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Sprachrohr der Auslandschinesen in Europa?

Die Monatszeitung Europe Business & Lifestyle aus Hamburg

Sprachrohr der Auslandschinesen in Europa?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Ya Ming Li
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 66
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2545-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Li, Ya Ming Juli 2008: Sprachrohr der Auslandschinesen in Europa?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Zeitung, Sprachrohr, Auslandsaufenthalt, Europe Business

Magisterarbeit von Ya Ming Li

Einleitung:

Im November des Jahres 2004 trafen sich in Frankfurt am Main zirka 100 Herausgeber und Vertreter chinesischsprachiger Zeitungen aus Europa, um sich über Lage und Ziele der chinesischsprachigen Presse in Europa auszutauschen. Diskutiert wurde unter anderem eine Kooperation von Medienprojekten auf wirtschaftlicher Ebene sowie ein Zusammenschluss aller chinesischen Zeitungen, welche in Europa herausgegeben werden.

Xu Bo, Vertriebsleiter der Chinesischen Handelszeitung,verglich die Situation der chinesischen Auslandspresse mit der Zeit der Streitenden Reiche im antiken China. Bisher konnten sich in Deutschland die chinesischsprachigen Zeitungen mühelos behaupten. Doch durch die Neugründung einiger Blätter in den letzten Jahren entstand ein Konkurrenzkampf um Leser und Anzeigenmarkt. So gründete im Jahr 2003 die Hamburger Reisegesellschaft Caissa Touristic Group AG die Monatszeitung Europe Business & Lifestyle (im Folgenden durch die Buchstaben EBL abgekürzt).

Was hat den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Caissa Touristic Group, Mang Chen (陈茫), bewogen, eine weitere chinesischsprachige Zeitung in Europa ins Leben zu rufen? An welche Zielgruppe ist die Zeitung gerichtet, welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt sie, wird sie ihrem Namen einer Wirtschafts- und Lifestyle-Zeitung gerecht und welche kommerziellen Ziele verfolgt das Unternehmen Caissa mit ihr? Antworten auf diese Fragen möchte die vorliegende Arbeit liefern und bedient sich dabei den Methoden der Inhaltsanalyse, um die formalen sowie inhaltlichen Entwicklungen der Zeitung kenntlich zu machen. Maßgeblich soll untersucht werden, inwieweit die EBL als Sprachrohr für Auslandschinesen in Europa angesehen werden kann und welche politische Einstellung sie vertritt.

Als Untersuchungseinheit dienen die Ausgaben der ersten zwei Jahrgänge, welche am deutlichsten grundlegende Veränderungen in Form und Inhalt der Zeitung aufweisen und die inhaltliche Schwerpunktverschiebung seitens der Redaktion dokumentieren. Zusätzlich werden zwei aktuellere Ausgaben ausgewertet, um die formale Inhaltsanalyse zu vervollständigen.

Zum Auftakt soll die Gründung der EBL und die Erstausgabe kurz beleuchtet und die Zielsetzung des Herausgebers Mang Chen sowie des Chefredakteurs Baoshe Fan dargelegt werden.

Im folgenden Abschnitt werden die Ausgaben auf formale Merkmale hin untersucht. Die quantitative Inhaltsanalyse soll die praktische Umsetzung der Zielvorgaben durch die Redaktion erkennbar machen und Aussagen über Zielgruppe, Aufbau der Zeitung, inhaltliche Schwerpunktsetzung sowie kommerzielle Aspekte der Monatzeitung ermöglichen. Hierfür werden hauptsächlich äußerliche Merkmale der Zeitung mittels der Methode der Inhaltsanalyse empirisch ausgewertet.

Die gewonnen Ergebnisse warfen einige Fragen auf, welche im darauf folgenden Interviewgespräch mit Chefredakteur Baoshe Fan erörtert werden.

Das Zwischenergebnis fasst die gewonnnen Erkenntnisse zusammen und interpretiert sie. Die politische Ausrichtung der EBL soll im folgenden qualitativen Teil näher untersucht werden. Ferner wird geprüft, ob sie tatsächlich als Sprachrohr für Auslandschinesen angesehen werden kann.

Die Autorin vermutet, dass die in Hamburg ansässige Monatszeitung durchaus unabhängig von der politischen Führung Chinas berichtet, möglicherweise sogar systemkritischen Auslandschinesen eine Plattform bietet.

Daher soll im folgenden Abschnitt kurz eine Zeitung aus der Volksrepublik vorgestellt werden, um augenscheinliche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in Hinblick auf Themenauswahl und Artikelüberschriften erkennbar zu machen.

