Geschichte und neuere Entwicklungen des Skateboardens
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Felix Hälbich
- Abgabedatum: September 2005
- Umfang: 115 Seiten
- Dateigröße: 10,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität München Deutschland
- Bibliografie: ca. 84
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1312-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hälbich, Felix September 2005: Geschichte und neuere Entwicklungen des Skateboardens, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Skateboarding, Sportwissenschaft, Skaten, Jugendkultur, Sportsoziologie
48,00 €
PDF-eBook Download: 48,00 €
Diplomarbeit von Felix Hälbich
Einleitung:
„Two hundred years of American technology has unwittingly created a massive cement playground of unlimited potential. But it was the minds of 11 year olds that could see that potential.“ (C.R. Stecyk).
Skateboarder sind heutzutage Teil des Straßenbildes jeder größeren Stadt. Aus dem urbanen Leben sind sie ebenso wenig wegzudenken wie Inline-Skater, Streetbasketball-Spieler oder BMX-Rad-Fahrer. Die Stadt entwickelt sich immer mehr zu einem Sportareal, das auf die verschiedensten Weisen von den unterschiedlichsten Menschen genutzt wird. Während traditionelle Sportarten wie Fußball oder Tennis zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden, erleben die so genannten Trendsportarten regen Zulauf und sind zu einem festen Bestandteil der Straßenkultur geworden.
„Wurde der Sport noch vor wenigen Jahren nahezu ausschließlich als Vereinssport betrieben, so hat das Sportpanorama inzwischen massive Veränderungen erfahren. Heute gibt es nicht nur andere organisatorische Trägerinstanzen wie Volkshochschule, Fitnessstudios etc., sondern eben auch einen ‘freien Sport’, der, ohne einen organisatorischen Überbau in Anspruch zu nehmen, die Räume innerhalb und außerhalb der Städte selbstbewusst und gleichsam anarchisch für sich nutzt.“ Obwohl den Trendsportarten in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr Platz eingeräumt wird und sie sich zu allgemein anerkannten Sportarten mit steigendem Medieninteresse entwickeln, stellt die Stadt als Sportstätte und Trainingsfeld allerdings immer noch eine Besonderheit dar.
Bette beschreibt die Ausweitung sportlicher Tätigkeiten in der Stadt in diesem Zusammenhang als eine „Verletzung soziokultureller Normen“. Als Erklärung für diese Diskrepanz zwischen Sportlern und der öffentlichen Wahrnehmung führt Bette weiter aus: „Städtische Binnenräume sind weitgehend vordefinierte Handlungs- und Kommunikationsbereiche. Was in ihnen abläuft, von wem sie wann, wie schnell und in welchen Funktionen benutzt werden, unterliegt einer impliziten normativen Dramaturgie.“ Die Verbreitung der Trendsportarten und das Ausüben dieser neuen Bewegungsformen im öffentlichen Raum sind Ausdruck eines völlig neuen Sportverständnisses, das die individuelle Freiheit sowohl bezüglich der Intensität des Sport Treibens als auch der freien Wahl des Ortes propagiert. Trendsportler verhalten sich dabei konträr zu jeglichen trainingswissenschaftlichen Prinzipien und räumlichen Vorgaben.
Jugendliche und jugendlichkeitsorientierte Erwachsene widersetzten sich der in Analogie zur gesellschaftlichen Funktionsaufspaltung durchgesetzten räumlichen Segmentierung des urbanen Raumes. Sie wollen in ihren Bedürfnissen weder aus öffentlichen Räumen vertrieben noch auf traditionelle Spiel- und Sportplätze abgeschoben werden.
Trendsportler und insbesondere Skateboard-Fahrer widersetzten sich also den sozialen Normen der Stadt und üben ihren Sport auf öffentlichen Plätzen und Straßen, in U-Bahnhöfen, Parkhäusern, Tiefgaragen, Abwasserkanälen oder Einkaufspassagen aus, ungeachtet der ursprünglichen Funktion dieser Orte. Bei der Eroberung des öffentlichen Raumes kann man den Skateboardern dabei durchaus eine Vorreiterrolle zusprechen, wie die nachfolgende Arbeit zeigen wird. Denn im Vergleich zu anderen neueren Bewegungsformen wie Inline-Skaten oder Nordic-Walking kann Skateboarden mittlerweile auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück blicken, so dass nicht mehr von einer „Trendsportart“ im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann.
