Klimawandel und Landwirtschaft
Untersuchung der Interdependenzen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Mercedes Mende, geb. Goedecke
- Abgabedatum: März 2008
- Umfang: 106 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- Bibliografie: ca. 91
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1232-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mende, geb. Goedecke, Mercedes März 2008: Klimawandel und Landwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Klimawandel, Landwirtschaft, Emissionshandel, Zertifikate, Treibhausgasemission
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Diplomarbeit von Mercedes Mende, geb. Goedecke
Einleitung:
„There is still time to avoid the worst impacts of climate change, if we take strong action now.” Es besteht heute kaum noch Zweifel daran, dass sich das globale Klima verändert und die Ursachen hierfür vor allem anthropogener Natur sind.
Der Klimawandel (KW) stellt ein ernstzunehmendes - gleichermaßen akutes wie langfristiges - umweltökonomisches Problem von globalem Ausmaß dar. Seine Folgen sind noch nicht in ihrer Gesamtheit abzusehen. Um einem gefährlichen KW entgegenzuwirken, muss in den nächsten Jahren eine Trendumkehr und bis 2050 eine Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen erreicht werden.
Aufgrund der Interdependenzen zwischen Landwirtschaft und Umwelt ist eine verstärkte Einbindung der Landwirtschaft in Klimaschutzprogramme dringend erforderlich.
Die Landwirtschaft stellt einen Wirtschaftszweig dar, der im Besonderen von der Wetter- und Klimaentwicklung abhängig ist. Als Gewerbe unter freiem Himmel ist er den zunehmenden Witterungsextremen, wie Dürre und Starkregen, in vollem Umfang ausgesetzt, wodurch sich veränderte Erntequalitäten und -erträge ergeben können. Die Klimaberichte der Vereinten Nationen haben kürzlich einmal mehr verdeutlicht, dass die Landwirtschaft ein Hauptbetroffener der klimatischen Veränderungen sein wird. Als Anpassung an den KW ist eine verantwortungsvolle Klimaschutzpolitik dringend erforderlich, da sich negative Folgen für die Landwirtschaft auch auf weitere Wirtschaftszweige und die Ernährung der Weltbevölkerung auswirken werden.
Andererseits ist die Landwirtschaft - global und national - nach dem Energie- und dem Industriesektor der drittgrößte Emittent der klimaschädlichen Gase (kG) Kohlendioxid, Lachgas und Methan. Somit stellt der Agrarsektor einen beachtenswerten Mit-Verursacher des KW dar.
Das Vorhaben dieser Arbeit ist es zu untersuchen, wie sich KW und Landwirtschaft gegenseitig bedingen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Untersuchung der deutschen und europäischen Landwirtschaft in Hinblick auf Klimaänderungen.
Als Grundlage der Arbeit soll zunächst der wissenschaftliche Kenntnisstand dargestellt und ein Überblick über den deutschen und europäischen Agrarsektor geboten werden, um dessen gesamtwirtschaftliche Bedeutung darzustellen.
Darauf folgend werden Emissionen aus relevanten Bereichen der Landwirtschaft aufgeführt, deren Höhe berechnet und einer umweltökonomischen Analyse unterzogen. Anschließend werden Strategien und Möglichkeiten zur Reduktion landwirtschaftlicher Treibhausgas (THG)-Emissionen skizziert.
Im letzten Teil der Arbeit werden die Auswirkungen des KW auf den landwirtschaftlichen Sektor betrachtet. Dabei werden bisherige Schäden durch den KW aufgezeigt sowie exemplarisch anhand der Getreideproduktion die Folgen des KW auf die landwirtschaftliche Produktion sowie auf die Versorgungssicherheit mit Getreide erläutert.
Auf die landwirtschaftlichen Bereiche Tierhaltung, Forstwirtschaft sowie auf weitere Bereiche der Nutzpflanzenproduktion wird in dieser Arbeit nicht genauer eingegangen.