Um zu prüfen, inwiefern die EBL als Sprachrohr von Auslandschinesen angesehen werden kann, folgt im Anschluss die eingehende qualitative Analyse von EBL-Artikeln mit dem Schwerpunkt Leben der Auslandsstudenten. Die politische Einstellung der EBL wird mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln untersucht, die sich Chinas Nachbarstaat Japan widmen.

Die gewonnenen Ergebnisse und Eindrücke werden am Schluss zusammengefasst und erläutert. Ein Kommentar mit Verbesserungsvorschlägen hinsichtlich formalen Aspekten, mit zukünftigen Entwicklungsaussichten sowie einem Themenvorschlag für eine weitere wissenschaftliche Untersuchung sollen die Arbeit abschließen.

Die Artikel der EBL wurden ausschließlich in vereinfachten Schriftzeichen verfasst, wobei chinesische Langzeichen gelegentlich in Artikel-Überschriften vorzufinden sind. Die vorliegende Arbeit bedient sich gänzlich der modernen, vereinfachten chinesischen Schreibweise und der Pinyin-Umschrift.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Zur Entstehungsgeschichte der European Business & Lifestyle 3
3. Inhaltsanalyse der Europe Business & Lifestyle 5
3.1 Methodik 5
3.2 Die quantitative Inhaltsanalyse 6
3.2.1 Allgemeines und Layout 6
3.2.2 Die Rubriken und ihre Gewichtung 9
3.2.3 Die Anzahl der Artikel innerhalb der Rubriken 29
3.2.4 Eingestellte Rubriken 33
3.2.5 Der Bildanteil 35
3.2.6 Der Werbeanteil 38
3.2.7 Die Ausgaben 41 und 42 50
3.3 Zwischenergebnis 55
3.4 Die qualitative Inhaltsanalyse 60
3.4.1 Einblick in die Zeitung Southern Weekly 61
3.4.2 Datenerhebung und Kategorienbildung 63
3.4.3 Die Berichterstattung über das Auslandsstudium 66
3.4.4 Die Berichterstattung über Japan 74
4. Ergebnis mit Ausblick 77
5. Anhang 81
6. Literaturverzeichnis 85

Textprobe:

Kapitel 2, Zur Entstehungsgeschichte der European Business & Lifestyle:

Die Erstausgabe der European Business & Lifestyle erschien am 1. Oktober 2003 zum Nationalfeiertag der Volksrepublik. Anlässlich des Feiertages gratulieren unter anderem die Redaktion der EBL sowie die Reisegruppe Caissa zum 54-jährigen Bestehen der Volksrepublik. Die bunte Anzeige enthält neben Abbildungen vom Eingang der Verbotenen Stadt, dem Mao-Porträt sowie dem Platz des Himmlischen Friedens auch einen Auszug aus der Nationalhymne sowie einen patriotischen Begleittext, um die Treue zur Volksrepublik China zu bekräftigen. Diese überschwänglichen Worte lassen eine systemkritische Berichterstattung vorerst unwahrscheinlich erscheinen:

Wenn die imposante Nationalhymne erklingt, die chinesische Fahne schwingt, gerät das Blut der Chinesen in Wallungen. Gleiches Blut und gleiche Herkunft vereinen die Chinesen in der ganzen Welt. Weder Stunden noch Jahreszeiten können trennen, was letztlich zusammengehört.

Anlässlich des 54. Nationalfeiertags möchten wir als Vertreter sämtlicher Auslandschinesen in Europa dem Mutterland Folgendes wünschen: Die herrliche Volksrepublik China möge weiter gedeihen und erblühen.

Sehr deutlich ist hierbei bereits ein nationalistischer Ansatz der Zeitung festzustellen. EBL-Chefredakteur Baoshe Fan erläuterte gegenüber dem internationalen Medien-Magazin Papergram die Zielsetzung der Redaktion und offenbarte ebenso die patriotische Gesinnung der Redaktion.

Die EBL vertrete die Interessen der Auslandschinesen, so Fan, den europäischen Politikern solle die wirtschaftliche Bedeutung der Auslandschinesen vor Augen geführt werden, die eben nicht nur ein Restaurant betreiben, sondern mit eigenen Firmen etwas für die Wirtschaft tun. Gleichzeitig fungiere die Zeitung selbstverständlich als Informationsquelle für Überseechinesen, um sich mit Politik, Kultur und dem Lifestyle Europas vertraut zu machen.

