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Teenagerschwangerschaften. Wenn Mädchen Mütter werden...

Wie kann es jungen Müttern gelingen ihr Leben mit Kind zu meistern?

Teenagerschwangerschaften. Wenn Mädchen Mütter werden...
Über dieses Buch
  • Art: Masterarbeit
  • Autor: Ina Hartmann
  • Abgabedatum: November 2008
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 417,0 KB
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • Bibliografie: ca. 80
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2451-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hartmann, Ina November 2008: Teenagerschwangerschaften. Wenn Mädchen Mütter werden..., Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schwangerschaft, Teenager, Mutter, Geburt, Abtreibung

Masterarbeit von Ina Hartmann

Einleitung:

Teenagerschwangerschaften sind in der heutigen Zeit ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Die Zahl der Teenagergeburten in Deutschland ist im Zeitraum von 1993 bis 2002 gering, aber durchaus stetig angestiegen. Waren im Jahr 1993 etwa 6 von 1.000 Müttern unter 18 Jahren, so waren es im Jahr 2002 bereits 8 von 1.000 Müttern. Da liegt die Frage nahe, ob denn die Teenager, die so früh schon die Rolle der Mutter übernehmen müssen, dieser Aufgabe auch gerecht werden können. Passt ein Kind überhaupt in den Alltag eines Teenagers?

Ein Baby muss rund um die Uhr versorgt werden. Ausgehen mit den Freunden ist da ebenso wenig möglich wie jeden Tag bis nachmittags die Schulbank zu drücken. Zumindest nicht, wenn man mit dem Kind auf sich alleine gestellt ist. Viele junge Väter merken schnell, wie anstrengend und teilweise nervig das Leben mit Säugling sein kann und trennen sich lieber von Mutter und Kind und somit von der Verantwortung, die sie übernehmen müssten. Und dann steht die junge Mutter alleine da. Hilfe von den Eltern kann auch nicht in jedem Fall gewährleistet werden, denn oftmals wollen auch die Eltern ihr eigenständiges Leben nicht aufgeben. Um die Kinder hat man sich immerhin lange genug gekümmert.

Gründe genug, warum es nur allzu verständlich ist, dass es oftmals nicht klappt, ein eigenständiges und glückliches Leben mit Kind zu führen.

Warum klappt es aber dennoch bei so vielen Frauen, die sehr jung Mutter geworden sind? Was läuft bei ihnen anders als bei den Fällen, die an dieser Situation eher zu zerbrechen drohen?

Haben diese Frauen sich im Vorfeld einfach mehr Gedanken gemacht, wie sie es mit Kind schaffen können und welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können, um weiterhin einem geregelten Leben nachzugehen?

Eine gute Mutter zu sein heißt, Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst und für das eigene Kind. Man muss selbstverantwortlich entscheiden, wie man sein Leben gestalten möchte.

Muss man seine alten Freunde, die mit Babys nichts zu tun haben wollen, wirklich behalten? Läuft jeder Partner vor der Verantwortung mit dem Kind davon und ist von den eigenen Eltern wirklich keine Unterstützung zu erwarten?

