Das Web 2.0 unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Kristin Göbel
- Abgabedatum: Februar 2008
- Umfang: 223 Seiten
- Dateigröße: 6,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Hannover Deutschland
- Bibliografie: ca. 106
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1728-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Göbel, Kristin Februar 2008: Das Web 2.0 unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Web 2.0, Barrierefreiheit, Usability, Accessibility, Standardkonformität
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Diplomarbeit von Kristin Göbel
Einleitung:
Die Informationsgesellschaft hat sich in den letzten Jahren weltweit kontinuierlich in zunehmendem Maße etabliert.E-Mail und Internet sind aus der Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken und der Breitbandzugang steigt täglich. Dabei spielt Barrierefreiheit im Internet eine immer wichtiger werdende Rolle. Einerseits möchten sich Unternehmen von Konkurrenten durch bessere Benutzbarkeit unterscheiden, andererseits ist es für einen Webauftritt des eGovernment der öffentlichen Hand sogar gesetzlich vorgeschrieben, Barriere-freiheit nach bestehenden Standards zu erfüllen. Auch die Privatwirtschaft kann in diesem Bereich soziale Kompetenz und Verantwortung zeigen. Schließlich ist eine Website, die barrierefrei zugänglich ist, für jeden Nutzer einfacher zu bedienen und bedeutet demzufolge eine Zielgruppenmaximierung. Assistive Technologien helfen dabei, das Web für Menschen mit Behinderungen zu erschließen. Die technischen Vorteile, wie bessere Indizierbarkeit durch Suchmaschinen und Geräteunabhängigkeit im Zeitalter des mobilen Internets dürfen ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden.
Das Web 2.0, also die Betrachtung des Untersuchungsgegenstands und seiner Nutzer, ist zweifelsohne zum polarisierenden Modewort geworden. Während die Menschen immer mehr vom Web erwarten – mehr Information, mehr interaktive Applikationen und ansprechendere Gestaltung – wächst parallel dazu die Flut von Technologien, die viele Menschen vom Zugang ausschließen. Wesentlich ist bei dem Konzept des Web 2.0 aber, dass der Mehrwert durch die Partizipation der Nutzer entsteht. Wie aber können alle Nutzer an diesen neuen technologischen und auch gesellschaftlichen Entwicklungen partizipieren, ohne dass gleichzeitig bestimmte Gruppen ausgeschlossen werden? Die Interaktionsmöglichkeiten der Web 2.0-Angebote lassen individuelle Interessen im Mittelpunkt stehen. Das Web 2.0 wird auch das soziale Web genannt, da es für Menschen mit Behinderungen soziale Barrieren abbaut. Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit liegt auf dem technischen Aspekt des Web 2.0 unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit.
Ein Ziel der Arbeit ist es, den Leser für das Thema der Barrierefreiheit zu sensibilisieren und Möglichkeiten zur Umsetzung eines barrierefreien und benutzerfreundlichen Webauftrittes aufzuzeigen. Dank spezieller Hard- und Softwareentwicklungen können auch Menschen mit Behinderung an dieser gesellschaftsumwälzenden Entwicklung teilhaben. Das gilt in ganz besonderem Maße für blinde und sehbehinderte Menschen, die Dank Bildschirmlese- und Bildschirmvergrößerungsprogrammen von diesem neuen immensen Informationspotential weitgehend profitieren können. Zumal die Auswirkungen des Web 2.0 auf die barrierefreie Nutzung durch Menschen mit Behinderungen weitestgehend ein unerforschtes Neuland ist.
Was bedeuten die neuen Funktionalitäten wie Ajax für den Benutzer und was für die assistiven Technologien, welche Menschen mit Behinderungen einsetzen?
Mit der Entwicklung im Web gehen auch neue Regeln für die Barrierefreiheit einher. Diese gilt es zu ermitteln, daraus Richtlinien zu formulieren und zu realisieren.
Die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Webpräsenz Zugänglichkeit erreicht, sowie die Maßnahmen, die getroffen werden können, um ein Web 2.0- Angebot auf das Qualitätsmerkmal Accessibility hin zu überprüfen und zu optimieren, sollen im Rahmen dieser Arbeit dargestellt werden.
