Terror Global, Diskurs lokal
Die Darstellung von Terrorismus in deutschen und arabischen Elite-Zeitungen am Beispiel der Anschläge von London und Sharm El-Sheikh im Juli 2005
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Antje Glück
- Abgabedatum: Februar 2007
- Umfang: 407 Seiten
- Dateigröße: 2,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- Bibliografie: ca. 435
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0658-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Glück, Antje Februar 2007: Terror Global, Diskurs lokal, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Islam, Terrorismus, Zeitung, Anschlag, Sharm El-Sheikh
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Diplomarbeit von Antje Glück
Problemstellung:
Globale Medienereignisse wie Klimakatastrophen oder terroristische Akte sollten – so könnte vermutet werden – durch die globale Betroffenheit eine weltweit agierende und sich koordinierende Zivilgesellschaft erzeugen, auch wenn sie nur zeitlich begrenzt in Erscheinung tritt. Die vorliegende Arbeit möchte dieser Frage nachgehen, indem die Berichterstattung über zwei terroristische Akte untersucht wird, die zeitlich fast synchron, aber lokal unterschiedlich stattfanden. Von einer medialen grenzüberschreitenden Öffentlichkeit soll gesprochen werden, wenn eine zeitgleiche Themenagenda vorhanden ist, ähnliche Interpretationsmuster (Priming und Framing) benutzt werden sowie der jeweils andere Diskurs und dessen Teilnehmer als legitime Sprecher wahrgenommen werden (Bezugnahme).
In einer zweiten Frage, die mit der ersten eng zusammenhängt, soll der Grad der Ähnlichkeit ermittelt werden, den deutsche und arabische Medieninhalte bei der Berichterstattung über islamistisch motivierte Anschläge aufweisen. Grundannahme ist, dass beide Mediengruppen sehr ähnliche Quellenausgangsvoraussetzungen haben. In welchem Ausmaß berichten die Medien über Terrorismus, und mit welcher Färbung? Welche Anschlussdiskurse initiieren Massenmedien? Anschließend soll auf der Kommunikatorebene ermittelt werden, welche externen Einflussfaktoren die journalistische Berichterstattung in diesem speziellen Fall determinieren. Dazu gehören sowohl lebensweltliche Einflussfaktoren auf der individuellen Ebene als auch Strukturen des Organisationssystems Redaktion.
Es soll ein Vergleich durchgeführt werden von deutschen und arabischen Elite-Zeitungen, da diese als ihre Zielgruppe u.a. die Eliten eines Landes ansehen und somit am ehesten einen inter-elitären Bezug zu anderen Räumen herstellen können und sollen. Zwar stammen die Zeitungen aus sehr unterschiedlichen Mediensystemen (deutschen Zeitungen aus einem libertären Pressemarkt, eine arabische Zeitung aus einem autoritären System, während die zweite als transnationale Zeitung einen Zwischenstand einnimmt).
Für alle Zeitungen gelten aber ähnliche Nachrichtenfaktoren, Quellen, Zugänge und Berichterstattungsroutinen. Untersucht wurden für Deutschland die ideologischen Gegenpole Frankfurter Allgemeine Zeitung und Frankfurter Rundschau, für den arabischen Raum die transnationale Al-Hayat und die auflagenstärkste arabischsprachige Zeitung Al-Ahram aus Ägypten.
In einer Inhaltsanalyse (Stichprobe N=635 Artikel) wurde eine Reihe von Variablen codiert, die sich zu acht Dimensionen zusammenfassen lassen: Thema, Prominenz, Zeitverlauf, journalistisches Handwerk, Informationsurheberschaft, Terrorismusbezug und Darstellung des kulturell „Anderen“. Die Stichprobe umfasst jeweils die 9 Folgetage nach den beiden „Juli-Anschlägen“ des Jahres 2005 in London und Sharm El-Sheikh.
