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Die Einbürgerung türkischer Migrantinnen und Migranten

Eine Analyse von Methoden und Ergebnisse empirischer Sozialforschung

Die Einbürgerung türkischer Migrantinnen und Migranten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Vesile Güzel
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 653,1 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 95
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2395-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Güzel, Vesile Juni 2008: Die Einbürgerung türkischer Migrantinnen und Migranten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Migration, Türkei, Einbürgerung, Staatszugehörigkeit, Mehrstaatigkeit

Diplomarbeit von Vesile Güzel

Einleitung:

In dieser Arbeit werden die Gründe bzw. Motive der türkischen Migrantinnen und Migranten für eine Einbürgerung in Deutschland herausgearbeitet. Dafür werden quantitative und qualitative empirische Untersuchungen, in denen dieses Thema bearbeitet wurde, herangezogen. Ziel der Arbeit ist es, die Methoden in den quantitativen und qualitativen Untersuchungen zu analysieren, deren Ergebnisse miteinander zu vergleichen, auf Defizite zu verweisen und Empfehlungen für zukünftige Forschungsvorhaben abzugeben.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil soll ein allgemeines Hintergrundwissen über die türkische Bevölkerung sowie über die rechtliche Lage hinsichtlich der Staatsangehörigkeit und der Einbürgerung gewährleisten. Dies soll eine Erleichterung für die Interpretation der Ergebnisse aus den empirischen Untersuchungen im zweiten Teil sein und zum besseren Verständnis beitragen.

Bevor ich mit dem methodischen Teil II der Arbeit anfange, werde ich in Teil I im ersten Abschnitt einen Überblick über die soziale, wirtschaftliche und politische Lage der Türkei seit 1950 verschaffen, die durch drei Militärputsche geprägt ist. Ziel ist, den Hintergrund für die Emigrationsbewegungen in die BRD und den Verbleib der türkischen Migrantinnen und Migranten, meiner Fokusgruppe, in der BRD zu veranschaulichen. Im zweiten Abschnitt wird ein Überblick über die türkische Migration in die BRD seit 1950 gegeben. Dabei werden die einzelnen Phasen der Migration beschrieben. Die zusammenfassende Bewertung im dritten Abschnitt schildert die Verbleibeabsichten und Rückkehrpläne der türkischen Migrantinnen und Migranten, deren Integration durch die erleichterte Einbürgerung gefördert werden sollte. Der vierte Abschnitt bildet die rechtlichen Grundlagen, beginnend mit der Definition und den Möglichkeiten des Erwerbs einer Staatsangehörigkeit. Dabei werden die gesetzlichen Änderungen im Einbürgerungsrecht ab 1990 sowie die Mindestvoraussetzungen für eine Anspruchs- und Ermessenseinbürgerung vor und nach der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000 dargestellt. Ergänzend wird das türkische Staatsangehörigkeitsrecht als Vergleich herangezogen, da die Regelungen im türkischen und deutschen Recht Unterschiede aufweisen. Abschließend werden Mehrstaatigkeit in Deutschland und der Türkei aufgrund der Diskrepanzen einander gegenübergestellt. Mit dem Blick auf die Einbürgerungszahlen meiner Fokusgruppe seit Ende der 1980er im fünften Abschnitt und einem Zwischenfazit geht meine Arbeit in den zweiten Teil über.

Der zweite Teil der Arbeit stellt die bislang in Deutschland vorgenommenen quantitativen und qualitativen Untersuchungen über die Einbürgerungsmotive türkischer Migrantinnen und Migranten vor. Dabei handelt es sich um die beiden repräsentativen Querschnittsbefragungen im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMA) aus den Jahren 1995 und 2001, um die repräsentative Panelbefragung und einmalige Befragung, beide vom Zentrum für Türkeistudien (ZfT) jeweils aus dem Jahr 2000. Ferner widme ich mich den Untersuchungen qualitativer Art von Tanja Wunderlich aus dem Jahr 2005 und Kathrin Prümm ab Mitte der 1990er.

