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Laute Musik = Gute Musik?

Der Einfluss des Mixings auf die subjektive Beurteilung eines Popsongs

Laute Musik = Gute Musik?
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Sebastian Steinhardt
  • Abgabedatum: November 2008
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 7,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Musik und Theater Hannover Deutschland
  • Bibliografie: ca. 26
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2561-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Steinhardt, Sebastian November 2008: Laute Musik = Gute Musik?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Musikproduktion, laute Musik, Mixing, Psychoakustik, Hören

Bachelorarbeit von Sebastian Steinhardt

Einleitung:

Mit dieser Bachelorarbeit möchte ich den Einfluss der Musikproduktion eines Popsongs im Bezug auf die subjektive Bewertung untersuchen.

Dabei wende ich mich hier dem dynamischen Aspekt des Gesamtklanges und der Nachbearbeitung von Musik zu und untersuche die Lautstärke- bzw. Lautheitsunterschiede und dessen Wirkungen auf den Menschen anhand eines Musikstückes. Den dynamischen Einflussfaktor möchte ich mit subjektiver Beurteilung eines psychoakustischen Experimentes erforschen und einen Zusammenhang zwischen „laut“ produzierter Musik und deren Gefallenswert darstellen, also der Einfluss des Mixings auf den subjektive Beurteilung eines Popsongs.

Besonders in der Musikwirtschaft ist es wichtig zu verstehen, welche dynamischen Eigenschaften Musik haben muss, um sie optimal verkaufen zu können.

Der wirtschaftlich kommerzielle Nutzen der Wissenschaft ist ebenso Sinn dieser Abschlussarbeit.

Da ich selber schon länger Musik produziere, viel Zeit in meinem Leben damit verbringe und auch beruflich in diese Richtung gehen möchte, ist es für mich sehr interessant und wichtig, auf diesem Gebiet persönlich, sowie wissenschaftlich neue Erkenntnisse zu bringen.

Neben einem ausführlichem Theorieteil mit Hintergrundinformationen über Schall, Lautstärke und deren physikalischen Zusammenhängen habe ich einen psychoakustischen Hörversuch erarbeitet, mit dem ich empirisch wissenschaftlich prüfen möchte, inwieweit und warum Lautstärkefaktoren das generelle Empfinden der Musik beeinflussen.

Dazu habe ich auch ein Interview mit den damit täglich arbeitenden Personen wie Hörfunkredakteuren, und „Radiomachern“ durchgeführt und in meine Arbeit miteinbezogen.

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ Ohne diese Neugier als wissenschaftliche Voraussetzung könnte ich diese Arbeit nicht schreiben und ich wünsche Ihnen hiermit ebenso ganz viel Neugier beim Lesen dieser Arbeit.

Ist laute Musik wirklich bessere Musik?

Zu diesem eBook gehört ein MP3-Anhang als zip-Datei zum Download.

Inhaltsverzeichnis:

1. VORWORT 1
2. EINLEITUNG 2
3. EINFÜHRUNG, AKUSTIK UND PHYSIKALISCHE HINTERGRÜNDE 3
3.1 Der Schall 3
3.2 Der Schallpegel 5
3.3 Der Lautstärkepegel in Phon 8
3.4 Kurven gleicher Lautheit 9
3.5 Die Sone Skala 11
3.6 Bewertungsfilter der Lautstärke 12
4. LAUTSTÄRKE IN DER POPMUSIKPRODUKTION 13
4.1 Pegel – Digitalpegel 13
4.2 Dynamikprozessoren und Regelverstärker 14
4.3 Analyse und Vergleiche unterschiedlicher Songs 17
4.4 Loudness Raice / Loudness War 20
5. DAS GEHÖR - VOM SCHALL ZUR SINNESWAHRNEHMUNG 21
5.1 Der Aufbau des Gehörs 22
5.2 Reiz und Empfindung 24
5.3 Die Mithörschwelle 25
6. SCHÄDIGUNG DURCH LAUTE MUSIK 26
6.1 Schädigung durch Freizeitlärm 26
6.2 Laute Musik als Foltermethode 28
7. DAS HÖREXPERIMENT 29
7.1 Beschreibung der Song-Produktion „Get Loud“ 29
7.2 Die 4 Versionen des Songs 31
7.3 Randomisieren 38
7.4 Fragestellung und Hypothese 40
7.5 Variablen 40
7.6 Die Stichprobe 42
7.7 Versuchsbeschreibung 47
8. MESSUNG AM KUNSTKOPF 48
9. ERGEBNISSE DES HÖREXPERIMENTES 50
9.1 Ergebnisse des Lautheitsempfinden 50
9.2 Ergebnisse der Gefallensbewertung (allgemein) 51
9.3 Ergebnisse der von Variablen abhängigen Gefallensbewertung 53
9.4 Ergebnisse der Gefallensbewertung: störend – angenehm 58
9.5 Ergebnisse, welches Instrument anders empfunden wurde 59
9.6 Ergebnisse der Kaufsbereitschaft 60
10. DISKUSSION 61
11. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSWORT 67
12. LITERATURANGABE69
13. ANHANG 72
A AUDIO CD (INHALT) 72
B DATEN CD (INHALT) 72
C INTERVIEW MIT TORSTEN HEY 73
D DER FRAGEBOGEN 75
E STATISTIK 81
F DOKUMENTATION DER SPSS AUSWERTUNG 82
G FOTOS 90

