Entwicklungsstufen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Daniela Schüttler
- Abgabedatum: April 2009
- Umfang: 56 Seiten
- Dateigröße: 867,8 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Wiesbaden e.V. Deutschland
- Bibliografie: ca. 30
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3242-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schüttler, Daniela April 2009: Entwicklungsstufen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Immobilienkrise, Verbriefung, Vertrauenskrise
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Diplomarbeit von Daniela Schüttler
Einleitung:
Ziel und Aufbau der Arbeit:
Nach einigen ruhigen Jahren mit freundlichen Finanzmärkten und stabilem Wachstum der Weltwirtschaft sind 2007 ausgehend vom US-Hypothekenmarkt dunkle Wolken über dem internationalen Finanzsystem aufgezogen, die sich zu einem orkanartigen Sturm entwickelt haben. Kaum ein anderes Thema wird in den letzten Monaten von der Medienwelt so intensiv behandelt wie die aktuelle Krise. Angst macht diese fast jedem. Was im Jahr 2007 in den USA als Subprimekrise (Kredite für Kunden mit geringer Bonität) begann, weitete sich innerhalb kürzester Zeit zu einer Krise auf dem gesamten Globus aus, die auch die Finanzbranche und Wirtschaft erreicht hat.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die weiten Kreise der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 aufzuzeigen. Hierzu werden die einzelnen Entwicklungsstufen dargestellt und behandelt. Da sich die Krise zeitgleich der Bearbeitung sehr dynamisch und schwer vorhersehbar entwickelt ist eine zeitliche Eingrenzung erforderlich. Daher beschränkt sich die Arbeit auf den Zeitraum vom 01. Januar 2007 bis zum 10. April 2009.
Die vorliegende Arbeit ist in insgesamt sieben Kapitel gegliedert. Zu Beginn werden in dieser Gliederungsstufe die Ziele und der Aufbau der Arbeit beschrieben. Um einen soliden Einstieg zu erhalten, wird ein Einblick in den Ursprung der Krise gegeben.
Aufbauend auf diesen Grundlagen wird unter Gliederungspunkt zwei die Entstehung der Immobilienkrise in den USA erläutert. Es werden die Ausfälle und Zahlungs-störungen im US-amerikanischen Immobilienmarkt dargestellt, sowie die Entwicklung der Immobilienpreise. Weiterhin wird der Kursverfall am Verbriefungsmarkt beschrieben.
Der dritte Abschnitt nimmt Bezug zur entstandenen Vertrauenskrise. Der erste Teil widmet sich der Aufdeckung versteckter Risiken im Bankenmarkt. Zunächst werden die Hintergründe der entstandenen Liquiditätskrise der Banken erläutert, die zu Solvenzproblemen und Ertragsproblemen der Banken geführt haben. Anschließend werden die massiven Eigenkapitalverluste der deutschen und britischen Banken geschildert. Der nachfolgende Gliederungspunkt gibt einen Überblick über den fatalen Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brother und die Auswirkungen hieraus für die noch bestehenden Investmentbanken der USA.
Außerdem liefert diese Ausarbeitung einen Überblick auf die Verschärfung der Krise, die durch die Insolvenz von Lehman Brother entstanden ist. Im Abschluss geht dieses Kapitel auf die Probleme der Monoliner (Spezialversicherer) ein, die durch hohe Kreditausfallraten in Bedrängnis gerieten.
Das folgende Kapitel vier beleuchtet die Programme und Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems. Es werden die Gegenmaßnahmen der Zentralbanken erläutert. Ebenso die Maßnahmen des Gesetzgebers und der Aufsichtsbehörden, die aus dem Verbot von Leerverkäufen sowie der Änderung der Bewertungs- und Bilanzierungsregeln bestehen. Außerdem werden die staatlichen Rettungsprogramme für Banken, insbesondere den Programmen der USA, Deutschland und der Besonderheit von Island geschildert. Auf die Rettungsprogramme der weiteren Staaten wird nur in aller Kürze eingegangen. Die stärkere Kontrolle der Finanzmärkte ist Thema im Abschluss dieses Kapitels.
