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Effekte von Basel II auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen

Effekte von Basel II auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bastian Bergroschtje
  • Abgabedatum: September 2006
  • Umfang: 45 Seiten
  • Dateigröße: 347,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Oberhausen-Mülheim an der Ruhr Deutschland
  • Bibliografie: ca. 32
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2961-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bergroschtje, Bastian September 2006: Effekte von Basel II auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Basel II, Mittelstandsunternehmen, Finanzierung, Rating, Eigenkapitalvereinbarung

Diplomarbeit von Bastian Bergroschtje

Einleitung:

Seit der Veröffentlichung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (kurz: Basel II) hat das Thema eine öffentliche Debatte entfacht, an der sowohl Banken, als auch Unternehmen beteiligt sind. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die ca. 99,7 % aller deutschen Unternehmen ausmachen und damit das Rückgrat der inländischen Wirtschaft bilden, äußern starke Befürchtungen bzgl. Ihrer zukünftigen Finanzierung.

Werden sich Kreditinstitute zunehmend aus den Kreditengagements mit der kleinen und mittelständischen Wirtschaft zurückziehen? Welche Neubelastung infolge steigender Fremdkapitalzinsen haben Unternehmen mit schlechtem bzw. keinem Rating zu erwarten? Ist ein Rating meiner Bank (internes Rating) oder einer unabhängigen Ratingagentur (externes Rating) vorteilhafter für mein Unternehmen? Welche Kosten aufgrund immer wieder durchzuführender Ratings kommen in Zukunft auf mein Unternehmen zu? Werde ich aufgrund gestiegener Kosten noch wettbewerbsfähig gegenüber größeren Unternehmen bleiben können? Und vor allem, wie bereite ich mich und mein Unternehmen auf die zukünftigen Ratings richtig vor?

Viele dieser Fragen treten immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Basel II auf. Ob die neue Eigenkapitalvereinbarung neue Chancen oder Probleme mit sich bringt und wie sie sich letztendlich auf die Unternehmen auswirkt, ist momentan noch schwer einzuschätzen. Die tatsächlichen Effekte von Basel II auf die Finanzierung mittelständischer Unternehmen lassen sich wahrscheinlich erst nach der Umsetzung aller Vorschriften des Baseler Akkords und deren alltäglichen Anwendung erkennen. Diese Arbeit befasst sich allerdings schon einmal im Vorgriff, auf die Ende 2006 stattfindende Umsetzung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung in nationales Recht, mit Chancen und Problemen für die mittelständische Wirtschaft.

Gang der Untersuchung:

Nach einer Grundlagendefinition von Unternehmensgrößen, der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung und dem Rating geht die Arbeit auf die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen ein, um sich dann im anschließenden Kapitel mit möglichen Lösungsansätzen zu befassen. Eine Zusammenfassung schließt die Arbeit ab.

Problemstellung:

Unternehmen lassen sich grob in drei verschiedene Größen einsortieren. Klein-, Mittel- und Großunternehmen. Zur Bestimmung verwendet man meistens quantitative Faktoren wie z.B. Umsatzhöhe oder Mitarbeiterzahlen. Es fließen aber auch qualitative Gegebenheiten wie der mehrheitliche Familienbesitz oder die Personengesellschaft, wie sie typischerweise bei kleinen und mittleren Unternehmen der Fall ist, mit in die Definition eines KMU ein. Derzeit gibt es mehrere Auslegungen zur Zuordnung der Unternehmen in verschieden Größen. Zwei sehr häufig für die Statistik verwendete Definitionen stammen vom IfM/Bonn und der EU-Kommission.

Als KMU werden, laut quantitativer Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung / Bonn, alle Freiberufler, Handwerksbetriebe und gewerblichen Unternehmen mit einem maximalen Jahresumsatz von unter 50 Mio. Euro sowie weniger als 500 Beschäftigten bezeichnet.

Auf europäischer Ebene zählt man Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von unter 250, sowie einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro und einer Jahresbilanz bis maximal 43 Mio. Euro zu den KMUs.

Neben oben genannten quantitativen Merkmalen sind kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland auch dadurch leicht zu Erkennen, dass es sich mehrheitlich um klassische Familienbetriebe handelt, die sich hauptsächlich im Eigentum von einzelnen Personen, Familien oder einem sehr begrenzten Personenkreis befinden. Nur ein geringer Teil der KMUs gehört zu den Kapitalgesellschaften wie z.B. einer GmbH oder AG.

