Wintertourismus in Sachsens Mittelgebirgen
Marketingstrategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Andreas Hoy
- Abgabedatum: März 2008
- Umfang: 162 Seiten
- Dateigröße: 3,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 98
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1325-5
- ISBN (CD) :978-3-8366-1325-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hoy, Andreas März 2008: Wintertourismus in Sachsens Mittelgebirgen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Klimawandel, Klimafolgen, Wintertourismus, Tourismus, Sachsen
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Diplomarbeit von Andreas Hoy
Einleitung:
Globale Einordnung des Themas Klimawandel:
Die Welt des 21. Jahrhunderts steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Lebensgewohnheiten der Menschen, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende nur langsam wandelten, verändern sich seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert in immer schnellerem Tempo. Dies betrifft inzwischen fast alle Bevölkerungsgruppen der Erde. Gleichzeitig verändern die Grundlagen des Wohlstandes der entwickelten Länder, vor allem die exzessive Nutzung fossiler Energieträger, das klimatische Gleichgewicht der Atmosphäre. Mit der seit den 1990er Jahren verstärkten ökonomischen Globalisierung und dem ständig steigenden Rohstoffbedarf aufstrebender Schwellenländer wie China und Indien erhöhte sich die Dynamik dieser Entwicklung erneut. Die Konsequenzen daraus bedrohen nicht nur die Existenz vieler ökologischer Habitate und einen großen Anteil der globalen Vielfalt an Flora und Fauna, sondern auch den Verursacher dieser Veränderungen – die globale und regionale Wirtschaft.
Schon viele Jahrzehnte mahnen Klimaforscher vor den dramatischen Folgen anthropogener Einflüsse auf das Weltklima, aber nie waren deren Warnungen so drastisch wie im Jahr 2007. Noch nie war die Sicherheit ihrer Aussagen so hoch. Und niemals zuvor war ein globales politisches Handeln zur Bewältigung dieser Herausforderung so nötig wie gegenwärtig. Die vorangestellten Zitate zweier bedeutender Persönlichkeiten belegen diese Dramatik eindrucksvoll. Die Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember 2007 an den ehemaligen Vizepräsidenten der USA, Al Gore, und den Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) für ihr Engagement gegen die anthropogene Veränderung des Klimas symbolisiert, dass jetzt ein entschlossenes politisches Handeln erforderlich ist, um die Gefahr weitreichender Verwerfungen innerhalb der menschlichen Gesellschaft aufgrund fortschreitender Klimaänderungen eindämmen zu können. Dabei muss ökonomisches Handeln als Ursache der anthropogenen Beeinflussung des Weltklimas auch bei deren Eindämmung die dominierende Rolle spielen. Gleichzeitig ist eine nachhaltige wirtschaftliche Anpassung an nicht mehr zu vermeidende Folgen der Klimaänderung unumgänglich, um künftiges Wachstum zu ermöglichen und eine lebenswerte Zukunft zu sichern.
Folgende Hypothesen bilden die Grundlage dieser Diplomarbeit:
Das Klima in Sachsen erwärmt sich in den nächsten Jahrzehnten. Die Bedingungen für die Ausübung von schneegebundenen wintertouristischen Aktivitäten in Sachsen werden sich demzufolge flächendeckend verschlechtern (Tendenzhypothese).
Die Tourismuswirtschaft in Sachsens Mittelgebirgen ist bisher unzureichend auf die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen im Wintertourismus eingestellt. Für eine erfolgreiche Anpassung an diese Veränderungen ist eine Umgestaltung der Marketingstrategien im Wintertourismus – insbesondere des fremdenverkehrlichen Angebotes und der touristischen Kommunikation – unbedingt erforderlich (Orientierungshypothese).
Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, für die Region der sächsischen Mittelgebirge Ansätze für eine touristische Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu entwickeln. Im Vordergrund steht dabei eine stärkere Diversifizierung des wintertouristischen Angebotes.