Kapitel fünf beschreibt die wirtschaftlichen Folgen aus der Finanzkrise. Es werden die Auswirkungen auf die Börsen, die Gewinneinbrüche der Unternehmen, die Kreditklemme im Mittelstand sowie die steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen dargelegt. Außerdem widmet sich dieser Gliederungspunkt der weltweiten Rezession sowie der steigenden Zahlungsausfälle bei Kreditkarten.
Die verschiedenen Konjunkturprogramme zur Minderung der Wirtschaftskrise der einzelnen Länder werden in Abschnitt sechs erläutert. Diese Programme sollen jedoch nur in Kürze dargestellt werden.
Abschließend wird im siebten Kapitel Wesentliches zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | ZIEL UND AUFBAU DER ARBEIT | 1 |
| 1.2 | URSPRUNG DER IMMOBILIENKRISE | 2 |
| 2. | ENTSTEHUNG DER IMMOBILIENKRISE IN DEN USA | 5 |
| 2.1 | AUSFÄLLE UND ZAHLUNGSSTÖRUNGEN IM US-AMERIKANISCHEN IMMOBILIENMARKT | 5 |
| 2.2 | IMMOBILIENPREISENTWICKLUNG | 6 |
| 2.3 | KURSVERFALL AM VERBRIEFUNGSMARKT | 8 |
| 3. | VERTRAUENSKRISE | 10 |
| 3.1 | AUFDECKUNG VERSTECKTER RISIKEN IM BANKENMARKT | 10 |
| 3.1.1 | LIQUIDITÄTSKRISE DER BANKEN | 10 |
| 3.1.2 | SOLVENZPROBLEME DER BANKEN | 13 |
| 3.1.3 | ERTRAGSPROBLEME DER BANKEN | 14 |
| 3.1.4 | EIGENKAPITALVERLUST VON DEUTSCHEN UND BRITISCHEN BANKEN | 15 |
| 3.1.5 | ZUSAMMENBRUCH VON LEHMANN BROTHER | 17 |
| 3.1.6 | VERSCHÄRFUNG DER FINANZKRISE | 19 |
| 3.2 | DROHENDE ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT DER MONOLINER | 21 |
| 4. | PROGRAMME UND MAßNAHMEN ZUR STABILISIERUNG DES FINANZSYSTEMS | 23 |
| 4.1 | GEGENMAßNAHMEN DER ZENTRALBANKEN | 23 |
| 4.2 | MAßNAHMEN DES GESETZGEBERS UND DER AUFSICHTSBEHÖRDEN | 25 |
| 4.2.1 | VERBOT VON LEERVERKÄUFEN | 25 |
| 4.2.2 | ÄNDERUNG DER BEWERTUNGS- UND BILANZIERUNGSREGELN | 27 |
| 4.3 | STAATLICHE RETTUNGSPROGRAMME FÜR BANKEN | 28 |
| 4.3.1 | USA | 28 |
| 4.3.2 | DEUTSCHLAND | 29 |
| 4.3.3 | BESONDERHEIT ISLAND | 32 |
| 4.3.4 | WEITERE STAATEN | 33 |
| 4.4 | STÄRKERE KONTROLLE DER FINANZMÄRKTE | 33 |
| 5. | WIRTSCHAFTLICHE FOLGEN DER FINANZKRISE | 35 |
| 5.1 | AUSWIRKUNGEN AUF DIE BÖRSEN | 35 |
| 5.2 | GEWINNEINBRÜCHE BEI UNTERNEHMEN | 38 |
| 5.3 | KREDITKLEMME IM MITTELSTAND | 40 |
| 5.4 | STEIGENDE ZAHL VON UNTERNEHMENSINSOLVENZEN | 41 |
| 5.5 | REZESSION | 43 |
| 5.6 | STEIGENDE ZAHLUNGSAUSFÄLLE BEI KREDITKARTEN | 45 |
| 6. | KONJUNKTURPROGRAMME ZUR MINDERUNG DER WIRTSCHAFTSKRISE | 46 |
| 7. | ZUSAMMENFASSUNG | 48 |
| Literaturverzeichnis | V |
Textprobe:
Kapitel 3, Vertrauenskrise:
Aufdeckung versteckter Risiken im Bankenmarkt:
Liquiditätskrise der Banken:
Durch die Gründung von Zweckgesellschaften und die kreative Gestaltung der vertraglichen Beziehungen hatten Kreditinstitute einen Weg gefunden, Geschäfte aus Bankbilanzen auszulagern, um damit bankaufsichtsrechtliche Bestimmungen, insbesondere zur Risikostreuung und zur Absicherung von Eigenkapital zu umgehen. Mehrmals erfolgten von der BaFin Sonderprüfungen zu den Risiken der Geschäfte mit den Zweckgesellschaften, diese wurden auch moniert aber nichts dagegen unternommen.
