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Einleitung:
„Planst Du für ein Jahr, so säe Korn, planst Du für ein Jahrzehnt, so pflanze Bäume, planst Du für ein Leben, so bilde Menschen.“ Kuan Tzu, 7. Jahrhundert v.Chr.
Dieses alte Zitat ist heute kritisch zu betrachten. Vor dem Hintergrund der globalen ökologischen und soziologischen Krise – Beck spricht von der „Risikogesellschaft“ - würde man wohl eher Rat suchen, was zu tun sei, um die (Welt-)Gesellschaft über das eigene Leben hinaus dauerhaft überlebensfähig zu machen, nicht nur für „ein Leben“. Auch ist der Vorschlag „so bilde Menschen“ zu hinterfragen, wenn man die Bedeutsamkeit des eigenen, freien Willens von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen berücksichtigt und miteinbezieht, dass der Mensch nie auslernt, sondern sich sein Leben lang weiter entwickelt. So würde ein vergleichbarer Vorschlag heute möglicherweise eher lauten: „Planst du über dein Leben hinaus, so unterstütze die Menschen darin, ihr Leben lang zu lernen.“ Damit verbunden müssen inhaltliche Überlegungen angestellt werden: Was muss gelernt werden und mit welchen Fragestellungen muss man sich auseinandersetzen, um dem Ziel einer zukunftsfähigen, nachhaltig lebenden Gesellschaft näher zu kommen?
Für die Zeit aus der es stammt, kann man jedoch feststellen, dass dieses Zitat bereits recht umsichtig ist. Anstatt sich bei der Zukunftsplanung rein auf wirtschaftliche Mittel zu beschränken, wird hier nahe gelegt, auch den Aspekt der Bildung zu berücksichtigen.
Welche Bedeutung hat also Bildung für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft und Umwelt? Wie können Individuen dauerhaft dazu motiviert werden, sich für gemeinschaftliche und langfristige Ziele einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung einzusetzen? Welche Kompetenzen sind für erfolgreiches Engagement für eine nachhaltige Entwicklung vonnöten?
Seit nunmehr fast zehn Jahren findet eine intensive Beschäftigung mit Fragen der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ statt. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wird seitdem als eigenständiger Bildungsansatz betrachtet. Diesem liegt eine langwierige Konzeptentwicklung zugrunde, deren Wurzeln sich wiederum in der Entstehung des Leitbilds „nachhaltige Entwicklung“ finden. In den letzten zwanzig Jahren hat es sich „weltweit zu dem zentralen Begriff entwickelt, anhand dessen über die zukünftige Entwicklung der Menschheit diskutiert wird.“ Seitdem wurden vielfältige Programme und Projekte zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen, ob auf internationaler, nationaler oder lokaler Ebene. Erwähnenswert ist dabei insbesondere die Weltdekade der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (2005–2014) der Vereinten Nationen, deren Ziel es ist, durch Bildungsmaßnahmen die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung global in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Daneben spielt auf nationaler Ebene vor allem das Modellprogramm „21“, bzw. „Transfer 21“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung eine bedeutsame Rolle für das deutsche Bildungssystem.
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist demnach eine anerkannte, wichtige Herausforderung unserer Zeit. Sie erfüllt wesentliche Aufgaben in der Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsfragen und -probleme und in der Kompetenzentwicklung zu ihrer Bewältigung. Dabei stellt einerseits die Gewährleistung von Grundbildung eine entscheidende Vorraussetzung nachhaltiger Entwicklung dar. Auf der anderen Seite muss nachhaltige Entwicklung inhaltlich und methodisch in den verschiedenen Bildungsphasen verankert werden.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, wie das theoretische und konzeptionelle Fundament der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, insbesondere in Deutschland, bislang ausgestaltet wurde und wie „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ in der Praxis aussehen kann.
Zu Beginn der Arbeit wird einführend die Entwicklung des Begriffes dargelegt und auf aktuelle, politische Konsequenzen eingegangen. Dabei wird deutlich, dass Nachhaltigkeit neben wirtschaftlichen Aspekten, auch den Erhalt einer intakten natürlichen Umwelt und soziale Fragen, wie zum Beispiel Fragen der (Verteilungs-) Gerechtigkeit, zum Thema hat. Des Weiteren wird klar, dass eine nachhaltige Entwicklung abhängig von intensiven, dahingehenden Bildungsanstrengungen ist. Das Konzept „nachhaltige Entwicklung“ in die Köpfe und Herzen der Individuen zu bringen und schließlich in die Tat umzusetzen und zur alltäglichen Realität werden zu lassen, ist eine enorme Aufgabe und Herausforderung der heutigen Zeit. Der folgende Teil der Arbeit befasst sich mit dem Konzept der „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. Mit diesem Ansatz wird versucht die Entwicklung der Kompetenzen zu fördern, die Individuen befähigen, sich an einer gerechten, intakten Zukunft zu beteiligen. Die Entwicklungslinien auf dem Weg zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung werden dargestellt und es wird erläutert, was konkret unter Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu verstehen ist und welche Ziele mit ihr verbunden sind. Entscheidend ist der Erwerb von nachhaltigkeitsrelevanten Schlüsselkompetenzen, von Gerhard de Haan zusammengefasst unter dem Begriff „Gestaltungskompetenz“.
Nachdem das Konzept „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ erörtert wurde, beschäftigt sich die Arbeit mit deren Umsetzung. Besondere Bedeutung kommt dabei der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ zu. Das darauf folgende Kapitel verlässt die internationale Ebene, um sich konkret mit dem Stand der Dinge in Deutschland zu befassen, das heißt mit einer Nachhaltigkeitsdiagnose, der hiesigen Entstehung der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, so wie Programmen zu deren Umsetzung.
Um diesen Teil der Arbeit abzurunden, werden im Anschluss Schwierigkeiten in der Umsetzung dieser Programme aufgezeigt und schließlich wird die Rolle der Pädagogik für eine nachhaltige Entwicklung erörtert.
Diese theoretischen Erkenntnisse und Umsetzungsstrategien werden im Folgenden anhand eines konkreten, praktischen Beispiels beleuchtet. In Niederbayern befindet sich direkt an der Grenze zu Österreich ein „Zentrum für Nachhaltigkeit“, das Haus am Strom. Es ist zugleich Bildungsstätte- und Vernetzungszentrum. In dieser Arbeit wird der Bildungsaspekt dieses Zentrums genauer betrachtet: Welche Ideen und Konzepte liegen der Ausstellung im Haus zugrunde? Welche Themen werden in den Programmangeboten behandelt? Wie werden die Inhalte methodisch umgesetzt und vermittelt? Unter Darstellung einiger exemplarischer Programmangebote sowie der Ausstellung wird untersucht, ob das Haus am Strom tatsächlich „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ betreibt und welche Schwierigkeiten das Zentrum als außerschulische Einrichtung dabei hat. Anschließend wird unter zusammenfassender Betrachtung dieser Faktoren ein Fazit gezogen.
Am Ende der Arbeit wird ein abschließendes Resümee gezogen, bei dem die zentralen Aussagen des gesamten Textes zusammengefasst und Schlussfolgerungen daraus gezogen werden sowie ein Ausblick für die Zukunft eröffnet wird.
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