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Die Rolle von Fachkräften mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit

Potentiale und Kompetenzen: Grenzen und Chancen von ausländischen Sozialarbeiter/innen in Deutschland dargestellt am Beispiel einer Beratungsstelle in München

Die Rolle von Fachkräften mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Helena Cunha Krönner
  • Abgabedatum: April 2008
  • Umfang: 116 Seiten
  • Dateigröße: 798,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 76
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1799-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Cunha Krönner, Helena April 2008: Die Rolle von Fachkräften mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziale Arbeit, Migrationshintergrund, Sozialarbeiter, Migrant, ausländische Fachkräfte

Diplomarbeit von Helena Cunha Krönner

Einleitung:

Bei der vorliegenden Arbeit geht es um die Auseinandersetzung mit der Rolle, die Fachkräfte mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit spielen. Nach einem Blick auf Definitionen und grundlegende Fragestellungen, beschäftigt sich die Arbeit mit globalen Migrationsbewegungen und ihren Auswirkungen auf die Zuwanderungssituation in Deutschland. Die Lebensbedingungen von Migrant/innen sowie die beruf-lich-gesellschaftliche Integration von Zuwander/innen wird untersucht. Dabei stellen wir fest, dass die Facetten von Migrationshintergründen sehr vielfältig sind und es sehr unterschiedliche Lebensbedingungen gibt. Diese Erkenntnis wird auch anhand einer in die Tiefe gehenden Milieustudie von Sinus-Sociovision erläutert. Die Situation von Migrant/innen an Hochschulen und Fachhochschulen Sozialer Arbeit wird dahingehend betrachtet, welche Schwierigkeiten aber auch welche Chancen sie birgt.

Ausgehend von 5 Hypothesen werden die Erkenntnisse der empirischen Untersuchung, mit Hilfe von Experteninterviews, aufgezeigt und bewertet. Sie zeigen, dass die im Sozialen tätigen Migrant/innen (wie bei IN VIA KOFIZA) über vielseitige Potentiale und Kompetenzen – aber auch über Grenzen verfügen. Dabei wird deutlich, dass sie u. U. anders handeln als ihre deutschen Kolleg/innen, aber auch auf ganz ähnliche Reflexionsformen und Lösungswege zurückgreifen wie diese. In der Zusammenarbeit von deutschen und nicht-deutschen Fachkräften ist eine wachsende Kollegialität festzustellen, nur bei der vollen Teilhabe von Migrant/innen an der Sozialen Arbeit sind noch Entwicklungen nötig.

