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Sozialverträglicher Tourismus in Südafrika

Möglichkeiten und Probleme

Sozialverträglicher Tourismus in Südafrika
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Constanze Lux
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 835,2 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 129
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1717-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lux, Constanze Februar 2007: Sozialverträglicher Tourismus in Südafrika, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Südafrika, Tourismus, Community Based Tourism, Apartheid, Sozialverträglichkeit

Diplomarbeit von Constanze Lux

Einleitung:

„Eine Welt in einem Land“.

Dies ist der Slogan, mit dem die südafrikanische Tourismusindustrie für sich wirbt und Gäste aus aller Welt für das Land am Kap begeistern möchte.

Doch nicht nur die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, die unterschiedlichen Landschaftsformen und eine Vielzahl an kulturellen Strömungen kennzeichnen dieses Land, sondern auch eine duale Wirtschaftsstruktur bzw. eine große Schere zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten gehören zu der südafrikanischen Realität.

Die Altlasten der Apartheidära sind noch immer deutlich spürbar. Der Großteil der Bevölkerung – vorrangig schwarze Südafrikaner – lebt in großer Armut. Eine hohe Arbeitslosigkeit prägt die junge Republik und sorgt dafür, dass trotz einer soliden Wirtschaft, einige Teile des Landes entwicklungslandtypische Merkmale aufweisen. Besonders durch einen Ausbau im Tourismusbereich erhofft sich die südafrikanische Regierung, die Ungleichheiten überwinden zu können.

Der Tourismus als Mittel zur Steigerung des Wirtschaftswachstums in Entwicklungsländern ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach kritisiert worden und im Laufe der aufkommenden Nachhaltigkeitsdiskussionen haben sich viele unterschiedliche neue touristische Erscheinungsformen herausgebildet, die Hoffnungen auf eine soziale, ökologische sowie ökonomische Entwicklung wecken. Insbesondere eine sozialverträgliche Form des Tourismus, der Community-Based-Tourism, scheint für ein Land wie Südafrika prädestiniert zu sein, da er auf die Partizipation lokaler, oftmals benachteiligter Bevölkerungsgruppen ausgelegt ist. Ihnen wurde in den Jahren der Apartheid nicht die Chance geboten, sich in die ökonomisch fortschreitende Entwicklung des Landes zu integrieren.

Die neue politische Entwicklung knüpft daran an und beinhaltet, dass viele nationale Initiativen und Programme seitens der Regierung die Integration dieser Bevölkerungsgruppen fördern. Auch im Bereich der Privatwirtschaft oder auf Seiten der nichtstaatlichen Organisationen sind viele Ansätze erkennbar, die in ähnlicher Weise versuchen, die großen Defizite der Postapartheitsära aufzuarbeiten.

Aufgabe dieser Arbeit ist es demnach, die Möglichkeit sozialverträglicher Tourismusformen in Südafrika aufzuzeigen und die damit einhergehenden Probleme zu analysieren. Hierbei soll ein Augenmerk insbesondere darauf gelegt werden, welche Handlungsspielräume sich für die einzelnen, am Wirtschaftsleben beteiligten Akteure ergeben, um letzten Endes die Wirtschaft Südafrikas auf eine nachhaltige Weise voranzutreiben und sowohl Ungleichheiten als auch Ungerechtigkeiten innerhalb der Gesellschaft zumindest annähernd auszugleichen.