Durch die Monatszeitung möchte Verleger Chen auf die neue Garde chinesischer Geschäftsleute in Europa aufmerksam machen und die Bedeutsamkeit der chinesischen Community in Europa stärken: Wir sind gute Steuerzahler, machen keine Skandale. Vielleicht nimmt man uns deshalb nicht ernst, äußerte er sich gegenüber dem Medien-Magazin Papergram.

Die Motivation des Verlegers Mang Chen zur Gründung einer Zeitung im Jahr 2003 bestand demnach aus dem Wunsch den Einfluss von Auslandschinesen, insbesondere den von chinesischen Geschäftsleute sowie den Zusammenhalt der Chinesen in Europa zu stärken. Aus diesem Grund dient die Zeitung laut Chefredakteur Fan nicht nur als Informationsquelle für Auslandschinesen, sondern stellt auch ein Sprachrohr für Chinesen dar, um sich in Europa Gehör zu verschaffen. Zudem ließ die Erstausgabe mit einer überschwänglichen Gratulation an die Volksrepublik China zum Nationalfeiertag eine patriotische Grundeinstellung erkennen.

Nachdem nun die Zielsetzung der Zeitung im Ansatz bekannt ist, besteht der folgende Teil aus einer quantitativen Inhaltsanalyse der Monatszeitung, um die praktische Umsetzung des Blattes zu untersuchen.

Kapitel 3, Inhaltsanalyse der European Business & Lifestyle:

Gegenstand der Analyse bilden die ersten 24 Exemplare der Monatszeitung, da innerhalb dieses Zeitraums augenscheinlich die bedeutsamsten Umgestaltungen der Zeitung stattfanden. Nach dieser Periode scheint sich der Aufbau der Zeitung kaum verändert zu haben. Der Vollständigkeit halber werden die empirischen Ergebnisse mit den Daten der Ausgaben 41 sowie 42 (Februar und März 2007) verglichen.

Kapitel 3.1, Methodik:

Mittels der Methoden der Inhaltsanalyse möchte die Verfasserin der vorliegenden Arbeit die Entwicklung der Europe Business and Lifestyle untersuchen und interpretieren. Für die quantitative Analyse werden die empirischen Methoden von Klaus Merten und Werner Früh zu Rate gezogen. Für die Kategorienbildung und Strukturierung der qualitativen Inhaltsanalyse werden die grundlegenden Techniken aus den Werken von Gernot Wersig, Holger Rust und Philipp Mayring zur Orientierung genommen.

Nach einer kurzen Vorstellung der Europe Business & Lifestyle erfolgt die quantitative Untersuchung der Zeitung mit Hinblick auf folgende Schwerpunkte: Gewichtung der Ressorts, Entwicklung der unregelmäßigen Rubriken, Anzahl der Artikel, Gestaltung der Titelseite, Themenaufteilung der Rubrik Lifestyle, Relation von Text, Bild und Werbung zueinander mit Berücksichtigung der Caissa-Eigenwerbung sowie des ganzseitigen Anzeigenteils. Als Maßeinheit der Datenerhebung wird cm² verwendet.

Fragen, welche durch die quantitative Untersuchung der Zeitung entstanden, werden im folgenden Interviewgespräch mit dem Chefredakteur Baoshe Fan erörtert und die bisherigen Ergebnisse im Zwischenfazit dargelegt.

Eine qualitative Inhaltsanalyse im Anschluss soll die politische Ausrichtung der Zeitung verdeutlichen und dient dazu, die eingangs gestellten Fragen in Hinblick auf den Inhalt des Blattes bestmöglichst zu beantworten.

Dazu wird vorab eine chinesische Zeitung aus der Volksrepublik vorgestellt und ihr Konzept bezüglich Form und Aufbau dem der EBL gegenübergestellt. Des Weiteren werden Artikel über das Leben von chinesischen Austauschsstudenten in Europa und Artikel über Japan untersucht.

In erster Linie liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf den formalen und inhaltlichen Aspekten der Monatszeitung European Business & Lifestyle. Nähere Erläuterungen zu rechtlichen Rahmenbedingungen für die Herausgabe einer chinesischsprachigen Zeitung in Deutschland oder Europa sowie direkte Vergleiche zu weiteren in Europa erschienenen chinesischsprachigen Zeitungen sind nicht Gegenstand meiner Untersuchung.

Arbeit zitieren:
Li, Ya Ming Juli 2008: Sprachrohr der Auslandschinesen in Europa?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Zeitung, Sprachrohr, Auslandsaufenthalt, Europe Business

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