Dabei werde ich zunächst, vor der Darstellung der Untersuchungen, im sechsten Abschnitt eine kurze Einführung in die empirische Sozialforschung geben und dabei den Grundgedanken quantitativer und qualitativer Sozialforschung erläutern. Anschließend erfolgt der Blick auf die Methoden in der empirischen Sozialforschung. Dabei werde ich mich auf quantitative und qualitative Methoden beschränken, die in den zu analysierenden empirischen Untersuchungen eingesetzt wurden. Die jeweilige Darstellung beginnt zunächst mit der Vorstellung der Methoden für die Auswahl der Untersuchungseinheiten, dem folgen Datenerhebung, Datenaufbereitung und schließlich die Datenanalyse. Dabei werde ich allgemeine Vor- und Nachteile der behandelten Methoden erläutern.

Die Erläuterung dieser Methoden soll eine theoretische Grundlage für die methodische Analyse der quantitativen und qualitativen Untersuchungen im siebten Abschnitt bilden. Dafür werde ich zuerst die Untersuchungen und anschließend die Methoden vorstellen. Alle Darstellungen werden dabei kritisch beleuchtet, indem spezifisch auf die empirischen Untersuchungen bezogene Kritikpunkte in der Methodenkritik herausgearbeitet werden. Schließlich erfolgt im achten Abschnitt die Darstellung der Ergebnisse der empirischen Untersuchungen. Dabei werde ich die Einbürgerungsmotive der türkischen Migrantinnen und Migranten nach quantitativen und qualitativen Untersuchungen trennen und anschließend die Ergebnisse vergleichen. Ein abschließendes Fazit rundet die Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis vii
Vorwort viii
Einleitung - Aufbau der Arbeit 1
Teil I: Türkische Migration und Einbürgerung in Deutschland-politischer und rechtlicher Kontext
1. Die Lage der Türkei seit 1950 3
2. Die türkische Migration in die BRD seit 1950 6
3. Zusammenfassende Bewertung 9
4. Staatsangehörigkeitsgesetze 10
4.1 Definition von Staatsangehörigkeit 10
4.2 Der Erwerb einer Staatsangehörigkeit 11
4.2.1 Der Erwerb der deutschen Staatangehörigkeit 11
4.2.1.1 Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt 12
4.2.1.2 Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung 13
4.3 Das Einbürgerungsrecht in Deutschland 13
4.3.1 Überblick über die Entwicklung des Einbürgerungsrechts 13
4.3.2 Anspruchs- und Ermessenseinbürgerung im Vergleich 14
4.3.2.1 Anspruchseinbürgerung - die Mindestvoraussetzungen 14
4.3.2.2 Ermessenseinbürgerung - die Mindestvoraussetzungen 15
4.3.3 Ergänzungen seit 2007 16
4.4 Das türkische Staatsangehörigkeitsrecht 17
4.5 Mehrstaatigkeit in Deutschland und Türkei 18
5. Die Einbürgerung der türkischen Bevölkerung in Zahlen 20
Zwischenfazit 21
Teil II: Einbürgerungsmotive türkischer Migrantinnen und Migranten in der empirischen Sozialforschung
6. Die empirische Sozialforschung 23
6.1 Quantitative Sozialforschung - was ist das? 24
6.2 Qualitative Sozialforschung - was ist das? 24
6.3 Methoden in der empirischen Sozialforschung 25
6.3.1 Auswahl der Untersuchungseinheiten 25
6.3.1.1 Auswahlmethoden in der quantitativen Sozialforschung 26
6.3.1.1.1 Einfache Zufallsauswahl 26
a) Kartei- oder Listenauswahl 27
b) Die systematische Auswahl 27
c) Die Flächenstichprobe 28
6.3.1.1.2 Komplexe Zufallsauswahl 28
a) Die geschichtete Zufallsauswahl 28
b) Die mehrstufige Zufallsauswahl 29
6.3.1.2 Auswahlmethoden in der qualitativen Sozialforschung 29
6.3.1.3 Auswahlmethoden in der quantitativen und qualitativen Sozialforschung 30
6.3.1.3.1 Bewusste Auswahl 30
a) Das Schneeballverfahren 31
b) Das Quota-Verfahren 31
6.3.1.3.2 Willkürliche Auswahl 33
6.3.2 Datenerhebung 33
6.3.2.1 Die Befragung 33
6.3.2.1.1 Standardisierte Befragungen 34
a) Face-to-face Interviews 34
b) Telefoninterviews 35
6.3.2.1.2 Teil-Standardisierte Befragungen 36
6.3.2.1.3 Nicht-Standardisierte Befragungen 37
6.3.2.2 Beobachtungen 38
6.3.3 Datenaufbereitung 39
6.3.3.1 Aufbereitungsmethoden in der quantitativen Sozialforschung 40
6.3.3.1.1 Codierung und Datenübertragung 40
6.3.3.1.2 Datenkontrolle und -bereinigung 41
6.3.3.1.3 Umformung und -kodierung von Variablen 42
6.3.3.2 Aufbereitungsmethoden in der qualitativen Sozialforschung 42
6.3.3.2.1 Tonbandaufzeichnungen 42
6.3.3.2.2 Transkription 43
6.3.4 Datenanalyse 43
6.3.4.1 Datenanalyse in der quantitativen Sozialforschung 44
6.3.4.1.1 Deskriptive Statistik 44
6.3.4.1.2 Inferenzstatistik 45
6.3.4.2 Datenanalyse in der qualitativen Sozialforschung 45
6.3.4.2.1 Grounded Theory 45
a) Offenes Kodieren 46
b) Axiales Kodieren 47
c) Selektives Kodieren 48
6.3.4.2.2 Globalanalyse 48
6.3.4.2.3 Typenbildung 49
6.3.4.2.4 Narrative Analyse 49
6.3.4.2.5 Objektive Hermeneutik 51
6.3.4.2.6 Auswertung durch Computerprogramme 52
Zusammenfassung 53
7. Analyse der empirischen Untersuchungen 54
7.1 Einbürgerungsmotive - Stand der Forschung 54
7.1.1 Quantitative empirische Forschung 54
7.1.2 Qualitative empirische Forschung 55
7.2 Methoden in den quantitativen empirischen Untersuchungen 56
7.2.1 Auswahl der Untersuchungseinheiten 56
7.2.2 Datenerhebung 60
7.2.3 Datenaufbereitung 60
7.2.4 Datenanalyse 60
7.2.5 Methodenkritik 61
7.3 Methoden in den qualitativen empirischen Untersuchungen 64
7.3.1 Auswahl der Untersuchungseinheiten 64
7.3.2 Datenerhebung 65
7.3.3 Datenaufbereitung 67
7.3.4 Datenanalyse 67
7.3.5 Methodenkritik 69
Zusammenfassung 74
8. Die Einbürgerungsmotive der türkischen Migrantinnen und Migranten 76
8.1 Ergebnisse aus den quantitativen empirischen Forschungen 76
8.1.1 Ergebnisse der Untersuchungen im Auftrag des BMA 76
8.1.2 Ergebnisse der Untersuchungen des ZfT 78
8.1.3 Bewertung 79
8.2 Ergebnisse aus den qualitativen empirischen Forschungen 84
8.2.1 “Die neuen Deutschen“ - Tanja Wunderlich 84
8.2.2 “Einbürgerung als Option“ -Kathrin Prümm 87
Zusammenfassung
Fazit:Quantitativ oder qualitativ? 90
Anhang: Stichprobenanlagen von Untersuchungen 93
Literaturverzeichnis 96

