Spezielle Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen
Beschreibung der Hausgemeinschaft des CBT-Wohnhauses St. Michael
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jennifer Zimmermann
- Abgabedatum: Juni 2008
- Umfang: 176 Seiten
- Dateigröße: 3,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 84
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1720-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Zimmermann, Jennifer Juni 2008: Spezielle Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wohnformen, Senioren, Alteneinrichtungen, Demenz, Demenzerkrankung
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Diplomarbeit von Jennifer Zimmermann
Einleitung:
Das Thema Demenz taucht in den Medien immer häufiger auf. Das ist kein Zufall, sondern Abbild einer realen Entwicklung. Denn durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft, wächst auch die Gefahr an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken.
Derzeit leben in Deutschland über eine Millionen Betroffene, und wenn die Wissenschaft zu keinen wesentlichen Therapieerfolgen kommt, wird bis zum Jahr 2050 mit einer Verdoppelung dieser Zahlen gerechnet. Auch in Altenpflegeheimen macht sich der demographische Wandel bemerkbar. Neben dem Durchschnittseinzugsalter steigt auch die Zahl der Bewohner, die an einer demenziellen Erkrankung leiden, kontinuierlich an. Wenn vor einigen Jahren kaum psychisch erkrankte Bewohner in Altenhilfeeinrichtungen zu finden waren, liegt der Wert derzeit bei ungefähr 65 %. Hinsichtlich dieser Zahlen werden Verantwortliche und Träger der Altenhilfeeinrichtungen in naher Zukunft mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Denn die Einrichtungen sind auf psychisch gesunde, ältere Bewohner ausgerichtet, und können die speziellen Bedürfnisse von demenziell erkrankten Menschen nur unzureichend befriedigen. So schrecken auch einige Angehörige Demenzerkrankter vor dem Schritt zurück, ihre Verwandten in einem Altenpflegeheim versorgen zu lassen. Sie erleben dort häufig noch ein Angebot,dass ihren Ansprüchen an eine annehmende, liebevolle und fördernde pflegerische Versorgung nicht genügt.
Die Gesellschaft ist hier zum Handeln aufgerufen, denn eine angemessene Pflege und Betreuung demenziell erkrankter Menschen ist von vielen Faktoren abhängig.Es müssen innovative, spezielle Wohnformen eingreifen, die den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werden können. Auch die Heime sind an einer bedarfsgerechten Versorgung aller Bewohner interessiert. Nur so können sie wettbewerbsfähig bleiben und einen wachsenden Kundenstamm verzeichnen. Eine Auseinandersetzung mit geeigneten Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen ist somit für alle Beteiligte von großer Bedeutung.
Da eine angemessene Versorgung für Betroffene einer Demenzerkrankung von vielen Faktoren abhängt, werden im zweiten Kapitel zunächst wichtige Aspekte der Demenz erläutert. Es ist notwendig hierauf umfassend einzugehen, damit ein Gesamteindruck der Probleme der aktuellen Versorgungssituation entstehen kann. Das dritte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit den Möglichkeiten der Pflege und Betreuung. Hierbei werden in Kapitel 3.1 zunächst die verschiedenen Versorgungs-formen für demenziell erkrankte Menschen näher erläutert. Den Schwerpunkt bilden dabei die speziellen und neueren Wohnformen. Anschließend wird nach einer Vorstellung repräsentativer Studien in Kapitel 3.2 kritisch hinterfragt, ob die Wohnformen eine positive Wirkung auf Betroffene haben, und wo ihre Grenzen liegen. Anhand der gewonnenen Ergebnisse können so in Kapitel 3.3 die Schwierigkeiten zusammengefasst, und Empfehlungen für die Zukunft der Altenhilfeeinrichtungen ausgesprochen werden.
Um die theoretischen Ausführungen mit der Praxis zu verbinden, wird im vierten Kapitel ein anschauliches Bild einer Hausgemeinschaft für demenziell erkrankte Menschen vorgestellt. Im Weiteren wird in Kapitel 5 ein Fazit der aktuellen Versorgungssituation gezogen sowie die Relevanz für die sozialpädagogische Arbeit dargestellt.