Hinzu kam eine mediale Diskursanalyse, die sich speziell der Ereigniskommentierung widmete. Die 45 ausgewählten deutschen und arabischen Artikel wurden nach dem Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring einer induktiven Kategorienbildung auf Aussagenebene unterzogen, die sich in neun Dimensionen gliederte: Islamistischer Terrorismus, Motiv-, Ursachen- und Konsequenzen-Attribution, Reaktionen, das Selbst und der Andere (Muslime), das Ereignisgeschehen von London und von Sharm El-Sheikh sowie die Einbettung des Terror-Aktes. Neben der Spannbreite der Argumente wurde auch deren Häufigkeit erfasst.
Der Test auf Homogenität der Berichterstattung ergab für die ähnlichen Merkmale einen Anteil von 61 % (5,5 Punkte auf einer Skala mit 9 Ausprägungen). Die homogenen Merkmale beschränken sich dabei auf die Bereiche des journalistischen Handwerks, der verwendeten Quellen, des Interpretationskontextes für Terrorismus und der gegenseitigen Thematisierung als der „Andere“. Während die Prominenz der Terrorismus-Darstellung, ihr Zeitverlauf und die Feinanalyse des medialen Diskurses sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede aufwiesen, wichen deutsche und arabische Medien vor allem in der Themenagenda und den gegenseitigen Bezugnahmen voneinander ab.
Wenn deutsche und arabische Medien über Terrorismus berichten, dann also mit einer leicht erhöhten homogenen Tendenz, die vor allem im Bereich der Quellen und journalistischen Formstandards zu finden ist, jedoch deutlich weniger auf inhaltlicher Ebene.
Die Feinanalyse der Aussagen innerhalb des Kommentardiskurses ergab für beide Mediengruppen eine große Bandbreite an Argumenten, die jedoch in unterschiedlichen Schwerpunktbereichen eingesetzt wurden. Deutsche Zeitungen diskutierten in den Kommentaren am häufigsten über das unmittelbare Geschehen in London und über die Effizienz westlich initiierter Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus in Vergangenheit und Gegenwart. Arabische Zeitungen hingegen konzentrierten sich auf die Ursachen für Anschläge und verfolgten einen multiperspektivischen Ansatz bei den Reaktionsmöglichkeiten darauf. Zudem wurde die Stellung der Muslime und muslimischen Minderheiten im westlichen Ausland als unschuldiges Opfer der Anschläge thematisiert und damit die westliche Welt indirekt einer gewissen Islamfeindlichkeit beschuldigt.
Setzt man die Ergebnisse nun speziell in den Kontext der Frage nach einer medialen transnationalen Öffentlichkeit, so erscheint diese nur ansatzweise. Die durchwachsene, eher ungleiche Themenagenda, die mäßig homogene Zeitverlaufsanalyse und die häufig nicht vorhandenen Bezugnahmen auf den Diskurs der „anderen Seite“ lassen nur ansatzweise einen transnationalen Diskurs und eine transnationale Medienöffentlichkeit zu. Die Berichterstattung beschäftigt sich zwar mit ähnlichen Themendimensionen, verharrt im Detail aber in nationalen Interpretationsstrukturen.