Textprobe:

Kapitel Teil II, Einbürgerungsmotive türkischer Migrantinnen und Migranten in der empirischen Sozialforschung: Der zweite Teil der Arbeit stellt Forschungsarbeiten vor, in denen die Motive bzw. Gründe der türkischen Migrantinnen und Migranten für die Einbürgerung erforscht wurden. Über die Einbürgerung dieser Bevölkerungsgruppe existieren ein paar Untersuchungen in der empirischen Sozialforschung, die sich unterschiedlicher Methoden im Forschungsprozess bedienen. Bevor jedoch auf die einzelnen Untersuchungen eingegangen wird, soll zunächst ein allgemeiner Überblick über Methoden in der empirischen Sozialforschung gegeben werden (Kapitel 6). Dabei beschränke ich mich auf die Methoden, die in den zu analysierenden empirischen Untersuchungen (Kapitel 7) auch eingesetzt wurden. Dies beginnt mit der Auswahl der Untersuchungseinheiten, dem folgen Datenerhebung, Datenaufbereitung und schließlich die Datenanalyse. Auf der Grundlage dieser allgemeinen methodischen Aspekte widme ich mich dann den empirischen Untersuchungen und der Analyse der darin eingesetzten Methoden. Schließlich erfolgt die Darstellung der Einbürgerungsmotive als Ergebnisse der vorgestellten empirischen Untersuchungen. Alle Darstellungen werden dabei kritisch beleuchtet, indem allgemein in der Literatur bekannte Vor- und Nachteile der vorgestellten Methoden erläutert und Kritikpunkte hinsichtlich der jeweiligen empirischen Untersuchung herausgearbeitet werden.

