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Bedeutung und Anwendungsgebiete des RFID-Systems

Werden Verbraucher zunehmend zu gläsernen Menschen und wie können sie sich vor Datenmissbrauch schützen?

Diplomarbeit
Diplomarbeit von Halil Özel ; Abgabe Januar 2008; 99 Seiten, 929,1 KB ; Note 1,3; Sprache Deutsch
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Deutschland
Literatur- und Quellenangaben: ca. 141
Inhaltsangabe, Inhaltsverzeichnis und Textauszüge:

Einleitung:

Produktionsgüter werden nach ihrer Herstellung in den meisten Fällen mit einem Barcode für die automatische Identifikation versehen. Bevor der Barcode, wie ihn jeder kennt, entwickelt wurde, gab es keine einheitliche Kennzeichnungsmethode für Waren. Produktinformationen wie z.B. Hersteller, Verfalldatum, Preis etc. konnten nicht unmittelbar durch eine einheitliche Kennzeichnung entnommen werden. Dies sollte sich ändern und daher wurde der Barcode zur automatischen Identifikation und Datenerfassung produktbezogener Eigenschaften entwickelt.

In den 70er Jahren wurde in den USA für eine einheitliche Kennzeichnung von Produkten der Universal Produkt Code (UPC) eingeführt. Kurz darauf folgte die Einführung des Barcodes in Europa für die Kennzeichnung von Waren. Seitdem bringt der Barcode beim Einsatz viele Vorteile für Hersteller und Unternehmen mit sich, die vorher nicht denkbar waren. Nun scheint allerdings die Ära „Barcode“ durch eine neue Entwicklung (zumindest teilweise) abgelöst zu werden. Es handelt sich um eine Technologie, die dem Prinzip des Barcodes entspricht und zunehmend in den entsprechenden Anwendungsgebieten an Bedeutung gewinnt. Radio Frequency Identification, kurz RFID, ist das Zauberwort, von dessen Leistungen und Möglichkeiten die Wirtschaft und Unternehmen wie Metro Group in Europa oder Wall-Mart in den USA überzeugt sind.

Die RFID ist der neue Vorreiter im Einsatz und in der Weiterentwicklung der Kennzeichnungstechnologie. Die RFID-Technologie wird bereits in vielen Bereichen für die automatische Identifikation und für die Nachverfolgung von Objekten oder Waren entlang der Prozesskette gewinnbringend von Unternehmen eingesetzt. Als zusätzliche Möglichkeit im Vergleich zum Barcode können mit der RFID-Technologie auch Menschen identifiziert und personenbezogene Daten auf RFID-Chips und andere Datenbanken gespeichert werden. Aus diesem Grund sehen Datenschutzorganisationen und einige Politiker ein Risiko im Einsatz der RFID-Technologie bei Menschen, das die Speicherung von personenbezogenen Daten auf RFID-Chips mit sich bringen könnte. Der Mensch könnte durch die neue Technologie zunehmend zum „gläsernen Menschen“ werden, wenn wahllos personenbezogene Daten gespeichert, verknüpft und evtl. sogar für Dritte zugänglich gemacht würden, womit das Grundrecht auf „informationelle Selbstbestimmung“ verloren ginge.

Der Zugang zu der Thematik dieser Arbeit ergab sich für mich aus folgendem Grund: Während meines Studiums, wurden nicht nur Kenntnisse im Bereich der Betriebswirtschaftslehre, sondern auch Grundlagen in den Gebieten der Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik, Recht, Sozialwesen und auch Wirtschaftsmathematik übermittelt. In den Lehrveranstaltungen fielen oftmals Begriffe, wie Moral und Ethik. Aus diesem Grund galt es zu erörtern, inwieweit die Moral aus betriebswirtschaftlicher Sicht durch Unternehmen berücksichtigt werden, wenn durch neue Technologien das Persönlichkeitsrecht des Menschen betroffen bzw. gefährdet ist. In der vorliegenden Arbeit werde ich die Erkenntnisse aus Recherchen unterschiedlicher Quellen in Hinblick auf die Fragestellung: „Werden Verbraucher zunehmend durch RFID zu „gläsernen Menschen“ und wie können sie sich vor Datenmissbrauch schützen?“, kritisch reflektieren.