Auf diese und weitere Fragen werde ich im Verlauf meiner Arbeit eingehen und aufzeigen, dass es zwar Fälle gibt, in denen das Leben als junge Frau mit eigenem Kind nicht funktioniert, aber ich werde auch zeigen, dass es sehr viele Teenagermütter geschafft haben ein Leben zu führen, das sowohl dem Kind als auch sich selbst gerecht wird. Und welche Aspekte für das Gelingen eines solchen Lebens sprechen, soll im Verlauf meiner Arbeit ebenfalls deutlich werden. Ich werde im zweiten Teil meiner Arbeit einen eigenen empirischen Teil anhängen, in dem ich junge Mütter befrage, die unter 18 Jahren schwanger geworden sind und sich dann bewusst für ein Leben mit Kind entscheiden haben. Alles junge Frauen, die zur heutigen Zeit studieren oder studieren wollen und von denen man sagen kann, dass sie ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen. Außerdem werde ich kurz auf meine eigene Situation eingehen, denn auch ich bin sehr früh Mutter geworden und kann mich in die Situation von Teenagereltern gut hineinversetzen. In einem Fazit werde ich dann die wichtigsten Erkenntnisse meiner Arbeit kurz zusammenfassen und auf den Punkt bringen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Teenagerschwangerschaften in Deutschland 5
2.1 Durchschnittsalter der „Erstgebärenden“ und das Problem der Teenagerschwangerschaften 8
2.2 Wieso gibt es schwangere Teenager und sehr junge Mütter in Deutschland? 10
2.3 Sind Teenagerschwangerschaften ein deutsches Problem? 13
3. Wieso gelingt es oftmals nicht der Rolle der jungen Mutter gerecht zu werden? 14
3.1 Die Situation in der Schule/ Ausbildung 17
3.2 Die Freunde und Peergroups 22
3.3 Das soziale Umfeld/ Die soziale Situation 26
3.4 Die Partnerbeziehung (I) 29
3.5 Die psychische Verfassung 33
3.6 Die finanzielle Situation 37
4. Wieso gelingt es dennoch vielen jungen Müttern glücklich und eigenständig mit ihrem Kind zu leben? 39
4.1 Die Netzwerkbeziehung zu den eigenen Eltern 39
4.2 Die Partnerbeziehung (II) 42
4.3 Die emotionalen Gründe 44
4.4 Die gesellschaftlichen Gründe 45
4.5 Religiöse Gründe 47
4.6 Staatliche Hilfen 49
5. Empirische Untersuchung: Wie gelang es jungen Müttern ihr Leben zu meistern? 51
5.1 Auswertung der Interviews mit Frauen, die unter 18 Jahren schwanger geworden sind 53
5.2 Eigene Erfahrung zu diesem Themengebiet 61
6. Fazit 62
7. Literaturverzeichnis 64
8. Anhang 70

Textprobe:

Kapitel 3.1, Die Situation in der Schule/ Ausbildung: „Sie sind schwanger.“ Dieser Satz ist eigentlich der Beginn einer aufregenden Zeit für die werdende Mutter, doch nicht immer löst er einfach nur Freude aus. Wird ein Teenager ungeplant schwanger, kann dieser Satz große Angst auslösen. Es kommen Fragen auf wie: Wie sage ich es meinen Eltern? Was werden meine Eltern dazu sagen und wie werden sie reagieren? Wie reagieren die Menschen in meinem Umfeld, meine Freunde und die Verwandtschaft? Wie wird meine Zukunft aussehen und kann ich überhaupt weiter zur Schule gehen oder die Ausbildung beenden?

Viele Teenager stehen erst einmal vor einem Berg voll Fragen und Problemen und viele entscheiden für sich, dass sie ein Leben mit Kind nicht oder noch nicht führen wollen und lassen ihr Kind abtreiben. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist stetig steigend. Im Jahr 1999 haben 5.733 junge Frauen unter 18 Jahren abgetrieben, im Jahr 2003, also nur 4 Jahre später, lag der Wert schon bei 7.645 jungen Frauen unter 18 Jahren. Aber nicht jedes junge Mädchen kann, will oder darf abtreiben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Bleibt der jungen Frau also nichts anderes übrig, als das Kind auszutragen und sie befindet sich gerade in der Schulischen oder Beruflichen Ausbildung heißt das immer auch, dass es zwangsläufig zu vielen Problemen kommen wird, die eine junge Frau ohne Kind nicht hat. Erst einmal muss man es schaffen sein Kind in fremde Hände zu geben, denn mitnehmen kann man es weder zur Schule noch zur Ausbildung.