Bevor ich jedoch auf die Methoden eingehe, möchte ich eine kurze Einführung in die empirische Sozialforschung geben und dabei auf den Grundgedanken quantitativer und qualitativer Sozialforschung eingehen.

Kapitel 6, Die empirische Sozialforschung: Die empirische Sozialforschung umfasst verschiedene Techniken und Methoden, mit denen die Untersuchung sozialer Sachverhalte auf wissenschaftliche Weise durchgeführt werden kann. Sie ist nahezu in allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie in der Markt-, Wahl-, und Meinungsforschung u.a. anzutreffen. Sie verfügt über ein umfangreiches Repertoire an Methoden, die schließlich auch in der amtlichen Statistik zur Erhebung von Daten durch Mikrozensus, Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, Zeitbudgeterhebung u.a. zum Einsatz kommen. Mit den Daten der empirischen Sozialforschung werden Informationen über Zusammenhänge, Entwicklungen und Handlungsmuster in der Bevölkerung für Wirtschaft, Politik und Unternehmen zur Verfügung gestellt, – Informationen, die mittlerweile für Entscheidungen auf diesen Ebenen unverzichtbar sind. Der Blick in die Literatur zur empirischen Sozialforschung zeigt, dass zwei grundlegend unterschiedliche Verfahren existieren. Die beiden Forschungsrichtungen haben einen langen Methodenstreit hinter sich. Es handelt sich hierbei um die quantitative und qualitative Sozialforschung. Die beiden Forschungsansätze werden seither als zwei Gegensätze verstanden.

Kapitel 6.1, Quantitative Sozialforschung - was ist das?: Die quantitative Sozialforschung versucht Ereignisse in der Gesellschaft mittels messbarer Daten zu definieren. Dabei hat sie zum Ziel, die Messung weitgehend objektiv durchzuführen, anhand der erhobenen Daten eine Hypothese zu testen und entsprechende Schlussfolgerungen hinsichtlich der Bevölkerung zu ziehen. Quantitative Sozialforschung ist gekennzeichnet durch das Arbeiten mit standardisierten Forschungsmethoden und einer großen Anzahl an Untersuchungseinheiten. Für die Konzipierung der Erhebungsinstrumente benötigen standardisierte Methoden eine feste Vorstellung über den untersuchten Gegenstand. Generell kann die quantitative Sozialforschung wie folgt definiert werden:

In der quantitativen Forschung werden mit Hilfe theoretischer Wissensbestände aus der Literatur und früheren empirischen Studien etc. theoretische Modelle des Realitätsausschnitts gebildet. Aus den Modellen werden Hypothesen abgeleitet, diese operationalisiert (messbar gemacht) und anschließend an empirischen Zusammenhängen überprüft.

Kapitel 6.2, Qualitative Sozialforschung - was ist das?: Die Basis der qualitativen Sozialforschung entstammt der Kritik an der quantitativen Sozialforschung. Gibt es auch heute noch kritische Stimmen gegenüber dem qualitativen Forschungsansatz, so kann man feststellen, dass er sich inzwischen als wissenschaftliche Methode etabliert hat. Im Gegensatz zur quantitativen Sozialforschung untersucht die qualitative Forschung individuelle Sichtweisen von Personen. Dabei steht unter anderem die Subjektivität im Vordergrund der Untersuchung. Ziel ist es, anhand der erhobenen Daten eine Theorie zu entwickeln und Hypothesen aufzustellen (und nicht, diese dem Forschungsvorhaben bereits vorauszusetzen). Mayer grenzt die qualitative Forschung von der quantitativen ab und definiert sie auf folgende Weise:

Die qualitative Methode distanziert sich von der strengen Theoriegeleitetheit quantitativer Forschung, dennoch ist auch bei der Verwendung qualitativer Methoden die Formulierung von Fragestellungen und (sensibilisierenden) Konzepten erforderlich Der Gegenstand wird zumeist vorläufig definiert.

Die qualitative Sozialforschung hat den Anspruch, Lebenswelten aus der Sicht der handelnden Menschen zu beschreiben. In diesem Zusammenhang steht die Offenheit und Nähe als Zugangsweise zum Forschungsgegenstand im Vordergrund.