Damit der Text flüssig lesbar ist, findet der maskuline Sprachstil Anwendung. Der feminine Sprachstil ist hier mit einbezogen.
Durch meine Berufstätigkeit in der Altenhilfe werden zum Teil theoretische Ausführungen durch Praxisbeispiele ergänzt. Während des Anfertigens dieses Textes musste ich jedoch feststellen, dass der Bereich der speziellen Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen noch wenig erforscht ist. Daher entsteht ein scheinbares Ungleichgewicht dieser Arbeit. Doch gerade weil es hier Lücken gibt und die Entwicklung am Anfang steht ist es notwendig sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Denn die speziellen Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen werden in naher Zukunft nicht nur einen hohen Stellenwert in der Altenhilfe, sondern in der gesamten Gesellschaft einnehmen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Überblick | 2 |
| 2. | Die demenzielle Erkrankung | 3 |
| 2.1 | Definitionen | 3 |
| 2.2 | Historische Entwicklung | 5 |
| 2.3 | Demenzformen | 11 |
| 2.3.1 | Die Alzheimer-Krankheit | 12 |
| 2.3.2 | Die vaskuläre Demenz | 14 |
| 2.3.3 | Die frontotemporale Demenz | 15 |
| 2.3.4 | Die Lewy-Körperchen-Demenz | 15 |
| 2.4 | Epidemiologie | 17 |
| 2.4.1 | Bevölkerungsentwicklung in Deutschland | 17 |
| 2.4.2 | Prävalenz der Demenz | 20 |
| 2.4.3 | Inzidenz der Demenz | 22 |
| 2.4.4 | Aussichten | 23 |
| 2.5 | Das Erleben bei einer demenziellen Erkrankung | 24 |
| 2.5.1 | Das Erleben der Betroffenen | 24 |
| 2.5.2 | Das Erleben der Angehörigen | 30 |
| 2.5.3 | Das Erleben des Pflegepersonals | 31 |
| 2.5.4 | Schlussfolgerung | 32 |
| 2.6 | Symptome und Verlauf von Demenzerkrankungen | 34 |
| 2.6.1 | Kognitive Symptome | 34 |
| 2.6.2 | Psychische Störungen und Verhaltensänderungen | 35 |
| 2.6.3 | Körperliche Symptome | 38 |
| 2.6.4 | Verlauf der Alzheimer-Krankheit | 39 |
| 2.7 | Diagnostik | 42 |
| 2.7.1 | Abgrenzung einer demenziellen Erkrankung | 42 |
| 2.7.2 | Frühdiagnose | 44 |
| 2.7.3 | Diagnostische Verfahren | 44 |
| 2.7.4 | Kritische Betrachtung | 45 |
| 2.8 | Hilfen zur Lebensbewältigung | 47 |
| 2.8.1 | Hilfen für pflegende Angehörige | 50 |
| 2.8.2 | Ökologische und Soziale Hilfen | 52 |
| 2.8.2.1 | Milieutherapie | 53 |
| 2.8.3 | Medizinische Hilfen | 55 |
| 2.8.4 | Körperliche Hilfen | 57 |
| 2.8.5 | Psychologische Hilfen | 58 |
| 2.8.5.1 | Einzelne Methoden | 58 |
| 2.8.5.2 | Selbst-Erhaltungs-Therapie | 60 |
| 2.8.5.3 | Realitätsorientierungstraining | 61 |
| 2.8.5.4 | Biographiearbeit | 62 |
| 2.8.5.5 | Validation / Integrative Validation | 64 |
| 2.8.5.6 | Basale Stimulation | 67 |
| 2.8.5.7 | Drei-Welten-Konzept | 69 |
| 2.8.5.8 | Personenzentrierter Ansatz | 70 |
| 2.8.6 | Rechtliche Hilfen | 73 |
| 2.8.7 | Finanzielle Hilfen | 75 |
| 2.8.8 | Resümee | 79 |
| 3. | Möglichkeiten der Pflege und Betreuung | 81 |
| 3.1 | Versorgungsformen für demenziell erkrankte Menschen | 81 |
| 3.1.1 | Ambulante Pflege und Betreuung | 81 |
| 3.1.2 | Teilintegrative Pflege und Betreuung | 83 |
| 3.1.3 | Integrative Wohnformen | 86 |
| 3.1.4 | Teilsegregative Wohnformen | 92 |
| 3.1.5 | Segregative Wohnformen | 93 |
