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Rechtschreibkompetenzen und -schwierigkeiten von Schülern der Sekundarstufe I und ihre schulischen Ursachen am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung

Rechtschreibkompetenzen und -schwierigkeiten von Schülern der Sekundarstufe I und ihre schulischen Ursachen am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Martina Nagenborg
  • Abgabedatum: März 2009
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • Bibliografie: ca. 38
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3131-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nagenborg, Martina März 2009: Rechtschreibkompetenzen und -schwierigkeiten von Schülern der Sekundarstufe I und ihre schulischen Ursachen am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rechtschreibung, Orthographie, Rechtschreibschwierigkeit, Großschreibung, Grammatik

Staatsexamensarbeit von Martina Nagenborg

Einleitung:

In der vorliegenden schriftlichen Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung sollen die Rechtschreibkompetenzen und –schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und ihre schulischen Ursachen am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung untersucht werden. Im Rahmen der Arbeit wurde eine empirische Untersuchung an Schülern der 6. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Georgianum in Vreden durchgeführt.

Orthographische Kompetenzen sind auch heute noch im Zeitalter der Computer und Handys von enormer Wichtigkeit, denn nicht nur Vertreter der Industrie und Wirtschaft legen großen Wert auf korrekten Schriftgebrauch, auch im Privatleben, im Studium und letztlich natürlich in der Schule ist es unabdingbar orthographisch korrekt zu schreiben sollten. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass Kinder möglichst früh, möglichst richtig schreiben. Diese Aufgabe fällt natürlich in den Bereich der Schule, aber dennoch lernen nicht alle Kinder die Orthographie richtig zu verwenden.

Aufgrund des vorgegebenen Umfangs kann im Rahmen dieser Arbeit nur auf einen bestimmten Aspekt eingegangen werden, schwerpunktmäßig wird die Groß- und Kleinschreibung behandelt, denn diese ist erfahrungsgemäß ein besonders sensibles Thema und führt zu vielen Fehlern bei Menschen jeglichen Alters. Dass die Groß- und Kleinschreibung besonders Schülern der Sekundarstufe I Schwierigkeiten bereitet, konnte ich in zahlreichen Praktika beobachten. Auch in Gesprächen mit Deutschlehrern oder anderen Studenten wurde deutlich, dass dieses Thema sehr viele Menschen, besonders nach der Orthographiereform von 1996, verunsichert und beschäftigt. Aus diesem Grund scheint es lohnenswert und sinnvoll sich mit dem Thema der Groß- und Kleinschreibung näher zu beschäftigen und auch zu untersuchen, warum wohl viele Kinder Schwierigkeiten in diesem Bereich der Orthographie haben.

Gang der Untersuchung:

Nach einer kurzen Einführung in das Thema wird der aktuelle Forschungsstand beschrieben. Explizit werden die Regeln der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen behandelt. Dabei geht es einerseits um die amtliche Regelung, andererseits werden sprachwissenschaftliche Ansätze gegenübergestellt. Des Weiteren wird die Rechtschreibreform von 1996 erläutert und der Frage nachgegangen, warum es im Deutschen überhaupt die Substantivgroßschreibung gibt. In einem nächsten Punkt wird der Orthographieerwerb am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung beschrieben. Es folgt der empirische Teil, der den Hauptumfang der Arbeit ausmacht. Zunächst werden dabei die Ziele und das methodische Vorgehen skizziert. Im Anschluss daran werden die Ergebnisse aufgefächert, analysiert und ausgewertet, wobei die möglichen Konsequenzen diskutiert und erörtert werden. Nach einer kurzen Zusammenfassung werden im Schlussteil die Ergebnisse im Hinblick auf die Fragestellung beantwortet und es wird ein Ausblick gegeben.

49 Diktate, die in zwei 6. Klassen geschrieben wurden, bilden die Grundlage der Untersuchung. Aufgrund der recht kleinen Versuchsgruppe kann es aber nicht Anliegen sein, allgemeingültige Aussagen über rechtschreibstarke und rechtschreibschwache Schüler zu treffen. Mit Hilfe der Diktate und der anschließenden Interviews, von als besonders gut oder schlecht ausgewiesenen Kindern, soll jedoch versucht werden, eine kleine Zahl von Schülern zu porträtieren und die orthographischen Kompetenzen und Schwächen darzustellen und zu beschreiben.