Dabei übten die Skateboard-Fahrer ihren Sport nicht von Anfang an in der Öffentlichkeit aus. Vielmehr war die Entdeckung der Straße ein langwieriger Prozess und die Möglichkeit, die Architektur zum Skateboard Fahren zu nutzen, setzte sich nur langsam in den Köpfen der Aktiven fest. Die folgende Arbeit soll den Weg des Skateboardens, von seiner Erfindung bis zum unverzichtbaren Symbol für eine jugendliche Straßenkultur, nachzeichnen. Dabei wird differenziert auf die verschiedenen Ausprägungen und deren Bedeutung für das moderne Skateboarden von heute eingegangen. Unverzichtbar für das Verständnis dieser Entwicklung sind einige Grundlagen des Skateboard-Sports, die im Vorfeld beschrieben werden.
Das Thema Skateboarden ist bisher wenig auf wissenschaftlicher Basis untersucht worden. Lediglich die Soziologie hat sich mit einigen wenigen Veröffentlichungen diesem Thema angenommen. Zu nennen ist hier auch die zweite Staatsexamenarbeit von Titus Dittmann, die sich mit der Nützlichkeit des Skatens für den Sportunterricht beschäftigte. Dieser Umstand erschwert die Verfügbarkeit geeigneter Literatur, besonders in ihrer Vielfältigkeit. Neuere Literatur zur Geschichte des Sports beschränkt sich ausschließlich auf einige Publikationen aus den USA (siehe Literaturverzeichnis).
Allerdings verfügt der Autor über eine Fülle von Primärliteratur. Insbesondere liegen ihm die kompletten Jahrgänge des Monster Skateboard Magazins von November 1989 bis heute vor. Das Monster Skateboard Magazin existiert bereits seit 1982 und ist damit die mit Abstand älteste und renommierteste Zeitschrift Deutschlands, die sich ausschließlich mit dem Thema Skateboarden beschäftigt. Nach Meinung des Autors wird in der Sekundärliteratur – insbesondere im Bereich des Skateboardens – durch Interpretationen und teilweise falsch wiedergegebene Sachverhalte ein ungenaues und verkehrtes Bild der Dinge abgebildet. Da eine monatlich erscheinende Zeitschrift wie das Monster Skateboard Magazin die Geschehnisse der Vergangenheit dagegen sehr genau und unverfälscht dokumentiert, werden diese Publikationen so oft es geht für die Ausführungen herangezogen.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil der Arbeit werden die Grundlagen des Skateboard-Sports erklärt. Der Autor beschreibt die verschiedenen Bestandteile eines Skateboards und wie diese zusammengesetzt sind. Er erläutert die Art und Weise, wie man auf einem Skateboard steht, und die Bewegungsabläufe, die mit dem Sportgerät ausgeführt werden können. Grundlegenden Tricks werden dabei anhand von Fotostrecken veranschaulicht. Des Weiteren werden die verschiedenen Disziplinen des Skateboardens ausdifferenziert und die Wettkampfsysteme in Deutschland, Europa und auf internationaler Ebene aufgezeigt. Zum Schluss wird der typische Ablauf bei einem Wettbewerb dargestellt und die Entwicklung des Materials beschrieben.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Geschichte des Sports und stellt den Hauptteil der Arbeit dar. Die Ausführungen beginnen bei der Frühgeschichte des Sports und beschreiben die Entstehung der ersten skateboardähnlichen Gefährte Anfang des 20.Jahrhunderts, für die die Pioniere des Sports noch Rollschuhrollen und Achsen unter einfache Holzbretter schraubten. Die nachfolgende Entwicklung wird anhand verschiedener Hochphasen dargestellt, die der Sport durchlebte. Der erste Boom erstreckte sich dabei von 1959 bis 1965. Der Autor führt aus, wie die ersten industriell gefertigten Skateboards auf den Markt kamen und der Sport aufgrund des unausgereiften Materials wieder von der Bildfläche verschwand.