Im theoretischen Teil der Arbeit werden zunächst für das Verständnis der Arbeit wichtige Begriffe definiert und Zusammenhänge zwischen diesen erläutert. Anschließend werden das Problemfeld des anthropogenen Klimawandels und mit dem Klimawandel einhergehende langfristige ökonomische Konsequenzen auf globaler und nationaler Ebene betrachtet. Daran schließt sich die Darstellung großräumiger klimatischer Einflussfaktoren auf das sächsische Winterklima, der Charakteristik des winterlichen Mittelgebirgsklimas und der Projektionen klimatischer Veränderungen im Freistaat an. Aufgrund der starken Schneeabhängigkeit des Wintertourismus liegt ein Schwerpunkt der klimatologischen Betrachtung auf dem Parameter Schnee und dessen technischer Beeinflussung. Weiterhin werden die touristische Vermarktung im Freistaat Sachsen und die Bedeutung des Tourismus für den sächsischen Mittelgebirgsraum dargestellt. Als bedeutendste Bestandteile des Wintertourismus werden alpiner Skisport und Skilanglauf näher erläutert.
Um eigene Erkenntnisse zum Thema Wintertourismus und Klimawandel in Sachsen gewinnen zu können, wurde eine empirische Untersuchung unter Vertretern des wintertouristischen Angebotes durchgeführt. Dazu wurden 59 Vertreter von alpinen Skigebieten und Gemeinden des sächsischen Mittelgebirgsraumes befragt. Die Auswertungen dazu umfassen vor allem Fragen zum Status quo des eigenen Marketings und zur Beurteilung des Klimawandels und der sich daraus ergebenden Konsequenzen. Wichtig im Hinblick auf die Ergebnisse dieser Arbeit waren insbesondere die Bewertung und die Entwicklung von Alternativangeboten für eine stärkere Diversifizierung des Wintertourismus. Anschließend werden in knapper und übersichtlicher Form mögliche Anpassungsstrategien von Seiten der Nachfrage und des Angebotes dargestellt.
Aufbauend auf der theoretischen Basis dieser Arbeit und den Ergebnissen der eigenen Untersuchung werden Handlungsempfehlungen gegeben, wie sich der sächsische Wintertourismus an den Klimawandel und andere relevante Veränderungen (bspw. den demografischen Wandel) anpassen kann. Die angebotenen Vorschläge bedienen sich einer Palette von Möglichkeiten, um eine stärkere Diversifizierung des Angebotes und damit eine geringere Vulnerabilität gegenüber gesellschaftlichen und klimatischen Veränderungen zu erreichen. Die Arbeit endet mit der Vorstellung von Forschungsdesign und Fragestellungen für eine mögliche weitere Untersuchung im Nachfragebereich unter Alpin- und Langlaufskifahrern. Die Durchführung und Auswertung der empfohlenen Befragung dient als Handlungsempfehlung für nachfolgende Arbeiten.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VIII | |
| Danksagung | IX | |
| 1 | Einführung | 1 |
| 1.1 | Globale Einordnung des Themas Klimawandel | 1 |
| 1.2 | Hypothesen, Ziel und Konzept | 2 |
| 1.3 | Geografische Einordnung des Untersuchungsgebietes | 4 |
| 2 | Begriffsdefinitionen | 5 |
| 2.1 | Marketing | 5 |
| 2.1.1 | Strategisches Marketing | 5 |
| 2.1.2 | Regionalmarketing | 5 |
| 2.2 | Tourismus | 6 |
| 2.2.1 | Definition und Abgrenzung | 6 |
| 2.2.2 | Wintertourismus und Wintersporttourismus | 6 |
| 2.3 | Tourismusmarketing | 7 |
