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Ist Fußball ein Mittel der Entwicklungspolitik?

Analyse der Bedeutung und der Wirkung des Fußballs auf die Gesellschaft, Politik und Entwicklungsziele aus afrikanischer Perspektive

Ist Fußball ein Mittel der Entwicklungspolitik?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Colin Kraft
  • Abgabedatum: August 2008
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 80
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4172-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kraft, Colin August 2008: Ist Fußball ein Mittel der Entwicklungspolitik?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fußball, Entwicklungspolitik, Sport, Afrika, Weltmeisterschaft 2010

Magisterarbeit von Colin Kraft

Einleitung:

‘Der Sport ist ein Instrument von Entwicklung und Konfliktlösung, von Gesundheit, Bildung, nachhaltiger Entwicklung und Frieden, das wir bisher noch gar nicht wirklich in seinem Wert erkannt und noch gar nicht wirklich systematisch eingesetzt haben’.

Fußball ist weltweit einer der beliebtesten, wenn nicht sogar die beliebteste Sportart. Fußball begeistert und prägt aktive und passive Teilnehmer. Im letzten Jahrhundert entwickelte der Fußball sich zu einem Sport, der wahrscheinlich nicht zuletzt wegen seiner Einfachheit zu einem wichtigen Element im Leben der unteren Bevölkerungsschichten geworden ist.

Am 26. Oktober 1863 fing alles an. An diesem Tag wurde in England die Football Association gegründet, die das weitgehend bis heute gültige Regelwerk für das Fußballspiel definierte und kodifizierte. Mit dieser Verregelung wurde ein entscheidender Schritt zur Beilegung der Gewalt getan. Seitdem gilt: Fußball ist ein auf Regeln basierendes Spiel und kein Krieg, wie es einmal der holländische Trainer Rinus Michels gesagt haben soll. Im Krieg geht es um die Vernichtung des Feindes, im Fußball um den sportlichen Wettkampf mit einem Gegner. Im Gegensatz zum Krieg ist die Grundstruktur des Fußballs kooperativ und egalitär. Ohne eine gegnerische Mannschaft wäre kein Spiel möglich. Gespielt wird nach den für alle gültigen Regeln, die vom Schiedsrichter und gegebenenfalls von der zuständigen Sportsgerichtsbarkeit durchgesetzt werden.

Insofern ist die Fußballwelt der internationalen Politik und deren Fähigkeiten zur friedlichen Konfliktregelung weit voraus. Inwiefern jedoch der Fußball ein Mittel der Entwicklungspolitik sein kann, soll in der vorliegenden Arbeit analysiert werden.

Im Laufe der Zeit reifte der Fußball aber nicht nur im Profisport, sondern prägte ebenfalls sehr stark den Charakter vieler Regionen und Länder. Man spricht heutzutage beispielsweise von dem ‘Fußballland’ Brasilien oder der ‘Fußballkultur’ des deutschen Ruhrgebiets. Fußball ist demnach mehr als nur eine physische Betätigung.

Sicherlich gibt es viele Aspekte des Fußballs, die die nicht sportliche Perspektive betreffen. Insbesondere der Geschäftssinn der Vereine und Verbände ist dabei maßgebend. Allein über Marketing, Merchandising und Sponsoring, mit denen durch das ‘Zugpferd Fußball’ Geld verdient werden kann, gibt es zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und Studien. Dieser Aspekt soll in der vorliegenden Arbeit jedoch völlig ausgespart werden. Es geht hier vielmehr um den sozialen, wahrscheinlich auch weniger zu berechnenden Charakter des Fußballs. Dieser Sport hat eine außerordentliche Magnetwirkung. Gerade in Regionen, in denen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begrenzt sind. Auch dort, wo junge Menschen nicht regelmäßig zur Schule gehen können und sogar traumatische Erfahrungen machen, bietet dieser Sport manchmal die einzige Möglichkeit, zu einer sozialen Freizeitgestaltung.

