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Schullust statt Schulfrust

Potentiale Ästhetischer Bildung in der Arbeit mit Schulverweigerern

Schullust statt Schulfrust
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Felix Zimmer
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Potsdam Deutschland
  • Bibliografie: ca. 58
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2800-6
  • ISBN (CD) :978-3-8366-2800-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zimmer, Felix Dezember 2008: Schullust statt Schulfrust, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schulverweigerung, Medienkompetenz, Schule, Bildung, step21

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Bachelorarbeit von Felix Zimmer

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Phänomen „Schulverweigerung“, das in Deutschland längst keine Ausnahmeerscheinung mehr ist. Die Debatten um Schulpflichtverletzungen und Schulversäumnisse haben in Deutschland in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Auftrieb bekommen, dabei ist das Problem nicht neu. Das unentschuldigte Fernbleiben von Schule und das Schwänzen einzelner Unterrichtsstunden sind wohl so alt wie die Schule selbst. „Neu“ in Deutschland ist die öffentliche Thematisierung von Schulverweigerung in bildungspolitischen Debatten und in schul-, und sozialpädagogischen Fachdiskussionen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben sich auf dem Bildungsgipfel in Dresden darauf verständigt, die Zahl der Schulabbrecher bis 2015 von derzeit 8 auf 4 Prozent zu halbieren. Des Weiteren soll die Anzahl der Jugendlichen ohne Berufsausbildung im selben Zeitraum von 17 auf 8,5 Prozent sinken. Wie sich solche Forderungen umsetzen lassen und warum die Anzahl der genannten Gruppen so hoch ist, darüber wird weitestgehend auf Bundes- und Länderebene geschwiegen.

Ziel dieser Arbeit ist es, Schulverweigerung als gesellschaftliches Problem auf den Grund zu gehen und einen möglichen Lösungsweg des Problems mittels Einsatz von geeigneten Medien aufzuzeigen.

Gang der Untersuchung:

Kapitel 2 gibt einen Überblick über die Jugendphase. Des Weiteren werden auf die Interessenlagen, Ängste und Wünsche Jugendlicher mithilfe von aktuellen empirischen Studien verwiesen.

Kapitel 3 beschreibt das Phänomen „Schulverweigerung“. Zunächst folgt eine uneinheitliche Begriffsbestimmung. Bevor die vielfältigen Ursachen und Maßnahmen von Schulverweigerung beschrieben werden, wird ein Überblick über neuere empirische Untersuchungen zum Umfang von Schulverweigerung in der Bundesrepublik Deutschland aufgezeigt.

Kapitel 4 enthält das Thema Schule. Neben der Klärung des Bildungsbegriffs und dem erzieherischen und bildungspolitischen Auftrag von Schule, werden pädagogische Maßnahmen aufgezeigt, welche Schule zur Beeinflussung von Schulverweigerung hat.

Kapitel 5 beschäftigt sich mit Potentialen Ästhetischer Bildung im Umgang mit Medien. Dazu wird der Begriff der Ästhetischen Bildung vorerst definiert. Im Folgenden wird geklärt, warum und wie Medien im Laufe der letzten Jahre eine Zugangsberechtigung für Schule und andere Institutionen erhalten haben.

Kapitel 6 dokumentiert den Einsatz von Medien im Unterricht am Beispiel der Initiative step21.

Kapitel 7 fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen. Des Weiteren wird eine Bewertung zum dokumentierten Beispiel der Initiative step21 in Bezug auf Schulverweigerung vorgenommen.

