Schnelligkeitstraining im Fußball
Untersuchungen zur motorischen und kognitiven Komponente der Handlungsschnelligkeit im Training der individuellen und kollektiven Angriffstaktik
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Christian Mosebach
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 77 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- Bibliografie: ca. 58
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3753-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mosebach, Christian August 2009: Schnelligkeitstraining im Fußball, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Schnelligkeit, Schnelligkeitstraining, Handlungsschnelligkeit, Fußball, Taktik
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Bachelorarbeit von Christian Mosebach
Einleitung:
Problem- und Zielstellung:
Der moderne und professionelle Fußball zeichnet sich durch ein hohes Spieltempo aus. Die Anforderungen an den Fußballer, Bewegungen mit und ohne Ball schnellstmöglich und kontrolliert auszuführen, sind erheblich gewachsen. Insbesondere im Angriffsspiel stellt ein schnelles Handeln eine Grundvoraussetzung dar, sich gegen zunehmend aktivere Deckungsarbeit und Unterzahlspiel erfolgreich durchzusetzen. Auch bei der Weltmeisterschaft 2006 und der Europameisterschaft 2008 formten neben taktischer Disziplin, blitzschnelles Umschalten nach Ballbesitz sowie ein schnelles, direktes Spiel in die Angriffszone den Fußball. Der Geschwindigkeitsfußball wird auch das künftige Turnier in Afrika prägen. Diese Entwicklung lässt sich auch an den Spitzenmannschaften im nationalen und internationalen Fußball belegen. So kamen in der Champions League genau diese beiden Mannschaften ins Finale, welche sich durch einen temporeichen, handlungsschnellen Fußball auszeichneten. Nicht ohne Grund spricht der neue Cheftrainer des FC Bayern München, Louis van Gaal, davon, dass ‘Barcelona als das Vorbild’ gelten müsse. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die Teamleistung, sondern eben auch auf ihr präzises, schnelles und daher erfolgreiches Spiel im Angriff. Der FC Barcelona ist sozusagen ein Beweis dafür, dass Spiele auf höchstem Niveau zwar von Taktik bestimmt, aber eben nicht in der Abwehr, sondern im Angriff entschieden werden. Nun kann der VfL Wolfsburg nicht unbedingt mit dem FC Barcelona und Manchester United verglichen werden, aber dennoch dominierte dieser Verein in der vergangenen Saison, besonders in der Rückserie, unsere Bundesliga wie kein Zweiter. Es waren vor allen die beiden Stürmer, welche durch eine schnelle Annahme und Mitnahme des Balls, technische Präzision im Torschuss und einen ausgeprägten Torriecher maßgeblich den Erfolg des Teams bestimmten.
Unter den konditionellen Leistungsvoraussetzungen kommt der Fähigkeit schnell zu sein und schnell zu handeln kontinuierlich größere Bedeutung bei. Nach den Angaben von Verheijen, der Schnelligkeitsstatistiken von niederländischen Profis und A-Junioren erstellte, ist das Spieltempo umso schneller, je höher die Spielklasse im Fußball ist. Dies erfordert eine höhere Handlungsschnelligkeit jedes einzelnen Fußballspielers. Dabei geht es nicht ausschließlich um das Tempo der Spielhandlung, sondern um das Erkennen des geeigneten Momentes dafür. Darüber hinaus muss die Bewegungsausführung zum Zwecke des Spiels präzise und effektiv erfolgen. Die Anforderungen an die Schnelligkeit der Spieler nahmen auch im Laufe der Fußballgeschichte zu. So erhöhte sich unter anderen die Anzahl der kurzen Sprints über eine Distanz bis zu zehn Metern stetig. Während eines Fußballspiels stellen Sprintdistanzen von ein bis fünf Meter die häufigsten Spielaktionen dar, gefolgt von sechs bis zehn Meter Sprints. Zusammen bestimmen sie rund siebzig Prozent der Sprintdistanzen. Die Anzahl der Strecken über zehn Meter stellen dagegen nur einen Bruchteil dar. Auch wenn die Ergebnisse von Verheijen schon einige Jahre zurückliegen, reichen sie aus, um die tendenzielle Entwicklung und die Bedeutung der Schnelligkeit im Fußball auszudrücken. Aus seinen Analysen wird deutlich, dass gerade bei den Angriffsspielern, auf die sich die Arbeit beziehen soll, die Anzahl der Sprints im Gegensatz zu Abwehr- und Mittelfeldspielern wesentlich höher ist. Nach Angaben von Gerisch und Bisanz, welche die Untersuchungsergebnisse von Verheijen fortführten und erweiterten, nehmen Sprintdistanzen bis zwanzig Meter im Spitzenfußball einen Anteil bis zu neunzig Prozent ein. Dabei wird der Sprint mit circa sechzig Prozent meist aus der Bewegung (Gehen, Trab, Lauf, nach kurzer Drehung) eingeleitet.