Weltweit ist die Zahl derer, die sich für Fußball interessieren, regelmäßig zuschauen oder spielen unzählbar. In Afrika spielen nach Schätzungen des Weltverbandes FIFA 80 Millionen Menschen regelmäßig Fußball. Bei 924 Mio. in Afrika lebenden Menschen ist dies ein Anteil von etwa 9 Prozent an der Gesamtbevölkerungszahl. Das ist enorm! Die Antwort auf die Frage, welche Kraft und Möglichkeiten der Fußball auf Kinder, Männer und Frauen in Afrika hat, ist daher einerseits einfach andererseits vielschichtig.

Fußball ist nicht nur die oft einzige Chance, mit einem Engagement als professioneller Spieler einem wirtschaftlich schwachen Milieu zu entfliehen, sondern die Politik möchte ebenso die Möglichkeit nutzen, die Entwicklung in den betroffenen Ländern durch Sport zu fördern. Inwiefern das diskutiert, geplant und sogar schon praktiziert wird, wird hier dargelegt und analysiert. Es zeigt, wie viel Potenzial für die Entwicklungsarbeit tatsächlich im Fußball steckt.

Ein wichtiges politisches Signal haben die Vereinten Nationen bereits gesetzt: Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete am 17. November 2003 die Resolution 58/5 ‘Sport als Mittel zur Förderung der Bildung, der Gesundheit, der Entwicklung und des Friedens’. Der Sport soll als Werkzeug dienen, Entwicklungsziele zu erreichen.

Diese Resolution ist als Zugeständnis der internationalen Politik zu werten, dass Sport nicht nur als körperliche Betätigung verstanden, sondern durchaus als Mittel zum Erreichen der Entwicklungsziele in der sogenannten Dritten Welt ernst genommen wird. ‘Das UN-Jahr des Sports und der Leibeserziehung 2005’ war der Anstoß, um weltweit auf die Potenziale von Sport als Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit aufmerksam zu machen. Inwiefern diese Ziele der UN-Resolution und die damit zusammenhängende Politik des Dachverbandes FIFA und der betroffenen Staaten interpretiert werden und welche Wirkung sie haben, soll im ersten Teil der Arbeit dargelegt und diskutiert werden.

Zuerst muss aber eine grundlegende Frage beantwortet werden, wie Entwicklung in diesem Sinne definiert wird. Es ist unumgänglich, den entwicklungspolitischen, theoretischen Rahmen abzustecken. Die Antwort soll sich hier aber lediglich auf den nötigen Rahmen beschränken. Der Sport, insbesondere der Fußball, kann keine großflächigen Wirtschaftshilfen ersetzen. Die Entwicklungshilfe der westlichen Staaten, die laut ‘UN-Ziel’ der 70er Jahre jeweils 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP) betragen soll, ist im Laufe der letzten 25 Jahre stetig gesunken. Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts beträgt der Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nur noch 0,22 Prozent, was ein Indiz für die sinkende Bereitschaft oder Fähigkeit ist, große Geldsummen für die Entwicklungsländer zu generieren. Deshalb muss die Unterstützung für die Entwicklungsmaßnahmen immer vielfältiger werden. Nichtregierungsorganisationen, private Initiativen und kirchliche Vereinigungen springen in die Bresche und übernehmen insbesondere humanitäre Entwicklungsaufgaben. Diese Aufgaben haben keinen messbaren Einfluss auf die Wirtschaftsfähigkeit eines Landes, leisten aber einen großen Beitrag für die lokalen bzw. regionalen Entwicklungen. Beim Sport ist dies ähnlich. Es geht hier vor allem um die mit in die Programme eingebundenen Menschen vor Ort. Die Wirkung und Vorgehensweise sowie das Verhältnis zum Aufwand zu analysieren, ist einer der Aspekte dieser Arbeit.

Ein weiteres Kapitel der Arbeit ist dem Einfluss des Fußballs auf die Politik gewidmet. Nicht wenige Sportwissenschaftler, Historiker und Journalisten behaupten, dass der Erfolg bzw. Misserfolg der jeweiligen Fußballnationalmannschaft durchaus Einfluss auf die Wirtschaft oder sogar auf die innenpolitische Sicherheitslage eines afrikanischen Staates haben kann, weil die Fußballnationalmannschaft oft als patriotisches Machtmittel der Politik instrumentalisiert wird.

