Die mediale Kommunikation über die Klonforschung im deutsch-britischen Vergleich
Eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse der Nachrichtenmagazine Spiegel und Economist
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nancy Witzel
- Abgabedatum: November 2007
- Umfang: 138 Seiten
- Dateigröße: 632,4 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Ilmenau Deutschland
- Bibliografie: ca. 132
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2518-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Witzel, Nancy November 2007: Die mediale Kommunikation über die Klonforschung im deutsch-britischen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Klonen, Spiegel, Economist, Berichterstattung, Nachrichtenmagazin
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Diplomarbeit von Nancy Witzel
Einleitung:
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der medialen Berichterstattung Deutschlands und Großbritanniens über die Klonforschung.
Die Grundannahme besteht darin, dass Kommunikation über Wissenschaftszweige wie dem Klonen in modernen Demokratien hauptsächlich über die massenmediale Öffentlichkeit stattfindet. Damit prägen die Medien in ihren sozialen, politischen und ökonomischen Funktionen die Inhalte und Strukturen der öffentlichen Meinungsbildung entscheidend.
Die theoretische Grundlage bildet die funktional-strukturelle Systemtheorie, die Öffentlichkeit als ein Funktionssystem betrachtet, für das der Journalismus als autonomer Beobachter Leistungen erbringt. Auch der Wissenschaftsjournalismus arbeitet als Teil dieses Leistungssystems und nicht nach dem Paradigma der Wissenschaftspopularisierung. Er fungiert folglich nicht als reiner Übersetzer wissenschaftlichen Wissens, sondern gemäß seiner eigenen Selektions- und Verarbeitungsmechanismen. Grundlage dieser Studie bilden in diesem Zusammenhang vor allem die Nachrichtenwerttheorie, das Framing-Konzept und journalistische Qualitätsfaktoren.
Zur Wissenschaftsberichterstattung existieren bereits zahlreiche Studien, die sich mit verschiedenen empirischen Methoden, sowohl allgemeinen als auch themenspezifischen Darstellungen in allen Medienarten gewidmet haben. Zum Thema Klonen gibt es bisher nur qualitative Querschnittsanalysen, die keinen repräsentativen Charakter haben. Daher wurde dieser Forschungsbereich durch eine umfassende Längsschnittanalyse ergänzt.
Geprüft wurde, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es in der Darstellung des Klonens zwischen deutschen und britischen Medien gibt. Dies ist von besonderem Interesse, da beide Länder völlig unterschiedliche rechtliche Regelungen und Anwendungsmöglichkeiten in Bezug auf die Klonforschung haben. Dabei steht im Vordergrund das Erkenntnisinteresse nach den relevanten Nachrichtenfaktoren, weiterhin wie die Verfahren und Ziele des reproduktiven und therapeutischen Klonens inhaltlich vermittelt werden, wie der nationale und internationale Umgang mit der Klonforschung beschrieben wird und wie die die Berichterstattung sprachlich und illustrativ unterstützt wird. Als geeignetes Erhebungsinstrument wurde die Inhaltsanalyse gewählt. Untersuchungsgegenstand sind die meinungsführenden Nachrichtenmagazine Der Spiegel für Deutschland und The Economist für Großbritannien. Im Untersuchungszeitraum, der sich von Januar 1997 bis Juni 2007 erstreckt, wurden insgesamt 105 Artikel als relevante Analyseeinheiten gefunden, wobei 61 aus dem Spiegel und 44 aus dem Economist stammen. Die Erhebung erfolgte sowohl quantitativ mit Hilfe eines standardisierten Kategoriensystems, als auch qualitativ im Hinblick auf die Formulierung der einzelnen Aussagen und die Frames, die zuvor in einer qualitativ-explorativen Analyse festgelegt wurden.
Es zeigte sich, dass der Spiegel häufiger über das Thema Klonen berichtete, als der Economist. Das deutsche Nachrichtenmagazin etablierte das Klonen in seiner Berichterstattung seit der Geburt des Klonschafes Dolly, die Auslöser einer Diskussion um moralische Grundsatzfragen war. Der Economist hingegen bemaß Dolly keinen Nachrichtenwert und erwähnte sie lediglich. In seiner Berichterstattung ist das Thema Klonen erst seit 2001 wirklich etabliert, dem Jahr in dem das therapeutische Klonen in Großbritannien gesetzlich zugelassen wurde. Beide Nachrichtenmagazine thematisieren vorrangig Ereignisse, bei denen die Nachrichtenfaktoren Nähe, Dynamik und Valenz eine Rolle spielen. Dabei handelte es sich vor allem um aktuelle Forschungen bzw. Forschungsresultate der USA und anderer Länder. Auffallend ist, dass der Economist fünfmal so häufig wie der Spiegel, anlässlich politischer Beschlüsse bzw. Gesetze der USA berichtete und zu diesen Stellung bezieht. Das ist damit begründbar, dass das Magazin in den Vereinigten Staaten einen hohen Absatzmarkt hat.