Die Ergebnisse der Expertenmeinungen werden in Hinblick auf Konzepte, wie Fremdheitskompetenz, interkulturelle Kompetenz und ressourcen-orientierte Sozialer Arbeit untersucht und bewertet. Dabei ist festzustellen, dass Fachkräfte mit Migrationshintergrund über ein großes Potential für die Soziale Arbeit verfügen, enorm wichtige Kompetenzen mitbringen und diese besonders gut entwickeln können, wenn sich Gesellschaft und Träger ihnen gegenüber öffnen. Migrant/innen dienen als »Wegweiser«, sie sind Kulturdolmetscher/innen und haben dabei eine Vorreiter-Rolle – sowohl für ihre Community als auch für die Mehrheitsgesellschaft. Interkulturelle Kompetenz wird in unserer Einwanderungsgesellschaft immer mehr zur sozialen Schlüsselkompetenz. Für die anstehenden Entwicklungen der Sozialen Arbeit in Hinblick auf Themen wie Bildung, Migration, Älterwerden, Partizipation, Integration u. a. müssen die Ressourcen der Migrant/innen vermehrt aktiviert werden. Denn sie sind wichtige Akteure und ihre Rolle als erwiesene Experten für vielfältige Aufgaben in der Sozialen Arbeit sollte ihren angemessenen Platz finden.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 5
1. Die Rolle von Fachkräften mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit 7
2. Begriffsdefinitionen 9
3. Migration im Zeitalter der Globalisierung 13
3.1 Globale Migrationsbewegungen 13
3.1.1 Menschheitsgeschichte ist Wanderungsgeschichte 13
3.1.2 Migrationsverläufe in der Globalisierung 13
3.1.3 Enträumlichung des Sozialen 14
3.1.4 Migrationsleistungen 15
3.2 Migrationsbewegungen von Frauen 16
3.2.1 Ursachen und Formen weiblicher Migration 16
3.2.2 Fluchtmigration 17
3.2.3 Arbeits- und Heiratsmigration 19
3.3 Zuwanderungsbewegungen in der BRD 20
3.3.1 Gastarbeitergeneration bis Greencardregelung 20
3.3.2 Defizitäre Sichtweise von Zuwanderern 20
3.3.3 Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt 20
3.4 Die Bedeutung von Zuwanderung für die Gesellschaft 21
3.4.1 Zuwander/innen als kreative Akteure der Zukunft 21
3.4.2 Versäumnisse der Zuwanderungspolitik 23
3.4.3 Berufliche Chancen für Zuwanderer 23
3.4.4 Die Arbeitssituation von Migrant/innen 23
3.4.5 Gesellschaftliche Veränderungen durch Zuwanderung 24
3.5 Zuwanderungspolitik 25
3.5.1 Einwanderungsland BRD 25
3.5.2 Steuerung von Zuwanderung 26
3.5.3 Erfolgreiche Integrationspolitik - Beispiel Kanada 28
3.5.4 Paradigmenwechsel in der deutschen Zuwanderungspolitik 28
3.5.5 Bestimmung von integrationspolitischen Zielsetzungen 28
4. Migrationshintergrund und Migrant/innen in der BRD 30
4.1 Definition von Migrationshintergrund 30
4.2 Facetten des Migrationshintergrunds 30
4.3 Ergebnisse der Sinus-Studie „Die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland“ 32
4.4 Student/innen mit Migrationshintergrund an deutschen Hochschulen 35
4.5 Situation von Migrant/innen an Fachhochschulen 36
4.6 Situation von Migrant/innen an Fachhochschulen Sozialer Arbeit 36
4.7 Weiterbildungsstudium „Interkulturelle Bildung und Beratung“ 38
5. Soziale Arbeit und Migration 39
5.1 Kompetenzen im Umgang mit dem/n Fremden in der Sozialen Arbeit 39
5.2 Fremdheitskompetenz 42
5.3 Interkulturelle Kompetenz 44
5.4 Ethnospezifische Kompetenz 47
5.5 Transkulturelle Kompetenz 48
5.6 Ressourcenorientierte Soziale Arbeit 49
6. Interkulturelle Ausrichtung von Institutionen 51
6.1 Grundlagen der interkulturellen Ausrichtung von Institutionen 51
6.2 Die Bedeutung interkultureller Beratung für die Integration 52
7. IN VIA KOFIZA - Kontakt-, Förderungs- und Integrationszentrum für außereuropäische Frauen und deren Familien 54
7.1 Darstellung der Einrichtung IN VIA KOFIZA 54
7.2 Selbstverständnis der Einrichtung 55
7.3 Kompetenzen von Mitarbeiterinnen der Einrichtung 55
8 Methode der empirischen Arbeit: Experteninterviews 57
8.1 Begriff des Experteninterviews 57
8.2 Erhebungsverfahren der Daten 57
8.3 Hypothesen zur Rolle von Migrant/innen als Fachkräfte in der Sozialen Arbeit 58
8.4 Erstellung des Interview-Leitfadens 59
8.5 Vorstellung des Interview-Leitfadens 59
8.6 Auswahlverfahren der sechs Experten 60
8.7 Vorstellung der Experten 61
8.8 Durchführung der Experteninterviews 62
9 Zusammenfassung der Ergebnisse - Experteninterviews 63
9.1 Besondere Potentiale von Fachkräften mit Migrationhintergrund 63
9.2 Spezifische Kompetenzen von Fachkräften mit Migrationhintergrund 66
9.3 Mögliche Schwierigkeiten oder Problematiken 68
9.4 Diskussion der empirischen Ergebnisse in Hinblick auf methodische Ansätze und Konzepte in der Sozialen Arbeit 69
9.4.1 Die Potentiale und Kompetenzen von Fachkräften mit Migrationshintergrund 69
9.4.2 Interkulturelle Kompetenzen von Fachkräften mit Migrationshintergrund 71
9.4.3 Mögliche Problematiken von Fachkräften mit Migrationshintergrund 73
9.4.4 Berufliche Chancen von Fachkräften mit Migrationshintergrund 76
10 Fazit 77
Literaturverzeichnis 86
Anhang 93

Textprobe:

Kapitel 3.2.3, Arbeits- und Heiratsmigration: Frauen sind an der globalen Arbeitsmigration etwas geringer beteiligt als Männer. Heutzutage wandern sie wesentlich häufiger als früher allein, ohne die Begleitung ihrer Familien, in Länder die eine chancenreichere wirtschaftliche Zukunft für sie bieten. Obwohl Frauen inzwischen fast 50 % der Arbeitsmigrant/innen weltweit stellen, mit steigender Tendenz, wurde diese Tatsache in der BRD weitgehend ignoriert. Die Bildung des Begriffs Feminisierung der Migration weist aber darauf hin, dass sie von großer Bedeutung ist. Doch die Suche nach Arbeit stellt oft nur eines von mehreren Migrationsmotiven für Frauen dar.

Neben der Hoffnung nach einer Arbeit, geht es auch um Möglichkeiten von wirtschaftlicher Unabhängigkeit, Aufwertung ihres Familienstatus, größerer persönlicher Freiheit und individueller Selbstverwirklichung. Die Arbeitssituation von Migrantinnen werde ich noch genauer in Kapitel 3.4.4 untersuchen.

Eine weitere wichtige Form der Zuwanderung von Frauen ist die Heiratsmigration, die nicht unter Arbeitsmigration im eigentlichen Sinn fällt. Für die anwachsende Zahl von Migrantinnen, die in der BRD heiraten wollen, sind folgende Faktoren maßgeblich: Armut und das Fehlen einer zukunftsfähigen Perspektive im Herkunftsland, schlecht bezahlte Arbeitsangebote, Eheschließungen zwischen Zuwanderern mit sicherem Aufenthaltsstatus und Frauen aus ihren Herkunftsländern (z. B. zwischen Deutschtürken und Türkinnen), Globalisierung und internationaler Tourismus, Internet-Heiratsagenturen, zunehmende Bereitschaft für bikulturelle Partnerschaften, Au-Pair-Aufenthalte etc. Oft entscheiden Heirat bzw. Scheidung auch über den Aufenthaltsstatus von Migrantinnen, denn das Ausländergesetz verfügt nicht grundsätzlich ein eigenständiges Aufenthaltsrecht für Ehepartner. Für viele Frauen bietet die Ehe mit einem Deutschen die Möglichkeit, sich und u. U. der Herkunftsfamilie eine neue wirtschaftliche Perspektive zu verschaffen, auch wenn dies nicht unbedingt im Vordergrund der Motivationen für eine Heirat stehen muss. Daneben hat Heiratsmigration auch damit zu tun, dass es immer schwieriger wird (seit den Anwerbestopps in den 70ern), nach Europa auf legalem Weg als normale Arbeitsmigrantin zu gelangen.

Kapitel 3.3, Zuwanderungsbewegungen in der BRD: Da dieses Thema in der Literatur sehr umfangreich behandelt wird, erlaube ich mir, in diesem Kapitel nur einen kurz gefassten Überblick über die Zuwanderungsbewegungen in Deutschland zu geben.

Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von anderen Kulturkreisen hierher gekommen sind, bilden schon seit längerer Zeit einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Die BRD ist seit gut fünf Jahrzehnten ein Zuwanderungsland – daneben aber auch ein Aus- und Durchwanderungsland. Aber schon zu Ende des 2. Weltkrieges erfolgten Zuwanderungen, denn es strömten Millionen von sog. Vertriebenen - deutschstämmigen Bürgern aus dem Osten Europas - nach West-deutschland. Seit 1951 haben hauptsächlich drei große Zuwanderungsgruppen die sich verändernde deutsche Gesellschaft geprägt: Gastarbeiter, Aussiedler/innen, humanitäre Flüchtlinge und all deren Familien.

Kapitel 3.3.1, Gastarbeitergeneration bis Greencardregelung: Anfang der 50er Jahre begannen mit den überwiegend in Südeuropa und der Türkei angeworbenen Arbeitskräften - den sog. Gastarbeitern - größere Zuwanderungsbewegungen in die BRD zu fließen, die ca. 1965 die erste Million überschritten. Heute leben die Nachkommen dieser Gastarbeiter/innen bereits in der zweiten bzw. dritten Generation hier. In den darauf folgenden Jahren kamen Spätaussiedler, Bürger mit deutscher Volkszugehörigkeit aus osteuropäischen Staaten, jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen UdSSR, sog. Kontingentflüchtlinge, EU-Binnenmigrant/innen, Bürgerkriegsflüchtlinge aus Konfliktregionen, Asylbewerber/innen, Familiennachzügler aus Drittstaaten, Studierende, Saisonarbeitnehmer/innen u. a. hierher.