Als die Vertrauenskrise am Verbriefungsmarkt generelle Zweifel an der Werthaltigkeit der zur Deckung dienenden Aktiva solcher Zweckgesellschaften weckte, gerieten diese in Refinanzierungsschwierigkeiten. Sie konnten sich nicht mehr wie üblich über den Anleihenmarkt finanzieren. Daher mussten die ihnen eingeräumten Kreditlinien bei den Kreditinstituten in Anspruch genommen werden, womit etablierten Banken in den Strudel der Krise gerieten. Ebenso versuchten Investmentbanken möglichst viele der faulen Hypotheken an die Hypothekenbanken zurückzugeben, ein Recht, das ihnen entweder das Kleingedruckte einräumte oder die Kreditinstitute aus Reputationsgründen dazu veranlasste. Mit voller Wucht schlugen die vermeintlich ausgelagerten Risiken auf die Bankbilanzen zurück.
Verschärft wurden die Probleme der Zweckgesellschaften, da die Zinsstrukturkurve seit 2006 in den USA invers, d.h. für Anleihen mit kurzen Laufzeiten werden höhere Zinsen gezahlt als für langlaufende Anlagen, seit Jahresende 2007 sogar stark invers verläuft.
Auch sahen sich Finanzinstitute zu einer ungeplanten und ungewollten Ausweitung ihrer Bilanzen genötigt, weil sie neue Kredite nicht wie vorgesehen weiterreichen konnten. Dies war so nie beabsichtigt, da die Banken sich von den Kreditausfallrisiken aus dem Immobiliengeschäft schnell trennen wollten. Dies geschah durch den Verkauf der Kreditforderungen an die hierfür gegründeten Zweckgesellschaften oder an die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. Zunächst waren überwiegend US-amerikanische Hypothekenbanken betroffen. Sie wurden zahlungsunfähig und stellten den Betrieb ein oder wurden von anderen Banken übernommen.
Der in Kapitel 1.2. beschriebene Leverage-Effekt kehrte sich schnell ins Gegenteil und setzte eine Abwärtsspirale in Gang. Der Wertverfall der Aktiva und einer deutlich vorsichtigeren Kreditvergabe der Banken führte zu einem erheblichen Verkaufsdruck. Die Finanzinstitute sind durch die neueren Bilanzvorschriften GAAP in den Vereinigten Staaten und IFRS für börsennotierte Unternehmen in Europa, anders als in früheren Krisen, verpflichtet, alle Aktiva stets zum Fair Value zu bewerten, auch wenn diese nicht verkauft werden sollen. Als Fair Value wird der beizulegende Zeitwert, d.h. der Betrag, zu dem sachverständige und vertragswillige Parteien unter üblichen Marktbedingungen bereit wären, einen Vermögenswert zu tauschen bzw. eine Verbindlichkeit zu begleichen, bezeichnet. Wenn eine Bank zum Beispiel Notverkäufe vornehmen muss, sinkt der Marktwert für das entsprechende Produkt. Der sinkende Preis des Wertes bringt andere Institute durch die Abschreibepflicht in Bedrängnis. Dieses Institut wiederum kann auch hier zu einem Notverkauf gezwungen sein. Das Vermögen der Banken war nicht verschwunden, es ließ sich nur nicht mehr auf dem Markt verkaufen und auch nicht mehr beleihen.