Im Zuge des zweiten Booms von 1973 bis 1980 wird die Entdeckung der Polyurethan-Rolle erläutert, die für die Entwicklung des Materials sehr bedeutsam war und die erneute Popularität des Sports einleitete. Eine Gruppe von Skateboardern aus Dogtown, einem Stadtteil von Santa Monica in Kalifornien, wird vorgestellt, die einen großen Einfluss auf den Sport und das vertikale Fahren in der Halfpipe hatte. Außerdem erklärt der Autor die Bedeutung der zahlreichen Skateboard-Anlagen, den so genannten Skateparks, die Mitte der 70er Jahre in den USA entstanden, und mit deren Schließung Ende der 70er Jahre Skateboarden aus dem öffentlichen Interesse verschwand. Danach werden die Erfindung des Ollie, der wichtigste Trick beim Skateboarden, und sein Einfluss auf den Sport beschrieben.
Im weiteren Verlauf werden die Merkmale des dritten Booms von 1985 bis 1990 beleuchtet. Insbesondere die Entstehung des modernen Skateboardens auf der Straße, das so genannte Street-Skaten, dem heutzutage die größte Bedeutung beigemessen wird. Dabei wird auf den Einfluss von Skateboard-Videos als Medium der Kommunikation eingegangen und auf die Entstehung von kleineren Firmen, die ihre Produkte als erste gezielt auf das Street-Skaten abstimmten.
Als nächstes wird die Übergangsphase zum vierten Boom von 1991 bis 1994 dargestellt, in der Skateboarden eine Zeit der Umorientierung durchlebte, Halfpipe-Skaten in den Hintergrund gedrängt wurde und wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung gestellt wurden. Zum Schluss des Kapitels wird der vierte Boom von 1995 bis zur Gegenwart dargestellt und ausgeführt wie sich Skateboarden zu einer allgemein anerkannten Sportart entwickelt hat, in der die Industrie große Summen umsetzt und die Skateboarder Millionen verdienen. Außerdem werden die Bedeutung des Street-Skatens und die Wiedergeburt des Halfpipe-Fahrens erläutert.
Im nächsten Kapitel wird gesondert auf die Geschichte in Deutschland eingegangen. Von den ersten Skateboards, die in den 70er Jahren von den USA nach Amerika kamen, über die 80er Jahre, in denen der Sport auch in Deutschland sehr populär war, und die 90er Jahre, die was die Popularität angeht, einen Höhepunkt in der Geschichte des Sports in Deutschland markierten. Zum Schluss des Kapitels wird die heutige Situation des Skateboardens im neuen Jahrtausend aufgezeigt.
Im letzten Kapitel werden einige bekannte Skateboarder vorgestellt, die den Sport nachhaltig beeinflusst haben. Dabei werden die wichtigsten Fahrer der verschiedenen Dekaden von den Anfängen in den 60er Jahren über die Pioniere des vertikalen Skateboardens in den 70er Jahren und den Halfpipe-Superstars der Szene in den 80er Jahren porträtiert. Zum Schluss dieses Kapitels werden noch einige Skateboarder behandelt, die sich durch ihre innovative Trickkreationen beim Street-Skaten zu Beginn der 90er Jahren auszeichneten, sowie Halfpipe-Fahrer, die das Interesse Ende der 90er Jahre wieder auf ihre Disziplin lenken konnten.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundlegende Erläuterungen zum Skateboarden | 6 |
| 2.1 | Das Skateboard | 6 |
| 2.2 | Skateboardtricks | 10 |
| 2.2.1 | Die Fußstellung | 11 |
| 2.2.2 | Airs, Grinds, Slides und Manuals | 11 |
| 2.3 | Die Disziplinen | 15 |
| 2.3.1 | Halfpipe | 15 |
| 2.3.2 | Miniramp | 16 |