Inhaltlich zeigten sich vor allem Unterschiede im Bezug auf die Formulierungen und die Wissensvermittlung. Der Spiegel rückte häufiger und intensiver die Gefahren und Nachteile des reproduktiven Klonens in den Vordergrund, als der Economist. Vor allem in den ersten Untersuchungsjahren fanden sich im deutschen Magazin oft sorgenvolle und teilweise reißerische Formulierungen zu den Möglichkeiten geklonter Menschen, Instrumentalisierungsaspekten und der Unaufhaltsamkeit der Wissenschaft. Auch die Defekte geklonter Tiere wurden generell detaillierter beschrieben. Der Economist berichtet bezüglich des reproduktiven Klonens und auch insgesamt sachlicher. Zudem sind seine Darstellungen von Standpunkten ausgewogener, indem Pro- und Contra-Aspekte oft direkt gegenübergestellt sind. Weiterhin stellt er häufiger die Chancen und Vorteile des therapeutischen Klonens in den Vordergrund, als der Spiegel. Dies zeigt sich insbesondere in der Wissensvermittlung. So legte der Economist häufiger Wert auf die Nennung des Fachbegriffes therapeutisches Klonen und auf Erläuterungen des Verfahrens und dessen Anwendungsmöglichkeiten. Auch zusätzliche Informationen zu den Eigenschaften der embryonalen Stammzellen wurden im Economist zahlreicher vermittelt. Reproduktives Klonen mit seinen Anwendungen erläuterte wiederum der Spiegel häufiger. Frankenstein- und Eugenikphantasien fanden sich in beiden Magazinen vorwiegend in einem sachlichen Bedeutungszusammenhang.
Ein weiterer inhaltlicher Unterschied zeigte sich in der Bewertung der nationalen und internationalen Regulierungen. Während der Economist hauptsächlich Aussagen traf, die die britische Gesetzeslage befürworten und sogar empfehlen, wird im Spiegel vor allem eine erneute Diskussion der nationalen Gesetze gefordert. Diese Aussagen trifft der Spiegel jedoch nicht selbst, sondern meist in Form von Zitaten. Der Economist bezieht in diesem Zusammenhang klarer Stellung. So fordert er für z.B. für die USA eindeutigere Regulierungen nach britischem Vorbild.
Ein weiterer Unterschied besteht in der sprachlichen und illustrativen Vermittlung der Inhalte. In beiden Nachrichtenmagazinen ist die Sprache publikumsgerecht aufgearbeitet, die Inhalte sind jedoch im Economist meist ausführlicher und anschaulicher und daher verständlicher dargestellt, als im Spiegel. Weiterhin setzt der Economist häufiger humoristische Elemente, wie Karikaturen oder Wortspiele ein, was für die britische Berichterstattung generell kennzeichnend ist.