In diesem Kontext soll ein Ansatz versucht werden, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden. Demnach soll mit dieser Arbeit ein Beitrag zum Verständnis der besonderen Kommunikationssituation im Web 2.0 und ihrer Auswirkung auf die Zugänglichkeit spezifischer Benutzergruppen geleistet werden. Die Gestaltung einer Website darf in diesem Zusammenhang nicht mehr nur als visueller Faktor einer medialen Produktion verstanden werden, sondern muss als funktionaler Bestandteil des gesamten Projektmanagements betrachtet werden. Gemäß dem Grundsatz „form follows function“ muss deshalb das Design eines Angebots – gerade bei einem so stark technisch determinierten Medium – als Bestandteil und Voraussetzung seiner Funktionalität betrachtet werden. Die Form, die Gestaltung von Websites resp. Webanwendungen soll sich dabei aus ihrer Funktion, ihrem Nutzungszweck ableiten.
Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, Kriterien der Barrierefreiheit zu ermitteln, die bei der Webseitengestaltung von Bedeutung sind. Dabei wird speziell auf das Web 2.0 Bezug genommen, da die neuen Entwicklungen eine entscheidende Rolle bei der Barrierefreiheit spielen. Basierend auf den gewonnenen theoretischen Kenntnissen, soll anschließend ein bestehender Webauftritt hinsichtlich der Barrierefreiheit-Anforderungen analysiert werden, mit der Intention, etwaige Barrierefreiheit-Schwierigkeiten aufzudecken und Handlungsempfehlungen zu erteilen. Anhand praktischer Beispiele sollen Evaluationswerkzeuge vorgestellt und die Funktionsweisen aufgezeigt werden. Anschließend wird ein praktischer Prüfprozess anhand einer bestehenden Web 2.0 - Anwendung durchgeführt. Eine Überprüfung des Webangebotes findet nach den BITV-Richtlinien, die sich an die internationalen Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 1.0) anlehnen, statt.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil der Arbeit wird in Kapitel 2 das Thema Web 2.0 eingeleitet, definiert und charakterisiert, um dem Begriff Kontur zu verleihen. Die Bedeutung weiterer Begriffe, wie Social Bookmarking, Trackbacks und Mashups werden ebenfalls geklärt. Dabei wird insbesondere auf die Veränderungen eingegangen, die eine neue Versionsnummer (von 1.0 zu 2.0) rechtfertigen. Die Charakteristika bilden eine wichtige Grundlage, um definieren zu können, welches Webangebot überhaupt zu einem typischen Web 2.0-Unternehmen zählt. Eine wesentliche Aufgabe dieser Arbeit besteht darin, einen detaillierten Einblick in die grundliegenden Eigenschaften des Web 2.0 zu verschaffen. Zu diesem Zweck werden Konzepte und Ideen hinter Web 2.0 vorgestellt.
Unmittelbar nach dem Exkurs in Sachen Web 2.0-Terminologie wird in Kapitel 3 – dem Titel entsprechend – auf den Aspekt der Barrierefreiheit eingegangen. Neben einer ausführlichen Einleitung und Definition dessen, sowie der dazu gehörigen Usability, wird ausschnittsweise die Synergie der Barrierefreiheit und der Usability aufgezeigt, um die Abgrenzung zu verdeutlichen. Außerdem werden die Benutzergruppen und deren Hilfsmittel vorgestellt, um einen Einblick in die Problematik zu gewährleisten. Darüber hinaus werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Barrierefreiheit dargelegt. Dieses Kapitel widmet sich außerdem der praktischen Umsetzung anhand angetroffener guter Beispiele in Form von gemeinnützigen und unternehmerischen Initiativen.
Kapitel 4 zeigt die Technologien und Entwicklungskonzepte auf, die Bedeutung für beide Themen einschließen. In diesem Zusammenhang wird auf die Relevanz von Webstandards eingegangen, denn gerade bei den neuen Webanwendungen wird dieser Aspekt häufig ignoriert. Die Technologien Cascading Stylesheets, (X)HTML, JavaScript und Ajax spielen sowohl in der Entwicklung des Web 2.0, als auch in der Barrierefreiheit eine große Rolle. Im Anschluss eines jeden Unterkapitels werden Lösungsansätze in Bezug auf die Barrierefreiheit gegeben. In diesem Kapitel werden beide Themen – das Web 2.0 und die Barrierefreiheit – miteinander konfrontiert. Einerseits hilft Technologie Barrieren abzubauen, andererseits schafft Technologie neue Barrieren. Es gilt einen professionellen Einsatz aufzuzeigen.