Südafrika wurde als Beispiel ausgewählt, da das Land unter anderem im Tourismus eine große Chance sieht, die immer noch stark vorherrschenden Folgen der Apartheid überwinden zu können. Zudem sind in Südafrika die nachhaltig wirksamen Tourismuskonzepte und weltweit einzigartigen tourismuspolitischen Strategien, die im Speziellen die benachteiligten Bevölkerungsgruppen des Landes berücksichtigen, sehr innovativ und können somit eventuell richtungweisend sein oder eine Pionierarbeit für andere Entwicklungsländer leisten.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung 2
1.2 Aufbau der Arbeit 2
1.3 Begriffserläuterungen 3
1.3.1 Tourismus 3
1.3.2 Nachhaltigkeit und Nachhaltiger Tourismus 4
1.3.3 Sozialverträglicher Tourismus 7
2. Tourismus in Entwicklungsländern 9
2.1 Grundlagen 9
2.1.1 Begriffe Entwicklungsland und Entwicklungszusammenarbeit 9
2.1.2 Globale Ausweitung des Fremdenverkehr und Entwicklung des Tourismus in Entwicklungsländern 11
2.2 Positive und negative Effekte des Tourismus in Entwicklungsländern 14
2.2.1 Ökonomische Dimension 14
2.2.1.1. Deviseneffekt 15
2.2.1.2. Beschäftigungseffekt 16
2.2.1.3. Einkommenseffekt 18
2.2.1.4. Problem touristischer Monokultur 18
2.2.2 Ökologische Dimension 19
2.2.2.1. Verkehr 20
2.2.2.2. Ressourcenverbrauch 21
2.2.2.3. Abfallbelastung 21
2.2.2.4. Beeinträchtigung von Ökosystemen 21
2.2.3 Soziokulturelle Dimension 22
2.2.3.1. Akkulturation 23
2.2.3.2. Demonstrationseffekt 23
2.2.3.3. Wandel traditioneller Kunst und Kultur 24
2.3 Nachhaltige touristische Erscheinungsformen 26
2.3.1 Sanfter Tourismus 27
2.3.2 Alternativtourismus 29
2.3.3 Ökotourismus 30
2.3.4 Integrativer Tourismus 31
3. Sozialverträglicher Tourismus 33
3.1 Prinzipien 33
3.2 Ziele und Maßnahmen 34
3.3 Ausgewählte Akteure und ihre Interessen 37
3.3.1 Die Bereisten 37
3.3.2 Der öffentliche Sektor 38
3.3.3 Die private Tourismuswirtschaft 40
3.3.4 Nichtstaatliche Organisationen 40
3.3.5 Weitere relevante Akteure 42
3.4 Community Based Tourism 43
3.4.1 Begriffsbestimmung 43
3.4.2 Abgrenzung zu anderen touristischen Erscheinungsformen 45
3.4.3 Das Konzept 48
3.4.4 Mögliche Organisationsformen 50
3.4.4.1. Private Konzessionen in Kommunalgebieten 50
3.4.4.2. Beteiligung der Community an Einnahmen privater Investoren 51
3.4.4.3. Joint Ventures 51
3.4.4.4. Community –controlled Enterprises 52
3.4.5 Community Based Tourism als Chance zur Entwicklung lokaler Bevölkerungsgruppen 53
4. Sozialverträglicher Tourismus in Südafrika 55
4.1 Rahmenbedingungen Südafrikas 55
4.1.1 Geschichtlicher und politischer Rückblick 55
4.1.1.1. Geschichte Südafrikas 55
4.1.1.2. Die politische Wende 56
4.1.2 Wirtschaftliche Situation 57
4.1.2.1. Südafrika: Entwicklungs- oder Schwellenland? 57
4.1.2.2. Aktuelle Wirtschaftslage 58
4.1.3 Politische Ziele 61
4.2 Tourismus in Südafrika 64
4.2.1 Das touristische Angebot 64
4.2.1.1. Ursprüngliches Angebot 64
4.2.1.2. Abgeleitetes Angebot 66
4.2.2 Tourismus in Zahlen 68
4.2.3 Südafrikas Tourismuspolitik 71
4.2.3.1. White Paper on Tourism 72
4.2.3.2. Tourism BEE-Charta 74
4.3 Tourismusinitiativen und –projekte in Südafrika 76
4.3.1 Förderung vormals benachteiligter Bevölkerungsgruppen 76
4.3.1.1. Small, Medium und Micro Enterprises 77
4.3.1.2. Community Based Tourism – Initiativen 79
4.3.2 Beispiele sozialverträglicher Tourismusprojekte 81
4.3.2.1. Fair Trade in Tourism South Africa 81
4.3.2.2. The Spier Estate in Stellenbosch 84
5. Fazit 87
Anhang 88
Literaturverzeichnis 92
Internetverzeichnis 99
Eidesstattliche Erklärung 102