Neben den bisherigen zwei Analysemethoden wurden leitfadengestützte Interviews mit je einem Redakteur der beiden deutschen Medien geführt. Die Interviewpartner repräsentierten in den erhobenen Kategorien mit Ausnahme der ideologischen Blattlinie sehr ähnliche lebensweltliche Prägungen, Einstellungen und Meinungen. Die Organisationsebene zeigte bei FAZ und FR im vorliegenden Fall deutliche Entsprechungen. Redakteure, die für die Berichterstattung über Terrorismus zuständig sind, zeigen Ähnlichkeiten in Ausbildung und professionellen Kompetenzen, Bewusstsein der Problematik, Begriffs-Semantik, Vorgaben der Institution und in den redaktionellen Routinen. Generell erscheinen schriftlich fixierte Redaktionslinien nicht zur Koordinierung der Terrorismus-Berichterstattung erforderlich, da die Zeitungen Distanz zu den Terroristen wahren wollen und das Neutralitätsgebot weitgehend zu erfüllen versuchen. Wichtig hingegen ist die Qualifizierung der Korrespondenten im Ausland, die nötige Sprach- und Landeskompetenz sowie handwerkliche Fähigkeiten besitzen sollten.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorbemerkungen zur Schreibweise | V | |
| EINLEITUNG | 1 | |
| Begründung des Forschungsvorhabens und Zielstellung | 1 | |
| Untersuchungsansatz der Arbeit | 2 | |
| TEIL I. | THEORETISCHER RAHMEN | 4 |
| 1. | NORMEN- UND STRUKTURKONTEXT: DETERMINIERENDE FAKTOREN DES JOURNALISMUS | 5 |
| 1.1 | Medien und Politik | 5 |
| 1.1.1 | Perspektive 1: Klassische Erklärungsansätze | 5 |
| 1.1.2 | Perspektive 2: Politik als Systemumwelt des Journalismus | 6 |
| 1.1.3 | Zwischenfazit | 7 |
| 1.2 | Rahmenbedingungen der Mediensysteme | 7 |
| 1.2.1 | Deutschland | 8 |
| 1.2.2 | Die arabische Welt | 9 |
| 1.2.3 | Ägypten | 12 |
| 1.2.4 | Zwischenfazit | 13 |
| 1.3 | Ein strukturalistischer Ansatz: die Systemtheorie nach Niklas Luhmann | 14 |
| 1.3.1 | Zwischenfazit | 17 |
| 1.4 | Ein integraler Ansatz nach Weischenberg | 17 |
| 2. | ANSÄTZE AUS DER MEDIENWISSENSCHAFT | 18 |
| 2.1 | Die Konstruktion von Realität - Erkenntnistheorien | 18 |
| 2.1.1 | Realismus | 19 |
| 2.1.2 | Konstruktivismus | 20 |
| 2.1.3 | Der Rekonstruktions-Dekonstruktions-Ansatz nach Hafez | 22 |
| 2.2 | Die Produktion von Medieninhalten | 23 |
| 2.2.1 | Agenda-Setting, Priming, Framing | 23 |
| 2.2.2 | Die Nachricht | 25 |
| 2.2.3 | Globalisierte Nachrichtenströme | 29 |
| 2.3 | Arten von Journalismus | 32 |
| 2.3.1 | Journalismus in Krisen und Konflikten | 32 |
| 2.3.2 | Auslandsjournalismus | 35 |
| 2.3.3 | Zwischenfazit | 39 |
| 3. | DER BEGRIFF DER TRANSNATIONALEN ÖFFENTLICHKEIT | 39 |
| 3.1 | Öffentlichkeit und Medienöffentlichkeit: Begriffsklärung | 39 |
| 3.1.1 | Öffentliche Meinung | 40 |
| 3.1.2 | Die mediale Öffentlichkeit nach Weßlers Öffentlichkeitsmodell und aus systemtheoretischer Sicht | 41 |
| 3.2 | Transnationale Öffentlichkeit | 43 |
| 3.2.1 | Begriffsbestimmung I: Transnational | 43 |
| 3.2.2 | Begriffsbestimmung II: Transnationale Öffentlichkeit | 43 |
| 3.2.3 | Exkurs: Weltgesellschaft oder Partikularismus? | 44 |
| 3.2.4 | Die transnationale Medienöffentlichkeit | 47 |
| 3.3 | Exkurs: Regionale Öffentlichkeiten | 48 |
| 3.3.1 | Regionale Öffentlichkeiten I: Europa | 48 |
| 3.3.2 | Regionale Öffentlichkeiten II: Arabisch-islamische Welt | 49 |
| 3.4 | Zwischenfazit | 50 |
| 4. | BEGRIFFSVERSTÄNDNIS: TERRORISMUS | 51 |
| 4.1 | Etymologie: „Terrorismus“ und „Al-Irhab“ | 51 |
