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Kinderarmut in deutschen Sozialreportagen

Kinderarmut in deutschen Sozialreportagen
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Claudia Hörnicke
  • Abgabedatum: März 2009
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 591,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
  • Bibliografie: ca. 66
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3554-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hörnicke, Claudia März 2009: Kinderarmut in deutschen Sozialreportagen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sozialreportage, Kinderarmut, Fernsehreportage, Authentizität, Zuschauer

Magisterarbeit von Claudia Hörnicke

Einleitung:

Vorstellung der Arbeit:

‚Was Not ist, wissen die hier nicht!’ Eine Mittvierzigerin stürmt mit hochrotem Kopf auf den überfüllten Flur des Sozialamtes. […] Elfriede B. wollte heute neue Schuhe für ihre Kinder und sich beantragen. ‚Sechzig Mark dürfen die kosten. Vier Jahre sollen die halten. Zeigen Sie mir doch mal, wo man heute Schuhe für dieses Geld bekommt, die so lange halten’.

Auch Andrea Thiel geht mit ihren Kindern […] zum Mittagessen in die ‚Arche’. [Bei] Familie Thiel [reicht] das Geld ganz oft nicht bis zum Monatsende. […] ‚Wir sind schon jetzt am Überlegen, wie wir das mit Weihnachten hinkriegen.’, sagt Thiel.

Zwischen den beiden Äußerungen liegen ganze 24 Jahre. Die Aussage aber bleibt die Gleiche. Den Kindern in Deutschland geht es schlecht und dass dies nicht erst seit kurzem so ist, beweisen uns Zeitungsartikel und Fernsehberichte aus mehreren Jahrzehnten. Die Große Not der Kleinen hat ihren Weg endlich in die Öffentlichkeit gefunden. Das Interesse der Gesellschaft am Thema Kinderarmut und Verwahrlosung war nie zuvor so groß. Und was die Aufmerksamkeit erregt, will genau beobachtet sein. Armes reiches Land heißt es nun. Kinderarmut ist kein Tabuthema mehr, im Gegenteil. In der Politik wird es heiß diskutiert, in den Medien finden immer mehr Betroffene ein offenes Ohr. Schnell gelangen Streitigkeiten mit den zuständigen Ämtern an die Öffentlichkeit. Vor allem im Fernsehen wird die Thematik in Dokumentationen und Reportagen vermehrt aufgegriffen. Die Sozialreportagen wollen über die Missstände in der Gesellschaft aufklären. Wie und ob sie dies schaffen, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Anhand von praktischen Filmbeispielen werde ich folgenden Fragen nachgehen und mich dabei vor allem an der ausgewählten Thematik orientieren. Wie wird Armut in den Reportagen im Fernsehen dargestellt? Kommen die Berichte glaubwürdig herüber oder wirken sie inszeniert? Werden Stereotype bestätigt oder sogar verstärkt? Sind die gezeigten Emotionen echt und wie reagieren die Zuschauer auf das Format? Was ist eine Sozialreportage und wie wird sie gemacht? Wie sieht Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt aus?

Die Wahl dieses Schwerpunktes hängt stark mit seiner Aktualität zusammen. Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge und persönliche Gespräche im Bekanntenkreis über finanzielle Engpässe begleiten einen Tag für Tag. Besonders auffallend waren hierbei die Berichte aus dem Fernsehen, die sich im Gedächtnis festsetzten. Gleichzeitig rückte eine Debatte in den Vordergrund, die sich mit dem Begriff Unterschichtenfernsehen einen Namen machte. Zum einen ging es hier um die Unterschicht als Konsument bestimmter Fernsehsender und Fernsehbeiträge, zum anderen aber auch um das Auftreten derselben in den Medien. Im Mittelpunkt der Sozialreportage stehen vor allem Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Die ‘gute, alte Sozialreportage’, ist plötzlich wieder im deutschen Fernsehen präsent. Das letzte Mal wurde sie in den 70er Jahren wahrgenommen. Doch welchen Ursprung hat sie und welche Entwicklungen musste sie durchlaufen? Dies soll in den theoretischen Vorüberlegungen der Arbeit geklärt werden. Des Weiteren ist ein Überblick über die Situation der Kinder in Deutschland wichtig. Nur wenn man weiß, von welcher Armut gesprochen wird, ihre Ursachen und Erscheinungsformen kennt, kann man sich mit dem Thema in ausgewählten Reportagen objektiv auseinandersetzen und Falschinformationen aufdecken. Die Analyse wird nach einem bestimmten Muster erfolgen. Grundlage bilden die Fernsehanalysen von Eva Dreckmeier in ihrem Buch ‘Aspekte der Fernsehberichterstattung’, in dem sie sich u.a. mit der Sendereihe Die Reportage des ZDF beschäftigt. Sie setzt sich nicht nur mit einzelnen Reportagen auseinander, sondern wirft vorher einen Blick auf das Gesamtkonzept der Sendereihe. Ihre Schwerpunkte sind dann die visuelle und auditive Gestaltung der ausgewählten Reportagen, ihre inhaltliche Umsetzung, ihre Dramaturgie und ihr Authentizitätscharakter. Ergänzt wird die Analyse durch Anmerkungen von Benedikt Berg- Walz. Die Frage des Pilatus, die er, in seinem Werk anführt, hatte ich während meiner Arbeit öfter im Kopf, sie lautet:

‘Eine Wahrheit? Oder die Wahrheit? Was für eine Wahrheit’?

