1 Szenarienanalyse 36
5.4.2 Szenarieninterpretation 39
6. Fazit 43
Anhang 45
Quellen 55

Textprobe:

Kapitel 5.2, Schockanfälligkeit und systemisches Risiko in einem Modell des chinesischen Bankensystems:

In diesem Abschnitt wird mit den neun ausgewählten Banken ein Netzwerkmodell erstellt. Die Banken repräsentieren – gemessen an der Bilanzsumme – 63,52% des chinesischen Bankensystems, so dass das Netzwerkmodell im Rahmen der vorliegenden Arbeit als ein vereinfachtes Modell des chinesischen Bankensystems angesehen werden kann.

5.2.1, Datenerhebung:

Die im Netzwerkmodell verwendeten Daten sind in den Jahresberichten der einzelnen Bankgesellschaften publiziert. Bis auf die Agricultural Bank of China (ABC) sind alle Banken börsennotiert, so dass die Bilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erfolgt. Nicht alle Banken haben bereits den Jahresbericht für das Jahr 2008 auf ihrer Internet-Seite veröffentlicht. Zwecks einheitlicher Datenlage wurden daher die Jahresberichte 2007 verwendet.

Bei der Datenerhebung zeigte sich, dass anhand von Jahresberichten nur begrenzt Aussagen über die Verflechtungsstruktur zwischen Bankgesellschaften treffen lassen. Verbindlichkeiten und Forderungen der Banken untereinander werden nicht separat ausgewiesen und teilweise mit den Verbindlichkeiten bei bzw. den Forderungen gegenüber anderen Finanzinstitutionen zusammengefasst. . Aus diesem Grund wurden die Modelldaten einheitlich den Bilanzpositionen Forderungen gegenüber Banken und anderen Finanzinstitutionen und Verbindlichkeiten bei Banken und anderen Finanzinstitutionen entnommen.

Die in den einzelnen Jahresberichten ausgewiesenen Unternehmensgewinne (Profit before Tax) entsprechen innerhalb des Modells den sonstigen Einnahmen der jeweiligen Banken. Da innerhalb des Modells die Einnahmen und Ausgaben aus dem Interbankenhandel separat dargestellt sind, hätte eine entsprechende Korrektur der ausgewiesenen Unternehmensgewinne erfolgen müssen. Aber auch hier gaben die Jahresberichte nicht ausreichend detailliert Auskunft, so dass eine Bereinigung ausbleiben musste.

5.2.2, Modellerstellung:

Die den Jahresberichten entnommenen Werte entsprechen den Spalten- und Zeilensummen der Tabelle fünf und repräsentieren innerhalb des Modells die Verbindlichkeiten und Forderungen der jeweiligen Banken am Interbankenmarkt.

Die diagonal verlaufenden Zellen enthalten den Wert Null, da die Banken im Modell keine Kreditverpflichtungen mit sich selbst eingehen können. Die restlichen Zellen sind nicht belegt, da die Jahresabschlüsse keine Informationen über die Kreditverpflichtungen zwischen den einzelnen Banken enthalten.

Ferner sind die Daten nicht konsistent, d. h. die Summe der Summen-Verbindlichkeiten entspricht nicht der Summe der Summen-Forderungen. Die Differenz ergibt sich aus der Annahme heraus, dass hier nur die gesamten Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb des Modells abgebildet sind. Tatsächlich beinhalten diese Werte auch Forderungen und Verbindlichkeiten gegen bzw. bei Banken und Finanzinstitutionen, die sich außerhalb des Modells befinden. Um eine Konsistenz herzustellen, wird eine artifizielle Bank als Korrekturgröße eingeführt. Innerhalb des Modells repräsentiert die artifizielle Bank die Gesamtheit aller Banken außerhalb des modellierten Bankensystems, mit denen die systeminternen Banken in einer Verpflichtungsbeziehung stehen.

Arbeit zitieren:
Kalies, Sven August 2009: Das chinesische Finanzsystem, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Bankensystem, Finanzkrise, systemisches Risiko, Netzwerkmodell

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