Ausgehend von Statistiken der Welt- und Europameisterschaft werden in etwa neunzig Prozent der Tore im Strafraum erzielt. Da hier die Abwehrspieler oft sehr nah am Angreifer stehen (mit Körperkontakt), ist schnelles Handeln erforderlich. Insgesamt fallen die meisten Tore mit nur einem, maximal zwei Ballkontakten. Neben der technischen Präzision des Torschusses ist folglich die schnellstmögliche Ballverarbeitung im Strafraum zu trainieren.
Obwohl die konditionellen Anforderungen zunehmen (seit den 60er Jahren hat sich laut Weineck die durchschnittliche Laufleistung pro Spiel mehr als verdreifacht), wächst die Nachfrage nach schnellen und beweglichen Spielern. Auch international steigen die Anforderungen an eine ‘hohe Spielhandlungsschnelligkeit’. Das höhere Spieltempo und die intensivere Abwehrarbeit (frühes Stören, Gegenspieler doppeln, geschicktes Zustellen) erhöhen den Zeitdruck des Angriffsspielers für Spielaktionen und verlangen eine zunehmende Ausprägung der Handlungsschnelligkeit.
Anliegen der Arbeit:
Die auf Literaturstudium beruhende Arbeit soll einen Beitrag zur Effektivierung des Schnelligkeitstrainings leisten. Sie beschäftigt sich besonders mit den Komponenten, welche die Spieler erst in die Lage versetzen, schnell und effektiv zu Handeln. Maßgeblich möchte ich dabei auf die komplexeste Form der Schnelligkeit eingehen – die Handlungsschnelligkeit. Diese drückt sich sowohl in einer schnellen, zielgenauen und sinnvollen Bewegungshandlung aus. Genau dieser allbekannte eine Schritt zu spät, die oft zitierte und ausschlaggebende Fußspitze, die eine Idee zu langsam am Ball, eine Sekunde der Unentschlossenheit oder schlicht das Fehlen von Alternativmöglichkeiten sind oft das Zünglein an der Waage, um ein Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden, oder es verloren geben zu müssen. Auch im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen und Anforderungen im Fußball, muss dem Training der Handlungsschnelligkeit besondere Aufmerksamkeit zukommen. Dabei sollen neben den motorischen, insbesondere die Bedeutung der oft unterschätzten und im Trainingsprozess vernachlässigten kognitiven Komponenten der Handlungsschnelligkeit erläutert und diskutiert werden. Aus diesen Erkenntnissen möchte ich Spiel- und Wettkampfformen entwickeln, um ein bestmögliches und effektives Training der Handlungsschnelligkeit in hohen Spielklassen zu optimieren.
Wie und in welchem Maße sollte aber eine Schulung der Handlungsschnelligkeit im Schnelligkeitstraining erfolgen? Welche Rolle spielt dabei der Zusammenhang zwischen den Faktoren Schnelligkeit und Genauigkeit im fußballspezifischen Handeln? Wodurch werden diese Faktoren begünstigt und inwiefern müssen sie für einen förderlichen Trainingsprozess aufgearbeitet werden? Diese Problemstellungen sollen im weiteren Verlauf beantwortet werden.
Einige Autoren wie G. und I. Konzag, O. Berthold sowie H. Schellenberger befassten sich bereits sehr früh und intensiv mit der Fähigkeit, schnell und effektiv in Sportspielen zu handeln. Auch in jüngster Zeit besteht die Auseinandersetzung mit dieser Schnelligkeitsform.
