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Kybernetik und Human Capital

Eine Untersuchung der Entsprechung soziologischer und technologischer Regelungssysteme

Kybernetik und Human Capital
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ulf Böhrnsen
  • Abgabedatum: März 2006
  • Umfang: 159 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 82
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4174-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Böhrnsen, Ulf März 2006: Kybernetik und Human Capital, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kybernetik, Personalentwicklung, Personalmanagement, Human Capital, Regelungssystem

Diplomarbeit von Ulf Böhrnsen

Einleitung:

Kann das kybernetische Denk-Modell gemäß den nachweislich erfolgreichen technischen Anwendungen auch für den Einsatz im Personalwesen nutzbar gemacht werden? Kybernetik und Human Capital ist eine Verbindung, die sich vordergründig nicht aufdrängt. Gegenwärtig findet die Wissenschaft der Kybernetik überwiegend in der Technik ihre Anwendung. Die Automatisierungstechnik bietet hierfür das bekannteste Beispiel. Mit der vorliegenden Arbeit sollen daher die Potenziale einer möglichen Verbindung von Kybernetik und Human Capital herausgearbeitet werden. Der Untertitel der Arbeit besagt, dass es hierbei insbesondere um die Methode der Regelung i. S. von Steuerung bzw. Lenkung geht.

Auslöser für mein Interesse an der noch jungen Wissenschaft der Kybernetik und dessen Anwendungsmöglichkeiten war das Studienfach AST (Automatisierungs- und Systemtechnik). Die Lösung komplexer technischer Aufgabenstellungen durch die Methodik der Regelungstechnik entspricht einer zunehmend technologischen Bewältigung unseres Lebens und ist somit ein allzeit präsentes Phänomen. Andererseits konnte ich praktische Erfahrungen während meiner Tätigkeit als Werksstudent in einer Unternehmensberatung sammeln. Diese gaben mir die Möglichkeit, in einem stärkeren Maße als üblich, nicht nur die Auswirkungen einer Unternehmenskrise, sondern auch deren Gründe und Ursachenbeseitigung direkt mitzuerleben. Gerade die umfangreichen Anforderungen in der Beratungsbranche an Kopfarbeit und Information belegen die Bedeutung von Mensch und Wissen – also Human Capital –in der heutigen komplexen Arbeitswelt.

Hierbei fällt vor allem als Paradox auf, dass trotz hohem Individualisierungsgrad des Menschen – auch in der Arbeitswelt –, ein zunehmender Bedarf an Planung und Steuerung, also Regelung und Lenkung, sich als notwendig abzeichnet. Also Regelung im klassischen kybernetischen Sinne.

Wenn Theorie und Praxis einen so starken gemeinsamen Nenner haben, wie ich es erleben konnte, liegt es nahe, Empirie und Theorie erkenntnisfördernd miteinander zu verbinden. Insofern hat es mich gereizt festzustellen, inwieweit technische Regelungs- und Steuerungsmechanismen auch im soziologischen Bereich effektiv anwendbar sind, sich als notwendig herausstellen bzw. verstärkt nutzenstiftend eingesetzt werden sollten.

Kybernetik als ‘missing link’ zwischen Technologie und Soziologie?

Norbert Wiener definiert die Kybernetik, basierend auf der griechischen Übersetzung ‘Steuermann bzw. Lotse’, als das Gesamtfeld der Nachrichtenverarbeitung und Regelungstechnik, soweit sie sowohl tierische Organismen als auch Maschinen betreffen. Die Entwicklung der Kybernetik als Wissenschaft, maßgeblich durch Norbert Wiener während der Zeit des zweiten Weltkrieges vorangetrieben, bezog sich hauptsächlich auf die Bewältigung technischer Problemstellungen. Meine eigenen Studien der Steuerungs- und Regelungstechnik haben zu der Frage geführt, ob die zugrundeliegenden Planungs-, Messungs- und Steuerungselemente nicht auch in anderen als den technischen Systemen anwendbar sind.