Es erweist sich meist als schwierig, die Ziele der beiden unterschiedlichen Forschungsansätze in der Praxis miteinander zu vereinbaren. Der meist hohe Standardisierungsgrad in der quantitativen Sozialforschung steht im Gegensatz zum Prinzip der Offenheit und dem geringen Standardisierungsgrad in der qualitativen Sozialforschung. Aus diesem Grund möchte ich im folgenden Abschnitt einen Überblick über die quantitativen und qualitativen Methoden in der empirischen Sozialforschung geben, um die unterschiedlichen Verfahren bei der Auswahl der Untersuchungseinheiten (vgl. 6.3.1.), Datenerhebung (vgl. 6.3.2.), Datenaufbereitung (vgl. 6.3.3.) und Datenanalyse (vgl. 6.3.4.) deutlich zu machen. Dieser Überblick wird dann als theoretische Grundlage für die anschließende Analyse der Untersuchungen über die Einbürgerungsmotive türkischer Migranten in Deutschland dienen.

Kapitel 6.3, Methoden in der empirischen Sozialforschung: Kapitel 6.3.1, Auswahl der Untersuchungseinheiten: Die Auswahl der Untersuchungseinheiten ist sowohl in der quantitativen als auch in der qualitativen Sozialforschung ein entscheidender Aspekt im Forschungsprozess. Dabei kann man zwischen Auswahlverfahren trennen, die vorwiegend in der quantitativen Sozialforschung angewendet werden, wie etwa die Wahrscheinlichkeitsauswahl (einfache und komplexe Zufallsauswahl), und wiederum Verfahren, die nur in der qualitativen Sozialforschung vorzufinden sind, wie z.B. das theoretische Sampling. Allerdings existieren auch Auswahlverfahren, die in beiden Gebieten zum Einsatz kommen können. Dazu zählen die bewusste und willkürliche Auswahl.

Bevor jedoch die Untersuchungseinheiten ausgewählt werden können, muss zunächst festgelegt werden, was untersucht werden soll und wer dafür in Betracht kommt. Für die Auswahl der zu untersuchenden Personen muss daher zuvor die Grundgesamtheit G festgelegt werden, die nach Leiner wie folgt definiert werden kann: „Die Gesamtheit der Einheiten (Personen, Institutionen oder Gegenstände), die in einer statistischen Untersuchung auf ihre besonderen Eigenheiten hin zu beschreiben sind, bezeichnet man als Grundgesamtheit.“ Wenn sich die Erhebung auf alle in G enthaltenen Einheiten bezieht, so handelt es sich um eine Vollerhebung. Wird nur ein Teil aus G erhoben, so spricht man von einer Teilerhebung oder Stichprobe, die nach vorher festgelegten Regeln ausgewählt wird. Da Vollerhebungen aufwendig und teuer sind, werden in der Regel Teilerhebungen bevorzugt.

Die Stichprobe kann nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, was dann als Wahrscheinlichkeitsauswahl bezeichnet wird. Findet die Auswahl nicht zufällig statt, so handelt es sich um eine bewusste Auswahl. Ferner kann die Auswahl nach nicht vorher festgelegten Regeln mit der so genannten willkürlichen Auswahl getroffen werden.

Ich werde zunächst die Auswahlverfahren vorstellen, die überwiegend in der quantitativen Sozialforschung (vgl. 6.3.1.1.) anzutreffen sind. Danach folgen die Verfahren der qualitativen Sozialforschung (vgl. 6.3.1.2.) und im Anschluss daran die Darstellung der Auswahlmethoden, die für beide relevant sein können (vgl. 6.3.1.3.).

Kapitel 6.3.1.1, Auswahlmethoden in der quantitativen Sozialforschung: In der quantitativen Forschung handelt es sich in der Regel um Untersuchungen mit einer hohen Personenzahl, da eine Repräsentativität beabsichtigt wird. Ziel ist es nämlich, von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit zu schließen. Die betreffenden Eigenschaften in der Stichprobe sollten G entsprechend verteilt sein, d. h., die Stichprobe sollte G repräsentieren. Ein Rückschluss auf G ist also nur möglich, wenn es sich um Stichproben handelt, die nach dem Zufallsprinzip gezogen wurden. Dabei können verschiedene Auswahlverfahren unterschieden werden.