Ausgegangen von der Definition des IfM/Bonn zählten in Deutschland im Jahr 2003 von insgesamt ca. 3.310.000 Unternehmen, 3.300.000 zum Mittelstand. Schon allein hieraus wird ersichtlich, welch hohen Stellenwert KMUs in Deutschland haben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltverzeichnis 1
Abbildungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
1.1 Vorwort 4
1.2 Gruppierung Unternehmensgrößen 5
2. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) 6
2.1 Der Baseler Ausschuss 6
2.2 Basel I 6
2.3 Die Entwicklung von Basel I zu Basel II 8
2.4 Ziele der neuen Eigenkapitalvereinbarung 9
2.5 Das „Drei-Säulen-Konzept“ 9
2.5.1 Säule 1: Mindestkapitalanforderungen 10
2.5.2 Säule 2: Bankenaufsichtlicher Überwachungsprozess 16
2.5.3 Säule 3: Erweiterte Offenlegung 16
3. Das Rating 18
3.1 Qualitative Faktoren 20
3.2 Quantitative Faktoren 21
3.3 Vergleich internes oder externes Rating 22
4. Auswirkungen auf Mittelstandsunternehmen 25
4.1 Bedeutung des Mittelstandes 25
4.2 Finanzsituationen von Mittelstandsunternehmen 26
4.3 Finanzierungsarten von Unternehmen 27
4.4 Konsequenzen 29
5. Lösungsansätze 32
5.1 Vorbereitung auf ein Rating 33
5.2 Nachfolgeregelung 33
5.3 Total Quality Management 34
5.4 Optimierung der Bilanz 34
5.5 Outsourcing 35
5.6 Forderungsmanagement 36
5.7 Optimierung von Bestellungen 37
5.8 Veräußerung von Betriebsvermögen 37
5.9 Finanzplanung 37
5.10 Factoring 38
5.11 Forfaitierung 39
5.12 Leasing 39
5.13 Mezzanine Finanzierung 40
5.14 Venture Capital 42
5.15 Business Angels 42
6. Zusammenfassung 44
7. Literaturverzeichnis 45

Textprobe:

Kapitel 4.3, Finanzierungsarten von Unternehmen:

Die Wahl der Finanzierungsarten, die Unternehmen haben, kann man grob in die Innen- und Außenfinanzierung unterteilen. Zur Innenfinanzierung, welche Mittel des betrieblichen Umsatzprozesses nutzt, zählt sowohl die Selbstfinanzierung aus einbehaltenen Gewinnen, welche wiederum das Eigenkapital erhöhen, als auch die Finanzierung durch Abschreibungen. Diese werden als Kosten zum Bestandteil einer Angebotskalkulation und fließen durch Umsatzerlöse wieder zurück ins Unternehmen. Es findet eine so genannte Vermögensumschichtung statt, bei der Abschreibungen des Anlagevermögens zum Umlaufvermögen in Form von Liquidität werden, welche erneut durch Investitionen ins Anlagevermögen fließen.

Eine weitere Form der Innenfinanzierung ist die Finanzierung durch Rückstellungen, welche als Aufwand geltend gemacht werden können und durch die geschätzte, in naher Zukunft eintretende Verluste abgesichert werden. Innenfinanzierungen haben den Vorteil, dass weder Fremdkapitalzinsen noch große finanzielle Abhängigkeiten von Banken entstehen. Es sind weder Kreditwürdigkeitsprüfungen, mit dem damit zusammenhängenden Aufwand, noch große Offenlegungen von betriebsinternen Informationen notwendig. Jedoch sind Mittel aus dem betrieblichen Umsatzprozess für größere Investitionen meist nicht kurzfristig verfügbar, sondern sparen sich nur über längere Zeit an. Außerdem sind bei Unternehmensgründung meist nicht genügend eigene Mittel vorhanden, um die so genannten Gründungsinvestitionen zu tätigen. Hier ist man üblicherweise auf die Außenfinanzierung angewiesen.

