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Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ein Auftrag mitarbeiterorientierten Personalmanagements

Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bianca Freund
  • Abgabedatum: Dezember 2008
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 838,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abt. Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 61
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2503-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Freund, Bianca Dezember 2008: Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Vereinbarkeit, Personalmanagement, Audit, Mitarbeiter, Work-Life-Balance

Diplomarbeit von Bianca Freund

Einleitung:

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat in den letzten Jahren mehr und mehr Einzug in Deutschland erhalten. Heute ist es nach wie vor aktuell, wie unterschiedlichste Artikel und (Sonder-)Beiträge zu diesem Thema in Tages- und Fachzeitschriften zeigen. Interessant ist diese Thematik sowohl für den Staat, die Gesellschaft als auch die Wirtschaft. Gerade deshalb ist es unumgänglich mit einer mehrdimensionalen Sichtweise auf das Thema zu blicken.

Vor allem die demografische Entwicklung ist Bestandteil bei Diskussionen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung müssen vor allem Unternehmen, in Hinblick auf die Arbeitnehmerstruktur, beschäftigen. Das Szenario einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung wird in den nächsten Jahren das Bild bestimmen. Diese Auswirkungen tragen dazu bei, dass der Fachkräftemangel immer drastischer wird und Unternehmen sich um diese Kräfte reißen werden – mehr als es jetzt ohnehin schon der Fall ist. Stehen dann zudem noch erwerbstätige Frauen aufgrund von Schwangerschaft und anschließenden Erziehungsaufgaben für einen langen Zeitraum dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, wächst der Bedarf stetig ohne dass eine Verbesserung der Situation abzusehen ist. Nur durch Rahmenbedingungen die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen, kann diesem Szenario ein Stück weit entgegengewirkt werden. Zudem schaffen genau die Unternehmen für (zukünftige) Arbeitnehmer einen Anreiz, die auch ein Augenmerk auf die privaten bzw. familiären Belange haben. Dass praktizierte Familienfreundlichkeit sich nicht nur auf die Mitarbeitermotivation, -bindung und Attraktivität des Arbeitgebers auswirkt, sondern auch betriebswirtschaftlich rechnet, haben zahlreiche Studien und Praxisbeispiele belegt. Diese Arbeit geht in diesem Zusammenhang der Frage nach: Welche Rahmenbedingungen in Unternehmen müssen gegeben sein, damit Familie und Beruf zu vereinbaren sind? Doch nicht nur flexible Arbeitszeiten, Sonderurlaub bei Erkrankung des Kindes oder Geburtsbeihilfen tragen dazu bei, dass Eltern nicht mehr vor der Wahl stehen müssen: Kind oder Karriere. Gerade bei finanziellen Unterstützungen und ausreichenden Angeboten in der Kinderbetreuung ist der Staat gefragt. Welche staatlichen Unterstützungen tragen zur besseren Vereinbarkeit bereits bei und an welchen Stellschrauben muss noch nachjustiert werden? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in der vorliegenden Arbeit genauso, wie mit der Fragestellung, welche förderlichen Rahmenbedingungen neu geschaffen werden müssen.

Aufgrund der Komplexität, die dieses Thema mit sich bringt können die folgenden Themen in dieser Arbeit nicht behandelt werden. Zu nennen sind hier das lebenslange Lernen, die altersgerechte Arbeitsgestaltung (vor allem mit Hinblick auf die demografische Entwicklung) und das Thema Gesundheitsprävention, zu dem auch die psychischen und physischen Auswirkungen einer Dysbalance zählen. Diese drei Aufgabenbereiche sind weitere Aspekte, die die Mitarbeitermotivation und die Arbeitgeberattraktivität steigern und keinesfalls bei der Implementierung mitarbeiterorientierter Maßnahmen ausgeklammert werden dürfen, jedoch nicht den Fokus auf die Familienfreundlichkeit richten. Sie zählen zum Aufgabenbereich des mitarbeiterorientierten Personalmanagements, gehen jedoch über die familienfreundlichen Maßnahmen hinaus.