Mir geht es darum festzustellen, wie sich die Fehlerzahl in Bezug auf die Groß- und Kleinschreibung verhält. Dabei wird es interessant sein festzustellen, welche Wortkategorien zu wie vielen Fehlern führen, aber auch, worin sich die rechtschreibstärkeren von den rechtschreibschwächeren Schülern unterscheiden. Um zu ergründen, welche orthographischen Kenntnisse die Schüler bezüglich der Groß- und Kleinschreibung haben und wie sie sowohl richtige, als auch falsche Schreibungen begründen, habe ich Interviews mit einigen ausgewählten Lernern geführt. Dabei wurden verstärkt rechtschreibstärkere und rechtschreibschwächere Kinder befragt, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen. Die Interviews sollen zudem Aufschluss darüber geben, ob die Schüler Regeln aus dem Unterricht zur Groß- und Kleinschreibung anwenden, ob sie vielleicht gar nicht mehr darüber nachdenken, also der Vorgang schon automatisiert ist oder ob sie falsches oder gar kein Regelwissen diesbezüglich besitzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Antworten der Kinder unterscheiden. Die guten Rechtschreiber werden, so die Hypothese, andere Begründungsmuster liefern als die schlechten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Hinführung zum Thema 6
2.1 Fehlende orthographische Fähigkeiten von Schülern in der öffentlichen Diskussion 6
2.2 Die Regeln der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen 7
2.2.1 Normen und Reformen 11
2.2.2 Zur Notwendigkeit der satzinternen Großschreibung 14
2.3 Der Orthographieerwerb am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung 16
2.4 Beispiele aus Schulbüchern 24
3. Empirische Untersuchung 31
3.1 Ziele und Methoden 31
3.1.1 Arbeitshypothesen 33
3.1.2 Zeitraum der Beobachtungen und Versuchpersonen 33
3.1.3 Durchführung der Untersuchung 34
3.2 Ergebnisse der Untersuchungsgruppe 35
3.2.1 Fehlerzahlen der guten Rechtschreiber 38
3.2.2 Fehlerzahlen der durchschnittlichen Rechtschreiber 40
3.2.3 Fehlerzahlen der schwachen Rechtschreiber 42
3.2.4 Ergebnisse im Vergleich 44
3.3 Begründungsmuster der Schüler 45
3.3.1 Automatisierungen 46
3.3.2 Explizites Regelwissen 49
3.3.3 Falsch angewandte Regeln 51
3.3.4 Personinterne Zweifelsfälle 54
3.3.5 Resignative Stellungnahmen 56
3.4 Diskussion 57
4. Didaktische Konsequenzen 60
5. Zusammenfassung 63
6. Schluss 65
Quellenverzeichnis 66
Anhang 70

Textprobe:

Kapitel 3, Empirische Untersuchung:

Ziele und Methoden:

Hauptziel dieser Untersuchung ist die Beschreibung von Rechtschreibkompetenzen und –schwierigkeiten von Schülern der 6. Jahrgangsstufe eines Gymnasiums. Es wurden Schüler eines Gymnasiums gewählt, weil es auch bei dieser Schulform Rechtschreibschwierigkeiten gibt. Sie stehen zwar nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit, wenn es um die orthographischen Kenntnisse geht, wie zum Beispiel Hauptschüler, aber dennoch haben viele Gymnasiasten Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung. Eine der Hauptfehlerquellen der Schüler in der unteren Sekundarstufe ist die Groß- und Kleinschreibung. Daher wird es interessant sein diesen Teilbereich der Orthographie bei den Gymnasiasten näher zu untersuchen und zu beleuchten. Dazu wurde in zwei 6. Klassen ein Diktat geschrieben. Im Anschluss daran wurden kurze Interviews mit einzelnen Schülern geführt.