Ein europäisches Beispiel waren die nach dem verlorenen Weltmeisterschaftsfinale 1954 ausbrechenden Unruhen in Ungran. Da die ‘unbesiegbare’ Fußballnationalmannschaft damals als ‘sozialer Kitt’ zwischen Sozialistischem Regime und der Arbeiterklasse galt, wurde die Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Zukunft auf den sportlichen Erfolg des Teams projiziert.

Diese Entwicklungen oder Reaktionen auf Misserfolge sind in Afrika heute ebenso zu beobachten. Der Fußball wird in den politisch labilen Staaten des afrikanischen Kontinents oftmals dafür benutzt, um diktatorische Regime aufrecht zu erhalten oder Regierungen zu stürzen. Misserfolge der Fußballnationalmannschaft in afrikanischen Staaten können die Sicherheitslage in einem Land ebenso bedrohen wie große Erfolge die Regierung deutlich festigen können.

Gang der Untersuchung:

Da das Thema Entwicklung durch bzw. mit Sport in der Forschung wie oben erwähnt mehrere Ansatzpunkte liefert, ist es besonders wichtig, die methodische Herangehensweise zu erläutern. Um das Ziel der vorliegenden Arbeit zu definieren, ist die Analyse von zwei Schwerpunkten nötig.

- Die Darstellung der Entwicklungspolitik und der Plan der Vereinten Nationen, mit Hilfe der Resolution 58/5 den Sport als Mittel einzuspannen, wird im zweiten Kapitel dargestellt. Dabei soll auf die politische Bedeutung des Fußballs im afrikanischen ‘Nationbuilding’-Prozess und die daraus folgende Politik der FIFA eingegangen werden.

- Die sportpädagogische Tätigkeit des Fußballs in der Entwicklungsarbeit ‘am Menschen’. Die Darlegung der Arbeitsfelder sowie die aktuelle Realisierung am Beispiel von Nichtregierungsorganisationen soll im dritten und vierten Kapitel im Fokus stehen.

Als ein in sich geschlossener Exkurs soll darüber hinaus im fünften Kapitel noch auf den afrikanischen Kontinent als ‘Investitionsfeld’ für professionelle Nachwuchsförderung eingegangen werden. Denn Fußball bietet für die Beteiligten nicht nur Chancen im entwicklungspolitischen Sinne. Fußball hat sich gerade im Europäischen Profisport mehr denn je zu einem Geschäft entwickelt. Talentierte ausländische Spieler aus dem verarmten Afrika zu verpflichten, hat insbesondere in den europäischen Profiligen Schule gemacht. Zahlreiche Vereine nutzen die hiesige Armut in Afrika aus, um möglichst günstig an gutes ‘Spielermaterial’ zu kommen, sie nach Europa zu lotsen und später an größere Vereine teuer weiter zu verkaufen. Das Modell des Geschäfts mit Fußball und deren Akteuren birgt auch viele Gefahren für junge Afrikaner. Ob es sich jedoch um die Gefahr einer modernen Art des Sklavenhandels handelt, soll im letzten Kapitel ebenso Beachtung finden.

Die wissenschaftliche Analyse wird durch zwei Faktoren geprägt, was in der Forschung stets bedauert wird: Trotz vieler Projekte in Afrika gibt es aufgrund des noch sehr jungen Arbeitsfeldes zu wenig wissenschaftliche Evaluation. Des Weiteren können direkte Zusammenhänge zwischen dem Einsatz von Sport und positiven Veränderungen in der Entwicklungsarbeit bis jetzt kaum nachgewiesen werden.

