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Elternarbeit

Eine empirische Analyse und Forderung zur Umsetzung in der Praxis

Elternarbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Brigitte Spörr
  • Abgabedatum: März 2004
  • Umfang: 63 Seiten
  • Dateigröße: 380,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Schule für Sozialbetreuungsberufe der Caritas der Diözese Innsbruck m. Öff. Recht Deutschland
  • Bibliografie: ca. 7
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1102-2
  • ISBN (CD) :978-3-8366-1102-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Spörr, Brigitte März 2004: Elternarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Elternarbeit, Eltern, Pädagogik, Behinderung, Erziehung

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Diplomarbeit von Brigitte Spörr

Einleitung:

Thema Elternarbeit - Warum?

Bei meiner Arbeit im Wohnhaus Matrei, hatte ich sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Eltern nicht genügend über verschiedene Abläufe im Wohnhaus informiert und bei Entscheidungen zu wenig einbezogen werden. Ich war teilweise auch über den Umgang mit Eltern unangenehm überrascht, da AssistentInnen und auch die Leitung oftmals in Konkurrenz zu den Eltern standen.

Die Arbeit soll ein positiver Beitrag zur Elternarbeit sein, indem ich die Ergebnisse aus Interviews mit Eltern darstelle, aber in diesem Rahmen auch Forderungen an die „Zuständigen“ daraus ableite.

Als Elternarbeit bezeichne ich in dieser Diplomarbeit die Zusammenarbeit der Eltern mit Professionellen, als auch die Arbeit der Eltern innerhalb der eigenen Familie.

Obwohl Elternarbeit in jeder Einrichtung ein wichtiges Thema ist, wurde das Thema bisher noch in keiner Diplomarbeit an der LHB gewählt.

Problematisch - weil teilweise abwertend - und bisher nicht zufriedenstellend gelöst, ist die Bezeichnung der "Behinderten" in der Gesellschaft.

In meiner Arbeit möchte ich daher folgende Formulierungen verwenden:

-Menschen mit Behinderung = "M.m.B.".

-Kinder mit Behinderung = "K.m.B.".

-Kinder mit besonderen Bedürfnissen = "K.m.b.B.".

-Die/das besondere(n) Kind(er) = "D.b.K.".

-Familien mit besonderen Kindern = "F.m.b.K.".

-... mit besonderen Kindern = "m.b.K".

-besondere Kinder = "b.K.".

Diese Abkürzungen dienen weniger der Wortersparnis, sondern sollen vielmehr "ins Auge springen".

Empirische Arbeit - Warum?

Eine Empirische Arbeit ist eine eigenständige Untersuchung zu einem Thema, bei der die Feldforschung wesentlich ist. Zum Unterschied zu einer reinen Literaturarbeit, wo die Zusammenfassung theoretischer Erkenntnisse im Vordergrund steht.

Der Grund, warum ich also diesen Weg gewählt habe ist, dass ich durch eine wissenschaftliche Untersuchung klare Ergebnisse aufzeigen möchte.

Weil mir keine empirischen Daten über die Situation von "F.m.b.K." in Tirol bekannt sind, wollte ich mittels eines strukturierten Fragebogens und Elterngesprächen die Situation von einem kleinen Teil der Eltern von besonderen Kindern erfassen und auswerten.

Theoretischer Hintergrund zur Untersuchung:

Theorie der Elternarbeit:

Ohne in eine große wissenschaftliche Diskussion einzusteigen, seien die für meine praktische Arbeit wesentliche Thesen hier angeführt, die Eltern in einer Publikation auflisten, wobei ich einige eigene Überzeugungen und Überlegungen miteinfließen lasse:

Eltern sind keine "Hilfsbedürftigen" - die Information kommt nicht an!

"Eltern behinderter Kinder brauchen und wollen auch Hilfen".

Ich glaube aber, dass Eltern zu wenig Informationen über die verschiedenen Angebote haben, um sich selber die nötige und vor allem für sie und das Kind passende Hilfe zu holen. Eine umfassende und möglichst objektive Beratung ist die Basis für eine kritische Auseinandersetzung mit den Angeboten. Wen erreichen hunderte Broschüren?

Eltern sind kompetent - sie sind die wirklichen Fachleute!