Inhaltsverzeichnis:
| Verzeichnis der Abbildungen in Anhang I | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Historischer Überblick | 2 |
| 1.2 | Stand des Klimawandels | 3 |
| 1.3 | Berücksichtigung der Landwirtschaft in Klimaschutzprogrammen | 5 |
| 1.3.1 | Nationale Ebene | 5 |
| 1.3.2 | Europäische Ebene | 6 |
| 1.3.3 | Internationale Ebene | 7 |
| 2. | Der Sektor Landwirtschaft | 7 |
| 2.1 | Nationale Betrachtung | 8 |
| 2.1.1 | Nationaler Getreidemarkt | 9 |
| 2.2 | Europäische Betrachtung | 9 |
| 2.2.1 | Europäischer Getreidemarkt | 10 |
| 3. | Landwirtschaft als Emittent klimaschädlicher Gase | 10 |
| 3.1 | Landwirtschaftliche Emissionen | 11 |
| 3.1.1 | Fermentation bei der Verdauung | 12 |
| 3.1.2 | Wirtschaftsdünger-Management | 13 |
| 3.1.3 | Landwirtschaftlich genutzte Böden | 13 |
| 3.1.4 | Sonstige Emissionen | 14 |
| 3.1.5 | Zusammenfassung | 15 |
| 3.2 | Umweltökonomische Betrachtung | 15 |
| 3.2.1 | Externe Effekte des Klimawandels | 15 |
| 3.2.2 | Klima als öffentliches Gut | 19 |
| 4. | Strategien zur Reduzierung landwirtschaftlicher Emissionen | 21 |
| 4.1 | Optimierter Düngemitteleinsatz | 21 |
| 4.2 | Ökologischer Landbau | 23 |
| 4.3 | Einsatz landwirtschaftlicher Böden als Kohlenstoffsenken | 23 |
| 4.4 | Umweltpolitische Instrumente | 25 |
| 4.4.1 | Emissionsauflagen | 25 |
| 4.4.2 | Emissionssteuer | 26 |
| 4.4.3 | Emissionszertifikate | 28 |
| 5. | Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft | 33 |
| 5.1 | Bisherige Schäden durch die Klimaänderung | 33 |
| 5.2 | Szenarien steigender Oberflächentemperatur | 34 |
| 5.3 | Pflanzenproduktion unter sich veränderndem Klima | 36 |
| 5.3.1 | CO2-Düngeeffekt | 36 |
| 5.3.2 | Niederschlags- und Temperaturänderung | 38 |
| 5.3.3 | Regionale Auswirkungen auf den Getreideertrag | 39 |
| 6. Fazit | 40 | |
| Anhang I: Abbildungen | 42 | |
| Anhang II: Modelle | 59 | |
| II. 1: Modell aus Kapitel 4.3 | 59 | |
| II. 2: Modell aus Kapitel 4.4.3 | 65 | |
| Anhang III: Dokumente | 82 | |
| III. 1: Auszüge aus dem Kyoto-Protokoll | 82 | |
| III. 2: Darstellung der IPPC-Szenarien | 84 | |
| III. 3: Methodische Erläuterung zum Agrarbericht | 86 | |
| III. 4: Rechtsvorschriften für den Umgang mit Mineraldünger | 89 | |
| III. 5: Erfolgsversprechende technische Maßnahmen der EU zur Kohlenstoffeinlagerung in landwirtschaftlichen Böden | 91 | |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 93 |
Textprobe:
Kapitel 4.4, Umweltpolitische Instrumente:
Die Verwirklichung einer zielorientierten Klimaschutzpolitik stellt eine große Herausforderung für die nationale und internationale Umweltpolitik dar.
In diesem Abschnitt werden traditionelle umweltpolitische Instrumente - mit Hilfe derer der von einer Umweltbehörde vorgegebene Emissionsstandard erreicht werden soll - sowohl theoretisch dargestellt, als auch auf die Landwirtschaft angewandt, um die Eignung dieser umweltpolitischen Maßnahmen zur Reduktion landwirtschaftlicher Emissionen zu überprüfen.
Der Einsatz handelbarer Emissionszertifikate zur Mitigation von THG-Emissionen aus der Landwirtschaft wird sowohl theoretisch als auch praktisch durch eine Modellstudie dargestellt.
Zuvor soll allerdings darauf hingewiesen werden, dass sich neben den traditionellen Instrumenten weitere Eingriffsmöglichkeiten für die Politik ergeben, negative Externalitäten des landwirtschaftlichen Sektors zu internalisieren - bspw. durch verstärkte Investitionen in neue Technologien zur Verringerung der THG-Emissionen während der Agrarproduktion oder durch Herbeiführung einer Änderung der Konsumnachfrage nach Agrarprodukten, bei deren Produktion hohe Emissionen entstehen.
Emissionsauflagen:
Als Auflagen bezeichnet man die Vorgabe von Normen, deren Missachtung Zahlungen an die öffentliche Hand, bspw. an eine Umweltbehörde, nach sich ziehen. Emissionsauflagen zählen zu den Mengenlösungen - da das Emissionsziel von der Politik vorgegeben wird - und werden als ordnungsrechtliches Instrument eingesetzt.
Der Einsatz von Auflagen ist in den Fällen unumstritten, in denen ein Emissionsgrenzwert E von allen Emittenten eingehalten werden soll - d.h. Umweltauflagen erfüllen das Kriterium der ökologischen Treffsicherheit. Die hohe ökologische Effizienz wird allerdings durch fehlende Anreize zur Entwicklung neuer Technologien zur Emissionsreduzierung gemindert.