In jüngster Vergangenheit wurden - unter dem Stichwort Greencard - IT-Spezia-listen ins Land geholt, die ihre befristete Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung erhielten. Je nach individuellen Migrationserfahrungen und aufenthaltsrechtlichem Status der Zuwanderer ergeben sich sehr divergierende Lebenswelten und Perspektiven für diese so unterschiedlichen Menschen, die jahrzehntelang vereinfachend als die Ausländer von der deutschen Mehrheitsbevölkerung bezeichnet wurden.

Kapitel 3.3.2, Defizitäre Sichtweise von Zuwanderern: Beim Thema Migration gehen noch immer viele Experten (auch der Sozialen Arbeit) in der BRD von einem defizitär geprägten Ansatz aus. Migrant/innen werden in der Öffentlichkeit und in der Literatur sowohl von Befürwortern als auch Skeptikern der Migration tendenziell als bedürftige, fremde und hilflose Wesen beschrieben, die es zu»integrieren und zu kulturalisieren gilt, denn Differenzen und Heterogenitäten werden nicht toleriert. Mit Migration wird vor allem eine Krisensituation assoziiert und sie ist oft mit beängstigend konstruierten Bildern verbunden, die eine Überflutung der BRD oder das Boot (BRD) ist voll suggerieren sollen. Auf der anderen Seite werden die Herkunftsländer der Migrant/innen (Entwicklungs- oder Schwellenländer) in ähnlicher Weise als defizitär eingeschätzt. Sie sollen mit Hilfe der Europäer oder Amerikaner befähigt werden, ihre Unterentwicklung zu kompensieren und endlich ,international gesehen, wettbewerbsfähig zu werden. Diese beiden Bereiche sind lange mit einer dritten Defizit-Idee verknüpft worden, der des brain-drain, dem Abwandern der Gebildeten aus dem Süden in den Norden oder ihres Verbleibens nach dem Studium in Europa bzw. Amerika. Die deutsche Entwicklungspolitik ist geprägt von der festen Überzeugung, dass die hier ausgebildeten Fachkräfte konsequent in ihre Heimatländer zurückgeführt werden müssten, sobald sie ihre Ausbildung vollendet hätten, sofern diese Rückkehr nicht durch eine Eheschließung abgewendet werden konnte.

Kapitel 3.3.3, Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt: Butterwegge stellt beim Thema Migration fest, dass Globalisierung und Zuwanderung kein harmonisches Wechselverhältnis bedeuten, sondern eher ein widersprüchliches und konfliktreiches Spannungsfeld sind, das sich in Fragen von Arbeitsmarktintegration und gesellschaftlicher Teilhabe teilweise massiv widerspricht. Gleichzeitig ist Migration nach Deutschland in den 90er Jahren weitgehend regional auf Europäer und zeitlich auf IT-Experten aus dem öst-lichen Raum beschränkt worden. Dieses Vorgehen erscheint jedoch in Hinblick auf eine erfolgreiche Migrationspolitik und einen nachhaltigen Nutzen für den nationalen Arbeitsmarkt äußerst fraglich. Denn welche hoch qualifizierten Expert/innen werden sich schon auf eine international gesehen geschichtlich eher belastete Gesellschaft (die u. a. auch ganz aktuelle ausländerfeindliche Tendenzen erkennen lässt), eine lokal begrenzt einsetzbare Sprache und eine fremde Kultur einlassen wollen, wenn sie diese, gerade wenn die Bewältigung einer langwierigen Eingewöhnungszeit vollzogen ist, postwendend wieder verlassen müssen? Ohne die Garantie einer klaren, zukunftsfähigen Perspektive und eines verbindlich geregelten Bleiberechts werden diese Spezialisten es wahrscheinlich vorziehen, in die USA, nach Kanada oder andere, wesentlich aufnahmefreundlichere Länder als Deutschland zu gehen und sich dort auf Dauer niederlassen.

Arbeit zitieren:
Cunha Krönner, Helena April 2008: Die Rolle von Fachkräften mit Migrationshintergrund in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soziale Arbeit, Migrationshintergrund, Sozialarbeiter, Migrant, ausländische Fachkräfte

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