Bei der Außenfinanzierung werden Mittel genutzt, die nicht aus dem Unternehmen stammen. Man unterteilt hier in die Kreditfinanzierung und in die Einlagen- bzw. Beteiligungsfinanzierung. Die Kreditfinanzierung setzt sich zusammen aus den langfristigen Krediten, wie z.B. Darlehen oder Hypotheken, sowie den kurzfristigen Krediten, die meist in Form von Kontokorrent- und Lieferantenkrediten auftreten. Allerdings fallen oftmals hohe Fremdkapitalzinsen an und es entsteht eine nicht unerhebliche finanzielle Abhängigkeit von der jeweiligen Bank. Außerdem ist eine Kreditwürdigkeitsprüfung bzw. in Zukunft ein Rating, mit den damit verbundenen Aufwendungen erforderlich.

Etwas anders ist es bei der Einlagen- bzw. Beteiligungsfinanzierung. Hier fließt neues Kapital durch beispielsweise eine Erhöhung der Gesellschaftereinlagen ins Unternehmen. Dies kann ebenso durch die Aufnahme neuer Gesellschafter erfolgen. Eine andere Form der Einlagen- bzw. Beteiligungsfinanzierung ist die Ausgabe von Aktien durch Unternehmen, die als Aktiengesellschaft firmiert sind. Feste Zinsverpflichtung entstehen dem Unternehmen hierbei nicht. Vielmehr werden oftmals Gewinnbeteiligungen fällig und Gesellschafter oder Aktionäre haben gewisse Mitspracherechte bei unternehmerischen Entscheidungen.

Von vorgenannten Formen der Finanzierung wird die Selbstfinanzierung durch einbehaltene Gewinne am häufigsten genutzt, wie ca. 59 % der befragten Unternehmen angaben. Darauf folgt die Finanzierung aus Abschreibungen, welche ca. 41 % der Unternehmen nutzen. Nachfolgend ist die Kreditfinanzierung (30 %), sowie steuerliche Vergünstigungen bzw. Investitionszulagen (23 %) ein zahlreich genutzte Form der Mittelbeschaffung.

Unter Berücksichtigung vorgenannter Informationen wird ersichtlich, dass ein Großteil der Unternehmen erst zur meist vorteilhafteren Innenfinanzierung greift, bevor Mittel, die nicht dem betrieblichen Umsatzprozess entstammen, genutzt werden. Wie schon oben genannt sind dafür hauptsächlich hohe Fremdkapitalzinsen, sowie finanzielle Abhängigkeiten und Aufwendungen für Kreditwürdigkeitsprüfungen bzw. Ratings die Ursache.

Konsequenzen:

Welche Konsequenzen sich letztendlich für den Mittelstand ergeben, kann man derzeit nur spekulieren. Es sind aber gewisse Tendenzen erkennbar, die sich aus Basel II ergeben könnten.

Betrachtet man die oben beschriebene Finanzsituation mittelständischer Unternehmen, sind diese besonders auf Kredite der Banken angewiesen. Aufgrund der niedrigen Eigenkapitalquote, die für mittelständische Unternehmen hierzulande üblich ist, könnte sich allerdings ein Problem ergeben. Denn diese ist ein wichtiges Rating- bzw. Bewertungskriterium. Laut Umfrage einer Unternehmensberatungsstelle ist die Eigenkapitalquote zu ca. 16 % am Ergebnis eines Ratings beteiligt. Als wichtigstes Kriterium wird die Ertragsstärke / Cash Flow mit 21 % angegeben. Des Weiteren wird eine gute Managementkompetenz (17 %), sowie gute finanzielle Verhältnisse (17 %) vorausgesetzt.

Sollte das Rating aufgrund einer geringen Eigenkapitalquote schlechter ausfallen, könnten Banken Mittelstandsunternehmen Kredite verweigern oder Kosten, die aufgrund höherer Eigenkapitalhinterlegungen anfallen, in Form von höheren Fremdkapitalzinsen an die Unternehmen weiter geben. Eine Verschlechterung der Kreditkonditionen wäre für viele Unternehmen verhängnisvoll, da sie, wie schon gesagt in hohem Maße vom Fremdkapital abhängig sind. Sie müsste Einbußen in der Rentabilität hinnehmen und könnten weniger Investitionen tätigen. Dies ist allerdings nur der Fall, wenn das Ratingergebnis schlechter als BB- bzw. Ba3 ausfällt. Durch die Änderung der Risikogewichtungen in den neuen Baseler Eigenkapitalvorschriften wurden den Unternehmen auch viele Chancen eingeräumt. Ein Unternehmen kann sich vorerst nicht raten lassen und hätte die gleiche Risikogewichtung wie unter Basel I. Bei einem positiveren Ergebnis als BBB+ bzw. Baa1 würde sich die Risikogewichtungsklasse und damit evtl. die Kreditkonditionen sogar noch verbessern.