| 4.2 | Zur Definition des Begriffs „Terrorismus“ - Politische und institutionelle Ansätze | 52 |
| 4.2.1 | Arbeitsdefinition | 54 |
| 4.3 | Typen und Strukturen von Terrorismus | 54 |
| 4.3.1 | Religiöser Terrorismus | 55 |
| 4.3.2 | Internationaler und transnationaler Terrorismus | 57 |
| 4.3.3 | Transnationaler religiöser (islamistisch motivierter) Terrorismus | 58 |
| 4.4 | Länderspezifische Erfahrungen mit T-Akten | 60 |
| 4.4.1 | Bundesdeutscher und europäischer Kontext | 60 |
| 4.4.2 | Ägyptischer und arabischer Kontext | 61 |
| 4.5 | Zwischenfazit | 62 |
| 5. | DER TERRORISMUS UND DIE MEDIEN | 62 |
| 5.1 | Der Terrorismus als Kommunikationsstrategie? | 62 |
| 5.2 | Teilnehmer am T-Kommunikationsprozess | 64 |
| 5.2.1 | Faktor Terroristen: Instrumentalisierungsstrategien | 65 |
| 5.2.2 | Faktor Medien: Die Symbiose-Theorie | 67 |
| 5.2.3 | Exkurs 1: T-Akte in der Medienforschung | 69 |
| 5.2.4 | Exkurs 2: Der 11. September 2001 und der Aufstieg des Fernsehens zum Krisen-Leitmedium | 73 |
| 5.2.5 | Faktor Politik: Kontroll-Lust | 74 |
| 5.2.6 | Faktor Publikum: Entertainment | 74 |
| 5.2.7 | Der mediale Umgang mit Terrorismus: Perspektiven | 75 |
| 5.3 | Zwischenfazit | 75 |
| 6. | BEGRIFFSVERSTÄNDNIS: ISLAM, GEWALT UND TERRORISMUS | 76 |
| 6.1 | Islam - Islamismus - Fundamentalismus | 76 |
| 6.1.1 | Der „Islamist“ | 77 |
| 6.1.2 | Der „Fundamentalist“ | 80 |
| 6.2 | Zum Gewaltverhältnis im Islam | 82 |
| 6.2.1 | Gewalt, Kampf, Krieg | 82 |
| 6.2.2 | Der Dschihad-Begriff | 82 |
| 6.3 | Zwischenfazit | 86 |
| 7. | DER „ANDERE“ IN DEN MEDIEN - MEDIALE REPRÄSENTATIONEN DES ISLAMS UND DES WESTENS | 87 |
| 7.1 | Stereotypen, Vorurteile, Feindbilder | 87 |
| 7.2 | Der Islam und die arabisch-islamische Welt aus der Sicht des Westens | 88 |
| 7.2.1 | Im Bild des Anderen | 88 |
| 7.2.2 | 1001 Bild: Historische Entwicklung des Orientbildes | 89 |
| 7.2.3 | Gegenwarts-Ansichten der arabisch-islamischen Welt | 89 |
| 7.2.4 | Mediale Bilder des Islams | 90 |
| 7.3 | Der Westen aus der Sicht der arabisch-muslimischen Welt | 91 |
| 7.3.1 | Barbaren: Historische Entwicklung des Bildes der westlichen Welt | 91 |
| 7.3.2 | Gegenwarts-Ansichten der westlichen Welt | 92 |
| 7.3.3 | Mediale Bilder des Westens | 93 |
| 7.4 | Zwischenfazit | 93 |
| 8. | ZUSAMMENFÜHRUNG DER ANSÄTZE ENTWICKLUNG VON FORSCHUNGSFRAGEN | 94 |
| 8.1 | Forschungsfragen | 94 |
| 8.2 | Hypothesenbildung aus den Forschungsfragen | 95 |
| 8.2.1 | Umfang und Darstellungsweise | 95 |
| 8.2.2 | Inhalt und journalistische Qualität | 95 |
| 8.2.3 | Externe Dimensionen | 96 |
| EXKURS: EREIGNIS-CHRONOLOGIE | 97 | |
| 9. | KURZE CHRONOLOGIE DER JULI-ANSCHLÄGE | 98 |
| 9.1 | Vorgeschichte | 98 |
| 9.2 | Der 7. Juli 2005: Die Anschläge in London | 98 |
| 9.2.1 | Tathergang | 98 |
| 9.2.2 | Täter | 99 |
| 9.2.3 | Zweifel an der offiziellen Version | 99 |
| 9.2.4 | Reaktionen und Nachfolge-Ereignisse | 100 |
| 9.2.5 | Exkurs: Londons Anti-Terror-Politik - ein Kurzüberblick | 100 |
| 9.3 | Der 23. Juli 2005: Die Anschläge in Sharm El-Sheikh | 100 |
| 9.3.1 | Tathergang | 100 |
| 9.3.2 | Täter | 101 |
| 9.3.3 | Reaktion | 101 |
| TEIL II. | METHODIK | 102 |