Selbst im Hinblick auf dokumentarische Filmbeiträge kann man nicht davon ausgehen, dass das was man sieht, der Wirklichkeit entspricht. Zu erkennen, wo von außen mithilfe von medialen Gestaltungsmitteln und geschickten inhaltlichen Veränderungen das ursprüngliche Bild, die ursprüngliche Geschichte abgeändert wurde, ist die Aufgabe einer guten Analyse.

Die Darstellung privaten Lebens im Fernsehen ist in den letzten Jahren zum regelrechten Quotenbringer avanciert. Unter dem Begriff Reality- TV konnte jeder freiwillig oder unfreiwillig in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Warum aber dieses Genre ins Spiel bringen, wenn man sich doch eigentlich mit Sozialreportagen auseinandersetzen will? Ein Grund dafür ist sicherlich, dass immer mehr ‘alte’ Programmformen sich an den Eigenschaften dieses noch recht jungen Sendeformats orientieren. Auch hier wird versucht die Wirklichkeit möglichst genau abzubilden. Es werden Situationen forciert, die für den Zuschauer attraktiv sind. Wird bei Reportagen auf eine sachliche Berichterstattung geachtet, die den Zuschauer über eine Situation aufklären soll und ihn informiert, rücken im Reality- TV Dramatik und Emotionalisierung in den Mittelpunkt. Hierzu gehören beispielsweise Gefühlsausbrüche normaler Personen oder etwa die Verhinderung eines spektakulären Verbrechens durch die Polizei. Diese Situationen sollen möglichst wenig inszeniert wirken. Allerdings sind Person, Situation und Drehort vorher ausgewählt, um somit den gewünschten Effekt herbeizuführen. Diesen Eingriff in die Wirklichkeit umgehen Reportagen, die Inszenierung ist vor allem im Dokumentarfilmbereich nicht gern gesehen. Magazinformate vereinen geschickt Merkmale einer Reportage und des Reality- TV’s. Sie finden häufig ihren Platz im Privatfernsehen, werden aber auch immer mehr für die öffentlich- rechtlichen Programme in Betracht gezogen. Für meine Analysearbeit wird es interessant sein, herauszufinden, ob in den ausgewählten Beispielen mit Elementen wie Emotionalisierung, Stereotypisierung und Inszenierung gearbeitet oder aber das wirkliche Abbild der Geschichte eingefangen wird. Die Kamera nur das filmt, was sie vorfindet, der Reporter die Wahrheit erzählt und nicht zusätzlich ins Geschehen eingegriffen wird. Deshalb werde ich unter Punkt 3 die verschiedenen Analysepunkte näher vorstellen und diese später unter Punkt 4 an den ausgewählten Reportagen überprüfen.

Welche weiteren Faktoren können bewusst oder unbewusst eine Reportage beeinflussen? Werden beispielsweise bestimmte Strategien eingesetzt, um den Rezipienten an ein Format zu binden? Gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Reportagen der privaten und der staatlichen Sender? Unter Punkt 5 soll deshalb auch auf die Wechselbeziehungen zwischen Zuschauer und Fernsehen eingegangen werden. Wer schaut die aufgeführten Reportagen und aus welchen Anlass? Wie vereinen sich diese Beweggründe mit den Absichten der TV-Sender oder verfehlen diese ihre Ziele? Welches Format kommt bei den Zuschauern besser an? Wer bietet ihnen Identifikationspotenzial, wer regt zum Nachdenken an, wer forciert bloße Unterhaltung oder gar Voyeurismus?