Beide Nachrichtenmagazine haben in Form eines unsystematischen Wissenstransfers nicht nur Informationen vermittelt, sondern die Fakten nach ihren eigenen Kriterien eingeordnet, analysiert, interpretiert und gewertet und sind damit auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Zielen ihrer öffentlichen Aufgabe nachgekommen. Eine Aussage über die jeweilige Höhe der Qualität der Berichterstattung kann daher nicht getroffen werden. Aufgrund der Fokussierung auf einen kleinen Ausschnitt der Medienrealität könnte mit Hilfe weiterer Studien die Repräsentativität der Ergebnisse analysiert und gegebenenfalls erhöht werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1 | Einleitung | 1 |
| 2 | Die Klonforschung als Untersuchungsgegenstand | 3 |
| 2.1 | Naturwissenschaftliche Grundlagen | 3 |
| 2.1.1 | Der Begriff Klon | 3 |
| 2.1.2 | Natürliche Entstehung von Klonen | 4 |
| 2.1.3 | Künstliche Erzeugung von Klonen | 5 |
| 2.1.4 | Die Verfahren | 5 |
| 2.1.5 | Techniken | 6 |
| 2.1.5.1 | Embryo – Splitting | 6 |
| 2.1.5.2 | Zellkerntransfer | 6 |
| 2.1.6 | Anwendungsbereiche | 8 |
| 2.1.6.1 | Reproduktives Klonen | 8 |
| 2.1.6.2 | Therapeutisches Klonen | 10 |
| 2.1.7 | Stand der Forschung | 12 |
| 2.1.8 | Meilensteine der Klonforschung | 13 |
| 2.2 | Rechtliche Grundlagen | 15 |
| 2.2.1 | Internationale Regelungen | 15 |
| 2.2.2 | Europarechtliche Regelungen | 16 |
| 2.2.3 | Nationale Regelungen | 17 |
| 2.2.3.1 | Die deutsche Rechtslage | 17 |
| 2.2.3.2 | Die britische Rechtslage | 19 |
| 2.3 | Klonen als Wissenschaft und Technik | 21 |
| 2.3.1 | Wissenschaft | 22 |
| 2.3.2 | Technik - Technologie | 22 |
| 2.3.3 | Biotechnologie | 23 |
| 3 | Wissenschaftsberichterstattung: Wissenschaft – Medien – Öffentlichkeit | 25 |
| 3.1 | Die Relevanz der Massenmedien für die öffentliche Kommunikation über Wissenschaft und Technik | 26 |
| 3.1.1 | Definition Massenmedien und Massenkommunikation | 26 |
| 3.1.2 | Massenmediale Öffentlichkeit | 27 |
| 3.1.3 | Funktion der Massenmedien | 28 |
| 3.2 | Wissenschaftsjournalismus | 30 |
| 3.2.1 | Begriffsbestimmung | 30 |
| 3.2.2 | Perspektiven der Wissenschaftsjournalismus – Forschung | 31 |
| 3.2.2.1 | Das Paradigma Wissenschaftspopularisierung | 31 |
| 3.2.2.2 | Journalismus als autonomer Beobachter | 33 |
| 3.2.3 | Die Situation des Wissenschaftsjournalismus | 34 |
| 3.2.3.1 | Die Situation in Deutschland | 34 |
| 3.2.3.2 | Die Situation in Großbritannien | 36 |
| 3.3 | Selektion, Aufbereitung und Rezeption von Wissenschaftsinformationen | 36 |
| 3.3.1 | Medien und Realität | 36 |
| 3.3.2 | Selektionsprozesse | 37 |
| 3.3.2.1 | Gatekeeper-Forschung | 37 |
| 3.3.2.2 | Nachrichtenwert und Nachrichtenfaktoren | 38 |
| 3.3.2.3 | Das Framing – Konzept | 40 |
| 3.3.3 | Vermittlung von Inhalten | 42 |
| 3.3.3.1 | Arten der Vermittlung von Wissenschaft | 42 |
| 3.3.3.2 | Das Fachsprachenmodell nach Hoffmann | 44 |
| 3.3.3.3 | journalistische Qualitätsfaktoren | 44 |
| 3.3.4 | Rezeption der Nachrichten | 46 |
| 3.4 | Vergleich deutscher – britischer Journalismus | 47 |
| 3.5 | Forschungsstand | 48 |
| 3.5.1 | Wissenschaft in den Medien | 48 |
| 3.5.2 | Biotechnologie in den Medien | 49 |
| 3.5.2.1 | Biotechnologie allgemein | 49 |
| 3.5.2.2 | Gentechnik | 50 |
| 3.5.3 | Klonen in den Medien | 51 |
| 3.5.4 | Öffentliche Meinung zum Klonen | 54 |
| 3.5.5 | Einordnung - Nutzen der vorliegenden Arbeit | 55 |
| 4 | Forschungsdesign | 57 |
| 4.1 | Forschungsfragen und Hypothesen | 57 |
| 4.2 | Die Inhaltsanalyse als Methode | 60 |
| 4.2.1 | Begriffsbestimmung | 60 |
| 4.2.2 | qualitative und quantitative Aspekte der Forschung | 61 |
| 4.3 | Untersuchungsgegenstand | 62 |
| 4.3.1 | Der Spiegel | 64 |
| 4.3.2 | The Economist | 64 |
| 4.4 | Die empirische Erhebung | 65 |
| 4.4.1 | Grundgesamtheit und Stichprobe | 65 |
| 4.4.2 | Untersuchungszeitraum | 65 |
| 4.4.3 | Analyseeinheiten | 66 |
| 4.5 | Das Kategoriensystem | 66 |
| 4.5.1 | Grundlagen Kategorien und Codebuch | 66 |
| 4.5.2 | Anforderungen an das Kategoriensystem | 67 |
| 4.5.2.1 | Trennschärfe | 68 |