| 2.3.3 | Pool | 17 |
| 2.3.4 | Streetstyle | 17 |
| 2.3.5 | Freestyle | 17 |
| 2.3.6 | Street | 19 |
| 2.4 | Wettkämpfe | 20 |
| 2.4.1 | Wettkampfsysteme in Deutschland und Europa | 21 |
| 2.4.2 | Internationales Wettkampfsystem | 23 |
| 2.4.3 | Wettkampf-Ablauf | 25 |
| 2.5 | Entwicklung des Materials | 26 |
| 3. | Allgemeine Geschichtliche Entwicklung | 32 |
| 3.1 | Die Anfänge | 32 |
| 3.2 | Der erste Boom (1959-1965) | 35 |
| 3.3 | Der zweite Boom (1973-1980) | 39 |
| 3.3.1 | Die Entdeckung der Polyurethan-Rolle | 40 |
| 3.3.2 | Die Skateboarder aus Dogtown | 44 |
| 3.3.3 | Skateparks | 47 |
| 3.3.4 | Die Erfindung des Ollie | 50 |
| 3.4 | Der dritte Boom (1985-1990) | 52 |
| 3.4.1 | Skateboardvideos | 55 |
| 3.4.2 | Die Entstehung kleinerer Firmen | 57 |
| 3.5 | Übergangsphase zum vierten Boom (1991-1995) | 62 |
| 3.6 | Der vierte Boom (1995-heute) | 65 |
| 4. | Geschichtliche Entwicklung in Deutschland | 70 |
| 4.1 | 70er Jahre | 70 |
| 4.2 | 80er Jahre | 71 |
| 4.3 | 90er Jahre | 75 |
| 4.4 | Das neue Jahrtausend | 77 |
| 5. | Wichtige Skateboard-Fahrer | .78 |
| 5.1 | 60er Jahre | 78 |
| 5.1.1 | Phil Edwards | 78 |
| 5.1.2 | Brandon Woodward | 78 |
| 5.1.3 | Torger Johnson | 79 |
| 5.1.4 | Pat McGee | .79 |
| 5.2 | 70er Jahre | 79 |
| 5.2.1 | Tony Alva | 80 |
| 5.2.2 | Jay Adams | 81 |
| 5.2.3 | Stacy Peralta. | 81 |
| 5.2.4 | Alan Gelfand. | 82 |
| 5.2.5 | Eddie Elguera | 83 |
| 5.3 | 80er Jahre | 83 |
| 5.3.1 | Tony Hawk | 84 |
| 5.3.2 | Mike McGill | 84 |
| 5.3.3 | Steve Caballero | 85 |
| 5.3.4 | Mark „Gator“ Rogowski. | 85 |
| 5.3.5 | Mark Gonzales | 86 |
| 5.3.6 | Rodney Mullen | 87 |
| 5.3.7 | Claus Grabke | 87 |
| 5.3.8 | Tony Magnussen | 88 |
| 5.4 | 90er Jahre | 88 |
| 5.4.1 | Matt Hensley. | 89 |
| 5.4.2 | Jason Lee. | 89 |
| 5.4.3 | Ed Templeton. | 90 |
| 5.4.4 | Eric Koston | 90 |
| 5.4.5 | Jamie Thomas | 90 |
| 5.4.6 | Geoff Rowley | 91 |
| 5.4.7 | Bob Burnquist. | 91 |
| 5.4.8 | Danny Way. | 92 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 93 |
| Glossar | 97 | |
| Literaturverzeichnis | 100 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.3, Skateparks:
Als Mitte der 70er Jahre vertikales Skateboarden populär wurde, entstanden die ersten Skateparks. Öffentliche Einrichtungen in denen die Skateboarder ungestört ihrem Hobby nachgehen konnten, ohne dabei den Unmut der Anwohner auf sich zu ziehen, oder Probleme mit der Polizei zu bekommen. Die Skateparks waren aus Beton und den Schwimmbecken nachempfunden, in denen sich das vertikale Skateboarden ursprünglich entwickelt hatte. Dabei waren die Parks oftmals viel größer als einzelne Swimmingpools und ganze Beton-Landschaften bestehend aus Wellen, Pools, Halfpipes und Röhren (so genannte Fullpipes) entstanden. Außerdem gab es in den meisten Parks eine ebene Fläche für die Freestyler.
Die Skateparks waren einerseits der Versuch Skateboarden von der Straße zu holen und somit Unfällen vorzubeugen. Die Idee war einen kontrollierbaren Raum zu schaffen, in dem sich die Skateboarder bewegen konnten ohne Angst haben zu müssen in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Im Zuge dessen bestand in den Parks Schutzkleidungspflicht. Das heißt die Fahrer mussten Helm, Knie -und Ellenbogenschoner tragen, um auf dem Gelände fahren zu dürfen.