Textprobe:

Kapitel 5.2, Reiz und Empfindung: Ein Schall wird erst dann zum Reiz wenn er am Sinnesorgan Gehör ankommt. Er kann bestimmte Eigenschaften besitzen wie der Schallpegel, die Tonhöhe (Frequenz), die Dauer oder die Einfallsrichtung. Diese Eigenschaften werden auch „Reizgrößen“ genannt (bei Lautstärke wäre dies die Schallenergie , gemessen in dB (SPL). Ein Reiz löst beim Menschen eine Empfindung aus, die im Gegensatz zum Schall nur sehr schwierig messbar sind. Die subjektive Beurteilung dieser Größen werden auch „Empfindungsgrößen“ genannt (bei Lautstärke, bzw. jetzt Lautheit, wäre dies in sone).

Untersucht wird in der Psychoakustik hierbei, wie viel sich die Reizgröße ändern muss, um auch eine Änderung der Empfindungsgröße zu bewirken. Die Grenzwerte sind die Werte, ab wann ein Reiz / Reizänderung wahrgenommen wird. Für die Lautstärke wäre dies die Kurve gleicher Lautheit, die gestrichelte Linie in Abbildung 5 zu erkennen. Sie wird auch absolute Hörschwelle oder Ruhehörschwelle genannt.

Im Tonhöhenbereich wird davon ausgegangen, das Reize unter 20 Hz und über 20 kHz nicht mehr wahrgenommen werden können. Die Wahrnehmung von minimalen Schallpegeländerungen hängt von der Frequenz und der Schallpegelgröße des Tones ab. Das Gehör reagiert bei Sinustönen mit größerem Schalldruck empfindlicher gegenüber von Lautstärkeänderungen als bei geringem Schalldruck. Daraus schließt, dass bei lauter Musik nicht nur mehr Frequenzen gehört , sondern auch dynamische Veränderungen besser wahrgenommen werden als bei leiser Musik. Wieder eine Hypothese mehr, warum laute Musik bessere Musik als leise Musik sein könnte.

Doch nur eine These, da Sinustöne nicht auf Klangbilder und Musik übertragbar ist. Bei weißem Rauschen gilt nämlich, das gleiche, aber ab 30 dB und lauteren Werten bleibt die Empfindung von Pegeländerungen konstant. Es wäre also im Empfinden von minimal wahrnehmbaren Lautstärkeänderungen kein Unterschied, ob man bei 30 dB oder 90 dB hört. Nur unter 30 dB gilt, dass bei leiserer Musik eben wahrnehmbare Amplitudenänderungen schlechter wahrgenommen werden können.

Kapitel 5.3, Die Mithörschwelle: Die absolute Hörschwelle, ab wann Töne wahrgenommen werden können, definiert eine ruhige Hörsituation (=Ruhehörschwelle), wo nur der einzige Ton gemessen wird. Anders verhält es sich, wenn Störgeräusche vorhanden sind. Gerade bei Popmusik kommen Töne eigentlich nie einzeln, sondern immer mit anderen Tönen und Klängen zusammen vor. Dabei kann es passieren, dass bestimmte Frequenzen so laut sind, dass andere Frequenzbereiche leiseren Schalldrucks nicht mehr wahrgenommen werden können. Man spricht hier auch von dem „Maskierungseffekt“.