Dennoch ist die Zielsetzung der Politik, Sport mehr in die Entwicklungsarbeit zu integrieren, evident. Den beliebtesten Sport der Welt, der als ‘kleinster gemeinsamer Nenner’ oder ‘Weltsprache’ bezeichnet wird, zu nutzen, um Entwicklung zu fördern und einen Teil zur Linderung von Leid und Lösung von Problemen beizutragen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
2. Sport für Entwicklung und Frieden 12
2.1 Der Fußball: Kein Politikum? 12
2.2 Staat und Fußball in Afrika: Brot und Spiele? 15
2.3 Theorie vom ‘Nationbuilding’ – Ist der Sport eine Lösung? 21
2.4 Die Rolle der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) 24
2.5 Die UN-Resolution 58/5 26
3. Arbeitsfelder des Fußballs 31
3.1 Bedingungen und Potenziale des Fußballs als Mittel zur Entwicklung 32
3.2 Fußball als ‘Lebensschule’ – Schulung des sozialen Verhaltens 34
3.3 Der mögliche Wirkungsgrad der Projektumsetzung 36
3.4 Konkrete Arbeitsfelder für Sportprojekte 39
3.4.1 HIV/Aids – Prävention 39
3.4.2 Trauma- und Versöhnungsarbeit 42
3.4.3 Gleichberechtigung – Kann Fußball helfen? – Ein Fallbeispiel. 43
4. Entwicklung durch Fußball - Die Arbeit der ‘NonGovermentOrganizations’ 46
4.1. ‘Fußball’ als Programm für die Entwicklungsarbeit 50
4.2 Fußball als Mittel gegen soziale Isolation- ‘Streetfootballworld’ 53
4.2.1 Warum wird bei ‘Streetfootballworld’ gerade Fußball verwendet? 55
4.3 Fußball als Waffe gegen HIV – ‘Grassrootsoccer’ 56
4.3.1 Warum wird bei ‘Grassrootsoccer’ gerade Fußball verwendet? 57
4.3.2 Evaluationsergebnisse in Entwicklungsregionen 57
5. Fußballschulen in Afrika – Ausbildung und ‘Football drain’ 61
5.1 Von den Slums ins Nou Camp - Migration von Afrikanischen Fußballspielern in Europa 61
5.2 Fußballmigration – ‘Satellitenklubs’als Exporthafen für Talente 65
5.3 ‘Culture Foot Solidaire’ – Zum Schutz des Menschen 69
6. Resümee und Ausblick 73
7. Anhang 1: Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 17. November 2003 76
Anhang 2: Die Spitznamen aller afrikanischen Fußballnationalteams südlich der Sahara 79
8. Literaturverzeichnis 81
9. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 88

Textprobe:

Kapitel 3.4.3, Gleichberechtigung – Kann Fußball helfen? – Ein Fallbeispiel:

In vielen Kulturen der Welt spielen Frauen in der gesellschaftlichen Gleichberechtigung noch keine gleichberechtigte Rolle. Und so ist es auch im Sport. In vielen Teilen der Welt werden Frauen und Mädchen vom Sport ausgeschlossen. In muslimischen Ländern sind es vor allem religiöse Zwänge, in christlichen Ländern patriarchale Strukturen. Doch die Spielräume von Frauen und Mädchen können erweitert werden. Weltweit treten einige Projekte in diesem Sinne weniger mit Wettkampf orientierten Aktivitäten in Erscheinung. Fußball ist dabei eine der ersten Sportarten, die ausgeübt werden. Ein Indiz für das immer größer werdende Interesse ist auch die erstmals im Jahre 1991 ausgetragene Fußball- Afrikameisterschaft der Frauen. Damals nahmen lediglich acht afrikanische Nationen mit einer Frauen-Nationalmannschaft teil. Im Jahre 2008, dem bisher letzten Turnier, waren es 22 Teams. International und national steigt also die Einbindung von Frauen und jungen Mädchen in die Sportförderung des Fußballs.

In ländlichen afrikanischen Strukturen ist die Einbindung von Mädchen und Frauen in Sportprojekte aber deutlich schwerer. Der Erfahrungsbericht von Claus Schrowange, Entwicklungshelfer bei der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V., soll als Fallbeispiel genannt werden. Er beschreibt, welche gesellschaftlichen Probleme auftraten, als er im Jahre 1999 versuchte, eine Mädchenmannschaft in New Ningbo, einem Fischerdorf in der Dangwe West Region in Ghana, ins Leben zu rufen.

Mit Hilfe des Direktors der lokalen Schule fanden sich direkt 30 junge Mädchen mit der Bereitschaft Fußball zu spielen.