| 2.4 | Definition und Abgrenzung der Begriffe Wetter, Witterung und Klima | 8 |
| 3 | Volkswirtschaftliche Konsequenzen des anthropogenen Klimawandels | 10 |
| 3.1 | Problemfeld Anthropogener Klimawandel | 10 |
| 3.1.1 | Begriff | 10 |
| 3.1.2 | Weiterführende Informationen und Literatur | 10 |
| 3.2 | Globale ökonomische Folgen | 11 |
| 3.3 | Ökonomische Folgen für Deutschland | 13 |
| 4 | Klimatische Verhältnisse als Grundlage des Wintertourismus | 15 |
| 4.1 | Großräumige klimatische Einflussfaktoren im Winter | 15 |
| 4.1.1 | Die Nordatlantische Oszillation | 15 |
| 4.1.2 | Die Großwetterlagen/Großwettertypen | 17 |
| 4.2 | Variablen des sächsischen Mittelgebirgsklimas | 19 |
| 4.3 | Natürliche Schneebedeckung und Schneesicherheit | 20 |
| 4.4 | Technische Beschneiung | 23 |
| 4.5 | Klimaprojektionen und -szenarien: Ausblick bis 2050 | 24 |
| 5 | Tourismus und Wintertourismus in Sachsen | 26 |
| 5.1 | Tourismus und touristische Vermarktungsstruktur | 26 |
| 5.2 | Bedeutung des (Winter-)tourismus für die sächsischen Mittelgebirge und insbesondere das Erzgebirge | 28 |
| 5.3 | Alpine Skigebiete als Leuchttürme des Wintertourismus | 29 |
| 5.3.1 | Historische Entwicklung des alpinen Skitourismus | 29 |
| 5.3.2 | Heutige Bedeutung für den Wintertourismus | 29 |
| 5.3.3 | Touristische Zielgruppen | 30 |
| 5.4 | Skilanglauf als wichtige Basis des Wintertourismus | 31 |
| 5.5 | Weitere wintertouristische Aktivitäten und Entwicklungspotenzial | 32 |
| 6 | Empirische Untersuchung des wintertouristischen Angebotes | 33 |
| 6.1 | Methodik und Ablauf der Befragung | 33 |
| 6.2 | Frequenzvergleich von Sommer- und Wintertourismus | 34 |
| 6.3 | Stars des wintertouristischen Angebotes | 36 |
| 6.4 | Lage, Infrastruktur und Betreiber der Skigebiete | 37 |
| 6.5 | Marketing | 39 |
| 6.5.1 | Dienstleistungsangebot der Skigebiete | 39 |
| 6.5.2 | Informationsquellen zu aktuellen Schneeverhältnissen am Skihang | 40 |
| 6.5.3 | Platzierung von Werbemaßnahmen | 41 |
| 6.5.4 | Vorhandensein eines Unique Selling Proposition | 42 |
| 6.5.5 | Durchführung von Befragungen der Nachfrageseite | 43 |
| 6.6 | Beurteilung technischer Beschneiung durch die Vertreter der Skigebiete | 44 |
| 6.7 | Geplante Investitionen in den Skigebieten | 45 |
| 6.8 | Beurteilung des Wegfalls der Grenzkontrollen nach Tschechien | 46 |
| 6.9 | Klimawandel und Auswirkungen | 47 |
| 6.9.1 | Einfluss auf die natürlichen Schneeverhältnisse | 47 |
| 6.9.2 | Priorität des Themas Klimawandel | 49 |
| 6.9.3 | Kompetenz der Informationen zum Thema Klimawandel | 49 |
| 6.9.4 | Erfolgte und geplante Anpassungsmaßnahmen | 51 |
| 6.9.5 | Chancen durch den Klimawandel | 52 |
| 6.9.6 | Risiken durch den Klimawandel | 53 |
| 6.9.7 | Reaktion der Skiliftbetreiber bei zunehmender Schneearmut | 53 |
| 6.10 | Beurteilung von Ideen zu Alternativangeboten im Wintertourismus | 54 |
| 6.10.1 | Allgemeine Erläuterung zum Fragenkomplex | 54 |
| 6.10.2 | Beurteilung der vorgegebenen Alternativangebote | 55 |
| 7 | Übersicht der Anpassungsstrategien | 57 |
| 7.1 | Anpassungsstrategien der Nachfrage | 57 |
| 7.2 | Anpassungsstrategien des Angebotes | 58 |