Zudem muss man zu Hause der Motivation haben zu lernen, obwohl man sich eigentlich immer auch um das Kind kümmern muss. Die Nächte werden immer kürzer ausfallen, als bei den Mitschülerinnen oder Kolleginnen ohne Kind, denn kaum ein Baby wird durchschlafen, nur weil die Mutter am nächsten Tag früh aufstehen muss um zur Arbeit zu gehen.

Auch wird die junge Mutter öfter mal ausfallen, wenn das Kind krank geworden ist und sie keine Betreuung findet, die sich auch um ein krankes Kind kümmern will. Diese Fehltage müssen, besonders in der Schule, selbstständig nachgearbeitet werden, was wieder ein Problem darstellt, denn die Zeit dazu fehlt oft, wenn man ein krankes Kind hat und es ist natürlich auch schwieriger, denn niemand kann der jungen Frau erklären, wie z.B. bestimmte Aufgaben zu lösen sind. Wohnt die junge Mutter dann vielleicht nicht mehr bei ihren Eltern, sondern in einer eigenen Wohnung mit dem Kind, kommen noch die alltäglichen Probleme wie kochen, putzen und den Haushalt führen zu dem ohnehin schon stressigen Leben der Teenagermutter. Zudem ist es sehr oft so, dass auf den Vater des Kindes kein Verlass ist und sich dieser nur in wenigen Fällen mit um Mutter und Kind kümmert.

Viele Arbeitgeber haben wenig Verständnis für die besondere Situation von jungen Müttern. Sie fordern die gleichen Leistungen wie von anderen jungen Frauen, die keine Kinder nebenbei zu versorgen haben. Dies ist ein Grund dafür, warum viele junge Frauen die Schule abbrechen sobald sie ein Kind haben, oder auch mit der Ausbildung aufhören.

Dabei muss das eigentlich nicht sein. Kümmert sich eine junge Frau rechtzeitig um eine geeignete Betreuung für das Kind, kann sie eine Ausbildung nach 14 Wochen - 6 Wochen vor der Geburt und 8 Wochen nach der Geburt darf sie nicht arbeiten - wie gewohnt weiterführen. Nur bei der Schule sieht die Lage etwas anders aus. Da verpasst sie zu viel Stoff in den 14 Wochen und sollte das Schuljahr nach den Sommerferien wiederholen. Wobei sie in der Schule nicht verpflichtet ist wirklich 14 Wochen zu Hause zu bleiben. Wenn sie das selbst möchte, kann die junge Frau bis zur Geburt zur Schule gehen und danach so schnell wie sie es eben wieder schafft. Dann würde die Teenagermutter kaum Stoff verpassen und müsste nicht zwangsläufig das Schuljahr wiederholen.

Das Problem, was jedoch oft auftaucht, ist die Tatsache, dass die jungen Frauen mit ihrem Kind eine derart andere Welt erleben, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, zurück in die Schule oder ihren Ausbildungsplatz zu kehren. Oder die Ausbildung lässt sich eben doch nicht mit einem Kind vereinbaren.

Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn man als Krankenschwester im Schichtdienst arbeitet. Welcher Kindergarten oder welche Tagesmutter passt schon nachts auf ein Kind auf? Und wenn die Teenagermutter nicht das Glück hat, dass die eigenen Eltern oder Schwiegereltern sie unterstützen, muss sie wahrscheinlich die Ausbildung abbrechen. Dass Problem bei einem Abbruch der Ausbildung ist, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ohne abgeschlossene Ausbildung sehr schlecht sind. Und es kommt auch nicht so gut an, wenn auf dem Lebenslaufe ein Abbruch der Ausbildung steht. Aber dass gerade junge Frauen mit Kind nicht mehr zurück in den Beruf gehen, kommt immer häufiger vor. „Nach Ansicht der befragten Expertinnen sähen immer mehr Mädchen das Muttersein als Alternative zum Beruf. Besonders Mädchen mit wenigen beruflichen Perspektiven hätten heute früh den Wunsch, Mutter zu werden. Fast könne man schon vom `Berufswunsch Mutter` sprechen.“ Das erstaunliche ist, dass Kardinal Meisner der katholischen Kirche genau diesen Beruf einführen möchte. Er sagt: „Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein.“ Wobei ich der Ansicht bin, dass Kardinal Meisner nicht an die Teenagermütter dachte, sondern vielmehr an die Frauen, die einige Jahre zu Hause bleiben um bei ihren Kindern zu sein. Würde das Muttersein wirklich als Beruf anerkannt, würde es bald kaum noch Arbeitslose Frauen geben, denn viele arbeitslose Frauen haben auch jetzt schon Kinder und ich denke viele würden ein Kind bekommen, wenn sie dann nicht mehr als Arbeitslos gelten und sogar später eine Mütter- Rente bekommen, wie es Kardinal Meisner vorschlägt.