Mit der vorliegenden Literaturarbeit soll der aktuelle Wissensstand zur fußballspezifischen Handlungsschnelligkeit zusammengetragen und aufgearbeitet werden, um einen derzeitigen Überblick zur angesprochenen Thematik zu erhalten. Da solche Arbeiten bisher fehlen, soll nun eine Verknüpfung von älteren und neueren Untersuchungen aufgezeigt werden, um daraus methodische Ableitungen für ein Training der Handlungsschnelligkeit im Fußball zusammenzufassen.
Aufbau der Arbeit:
Die vorliegend Arbeit ist in neun Punkte aufgliedert. Zu Beginn wird in das Thema eingeleitet. Dabei soll insbesondere die Problem- und Zielstellung der Arbeit verdeutlicht werden (vgl. Gliederungspunkt 1). Im zweiten Punkt sollen die verschiedenen Leistungsvoraussetzungen im Fußball kurz gekennzeichnet werden. Anschließend erfolgt in Punkt 3 eine Vorstellung der Mittel zur individuellen und kollektiven Angriffstaktik. Diese bilden den Ausgangspunkt für den Trainingsmittelkatalog. Im Gliederungspunkt 4 soll auf einige grundlegende Aspekte der Schnelligkeit und deren Training im Fußball eingegangen werden, um im Anschluss daran die Handlungsschnelligkeit zu charakterisieren (vgl. Gliederungspunkt 5). Dabei sollen sowohl die motorischen, als auch die kognitiven Komponenten sowie deren Bedeutung für die Handlungsschnelligkeit beschrieben werden. Darauf aufbauend werden im sechsten Punkt praktische Ableitungen für das Training der Handlungsschnelligkeit getroffen. Im Gliederungspunkt 7 erfolgen eine Zusammenfassung und ein Ausblick. Am Schluss meiner Arbeit stehen das Literaturverzeichnis (vgl. Gliederungspunkt 8), die Eigenständigkeitserklärung (vgl. Gliederungspunkt 9) und der Anhang mit Spiel- und Wettkampfformen (vgl. Gliederungspunkt 10).
Die nun folgenden Ausführungen beziehen sich auf ein Fußballtraining im Erwachsenenbereich, wobei der Fußballer bereits über gute technisch-taktische und konditionelle Leistungsvoraussetzungen verfügen soll.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problem- und Zielstellung | 1 |
| 1.2 | Anliegen der Arbeit | 3 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | Leistungsvoraussetzungen im Fußball | 5 |
| 2.1 | Der konditionelle Leitungsfaktor | 5 |
| 2.2 | Der koordinative Leitungsfaktor | 5 |
| 2.3 | Der konstitutionelle Leitungsfaktor | 5 |
| 2.4 | Der technisch-taktische Leistungsfaktor | 6 |
| 2.5 | Der psychisch-kognitive Leitungsfaktor | 6 |
| 3. | Individuelle und kollektive Angriffstaktik | 7 |
| 3.1 | Individualtaktik Angriff | 7 |
| 3.2 | Kollektivtaktik Angriff | 8 |
| 4. | Schnelligkeit | 10 |
| 4.1 | Begriffsbestimmung | 10 |
| 4.2 | Formen der Schnelligkeit | 10 |
| 4.3 | Einflussgrößen und Leistungskomponenten | 12 |
| 4.4 | Schnelligkeitstraining im Fußball | 13 |
| 4.4.1 | Allgemeine Grundlagen des Schnelligkeitstrainings | 13 |
| 4.4.2 | Prinzipien | 13 |
| 4.4.3 | Ziele | 14 |
| 4.4.4 | Methoden | 14 |
| 4.4.5 | Trainingsmethodische Orientierungen | 15 |
| 4.5 | Konsequenzen für die Trainingspraxis | 16 |
| 5. | Handlungsschnelligkeit | 18 |
| 5.1 | Definition und Bedeutung | 18 |
| 5.2 | Zusammenhang von Handlungsregulation und Handlungsschnelligkeit | 20 |
| 5.3 | Komponenten der Handlungsschnelligkeit | 23 |
| 5.3.1 | Motorische Komponenten | 24 |
| 5.3.1.1 | Kondition | 24 |
| 5.3.1.2 | Koordination | 25 |
| 5.3.2 | Kognitive Komponenten | 26 |
| 5.3.2.1 | Wahrnehmung | 26 |