| 10. | ALLGEMEINES FORSCHUNGSDESIGN | 103 |
| 10.1 | Quantitative versus qualitative Analysemethoden - Begründung der Methodenwahl | 103 |
| 10.2 | Empirische Operationalisierung der Schlüsselbegriffe | 104 |
| 10.2.1 | Die „temporäre transnationale Weltöffentlichkeit“ und deren Diskurs | 104 |
| 10.2.2 | Die einzelnen Bedingungen für „Welt-Öffentlichkeit“ | 105 |
| 10.2.3 | „Homogenität“ | 106 |
| 10.3 | Zur Komparatistik von Medienkulturen | 106 |
| 10.3.1 | Ausgangsüberlegungen | 106 |
| 10.3.2 | Mediensysteme | 107 |
| 10.3.3 | Die Einbettung in den Kulturraum - Untersuchungsansatz | 108 |
| 10.3.4 | Sprachbarrieren | 109 |
| 11. | DIE AUSGEWÄHLTEN FORSCHUNGSMETHODEN | 110 |
| 11.1 | Die quantitative Inhaltsanalyse | 110 |
| 11.1.1 | Definition und Begründung der Methodik | 110 |
| 11.1.2 | Grenzen der quantitativen Inhaltsanalyse | 111 |
| 11.1.3 | Kategorienbildung | 111 |
| 11.1.4 | Untersuchungszeitraum und Item-Auswahl | 113 |
| 11.1.5 | Auswahl der Medien und Medienprofile | 114 |
| 11.2 | Die Argumentationsanalyse | 119 |
| 11.2.1 | Problemverständnis und Definition | 119 |
| 11.2.2 | Das Argument | 120 |
| 11.2.3 | Rahmen- und Geltungsbedingungen für Argumentation | 121 |
| 11.2.4 | Der Diskurs | 122 |
| 11.2.5 | Diskurs-Sonderfall: Der Mediendiskurs | 123 |
| 11.2.6 | Ansatz zu einer medialen Diskursanalyse und Methodenwahl | 125 |
| 11.2.7 | Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring | 127 |
| 11.2.8 | Begründung der Materialauswahl der Artikel | 130 |
| 11.3 | Die qualitative Befragung | 130 |
| 11.3.1 | Definition und Begründung der Methode | 130 |
| 11.3.2 | Grenzen der qualitativen Befragung | 131 |
| 11.3.3 | Die ausgewählten Journalisten | 132 |
| 11.3.4 | Die Fragestellungen | 132 |
| TEIL III. | ERGEBNISSE | 133 |
| 12. | ERGEBNISSE DER INHALTSANALYSE | 134 |
| 12.1 | Formale Kriterien | 134 |
| 12.1.1 | Allgemeines: Anteil der Berichterstattung an den T-Akten | 134 |
| 12.2 | Zeitverlaufsanalyse | 136 |
| 12.2.1 | Zeitverlaufsanalyse der gesamten Berichterstattung | 137 |
| 12.2.2 | Zeitliche Publikationsnähe zum Ereignis - Aktualität | 138 |
| 12.2.3 | Themenspezifische Zeitverlaufsanalyse | 139 |
| 12.2.4 | Themengleichheit in der Berichterstattung | 140 |
| 12.2.5 | Zwischenfazit | 141 |
| 12.3 | Prominenz von Terrorismus | 141 |
| 12.3.1 | Artikelumfang und Artikelfläche | 141 |
| 12.3.2 | Platzierung | 143 |
| 12.3.3 | Ressort | 144 |
| 12.3.4 | Kontext | 145 |
| 12.3.5 | Entwicklung eines Prominenz-Indexes | 147 |
| 12.4 | Informations-Urheberschaft: Artikel-Verfasser und Quellen | 148 |
| 12.4.1 | Verfasser von Textbeiträgen | 148 |
| 12.4.2 | Quellen in Textbeiträgen | 149 |
| 12.4.3 | Verfasser von Fotos und Grafiken | 151 |
| 12.4.4 | Zwischenfazit | 152 |
| 12.5 | Beitragsdimensionen | 152 |
| 12.5.1 | Der Vordergrund: Themen - Akteure - Orte (Text) | 152 |
| 12.5.2 | Der Vordergrund II: Themen - Akteure - Orte (Bild) | 162 |
| 12.5.3 | Zwischenfazit | 165 |
| 12.6 | Die journalistische Qualitäts-Dimension | 166 |
| 12.6.1 | Der Hintergrund: die Fundierung der Texte | 166 |
| 12.6.2 | Positionsvielfalt und journalistische Wertungen | 168 |