Ich bin aber der Ansicht, dass es auf Dauer auch einem Teenager, der zu Beginn ganz begeistert von der Idee ist mit dem Kind die Zeit des Tages zu verbringen, nicht zufrieden stellen wird nie arbeiten zu können und immer zu Hause sitzen zu müssen.

Das Leben mit Kind führt gerade bei Jugendlichen oft in eine Isolation und das kann auf Dauer sehr frustrierend sein. Warum ist es aber gerade während der Ausbildung oder der Schulzeit ein so großes Problem schwanger zu werden? Ist es nur die Tatsache, dass viele wirklich Angst haben, dass eine Jugendliche Mutter den Weg nicht mehr zurück in die Arbeitswelt findet, wenn sie erst einmal Mutter ist?

Ich denke vielmehr, dass es sich hier, wie schon einmal erwähnt, auch um gesellschaftliches Problem handelt. „Die Konstellation, in die Kinder ‚hineinpassen’, setzt nach den Vorstellungen der großen Mehrheit nicht nur eine stabile Partnerschaft und einen ausgeprägten Kinderwunsch beider Partner voraus, sondern eine beruflich gesicherte Position eines Partners, gute finanzielle Verhältnisse der Familie, auch wenn man sich nur auf ein Einkommen stützt, sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung beider Partner.“ Dieses Zitat belegt, dass die Gesellschaft bestimmte Vorstellungen davon hat, wann man ein Kind bekommen sollte und wann nicht. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht etliche Frauen und Familien gibt, die sich bewusst gegen diese Vorstellung auflehnen. Immerhin ist ein Kind eine persönliche Entscheidung, mit der man auch persönlich zu Recht kommen muss. „Wenn Jugendliche ohne diese Voraussetzung (z.B. eine abgeschlossene Berufsausbildung) Kinder in die Welt setzen, vielleicht sogar auch noch vorsätzlich, geraten sie mit den allgemeinen, eher mittelschichtsorientierten Normvorstellungen von dem, wann und wie Kinder angemessen in die Biografie passen, aufs Heftigste in Widerspruch. Gesellschaftlich anerkannte Konzepte gelungener Lebensbewältigung (inkl. Elternschaft) sehen das Kinderkriegen im Jugendalter nicht vor.“ Es ist auch unheimlich schwierig trotz Kind weiterhin zur Schule zu gehen, zu lernen und nebenbei keinerlei Freizeit mehr zu haben. In einigen Internetforen gibt es Berichte von Teenagern, die früh schwanger geworden sind und sie schreiben dort wie es ihnen so ergangen ist. Ein Mädchen schreibt über die Schule: „Nach einem Gespräch mit meinen Lehrern stand für mich fest auch die 10te noch zu machen und dann den mittleren Bildungsabschluss zu besitzen. Das es nicht leicht werden würde war mir klar. WIE schwer es werden würde allerdings nicht!“ Ein weiteres Mädchen berichtet, dass sie es auf ihrer bisherigen Schule mit Kind einfach nicht mehr geschafft hat. „Ich bin aufgrund meiner Schwangerschaft von der Realschule auf die Hauptschule gewechselt.“ Ein Mädchen schreibt in einem anderen Forum im Internet über ihre Freundin: „Sie ging heuer in meine Klasse, konnte aber, weil sie schwanger war und Ende Februar ihr Baby bekommen hat, dass Jahr nicht abschließen nun könnte sie die Schule als externer Schüler machen, aber es funktioniert einfach nicht, sie hat nicht mal Zeit für sich selbst.“ Diese drei angefügten Beispiele zeigen sehr gut, dass die Situation für eine junge Mutter, die noch zur Schule geht, alles andere als leicht ist. Es scheint ganz so zu sein, als müsse man sich entscheiden. Auf der einen Seite kann man vielleicht eine gute Mutter sein, weil man immer für sein Kind da ist und sich um dessen Wohl kümmert, auf der anderen Seite aber kann man nicht gleichzeitig auch eine gute Schülerin sein. Schule funktioniert nur, wenn gute Betreuung vorhanden ist. Entweder müssen dies die eigenen Eltern übernehmen, die dann selbst im Beruf oftmals zurückstecken müssen, oder aber die Kinder müssen einen Platz in einer Kindertagsstätte bekommen, wo sie in der Schulzeit professionell betreut werden.