Gang der Untersuchung:

Im Kapitel 1 werden zunächst die RFID-Technologie, ihre Funktionen und bisherigen Anwendungsgebiete (Tier- und Personenidentifikation, Supply-Chain-Management und Logistik) vorgestellt. Wie z.B. Einkaufsprofile von Verbrauchern durch den Einsatz der RFID erstellt werden können, soll durch den Anwendungsbereich Customer-Relationship-Management (Kundenbeziehungsmanagement) dargestellt werden. Zum Ende des Kapitels 1 werden Manipulationsmöglichkeiten im Gebiet der RFID-Technologie erläutert.

Im folgenden Kapitel 2 werden weitere Anwendungsgebiete der RFID-Technologie in Verbindung mit dem Menschen vorgestellt und es wird untersucht, ob die Sorgen der Datenschützer und Politiker berechtigt sind, dass der Mensch durch die Technologie durchsichtiger wird und sein Recht auf „informationelle Selbstbestimmung“ verliert.

Im dritten und letzten Kapitel wird schließlich untersucht, ob das BDSG ausreichend seine Anwendung findet, wenn personenbezogene Daten durch RFID-Systeme gespeichert werden, und wie die personenbezogene Daten der Kunden vor Missbrauch geschützt werden können. Im Ausblick wird dargestellt, wie es in der Zukunft um die RFID-Technologie, den Datenschutz und die Akzeptanz der Technologie durch die Gesellschaft bestellt ist.

nhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
2. ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER RADIO-FREQUENCY-IDENTIFICATION 4
3. WAS IST RFID? 4
3.1 Auto-ID-Systeme 5
3.2 Barcode vs. RFID 6
3.3 EPC-Global Network (EPC-Gen1) 8
3.4 RFID-Generation2 (EPC-Gen2) 9
4. ALLGEMEINE FUNKTION DES RFID-SYSTEMS 10
4.1 TRANSPONDER 11
4.2 BAUFORM EINES TRANSPONDERS 12
4.3 STROMVERSORGUNG BEI AKTIVEN UND PASSIVEN TRANSPONDERN 13
4.4 LESEGERÄT 15
4.5 BAUFORM VON LESEGERÄTEN 15
4.6 KOSTENPUNKT BEI DER EINFÜHRUNG DES RFID-SYSTEMS 16
4.7 TECHNISCHE SCHWIERIGKEITEN DER RFID-TECHNOLOGIE 17
5. ANWENDUNGSBEREICHE DER RFID-TECHNOLOGIE 17
5.1 TIERIDENTIFIKATION 17
5.2 PERSONENIDENTIFIKATION 18
5.3 SUPPLY CHAIN MANAGEMENT SCM 18
5.4 LOGISTIK 20
5.5 CUSTOMER RELATIONSHIP MANAGEMENT CRM 21
5.6 RFID-EINSATZ AM BEISPIEL DES METRO GROUP FUTURE STORE INOVATIONS CENTER 23
6. RFID Manipulation, Sicherheit und Angriffsmethoden 27
7. FAZIT 1 30
8. DER „GLÄSERNE MENSCH“ 31
9. Gefahr des „gläsernen Bürgers“ durch RFID-Einsatz 32
10. Weitere Anwendungsbereiche der RFID-Technologie 34
10.1 RFID-Kunststoffkapselnals Implantat 35
10.2 RFID-Chip im Reisepass 35
10.3 Der „Gläserne Patient“ (elektronische Gesundheitskarte) 36
10.4 RFID auf Medikamente 37
10.5 RFID bei der Mauterfassung 38
10.6 RFID - Unterhaltung und Entertainment 38
10.7 RFID in Bibliotheken 38
10.8 RFID per Handy 39
10.9 RFID bei der Zugangskontrolle 39
10.10 RFID-Chips in Kundenkarten 39
11. Der Vernetzte Verbraucher 41
11.1 Szenario 42
11.2 Big-Brother-Awards Negativpreisverleihung 43
12. Fazit 2 45
13. Das „Internet der Dinge“ 46
14. Europäische Datenschutzrichtlinie 47
14.1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) 48
14.2 Definition „Datenschutz“ 48
14.3 Anwendungsbereiche des Bundesdatenschutz Gesetzes 49
15. Unterliegen RFID-Tags dem Bundesdatenschutz Gesetz? 50
15.1 RFID-Funktion: Version 1 50
15.2 RFID-Funktion: Version 2 51
15.3 RFID-Funktion: Version 3 52
16. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung 52
16.1 Zulässigkeit der Datenerhebung, -verarbeitung, -nutzung 53
16.2 Recht auf Durchsichtigkeit (Transparenzgebot) 56
17. Verbesserung des Bestehenden Schutzes 59
17.1 Kennzeichnungspflicht von RFID-Produkten 59
17.2 Auskunftspflicht über gespeicherte Daten 60
17.3 Selbstverpflichtung 60
17.4 Authentifizierung 60
17.5 Verschlüsselung 61
17.6 Blocker-Tags 61
18. Weitere Schutzvorkehrungen 61
19. Abschließendes Fazit 62
20. Ausblick 65
LITERATURVERZEICHNIS 72
ANHANG 87