‘Eine hügelige Wiese hinter der Schule wird uns zum Training zur Verfügung gestellt, da der Sportplatz des Ortes für die Männerwelt reserviert ist. [.] Anfangs muss ich vor jeder Einheit die Runde von Haus zu Haus machen und den Vätern, Onkeln, Müttern und Tanten den Sinn erklären. Ich muss sie wieder und wieder überreden, ihre Töchter für zwei Stunden von den häuslichen Alltagspflichten zu befreien’.

Es zeigt deutlich, dass die Dominanz der Männer gegenüber den Frauen sehr ausgeprägt ist. ‘Obwohl unser Training zuerst belächelt wird, kommen immer mehr Neugierige und schauen zu. Ein allmähliches Umdenken findet statt. Erster Erfolg: Wir dürfen den Sportplatz benutzen.’ Die weiteren Entwicklungen, die sich über zwölf Monate erstreckten, wie ein Testspiel gegen eine halbprofessionelle Frauenmannschaft, Spenden für die hiesige Mannschaft und eine Ligagründung, benennt Schrowange als ‘kleine Erfolgsgeschichte’.

Die wichtigste Komponente ist aber sicherlich die der sozialen Entwicklung der Akteure in Verbindung mit der gesellschaftlichen Interaktion innerhalb der Dorfgemeinschaft: ‘Die Spielerinnen gewinnen enorm an Ansehen im Ort und strotzten so vor Selbstbewusstsein. In der Grund- und Oberschule wird begonnen, Mädchen im Sportunterricht beim Fußball mitspielen zu lassen’.

Dieser Erfahrungsbericht zeigt, dass alleine mit der Ausübung eines Sportes für die Aktiven und die Passiven sowie für den gesamten Geschlechterdialog innerhalb der Dorfgemeinschaft sehr viel zu erreichen ist. Jedoch ist die Nachhaltigkeit dieser Mannschaftsgründung dabei fraglich. Der Autor selbst bekennt, dass nach seiner Abreise die Mädchenmannschaft in dieser Form nur noch einige Monate existierte.

Um das auf die angeführte Theorie aus Kapitel 3.1 zu beziehen, konnte der Fußball auch nur ausgeübt werden, weil alle vier Voraussetzungen gegeben waren. Es ist daher anzumerken, dass der Fußball sicherlich einen Teil zu Toleranz beigetragen hat. Aber ohne die gegebenen Voraussetzungen wären die Bemühungen wahrscheinlich nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Aber dies ist natürlich nur ein Beispiel wie der Sport in den ländlichen Gebieten für Geschlechtertoleranz werben kann. Der Damensport ist allgemein, auch in Europa, eine Geschichte der Verständigung. Schließlich war der Frauenfußball sogar in Deutschland bis Ende der 1950er Jahre verboten.

In zahlreichen TV-Dokumentationen wie ‘Mädchen am Ball’ (1995), in der eine türkische Fußballmädchenmannschaft portraitiert wird oder dem Spielfilm ‘Kick it like Beckham’ (2003), in dem ein britisch-indisches und zugleich fußballerisch hoch talentiertes Mädchen sich aufgrund des Sportes gegen ihr konservatives Elternhaus auflehnt, wird diese Geschlechterproblematik populär thematisiert.

Ein weiteres globales Beispiel ist die 1996 gegründete ägyptische Frauenfußball-Komission beim ägyptischen Fußballverband EFA. In den bereits erwähnten islamischen Ländern wird jeglicher Frauensport von konservativen Kräften per se als ‘unislamisch’ gebrandmarkt. Daher gab es stets große Schwierigkeiten für Frauen, sich sportlich zu betätigen. Trotzdem wollen immer mehr Frauen in der arabischen Welt selbst Fußball spielen und sei es mit einem Kopftuch.

Die Art des Erfolges ist die gleiche wie im ghanaischen Fischerdorf New Ningo. Selbstbewusstsein, Anerkennung anderer Gesellschaftsgruppen, Toleranz und das Recht, Sport ausüben zu können.

Arbeit zitieren:
Kraft, Colin August 2008: Ist Fußball ein Mittel der Entwicklungspolitik?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fußball, Entwicklungspolitik, Sport, Afrika, Weltmeisterschaft 2010

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