Im Zusammenhang mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird oft der Begriff Work-Life-Balance verwendet. In Kapitel 1 wird die Überschneidung und Abgrenzung dieser beiden Begrifflichkeiten erklärt und die Einbettung des Themas im Kontext mitarbeiterorientierten Personalmanagements verdeutlicht. Im 2. Kapitel wird die demografische Entwicklung als den bedeutendsten und meist beachteten Einflussfaktor beleuchtet, der maßgeblich auf die Entwicklung der Gesellschaft einwirkt. Die im Vier Säulen Modell angeführten Faktoren zeigen anschließend die familienpolitisch relevanten Bereiche auf, die für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie die prägnanteste Rolle spielen.

Nachdem in Kapitel 2 die staatlichen Aufgaben, Maßnahmen und Unterstützungen aufgeführt wurden, wird im 3. Kapitel der Fokus auf die Unternehmen gelegt. Es wird der Frage, ob und in welchem Ausmaß sich familienfreundliches Engagement in Unternehmen lohnt, aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln nachgegangen. Zudem werden die Unternehmenskultur und Personalführung, als zwei Handlungsfelder des Personalmanagements, herausgegriffen und dahin gehend untersucht, in wie weit sie mit zum Erfolg einer gelebten Familienfreundlichkeit beitragen.

Im Anschluss wird im 4. Kapitel ein Blick in die Praxis geworfen indem unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt werden Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Es werden sowohl zeit- und (anfänglich) kostenintensivere Maßnahmen genauso dargestellt wie einfache und kostengünstige Ideen.

In dieser Arbeit werden die Ausführungen zunächst auf Deutschland reduziert, weil unterschiedliche Konzepte der Familienpolitik keine Generalisierung auf ganz Europa zulassen. Ein Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus darf bei diesem Thema aber nicht fehlen. Denn viele im Laufe der Zeit in Deutschland veränderte Rahmenbedingungen entspringen aus den gut funktionierenden Vorbildern des Auslands. Schweden, Frankreich und England dienen in Kapitel 5 zum Vergleich bei der Beschäftigungsquote der Frauen, des Kinderbetreuungsangebotes, der Elternzeit und der Position der Unternehmen zu Deutschland.

Diese Arbeit endet mit dem Fazit in Kapitel 6, indem die wichtigsten Punkte zu den Ausführungen in Kapitel 1-5 herausgestellt werden und somit die hier aufgeworfenen Fragen beantwortet werden. Das 6. Kapitel schließt einen Ausblick mit ein.

Inhaltsverzeichnis:

I. Inhaltsverzeichnis 3
II. Vorwort 6
III. Einleitung 7
IV. Abkürzungen 10
V. Verzeichnis der Abbildungen, Tabellen und Grafiken 11
1. Begriffserklärung 12
1.1 Beruf und Familie 12
1.2 Work-Life-Balance 13
1.3 Mitarbeiterorientiertes Personalmanagement 14
2. Die Brisanz des Themas Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Gesellschaft 17
2.1 Demografische Faktoren 17
2.1.1 Ursachen für die niedrige Geburtenziffer 20
2.1.2 Die Bedeutung der Familienpolitik 23
2.2 Familienpolitische Konsequenzen 23
2.2.1 Vier Säulen Modell 24
2.2.1.1 Betreuungsmöglichkeiten für Kinder 24
2.2.1.2 Entzerrung der „Rush hour“ 29
2.2.1.3 Finanzielle Unterstützung und steuerliche Entlastung 29
2.2.1.4 Gesellschaftliche Anerkennung 33
2.2.2 Unterstützungen der Familienpolitik für mitarbeiterorientiertes Personalmanagement 33
2.2.2.1 audit berufundfamilie(r) 34
2.2.2.2 berufundfamilie-Index 37
2.2.3 WeitereHilfestellungen 37
2.3 Wirtschaftliche Faktoren 39
3. Die Brisanz des Themas Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Unternehmen 42
3.1 Drei Perspektiven der Familienfreundlichkeit in Unternehmen 42
3.1.1 Aus arbeitspsychologischer Sicht 43
3.1.2 Aus wirtschaftlicher Sicht 45
3.1.2.1 Unmittelbare Effekte 46
3.1.2.2 Mittelbare Effekte 49
3.1.3 Aus soziologischer Sicht 50
3.2 Externe und interne Wirkung 51
3.3 Handlungsfelder des Personalmanagements 54
3.3.1 Unternehmenskultur 55
3.3.2 Personalführung 57
4. Familienfreundliche Maßnahmen in Unternehmen - Eine Auswahl 60
4.1 Arbeitszeit 60
4.1.1 Flexible Arbeitszeitmodelle 60
4.1.1.1 Arbeitszeitkonten 61
4.1.1.2 Teilzeit 61
4.2 Arbeitsort 62
4.2.1 Telearbeit 63
4.2.2 Home-Office 64
4.2.3 Eltern-Kind-Büro 64
4.3 Kinderbetreuung 65
4.3.1 Regelmäßige Kinderbetreuung 65
4.3.2 Kurzfristige Betreuungsmöglichkeiten 66
4.3.3 Kinderbetreuung in der Ferienzeit 67
5. Vergleich anderer Länder 70
5.1 Beschäftigungsquote der Frauen 71
5.2 Kinderbetreuungsangebot 72
5.3 Elternzeit 75
5.4 Die Position der Unternehmen 77
5.5 Lösungsansätze für Deutschland 78
6. Fazit 79
VI. Bibliografie 85