Neben dem Sicherheitsaspekt gab es noch einen zweiten entscheidenden Faktor, weshalb in den 70er Jahren in kürzester Zeit eine ganze Reihe von neuen Skateparks eröffnet wurden: Mit Skateboarden ließ sich durch das Eintrittsgeld viel Geld verdienen. Die Parks wurden von privaten Trägern gebaut und betrieben und die Tatsache, dass es bis zum Anfang der 80er Jahre hunderte von Skateparks entstanden, zeigte wie populär der Sport inzwischen war. Dabei waren die Kosten, die mit dem Bau einer solchen Anlage verbunden waren, nicht unerheblich. Der Park in Carlsbad, Kalifornien, der zweite je gebaute Skatepark, kostete immerhin 250 000 Dollar. Eine Woche vor Carlsbad eröffnete 1976 der Skateboard City Park in Port Orange Florida und war somit der erste Skatepark der Welt. Weitere Einrichtungen folgten und die bekanntesten befanden sich fast ausschließlich in Kalifornien: „The Ranch“ in Del Mare, nördlich von San Diego, die Parks in Lakewood und Whittier, und der „Pipeline“ Skatepark in Upland einem Stadtteil von Los Angeles, der als letzter Park der ersten Generation 1989 geschlossen wurde.
Da die Parks extra für das Skateboarden gebaut wurden, konnte man gezielt auf die Bedürfnisse der Skateboarder eingehen. Während dem vertikalen Skateboarden am Anfang eine natürliche Grenze durch die Swimmingpools gegeben war, konnte man nun Betonparks mit immer extremeren Formen bauen. Die Pools der Skateparks wurden immer tiefer und es entstanden die ersten Fullpipes. Die Bauweise der Betonparks war damit ganz entscheidend für die Entwicklung des modernen Skateboardens. Außerdem konnten sich die Fahrer nun ungestört bewegen und sich voll und ganz dem Erfinden von neuen Tricks widmen.
„All these parks had an undeniable effect on the evolution of Skateboarding. They pushed skating forward in an even more significant way than had the drought that caused all the empty backyard pools. Skateboarders now had a controlled, somewhat safer enviroment to experiment in, and they took advantage of it”.
In den späten 70er Jahre wurde die Association of Skatepark Owners (ASPO) gegründet, die zwei bis drei Mal im Monat Wettbewerbe in den Skateparks von Kalifornien veranstaltete. Dadurch fand ein reger Austausch zwischen den Fahrern statt und es entstand schnell eine Vielzahl neuer Tricks. Die bekanntesten Skateboarder jener Zeit waren Dave Andrecht, Eddie Elguera, Doug Saladino, Steve Cathey, Brad Bowman und Bert Lamar.
Ende der 70er Jahre ließ die Popularität des Sports wieder einmal stark nach. Schuld daran waren indirekt die Skateparks. Auch wenn die Parks die Entwicklung der Tricks weiter forcierte, so spielte sich Skateboarden doch fast ausschließlich in eben diesen Einrichtungen ab. Die Versicherungssummen, die die Betreiber an die Stadt zahlen mussten, stiegen an und wurden schließlich so teuer, dass sich die Parks nicht mehr rentierten. Als dann immer mehr Anlagen schließen mussten, ging auch das Interesse am Skateboarden schlagartig zurück. Bis 1981 wurden die meisten Parks abgerissen und die Skateboarder hatten keine Möglichkeit mehr ihren Sport auszuüben. Aber genau wie Mitte der 60er Jahre, als Skateboarden wegen des hohen Verletzungsrisikos von der Bildfläche verschwand, blieben auch diesmal einige Fahrer dem Sport treu. Und so wie damals die Erfindung der Polyurethan-Rolle den zweiten Boom begründete, sollte später das vertikale Skateboarden auf Holzrampen und besonders das Street-Skaten mit der Erfindung des Ollies, eine neue Ära des Sports einleiten.