Eltern eignen sich im Zusammenleben mit ihrem behinderten Kind eine große Kompetenz, ein vielseitiges Erfahrungswissen an und werden damit zum Experten für ihr Kind.

"Dadurch werden sie zu echten Partnern der Fachleute bei der Diagnostik, Erziehung und Förderung/Therapie. Eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten liegt ... im Zusammenschluss zu Elterngruppen. So können Eltern sich gegenseitig emotionalen Halt geben und belastende Umwelterfahrungen besser bewältigen".

Ich bin der Meinung, dass Eltern durch gemeinsame Aktionen wesentlich zur Integrationsentwicklung beigetragen haben.

"Eltern machen eigene Erfahrungen" - niemand kennt das Kind besser!

Gerade das Zusammenleben und Miterleben der verschiedenen Entwicklungsschritte ihres Kindes bietet die Grundlage für das Expertentum der Eltern.

"Dieses Wissen ist für Fachleute nicht verfügbar. ... In den unterschiedlichen Perspektiven der Betroffenen und der Nicht-Betroffenen liegt jedoch eine Chance für die Zusammenarbeit von Eltern und Professionellen".

Eltern sind für die Erziehung verantwortlich - wer denn sonst?

"Die Art und Weise, wie Eltern die Behinderung ihres Kindes akzeptieren und die Verantwortung für die Entwicklung der Kinder in der Familie integrieren, gibt ihnen eine eigenständige und letztverantwortliche Position für die Entscheidungen über diagnostische und Therapeutische Wege, die beschritten werden sollen".

Manche Professionelle glauben sogar, sobald das Kind in ihrer Obhut ist, wäre die Verantwortlichkeit der Eltern ganz auszuschalten. Bei schwierigen Situationen hingegen wird genau von diesen die Verantwortlichkeit an die Eltern zurückgegeben.

Eltern und Professionelle - eine Partnerschaft:

"Die neuen Sichtweisen, die die Kompetenz und die Autonomie der Eltern unterstreichen, dürfen nicht als eine Idealisierung von Eltern oder als Gegnerschaft Eltern - Fachleute missverstanden werden. ... Jedoch sollte die Zusammenarbeit von der grundsätzlichen Anerkennung der unterschiedlichen Fähigkeiten beider Seiten getragen sein.".

Große Verbesserungen dabei wären schon möglich, wenn der gegenseitige Respekt und die Wertschätzung für die Leistungen der beiden Betreuersysteme offener gezeigt würde. Der Raum für gegenseitigen Erfahrungsaustausch ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT 5
1. EINFÜHRUNGINDASTHEMA 6
2. THEORETISCHERHINTERGRUNDZURUNTERSUCHUNG 7
2.1 Theorie der Elternarbeit 7
2.2 Theoretisches Konzept zur Untersuchung 9
3. DIEMETHODISCHEVORGANGSWEISEZURUNTERSUCHUNG 12
3.1 Mögliche Methoden zur Themenbearbeitung 12
3.2 Rechtfertigung der Methode "Strukturiertes Interview" 12
3.3 Meine Hypothesen zur Situation der Befragten 13
3.4 Die Befragungssituation 13
3.5 Auswertung der Fragebögen 14
3.6 Die Schritte der Untersuchung "Elternarbeit" 15
4. DIEEMPIRISCHEUNTERSUCHUNG 18
4.1 Allgemeine Einleitung zur Darstellung der Befragungsergebnisse 18
4.2 Das Profil der Befragten 19
4.3 Die Situation bei den Interviews 19
5. DIESOZIOLOGISCHESITUATIONDERFAMILIEN 20
5.1 Die sozioökonomische Situation der Befragten 20
5.2 Beruf und Ausbildung der Eltern 21
6. DASBESONDEREKIND -"D.B.K" 22
6.1 Die besonderen Kinder und ihr privater Bereich 22
6.2 Das Alter der besonderen Kinder 23
6.3 Die besonderen Kinder und ihr Freundeskreis 24
6.4 Der Freundeskreis der Familie mit besonderen Kindern 25
7. FREIZEITGESTALTUNG 26
7.1 Die Freizeitaktivitäten der Familie 26
7.2 Benachteiligung in der Freizeit bei "F.m.b.K." 27
8. DIEFAMILIEVON "K.M.B.B" 28
8.1 Eine Brettaufstellung-geänderte Rollenverteilung in der Familie? 28
8.2 Interpretation der Aufstellung 30
8.3 Die Rolle der Mutter 31
8.4 Die Rolle des Vaters 32
8.5 Die Rollen der Geschwister 33
8.6 Die Aufgaben weiterer Bezugspersonen 34
8.7 Die besonderen Rollen der Familienmitglieder 35
9. DIEOFFIZIELLENORGANISATIONEN 36
9.1 Die ÄrztInnen und FrühförderInnen 36
9.2 Schule und LehrerInnen 37
10. DIELEBENSQUALITÄTDER MÜTTER 38
10.1 Der typische Tagesablauf - am Wochentag 38
10.2 Der typische Tagesablauf - am Sonntag 39
10.3 Zusammenfassung des Zeitbudgets der Betreuungsperson (Mutter) 40
10.4 Die Erfassung von Einsatz und Lebensqualität 41
10.5 Persönlicher Einsatz und Lebensqualität am "Wochentag" 42
10.6 Persönlicher Einsatz und Lebensqualität am Sonntag 44
10.7 "Belastungstag" statt "Entlastungstag" 45
10.8 Kommentar der Befragten:Meine Lebensqualität in einem Satz 46
11. FORDERUNGENFÜRDIEELTERNARBEIT 47
11.1 Die Sichtweisen der Betroffenen 47
11.2 Forderungen der Eltern an Zuständige und Professionelle 47
11.3 Zusammenfassender "Forderungskatalog" 48
LITERATURVERZEICHNIS UND ANHANG 52