Textprobe:

Kapitel 2.2, Familienpolitische Konsequenzen: Die Ergebnisse einer repräsentanten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach von Juli 2008 ergaben, dass 63% der Bevölkerung von der Familienpolitik erwarten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie konsequent als Aufgabe verfolgt wird. Das zeigt deutlich, dass die Erleichterung der Vereinbarkeit als familienpolitische Aufgabe in der Wahrnehmung der Bevölkerung Priorität haben sollte. Gerade mal 18% der berufstätigen Mütter in Deutschland sind der Meinung, dass sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen. Das sollte zum einen für die Unternehmen ein Signal sein bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Zum anderen bedeutet es für die Familienpolitik, dass in der Wahrnehmung berufstätiger Mütter entweder die bereits geschaffenen Maßnahmen noch nicht bekannt sind oder es noch zu wenig Unterstützung seitens des Staates gibt die beiden Lebensbereiche zu vereinbaren.

Kapitel 2.2.1, Vier Säulen Modell: Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, hat in einem Aufsatz zum Thema Familienpolitik herausgestellt, dass der Staat im Rahmen seiner Vorsorgepflicht reagieren muss, denn „Kinder sind von übergeordnetem gesellschaftlichen Interesse und im Sinne einer sozial nachhaltigen Entwicklung zu fördern.“ Zudem besagt Art. 6 GG, das Ehe und Familie unter besonderem Schutz des Staates stehen. Das hat zur Folge, dass es zwangsläufig Aufgabe der Familienpolitik ist, dafür Sorge zu tragen, dass die Familie geschützt, unterstützt und gefördert wird. In der Literatur, die sich mit dem Thema der familienpolitischen Aufgaben befasst, lassen sich vier Bereiche, die auch als Säulen bezeichnet werden, ausmachen, unter denen die familienpolitischen Maßnahmen zusammengefasst werden. Das Vier Säulen Modell von Dr. Klingholz, das er im oben genannten Artikel ausführt, dient im Folgenden lediglich zur Grundlage und wird durch Auswertungen weiterer Autoren ergänzt. Die bereits vorhandenen Maßnahmen, Unterstützungen und die geplanten Veränderungen und Neuerungen, die die Familienpolitik vorsieht, sind ebenfalls in das unten aufgegriffene Vier Säulen Modell eingepflegt.

Kapitel 2.2.1.1, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder: Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach von Juli 2008 ergaben, dass über der Hälfte der Bevölkerung ganztägige Kinderbetreuung (z.B. Kindertagesstätten, Ganztagsschulen) als eine Leistung ansieht, die Familien mit Kindern am ehesten helfen. Dadurch könnte es Frauen und Männern erleichtert werden Familien- und Berufsleben parallel zu führen. Dazu zählt nach Klingenholz auch besser qualifiziertes Betreuungspersonal. Er rät ein verbindliches Vorschuljahr einzuführen um gleichzeitig eine Chancengleichheit zwischen den Kindern herzustellen. Ob für 1jährige oder ab dem 2. Lebensjahr, deutlich wird, dass die Betreuungsangebote für die unter 3jährigen ausgebaut werden müssen. Diese Leistung trägt einen wesentlichen Beitrag dazu bei, dass beide Elternteile - wenn sie möchten - eine leichtere Rückkehr in das Berufsleben hätten. Unterstützt wird diese Forderung durch eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2007. 76 % der Befragten sind der Auffassung, dass ein Ausbau der Betreuung für unter 3jährige notwendig ist. Das BMFSFJ legt in ihren Reformvorschlägen offen, dass bis 2013 zusätzlich 500.000 Plätze in Betreuungseinrichtungen geschaffen werden sollen. In dem Kinderförderungsgesetz (KiföG), welches am 26.09.2008 vom Bundestag beschlossen wurde, heißt es, dass es 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Betreuungsmöglichkeit geben wird. Die Zustimmung des Bundesrates erfolgte am 07.11.2008, d.h. die Investitionsmittel in Höhe von 2,15 Milliarden Euro sind endgültig frei für die Länder. Über die Finanzierung haben sich Bund und Länder schon geeinigt. Zusammen geben Bund, Länder und Kommunen 12 Milliarden Euro aus. Durch einen quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung wird nicht nur Eltern die Möglichkeit gegeben wieder erwerbstätig zu werden, sondern durch eine frühkindliche Bildung und Betreuung und sich anschließender Ausbildung erhöht sich das Humankapital der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter kontinuierlich. Des Weiteren ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) folgende Einnahmeeffekte durch eine bessere Kinderbetreuung:

Höheres Steueraufkommen: Elternteile, die durch das verbesserte Betreuungsangebot dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen, steigern die Einnahmen aus der Einkommenssteuer pro Jahr zwischen 1,1 und 6 Milliarden Euro. Höheres Beitragsaufkommen der Sozialversicherung: Das zusätzliche Beitragsaufkommen für die Sozialversicherung liegt in jedem Fall im Milliardenbereich; die Spanne reicht –je nach Szenario- von 1,4 bis 8,9 Milliarden Euro pro Jahr. Zusätzlicher Bedarf an Fachkräften für die Kinderbetreuung: Durch die Investitionen in Kindertagesstätten könnte ein zusätzlicher Bedarf von 430.000 Fachkräften für die Kinderbetreuung entstehen. Alleine diese neuen Arbeitsplätze würden weitere Steuereinnahmen von bis zu 1,3 Milliarden Euro und zusätzliche Zahlungen in die Sozialversicherungen von bis zu 4,4, Milliarden Euro pro Jahr bewirken.

Nicht nur der Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten für unter 3jährige soll in diesem Kapitel beleuchtet werden, sondern auch die Öffnungszeiten von Betreuungsangeboten. Von Arbeitnehmern wird zunehmend Flexibilität verlangt, die nur gewährleistet werden kann, wenn die Betreuungsangebote ebenso flexibel sind, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. Aufgrund der Angewiesenheit an die meist eingeschränkten Öffnungszeiten von Kitas, ist es Arbeitnehmern oft nicht möglich dann die Arbeit zu erledigen, wenn sie anfällt. So geraten erwerbstätige Eltern oft in Stresssituationen in ihrer Arbeitsstelle und beim Einhalten der vorgegebenen Öffnungszeiten der Kitas.

Wie die Tabelle (Abb. 4) zeigt, haben 70% der Kitas vor 7:30 Uhr geöffnet. Hingegen bieten nur 5% eine Betreuung nach 18:00 Uhr an. Dabei wünschen sich 20% der befragten Eltern laut der Umfrage des Deutschen Jugendinstituts, dass die Kita auch am frühen Abend geöffnet hätte. Die Aussage zeigt, dass es sogar nicht den Regelfall darstellt, dass Kitas über den Nachmittag hinaus Betreuung anbieten. Bedenkt man, dass jeder vierte Erwerbstätige ständig oder regelmäßig samstags arbeitet, muss man sich die Frage stellen, warum Gesetze und Verordnungen Kitas die Möglichkeit verwähren auch am Samstag ihre Betreuung anzubieten. Lediglich 1% der Kitas öffnen auch am Samstag, wobei Kitas in Unternehmen, private und sonstige Kitas mit 6% bzw. 5% die Ausnahme darstellen.