| 12.6.3 | Grundtenor der Beiträge - Wertungen der Journalisten | 170 |
| 12.6.4 | Beitragscharakter | 172 |
| 12.6.5 | Darstellungsform | 172 |
| 12.6.6 | Bildcharakter | 173 |
| 12.6.7 | Faktizität/Sachlichkeit | 174 |
| 12.6.8 | Schwerpunkt der Darstellung: Ereignis oder Thema? | 175 |
| 12.7 | Einbettung in den T-Kontext | 176 |
| 12.7.1 | Rückbezug auf frühere T-Akte | 176 |
| 12.7.2 | Täter-Motive und Motivakteur | 178 |
| 12.7.3 | Opfer oder Täter: Rollenmodelle ausgewählter Akteure | 181 |
| 12.8 | Einbettung aus kulturwissenschaftlicher Sicht | 183 |
| 12.8.1 | Der „Andere“: Dividing - Rejecting | 183 |
| 12.8.2 | Stereotype und Vorurteile | 185 |
| 12.8.3 | Wortfeld | 188 |
| 13. | RESULTATE DER BEZUGSANALYSE | 191 |
| 13.1 | Fragestellung | 191 |
| 13.2.1 | Quantität der Bezugnahmen | 191 |
| 13.2.2 | Bezugnehmer, Bezugsakteure, Bezugsthemen - quantitative inhaltliche Analyse der Bezüge | 192 |
| 13.2.3 | Bezugsmedien | 194 |
| 13.2.4 | Gegenseitige Wahrnehmung durch die Rubrik „Pressestimmen“ | 195 |
| 13.2.5 | Qualitative Analyse der Bezüge | 196 |
| 13.3 | Beantwortung der Forschungsfrage | 197 |
| 14. | DIE ERGEBNISSE DER MEDIALEN DISKURSANALYSE | 199 |
| 14.1.1 | Zeitlicher Verlauf der Debatte | 199 |
| 14.1.2 | Autorenschaft | 199 |
| 14.1.3 | Vielfältigkeit der Argumente | 200 |
| 14.1.4 | Themendimensionen der Kommentare im deutsch-arabischen Diskurs | 200 |
| 14.1.5 | Themendimensionen der Kommentare im Diskurs der einzelnen Medien | 201 |
| 14.1.6 | Die einzelnen Themendimensionen im deutsch-arabischen Vergleich | 202 |
| 14.1.7 | Argumentekonzentration und Argumentationslücken | 211 |
| 14.2 | Gemeinsamkeiten und Differenzen der Diskurse | 213 |
| 14.2.1 | Diskursgemeinsamkeiten | 213 |
| 14.2.2 | Diskursdifferenzen in deutschen und arabischen Medien | 214 |
| 14.2.3 | Verwendete Topoi | 215 |
| 14.3 | Die Kommentare: Gemeinsam gegen den Terrorismus? | 216 |
| 15. | ERSTELLEN EINER „HOMOGENITÄTSLISTE“ | 218 |
| 16. | RESULTATE DER BEFRAGUNG | 220 |
| 16.1 | Der Umgang mit T-Akten in Redaktionen: Regeln und Terminologie | 220 |
| 16.1.1 | Das Modell von Paletz/Tawney zur Einordnung des Umgangs mit Terrorismus | 220 |
| 16.1.2 | Redaktioneller Umgang mit Terrorismus und T-Verständnis | 221 |
| 16.2 | Der Umgang mit Terrorismus in FAZ und FR | 221 |
| 16.2.1 | Biographische Details | 221 |
| 16.2.2 | Verständnis von Terrorismus | 222 |
| 16.2.3 | Zum spezifischen Umgang mit Terrorismus in den Redaktionen | 223 |
| 16.3 | Fazit | 226 |
| 17. | FAZIT | 227 |
| 17.1 | Grenzen der Analyse | 232 |
| Eidesstattliche Erklärung | ||
| Literaturverzeichnis | 235-280 | |
| Anhang I | Materialien zur Inhaltsanalyse | 281 |
| Anhang II | Materialien zur Mediendiskursanalyse | 347 |
| Anhang III | Materialien zum leitfadenzentrierten Interview | 401 |
Textprobe:
Kapitel 3.2.3.1, Pro-Positionen:
Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass sich eine neue globale Kultur gegenwärtig auf der Ebene von Konsumprodukten herausbildet, unterstützt von Computer- und Kommunikationstechnologie, z.B. in der globalen Verbreitung von Popmusik oder Hollywood-/Bollywood-Filmen insbesondere innerhalb von Jugendkulturen.