Ein hörbarer Testton kann bei gleichem Schalldruck unhörbar werden, wenn ein zweiter Ton hinzugefügt wird und den Testton überdeckt. Die Mithörschwelle gibt die Schallpegelwerte an, die ein Ton haben muss, um neben einem anderen Störschall gerade eben noch mitgehört zu werden. Da die Töne durch den Störschall bedingt verdeckt werden, liegt die Mithörschwelle eines Tones oberhalb der Ruhehörschwelle. Der Grund dafür ist, dass vereinfacht gesagt der Störschall bestimmte Härchen in der Schnecke schon miterregt, welche dann beim Testton nicht mehr erregt werden können.

In der Musikproduktion und beim Mischen ist dies sehr wichtig zu beachten, wobei aber meistens nach Gefühl ohne das Hintergrundwissen dieser Abschlussarbeit gemischt wird. Manchmal werden Maskierungseffekte auch gewünscht, denn es ist gerade interessant wenn man bestimmte leise Instrumente im Hintergrund oder Klangflächen nur hin und wieder mal durchklingen hört und diese von anderen Instrumenten verdeckt werden und z.B. nur in den Pausen der lauteren Instrumente wahrnehmbar sind. So können auch Dinge, die gar nicht wahrgenommen werden, trotzdem vorhanden sein.

Genau hierin besteht die Kunst eines Produzenten, einen Song in diesem Verhältnis möglichst „gut klingend“ abzumischen, dass das Verhältnis zu den bewusst und unbewusst wahrgenommenen Frequenzen ganzheitlich stimmt und die Frequenzüberlagerungen nicht störend wirken. Auch in der Encodierung des mp3-Formates werden Frequenzen, die man nicht wahrnehmen kann, herausgefiltert um so die Speichergröße zu optimieren.6. Schädigung durch laute Musik Kapitel 6.1, Schädigung durch Freizeitlärm: „Im Rahmen der Hörerziehung ist es Aufgabe des Musikunterrichts, für die Gefahren unangemessenen Musikkonsums (Lautstärke, Hördauer) zu sensibilisieren.“ Curriculum Niedersachsen Hauptschule Die curricularen Vorgaben des Niedersächsischen Kultusministeriums für die Hauptschule machen den Musikunterricht zur Aufgabe, auf die Hörgewohnheiten der Kinder bewusst zu machen und die Schüler über die Gefahren zu lauten Musikkonsums hinzuweisen. Hiermit soll eine Schädigung des Gehörs durch Freizeitlärm schon frühzeitig vorgebeugt werden. Die Vorsichtsmaßnahmen gegen Gehörschädigungen können nicht früh genug anfangen. Nach einer Untersuchung der Universität Düsseldorf hat ein Viertel der jungen Männer zwischen 16 und 24 Jahren schon feststellbare Gehörschäden. Diese kommen hauptsächlich von langer lauter Nutzung von Mp3-Spielern / Discmen, die bis 110 dB (A) erreichen können. Ebenfalls findet die Schädigung in Discotheken statt, wo Dauer-Lautstärkewerte bis 100 dB (A) vorkommen können.

Klassische Konzerte erreichen dazu im Vergleich 67-88 dB (A), jedoch fast nie dauerhaft. Werte über 85 dB (A) sind schon gesundheitsschädlich. Daher ist gesetzlich an Arbeitsplätzen mit Schall über 85 dB (A) ein Gehörschutz vorgeschrieben. Aber nicht nur die einmalig hohe Schallbelastung, z.B. in einem Konzert, sondern genauso die nicht ganz so laute aber über längere Zeit anhaltende Lautstärke kann genauso schädigend wirken. Man spricht hierbei von Dauerschall (z.B. längerer Aufenthalt in Diskotheken). Auch Klassenräume, die oftmals tatsächlich im ungedämmten Zustand zu laut für Kinder sein können, bringen Gefahren. Man kann unter anderem in Discotheken beobachten, dass im Laufe eines Abends von 23 Uhr bis 4 Uhr der Lautstärkepegel in Discotheken stetig zunimmt.