Textprobe:

Kapitel 11, Forderungen für die Elternarbeit:

Die Sichtweisen der Betroffenen:

Mit der empirischen Untersuchung sollte das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. Als wesentliche Ergebnisse können folgende Sichtweisen festgehalten werden:

-Mütter versuchen ihr Leben selbständig zu gestalten und es gelingt.

-Die Befragung hat Mängel in verschiedenen Bereichen aufgezeigt.

-Das Leben mit einem "b.K." ist ein lebenslanger Lernprozess für alle in der Familie.

-Wichtig sind die unterschiedlichen Sichtweisen zwischen der Sicht der Mutter - der Familienmitglieder und der Professionellen.

-Die Eltern haben eine "Langzeit-Sichtweise", das heißt, sie und das Kind verfügen über eine gemeinsame Lebensgeschichte.

-Die Geschwister haben eine "Entwicklungs-Sicht", das heißt, dass die Geschwister meist nur bis zum Auszug aus dem Elternhaus an der direkten Entwicklung teilnehmen.

-Der/die Professionelle haben eine "Blitzlicht-Sicht", das heißt, Professionelle können immer nur einen Ausschnitt der Geschichte wahrnehmen.

Forderungen der Eltern an Zuständige und Professionelle:

Nachstehende Forderungen sind von den Befragten ausdrücklich aufgestellt worden:

-Mehr Reflexion der Professionellen in ihrer Arbeit.

-Menschliche Aspekte mehr in den Vordergrund rücken.

-Organisieren von Entlastungseinrichtungen - besonders am Wochenende.

-Erfahrungsaustauschgruppen.

-Psychologische Unterstützung - besonders nach der Geburt.

-Mehr Frühförderung.

-Längere Schulpflicht für "K.m.b.B.".

-Eltern als kompetente Partner zu sehen.

-"Leitfaden" nach der Geburt.

-Mehr Integrationsaufklärungen in der Schule - Elternabende.

-Therapiefortführung auch in den Sommerferien.

Zusammenfassender "Forderungskatalog":

In einer Zusammenfassung möchte ich die Hauptthemen der Arbeit mit konkreten Forderungen für die Praxis verbinden. Es werden hier die wesentlichen Forderungen angeführt und der Bezug für die Praxis hergestellt.

Sozioökonomische Situation:

-Behindertengerechte Bauweise - bei Neubauten von Wohnanlagen als Pflicht.

-Spezielle Förderungen bei Wohnraumbeschaffung für Eltern "m.b.K.".