Auf der politischen Ebene werden nationale Regierungen bereits einer transnationalen Öffentlichkeit gegenüber gesehen, die sie mittels transnationalen Kommunikationen und Diskursen kritisiert und beeinflusst. Andere Forscher betrachten die Weltöffentlichkeit bereits als transnationale Macht- und Entscheidungszentren.
3.2.3.2. Skeptische Positionen:
Die meisten Forscher zeigen sich jedoch vorsichtig gegenüber der Herausbildung einer Weltöffentlichkeit, sowohl auf politischer wie pluraler Ebene.
Definiert man Weltöffentlichkeit nach ihrem Einflusspotential, so ist sie noch lange nicht in der Lage, beispielsweise einen Staat zu stürzen. Hallin weist darauf hin, dass die meisten Länder von einer internationalen öffentlichen Sphäre und dem damit verbundenen politischen Dialog bisher ausgeschlossen sind. Eine wirkliche globale Zivilgesellschaft wird aber hoffnungsvoll als dritte Kraft neben Politik und transnationalen Unternehmen gesehen, jedoch mangelt es bisher an stabilen Prozessen informeller Rückkopplung zu deren Verankerung.
Techniken wie das Internet deuten zwar auf eine Pluralisierung von Öffentlichkeiten hin. Eine echte globale Öffentlichkeit müsste zudem sowohl ausländische als auch inländische mediale Perspektiven wahrnehmen, um eine Vielzahl nationaler Diskurse in sich vereinen zu können – bei dieser Aufgabe stößt selbst der global verstandene Sender CNN an seine Grenzen.
3.2.4. Die transnationale Medienöffentlichkeit:
Medien können als Vermittler „between the nation and an extra-societal global public space“ verstanden werden. Massenmedien üben eine stark integrative Wirkung aus, nicht nur bei der Entstehung von Nationen, sondern auch von Regionen oder sogar einer gedachten Weltgesellschaft, denn es „werden verschiedenste Menschen in einen kommunikativen Prozess eingebunden, der auf die Konstruktion einer geteilten ‚vorgestellten Gemeinschaft’ eines ‚home territory’ oder einer ‚kulturellen Verdichtung’ zielt“.
Ein transnationaler Diskurs, der durch Medien-Akteure realisiert wird, liegt am Beispiel Europas dann vor, „wenn tatsächlich ein grenzüberschreitender Meinungsaustausch zwischen Sprechern aus verschiedenen Mitgliedsstaaten zu beobachten ist“. Eine grenzüberschreitende Öffentlichkeit bzw. transnationale Diskursgemeinschaft sollte durch grenzüberschreitende Kommunikationsflüsse gekennzeichnet sein, durch Bezugnahmen auf Sprechakte und Meinungen von Akteuren anderer Länder. Dabei könnte das Phänomen der kommunikativen Deterritorialisierung im Rahmen der Globalisierung helfen, denn auch Medienkommunikation weist eine zunehmende kommunikative Konnektivität auf und bedient transnationale Publika.