Innerhalt der Ausbildung ist es natürlich das gleiche Problem, wobei dort eben noch hinzukommt, dass manche Berufe so ungünstige Arbeitszeiten haben, dass man diese mit der Erziehung eines Kindes nicht in Einklang bringen kann. Hier würde dann in der Tat nur ein Abbruch helfen und die Auszubildende sollte sich schnellst möglich einen neues Ausbildungsplatz suchen und möglichst nicht mitten im Ausbildungsjahr aufhören.

Doch die Chancen eine Ausbildung neu beginnen zu können sind nicht so gut. Mit Kind möchte ein Arbeitgeber einen ungern einstellen, da es zu vielen Fehlstunden kommen kann und eine abgebrochene Ausbildung sieht nicht gut aus im Lebenslauf.

Festzuhalten bleibt also, dass es sehr schwer ist Ausbildung oder Schule mit einem Kind zu verbinden und aus diesem Grund viele junge Frauen Abbrechen, was sich später nachteilig im Lebenslauf ausüben kann. Denn befragt man Jugendliche was Ihnen am wichtigsten für die eigene Zukunft ist, so zeigt sich: „Knapp zwei Drittel der 13- bis 22-Jährigen nennen als oberstes Zukunftsziel einen guten Beruf bzw. eine berufliche Karriere.

Die größten Ängste betreffen den gleichen Bereich. 37% äußern Versagensängste bezüglich Ausbildung/Beruf oder Angst vor Arbeitslosigkeit.“ Eine Ausbildung ist also extrem wichtig. Besonders auch für die Jugendlichen Mütter, die ihre Kinder meistens ohne einen Partner durchbringen muss und damit auch ohne weitere finanzielle Unterstützung.

Kapitel 3.2, Die Freunde und Peer- Groups: Mit zunehmendem Alter steigt die Bedeutung der Gruppe der Gleichaltrigen Jugendlichen. Die Wichtigkeit, die Jugendliche der Peergroup entgegenbringen, entsteht aus dem gemeinsamen Erleben der Jugend. Teenager fühlen sich in dieser Phase durch das gemeinsame Durchleben des Jugendalltags angenommen und verstanden. Schröder und Leonhardt fassen diese Besonderheit der Peergroup so zusammen:

Mit den Gleichaltrigen teilen sie die Jugendlichen nicht nur die gleichen Wünsche nach Liebe, Sexualität und Selbstständigkeit, sie teilen mit ihnen auch die Ängste vor der neuen Situation. Sie teilen die Gefühle von Scham und tiefer Verunsicherung. Sie identifizieren sich miteinander. Sie fühlen sich von denen, die ähnliche Energien und zugleich Nöte in sich spüren, besser verstanden als von allen anderen.

