Zur Grenze der gegenwärtigen naturalistischen Theorien über den Menschen
Für die pragmatistische Wende in der Philosophie des Geistes
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Nam-Ho Kim
- Abgabedatum: Januar 2010
- Umfang: 40 Seiten
- Dateigröße: 280,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
- Bibliografie: ca. 18
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4081-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kim, Nam-Ho Januar 2010: Zur Grenze der gegenwärtigen naturalistischen Theorien über den Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mysteriums-These, Unlösbarkeits-These, Qualia, Wende, mentale Verursachung
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Bachelorarbeit von Nam-Ho Kim
Einleitung:
Bewusstsein ist ein geheimnisvolles Feuer.
Können wir die grundlegenden Probleme in der Philosophie des Geistes lösen?
Oder sind wir nicht in der Lage, sie lösen zu können, wie die ´New Mysterians´, wie Bieri, Levine, Chalmers, McGinn, Strawson, behaupten? Ich vertrete die Meinung, dass die grundlegenden Probleme in der Philosophie des Geistes (GP) von den erkenntnistheoretischen Lücken zwischen der Wirklichkeit und den Konzepten her nicht gelöst werden können und dass wir es daher ernstnehmen sollten, einen anderen Weg zu finden.
In dieser vorliegenden Studie werde ich Folgendes verdeutlichen: Die den gegenwärtigen naturalistischen Theorien über die mentalen Eigenschaften des Menschen zugrundeliegenden Probleme sind im Grunde unlösbar. Aus diesem Grund stößt die immanente Kritik an dem Naturalismus an ihre Grenzen. Daher benötigen wir neue Kriterien, um solche Theorien besser bewerten zu können.
Um diese Thesen zu belegen, stelle ich die folgenden naturalistischen Theorien auf den Prüfstand: Den christlichen Naturalismus von Josef Quitterer, Günter Rager und Edmund Runggaldier und Den aufgeklärten Naturalismus von Michael Pauen. Um diese unterschiedlichen Positionen besser erörtern zu können, stelle ich die folgende Frage: Kann der Konflikt zwischen Naturalismus und Menschenbild gelöst werden?
Diese Fragestellung ist nützlich, weil die Antwort darauf verdeutlichen kann, worin die theoretischen Unterschiede zwischen ihnen besteht und worin die theoretischen Probleme beruhen. Der Versuch der Antwort auf diese Frage hat selber eine lange Geschichte. Aber seit einigen Jahrzenten wird über die oben genannte Problematik besonders viel diskutiert. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Durch die Erfolge der Gehirnforschung und Neurowissenschaften wurde die Frage ‘Was ist der Mensch?” erneut gestellt. Dabei ist es schwer zu bezweifeln, dass es bei dieser Fragestellung um drei Eigenschaften, die dem menschlichen Wesen zukommen, geht. Das sind das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein und die Willensfreiheit. Das Problem ist, dass die naturalistische Erklärungsweise mit dem Menschenbild nicht vereinbar ist. Die naturalistisch gesinnten Philosophen und Wissenschaftler, wie Paul Chuchland, Wolf Singer, Daniel Denett, usw., sind sich trotz der unterschiedlichen Begründungen darin einig, dass das Selbst und die Willensfreiheit eine Illusion sind. Die Grundforschung in den Neurowissenschaften liefert dafür wichtige Erkenntnisse über das Nervensystem und seine Funktion. Und die Gehirnforschung ist seit langem in der Lage, mithilfe der funktionellen Kernspintomographie Aktivitätszustände, emotionale oder exekutive Abläufe zu untersuchen und bildlich darzustellen. Solche technischen Fortschritte ermöglichen das Verstehen dessen, was sich auf der neuronalen Ebene ereignet. Angesichts der Untersuchungsresultate und Befunde ist es schwer zu leugnen, dass das Gehirn den Naturgesetzen unterworfen ist und dass seine neuronalen Zuständen durch deterministische Naturgesetze beschrieben werden können. In diesem Zusammenhang taucht die Kluft zwischen der Lebenswelt und der Wissenschaft und zwischen dem Naturalismus und dem Menschenbild auf. Können die menschlichen Eigenschaften auf die neuronalen Korrelate reduziert werden? Führt der Naturalismus zur Degradierung des Menschen? Ist die Vereinbarkeit zwischen dem Naturalismus und dem Menschenbild nicht möglich?