In Abbildung 15 erkennt man gut einen Zusammenhang der Hörverluste mit dem Lautstärkepegel in Diskotheken: je lauter die Musik desto größer die Schädigung. Bei Schallüberlastung werden die Zilien im Innenohr der äußeren Haarzellen geschädigt. Bei kurzzeitiger Schallüberlastung können die Schäden in entsprechenden Lärmpausen wieder behoben werden. Doch ohne diese Ruhepausen z.B. durch Dauerschall, werde die Zilien irreparabel geschädigt, was dann zu einem Hörverlust oder einem Tinitus führen kann. Ebenso wird die Hörschwelle angehoben, wodurch leiser, gerade noch wahrnehmbarer Schall nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Sehr starke Gehörschäden stellen sich als Schranke einer beruflichen Zukunft und im sozialen Prozess der Kommunikation dar, denn es ist wichtig, mit einem gesunden Gehör Sprachmitteilungen im Alltag fehlerfrei zu verstehen. Als Maßnahme zur Vorbeugung von Gehörschäden durch zu laute Musik wird versucht, Musik-Pegelbegrenzungen in Discotheken und Veranstaltungen auf 90-95 dB (A) nach DIN 15905 Teil 5 (Schutz des Publikums), bei Tonwiedergabegeräten mit Kopfhörern auf 90 dB (A) zu begrenzen. Die Hoffnung besteht immer noch grundlegend nach dem Zitat des Curriculums, dass der Musikunterricht in Schulen Kinder und Jugendliche vor übermäßigem und zu lautem Musikkonsums hinweist und aufklärt, auf die Gefahren der zu lauten Musik aufmerksam macht und so Gehörschäden vermieden werden können.

Kapitel 6.2, Laute Musik als Foltermethode: So negativ die Tatsachen der unbewussten Gehörschädigung durch Freizeitlärm ist, desto erschreckender wird der bewusst eingesetzte Schall durch laute Musik bei Foltermethoden im Abu Ghraib Gefängnis. Hier soll laute Musik den Gefangenen Schaden zufügen und als Folterwerkzeug gegen Terroristen eingesetzt werden.

„Sie spielten aus riesigen Lautsprechern sehr laute Musik und ließen uns dazu tanzen. Die Musik dröhnte uns genau in die Ohren und hielt uns die ganze Nacht wach.“ Neben Musik wird auch weißer Lärm / weißes Rauschen eingesetzt. Hierbei kommt es zu geistiger Verwirrung oder anderen psychischen Störungen. Die meisten Opfer fangen schon nach 40 Minuten zu halluzinieren. Es treten Bewusstseins- und Verhaltensänderungen ein. Zu den Folgen sensorischer Deprivation, gegebenenfalls in Kombination mit länger andauernder Einwirkung von weißem Lärm zählen unter anderem: Angstzustände, Orientierungslosigkeit, visuelle und akustische Halluzinationen, Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen, veränderte Zeitwahrnehmung, verstärkte Beeinflussbarkeit. In den vergangenen Jahren kam Musik vor allem als Folterwerkzug nach den Skandalen von Guantanamo und Abu Ghraib im Irak in die Schlagzeilen. Ehemalige Häftlingen von Guantanamo berichten von stundenlanger ohrenbetäubender Beschallung mit Songs von Eminem, Britney Spears, Limp Bizkit, Rage Against The Machine, Metallica und Bruce Springsteen. Abu Ghraib wurde auch „die Disko“ genannt, weil Gefangene mit lauter, westlicher Musik am Schlafen gehindert wurden.

Es ist bedauerlich, wie die Musik hierbei missbraucht werden kann. Hiermit wird sicher die Mehrheit der Aussage dieser Abschlussarbeit zustimmen, dass in diesem Fall: „Laute Musik = Gute Musik“, ganz bestimmt nicht zutrifft.

Arbeit zitieren:
Steinhardt, Sebastian November 2008: Laute Musik = Gute Musik?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Musikproduktion, laute Musik, Mixing, Psychoakustik, Hören

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