Bullying und Aggressionen im Schulbus
Eine empirische Untersuchung über Aggressionen im Schulbus im Rahmen eines Schüler Streitschlichter Programms
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Isolde Elisabeth Rodler
- Abgabedatum: März 2008
- Umfang: 145 Seiten
- Dateigröße: 910,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Klagenfurt Österreich
- Bibliografie: ca. 93
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2783-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rodler, Isolde Elisabeth März 2008: Bullying und Aggressionen im Schulbus, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gruppenkohäsion, Shame Management, Victimisation, Persönlichkeit, Aggressivität
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Diplomarbeit von Isolde Elisabeth Rodler
Einleitung:
Die Beschäftigung mit den theoretischen Überlegungen zu den Themata Bullying und Viktimisierung und Ursachen von Aggression im schulischen Kontext, Aggressionstheorien, entwicklungspsychologische Meilensteine im Hinblick auf die Entwicklung der sozialen Intelligenz und der social skills, legen den Grundstein für die empirische Studie.
Das Pendel eines geringen Selbstwirksamkeitskonzepts kann einerseits in Richtung aggressives Verhalten ausschlagen, andererseits in Richtung erlernter Hilflosigkeit und damit Viktimisierung. Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verlaufen vielschichtig und vielfach fließend.
Die Forschungsfrage resultiert aus der Annahme, dass vielfach Aggression sowohl physischer, als auch verbaler Natur durch den Einsatz von SchülerstreitschlichterInnen und eines Konfliktlösungsprogramms unterbunden werden kann. Aggressive Verhaltensweisen determinieren Angst sowohl bei Tätern als auch bei Opfern. Durch adäquate Bewältigungsstrategien und das Zurückgreifen auf Ressourcen wie ein gestärktes Selbstwirksamkeitskonzept, soziale Kompetenz, Empathie und Einfühlungsvermögen in andere, können Ängste verringert und zukünftige Interaktionen positiver gestaltet werden.
Durch den Einsatz von Peermediation können Lösungsansätze gefunden werden die effizient sind, da die Kultur innerhalb der Peer anders zu betrachten ist als unter Erwachsenen. SchülerstreitschlichterInnen befinden sich im inneren Kreis, minimieren das Gefühl der Zurechtweisung und damit die Gefahr das ohnedies schwache Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitskonzept der Beteiligten noch weiter zu schwächen. Der Einbeziehung des adaptiven Shame Managements und die ReIntegration von Bullies in die schulische Gemeinschaft stellt einen essentiellen Teil des Konfliktlösungsprozesses dar.
Die vorliegende Arbeit ist eine explorative Studie, auf Basis der theoretischen Auseinandersetzung wird folgende Forschungsfrage formuliert:
Forschungsfrage:
Wie sehen Eltern die Schulwegsituation ihrer Kinder?
Wie erleben Busfahrer die Fahrt mit dem Bus, welche Stellungnahme bezieht die Direktion der Bundesbusse?
Welches Ausmaß an selbst berichteter Situationsangst und Aggression kann in einer Kärntner Schule unter 12 bis 14-jährigen Kindern, die täglich einen Schulbus benutzen müssen erhoben werden?
Wie wirkt sich eine Intervention in Form eines Konfliktlösungstrainings auf selbst berichtete Aggressivität aus?
Wie erleben die SchülerstreitschlichterInnen das Coaching und ihren Einsatz in der praktischen Anwendung?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 8 |
| 1.1 | Herleitung des Themas, Motivation | 9 |
| 1.2 | Überblick über die Arbeit | 14 |
| 2. | Theoriegeleitete Überlegungen zur Entwicklung | 18 |
| 2.1 | Entwicklung im Kontext von Ökologie | 18 |
| 2.1.1 | Entwicklung, Enkulturation, und Akkulturation | 21 |
| 2.1.2 | Mikrosystem und bindungstheoretische Ansätze | 23 |
| 2.1.3 | Das Mikrosystem als Interaktionspartnerschaft zwischen Eltern und Kindern | 27 |