Eine intensive Auseinandersetzung mit der Kybernetik habe ich anhand einiger grundlegender Publikationen von Stafford Beer, Felix von Cube, Niklas Luhmann, Fredmund Malik, Frederic Vester u. a. vorgenommen, in denen die Methodik der technik-orientierten Kybernetik aufgegriffen und auf andere Systeme, insbesondere auf soziologische Systeme, angewendet wurden. In allen Arbeiten ist herauszulesen, dass immer die Methodik der Regelung eines technischen oder soziologischen Systems als Kern der kybernetischen Vorgehensweise erkennbar ist.

Welche Relevanz hat die Soziologie in diesem Zusammenhang? Die Soziologie ist die Wissenschaft von Ursprung, Entwicklung und Struktur der menschlichen Gesellschaft. Somit ist die Soziologie die Wissenschaft, welche sich mit den menschlichen Verhaltensweisen in der Gesellschaft auseinandersetzt, die wiederum besonderen Einfluss auf die Fragestellungen der Personalwirtschaft, insbesondere der Personalentwicklung in einer Unternehmung haben.

Bedeutung der Kybernetik:

Obwohl wir noch nie so viele Daten über die Welt zur Verfügung hatten wie heute, wird unsere Zukunft immer undurchsichtiger. Immer häufiger sind es überraschende Konstellationen, Probleme von unerwarteter Seite, die uns zu schaffen machen. Woran liegt das? Warum werden die Menschen – die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft wie auch der einzelne Bürger – immer weniger mit der Realität fertig, warum gleiten uns viele Situationen zunehmend aus der Hand, wodurch entstehen diese plötzlichen Zwänge und Rückschläge? Liegt es daran, dass die Welt heute so komplex geworden ist, dass die menschliche Zivilisation inzwischen ein weltumspannender, nicht mehr zu überschauender monströser Organismus geworden ist, in dem dauernd Unvorhergesehenes passiert?

Es zeigt uns schon ein flüchtiger Blick auf viele fehlgelaufenen Entwicklungen und neugeschaffenen Probleme, auf all jene Symptome einer tiefliegenden Störung, dass eines so sicher ist wie das Amen in der Kirche: Die Wirklichkeit wird oft ‘nicht oder sie wird falsch verstanden’ – sonst würde sie nicht immer wieder so völlig anders reagieren, als wir erwartet hatten.

Unser bisheriges Verständnis der Wirklichkeit reicht offensichtlich nicht aus, um die richtigen Entscheidungshilfen zu finden. Da ist einmal die mangelnde Kenntnis der Zusammenhänge. Fatalerweise liegt dieser Mangel bereits in der Art unserer Ausbildung begründet: in der Tatsache, dass wir uns zwar ausgiebig mit Einzelmechanismen und Einzelstrukturen befassen, aber praktisch nie mit Systemen. Die Realität, in der sich alles Leben abspielt, ist jedoch nicht das, als was sie uns die Schulen und Universitäten präsentieren: Eine Ansammlung von getrennten Einzelbereichen wie Agrarwirtschaft, Verkehrswesen, Chemie, Geographie, Betriebswirtschaft, Abfallbeseitigung und Bauwesen – alles schön geordnet nach Ressorts und Fachbereichen und dennoch auseinandergerissen, sondern diese Realität ist ein vernetztes System, in dem es oft weniger auf die Einzelbereiche ankommt als auf die Beziehungen zwischen ihnen.

Denn die Vorgänge und Wechselwirkungen unserer Industrie-/Informationsgesellschaft sind ebenso wie das uns durchdringende biologische Leben voll typischer Systemphänomene, also solcher, die durch vernetzte Wirkungen und Rückwirkungen zwischen den einzelnen Lebensbereichen zustande kommen. Dennoch wird der Bereich der technischen Entwicklung und seiner einzelnen Gebiete getrennt vom Bereich oder von den Bereichen des Naturschutzes, der Produktion, des Marketing, der Infrastruktur und der Energiewirtschaft betrachtet. Sobald aber Entscheidungen aus Einzelbereichen getroffen werden, also disziplin-orientiertwie in der Wissenschaft, ressort-orientiert wie in den Verwaltungen oder branchen-orientiert wie in der Wirtschaft, können sie, was das Systemverhalten betrifft, zu den gröbsten Fehlern führen. Es sind dies Fehler, von denen viele verhindert werden könnten. Ohne die Verbindung der Einzelbereiche ergibt sich ein falsches Bild und daraus wiederum ein falsches Handeln. Hier haben mehrere Untersuchungen auf den verschiedenen Ebenen in der Tat gezeigt, dass sich mit den Methoden der Kybernetik diese Bereiche verlässlich beschreiben lassen und ein besseres interdisziplinäres Planen, Entscheiden und Handeln möglich ist.