Der Nachteil von Umweltauflagen ist die fehlende ökonomische Kosteneffizienz, da alle Emittenten ungeachtet ihrer unterschiedlichen Grenzkosten die gleiche Emissionsmenge E reduzieren müssen. Die Festlegung der Reduktionsmenge unter Berücksichtigung individueller Grenzkosten ist aufgrund der Anzahl der Emittenten nicht durchführbar, da zum einen die Transaktionskosten für die Umweltbehörde zu hoch wären und zum anderen die Grenzvermeidungskosten der einzelnen Emittenten der Umweltbehörde nicht bekannt sind.
Mit der Auflagenlösung könnte nur teilweise erreicht werden, dass die landwirtschaftlichen THG-Emissionen auf eine Emissionsmenge E reduziert werden - bspw. beim Düngemitteleinsatz. Die Anwendung von Umweltauflagen auf alle Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion zur Absenkung emittierter THG auf E stellt eine große Schwierigkeit dar, weil aufgrund mangelnder Messbarkeit einiger Emissionsquelle eine mengenmäßige Reduktion dieser Emissionen kaum durchführbar ist. Die Grenzvermeidungskosten der Landwirtschaft sind außerdem sehr hoch, sodass der Einsatz alternativer Umweltinstrumente zur Erreichung eines vorgegebenen Klimaschutzzieles in Hinblick auf Kosteneffizienz als sinnvoller erachtet wird.
Emissionszertifikate:
Das Konzept des umweltpolitischen Instruments der Emissionszertifikate (im folgenden „Zertifikat“ genannt) besteht darin, eine Obergrenze der insgesamt erlaubten Emissionsmenge für einen bestimmten Bereich festzulegen und auf handelbare Zertifikate aufzuteilen. Ein Zertifikat kann somit als Genehmigung, eine bestimmte Menge an Schadstoffen zu emittieren (und die Umwelt zu schädigen), gesehen werden.
Der Einsatz von Zertifikaten stellt aufgrund der Fixierung der zulässigen Emissionsmenge eine Mengenlösung dar - im Vergleich zur Auflagenlösung wird bei Zertifikaten jedoch die Gesamtmenge an Emissionen und nicht die Emissionsmenge für jedes einzelne Unternehmen festgelegt.
Die Entscheidung, die jedes produzierende Unternehmen bei der Mengenlösung zu treffen hat, ist: entweder den Ausstoß an THG-Emissionen bei der Produktion zu verringern oder Emissionsgenehmigungen zu kaufen.
Bei Einführung des Zertifikatesystems tritt die Umweltbehörde gemäß der Property-Rights-Theorie als Eigentümer der Umwelt auf und verteilt Verfügungsrechte über deren Nutzung an emittierende Unternehmen in Form von Zertifikaten.
Die Erstausgabe dieser Zertifikate erfolgt entweder durch Verkauf einzelner Emissionserlaubnisse zu einem vorher festgelegten Preis, durch ein Auktionsverfahren - bei dem Unternehmen Emissionszertifikate ersteigern können - oder durch freie Vergabe wie bspw. „Grandfathering“. Bei letztgenanntem Verfahren orientiert sich die Umweltbehörde am Status Quo der Emissionen, d. h. so genannte Alt-Emittenten bekommen in Höhe ihrer bisherigen Emissionen kostenlos Zertifikate zugeteilt, wodurch jedoch eindeutig Neuemittenten benachteiligt werden.
Um strategisches Verhalten der Altemittenten bei der Zertifikatsausgabe zu vermeiden (bspw. durch Emissionserhöhung vor Vergabe, um mehr Zertifikate zu bekommen), sollte die von der Umweltbehörde festgelegte Bemessungsgrundlage der Zertifikatsvergabe einige Zeit zurückliegen.
Durch Vergabe einer starren Anzahl an Zertifikaten (nach Festlegung des Emissionsstandards) kann die Umweltbehörde - und zwar unabhängig der Kenntnis der aggregierten Kostenfunktion der Emissionsvermeidung der Unternehmen - eine kosteneffiziente Internalisierung der externen Effekte erreichen.
Die Anzahl der vergebenen Zertifikate wurde dann Pareto-optimal gewählt, wenn der Zertifikatepreis dem Grenznutzen entspricht, welcher durch die Verbesserung der Umweltqualität erzielt wird.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836612326
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Mende, geb. Goedecke, Mercedes März 2008: Klimawandel und Landwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Klimawandel, Landwirtschaft, Emissionshandel, Zertifikate, Treibhausgasemission