In Kapitel 5 werden anhand eines Praxisbeispiels der Webpräsenz der XING AG, mittels Evaluationswerkzeugen Problemstellungen herausgearbeitet, die sich bei der Web (2.0)- Seitengestaltung in Bezug auf die Barrierefreiheit ergeben. Vorangestellt wird ein automatischer Test, um eine erste Einschätzung eventuell auftretender technische Probleme der Barrierefreiheit zu ermöglichen.
Die Herangehensweise der ausführlichen Evaluierung, zur Ermittlung konkreter Mängel, erfolgt mittels der Richtlinien der „Barrierefreie Informationstechnik Verordnung“ (BITV) und im Zuge dessen der Web Accessibility Guidelines 1.0, an welche sich die BITV anlehnt. Die Prüfschritte werden ausführlich beschrieben und die Ergebnisse dokumentiert. Im Anschluss an jeden nicht erfüllten Prüfschritt werden (soweit wie möglich) Handlungsempfehlungen zur Behebung der identifizierten Barrierefreiheit– Mängel gegeben. Diese sind nicht als primäres Ziel der Analyse zu sehen, sondern stellen eine Anregung zur Verbesserung der Zugänglichkeit des Webauftrittes dar. Abschließend erfolgt die Auswertung dieses Tests, wodurch der Grad der Barrierefreiheit des Webauftrittes ermittelt wird.
Im letzten Teil, Kapitel 6 werden schließlich die Erkenntnisse der Arbeit zusammengeführt und kritisch betrachtet. Dabei spielen vornehmlich die Entwicklungen der Interim-Lösungen von Dynamik und Barrierefreiheit eine Rolle. Darüber hinaus soll ein Ausblick in das Web 3.0 – das Semantische Web - und in die kommenden WCAG 2.0 und vermutlich damit einhergehende neue BITV gezeigt werden. Wie sich die Barrierefreiheit dahingehend entwickelt, bleibt ungewiss.
Der Umfang dieser Arbeit liegt sicher etwas über dem durchschnittlichen Umfang einer Diplomarbeit im Studiengang Informationsmanagement. Dies resultiert aus dem Versuch, ein facettenreiches Phänomen in seinem theoretischen und praktischen Gesamtzusammenhang zu untersuchen und darzustellen. Überdies ist anzumerken, dass in der vorliegenden Arbeit zwei große Themen zunächst getrennt voneinander vorgestellt und im Anschluss gegenübergestellt behandelt werden müssen. Durch eine ausgewogene Mischung aus Abbildungen, Code-Beispielen und erklärenden Texten werden beide Themen – das Web 2.0 und die Barrierefreiheit – sowie anschließend der Zusammenhang beider Themen anschaulich vermittelt. Die Informationen werden aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit in thematisch zusammenhängenden Kapiteln präsentiert, um einen allzu langen, ungegliederten und unübersichtlichen Fließtext zu vermeiden.