Verträgt oder erfordert Personalwirtschaft Regelungsmechanismen?

Die Aufgabe der Personalwirtschaft ist es, dem Unternehmen den Faktor ‘Arbeit’ in der richtigen Ausbildung, mit der richtigen Qualifikation, zur richtigen Zeit und mit den richtigen Kosten bereitzustellen, einzusetzen und zu erhalten.

Der Mitarbeiter ist per se mehr als nur ‘Faktor Arbeit’, er stellt selbst bereits sowohl einen ‘biologischen wie einen soziologischen Regelkreis’ dar und ist als solcher in den Regelkreis ‘Unternehmung’ zu integrieren. Um soziale wie ökonomische Reibungsverluste aus unterschiedlichen Interessen-, Verhaltens-, Erwartungs- und Befindlichkeitskonstitutionen zu vermeiden, ist ein Instrument zur Koordination und zur Steuerung (Lenkung, Regelung) erforderlich.

Die Personalwirtschaft mit ihren sehr unterschiedlichen Funktionsbereichen benötigt speziell für die Aufgaben der ‘Personalentwicklung’ ein entsprechendes Instrumentarium, um strategische Unternehmensziele, produktions- oder dienstleistungstechnische Anforderungen, persönliche Ansprüche sowie arbeits- und sozialrechtliche Belange ‘unter einen Hut zu bringen’. Es gilt also zu untersuchen, ob mit den aus der Kybernetik entnommenen Regelungsmechanismen die Erfordernisse der Personalwirtschaft geordnet und gesteuert werden können.

Zielsetzung der Arbeit:

Fast täglich werden aktuelle kritische Probleme aus vielen Wirtschaftsunternehmen bekannt, die dort bereits seit langer Zeit bestehen – insbesondere ein Schlagwort taucht immer wieder auf: ‘Personalabbau.’. Wobei als Gründe meistens der Zwang zur Kostensenkung und die durch zu viele Mitarbeiter hervorgerufene ungenügende Produktivität des Unternehmens angegeben werden. Diese Begründungen beruhen vorwiegend auf einer sehr einseitigen und kurzfristigen Betrachtung der vorherrschenden Krisensituation. Durch die Werkzeuge der Kybernetik werden ganzheitliche Sichtweisen geschaffen, die eine neue Möglichkeit bedeuten, mit dem Thema ‘gesamt-zeitig’ umzugehen, also nicht nur nach- sondern auch bereits vorausschauend.

Ziel meiner Arbeit ist es daher, durch eine hinreichend tiefe Analyse aufzuzeigen, ob Funktionalitäten und Methoden der Kybernetik geeignet sind, als Entscheidungs- und Führungsinstrumente in soziotechnischen Organisationen für die Personalarbeit, insbesondere im Rahmen der Personalentwicklung (Human Capital), eingesetzt zu werden.

Der Anstoß hierzu ergibt sich aus folgenden Bedeutungsaussagen von kybernos (griech.) als Steuermann, bzw. kybernetikos (griech.)‘zum Steuern befähigt’ in der Verbindung mit ‘alles fließt’ (Heraklit):

- ‘Alles fließt’ bedeutet permanente Veränderung, sowohl im belebten wie imunbelebten Bereich, also beim Menschen, in der Technik und in der Organisation.

- Veränderungen heute sind geprägt von hoher kultureller Komplexität (Menschen, Organisationen, Technik, Informationswesen, Wissen, Wirtschaft). Diese Elemente müssen sinnvoll geplant, gelenkt und gesteuert werden, um ‘Chaos’ zu vermeiden und Ordnung beherrschen, koordinieren und lenken zu können.