| 4.5.2.2 | Validität | 68 |
| 4.5.2.3 | Reliabilität | 68 |
| 4.5.3 | Codebuch vor dem Pretest | 69 |
| 4.5.4 | Codebuch nach dem Pretest | 74 |
| 4.6 | Reliabilitätstest | 75 |
| 5 | Ergebnisse | 77 |
| 5.1 | Forschungsfrage 1 – Nachrichtenfaktoren | 77 |
| 5.2 | Forschungsfrage 2 – Vermittlung der Verfahren und Ziele | 83 |
| 5.2.1 | Wissensvermittlung | 83 |
| 5.2.2 | Framing | 87 |
| 5.3 | Forschungsfrage 3 – Darstellung des nationalen und internationalen Umgangs | 99 |
| 5.4 | Forschungsfrage 4 – illustrative und sprachliche Darstellung | 107 |
| 6 | Schlussbetrachtung | 112 |
| 6.1 | Zusammenfassung | 112 |
| 6.2 | Fazit und Ausblick | 114 |
| 7 | Literaturverzeichnis | 116 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Klonen als Wissenschaft und Technik:
Die Einordnung der verschiedenen Verfahren des künstlichen Klonens in einen Forschungsbereich ist in der Literatur nicht ganz eindeutig. Zwar werden sie mehrheitlich als Techniken bezeichnet, doch die Zuordnung zu einem übergeordneten Anwendungsbereich erfolgt kaum und wenn, dann meist schwammig. Vor allem im Bereich der naturwissenschaftlichen Grundlagenliteratur sucht man vergebens. Trotz allem soll hier der Versuch einer Eingliederung unternommen werden. Ein Teil der Literatur ordnet die Techniken des Klonens ganz konkret dem Wissenschaftsbereich der Biotechnologie zu. Ein weiterer Teil gliedert Klontechniken in den Bereich der Biomedizin ein und eine weitere Definition versucht die Brücke zwischen diesen beiden Teilgebieten zu schlagen. Die genauen Erläuterungen dazu finden sich in Kapitel 2.3.3 Zunächst sollen jedoch die bereits verwendeten Überbegriffe Wissenschaft, Technik, Technologie in ihren Zusammenhängen erläutert werden, um dann Klonen als spezielle Technik des Wissenschaftsbereiches Biotechnologie einordnen zu können.
Kapitel 2.3.1, Wissenschaft:
Als Wissenschaft bezeichnet man eine Gesamtheit von Erkenntnissen, die sich auf einen Gegenstandsbereich beziehen (…) und in einem intersubjektiv nachvollziehbaren Begründungszusammenhang stehen. Diese Erkenntnisse können Tatbestände mit systematischen Beschreibungen und, sofern es möglich ist, auch mit Erklärungen sein. Im weitesten Sinne unterscheidet man Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Mathematik und Logik. Für die Naturwissenschaften gilt zusätzlich, dass die aufgestellten Thesen sich auf wiederholbare Gesetzmäßigkeiten beziehen, für die Voraussagen getroffen werden können und die mittels Beobachtungen und Experimenten kontrolliert werden können.
Kapitel 2.3.2, Technik - Technologie:
Während die Naturwissenschaften also ein System von Aussagen darstellen, ist von Technik die Rede, wenn naturwissenschaftliche Erkenntnisse als Mittel zum Erreichen eines Ziels verwendet werden. Bei diesen Zielen handelt es sich vorrangig um die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen. Stork definiert Technik als Handeln durch das der Mensch naturgegebene Stoffe und Energien intelligent so umformt, dass sie seinem Bedarf und Gebrauch dienen Durch dieses Handeln entstehen dann immer mehr Dinge und Verfahren). Auch Ropohl verknüpft den in der Literatur häufig verwendeten weiten Technikbegriff, der unter Technik lediglich kunstfertige Verfahren versteht, mit dem engen Technikbegriff, der nur Maschinen allein als Technik definiert. Nach Ropohls Definition umfasst Technik (a) die Menge der nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde (…), (b) die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und (c) die Menge menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden. Mit Sachsystemen sind dabei die technischen Artefakte gemeint. Diese Entstehung und Verwendung der Technik geschieht nach Ropohl in einem soziotechnischen System, was dadurch gekennzeichnet ist, dass Technologien (technisches Sachsystem) und Menschen (soziales System) nach dem Prinzip der Arbeitsteilung interagieren, um ein Ergebnis zu produzieren. Die technische Komponente können z.B. Apparaturen in einem Labor sein und die soziale Komponente die Mitarbeiter, die diese Apparaturen bedienen.