| 3.1.5.1 | Wohngemeinschaften | 95 |
| 3.1.5.2 | Hausgemeinschaften | 106 |
| 3.1.5.3 | Spezielle Pflegebereiche | 112 |
| 3.1.5.4 | Internationale Wohnformen | 116 |
| 3.2 | Chancen und Grenzen der Wohnformen | 118 |
| 3.2.1 | Studie zur Dementenbetreuung in Hamburg | 118 |
| 3.2.1.1 | Domusprinzip - Integrationsprinzip | 119 |
| 3.2.1.2 | Dementenbetreuung - traditionelle Versorgung | 120 |
| 3.2.1.3 | Arbeitssituation des Pflegepersonals | 122 |
| 3.2.1.4 | Situation der Angehörigen | 123 |
| 3.2.1.5 | Vergleichsmöglichkeiten | 124 |
| 3.2.2 | Studien zu Wohngruppen für Demente | 127 |
| 3.2.3 | Studie zur Lebensqualität bei Dementen | 129 |
| 3.2.4 | Resümee | 131 |
| 3.3 | Ausblick | 132 |
| 4. | Die Hausgemeinschaft des CBT-Wohnhauses St. Michael | 135 |
| 4.1 | Vorstellung der Einrichtung | 135 |
| 4.2 | Entstehung der Hausgemeinschaft | 137 |
| 4.3 | Umsetzung der Hausgemeinschaft | 140 |
| 4.3.1 | Begleitungskonzept mit Hausgemeinschaftskonzept | 140 |
| 4.3.2 | Bewohner der Hausgemeinschaft | 141 |
| 4.3.3 | Mitarbeiter der Hausgemeinschaft | 143 |
| 4.3.4 | Hilfen zur Lebensbewältigung | 143 |
| 4.3.5 | Probleme bei der Umsetzung | 144 |
| 4.4 | Schlussfolgerungen | 145 |
| 5. | Fazit | 148 |
| Abkürzungsverzeichnis | 152 | |
| Abbildungsverzeichni | 153 | |
| Tabellenverzeichnis | 155 | |
| Literaturverzeichnis | 156 | |
| Quellenverzeichnis | 165 | |
| Anhang/Anlagen | 167 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Versorgungsformen für demenziell erkrankte Menschen:
Auf Grund des demographischen Wandels der Gesellschaft (siehe Kapitel 2.4.2) gewinnen die Versorgungsformen für demenziell erkrankte Menschen zunehmend an Bedeutung. In diesem Kapitel werden zunächst die verschiedenen Möglichkeiten und Entwicklungen der Pflege und Betreuung aufgezeigt. Anschließend wird in Kapitel 3.2 anhand verschiedener Studien festgestellt, welche Wohnformen die Bedürfnisse von Betroffenen (siehe Kapitel 2.8, e. T.) befriedigen können, und somit besonders geeignet sind.
Ambulante Pflege und Betreuung:
Derzeit werden ungefähr 60 % der Betroffenen im häuslichen Rahmen gepflegt und betreut. Dies geschieht meist durch Angehörige. Doch auch hier macht sich ein Wandel bemerkbar, denn der Anteil, der ausschließlich auf familiären Hilfen basiert, geht spürbar zurück. Die Gründe liegen häufig in zeitlichen Belastungen. Zudem sind durch die Hochaltrigkeit der Menschen (siehe in Kapitel 2.4.1) oft keine pflegenden Angehörigen mehr vorhanden, oder diese sind selbst höheren Alters, und können eine angemessene Versorgung eines Betroffenen nicht gewährleisten. Zu Beginn einer demenziellen Erkrankung (siehe Kapitel 2.6) wird dann häufig ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen.
Die ambulanten Pflegedienste sind in Deutschland vor ungefähr 40 Jahren entstanden. Durch die steigende Alterung der Gesellschaft gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Auch der Grundsatz des SGB XI „ambulant vor stationär“ trägt hierzu bei. So wurden im Jahr 2001 von allen Pflegebedürftigen in Deutschland insgesamt 21,3 % durch ambulante Pflegedienste versorgt.