Textprobe:

Kapitel 3.3.2, Der öffentliche Sektor:

Zum öffentlichen Sektor im Fremdenverkehr gehören alle Organisationen, die öffentliche Interessen vertreten, nichtkommerzielle Ziele verfolgen und politisch durch Instrumente der Gesetzgebung und der Regulierung sowie durch Steuereinnahmen und -ausgaben den Tourismus beeinflussen können. Zu diesen Organisationen gehören unter anderem verschiedene Tourismusbehörden, die Gemeinde- und Regionalverwaltungen, Wirtschafts- und Außenministerien sowie Umwelt- und Naturschutzministerien.

In der Entwicklung und Verwirklichung nachhaltiger Tourismusformen wird staatlichen Organisationen häufig eine führende Rolle zugeteilt. Gemäß Swarbrooke liegt dies daran, dass der öffentliche Sektor nicht nur besondere Interessengruppen, sondern gewöhnlich die gesamte Bevölkerung repräsentiert und zudem meistens als unparteiisch anzusehen ist. Außerdem verfolgen staatliche Organisationen zumeist längerfristig angelegte Ziele, die für nachhaltige Entwicklungsstrategien von großer Bedeutung sind, anstatt nur kurzfristig ökonomische Gewinne anzustreben. Nationale Regierungen sehen in der Förderung sozialverträglicher Tourismusprojekte vielfach die Möglichkeit zur Diversifikation des Tourismus sowie die Chance auf eine wirtschaftliche Entwicklung in kommunalen Gebieten. Durch letztere hoffen sie, regionale Disparitäten überwinden zu können. Im besonderen Interesse lokaler Gemeindeverwaltungen liegt z.B. der Ausbau einer entsprechenden Infrastruktur (etwa die Verbesserung des Straßennetzes oder der Wasserversorgung), welche grundsätzlich Voraussetzung für jegliche Form von Tourismus ist.

Weitere Interessens- und Wirkungsgebiete des öffentlichen Sektors sind die Raumplanung und die Bodennutzung, der Schutz von Nationalparks und Reservaten sowie von bestimmten Bevölkerungsgruppen, die Festlegung von Normen (z.B. die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001) und die Schaffung eines einheitlichen Zertifizierungssystems für umwelt- und sozialverträgliche Produkte.

An dieser Stelle sei allerdings darauf hingewiesen, dass es sich bei den Akteuren, die hinter den staatlichen und zwischenstaatlichen Organisationen sowie den gesellschaftlichen Verbänden der internationalen Tourismuspolitik stehen, häufig um sehr heterogene Gruppen handelt, deren vielfältige Interessen nur sehr schwierig auf einen Nenner zu bringen sind.

Kapitel 3.3.3, Die private Tourismuswirtschaft:

Die private Tourismusindustrie beinhaltet alle touristischen Anbieter mit Gewinnbestrebungen, die nach Swarbrooke – gemäß geographischen Aspekten – in die folgenden Sektoren unterteilt werden können:

- Die erzeugende Zone (Generating Zone): Unternehmen, die in den touristischen Quellgebieten agieren, wie beispielsweise Reiseveranstalter, Reisebüros, Marketingagenturen und die Reisemedienbranche.

- Die Übergangszone (Transition Zone): Unternehmen, die den Transport der Touristen vom Quell- zum Zielgebiet übernehmen, z.B. Flug-, Bus-, Bahn- und Fährgesellschaften.

- Die Zielzone (Destination Zone): Unternehmen, die Dienstleistungen im Zielgebiet anbieten, wie etwa Hotellerie, Gastronomie, lokale Verkehrsdienstleister, Touristenführer und touristische Informationsbüros.