Textprobe:

Kapitel 11., Der Vernetzte Verbraucher:

Eine Studie durch die EU-Kommission hat ergeben, dass Verbraucher eher eine negative Einstellung zur RFID-Technologie haben denn sie befürchten eine Verletzung ihrer Privatsphäre und das Ausspionieren ihres Konsumverhaltens. Gesetzliche Regelungen sollten Verbraucher vor Risiken schützen, was die Industrie allerdings vermeiden möchte.

Das Erheben von personenbezogene Daten ist für Unternehmen von großer Bedeutung und steht im Mittelpunkt des Einsatzes der RFID-Technologie. Konsumenten können erst einen außerordentlichen Service erhalten, wenn über ihre Person mehr Informationen erhoben und gespeichert werden (siehe auch Kapitel 1, Customer Relationship Management). Dass die Privatsphäre dadurch berührt wird, wird nicht berücksichtigt. Allerdings wurden bisher gesellschaftliche Anforderungen durch die Industrie erkannt und dabei versucht, ein gesetzes- und normgerechtes Verhalten umzusetzen, damit für die Verbraucher Transparenz erzeugt wird.

Szenario:

Für die Wirtschaft kommen die Smart-Tags wie gerufen. Wenn der Konsument mit einem Chip, sei es in Form einer Kundenkarte/Kreditkarte, im Personalausweis oder auch als Implantat ausgestattet wird, können zusätzliche Verknüpfungen durch CRM-Systeme der jeweiligen Unternehmen und somit Bewegungsprofile erstellt werden. Es handelt sich dabei um eine neue effektive Methode mit zahlreichen Techniken, die zusätzlich das Datensammeln ermöglicht. Folgendes Zukunftsszenario zeigt, welche Folgen es haben kann, wenn Unmengen an Daten über eine Person im Umlauf sind und in den verschiedensten Bereichen ohne den Einfluss der Betroffenen miteinander verknüpft werden.

„Pizzalieferant Marly: Pizza Palace Lieferung in 30 Min. oder Geld zurück, mein Name ist Marly wie lautet ihre Bestellung? Mr. Kelly: Hi Marly, ja, ich möchte bestellen… Marly: Mr. Kelly, richtig? Mr. Kelly: aaa…. Ja…Marly: Danke, dass Sie wieder anrufen, Ihre nationale Identifikationsnummer lautet: 6102049998 – 45 – 54610 richtig? Mr. Kelly: aaa….. ja.

Marly: Danke Mr. Kelly, ich sehe Ihre Adresse lautet 736 Montrose Court und Sie rufen von ihrem Handy aus an, sind sie zu Hause? Mr. Kelly: aaa… nein, ich bin auf der Arbeit Marly: Oh wir können zu Bobs Autoteile liefern, 175 Lincoln AVE richtig? Mr. Kelly: Nein, ich bin auf dem Weg nach Hause, woher wissen Sie das alles? Marly: Oh wir sind jetzt mit dem System verbunden Mr. Kelly: Hm… ich möchte 2 Ihrer Spezialpizzen mit doppelt Fleisch bestellen.