Hieraus ergibt sich für die Arbeit als Folgerung und Zielsetzung:

-Festzustellen, ob Kybernetik, bzw. die ihr zugrunde liegenden Merkmale der Steuerung und Regelung auf der Grundlage von Informationen, als Führungsinstrument geeignet sind, um Kooperation und Koordination von Organisationsteilnehmern zu ermöglichen.

Anwendungsbereich: Veränderungen (=Change Management) gewollt, gesteuert und kontrolliert zielkonform durchführen: Interne Teamarbeit; Kundenbindungsformen; Unternehmenszusammenschlüsse (Mergers); Netzwerkorganisationen (z. B.: Zulieferer, Beschaffungspartner, Dienstleister) u. a.

-Zu untersuchen, ob Kybernetik eine ‘Sprache’ (Modus, Methode, Instrument) bietet, die nicht nur eine technologische Risikominimierung (Gerichtetheit, Sicherheit) ermöglicht, sondern auch bei Veränderungen durch soziologische, ökonomische und ökologische Einflüsse auf Menschen eingesetzt werden kann. Sie sollte auch in Wirtschaftsorganisationen zur organisationalen Lernoptimierung durch ‘regeln und steuern’ wesentlich, vorausschauend und effektiv beitragen.

Anwendungsbereich: Alle Kommunikationsformen in einem Unternehmen: Workshops, Managementstil, interne Firmenkommunikation, Selbstlernen, Innovationsmanagement u. a.

-Zu schließen, ob Kybernetik Lenkungsmechanismen zwischen ‘Technologie’ und ‘Soziologie’ gleichermaßen transparent gestalten kann. Zukünftig könnten diese bei Planung und Steuerung (=Regelung) so eine gemeinsame Kommunikationsplattform (Sprache, Denke) zwischen diesen beiden Bereichen nutzen.

Anwendungsbereich: Rechtzeitige und intensive Aufklärung über Organisationsveränderungen, die insbesondere durch den Einsatz technologischer Instrumente getragen werden (Automatisierung in der Leistungserstellung, neue Fertigungs- und Materialtechnologien, Computerisierung, neue Work-flow-Verfahren, Datensicherheit u. a.).

Aufbau der Arbeit:

Im Kapitel 1 erfolgte eine dem Thema entsprechende ausführliche Einleitung zum Arbeitsthema, um die Hinleitung zur Zielsetzung der Arbeit vorzubereiten. Das Kapitel 2 enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zur schnellen Vorabinformation.

Kapitel 3 behandelt die kybernetischen Grundlagen und definiert die wesentlichen Begriffe, die für den Hauptteil der Diplomarbeit Relevanz haben. Dem Thema der Arbeit entsprechend – der Gegenüberstellung der Bereiche Technologie und Human Capital – ist ein Kapitel den Erkenntnissen und anwendungsrelevanten Kriterien aus der Biokybernetik gewidmet.

Das Kapitel 4 gibt einen beispielhaften Überblick über schwerpunktmäßige Anwendungsbereiche der Kybernetik. Es wird deutlich, dass die Denkdisziplinen und Modelle der Kybernetik weit über den rein technisch-mechanischen Bereich hinausgehen.

Kapitel 5 stellt den Hauptteil der Diplomarbeit dar und gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden die wirksamen Rahmenbedingungen beschrieben, die deutlich machen, warum ‘Mensch’ im Sinne von Human Capital heute speziell in der Wirtschaft eine so wichtige Rolle einnimmt. Der zweite Teil behandelt das heutige Personalwesen aus kybernetischer Sicht, das heißt unter der Fragestellung, in wieweit sich Personalarbeit und Kybernetik ‘verbinden’ lassen. Im dritten Teil schließlich werden anhand der am stärksten kybernetikaffinen Personalentwicklung unterschiedliche Möglichkeiten kybernetischer Anwendungen beschrieben.