Diesem Ideal gegenüber steht jedoch die Realität, bei der transnationale Ereignisse domestiziert werden. Rühls Bemerkung, dass gegenwärtig „die Weltkommunikationsordnung in hohem Maße aus national und regional orientierten öffentlich-kommunikativen Teilsystemen“ besteht, ist immer noch gültig. Das selbst globale Massenmedien in der Praxis hingegen kaum eine Weltöffentlichkeit herstellen konnten, liegt an traditionellen Berichterstattungs-strukturen wie die Betonung von „world dualisms“. Und schnell kann der falsche Eindruck entstehen, dass Medien die Globalisierung der Öffentlichkeit vorantreiben, wenn sich Journalisten gegenseitig rezipieren. Dies führt zu „Kondensate[n] von Meinungen und Konfirmationseffekte[n], die sich selbst als Weltöffentlichkeit verstehen und denen dieser Status nicht leicht durch konkurrierende Ansprüche bestritten werden kann“.
Hafez bemerkt pessimistisch, dass transnationale Medien im Sinne von „überstaatlichen globalen Institutionen“ und „Leitmedien einer von spezifischen Staats- und Kultureinflüssen befreiten ‚Weltöffentlichkeit’ [...] im Grunde überhaupt noch nicht“ existieren. Transnationalität existiert vor allem auf der technischen Ebene. Solange Medien in national dominierte Systemstrukturen eingebettet sind und dementsprechend nationale Öffentlichkeiten bedienen müssen, können sie kaum Weltöffentlichkeit fördern. Das weltweite Mediensystem verharrt in der Internationalität und schafft nicht den Sprung zur Transnationalität. Nur vereinzelt begegnet man transnationalen Prozessen.
3.3. Exkurs: Regionale Öffentlichkeiten:
Bevor national integrierte Gesellschaften globale Diskurse führen, steht meist noch eine regionale Ebene dazwischen. Faulstich spricht von einer „Kulturöffentlichkeit“ und meint damit kulturspezifische Räume wie „der Westen“ oder „die arabische Welt“, die als Basis Sprache oder Werte haben können. Mit der Globalisierung haben regionale Verdichtungen von medialen Repräsentationen, die über einzelne Staaten hinausreichen, gegenüber der ‚nationalen Gemeinschaft’ als Sinnhorizont des Lokalen an Relevanz gewinnen können. Sie können sich mit politischen Gebilden wie in Europa decken, existieren wie im Fall Indiens und seinen Nachbarstaaten aber auch ohne politische Ebene. Eine transnationale Öffentlichkeit ist Grundlage für die Herausbildung einer transnationalen Identität.
Nationalstaaten gehören meist regional definierten Gebilden an. Deutschland (FAZ, FR) ist in die EU-Ebene integriert, Ägypten (Al-Ahram) sowie Al-Hayat in den arabisch-islamischen Raum. Nachfolgend soll diese Einordnung begründet werden.
3.3.1. Regionale Öffentlichkeiten I: Europa:
Im Falle Deutschlands bildet die Europäische Union die nächsthöhere Ebene, der Deutschland zugehört, und die vor allem politisch, wirtschaftlich und rechtlich ausdifferenziert ist. Diese verschiedenen Teilsysteme benötigen ein Synchronisierungs- und Beobachtungssystem in Form von Öffentlichkeit. Deutschland ist ebenfalls der Abstammung nach in „Europa“ integriert, durch langfristige geschichtliche Parallelentwicklungen und Interkonnektivitäten.
Von einer europäisierten Öffentlichkeit kann erst dann gesprochen werden, wenn „in den jeweiligen national organisierten Medienproduktionen, seien es die Printmedien oder das Fernsehen, regelmäßig und ausführlich über alle relevanten europapolitischen Themen berichtet und diskutiert werden würde“. Die reale Herausbildung einer regional-transnationalen europäischen Öffentlichkeit steht erst am Beginn und beschränkt sich bisher auf Teilöffentlichkeiten oder lokalisierte parallele Diskurse.
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Arbeit zitieren:
Glück, Antje Februar 2007: Terror Global, Diskurs lokal, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Islam, Terrorismus, Zeitung, Anschlag, Sharm El-Sheikh