| 2.1.4 | Temperamentund Persönlichkeitsentwicklung als Entwicklungsaufgabe | 32 |
| 2.1.5 | Selbstkonzept und Kontrollüberzeugungen | 36 |
| 2.1.6 | Persönlichkeit und die Anlage - Umweltdeterminanten. | 38 |
| 2.1.7 | Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstregulation, Selbstwirksamkeit | 42 |
| 2.1.8 | Selbstregulation im Bezug auf aggressives Verhalten | 44 |
| 2.1.9 | Soziale Gruppenkohäsion und soziale Kompetenz | 47 |
| 2.1.10 | Resilienz und Vulnerabilität | 51 |
| 3. | Physische und psychische Gewalt, Aggression, Bullying - verschiedene Termini für ein weltweites gesellschaftliches Problem. | 53 |
| 3.1 | Bullying und Viktimisierung (Bullying and Victimisation) | 57 |
| 3.2 | Bullying und Viktimisierung sind ein Thema im österreichischen Schulsystem | 60 |
| 3.2.1 | Drei differenzierbare Verhaltensweisen von Bullies und Strukturmerkmale abweichenden Verhaltens. | 62 |
| 3.3 | Gruppendynamische Merkmale einer Bullyingsituation | 66 |
| 3.3.1 | Die Opferrolle der Victims | 70 |
| 3.4 | Die Rolle des Shame Management im Bezug auf Bullying | 73 |
| 4. | Die Intervention | 76 |
| 4.1 | Organisatorische Vorbereitung | 76 |
| 4.2 | Trainingsprogramm für SchülerstreitschlichterInnen | 77 |
| 4.2.1 | Gruppenarbeit | 77 |
| 4.2.2 | Kommunikation | 80 |
| 4.2.3 | Konflikt | 81 |
| 4.2.4 | Konfliktlösung | 84 |
| 4.2.5 | Streitschlichtung und Wiedergutmachung | 85 |
| 5. | Empirische Studie | 88 |
| 5.1 | Forschungsfrage | 89 |
| 5.2 | Untersuchungsdesign | 89 |
| 5.3 | Erhebungsmethoden | 90 |
| 5.3.1 | Diskursives Interview | 90 |
| 5.3.2 | Fragebogenerhebung | 90 |
| 5.3.3 | Gruppendiskussion | 91 |
| 5.3.4 | Teilnehmende Beobachtung | 91 |
| 5.4 | Auswertungsverfahren | 92 |
| 5.4.1 | Qualitative Inhaltsanalyse | 92 |
| 5.4.2 | Statistische Analysen | 92 |
| 5.5 | Datenerhebung | 93 |
| 5.6 | Befragung der Eltern im Vorfeld | 94 |
| 5.7 | Befragung der Busfahrer und der Direktion der Bundesbusse | 96 |
| 5.8 | Stichprobenbeschreibung der SchülerInnen | 96 |
| 5.8.1 | Geschlecht und Schulstufen der Befragten | 97 |
| 5.8.2 | Rücklauf zum 2. Messzeitpunkt | 99 |
| 5.8.3 | Altersverteilung der SchülerInnen | 100 |
| 6. | Ergebnisse | 101 |
| 6.1 | Ergebnisse der Skala zum Selbstbild von Peter Kurz | 101 |
| 6.1.1 | Reliabilitätsanalyse zur Skala Selbstbild | 101 |
| 6.1.2 | Häufigkeiten der Skala Selbstbild | 102 |
| 6.1.3 | Gruppenvergleiche der Skala Selbstbild | 103 |
| 6.2 | Ergebnisse zur Situationsangst STAI | 104 |
| 6.2.1 | Reliabilitätsanalyse des STAI X1 | 104 |
| 6.2.2 | Gruppenvergleiche im STAI X1 | 107 |
| 6.2.3 | Angst im Zusammenhang mit dem Selbstbild | 108 |
| 6.3 | Ergebnisse für die selbst zusammengestellten Items zum Thema Gewalt | 110 |
| 6.3.1 | Faktorenanalyse für die Items zum Thema Gewalt (im Schulbus) | 110 |
| 6.3.2 | Beschreibung der Faktoren : | 113 |
| 6.3.3 | Vergleich der Faktoren zu Gewalt nach Geschlecht | 115 |
| 6.3.4 | Vergleich der Faktoren zu Gewalt nach Schulstufen | 117 |
| 6.4 | Ergebnis der Prä-Post Untersuchung | 118 |
| 6.4.1 | Messwiederholungsergebnisse zu den Faktoren zu Gewalt | 119 |
| 6.5 | Ergebnisse aus der Sicht der Schüler-StreitschlichterInnen | 123 |
| 7. | Zusammenfassung und Diskussion | 126 |
| 8. | Literatur | 134 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Bullying und Viktimisierung (Bullying and Victimisation):
Der Substantiv Bully stammt ursprünglich aus dem anglistischen Sprachgebrauch und bedeutet Tyrann, Rüpel, daraus wurde der Begriff Bullying abgeleitet, der vom Mobbing nur insofern unterschieden wird, dass Bullies meist auch physische Gewalt ausüben. Die exakte Abgrenzung zwischen Bullying und Mobbing ist trotz mehrfacher wissenschaftlicher Definitionen nicht möglich. In dieser Arbeit wird werden die Begriffe Bullying und Mobbing synonym verwendet.