Eine Kooperation erfolgt in der Regel durch Eigeninitiative, derzeit übernehmen dies häufig die pflegenden Angehörigen. In Bezug auf demenziell erkrankte Menschen werden die ambulanten Pflegedienste mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Meist erhoffen sich Angehörige eine zeitliche Entlastung, die der ambulante Pflegedienst nicht erfüllen kann. Denn dieser beschäftigt sich ausschließlich mit der körperlichen Grundpflege von Betroffenen. Zudem wird er mit dem veränderten Verhalten von demenziell erkrankten Menschen konfrontiert. Sie können zum Beispiel aggressive oder enthemmte Verhaltensweisen zeigen (siehe Kapitel 2.6.2), das Personal eines Diebstahls beschuldigen und noch vieles mehr. Auf diese Verhaltensweisen ist der ambulante Pflegedienst oft nicht vorbereitet. Ein zeitlich begrenzter Rahmen kann die Pflege zusätzlich erschweren. Denn gerade bei demenziell erkrankten Menschen ist Geduld sehr wichtig. Hektik kann hingegen zu Stress oder Überforderung eines Betroffenen führen.
Da die Angehörigen durch den Pflegedienst nicht die erhoffte zeitliche Entlastung erfahren, werden zusätzlich häusliche Hilfen engagiert. Auch osteuropäische Dienste fassen zunehmend Fuß. Diese unterstützen demenziell erkrankte Menschen sowohl bei der Grundpflege als auch bei alltäglichen Aufgaben. Die Mitarbeiter dieser Dienste leben und wohnen bei den Betroffenen, somit ist immer jemand für sie da. Probleme können hier in der Verständigung auftreten, da nicht alle Mitarbeiter die deutsche Sprache gut beherrschen. Zudem sind auch sie häufig nicht mit der demenziellen Erkrankung vertraut. Doch diese Hilfen stellen eine enorme Entlastung für Angehörige dar, und für den Betroffenen kann ein Verbleiben im häuslichen Rahmen gewährleistet werden.
Teilintegrative Pflege und Betreuung:
Die teilintegrative Versorgung ist ein Bindeglied zwischen der ambulanten (siehe Kapitel 3.1.1) und der stationären (siehe Kapitel 3.1.3) Versorgung. Betroffene wohnen in ihrem häuslichen Rahmen, verbringen den Tag jedoch in einer teil-integrativen Einrichtung. Meist übernimmt der ambulante Pflegedienst (siehe Kapitel 3.1.1) weiterhin die Grundpflege. Ein häuslicher Verbleib soll dabei unterstützt, sowie Angehörige entlastet werden. So wird zunächst eine stationäre Langzeitversorgung verhindert.
Formen der teilintegrativen Versorgung für demenziell erkrankte Menschen bilden insbesondere die Tagespflege und die Kurzzeitpflege. Seltener in Anspruch genommen werden Tagesstätten und Tageskliniken.
Die Tagespflege hat sich besonders in den letzten 10 Jahren als eine spezielle Form der Pflege und Betreuung entwickelt. Das Angebot findet an Werktagen meist von 8.00 bis 16.30 Uhr statt, und kann täglich oder auch nur an einzelnen Tagen genutzt werden. Es ist für alle älteren Menschen gedacht, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können. Eine Tagesstrukturierung sowie Übungen zu lebenspraktischen, sozialen und kommunikativen Fertigkeiten bilden das Tagesprogramm in diesen Einrichtungen. Bei Bewilligung einer Pflegestufe übernimmt die PV (siehe Kapitel 2.8.7) die Kosten für das Betreuungsangebot, die Mittags- oder Fahrtkosten müssen Betroffene hingegen selbst finanzieren. Es gibt mittlerweile auch einige wenige Tagespflegeeinrichtungen, die sich auf demenziell erkrankte Menschen spezialisiert haben. Insgesamt bieten ungefähr 20 % der ambulanten Einrichtungen eine Form der Tagespflege an.