Zentrale Begriffe sollen als Highlights hervorgehoben werden, um auch beim Überfliegen des Textes eine Orientierung zu ermöglichen. Quelltextcode wird in der dafür vorgesehen Schriftart präsentiert, um sich vom allgemeinen Text abzuheben. Es wird möglichst häufig mit grafischen Darstellungen und Listen gearbeitet, um Informationen kompakt, kurz und übersichtlich präsentieren zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSÜBERSICHT | I | |
| ABSTRACT | II | |
| INHALTSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | VII | |
| LISTINGVERZEICHNIS | IX | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | X | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | AUSGANGSSITUATION UND ZIELSETZUNG | 1 |
| 1.2 | AUFBAU DER ARBEIT | 4 |
| 1.3 | UMFANG UND GESTALTUNG DER ARBEIT | 5 |
| 1.4 | BEGRIFFSVERWENDUNG | 6 |
| 2. | DAS WEB 2.0 | 7 |
| 2.1 | DAS OREGON EXPERIMENT | 7 |
| 2.2 | DEFINITION | 9 |
| 2.2.1 | Die Hauptmerkmale des Web 2.0: | 11 |
| 2.3 | TYPISCHE WEB 2.0-ANGEBOTE UND WERKZEUGE | 12 |
| 2.3.1 | Weblogs | 12 |
| 2.3.2 | Podcasts | 13 |
| 2.3.3 | Social-Bookmarking | 14 |
| 2.3.4 | News Community | 14 |
| 2.3.5 | Social Software | 15 |
| 2.3.6 | Mashups | 15 |
| 2.4 | CHARAKTERISTIKA | 17 |
| 2.4.1 | Das Web als Plattform | 17 |
| 2.4.2 | Die Nutzung kollektiver Intelligenz | 17 |
| 2.4.3 | Daten als Kernkompetenz | 18 |
| 2.4.4 | Software als Service im ewigen Betastadium | 18 |
| 2.4.5 | Wenig komplexe Programmiermodelle | 18 |
| 2.4.6 | Software für mehr Gerätetypen als den Computer | 19 |
| 2.4.7 | Rich User Experiences | 19 |
| 3. | BARRIEREFREIHEIT | 20 |
| 3.1 | DEFINITION | 20 |
| 3.1.1 | Usability | 23 |
| 3.1.2 | Synergie zwischen Usability und Accessibility | 25 |
| 3.2 | BENUTZERGRUPPEN UND DEREN HILFSMITTEL | 25 |
| 3.2.1 | Visuell Behinderte | 25 |
| 3.2.2 | Auditiv Behinderte | 29 |
| 3.2.3 | Motorisch Behinderte | 29 |
| 3.2.4 | Kognitiv Behinderte | 30 |
| 3.2.5 | Nicht behinderte | 31 |
| 3.3 | GESETZE, RICHTLINIEN UND INITIATIVEN | 31 |
| 3.3.1 | Bundesgleichstellungsgesetz (BGG) | 31 |
| 3.3.2 | Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) | 33 |
| 3.3.3 | Landesspezifische Gesetze | 36 |
| 3.3.4 | Stiftungen und Initiativen | 38 |
| 3.3.4.1 | Gemeinnützige Stiftungen und Initiativen | 38 |
| 3.3.4.2 | Unternehmensinitiativen | 42 |
| 4. | TECHNOLOGIEN UND ENTWICKLUNGSKONZEPTE | 45 |
| 4.1 | BEDEUTUNG VON WEBSTANDARDS | 45 |
| 4.1.1 | Browserkompatibilität | 49 |
| 4.2 | CSS | 49 |
| 4.2.1 | Einbindung von CSS | 51 |
| 4.2.2 | Accessible CSS | 53 |
| 4.3 | (X)HTML | 54 |
| 4.3.1 | Accessible (X)HTML | 56 |
| 4.4 | JAVASCRIPT | 57 |
| 4.4.1 | Accessible JavaScript | 60 |
| 4.5 | AJAX | 60 |
| 4.5.1 | Die Ajax-Architektur | 62 |
| 4.5.2 | Vergleich des klassischen Modells und des Ajax-Modells | 64 |
| 4.5.3 | Typische Merkmale von Ajax-Applikationen | 68 |
| 4.5.4 | Accessible Ajax | 70 |
| 4.5.4.1 | WAI-ARIA | 71 |
| 5. | ANALYSE DER WEBSITE UND WEBANWENDUNG DER XING AG | 74 |
| 5.1 | VORSTELLUNG DER ZU UNTERSUCHENDEN WEBPRÄSENZ | 75 |
| 5.2 | VORUNTERSUCHUNG ANHAND DES W3C- VALIDATOR | 76 |
| 5.3 | BITV-TEST | 79 |
| 5.3.1 | Testumgebung | 79 |
| 5.3.1.1 | Betriebssystem | 79 |
| 5.3.1.2 | Browser | 80 |
| 5.3.1.3 | Weitere Hilfsmittel | 81 |
| 5.3.2 | Bewertung | 82 |
| 5.3.3 | Dokumentation der Prüfung | 83 |
| 5.3.3.1 | Anforderung 1: Bereitstellung äquivalenter Alternativen für Audio- und visuelle Inhalte | 83 |