In der Literatur verwendet man den Begriff Technik oft synonym mit Technologie, was so nicht richtig ist. Nach Kleinsteuber versteht man unter Technologie die Lehre oder die Wissenschaft von der Technik und ihren wissenschaftlichen Regeln, Prozessen und Erfahrungen. Auch Ropohl definiert Technologie als die Gesamtheit der systematischen und wissenschaftlichen Aussagen über Technik.
Kapitel 2.3.3, Biotechnologie:
Wie bereits eingangs angeführt, ist eine genaue Zuordnung des Klonens in einen übergeordneten Anwendungsbereich nicht ganz eindeutig. Einigkeit besteht lediglich darin, die verschiedenen Verfahren als Techniken zu bezeichnen. Ein großer Teil der Literatur ordnet diese dann konkret den Biotechniken zu. Diejenigen Verfahren, die speziell auf Hilfe für den Menschen abzielen, wie das therapeutische Klonen und die Stammzellenforschung, werden zum Teil noch spezialisierter im Bereich der Humanbiotechnologie lokalisiert. Die Biotechnologie integriert viele Disziplinen und interagiert mit vielen Wissenschafts- und Technikbereichen. Nach der Definition der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) ist Biotechnologie die Anwendung wissenschaftlicher und technischer Verfahren to the processing of materials by biological agents to provide goods and services (OECD 2007). Heiden definiert sie noch spezifischer als wissenschaftliche Lehre in der Technik der Nutzung von Organismen (…) sowie Teilen davon, die unter Einsatz mikrobiologischer, biochemischer und thermischer Verfahren mit dem Ziel angewendet wird, Organismen zu züchten und zu vermehren sowie Substanzen oder Produkte zu bilden oder umzubilden sowie zu gewinnen und herzustellen. Das allgemeine Ziel der Biotechnologie ist es, Produkte für das tägliche Leben herzustellen. Dennoch existieren unterschiedliche Anwendungsbereiche, die durch Farben gekennzeichnet sind und hier kurz erläutert werden sollen.
Die Grüne Biotechnologie hat sich zur Aufgabe gemacht, die Eigenschaften von Pflanzen zu verbessern, um sie z.B. mit Hilfe der Gentechnik resistenter zu machen und die Erträge zu erhöhen.
Die Weiße Biotechnologie nutzt Mikroorganismen, wie Bakterien, zur industriellen Herstellung verschiedener Rohstoffe, wie z.B. Insulin, Antibiotika oder auch Bioalkohol.
Die Rote Biotechnologie dient der Entwicklung von Medikamenten und anderen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung menschlicher Krankheiten und Schäden. Auch das Klonen ist diesem Anwendungsbereich zuzuordnen, da es darauf abzielt durch Transplantation von Gewebe eines geklonten Patienten körperliche Schäden zu regenerieren.
Es existiert weiterhin noch die blaue Biotechnologie, die sich mit marinen Organismen und Prozessen beschäftigt sowie die Graue, Braune und Gelbe Biotechnologie, deren Spektrum jedoch nicht eindeutig definiert ist.
Da sich die Rote Biotechnologie medizinischen Verfahren zur Behandlung und Therapie menschlicher Krankheiten widmet, wird sie z.B. von Arndt als Biotechnologie in der Medizin bezeichnet und ist somit ein Teil des Fachbereiches der Biomedizin. Dieser wird von Arndt definiert als die wissenschaftliche und medizinische Arbeit an und mit menschlichen Körper- und Keimzellen am Menschen. Auch Graumann gliedert Klonen und Stammzellenforschung, neben Präimplantationsdiagnostik und Keimbahntherapie, bei der Biomedizin ein, ohne jedoch die Brücke zur Biotechnologie zu schlagen. Die Biomedizin ist wiederum ein Teilbereich der Humanmedizin.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Klonen eine Technik der Roten Biotechnologie ist, die wiederum wegen ihrer humanmedizinischen Ausrichtung Teil der Biomedizin ist.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836625180
Arbeit zitieren:
Witzel, Nancy November 2007: Die mediale Kommunikation über die Klonforschung im deutsch-britischen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Klonen, Spiegel, Economist, Berichterstattung, Nachrichtenmagazin