Zudem gibt es die Möglichkeit, Betroffene über Nacht betreuen zu lassen. Dies kann eine große Entlastung für Angehörige darstellen, denn durch eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus können demenziell erkrankte Menschen häufig nachts nicht schlafen, und suchen Beschäftigung (siehe Kapitel 2.6). Die Angebote dieser Art sind jedoch wenig verbreitet. In einigen Altenpflegeheimen (siehe Kapitel 3.1.3) und ambulanten Einrichtungen stehen hierfür vereinzelt Plätze bereit, deutschlandweit sind es circa 1.400.
Neben den Vorteilen der Entlastung der Angehörigen und einem Verbleib im häuslichen Rahmen, kann der Wechsel zwischen Wohn- und Betreuungsort zu Verwirrung und Unsicherheit bei Betroffenen führen, da sie durch eine fehlende Krankheitseinsicht (siehe Kapitel 2.5.1, 2.6) den Grund für den Wechsel häufig nicht verstehen.
Eine weitere Form der teilintegrativen Versorgung bildet die Kurzzeitpflege. Es besteht hier die Möglichkeit, Betroffene für einen begrenzten Zeitraum versorgen zu lassen. Altenhilfeeinrichtungen (siehe Kapitel 3.1.3) bieten teilweise einzelne Plätze, oder auch ganze Stationen für die Kurzzeitpflege an. Sie wird genutzt, wenn pflegende Angehörige die häusliche Versorgung in einem bestimmten Zeitraum nicht leisten können, etwa weil sie sich selbst einer medizinischen Behandlung unterziehen müssen oder um einen Erholungsurlaub in Anspruch zu nehmen. Bei einer Bewilligung der Pflegestufe werden hierfür bis zu 1.432 Euro im Jahr von der PV (siehe Kapitel 2.8.7) übernommen.
Das Angebot der Kurzzeitpflege wird jedoch eher selten genutzt weil Angehörige befürchten, dass es sich negativ auf den Krankheitsverlauf (siehe Kapitel 2.6) auswirken könnte. Zu Beginn der Erkrankung (siehe Kapitel 2.6) ist ein kurzzeitiger Ortswechsel meistens unproblematisch. Betroffene gewöhnen sich relativ schnell ein und können sich zudem ein Bild von einer stationären Einrichtung machen. In einem späteren Verlauf fällt es ihnen schwerer sich an einen Wechsel der Umgebung zu gewöhnen. Der Verlust der gewohnten, sicheren Umgebung kann Ängste und Verhaltensänderungen (siehe Kapitel 2.6.2) auslösen und verstärken. Daher sollte die Möglichkeit der Kurzzeitpflege zu Beginn einer demenziellen Erkrankung in Anspruch genommen werden.
Das Angebot einer Tagesstätte kann in Betracht gezogen werden, wenn Betroffene sich in einem frühen Stadium der Erkrankung befinden (siehe Kapitel 2.6), und kaum auf Pflege und Betreuung angewiesen sind. In diesen Einrichtungen treffen sich ältere Menschen um die soziale Verbindung zu halten und gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen. Der regelmäßige Kontakt zu kognitiv gesunden Menschen kann zu Beginn der Erkrankung noch fördernd sein. In einem weiteren Verlauf (siehe Kapitel 2.6) kommt es bei Betroffenen jedoch häufig zu Überforderungen, und der Kontakt zu der Tagesstätte wird abgebrochen.
Auch Tageskliniken bilden eine Form der teilintegrativen Versorgung. Diese Kliniken sind meist an Gerontopsychiatrien angebunden. Nach einem stationären Aufenthalt eines demenziell erkrankten Menschen in einer Gerontopsychiatrie, erfolgt häufig eine Aufnahme in einer Tagesklinik. Der Aufenthalt ist jedoch zeitlich begrenzt, und nicht mit einer Tagespflegeeinrichtung zu verwechseln. Das Ziel dieser ärztlich geleiteten, therapeutischen Einrichtungen ist der Aufbau oder Erhalt der Alltags-fähigkeiten von Betroffenen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836617208
Arbeit zitieren:
Zimmermann, Jennifer Juni 2008: Spezielle Wohnformen für demenziell erkrankte Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wohnformen, Senioren, Alteneinrichtungen, Demenz, Demenzerkrankung