Die Zugehörigkeit zur Peergroup wird ausgedrückt durch einen gemeinsamen Habitus, einen bestimmten Lebensstil oder eine bestimmte Lebensform, die sich in verschiedenen Ausdrucksformen zeigt. Die Erwartung an die Gruppe in und mit ihr „Spaß zu haben“ und „etwas erleben wollen“ verbindet alle Jugendlichen. Diese zwei Aspekte kann man als übergreifendes Gruppeninteresse aller Jugendlichen verstehen. Die Peergroup begleitet, fördert und fordert den Jugendlichen in allen Erfahrensbereichen und Entwicklungsaufgaben. So knüpfen die Jugendlichen bei dem Eintritt in die Gruppe an dem an, was ihnen durch ihre Familie bereits vertraut ist, um von diesem neuen, fremden Ort aus zu erproben, wie das Leben draußen, außerhalb der Familie, anders und neu gestaltet werden kann.

Freunde sollen einen unterstützen und einem Mut machen, damit man auch als Teenager mit der neuen Situation als Mutter gut zu Recht kommt. Leider haben oftmals gerade die Freunde keinen guten Einfluss auf eine junge Mutter. Viele Teenager sehen erst mal sich selbst und den Spaß. Wie aber kann eine junge Mutter mit ihren Freunden Spaß haben und zu Partys gehen, wenn sie zu Hause ein kleines Baby hat, welches sie braucht? Das Muttersein erfordert die Bereitschaft, auf vieles verzichten zu können. Die Adoleszenz ist jedoch die Zeit des Ausprobierens und der Ungezwungenheit, da der junge Mensch seinen eigenen Weg finden und eine eigene Wert- und Moralvorstellung erarbeiten muss. Die Einschränkung durch eine frühe Mutterschaft, die nicht mit diesem Lebensstil zu vereinbaren ist, hindert die Teenager an ihrer gesunden Entwicklung. (…) Als Mutter in der Adoleszenz kann sie nicht wie ihre Gleichaltrigen die Jugend ausleben.

Nicht umsonst antworten viele Jugendliche, wenn sie an Babys denken so wie dieser Junge es getan hat: „Wenn man erst Kinder hat, kann man den Spaß total vergessen. Viele Jugendliche sind in so genannten Cliquen. Die Clique ist ein Zufluchtsort eines jeden Teenagers. Meist sind Sie wie eine zweite Familie und es werden alle Geheimnisse miteinander geteilt. Cliquen halten zusammen, auch wenn es mal Streitigkeiten gibt.

Zusammengefasst ist es ein Kreis von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten im Jugendalter, die sich regelmäßig treffen und eine Gemeinschaft bilden. Solch ein Zusammenhalt hat viel Einfluss auf Teenager und kann nicht nur positive Folgen haben. Häufig vernachlässigen Jugendliche die Schule, ihre Pflichten im Haushalt oder geraten in einen radikal ausgerichteten Freundeskreis. In solch einer Gemeinschaft kann leicht ein Gruppenzwang entstehen und das kann schlimme Folgen tragen. Zum Beispiel wird es oft „cool“ gefunden zu rauchen oder Alkohol zu konsumieren. Oder aber schon früh Sex zu haben. Wenn alle Jugendlichen einer Clique mit ihren Erfahrungen rumprahlen, fühlt man sich schnell dazu verleitet ebenfalls viele Erfahrungen sammeln zu müssen.

Über Verhütung wird jedoch kaum gesprochen, denn das ist dann eher ein „uncooles“ Thema. Auch das Thema Schwangerschaft wird meistens kaum erwähnt. Passiert es jemanden aus der Clique, so hat dieses Mädchen nach der Geburt ja ohnehin keine Zeit mehr für die Freunde und fällt dann aus der Clique raus. Damit sind sie in der Clique auch kein Thema mehr. Die Clique besteht oftmals aus sehr vielen Jugendlichen und es fällt sich so sehr auf, wenn plötzlich eine Person fehlt. Auffallen tut es aber dieser Person.