| 5.3.2.2 | Antizipation | 27 |
| 5.3.2.3 | Entscheidung | 28 |
| 5.3.2.4 | Aufmerksamkeit und Konzentration | 30 |
| 5.3.2.5 | Motivation und Willenskraft | 30 |
| 5.3.2.6 | Reaktion | 31 |
| 5.3.2.7 | Belastungswirkungen auf kognitive Leistungsvoraussetzungen | 32 |
| 5.3.3 | Schlussfolgerungen zu den kognitiven Komponenten | 33 |
| 5.3.4 | Zusammenspiel der beiden Komponenten | 35 |
| 5.4 | Lernphasen | 36 |
| 5.5 | Steuerungs- und Regelprozesse | 36 |
| 6. | Praktische Ableitungen für ein fußballspezifisches Training der Handlungsschnelligkeit | 38 |
| 6.1 | Methoden | 38 |
| 6.2 | Methodische Hinweise zur Entwicklung der Handlungsschnelligkeit | 39 |
| 7. | Zusammenfassung und Ausblick | 43 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 44 |
| 9. | Eigenständigkeitserklärung | 50 |
| 10. | Anhang (Trainingsmittelkatalog) | 51 |
| 10.1 | Anmerkungen und Aufbau des Trainingsmittelkatalogs | 51 |
| 10.2 | Zeichenerklärung | 53 |
| 10.3 | Wettkampfübungen zur individuellen Angriffstaktik | 54 |
| 10.4 | Spielformen zur kollektiven Angriffstaktik | 63 |
Textprobe:
Kapitel 5.3.2, Kognitive Komponenten:
Schnelligkeit ist hauptsächlich eine Kopfsache. Die Erkenntnis, dass Siege im Kopf entschieden werden ist sicher nicht neu. Insbesondere wenn Fußball auf hohem Niveau gespielt wird, wächst die Bedeutung schnellen und präzisen Handelns. Und tatsächlich liegen die größten Reserven zur Steigerung der Qualität der Handlungsschnelligkeit in der Ausbildung kognitiver Prozesse. Auch nach Schnabel et al. sollten für die Schulung der Handlungsschnelligkeit insbesondere die informationsverarbeitenden Vorgänge verbessert werden, ‘da diese etwa 70-80 % des Zeitbedarfs für die Lösung von technisch-taktischen Situationen ausmachen und vorhandene Defizite durch die motorische Realisierung nicht kompensierbar sind’.
5.3.2.1, Wahrnehmung:
Die Wahrnehmung einer fußballtypischen Spielsituation stellt den ersten Kernpunkt zur Optimierung der Handlungsschnelligkeit dar. Um zu reagieren, zu entscheiden und schließlich zu handeln muss die jeweilige Spielsituation erkannt, also wahrgenommen werden. Dies erfolgt über Analysatoren. Ex-afferente und re-afferente Informationen bestimmen dabei die Spielerhandlung. Zum einen nimmt der Fußballer Reize von außen auf, zum anderen erhält er Angaben über die durchgeführte Spielaktion. Diese bewussten und unbewussten Signale vermitteln dem Fußballer ein Bild der Fußballsituation. Im Gehirn werden nun die für die Lösung dieser Situation möglichen Handlungsschritte bereitgelegt. Lag so eine Spielsituation in der Vergangenheit vor, wird der Fußballer schnell die korrekte Bewegung ausführen, ansonsten muss er eine für sich richtige Handlung auswählen. Eine erfolgreiche Handlung wird im Gedächtnis abgespeichert und ist abrufbereit. Aus diesem Grund muss das Training der Handlungsschnelligkeit in spielerischer Form erfolgen. Aus den unterschiedlichen Spielsituationen können Bewegungsprogramme entstehen die jederzeit abrufbar sind. Ein ausreichendes Repertoire an Lösungsalternativen kann so ein schnelleres Handeln ermöglichen. Zur Optimierung der Bewegungs- bzw. Handlungsschnelligkeit erscheint es daher zunächst günstig, ein sportartspezifisches Bewegungsprogramm zu erlernen. Im zweiten Schritt müssen die Bewegungsparameter (z. B. Bewegungsgeschwindigkeit, -amplitude, -impuls und -präzision) ausgeformt werden.