Die Position des christlichen Naturalismus behauptet, dass die Lebenswelt und unser Selbst nicht Untersuchungsgegenstände, sondern Voraussetzungen der Wissenschaft und der objektiven Erkenntnisse sind, und dass unser Selbst als ´forma substantialis´ im Rahmen der aristotelischen Seelenlehre verstanden werden kann.
Im Gegensatz dazu behauptet Michael Pauen, dass es eine solche Kluft gar nicht gibt. Eine der zentralen Thesen von Pauen ist, dass es keinen prinzipiellen Gegensatz von Naturalismus und Menschenbild gibt. Bei Pauen führt die naturalistische Erklärung über den Menschen nicht zu einer Degradierung des Menschen, sondern zum besseren Verständnis hinsichtlich der zentralen Eigenschaften des Menschen. Mit dieser Problematik entwickelt Pauen seine Gedanken weiter im mit G. Roth gemeinsam geschriebenen Buch Freiheit, Schuld und Verantwortung. Da verwendet er probeweise einen neuen Begriff für seine Position, also Der aufgeklärte Naturalismus. Dieser Naturalismus vermeidet einerseits die naturalistischen Missverständnisse, die zu einer prinzipiellen Revision unseres Menschenbildes zwingen würden, da sich die zentralen Annahmen über uns selbst als illusionär herausstellen würden, und versucht andererseits aufzuklären, dass es sinnvoll ist, von den zentralen Eigenschaften des Menschen, also dem Bewusstsein, dem Selbst und der Willensfreiheit zu sprechen, und dass unser Menschenbild stabil geblieben ist und vermutlich so bleiben wird, unabhängig von den naturwissenschaftlichen Fortschritten.
Aber die oben genannten beiden naturalistischen Positionen beinhalten Schwierigkeiten. Meine Fragen lauten: Welche Schwierigkeiten gibt es? Gibt es etwa gemeinsame Probleme, welche die naturalistische Position betreffen? Sind die Schwierigkeiten im Prinzip lösbar? Die Antwort darauf in dieser Studie lautet: Die Schwierigkeiten in den gegenwärtigen naturalistischen Theorien haben mit zwei grundlegenden Problemen zu tun. Es handelt sich dabei um das Problem des phänomenalen Bewusstseins und das Problem der mentalen Verursachung. Und diese Probleme können wir nicht lösen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 6 |
| 2. | Der christliche Naturalismus und seine Probleme | 11 |
| 2.1 | Das Selbst als die Voraussetzung der objektiven Kenntnisse | 11 |
| 2.2 | Das Selbst als Kontinuante | 14 |
| 2.3 | Die Schwierigkeiten | 17 |
| 3 | Der aufgeklärte Naturalismus und seine Probleme | 19 |
| 3.1 | Willensfreiheit als Selbstbestimmung | 20 |
| 3.2 | Die neuronale Realisierbarkeit, die Wirksamkeit von Gründen | 21 |
| 3.3 | Die Schwierigkeiten | 22 |
| 3.3.1 | Das Problem der Selbsttäuschungsmöglichkeit | 22 |
| 3.3.2 | Die Unsicherheit des ontologischen Status der Gründe: Ein Paradox | 23 |
| 4. | Zur Unlösbarkeit des Körper-Geist-Problems | 25 |
| 4.1 | Zwei grundlegende Probleme | 25 |
| 4.2 | ´Mysteriums-These´ von Colin McGinn | 28 |
| 4.3 | Das Bewusstsein als ein Medium -Das ´Surrogate-Problem´ | 29 |
| 4.4 | Die metaphorische Strukturiertheit von Konzepten | 31 |
| 5. | Ein neuer Weg statt des Pessimismus von Colin McGinn: Eine pragmatistische Wende in der Philosophie des Geistes | 36 |
| 6. | Abschluss | 37 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 38 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.1, Das Problem der Selbsttäuschungsmöglichkeit:
Das erste Problem bei Pauens Freiheitsmodell ist die sogenannte Selbsttäuschungsmöglichkeit. Meine Frage lautet: Woher kann ich genau wissen, dass ich in der Lage ist, rational nachzudenken? Inwieweit ist das erreichbar?