Am Ende wird es interessant sein, zu beobachten, wie die Reportage sich unter diesen Gesichtspunkten weiterentwickeln wird und ob sie ihrem ursprünglichen Anspruch gerecht werden kann. Geht es der Sozialreportage im deutschen Fernsehen immer noch um die Aufklärung über soziale Missstände und wie weit kann sie überhaupt analytische und gesellschaftskritische Ansprüche erfüllen? Dies soll abschließend in Punkt 6 näher erörtert werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Vorstellung der Arbeit 3
1.2 Die Unterschicht und das Fernsehen 7
1.3 Die Fernsehreportage und das Thema Kinderarmut in Deutschland 9
2. Theoretische Vorüberlegungen 13
2.1 Die Sozialreportage 13
2.1.1 Zum Einstieg 13
2.1.2 Die Geschichte der Reportage 14
2.1.3 Die Entwicklung der Fernsehreportage 18
2.2 Armutszeugnis: Kinderarmut im reichen Europa 24
2.2.1 Kurze Einführung in die aktuelle Lage in Europa am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland 24
2.2.2 Kinderarmutsstudien aus Deutschland - Ursachen - Erscheinungsformen - Gegenmaßnahmen 26
3. Vorstellung der Analysepunkte 31
3.1 Die Analyse dokumentarischer Fernsehbeiträge 31
3.1.1 Inszenieren von ‘Wirklichkeit’ - Die Problematik der Authentizität 33
3.1.2 Die Emotionalisierung oder ‘Dramatizing the real’ 39
3.1.3 Zwischen Personalisierung, Identifikation und Stereotypisierung 43
3.2 Exkurs: Die Rolle des Reporters 48
4. Analyse aktueller Sozialreportagen mit der Thematik: Kinderarmut in Deutschland 53
4.1 Zum Einstieg 53
4.1.1 ARD Exclusiv Die Reportage: Eine Familie und ihre Helfer vom Amt 55
4.1.2 VOX Spiegel TV Extra: Kaum Geld und trübe Aussichten- Kinderarmut in Deutschland 67
4.1.3 Pro7 We are family! - So lebt Deutschland: Heute fange ich mein neues Leben an! 78
5. Das Fernsehen und seine Zuschauer 88
5.1 Wer schaut? 88
5.2 Wirkungsabsichten 96
5.2.1 Information und Aufklärung 97
5.2.2 Unterhaltung und Voyeurismus 101
5.2.3 Emotionales Erleben und Identifikation 104
6. Schlussbetrachtungen 108
6.1 Wird die Sozialreportage ihrem Anspruch gerecht? 108
6.2 Entwicklungsausblick 111
7. Fazit 113
8. Literaturverzeichnis 116
9. Anhang 126

Textprobe:

Kapitel 5.2.2, Unterhaltung und Voyeurismus:

Das Fernsehen steht neben einer Vielzahl medialer und nicht- medialer Aktivitäten. ‚Fernsehen als Unterhaltung kann damit auch als spielerische Aneignung von Welt gesehen werden, die sich unter den Bedingungen der Befreiung vom Alltagsstress im Rahmen des Alltags und der Lebenswelt vollzieht’.

Aber Unterhaltung bis zum Tod? Im Buch Fernsehland ließ sich der Autor auf sarkastische Art und Weise auf das Thema des Voyeurismus ohne Grenzen ein. Die Quoten waren stets wichtiger als das Wohlbefinden des gezeigten Menschen.

,Was soll das heißen? Können wir nicht mehr mit ihm drehen? Mein Produktionsleiter plant schon das Team! – Bist du noch zu retten? Der Mann stirbt vielleicht. An Dreharbeiten ist überhaupt nicht mehr zu denken’!

Ohne Rücksicht auf Verluste wird auf alles und jeden die Kamera gehalten, um die Sensationsgier der Zuschauer zu befriedigen. Gibt es doch die meisten Zuschauerbriefe und Diskussionen, wenn eine möglichst kontroverse Sendung über den Bildschirm lief. Zuschauer scheinen es zu lieben über andere zu urteilen oder in das Leben anderer Einblick zu erhalten. ‘Die Faszination des Einblicks in fremdes Leben hat natürlich etwas von sozialem Voyeurismus an sich.’ Da wird schon mal nachgefragt, ob sich denn das Jugendamt endlich eingeschalten hätte, weil die Mutter augenscheinlich zu dumm, zu faul und zu fett wäre, jemals wieder aus ihrer Situation herauszukommen.

Wenn Personen im Fernsehen ihr Leben preisgeben, müssen sie damit rechnen, dass am Schnittplatz die Aufnahmen so zusammengestellt werden, dass der Zuschauer ein falsches Bild von dem Geschehen bekommt.