Der Anhang enthält neben Materialien zum Thema Schulverweigerung und zur Initiative step21, die aus Platzgründen aus dem Hauptteil der Arbeit ausgelagert wurden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V
Vergleich der Schulversäumnisse von 1959/60 und 2001/02 VI
1. Einleitung 7
1.1 Gliederung 7
1.2 Hinweise zur Arbeit 8
2. Jugendphase 10
2.1 Begriffsbestimmung 10
2.2 Jugend und Gesellschaft 13
2.3 Interessenlage der Jugendlichen 14
2.3.1 Freizeitverhalten und Wertorientierung 14
2.3.2 Ängste Jugendlicher 16
2.3.3 Wünsche der Jugendlichen an die Gesellschaft 17
2.4 Zusammenfassung 17
3. Schulverweigerung 19
3.1 Heterogene Begriffsbestimmung 19
3.2 Der Umfang von Schulverweigerung 22
3.2.1 Studien zu Schulverweigerung 23
3.2.2 Schulverweigerung im Vergleich von fast 50 Jahren 25
3.2.3 Fazit zum Umfang von Schulverweigerung 27
3.3 Ursachen von Schulverweigerung 28
3.3.1 Systemisches Ursachenverständnis 29
3.3.2 Risikofaktoren in der Schule 30
3.3.2.1 Schule ist lebensfremd 30
3.3.2.2 Die Angst vor der Schule 30
3.3.3 Zusammenfassung 32
3.4 Der Umgang mit Schulverweigerung 33
3.4.1 Die allgemeine Schulpflicht 33
3.4.2 Maßnahmen zur Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht 33
4. Schule 35
4.1 Was ist Bildung? 35
4.2 Bildung in allgemeinbildenden Schulen 38
4.3 Schulische Beeinflussungsmöglichkeiten für Schulverweigerung 40
4.3.1 Systemisches Verständnis 40
4.3.2 Vom lehrerzentrierten Unterricht zur methodischen Vielfalt 42
4.3.3 Zusammenfassung 44
5. Potentiale Ästhetischer Bildung im Umgang mit Medien 45
5.1 Ästhetische Bildung 45
5.2 Ästhetische Bildung als Lernfeld 46
5.3 Die Neuen Medien 48
5.4 Medienkompetenz 50
5.5 Medienkompetenz als Bildungsaufgabe 51
6. Praxisbeispiel step21 - Initiative für Toleranz und Verantwortung 53
6.1 Was ist step21? 53
6.2 Ziele der Initiative 53
6.2.1 Die Zielgruppe 54
6.2.2 Das Konzept 54
6.3 Die STEP 21-Box [Zukunft : Identität] 55
6.3.1 Themen der Medienbox 56
6.3.2 Einsatzfelder der Medienbox 56
6.3.2.1 Einsatzfeld Schule 56
6.3.2.2 Einsatzfeld außerschulische Jugendarbeit 57
6.3.3 Bestandteile der Medienbox 57
6.3.3.1 Bausteine 57
6.3.3.2 Medien 57
6.3.3.3 Software 58
6.3.4 Ziele der Medienbox 58
6.3.4.1 Politische Bildung 58
6.3.4.2 Medienkompetenz 58
6.3.4.3 Sozialkompetenz 58
6.3.4.4 Gewaltprävention und interkulturelle Kompetenz 58
6.3.4.5 Persönlichkeitsbildung 59
6.4 Radio-Workshop als Praxisbeispiel für den Unterricht 59
7. Schlussbetrachtung 67
Anhang 70
Literaturverzeichnis 105
Sonstige Quellen 110
Stichwortverzeichnis 111

Textprobe:

Kapitel 5.2, Ästhetische Bildung als Lernfeld:

Der Unterschied zwischen dem Lernen aus Erfahrung und dem Faktenlernen besteht darin, das ersteres mit einer Veränderung bisheriger Deutungsmuster einhergeht, letzteres nicht. Diese Veränderung der Erfahrung hat 3 Aspekte:

- Erfahrung führt wenigstens teilweise zu einer neuen Selbstdefinition.

- Es verändert sich die Fremddefinition von anderen Menschen.

- Es verändert sich auch die Vorstellung von bestimmten Sachverhalten.

Durch diesen Ansatz wird deutlich, dass Lernen mehr ist als das Aneignen von Wissen, sondern in Zusammenarbeit mit ästhetischer Praxis zu einem komplexen Erfahrungsraum werden kann, welcher Einfluss auf das soziale Verhalten, das logische Denken, die Identitätsbildung und vieles mehr hat. Wie in Abschnitt 4.2 beschrieben, hat unser derzeitiges Schulsystem genau diesen Anspruch, jedoch erhebliche Schwierigkeiten diesem gerecht zu werden.

„Indem ich meine Umwelt gestalte, entwickle ich mein Wissen und Können. Durch die Tätigkeit des Subjekts werden demnach zugleich die äußere wie die innere Realität, Umwelt und Person, entwickelt“.

Das bedeutet, dass durch Handlungen oder Tätigkeiten der Einzelnen Veränderungen in der Außenwelt bewirkt werden können. Diese Veränderung wirkt sich wiederum auf das Subjekt aus, welchem als Resultat ein größeres Erfahrungsspektrum zur Verführung steht, welches es dann erneut einbringen kann usw. Ziele des ästhetischen Lernens sind:

Entwicklung der persönlichen Äußerungs- und Ausdrucksfähigkeit, Ausprägung einer differenzierten Wahrnehmungs- und Interpretationsfähigkeit, sowie der damit verbundenen Urteils- und Kritikfähigkeit und der Ausbildung von kreativen Lösungsstrategien.

Ästhetische Bildungsziele sind es demnach die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, kritische Auseinandersetzungen mit sich selbst und äußeren Gegebenheiten zu begünstigen, um stabile Persönlichkeitsstrukturen entwickeln zu können. Gerade diese Fähigkeiten gewinnen im Zuge der Globalisierung und des Pluralismus immer mehr an Bedeutung. Nach Paus-Haase ist „das Gebundensein allen pädagogischen Denkens und Handelns an die Ebene der Ästhetik (…) als Basiskategorie des Weltzugangs überhaupt“ zu verstehen.

Die Neuen Medien:

„Medien haben in unserer Gesellschaft als dominante Steuerungs- und Orientierungsinstanzen in allen Teilbereichen eine Schlüsselrolle“.