Diesem jungen Mädchen, was nach der Geburt nicht mehr mit Freunden „rumhängen“ kann, sondern sich um das eigene Baby kümmern muss. Und das oftmals ganz alleine, weil sich der Vater des Kindes dieser Verantwortung nicht stellen möchte. So ist es auch bei Caro gewesen. Denkt sie an den Vater ihres Kindes, so fällt ihr dazu nur folgendes ein: „Er weiß es gar nicht, dass er Vater geworden ist, weil wir uns nicht mehr gesehen haben. Er hat sich abgeseilt. Ich wollte es ihm eigentlich sagen, aber er war weg, einfach weg... Irgendwann fragt der Sohn ja nach Papa. Und ich hab auch nichts dagegen, wenn er später dann mal seinen Vater suchen möchte. Da stehe ich ihm nicht im Wege.“ Diese Teenagermutter merkt vielleicht zu spät, dass es dumm war auf jeden Fall sexuelle Erfahrungen sammeln zu wollen und dass dies nun bleibende Konsequenzen hat. Wie anders das Leben einer Teenagermutter ist, beschreibt Caro, eine junge Mutter aus Berlin so:

„Du hast kaum noch Zeit für Freunde… Also ich hab mir das vorher nicht so vorgestellt. Nachts aufstehen und so, war für mich schon hart. Früher konnte ich ausschlafen, was ich jetzt nicht mehr kann.“ Und Carolin, eine ebenfalls junge Mutter fühlt sich ebenfalls nicht wohl. Sie sagt: „Bloß manchmal hab ich das Gefühl, dadurch dass die anderen Mütter zur Schule oder zur Arbeit gehen, und ich sitz hier- Dann fühle ich mich manchmal wie im Knast hier drinnen. Das ist es halt, was mir hier fehlt, weil ich würde auch zu gerne wieder arbeiten gehen.“ Ein Leben wie im Knast? Und alles nur, weil man früh Mutter geworden ist? Das haben sich die meisten Jugendlichen so nicht träumen lassen.

Aber es kommt immer wieder vor, wie auch Petra Winkelmann, Autorin eines Werkes über Teenangerschwangerschaften, beschreibt: „Junge Frauen, die Verantwortung für ein Kind übernehmen, müssen in der Regel ihre bisherigen Kontakte einschränken. Das soziale Netz an informellen Kontakten mit Gleichaltrigen zerbricht und die Gefahr der sozialen Isolation steigt. Auch in Gruppen allein Erziehender fühlen sich diese jungen Mütter oft nicht zugehörig. Aufgrund ihrer Jugend, ihrer finanziellen Situation, ihrer Beziehungen zum Kind und Erziehungsstile etc. geraten die Frauen schnell in die Position einer Außenseiterin.“ Genau so sehen dies auch Gabriele Bindel-Kögel und Rita Bünemann de Falcon. Sie schreiben zu diesem offensichtlichen Problem „Junge Mütter nehmen in der Gesellschaft ganz offensichtlich eine Zwitterstellung ein. Sie bilden eine ungewöhnliche, gewissermaßen exklusive Minderheit, die zwischen den Generationen bewegt. Aus der Perspektive der anderen scheinen sie nie zu genügen: Den Jugendlichen sind sie zu alt, d. h. sie repräsentieren mit ihrer neuen Verantwortung die Eltern-Generation, gegen die sich die Gleichaltrigen abzugrenzen beginnen. Als Mutter sind sie für die Älteren wiederum nicht erwachsen genug und werden von ihnen meist nicht ernst genommen.“

Arbeit zitieren:
Hartmann, Ina November 2008: Teenagerschwangerschaften. Wenn Mädchen Mütter werden..., Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schwangerschaft, Teenager, Mutter, Geburt, Abtreibung

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