Kapitel 6 schließlich liefert eine zusammenfassende Aussage zum Kern meiner Arbeit, nämlich ob und in wieweit es eine Entsprechung technologischer und soziologischer Regelungssysteme gibt, ob sie möglich ist und welche Konsequenzen sich hieraus ergeben.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
QUELLENVERZEICHNIS 150
ANHANG 153
1. EINLEITUNG 1
1.1 Kybernetik als ‘missing link’ zwischen Technologie und Soziologie? 2
1.2 Bedeutung der Kybernetik 3
1.3 Verträgt oder erfordert Personalwirtschaft Regelungsmechanismen? 4
1.4 Zielsetzung der Arbeit 5
1.5 Aufbau der Arbeit 7
2. ZUSAMMENFASSUNG 9
3. GRUNDLAGEN DER KYBERNETIK 12
3.1 Was ist Kybernetik? 12
3.1.1 Zum Begriff der Kybernetik 12
3.1.2 Die Entwicklung der Kybernetik 14
3.1.2.1 Die Entstehung der kybernetischen Wissenschaft 14
3.1.2.2 Methoden und Systeme der Kybernetik 16
3.1.2.3 Regelkreis und Rückkopplung 18
3.2 Information und Kommunikation 21
3.2.1 Zeichen und Nachrichten 22
3.2.2 Von der Information zur Kommunikation 23
3.3 Komplexität als Systemeigenschaft 26
3.3.1 System 26
3.3.1.1 Entwicklung der ‘Allgemeinen Systemtheorie’ 27
3.3.1.2 Allgemeine Systemunterscheidungen 32
3.3.1.3 Soziale Systeme 36
3.3.2 Komplexität, Ordnung und Chaos 38
3.3.2.1 Komplexität aus systemtheoretischer Sicht 40
3.3.2.2 Komplexitätsbeherrschung durch Ordnung 44
3.3.2.3 Chaos als spezielle Form der Ordnung 48
3.4 Biokybernetik 49
4. ANWENDUNGSBEISPIELE KYBERNETISCHER MODELLE 55
4.1 Kybernetik und Gesellschaft 55
4.2 Kybernetische Maschinen und Techniken 59
4.3 Kybernetik und Mensch 62
5. KYBERNETIK UND HUMAN CAPITAL 67
5.1 Faktor ‘Arbeit’ und Personalwesen müssen neu definiert werden 68
5.1.1 Eine tiefgreifende ökonomische Metamorphose 68
5.1.2 Ein neuer Faktortyp‘Arbeit’ entsteht 70
5.1.3 Personalwirtschaft zwischen Ökonomie und Soziologie 71
5.1.4 Neue Aufgaben für das betriebliche Personalwesen 72
5.2 Exogene Einflussgrößen 74
5.2.1 Informationszeitalter 74
5.2.2 Wirtschaftswissenschaft 75
5.2.3 Die Neue Institutionenökonomie 77
5.2.4 Kooperationsmerkmale 79
5.2.5 Arbeit und Soziales 80
5.2.6 Neue Managementtheorien 81
5.3 Endogene Einflussgrößen 83
5.3.1 Unternehmung als Organisation 83
5.3.2 Koordinationsanforderungen 88
5.3.3 Unternehmung und Management 88
5.3.4 Bedeutung und Aufgaben der Personalarbeit 91
5.3.5 Unternehmen als kybernetisches System 93
5.4 Kybernetische Aspekte des Human Capital Management 96
5.4.1 Soziotechnische Systemmerkmale 97
5.4.2 Unternehmenspolitik, Balanced Scorecard und Personalarbeit 99
5.4.3 Führung und Entscheidung 104
5.4.4 Lernformen 106
5.4.5 Verknüpfte Regelkreise 109
5.5 Personalentwicklung als Beispiel einer Kybernetikanwendung 111
5.5.1 Kybernetisches ‘Messen’ oder ‘Kommunizieren’ 112
5.5.2 Merkmale der Personalentwicklung mit kybernetischer Relevanz 114
5.5.2.1 Fakten für die Ziele und Aufgaben der Personalentwicklung 115
5.5.2.2 Die Ziele der Personalentwicklung 119
5.5.2.3 Die Aufgaben der Personalentwicklung 125
5.5.3 Ein Modell-Regelkreis der Personalentwicklung 128
5.5.4 Anwendungsmöglichkeiten des Personalentwicklungs-Regelkreises 130
5.6 Das Nutzenpotenzial von kybernetischen Anwendungen 132
5.6.1 Denken und Handeln verbinden 132
5.6.2 Neue praktische Erkenntnisse gewinnen 133
5.6.3 Strukturelle Veränderungen erleichtern 135
5.6.4 Personal-Ökonomik verbessern 136
5.6.5 Risikominderung verstärken 139
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN 142
6.1 Kybernetik: Gemeinsamkeit von Mensch und Technik 144
6.2 Kybernetik: Denken, nicht mit Scheuklappen, sondern in Systemen 145
6.3 Kybernetik: Chancen für ein wirkungsvolles Human CapitalManagement 147
6.4 Kybernetik: Ausblick 148