In vielen Fällen, beispielsweise in Reality-Dokus (We are family) oder Formaten wie DSDS (Deutschland sucht den Superstar – RTL) werden die Leute absichtlich vorgeführt und lächerlich gemacht, bzw. sie machen sich selbst lächerlich. Beim Zuschauer erzeugt das dann ein Gefühl von Erhabenheit, es erhöht das eigene Selbst in dem Moment, wo andere sich eben zum Affen machen. Genau deswegen sind diese Sendungen vermutlich erfolgreich. Weil man über andere (abschätzig) lachen kann und sich selbst dadurch besser fühlt. Der Mensch ist von sich aus voyeuristisch veranlagt und sensationsbesessen. Der gesunde Menschenverstand scheint des Öfteren auszusetzen, wie sonst lässt sich beispielsweise das Gaffer Phänomen erklären? Und auch vor dem Fernseher sitzen die meisten und gaffen. Danach wird manchmal darüber diskutiert und gestritten was man ändern sollte, doch darüber hinaus aktiv wird kaum einer. ,Gibt es überhaupt noch Bereiche oder Situationen, die nicht gezeigt werden, bei denen die Journalisten die Kamera ausschalten?’ Was darf man drehen und was nicht? TV- Produzent Michael Schomers hat erkannt, dass es bei dem weit verbreiteten Voyeurismus bis hin zum Exhibitionismus schwierig ist in bestimmten Momenten die richtige Entscheidung zu treffen. Manchmal muss man die Personen vor sich selbst schützen, weil diese die Auswirkungen ihres Verhaltens vor der Kamera nicht einschätzen können. Wichtig ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Medium Fernsehen und der Macht die es hat. Dazu gehört mindestens den Menschen, die sich filmen lassen, deutlich klar zu machen, auf was sie sich einlassen. ‘Diskussionen um die menschliche Würde, den Schutz der Persönlichkeit, um Ethik und Moral finden hier ihren Rahmen.’ Genauso muss man sich aber auch im Klaren sein, dass der Einsatz einer Kamera oder die bloße Anwesenheit eines Journalisten eine bestimmte Situation erst auslösen kann. Personen im Reality- TV werden oft als Produkt oder Ware gehandelt. Die Produzenten verfolgen mit ihrer Sendung natürlich kommerzielle Interessen. Echte Personen, echte Dramen, richtiges Blut und Tränen ergeben eine bessere Zuschauerresonanz. Reality- TV Sendungen sind auch nicht so kostenintensiv und locken eine große Anzahl an Zuschauern an, was wiederum die Werbemacher anlockt, zu den Ausstrahlungszeiten ihre Produkte zu präsentieren. Reality- TV Gegner sehen in ihnen nur die zur Schaustellung in Not geratener Menschen. ,Diese Darstellung von Leid im Fernsehen trage `zur weiteren Abstumpfung, zur Entsolidarisierung und zur Gewaltbereitschaft des sozialen Denkens und Verhaltens bei.’ Die Sender würden auf den Voyeurismus der Zuschauer spekulieren, was in einem nicht mehr hinzunehmenden Sensationsjournalismus endet. Es handele sich hierbei um die öffentliche Befriedigung von Gafferlust. Die Grenze ist eindeutig überschritten, wenn Personen in böser Absicht bloßgestellt werden. Identifizierbare Berichterstattungen sollten deshalb im Einzelfall abgewogen werden und die Anonymität gewahrt bleiben. ,,Der Mensch muss immer Zweck an sich selbst bleiben, denn es widerspricht der menschlichen Würde, einen Menschen zum bloßen Objekt zu machen.’ Befürworter meinen, dass Reality- TV den prosozialen gesamtgesellschaftlichen Interessen dient. Es würde nur in Form authentischer Reportagen versucht, journalistische Wirklichkeit zu vermitteln. Es wird darauf verwiesen, dass durch viele Reality- TV Formate u.a. in informativer Weise Handlungskompetenz zur Selbst- und Fremdhilfe vermittelt werden. Beide Seiten beruhen allerdings nur auf Mutmaßungen. Außerdem sollte man immer zwischen Sensationslust und Neugier unterscheiden. Zudem kann eine zu geringe Anteilnahme am Geschehen dazu führen, dass dem Rezipienten unterstellt wird, Tragödien anderer nicht im würdigem Maße zur Kenntnis zu nehmen. Auch der […] einzelne Rezipient [ist] ein Individuum mit einer so vielschichtigen Persönlichkeitsstruktur, dass durch die Betrachtung einer (Reality-) Fernsehsendung und die damit einhergehenden akustischen und optischen Mitteilungen nicht ausschließlich ein komplexes Bedürfnis befriedigt wird. Vielmehr ist die Persönlichkeitsstruktur des Individuums so vielschichtig wie seine Reaktion auf einen Kommunikationsprozeß.

Ein Millionenpublikum kann keine homogene Einheit bilden, auf die eine Sendung identische rezeptive Wirkungen hat. Je nach Alter, Geschlecht, Intelligenz, politischer Einstellung, sozialer Situation, tatsächlicher und angestrebter Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, Kenntnissen, Vorstellungen, Erwartungen, Wertesystemen, psychischer Stabilität und der augenblicklichen Verfassung erzielt ein und dieselbe Kommunikation unterschiedliche Wirkungen.

Arbeit zitieren:
Hörnicke, Claudia März 2009: Kinderarmut in deutschen Sozialreportagen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sozialreportage, Kinderarmut, Fernsehreportage, Authentizität, Zuschauer

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