| 5.3.3.2 | Anforderung 2: Verständlichkeit ohne Farbe | 92 |
| 5.3.3.3 | Anforderung 3: Korrekte Verwendung der Markup-Sprachen | 97 |
| 5.3.3.4 | Anforderung 4: Kenntlichmachung sprachlicher Besonderheiten | 109 |
| 5.3.3.5 | Anforderung 5: Nutzung und Beschreibung von Tabellen | 111 |
| 5.3.3.6 | Anforderung 6: Nutzbarkeit ohne neuere Technologien | 115 |
| 5.3.3.7 | Anforderung 7: Kontrolle zeitgesteuerter Änderungen des Inhalts | 120 |
| 5.3.3.8 | Anforderung 8: Zugänglichkeit von Benutzerschnittstellen | 123 |
| 5.3.3.9 | Anforderung 9: Unabhängigkeit der Funktionen von Ein- und Ausgabegeräten | 124 |
| 5.3.3.10 | Anforderung 10: Verwendbarkeit älterer assistiver Technologien | 130 |
| 5.3.3.11 | Anforderung 11: Öffentlichkeit und Dokumentation verwendeter Techniken | 133 |
| 5.3.3.12 | Anforderung 12: Kontext- und Orientierungsinformationen | 139 |
| 5.3.3.13 | Anforderung 13: Gestaltung von Navigationsmechanismen | 142 |
| 5.3.3.14 | Anforderung 14: Förderung des allgemeinen Verständnisses | 147 |
| 5.3.4 | Auswertung | 148 |
| 6 | SCHLUSSBETRACHTUNG UND ANALYSE DER ERKENNTNISSE | 151 |
| 6.1 | AUSBLICK | 160 |
| 6.1.1 | WCAG 2.0 | 161 |
| 6.1.2 | Die Dimension der Zukunft Web 3.0 | 162 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 164 | |
| GLOSSAR | 180 | |
| ANHANG A | 196 | |
| Anhang A - I. Fragenkatalog und Auswertung des BITV-Tests | 196 | |
| Anhang A - II. Abbildungen der Auswertung des BITV-Tests | 210 | |
| Anhang A - III. Anhang A-III: Usability Index XING | 211 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, CSS:
Neben dem Internet entwickelte Tim Berners-Lee zudem die Sprache Hyper Text Markup Language (im Folgenden HTML), die seinerzeit noch ohne Formatvorlagen ausreichen musste, da HTML nicht für Präsentationszwecke ausgelegt war, sondern um Struktur und Inhalt einer Website zu beschreiben. Damals gelang es einem Webdesigner lediglich durch überladenen Quellcode das Layout einer Seite zu beeinflussen.
Um derartige Überfüllung der Dokumente mit semantisch und strukturell irrelevanten Tags und damit der übermäßigen Menge an Quellcode zu umgehen, lag die Lösung in der Trennung von Information und Darstellung: dem Cascading Stylesheet (im Folgenden CSS).
Die Idee hatte das W3C bereits 1996 zu Zeiten von HTML 3.2 aufgebracht. Doch die Webdesigner strebten sich dagegen auf ihre inzwischen vertrauten Präsentationselemente zu verzichten. Auch die Browserhersteller taten sich schwer mit der Unterstützung von CSS.
Dennoch schien der Zeitpunkt für CSS gerade günstig, da der Präsentationssprache jetzt in Form von HTML 4.0 strict eine reine Struktursprache gegenüber stand (in Kapitel 4.3 (X)HTML 54ff. näher beschrieben).
Die Spezifikation CSS 1.0 wurde daher 1999 in überarbeiteter Version erneut publiziert. Im neuen Web gewinnt CSS besondere Popularität, da sie ein hohes Maß an Flexibilität in Bezug auf die Kreativität und Gestaltung von Webseiten liefern. Die essentielle Aufgabe des CSS liegt in der Entlastung aller Formatierungsbefehle des (X)HTML-Codes einer Website, welche getrennt davon in einem Stylesheet ausgelagert werden. Das W3C veröffentlichte sodann im Dezember 1996 die erste Spezifikation von Cascading Style Sheets (CSS Level 1 Specification), welche noch sehr überschaubar war und lediglich Farben und Text gestaltete. Äußerst problematisch erwiesen sich die Ausrichtung der Elemente sowie die Darstellung der damals benutzten Browser.