Die Erfindung des Ollie:
Kein anderer Trick hat das Skateboarden so nachhaltig beeinflusst wie der Ollie. Mullen und Mortimer schreiben: „It`s impossible to overstate the importance of this trick (...) and skateing might easily have petered out due to lack of progress if nobody had invented the trick.” Alan Gelfand erfand den Ollie 1977 als sich Skateboarden auf Parks beschränkte und das vertikale Fahren sehr beliebt war. Die Tricks unterteilte man in die Liptricks, die auf der Kante der Pipes und Pools ausgeführt wurden, und den Airs, bei denen sich der Skateboarder in der Luft über dem oberen Abschluss der Rampe befindet. Die übliche Technik war, das Board schon in der Rampe mit der Hand zu greifen, den Sprung über die Kante der Rampe auszuführen und dabei das Board mit der Hand unter den Füßen zu halten, um dann kurz vor der Landung das Board wieder los zu lassen. Der 13-Jährige Alan Gelfand aus Florida war der erste, der es schaffte einen Air zu landen, ohne dabei das Board zu greifen. Seine spezielle Technik, bei der er kurz vor dem Absprung das Tail des Skateboards belastete, bewirkte, dass das Board unter seinen Füßen haftete, ohne dass er es mit der Hand festhalten musste. Da sein Spitzname Ollie war, wurde der Trick nach ihm benannt und der Ollie-Air war geboren. Schnell entwickelten sich aus dem normalen Ollie-Air eine ganze Reihe neuer Ollie-Variationen innerhalb des vertikalen Skateboardens. Aber erst die Übertragung des Ollies von der Vertikalen in die Horizontale eröffnetem dem Sport völlig neue Möglichkeiten und begründeten das moderne Fahren auf der Straße, das Street-Skaten.
Rodney Mullen war der erste, der auf die Idee kam, den Ollie auf die Straße zu übertragen. Mullen war Freestyler und zeigte 1982 den neuen Trick das erste Mal bei einem Wettbewerb in Whittier, Kalifornien. Es bedurfte einer leichten Modifikation der Technik um den Trick auf der Ebene auszuführen, weshalb es auch verhältnismäßig lange dauerte bis der Ollie den Weg aus der Rampe herausfand. Aber dann entwickelten sich schnell unzählige Möglichkeiten, die sich aus dem neuen Trick ergaben. Rodney Mullen war auch verantwortlich für die ersten Variationen wie zum Beispiel den Ollie-Kickflip, der aus dem Repertoire eines heutigen Skateboarders nicht weg zu denken ist. Mullen und Mortimer schreiben in der Biographie von Mullen: „To me, it served as a key that opened the door to an unlimited number of new tricks“.
Hier befindet sich in der Originalarbeit ein Foto von einem Monster-Ollie von Mullen. Leider nicht an dieser Stelle. Zu sehen in Kürze im Katalog zur Skateboardfieber-Ausstellung. Stay tuned to „skateanddestroy.de“ for more infos (siehe Abb. 21: Mullen beim Ollie, Schweden 1984).
Aber erst einmal war es der normale Ollie, der das Street-Skating von heute mit begründete. Tony Hawk, der erfolgreichste Skateboarder aller Zeiten, ist sogar der Meinung, dass Street Skating ohne den Ollie gar nicht existieren würde. Bis heute, gut zwei Jahrzehnte später, ist der Ollie immer noch der wichtigste Trick beim Skateboarden. Er ist Grundlage für fast alle anderen Tricks und das erste Manöver auf einem Skateboard, welches ein Anfänger lernt.
„Der Durchbruch des Ollies als wegweisender Skateboard-Trick wurde nicht zuletzt durch das Sterben der Skateparks in den Staaten in den frühen Achtziger beeinflusst. Möglichkeiten zum Skaten wurden rar und die logische Konsequenz war das Übertragen von Vert- und Freestyle-Manövern auf ein neues Terrain – die Straße.“ Der Ollie markiert damit einen Wendepunkt in der Geschichte des Skateboardens, die entscheidend vom Street-Skaten profitiert hat, und begründet den dritten Boom Anfang der 80er Jahre.
48,00 €
PDF-eBook Download: 48,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836613125
Arbeit zitieren:
Hälbich, Felix September 2005: Geschichte und neuere Entwicklungen des Skateboardens, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Skateboarding, Sportwissenschaft, Skaten, Jugendkultur, Sportsoziologie