Das für die Schüler unbekannte Diktat umfasst insgesamt 113 Wörter. Da es in der Untersuchung schwerpunktmäßig um die korrekte Verwendung der Majuskeln geht, sind viele Substantivierungen von Verben, wie beispielsweise Verteilen, Treiben und Tun enthalten. Zudem beinhaltet der Text auch die Substantivierung eines Adjektivs (Braun). Des Weiteren befinden sich im Diktat Substantive, die sich inhaltlich nach Abstrakta und Konkreta unterscheiden lassen, wie zum Beispiel Kilo und Sorge beziehungsweise Küche und Plätzchen. Es wird erwartet, dass nicht nur bei Substantiven oder Substantivierungen Schwierigkeiten auftreten, sondern auch Wortarten wie Adverbien (heute, mittags) oder Adjektive in Verbindung mit einem Artikel und anschließendem Substantiv (der festliche Tag) zu Fehlern bei der Groß- und Kleinschreibung führen.

In den Interviews werden Kinder befragt, die von ihrer Lehrerin explizit als rechtschreibstark oder rechtschreibschwach ausgewiesen werden. Dadurch soll ein aussagekräftiges Ergebnis erzielt werden, denn es kommt in dieser Untersuchung hauptsächlich auf die unterschiedliche Fehlerzahl und die dazugehörigen Begründungen der Schreibungen an. In diesen Interviews werden die Schüler zu richtigen als auch falschen Schreibungen der Wörter in Bezug auf die Groß- und Kleinschreibung befragt. Es geht darum, wie die rechtschreibstarken Schüler ihre Schreibungen begründen und welche Begründungsmuster die rechtschreibschwachen Schüler haben. Die Interviews werden mit einem digitalen Aufnahmegerät aufgezeichnet und anschließend am Computer transkribiert. Da es um inhaltliche Aussagen der Kinder geht, wird auf eine phonetische Transkription verzichtet. Die Interviews werden direkt im Anschluss an das Diktat geführt, sodass den Schülern der Text noch sehr präsent ist und sie sich somit an mögliche Überlegungen während des Diktats erinnern können. 3 bis 6 Minuten lang werden die Schüler befragt, was in einem Beratungsraum der Schule geschieht, der von äußeren Störungen relativ geschützt liegt.

Daran anschließend beginnt die Auswertung der einzelnen Diktate. Jedes Diktat wird im Hinblick auf Fehler der Groß- und Kleinschreibung untersucht. Alle anderen Fehlerquellen, wie zum Beispiel aus dem Bereich der Silbengelenkschreibung, werden nicht gezählt, sodass am Ende die Fehlerzahl nur Aussagen zum falschen Gebrauch der Groß- und Kleinschreibung macht. Die Methode der Fehlerzählung und die anschließende Darstellung der Fehlerzahlen unterhalb der falsch geschriebenen Wörter wird nach Röber-Siekmeyer vorgenommen. Die Fehlerzahlen liegen bei den untersuchten 49 Diktaten zwischen 0 und 13, sodass eine grobe Unterteilung in gute Schüler (0 bis 2 Fehler), durchschnittliche (3 bis 6) und schwache Schüler (7 bis 13) vorgenommen wird. Diese 3 Gruppen sind dann noch einmal einzeln betrachtet worden, sodass ein Vergleich zwischen guten, durchschnittlichen und schwachen Schülern möglich wird. Die Auswertung und Analyse der erhobenen Daten und Interviews werden in Punkt 3.2 und 3.3 behandelt.

Arbeitshypothesen:

Angenommen wird, dass die rechtschreibstarken Schüler Regelwissen besitzen, das sie im Unterricht erworben haben und es, automatisiert oder bewusst, einsetzen und somit zu orthographisch korrekten Schreibungen gelangen. Dieses Regelwissen impliziert, dass die guten Rechtschreiber, im Gegensatz zu den schwachen, womöglich die Entscheidung zur Großschreibung satzbezogen treffen. Sie sind in der Lage zwischen Form und Funktion von Wörtern zu unterscheiden. Bei den schlechten Rechtschreibern ist zu erwarten, dass sie die Wörter isoliert betrachten und nach Wortarten über die Groß- und Kleinschreibung entscheiden, also nicht syntaxbezogen. Dazu gehört die Hypothese, dass die Lerner sich an der wortartbezogenen Regel Substantive schreibt man groß, alle anderen Wortarten klein orientieren, die sie noch aus der Grundschule kennen. Aus diesem Grund werden die Begründungen zu den Schreibungen der Schüler in den Interviews auch in den 3 Gruppen unterschiedlich sein.