Im Mai 1998 verabschiedete das W3C die zweite Version von Stylesheets (CSS Level 2 Specification). Jene ist hierbei enorm angewachsen und beschreibt ihre Erscheinung auch in alternativen Medienformaten wie bspw. dem Screenreader (eine detailierte Erläuterung folgt in Kapitel 4.2.1 Einbindung von CSS Seite 51ff.). Im Gegensatz zur ersten Version, die seither von nahezu allen gängigen Browsern vollständig umgesetzt wurde, hat sich die zweite Spezifikation, zwar verbesserte Version des ursprünglichen Standards, jedoch bisher nicht durchsetzten können. Die aktualisierte Version 2.1 entgegen zählt bereits zu einem unermesslichen Gestaltungsinstrument von (X)HTML-Dokumenten und wird von allen zeitgemäßen Browsern unterstützt.
Die CSS Level 3 Specification befindet sich bereits in Bearbeitung, wobei weitere Verbesserungen bei der Einbindung zusätzlicher Medien und fortgeschrittene Layouttechniken unterstützt werden sollen. Im Unterschied zu CSS1 und CSS2, wird CSS3 kein einziger Block sein, sondern modular aufgebaut sein, also auf separaten Teiltechniken basieren und noch flexibler werden. Ausgabegeräte sind sodann fähig nur diverse Module zu implementieren und können trotzdem dem Standard folgen. Gegenwärtig befindet sich diese Entwicklung im Zustand Working-Draft resp. Candidate Recommendation.
Da lediglich beschreibend festgelegt wird, welche Elemente auf welche Weise dargestellt werden und in welchem Kontext welche der definierten Stil-Anweisungen einzusetzen ist, stellt CSS keine Programmiersprache, sondern eine Präsentationssprache dar.
Einbindung von CSS:
Es existieren vier Möglichkeiten, Darstellungsanweisungen mit HTML-Dateien zu verbinden.
Bei der verlinkten Stylesheet-Methode, wird das ganze CSS in eine externe Datei ausgelagert und mit dem Dokument durch das Element verknüpft. Somit können mehrere HTML-Seiten (beispielsweise alle Seiten einer Website) auf ein einziges CSS zugreifen. Da eine Gegebenheit jetzt für die gesamte Website an nur noch einem einzigen Ort hinterlegt ist, reduzieren sich Komplikationen seitens Design-Änderungen auf das Minimum. Des Weiteren können mehrere Stylesheets mit einzelnen LINK-Befehlen eingebunden werden. Infolgedessen besteht die Möglichkeit, bei einer umfangreichen Seite mit mehreren Abschnitten ein CSS mit Anweisungen zu notieren, die für die gesamte Seite gelten, sowie für die jeweiligen Abschnitte spezifische zusätzliche Stile bereitstellen. Dabei stehen die Inhalte beider Stylesheets in Kombination, wobei das zuletzt eingebundene CSS, im Falle einer unterschiedlichen Definition die Angaben des vorherigen überschreibt.
Ähnlich wie das verlinkte Stylesheet funktioniert auch das importierte Stylesheet. Hierbei sind die Stilanweisungen ebenfalls in einer externen Datei angeordnet, die jedoch nicht in das Dokument verlinkt sondern importiert werden. Das bedeutet, dass die extern liegenden Anweisungen gelesen und so behandelt werden, als stünden sie physisch an Stelle der Importanweisung. Falls mehrere Anweisungen nacheinander stehen, dominiert im Konfliktfall die zuletzt erfolgte. Der Stilcontainer style kann sowohl direkt Stilanweisungen beinhalten als auch eine oder mehrere Importanweisungen. Nur unter der @import –Zeile besteht die Möglichkeit weitere Anweisungen hinzuzufügen, darunter nicht. Zudem ist es möglich ein anderes Stylesheet aufrufen zu lassen, was zu einer verbesserten Ordnung führt sowie zu einigen hilfreichen Tricks, mit denen sich gezielte Stylesheets für bestimmte Browser verwenden lassen.