Zur Ausbildung der Bewegungsprogramme von Handlungsabläufen ist das Training unter möglichst störungsfreien, standardisierten Bedingungen durchzuführen. Nachdem die Bewegungsprogramme erfolgreich gelöst und abgespeichert wurden, muss im zweiten Schritt die Wettkampfmäßigkeit hergestellt werden.
Über viele Etappen werden die Sinnesreize durch den Fußballer verarbeitet. Die Schnelligkeit von Bewegungshandlungen wird zunehmen, je geschulter unsere Wahrnehmung ist. In situativen Sportarten werden hohe Anforderungen an unsere Wahrnehmungsfähigkeit gestellt. Feststehend Objekte (Tor, Spielfeld) sind ebenfalls zu erfassen wie die Bewegung des Gegners, Mitspielers und des Balls sowie der eigenen Handlung. Bei einem guten Spieler muss die Qualität der Wahrnehmung besonders hoch sein. Denn nur so kann er in vielschichtigen Situationen den Überblick bewahren und infolgedessen seine Entscheidung bezüglich der künftigen Spielaktion treffen. Aus einer Vielzahl von Sinnesinformationen muss der Fußballer die zur Lösung der Spielsituation notwendigen Informationen herausfiltern. Im diesem Zusammenhang wird oft von der ‘Spielintelligenz’ gesprochen, welche durch die Qualität dieser Prozesse bestimmt wird.
5.3.2.2, Antizipation:
Die Handlungsschnelligkeit wird entscheidend von der Fähigkeit beeinflusst, ein Spiel zu lesen, Situationen vor dem Gegner zu deuten. Wie bereits erwähnt können aufgabenspezifische motorische Programme durch Erfahrung und Wissen ausgebildet und abgespeichert werden. Ein Fußballspiel unterliegt ständig wechselnden Situationen. Für die Programmentwicklung ist demzufolge auch eine Antizipation, die ‘gedankliche Vorwegnahme’ der Fußballaktion erforderlich. Fußballhandlungen können somit (reaktions-)schneller und effizienter ausgeführt werden. Ein ballführender Spieler antizipiert beim Umspielen des Gegners seine eigene (Täuschungs-) Bewegung, das Verhalten des Gegners, die Bodenverhältnisse und/oder den weiteren Ballverlauf. Da ein Fußballspieler bei weiten mehr als neunzig Prozent der Spielzeit Fußballhandlungen ohne Ball bewältigt, ist ein vorausblickendes und präzises Verhalten notwendig.
Nach Weineck ermöglicht nur ein frühzeitiges antizipieren das rechtzeitige Reagieren und Vorbereiten der eigenen Handlung. Voraussetzung ist wieder ein Erkennen und Abrufen möglicher Spielkonstellationen aus dem Gedächtnis. Oehsen spricht dabei von einem ‘Spielimpuls-Auslöser’. Der Angreifer erkennt die Doppelpassmöglichkeit der gegnerischen Abwehrspieler und sichert (vorerst gedanklich) den Raum ab um bei eventuellem Abspiel entscheidend zum Ball zu sprinten. Ein Fußballer mit einer gut ausgeprägten Antizipationsfähigkeit darf aber auch nicht zu vorschnell antizipieren, um sich beispielsweise bei Körpertäuschungen des Gegenspielers nicht zu verrechnen. Um solch eine Vorwegnahme optimal ausnutzen zu können, muss die Zeit vor der Reaktion 1,5 Sekunden betragen.
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836637534
Arbeit zitieren:
Mosebach, Christian August 2009: Schnelligkeitstraining im Fußball, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Schnelligkeit, Schnelligkeitstraining, Handlungsschnelligkeit, Fußball, Taktik