-Flexible Entlastungsbetreuungseinrichtungen - die besonders im ländlichen Raum fehlen: integrative Kindergärten, Schulintegration, flexible Kinderbetreuung.

Die behindertengerechte Ausstattung - breite Türrahmen, niedere Absätze zu Balkon und Terrasse, Lift usw. - bei neuerbauten Wohnanlagen und Miethäusern müssen schon bei der Planung berücksichtigt werden. Im individuellen Einzelfall sollten mögliche Umbauarbeiten zu ermöglichen sein und dafür müsste eine entsprechende Förderung zur Verfügung stehen.

Besonders im ländlichen Raum fehlen Einrichtungen vor allem für Vorschulkinder mit Behinderung. Diesbezüglich sind sowohl die Sozialsprengel mit flexiblen Betreuungsmöglichkeiten gefordert, als auch Kindergärten mit sonderpädagogisch ausgebildeten KindergärtnerInnen.

Beruf der Eltern:

-Flexible Betreuungszeiten der Kinder in den Ferien und schulautonomen Tagen von den einschlägigen Organisationen.

-Längerer Pflegeurlaub für Eltern "m.K.b.B.".

50% der Probandinnen arbeiten in Teilzeit. Laut Aussagen der Mütter stellen die Sommerferien und schulautonomen Tage eine Belastung bezüglich der Versorgung "d.K.m.B." dar. Es ist schwierig, sonderpädagogisch geschulte Tagesmütter für Kinder mit Behinderung zu finden.

Für die meisten "F.m.b.K." sind viele Arztbesuche und Therapien nötig. Daher ist es sinnvoll und nötig, den Pflegeurlaub zu verlängern und auch eine flexiblere Ausnutzung zu gewährleisten. Die Möglichkeit zur stundenweise Inanspruchnahme des Pflegeurlaubes sollte möglich sein.

Freundeskreis der besonderen Kinder:

Eltern von "K.m.B." können viel selbst zur Integration und für den Freundeskreis ihrer Kinder beitragen.

Organisationen, aber auch Gemeinden sind gefordert mehr integrative Freizeitangebote zu organisieren (Feste, Veranstaltungen, Spielenachmittage, Theater).

80% der befragten Mütter gaben an, dass der Freundeskreis ihrer Kinder innerhalb der Organisationen (Kindergarten, Schule, Werkstätte, Wohnhäuser) stattfindet. Außerhalb dieser Einrichtungen werden diese Freundschaften jedoch kaum gepflegt. Hier liegt meines Erachtens die Selbstverantwortung zu einem wesentlichen Teil bei den Eltern.

Überraschend war das Ergebnis zur Nachbarschaft, die zu 70% als positiv und zu 30% als neutral erlebt wird. Dies zeigt auch, dass bei unmittelbarer Auseinandersetzung mit der Thematik Behinderung viele Hemmschwellen abgebaut werden und sich daraus Verständnis und Interesse entwickelt.

-Freizeitgestaltung der "F.m.b.K.".

-Behindertengerechte Spielplätze.

-Behindertengerechte Schwimmbäder (Duschen, Einstiegshilfen, Warmwasserbecken, usw.).

Auch hier wieder flexiblere Entlastungsbetreuung zur Freizeitgestaltung der Familie:

Spielplätze könnten sehr wohl behindertengerecht ausgestattet werden: Hebevorrichtungen bei Rutschbahnen, spezielle Schaukeln und Wippen usw. könnten ohne großen Aufwand aufgestellt werden. Integration von "behinderten" und "nichtbehinderten" Kindern würde sich von selbst einstellen.

-Rollenverteilung innerhalb der Familie.

-Niemand kennt das Kind besser als die Mutter.

-Professionelle werden zu Bezugspersonen der Kinder aber auch der Familie.

-Mehr Anerkennung der Leistung der Väter in der Öffentlichkeit.

Mütter sind "Allroundmanagerinnen". Von den Kontakten zu den verschiedenen Einrichtungen bis hin zum Fachwissen über die Behinderung ihres Kindes decken sie meist alles ab. Dies zeigt sich auch deutlich an den vielen verschieden genannten Rollen der Mütter.

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Spörr, Brigitte März 2004: Elternarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

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