Da viele Institute die am US-Hypothekenmarkt eingegangenen Positionen nicht offen legen wollten oder konnten, entwickelte sich eine schwere Vertrauenskrise, die den Interbankenmarkt stark einschränkte. Unerwartet schnell und heftig hat die Krise der Kreditmärkte auch auf die Geldmärkte übergegriffen. Der Mangel an Liquidität entstand aus der Unverkäuflichkeit der Verbriefungen sowie der fehlenden Kreditbereitstellung durch andere Banken. Die Banken leihten sich untereinander kein Geld mehr aus bzw. wurden wesentlich zurückhaltender als vor der Krise. Sie konnten den eigenen Liquiditätsbedarf nur schwer abschätzen, da sie nicht wussten welche Belastungen auf sie zukommen und wie lange die Liquiditätsknappheit andauern würde. Die Banken horteten Liquidität und parkten Einlagen risikolos, aber zu niedrigeren Zinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Interbankensätze stiegen auf Rekordhöhe. Es wurde sichtbar, wie hochgradig vernetzt die Finanzinstitute sind. Die Interbanken-Kredite gelten als eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente für Kreditinstitute. Die Banken mit Refinanzierungsschwierigkeiten versuchten daher Gelder von Anlegern mit attraktiven Zinsen einzusammeln.
Anfang April 2007 musste New Century Gläubigerschutz beantragen. Die kalifornische Hypothekenbank war die Nummer zwei im US-Geschäft mit Subprime-Schuldnern. Das Institut musste die Kreditvergabe einstellen, nachdem sie selbst keinen Kredit von anderen Banken mehr bekam. Die meisten anderen privaten Hypothekenbanken folgten New Century später in die Insolvenz.
Angesichts der US-Hypothekenkrise musste die US-Investmentbank Bear Stearns im vierten Quartal 2007 wegen hoher Abschreibungen den ersten Verlust der Firmengeschichte ausweisen. Sie hatte sich mit schlecht besicherten Hypotheken kräftig verspekuliert. Damit steuerte die Bankenkrise im März 2008 auf einen ersten Höhepunkt zu. Zwei Hedgefonds von Bear Stearns waren zusammengebrochen. Es hatte wiederholt Gerüchte an den Finanzmärkten gegeben, das Unternehmen habe nun Liquiditätsprobleme. Diese Gerüchte wurden jedoch vom Unternehmen dementiert. Nur vierundzwanzig Stunden später musste jedoch das Institut erklären, dass sich die Liquidität der Bank signifikant verschlechtert habe. Die kursierenden Gerüchte über die Zahlungsfähigkeit der Firma hatte die Lage verschärft, da andere Banken keine Kredite mehr zur Verfügung stellten - trotz teils hochwertiger Sicherheiten. Bear Stearns konnte nur durch eine Stützungsaktion der Fed und des Konkurrenten JP Morgan aufgefangen werden. Das finanzielle Rettungspaket der Fed für Bear Stearns sollte eine weltweite Kettenreaktion verhindern, welche das gesamte Finanzsystem zum Einsturz hätte bringen können. Am 16. März 2008 unterbreitete JP Morgan Chase mit Unterstützung der Fed schließlich ein Übernahmeangebot.
Die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gerieten im Juli 2008 wegen Spekulationen über Liquiditätsengpässe massiv unter Druck. Beide Institute waren einst vom Staat gegründet worden, um die Finanzierung von Eigenheimen zu erleichtern. Fannie Mae als auch Freddie Mac wurden später größtenteils an die Börse gebracht. Zusammengenommen besitzen oder garantieren sie für etwa fünf Billionen Dollar Hypothekendarlehen und damit fast die Hälfte aller US-Hauskredite. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, der gravierende Folgen für die Weltwirtschaft gehabt hätte, wurden die beiden Institute Anfang September verstaatlicht - der Anfang eines beispiellosen Rettungs-Marathons. Der Staat übernahm die beiden Hypotheken-finanzierer für 200 Milliarden Dollar.
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http://www.diplom.de/ean/9783836632423
Arbeit zitieren:
Schüttler, Daniela April 2009: Entwicklungsstufen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007, Hamburg: Diplomica Verlag
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Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Immobilienkrise, Verbriefung, Vertrauenskrise