Wie bei den Interessenlagen der Jugendlichen bereits angedeutet, nimmt die Nutzung von Medien im Bereich der Freizeit einen hohen Stellenwert ein (vgl. Abschnitt 2.3.1). Musik hören, Fernsehen und im Internet surfen sind nach der 15. Shell-Studie die häufigsten Freizeitbeschäftigungen der 12 bis 25 Jährigen. Um mehr Freude am Lernen bei Heranwachsenden zu erzielen, scheint es sinnvoll die bereits bestehenden Interessen mit der Vermittlung von Wissen und einer umfassenden Bildung zu verbinden. Erreicht werden kann dies durch das Einsetzen von Medien im Unterricht. In Verbindung der Ansätze von Ästhetischer Bildung mit der Vermittlung von Fach- und Faktenwissen durch Nutzung der unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Medien entwickelt sich ein breitgefächertes Potential und Spektrum. Einerseits werden die schöpferische Fähigkeit, die Ausdruckskraft und die soziale Kompetenz gestärkt und gefördert. Andererseits kann auf kreative Weise Wissen aus unterschiedlichen Bereichen erschlossen und neu verknüpft werden.

Auch der Bildungssektor hat diese Potentiale medialer Nutzung bereits erkannt und sich wie folgt geäußert: „Die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten der Medien können Prozesse der Selbstsozialisation, der Bildung und somit die Autonomie und Kompetenz der Heranwachsenden stützen. Grundbedingung sind vielfältige Medienkompetenzen, vor allem auch die gezielte Auswahl der für sie interessanten Medienangebote“.

Die Nutzung von Medien wie Computer, MP3-Player und Internet etc. nahmen in den letzten Jahren aufgrund der technologischen Entwicklung drastisch zu. Die JIM-Studie beschäftigt sich mit der Mediennutzung von 12 bis 19 Jährigen. Abbildung 5.4 zeigt inwieweit deutsche Haushalte im Jahr 2007 mit technischen Geräten ausgestattet waren.

Aus der Abbildung 5.4 ersichtlich sind Medien in vielfältiger Weise verbreitet und quasi jedem Jugendlichen zugänglich. Auch die Bereiche der formellen, informellen und nicht-formellen Bildung werden von Medien durchzogen oder zumindest tangiert wie im Abschnitt 4.1 bereits aufgezeigt. Nach Dichanz ist jedoch Schule als formelle Bildungsinstanz der einzige Ort, der dieses Potential bisher nicht ausreichend nutzt (siehe Abbildung 5.4: Geräte-Ausstattung im Haushalt 2007).

„Es gibt keinen Bereich der Arbeits-, Kultur- und Freizeitwelt mehr, in dem Medien nicht ihren selbstverständlichen Platz haben – mit Ausnahme der Schule.“ Da Informationen, Wissen und Bildung eine immer größere Rolle in der Gesellschaft einnehmen, muss Schule im Bereich der Medienkompetenz handlungsfähig werden.

Die neuen Medien bieten nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Angesichts der sich ausweitenden Nutzung der neuen Medien (Computer, Internet etc.) gewinnen die Fragen eines effektiven Schutzes von Kindern und Heranwachsenden zunehmend an Bedeutung. Aufgrund der technologischen, jugend-, arbeitsmarkt-, gesellschafts- und bildungspolitischen Veränderungen kommt der Förderung von Medienkompetenz eine entscheidende Bedeutung zu. Bedenkt man, wie rasch sich beispielsweise Handy und Internet in allen Bereichen der Gesellschaft ausgebreitet haben, so ist Medienkompetenz eine entscheidende Grundlage lebenslangen Lernens (vgl. Abschnitt 5.4.).

Zur Nutzung der verschiedenen Medien und deren Umgang von Jugendlichen macht die JIM-Studie 2007 ebenfalls Aussagen. Es werden neben Potentialen auch Risiken aufgezeigt. Die Autoren dieses Berichts stellen fest, dass missbräuchliche Nutzungsformen des Handys gegenüber dem Vorjahr zugenommen haben.

„Sowohl das Versenden bzw. ungewollte Empfangen von Gewalt- und Pornovideos als auch das Aufzeichnen von Prügelszenen ist weiter ein Thema, vor dem man nicht die Augen verschließen kann“.

Auch erscheinen manche Einstellungen, die Jugendliche zum Internet haben, problematisch zu sein. Jeder vierte Jugendliche denkt, dass die Inhalte im Internet geprüft und somit gültig seien. Auch hier zeigt sich, dass die Forderung nach Stärkung der Medienkompetenz auch bei Jugendlichen, die im Medienzeitalter aufgewachsen sind, notwendig ist.

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Arbeit zitieren:
Zimmer, Felix Dezember 2008: Schullust statt Schulfrust, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schulverweigerung, Medienkompetenz, Schule, Bildung, step21

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