Eingangs erfolgt die wissenschaftliche Erklärung für den Terminus Bullying:
„ Bullying is the wilful, conscious desire to hurt another and put him/her under stress”.
Dan Olweus korrigiert die obenstehende Definition dahingehend, dass erst dann von Bullying gesprochen werden kann, wenn dieses Verhalten über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird . Er präzisiert weiter „ (..) bullying is absolutely negative behaviour, intended to inflict injury or discomfort“ und legt weiter Wert darauf dass es ein Ungleichgewicht im Kräfteverhältnis geben muss um von Bullying sprechen zu können.
Dieses Ungleichgewicht bezieht sich sowohl auf physische als auch psychische Kompetenzen, bei Bullying handelt es sich immer um deviantes Verhalten.
Smith definiert Bullying sinngemäss als wiederholten und systematischen Missbrauch sozialer Macht gegenüber Schwächeren. Mit dieser Definition wird auf die Prozesshaftigkeit hingewiesen.Damit wird erklärt, dass nicht Einzelereignisse als Bullying gewertet werden können, sondern systematisches attackieren in asymmetrischen Beziehungen erfolgt. Das Machtverhältnis und Kräfteverhältnis ist unausgewogen.
Bullying ist ein soziales Phänomen das sich durch seinen prozesshaften Charakter auszeichnet.
Das HBSC Factsheet Nr.5, das vom österr. Bundesministerium für Gesundheit und Frauen im Rahmen der WHO Empfehlungen herausgegeben wurde, definiert Bullying anhand der Rolle des Opfers oder Victims folgendermassen:
„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler/Innen ausgesetzt ist, ohne dabei selbst provokativ gewesen zu sein. Der Täter oder die Täterin ist dem Opfer dabei in irgendeiner Weise überlegen, so dass es sich nicht um einen Kampf zwischen Gleichstarken handelt. In dieser Definition wird noch differenziert zwischen körperlicher Gewalt, verbalem Druck wie Beschimpfungen, Beleidigungen, mittelbarem Bullying durch Mangel an Akzeptanz, Demonstration von Gleichgültigkeit, üble Nachrede, absichtliches Ausgrenzen, Einschüchterung Erpressung und Vandalismus als Zerstörung von Privateigentum der Opfer.“.
Bullying stellt ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem im schulischen Kontext dar. Sowohl Täter als auch Opfer erleiden entweder nachhaltige gesundheitliche Folgen, wie psychosomatische Erkrankungen, psychische Leiden, Angststörungen, Depression, Tendenz zu suizidalem Verhalten, dies gilt für Victims, Bullies wiederum geraten oft ins gesellschaftliche Abseits, zeigen Tendenz zur Konsumation von Drogen und Alkohol , und rutschen in weiterer Folge häufig in die Kriminalität:
Rigby formuliert dazu : „ Those who bully are more likely to drop out of school, use drugs, and alcohol, as well as engage in subsequent delinquent in criminal behaviour. Children who are bullied have higher levels of stress, anxiety, depression, illness and suicidal ideation”.
Wenn von Bullying gesprochen wird, handelt es sich unmittelbar um das Dominanzstreben einzelner gegenüber der Gruppe , oder aber gegenüber signifikant Schwächeren .Das angestrebte Dominanzverhalten zum Beispiel aufgrund von körperlicher Überlegenheit, ist jedoch nicht in Bezug zu setzen mit dem Dominanzverhalten von Gruppenführern, sogenannten Alphas wie von mir im Kapitel 2.1.9. bereit behandelt wurde.
Bullies zeigen zwar Bestrebungen die Alpharolle zu erreichen, schaffen dies jedoch nur durch physische Gewalt oder das Erzeugen von Angst durch körperliche oder verbale Machtausübung, und erreichen die Führungsposition in der Gruppe nur immer wieder kurzfristig, ohne sich produktiv in der Gruppe einzubringen.
Bisher gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege darüber, wie Bullies in einem Soziogramm innerhalb der Gemeinschaft bewertet werden, und welche Rolle die so genannten Alphas in Gruppen einnehmen, die von Bullies terrorisiert werden. Untersuchungen darüber könnten Aufschluss darüber geben warum Bullies in ihrer Agitation innerhalb der Gruppe nicht gestoppt werden können und Ihr Verhalten toleriert wird, oder aber Victims nicht geschützt werden und damit immer mehr in ein soziales Vakuum abgleiten.
Der WHO Bericht über Gewalt lässt den Schluss zu, dass Gewalt als soziale Pandemie des zu Ende gegangenen Jahrhunderts zu betrachten ist.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836627832
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Rodler, Isolde Elisabeth März 2008: Bullying und Aggressionen im Schulbus, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gruppenkohäsion, Shame Management, Victimisation, Persönlichkeit, Aggressivität