Für die Akteure der privaten Tourismuswirtschaft sind vor allem die Erschließung neuer Reiseziele, die Verbesserung der Infrastruktur und die Qualitätserhaltung in Zusammenhang mit der Entwicklung sozialverträglicher Tourismusprojekte relevant. Aufgrund ihres Know-hows im Bereich der Unternehmensführung und des Marketings sowie bezüglich des vorhandenen Kapitals bieten sich die Akteure der privaten Tourismuswirtschaft vielfach für eine effektive Zusammenarbeit an. Für Reiseveranstalter kann beispielsweise die Aufnahme des „Kulturaspekts“ in das jeweilige Reiseprogramm von großem Interesse sein, da dadurch das Angebot an Attraktivität und Vielfalt gewinnen kann.

Anzumerken ist, dass in der privaten Fremdenverkehrsindustrie bei den meisten Unternehmen immer noch überwiegend ökonomische Ziele – wie Wirtschaftlichkeit und Marktfähigkeit – verfolgt werden, und weniger soziale.

Kapitel 3.3.4, Nichtstaatliche Organisationen:

Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) sind – vereinfacht ausgedrückt – alle vom Staat unabhängigen, nicht am Gewinn orientierten und auf freiwilliger Arbeit basierenden Organisationen, die zwischen Markt und Staat wirken. Der Begriff umfasst eine Vielzahl von unterschiedlichen Organisationstypen: transnationale entwicklungs- und sozialpolitisch ausgerichtete Organisationen, national ausgerichtete Gewerkschaften, Lobby-Vereinigungen und Verbände sowie Sport-, Freizeit- und Kulturvereine.

Gemäß den Vereinten Nationen versuchen NGOs, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene unterschiedliche humanitäre Funktionen wahrzunehmen, Bürgeranliegen bei Regierungen vorzubringen, die politische Landschaft zu beobachten und das politische Engagement der Bevölkerung zu wecken.

Bei der Umsetzung und Überprüfung einer umweltverträglichen und sozial ausgewogenen nachhaltigen Entwicklung, wie sie in der „Agenda 21“ angestrebt wird, sollen NGOs als Partner angesehen werden und zur Verwirklichung der gesetzten Ziele beitragen. Ihre unabhängige Rolle innerhalb der Gesellschaft gilt als ein besonderes Merkmal und stellt eine gute Voraussetzung für eine wirkliche Partizipation dar. Die Interessen- und Tätigkeitsgebiete der NGOs sind in Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung vielfältig und können unter anderem in folgenden Bereichen liegen:

- In der Entwicklungszusammenarbeit.

- Im Umwelt- und Klimaschutz.

- Im Arbeitsschutz (z.B. in Bezug auf Kinderarbeit).

- In der Frauen- und Gleichberechtigungsbewegung sowie hinsichtlich der in ihrer Existenz bedrohten oder benachteiligten Völker.

Durch ihre fachspezifischen Kenntnisse, den Zugang zu Fördermitteln und einen direkten Kontakt zur lokalen Bevölkerung sind NGOs oftmals besser als private oder staatliche Unternehmen in der Lage, ökologische sowie soziokulturelle Gegebenheiten der betreffenden Regionen abzuschätzen. Dies ist für die Umsetzung und Überprüfung einer umweltverträglichen und sozial ausgewogenen nachhaltigen Entwicklung von großer Bedeutung. Dadurch kann vielfach eine angepasste und zielorientierte Produktentwicklung mit allen dazu notwendigen Maßnahmen sowie eine spätere Vermarktung besser ermöglicht werden. NGOs versuchen zudem, die recht unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Akteure zu koordinieren. So können sie z.B. bei sozialverträglichen Tourismusprojekten helfen, diese erfolgreich in einem Nischenmarkt zu etablieren. Auch die Kontrolle, die Beratung und andere Hilfestellungen bei der Organisation der an diesen Projekten Beteiligten (z.B. der betroffenen Communities) sowie die Durchführung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen können in ihren Tätigkeitsbereich fallen.

Arbeit zitieren:
Lux, Constanze Februar 2007: Sozialverträglicher Tourismus in Südafrika, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Südafrika, Tourismus, Community Based Tourism, Apartheid, Sozialverträglichkeit

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