| 8 | Handlungsempfehlungen zur Anpassung des sächsischen Wintertourismus an den Klimawandel | 60 |
| 8.1 | Sicherung des schneegebundenen Wintertourismus | 60 |
| 8.1.1 | Erweiterung der technischen Beschneiung in Alpinskigebieten | 60 |
| 8.1.2 | Pistenpräparierung zur Nutzung niedrigerer Schneehöhen | 61 |
| 8.1.3 | Skiloipennetz Sachsen | 61 |
| 8.1.4 | Winter- und Schneeschuhwandern | 63 |
| 8.1.5 | Skihallen zur Sicherung des Ski-Nachwuchses | 63 |
| 8.1.6 | Vernetzung von Skigebieten und weiteren Attraktionen | 64 |
| 8.1.7 | Ergänzungsfunktion kleiner Skigebiete | 65 |
| 8.2 | Winterliche Alternativen ohne Schneebindung | 65 |
| 8.2.1 | Schneeunabhängige Angebote auf dem Skihang | 65 |
| 8.2.2 | Aktivwege und Allwetterloipen | 68 |
| 8.2.3 | Trendsportarten Nordic Walking und Wandern | 69 |
| 8.2.4 | Von Wellness zu Selfness | 70 |
| 8.2.5 | Kulturangebote | 71 |
| 8.2.6 | Verstärkte Aktivierung des Potenzials 50+-Generation | 72 |
| 8.2.7 | Offensives Marketing mit Alternativangeboten | 74 |
| 8.2.8 | Gezielte staatliche Förderung der Diversifizierung des Wintertourismus | 74 |
| 8.3 | Vier-Jahreszeiten-Tourismus | 75 |
| 8.3.1 | Ausdehnung der Zwischensaison | 75 |
| 8.3.2 | Sommerfrische als Chance des Klimawandels | 76 |
| 8.4 | Risiken und Schwierigkeiten | 77 |
| 8.4.1 | Schlechte Annahme der Alternativangebote | 77 |
| 8.4.2 | Erlebnis weißer Winter und Abwanderung in schneesichere Gebiete | 78 |
| 9 | Beschreibung einer empirischen Untersuchung der Nachfrageseite | 80 |
| 9.1 | Forschungsdesign | 80 |
| 9.2 | Fragestellungen | 82 |
| 10 | Fazit und Ausblick | 83 |
| Anlagen | 86 | |
| Anlage 1 | Globaler anthropogener Klimawandel - wissenschaftliche Grundlagen | 87 |
| Anlage 2 | Großwetterlagen/Großwettertypen in Sachsen: Untersuchungsmethodik und weitere Ergebnisse | 112 |
| Anlage 3 | Verwendete und empfohlene Fragebögen | 125 |
| Anlage 4 | Untersuchte Gemeinden und Skilifte | 136 |
| Anlage 5 | Liste der Expertengespräche | 137 |
| Quellenverzeichnis | 138 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 152 |
Textprobe:
Kapitel 6.9.3, Kompetenz der Informationen zum Thema Klimawandel:
Im vergangenen Jahr 2007 wurde dem Thema Klimawandel eine hohe mediale Aufmerksamkeit zuteil. Die Qualität der übermittelten Informationen war jedoch unterschiedlich ausgeprägt und die in den Medien getroffenen Aussagen zum Teil widersprüchlich. Für den von den Folgen des Klimawandels besonders betroffenen Wintertourismus in den deutschen Mittelgebirgen sind kompetente Informationen zu diesem Thema jedoch unerlässlich. Die Gesprächspartner wurden daher gefragt, ob sie sich zum Thema kompetent genug informiert fühlen. Die Frage wurde in zwei Bereiche aufgeteilt: die Befragten sollten angeben, wie sie sich a) zum wissenschaftlichen Hintergrund und b) zu den Folgen für den Wintertourismus informiert fühlen. Dabei wurde die Quelle der Informationen nicht erfragt, jedoch kann den zusätzlich gegebenen Angaben der Befragten entnommen werden, dass diese sich hauptsächlich über die öffentlichen Medien über das Thema informieren bzw. mit diesen Informationen konfrontiert werden. Abbildung 6-11 stellt die gewonnenen Ergebnisse getrennt nach Skigebieten und Gemeinden dar.