Allerdings besteht im Hinblick auf ein gutes Rating ein weiteres Problem. Mittelstandsunternehmen sind bislang unzureichend auf die Anforderungen von Ratings vorbereitet. Mit den Zielsetzungen, Anforderungen und Effekten von Basel II, die sie in Zukunft betreffen, haben sich nur wenige KMUs überhaupt beschäftigt. In diesem Punkt herrscht bei den meisten dieser Unternehmen noch Informationsbedarf z.B. welche Daten benötigt werden, wie man sein Ergebnis durch Optimierung von Abläufen, eines Qualitätsmanagements oder Schulungen verbessern kann etc. Dieses Problem sollte spätestens bis zur letztendlichen Umsetzung von Basel II Ende 2006 größtenteils behoben sein.

Auch die Kosten eines Ratings sind nicht unerheblich. Meist belaufen sie sich beim Erstrating einer Ratingagentur durchschnittlich auf ca. 20.000,- Euro. Außerdem müssen weiterhin regelmäßige Folgeratings zur Aktualisierung durchgeführt werden, mit denen weitere Kosten verbunden sind. Wie schon oben gesagt hat dies aber auch den Vorteil, dass Ergebnisse zu Marketingzwecken veröffentlicht werden können. Dies ist leider beim bankinternen Rating nicht möglich. Allerdings ist dieses im Vergleich günstiger, verursacht aber dennoch Kosten, die meist in Bankgebühren oder Fremdkapitalzinsen enthalten sind.

Die Offenlegung unternehmerischer Informationen kann zu einem weiteren Nachteil für kleine und mittlere Unternehmen werden. Großunternehmen haben meist schon, aufgrund ihrer umfangreichen Publizitätspflichten im Zusammenhang mit ihrem Jahresabschluss- bzw. Quartalsberichten ausreichende Möglichkeiten und Erfahrungen, diese vorteilhaft und einwandfrei aufzubereiten. KMUs sind auf diesem Gebiet nicht in dem Maße vertraut und weniger professionell. Sie haben meist nicht die finanziellen und personellen Möglichkeiten separate Abteilungen zur Dokumentation betriebsinterner Abläufe zu bilden. Aufgrund dessen kann es zu fehlerhaften und unvollständigen Informationen kommen, welche ebenfalls Ursache eines schlechten Ratingergebnisses sein können.

Vorgenannte und weitere Probleme bzw. Unkenntnisse können dazu führen, dass eine allgemeine Kreditverknappung für mittelständische Unternehmen eintritt, welche Investitionen schmälern und Produktinnovationen hemmen. Gleiches gilt bei eventueller Verteuerung von Fremdkapital. Im schlimmsten Fall können derartige Effekte zu einem weiteren Anstieg der Insolvenzen führen, was besonders für Deutschland, dessen Rückgrat bekanntlich KMUs darstellen, fatal wäre. Da der Sinn von Basel II aber nicht eine Steigerung des Eigenkapitals der Banken ist, sondern die risikogerechte Beurteilung von Forderungen gegenüber Unternehmen, ist dieses Szenario relativ unwahrscheinlich.

Die regelmäßig im Vorfeld durchgeführten quantitativen Auswirkungsstudien haben gezeigt, dass der Eigenkapitalbedarf insgesamt wahrscheinlich sinken wird. Nach Ergebnissen der fünften Auswirkungsstudie (QIS5) wird sich der Eigenkapitalbedarf bei Großbanken um 4,2 Prozent, bei kleineren Instituten sogar um 8,4 Prozent verringern. Im Durchschnitt soll die Ersparnis der Großbanken in den zehn Industrieländern 6,8 Prozent betragen. Für kleinere Institute wird der Anteil der Eigenkapitalbedarfsverringerung sogar noch höher geschätzt.

Welche alternativen Lösungsmöglichkeiten kleinen und mittleren Unternehmen bleiben, die mit schlechten Ratingergebnissen und erhöhten Fremdkapitalzinsen rechnen, soll im folgenden Kapitel näher erläutert werden.

Arbeit zitieren:
Bergroschtje, Bastian September 2006: Effekte von Basel II auf die Finanzierung von Mittelstandsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Basel II, Mittelstandsunternehmen, Finanzierung, Rating, Eigenkapitalvereinbarung

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