Zeitraum der Beobachtungen und Versuchpersonen:

Die Diktate wurden am 4. Dezember 2008 in den Klassen geschrieben. Alle Kinder stammen aus einem ländlichen Gebiet und besuchen die 6. Klasse. Beide Klassen werden von derselben Deutschlehrerin seit Beginn der 5. Klasse unterrichtet und sind im Unterrichtsstoff exakt weit fortgeschritten. Die 15 Kinder (4 Jungen, 11 Mädchen) mit denen ein Interview geführt wurde haben keinen Migrationshintergrund. Der Bildungshintergrund ist durchschnittlich gut, die Familienstrukturen sind intakt, soziale Auffälligkeiten gibt es keine. In den untersuchten Klassen ist der Mädchenanteil mit 32 Schülerinnen wesentlich höher als der Jungenanteil, der 17 Schüler beträgt. Dies erklärt, warum nur 4 Jungen interviewt wurden, dagegen aber 11 Mädchen.

Zu Beginn des 6.Schuljahres wurden Substantivierungen im Deutschunterricht durchgenommen, somit wissen die Kinder, dass auch andere Wortarten substantiviert werden können und dann mit einer Majuskel markiert werden. Es wäre ihnen somit von ihrem Wissensstand aus möglich, das Diktat in Bezug auf die Groß- und Kleinschreibung fehlerfrei zu verfassen.

Durchführung der Untersuchung:

Die Schüler wurden zunächst darauf aufmerksam gemacht, dass das Diktat rein zu Forschungszwecken diene. Sie hatten also nicht zu befürchten, dass ein schlechtes Ergebnis mit in die Notengebung der Lehrerin einfließt. Nachdem Ruhe in die Klasse eingekehrt war, begann das Diktieren des Textes, was in etwa 20 Minuten in Anspruch nahm. Im Anschluss wurde der Diktattext nochmals vorgelesen und die Schüler bekamen Zeit, ihre Schreibungen zu kontrollieren. Daran angeschlossen begann die Befragung. Die Auswahl der Schüler wurde bereits im Vorfeld mit der Deutschlehrerin besprochen. Es sollten die rechtschreibkompetentesten und –schwächsten Schüler befragt werden. Nach einem kurzen einführenden Gespräch, das vornehmlich zur Herstellung einer entspannten Atmosphäre diente, wurde den Kindern erklärt, dass sie nun Fragen zur Groß- und Kleinschreibung, bezogen auf das wenige Minuten zuvor geschriebene Diktat, gestellt bekommen würden. Es wurde darauf hingewiesen, dass sowohl Fragen zu richtigen als auch zu falschen Schreibungen gestellt werden und sie somit nicht davon ausgehen sollen, dass das entsprechende Wort, auf das verwiesen wird, falsch geschrieben ist. Der von den Schülern verfasste Text lag direkt vor ihnen. Es waren keine Anmerkungen oder Fehler angestrichen, da die Befragung unvoreingenommen geschehen sollte.

Im Anschluss daran wurde der Text des jeweiligen Kindes zusammen durchgegangen und es wurden Fragen zu verschiedenen Schreibungen gestellt. Die Antworten der Kinder sollten Aufschluss darüber geben, ob, und falls ja, wie sich die Begründungsmuster der rechtschreibstarken und rechtschreibschwachen Kinder unterscheiden.

Arbeit zitieren:
Nagenborg, Martina März 2009: Rechtschreibkompetenzen und -schwierigkeiten von Schülern der Sekundarstufe I und ihre schulischen Ursachen am Beispiel der Groß- und Kleinschreibung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rechtschreibung, Orthographie, Rechtschreibschwierigkeit, Großschreibung, Grammatik

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