Nehmen wir einen genialen Komponisten namens James, der an einer manisch-depressiven Erkrankung leidet. James gesteht sich nie ein, dass er diese Erkrankung hat. Seine Stimmung ist im Zeitintervall eines Monats so wechselhaft, als ob er zwei Gesichter wie Janus hätte. Während der manischen Stimmungszustände macht er viele Fernreisen. Sein Hausarzt glaubt, dass er so viele Fernreisen unternehmen kann und muss wegen der geistigen und körperlichen Hyperaktivität, die ein typisches Symptom dieser Erkrankung ist. Trotz aller Überredungskunst seines Arztes trifft der Komponist seine Entscheidung für eine Fernreise aber aus dem Grund, weil er glaubt, dass ihm die Fernreise viele musikalische Inspirationen schenkt. Tatsächlich fallen ihm während seiner Reisen so viele frische musikalische Ideen ein, sodass er nach den Reisen unbedingt einige wunderschöne musikalische Stücke komponieren und vollenden muss. Ist James in diesem Fall in der Lage, freiwillig handeln zu können? Wie erklären die Kompatibilisten plausibel diesen Fall? Michael Pauen könnte erklären, dass es in beiden Fällen nicht um auf Gründen basierenden Entscheidungen geht. Pauen zufolge zeichnen sich handlungsleitende Gründe dadurch aus, dass sie nicht einfach etwas bewirken, so wie ein Reiz oder ein Affekt eine Reaktion herbeiführen, vielmehr vermag eine Person zu ihren Gründen Stellung zu nehmen, sie kann sie akzeptieren oder verwerfen. Für ihn gilt die Handlung aus einem Zufall oder aus einer Präferenz heraus nicht als willensfrei. Pauen kann feststellen: James sei nicht in der Lage, einen bestimmten Grund unter einigen Gründen auszuwählen.
Es ist nämlich normalerweise zu erwarten, dass ich eine Überzeugung aufgeben werde, wenn ich mich auf der Basis von guten Gründen gegen diese Überzeugung entschieden habe. Sollte ich hierzu nicht in der Lage sein, dann würde man nicht von einer Überzeugung, sondern eher von einer fixen Idee sprechen.
Aber wenn dieser Komponist zu mir sagt, dass er die Fernreise unternehmen will und dass das Komponieren seine große Lebensfreude ist, hat er dann wirklich keinen Grund?
Die Fragestellung kann wie folgt umformuliert werden: Es kann eine Situation geben, in welcher der Handelnde nicht nur aus Grund A, sondern auch aus Grund B eine Entscheidung treffen kann. Vor dem Kühlschrank beispielsweise treffe ich die Entscheidung, nicht eine Dose Bier, sondern ein Glas Orangensaft zu trinken. Dafür gibt es möglicherweise zwei Gründe. G A: Weil die Erinnerung mich plötzlich überkam, dass meine Mutter gestern am Telefon zu mir sagte, dass ich zugunsten Gesundheit mehr Orangensaft als Alkohol trinken sollte. G B: Weil ich einfach den neuen Orangensaft probieren wollte. Was ist ein echter Grund in dieser Situation? Ist es der G A oder der G B? Oder geht es um G A und G B? Vielleicht kann man darauf wie folgt antworten: Es ist schon genug, dass es nur einen ausreichenden Grund für eine Entscheidung geben kann. Wenn diese Problemlösung akzeptiert wird, wird die rationale Konzeption des Freiheitsmodells von Pauen in Schwierigkeiten geraten, weil sie impliziert, dass es irgendeinen Grund geben kann, der in dem Handelnden unbewusst wirksam sein kann. D.h. Diese Problemlösung widerspricht dem Konzept des Grundes von Pauen, weil das Grund-Konzept von Pauen von der rationalen Fähigkeit des Überlegens und Abwägens des Handelnden ausgeht.
Die Frage, welche Möglichkeiten für die Problemlösung es gibt, bleibt offen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836640817
Arbeit zitieren:
Kim, Nam-Ho Januar 2010: Zur Grenze der gegenwärtigen naturalistischen Theorien über den Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mysteriums-These, Unlösbarkeits-These, Qualia, Wende, mentale Verursachung