Die Vorgaben von öffentlicher Seite bieten Schutz für das Kind, so dass es nicht zum Regelfall wird, dass alle Kinder von morgens früh bis abends spät in die Kita abgegeben werden und das sechs Tage die Woche. Das soll jedoch auch nicht der Appell sein, der auf die Lockerung der öffentlichen Vorgaben abzielt. Veränderte Möglichkeiten seitens der Gesetzgebung sollen eine Entspannung der Situation bieten, so dass Eltern ihre Arbeitszeit flexibler gestalten können, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. Es ist auch nicht unbedingt von Nöten, dass eine Kita alle Öffnungszeiten abdeckt. Hierbei sind die Träger gefragt, untereinander ein Netzwerk aufzubauen, das die Eltern unterstützt Familie und Beruf zu vereinbaren. Das gilt vor allem auch für die Öffnungszeiten während der Schulferien. 52% der befragten Eltern einer Umfrage des Deutschen Jugendinstitutes wünschen sich anstatt der sonst bestehenden Schließzeiten in den Ferien längere Öffnungszeiten und ein flexibleres Betreuungsangebot. 60% der Kitas schließen die Einrichtung während der gesamten Ferienzeit. Das bedeutet nicht nur für die Eltern einen Mehraufwand und zusätzliche Kosten in der Beschaffung einer alternativen Kinderbetreuung, sondern stellt auch die Unternehmen vor eine große Herausforderung, die viele Eltern als Arbeitnehmer beschäftigen.

Engpässe und Ausschöpfung bis zur Kapazitätsgrenze sind die Folgen. Zudem ist der Urlaubsanspruch geringer als die Dauer der Schulferien. Sind beide Eltern berufstätig kann das zur Folge haben, dass die Eltern im schlechtesten Fall getrennt Urlaub nehmen müssen und Alleinerziehende sich vor einer großen Hürde sehen. Auch wenn es Unterstützung innerhalb der Familie z.B. durch die Großeltern oder große Geschwister gibt, so müssen aber grundsätzliche Freiräume für Kitas geschaffen werden, die die auf dem Arbeitsmarkt größtenteils vorkommenden Arbeitszeiten berücksichtigen und auch die Wegezeit mit einbeziehen, die vom Arbeitsplatz zum ggf. weit entfernten Wohnort bzw. der Kita zurückgelegt werden müssen.

Die Veränderung der Quantität der Betreuung reicht nicht alleine aus, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Auch die Qualität muss dahin gehend gegeben sein, dass Eltern ihre Kinder während der Arbeitszeit so abgeben können, dass sie ihre Kinder nicht nur gut untergebracht wissen im Sinne von guter Versorgung. Die Gefahr der „inneren Abwesenheit“ während der Arbeitstätigkeit verringert sich dann, wenn die Arbeitnehmer durch das Betreuungsangebot eine Kompetenzvermittlung sehen, die für die Zukunft der Kinder von Relevanz ist. So lässt sich ein Zusammenhang herstellen zwischen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Qualität der Betreuung. Diese Qualität wiederum kann nur dann gewährleistet werden, wenn die Erzieherausbildung diesen Ansprüchen gerecht wird. Gerade mit Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studie ist deutlich geworden, wie wichtig die frühkindliche Erziehung ist. Auch in Hinblick auf den bevorstehenden und bereits existierenden Fachkräftemangel ist es von Bedeutung frühkindliche Bildung in den Betreuungseinrichtungen zu verankern. Zudem kann in Kindergärten, -tagesstätten, Horten und anderen Einrichtungen durch Bildungsstandards eine verbesserte Chancengleichheit zwischen den Kindern hergestellt werden. Diese kann aber nur dann angegangen werden, wenn es für alle Kinder ab 3 Jahren Pflicht wird einen Kindergarten oder eine Kindertagesstätte zu besuchen. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist der Besuch einer Betreuungseinrichtung die Chance und auch einzige Möglichkeit eine Grundlage für die Ausbildungsfähigkeit zu legen. In diesem Zusammenhang muss auch die Finanzierung von Betreuungsplätzen überdacht werden. Staffelungen nach dem Einkommen der Eltern werden praktiziert. Jedoch entscheidet sich der zweite Elternteil gegen eine Erwerbstätigkeit, wenn ein Großteil des Arbeitslohnes in zusätzliche Betreuungsangebote investiert werden muss, da nicht alle notwendigen Betreuungszeiten abgedeckt werden und somit eine private Kinderbetreuung finanziert werden muss. Hier können Unternehmen ansetzen, um diese Arbeitskraft zu behalten oder zu gewinnen, indem sie einen Teil der Betreuungskosten übernehmen und somit einen Anreiz schaffen wieder in den Beruf zurückzukehren.

Arbeit zitieren:
Freund, Bianca Dezember 2008: Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Vereinbarkeit, Personalmanagement, Audit, Mitarbeiter, Work-Life-Balance

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