Zudem ist es möglich, zwischen verschiedenen Ausgabegeräten zu unterscheiden und jedem ein eigenes Stylesheet zuzuweisen. Die Darstellung auf dem Computerbildschirm kann so beliebig von der Anzeige auf einem mobilen Endgerät, Screenreader oder der Ausgabe auf einem Drucker abweichen. Das Medium wird dabei mit Hilfe des media-Attributs definiert. Durch Kommata getrennt, lassen sich auch mehrere Medien in einem Stylesheet zuweisen. Somit sind komfortables Drucken sowie individuelle Ansichten gewährleistet.
Eine weitere Methode ist es, die komplette Stilanweisung direkt im HTML-Dokumentenkopf einzubinden (Dokumentstyle). Der style- Tag benötigt ein type- Attribut für den MIME-Typ der Anweisung, um die Interpretation der Daten durch den Browser zu steuern. In (X)HTML muss der Containerinhalt als CDATA- Bereich definiert werden.
Die einfachste Variante besteht darin, die Stil- Anweisung direkt als Attribut in einen HTML-Tag des zu formatierenden Elements einzubinden, also inline. Dieser sogenannte Inlinestyle ist allgemein umstritten, wenn auch in manchen Fällen durchaus praktisch. Im Einzelfall ist die Methode beispielsweise bei der Formatierung eines einzigen Bereiches einer HTML-Seite sinnvoll. Der Inlinestyle bedeutet die Ranghöchste Anweisung und ist somit für das punktuelle Einsetzen sinnvoll. Folglich ist es einem Webdesigner möglich die Darstellung einzelner Elemente schnell festzulegen, ohne sich Gedanken um gegebenenfalls andere existierende CSS-Anweisungen zu machen. Jedoch sind die externen Einbindungsmethoden zumeist vorteilhafter, da dadurch der Quelltext nicht zunimmt und die Stil-Anweisungen lediglich ein einmaliges Laden erfordert. Des Weiteren, wie schon besprochen, sollten Präsentations-anweisungen extern lagern und nicht im Dokument selbst.
Werden alle vier Methoden gleichzeitig auf ein Dokument angewendet, so wirkt die Summe der CSS-Anweisungen auf das Dokument. Die Reihenfolge der vorangegangen vorgestellten Einbindungs- Methoden beansprucht auch eine Art von Rangordnung. Ist beispielsweise in einem extern verlinkten Stylesheet die Schriftfarbe blau und eine Anweisung für die Schriftfarbe innerhalb des Dokumentstyles für das gleiche Element schwarz hinterlegt, so wird im Endeffekt die Schriftfarbe schwarz angezeigt, da dieser gewichtiger ist. Ebenso unterliegen dem Rang des Dokumentenstyles importierte Anweisungen, welche andererseits höherrangig als extern verlinkte Anweisungen sind. Durch die Nähe zum gestylten Element ist der ranghöchste und damit unanfechtbare Style der Inlinestyle. Jedoch besteht dabei der Nachteil, dass er sich auf gleicher Höhe zum Dokumentinhalt befindet, was eine Vermischung von Präsentation und Struktur zur Folge hat.
Bei der Kaskadierung werden markierte, spezifischere, später definierte oder Benutzeranweisungen höherwertig ausgegeben (Rangfolge). Durch die Zuweisung class=„hinweis“ können Elemente anhaltend entsprechend formatiert werden.
Eine Demonstration für die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch CSS ergeben, bietet ein Projekt des Webdesigners David Shae, der CSS Zen Garden.
Eine vorgegebene und immer gleich bleibende inhaltliche Struktur wird von verschiedenen Designern mittels CSS auf unterschiedlichste Art und Weise gestaltet. Die Ergebnisse und die daraus ersichtlich zahlreichen Gestaltungs-möglichkeiten der gleichen HTML-Struktur demonstrieren eindrucksvoll die erreichbare Flexibilität beim professionellen und konsequenten Einsatz von Cascading Style Sheets.
Accessible CSS:
Durch den Einsatz des CSS ist der Grundstein für eine barrierearme Website bereits gelegt. Die Dokumentenstruktur ist im HTML-Code gegeben, Design- und Layout-Informationen im Stylesheet. Nur mittels dieser Trennung ist es Geräten, die die visuelle Ansicht nicht tangieren möglich, den Inhalt zur Präsentation zu verwenden.
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Göbel, Kristin Februar 2008: Das Web 2.0 unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit, Hamburg: Diplomica Verlag
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