Textprobe:

Kapitel 5.2.3, Die Neue Institutionenökonomie:

Die Wirtschaftswissenschaften bieten zahlreiche theoretische Instrumente und Modelle zur Lösung von Organisationsproblemen an, die sich aus der Koordination zwischen Volkswirtschaft und Unternehmungen ergeben. Besondere Beachtung hat in der wissenschaftlichen Literatur und in der Praxis in den letzten Jahren das Forschungs- und Lehrgebäude der Neuen Institutionenökonomik gewonnen. Sie betont die Bedeutung der Information und Kommunikation für die Organisation wirtschaftlicher Tätigkeit. Als Institutionen bezeichnet man ‘sozial sanktionierbare Erwartungen, die sich auf die Handlungs- und Verhaltensweisen eines oder mehrerer Individuen beziehen’. Die Neue Institutionenökonomik versucht einerseits, die Entwicklung von Institutionen und deren Auswirkung auf menschliches Verhalten ökonomisch zu erklären (positive Analyse) sowie andererseits Handlungsempfehlungen zur effizienten Gestaltung von Institutionen zu geben (normative Analyse). Die Neue Institutionenökonomie stellt heute kein einheitliches Theoriegebäude dar, sondern besteht aus mehreren, methodologisch weitgehend verwandten Ansätzen. Diese überlappen sich gegenseitig, ergänzen und beziehen sich teilweise aufeinander. Gemeinsam sind ihnen allen jedoch die drei folgenden Ausgangspunkte:

methodologischer Individualismus, individuelle Nutzenmaximierung, begrenzte Rationalität.

Für die weitere Arbeit sind diese Merkmale im Zusammenhang mit kybernetischen Modellbildungen von Relevanz. Aber auch ganz generell sind diese Merkmale von großem Belang für eine moderne Personalarbeit an sich.

Der methodologische Individualismus ist ein verbindendes Element fast aller ökonomischen Theorien. Dieses Forschungskonzept analysiert soziale Gebilde (Unternehmungen, Staat u. a.), indem man die Ziele und Entscheidungen der einzelnen Individuen betrachtet, die innerhalb dieser Gebilde agieren. Relevanzbezug: Verhaltensweisen.

Auch die individuelle Nutzenmaximierung ist eine Gemeinsamkeit ökonomischer Ansätze. Dieses Axiom besagt, dass jeder Akteur sein Eigeninteresse verfolgt, bzw. er wird diejenige Alternative bei Handlungsrestriktionen wählen, die den höchsten Nutzen verspricht. Relevanzbezug: Motivation.

Die Grenzen der Rationalität sind eine Folge des unvollständigen Wissens und der begrenzten Informationsverarbeitungskapazität der menschlichen Akteure. In diesem Sinne können Menschen immer nur gemäß ihres subjektiv unvollständigen Informationsstandes rational sein. Relevanzbezug: Weiterbildung/Lernprozesse.

Arbeit zitieren:
Böhrnsen, Ulf März 2006: Kybernetik und Human Capital, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kybernetik, Personalentwicklung, Personalmanagement, Human Capital, Regelungssystem

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