Kapitel 6.3.1.1.1, Einfache Zufallsauswahl: Die einfache Zufallsauswahl (ZA) bildet die Grundlage für alle komplexen Zufallsauswahlverfahren. Zur einfachen Zufallsauswahl können verschiedene Verfahren gezählt werden, von denen hier nur ein Teil vorgestellt wird. Unter einfacher Zufallsauswahl verstehen Schnell et al. Folgendes:

Wird aus einer Grundgesamtheit mit N Elementen eine Stichprobe mit n Elementen so gezogen, dass jede mögliche Stichprobe mit n Elemente dieselbe Chance zur Realisierung besitzt, dann wird das Auswahlverfahren als ‚einfache Zufallsauswahl und die resultierende Stichprobe als ‚einfache Zufallsstichprobe‘ bezeichnet.

Der Vorteil einfacher ZA ist etwa dadurch gegeben, dass über die Zusammensetzung von G kein Wissen erforderlich ist. Außerdem können die Wahrscheinlichkeiten für Fehler bei der Auswahl durch Schätzungen berechnet werden. Allerdings erweisen sich einfache ZA bei großen Entfernungen innerhalb der Erhebungsgebiete als sehr aufwendig und anstrengend, was mit einem enormen Kosten- und Zeitaufwand einhergeht. Auch wird die Erfassung seltener Personengruppen (Minderheiten, Randgruppen) eher gering ausfallen, weshalb eine separate Auswertung für diese nicht erfolgen kann. Schließlich sollte eine vollständige Liste von G vorhanden sein.

Kartei- oder Listenauswahl: Bei dieser Auswahl werden die Einheiten von G mit Nummern versehen und anschließend zufällig ausgewählt. Auf diese Weise können beispielsweise einfache Zufallsstichproben bei telefonischen Interviews aus Telefonverzeichnissen ausgewählt werden, vorausgesetzt, die Personen sind eingetragen. Die Grundlage für die Auswahl können Telefonbücher oder Telefon-CDs sein. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwendig und führt zu unzureichenden Stichproben, da die Daten (Adressen, Telefonnummern etc.) der Untersuchungssubjekte entweder nicht bereitgestellt werden oder in Registern vorhanden sind. Aus diesem Grund werden für persönliche Befragungen meist die komplexen Zufallsauswahlverfahren eingesetzt.

Die systematische Auswahl: Bei der systematischen ZA erfolgt die Ziehung der ersten Einheit (z.B. aus einer Einwohnerkartei) nach dem Zufallsprinzip und der Rest wird dann systematisch bestimmt. Die systematische Auswahl zählt zu den technischen Varianten der einfachen Zufallsauswahl bzw. ist eine Modifikation derselben. Dazu gehören nach Schnell et al. das Buchstabenverfahren, das Schlussziffernverfahren und das Geburtstagsverfahren. Diesen Verfahren ist gemeinsam, dass sie für eine Zufallsauswahl der Befragungsperson innerhalb eines Haushalts eingesetzt werden. Diese Auswahlmethode ist häufig bei Telefoninterviews anzutreffen, wie im Falle zweier quantitativer empirischer Untersuchungen.

Kapitel c), Die Flächenstichprobe (Gebietsauswahl): Wenn die Erhebungseinheiten nicht durch Listen oder Karteien repräsentiert sind, kann die Auswahl durch die so genannte Flächenstichprobe nach dem Kriterium der Lokalität zufällig erfolgen. Auswahleinheiten sind dann definierte und abgegrenzte Gebiete (Flächen), auf denen Personen oder Haushalte wohnen. Ziel ist die Einteilung eines Gebietes in gleich große Flächen. Die Auswahlgrundlage können Landkarten oder Stadtpläne darstellen. So werden die bei einer Flächenstichprobe gleich eingeteilten Flächenstücke (Gebiete) mit Nummern versehen und nach dem Zufallsprinzip eine Fläche ausgewählt, an dem dann die Erhebung der Untersuchungseinheiten stattfindet. Flächenstichproben werden in der Regel bei mehrstufigen Auswahlverfahren angewendet, wenn keine Listen über die Einheiten von G vorhanden sind. „In diesem Fall werden die räumlichen Einheiten als „Cluster“ von Elementen (Haushalte, Individuen) betrachtet.

Arbeit zitieren:
Güzel, Vesile Juni 2008: Die Einbürgerung türkischer Migrantinnen und Migranten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Migration, Türkei, Einbürgerung, Staatszugehörigkeit, Mehrstaatigkeit

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