Fast doppelt so viele Vertreter von Skigebieten wie von Gemeinden geben an, zum wissenschaftlichen Hintergrund des Klimawandels kompetent genug informiert zu werden. Ein Viertel der befragten Skigebietsvertreter verneint dies, bei den Gemeindevertretern ist es ein Drittel. Die restlichen Befragten ziehen die mittlere Antwort vor. Bezüglich der Folgen für den Wintertourismus gleichen sich die Werte derer, die sich kompetent genug informiert fühlen mit etwa 20 Prozent der Nennungen. In diesem Bereich fühlen sich mit ca. 15 Prozent deutlich weniger Gemeindevertreter schlecht informiert als zum wissenschaftlichen Hintergrund. Unter den Befragten wurde häufig geäußert, dass die mediale Berichterstattung sehr verwirrend sei und dass es wohl sehr verschiedene Meinungen zum Thema gäbe. Mehrfach fiel die Aussage, dass jeder etwas anderes erzählen würde und man daher überhaupt nicht wisse, wessen Aussage denn nun geglaubt werden könne.
Interessant ist erneut die Einbeziehung der Frage zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Schneeverhältnisse. Es wäre durchaus zu erwarten, dass sich diejenigen, die konform mit wissenschaftlichen Erkenntnissen eine weitere Verschlechterung der natürlichen Schneeverhältnisse erwarten, besser informiert fühlen als der Rest der Befragten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Tendenziell sind diejenigen, die keine Auswirkungen des Klimawandels erwarten oder diesen ablehnen, sogar der Meinung, besser informiert zu sein als jene, die negative Veränderungen befürchten.
Als Konsequenz aus den Antworten zu dieser Frage und den zusätzlichen Inputs der Befragten muss eine fundiertere mediale Berichterstattung zu diesem Thema unbedingt angemahnt werden. Da die Umsetzung dieses Vorschlages in den öffentlichen Medien schwierig zu realisieren ist, sind staatliche Institutionen mehr als bisher dazu aufgerufen, eine kompetente Aufklärung der Bevölkerung über Hintergründe und Gefahren des Klimawandels zu gewährleisten.
Kapitel 6.9.4, Erfolgte und geplante Anpassungsmaßnahmen:
Alle Gesprächspartner wurden gefragt, ob vor dem Hintergrund des Klimawandels bereits Anpassungsmaßnahmen unternommen worden seien. Sechs Gemeindevertreter gaben an, dass Adaptionsmaßnahmen bereits durchgeführt wurden oder geplant sind. Ein Vertreter nannte die Beschneiung im örtlichen Skigebiet als Anpassung, einer einen verstärkten Hochwasserschutz. Ein Befragter, der sich bereits in seinem forstwirtschaftlichen Studium mit dem Themenkomplex beschäftigte, nannte den Waldumbau und zukünftig geringere Investitionen in die Skiinfrastruktur als Anpassungsmaßnahmen. Die restlichen drei Befragten gaben keine konkreten Maßnahmen an.
Besonders in der Gruppe der Vertreter der Skigebiete war von Interesse, ob und in welchem Maße realisierte oder geplante Beschneiungsvorhaben als Anpassung an ein sich änderndes Klima gesehen werden. Bereits in der Frage zur Einschätzung technischer Beschneiung wurden vereinzelt thematisiert, dass die Beschneiung eine Reaktion auf den Klimawandel sei oder eben nicht sei. Insgesamt wurde nur von wenigen Befragten mit installierter oder geplanter Beschneiungsanlage diese als eine Anpassung an den Klimawandel gesehen. Richtig ist, dass in allen Höhenlagen mit der Beschneiung eine größere Betriebssicherheit erzielt wird. Diese Aussage trifft auf das Klima vergangener Jahrzehnte ebenso zu wie auf das gegenwärtige. Schneeärmere Winter häufen sich jedoch und werden auch in Zukunft zunehmen. Die technische Beschneiung ist somit zunächst als eine vorläufige Überlebensgarantie für Skigebiete in mittleren und höheren Lagen zu sehen. Die Studie von SCHNEIDER und SCHÖNBEIN zu Schneesicherheit und Beschneibarkeit deutscher Mittelgebirge zeigt jedoch, dass sich die Bedingungen für die technische Beschneiung in den sächsischen Skigebieten immer mehr verschlechtern werden, so dass im Mittel in den kommenden Wintern die natürlichen Schneeverhältnisse vergangener Jahrzehnte nicht konserviert, geschweige denn verbessert werden können.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836613255
Arbeit zitieren:
Hoy, Andreas März 2008: Wintertourismus in Sachsens Mittelgebirgen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Klimawandel, Klimafolgen, Wintertourismus, Tourismus, Sachsen