Marly: O.k., darauf gibt es aber 20 Dollar Aufpreis Mr. Kelly: Was meinen Sie? Marly: Laut dem System zeigen Ihre medizinischen Daten, dass Sie einen extrem hohen Blutdruck und Cholesterinspiegel haben. Wir haben einen Vertrag mit ihrer Krankenversicherung, sodass Sie die Pizza bestellen können, wenn Sie schriftlich auf alle diesbezüglichen Krankenkassenzahlungen verzichten Mr. Kelly: Was? Marly: Stimmen Sie zu? Sie können die Verzichtserklärung bei der Lieferung unterschreiben, es kommen aber Verwaltungsgebühren dazu, das Ganze macht 67 Dollar. Mr. Kelly: 67 Dollar? Marly: inklusive 15 Dollar Aufschlag für das Liefern in einer orangefarbenen Gefahrenzone Mr. Kelly: Ich lebe in einer orangenfarbenen Zone? Marly: Natürlich, da war ein weiterer Überfall in Ihrer Straße gestern, hmmmm… Sie könnten 48 Dollar sparen, indem sie unsere Gemüsepizza bestellen und sich die Pizza selber abholen. Es sind Tofustäbchen dabei, sehr lecker und gesund. Mr. Kelly: Aber ich möchte doppelt Fleisch!

Marly: Dann können Sie sich auch die 67 Dollar leisten, … Sie haben eben Tickets nach Hawaii bestellt, die waren auch nicht billig, aaa… ich sehe gerade, Sie haben letzte Woche das Buch „Sparen im Urlaub ausgeliehen“, Ihre Entscheidung! Mr. Kelly: O.k., o.k. ich nehme die Gemüsepizza Marly: Gute Wahl, Sie müssen auf ihre Linie achten wenn Sie an den Strand wollen. Ein Meter Bauchumfang he? Wow.. da haben Sie das Gemüse nötig. Mr. Kelly: (Genervt) Wie viel macht das? Marly: Es gibt ein Rabatt-Coupon über 3 Dollar in der aktuellen Ausgabe von Total Men´s Fitness, ihre Frau abonniert die, oder? Das macht dann zusammen 19.99 Dollar. UPS.. alle ihre Kreditkarten sind am Limit, halten sie Bargeld bereit.“ „Big Brother Awards“ Negativpreisverleihung:

Der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehres (FoeBud e.V.) hat sich zur Aufgabe gemacht, Verbraucher über die Möglichkeiten der RFID-Technologie aufzuklären. Neben einer sinnvollen Nutzung der RFID-Technologie können bestimmte Funktionen dieser Technik auch so genutzt werden, dass die Privatsphäre, die Rechte der Bürger und der Datenschutz gefährdet sind. Ziel der Datenschutzorganisation FoeBud e.V. ist, die kritische Ermittlung der Technik und Politik und deren menschenwürdige Gestaltung. Es besteht der Anschein, dass die Demokratie „verdatet und verkauft“ wird und Menschen nur als Marketingobjekte oder Manövriermasse behandelt werden. Seit 2000 wird in Deutschland der Negativpreis „Big-Brother-Awards“ verliehen. Der Zweck der Verleihung ist, auf die Privatsphäre und auf den Datenschutz aufmerksam zu machen und in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass mit Technik und Informationen missbräuchlich umgangen wird. Der Veranstalter der BBA ist der Bielefelder FoeBud e.V. in Zusammenarbeit mit sechs weiteren unabhängigen Organisationen. Die Metro Group bekam 2003 den Big-Brother-Award in der Kategorie „Verbraucherschutz“ für das Pilotprojekt „Future Store“ in Verbindung mit RFID. Ein Autor namens George Orwell schrieb bereits in den Jahren 1946 und 1947 einen Science-Fiction-Roman, in dem ein totalitärer Überwachungsstaat im Jahr „1984“ dargestellt wird. Der Name Big-Brother-Awards wurde George Orwells negativem Zukunftsbild „1984“ entnommen.

Behörden, Organisationen oder Personen, die für das Jahr 2007 eine negative Auszeichnung erhielten, können aus dem Anhang (S. XXIII ff.) entnommen werden. Außerdem wird im Anhang ein Unternehmen (Schober Information Group) vorgestellt, das sich auf das Speichern, Verknüpfen und Weitergeben von personenbezogenen Daten spezialisiert hat, allerdings nicht in Verbindung mit der RFID-Technologie. Hier soll gezeigt werden, wie wertvoll und bedeutend Daten einer Person sein können und diese ebenfalls mit gesammelten Daten durch RFID-Systeme verknüpft werden können.

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/11101
Arbeit zitieren: Özel, Halil Januar 2008: Bedeutung und Anwendungsgebiete des RFID-Systems, Hamburg: Diplomica Verlag
Bestellmöglichkeiten und Preise:

Bezugspreis eBook (PDF-Datei) per Download: EUR 48,00 inkl MwSt.
Bestellnummer: ISBN 978-3-8366-1101-5
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