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Terror Global, Diskurs lokal

Die Darstellung von Terrorismus in deutschen und arabischen Elite-Zeitungen am Beispiel der Anschläge von London und Sharm El-Sheikh im Juli 2005

Terror Global, Diskurs lokal
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Antje Glück
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 407 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • Bibliografie: ca. 435
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0658-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Glück, Antje Februar 2007: Terror Global, Diskurs lokal, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Islam, Terrorismus, Zeitung, Anschlag, Sharm El-Sheikh

Diplomarbeit von Antje Glück

Problemstellung:

Globale Medienereignisse wie Klimakatastrophen oder terroristische Akte sollten – so könnte vermutet werden – durch die globale Betroffenheit eine weltweit agierende und sich koordinierende Zivilgesellschaft erzeugen, auch wenn sie nur zeitlich begrenzt in Erscheinung tritt. Die vorliegende Arbeit möchte dieser Frage nachgehen, indem die Berichterstattung über zwei terroristische Akte untersucht wird, die zeitlich fast synchron, aber lokal unterschiedlich stattfanden. Von einer medialen grenzüberschreitenden Öffentlichkeit soll gesprochen werden, wenn eine zeitgleiche Themenagenda vorhanden ist, ähnliche Interpretationsmuster (Priming und Framing) benutzt werden sowie der jeweils andere Diskurs und dessen Teilnehmer als legitime Sprecher wahrgenommen werden (Bezugnahme).

In einer zweiten Frage, die mit der ersten eng zusammenhängt, soll der Grad der Ähnlichkeit ermittelt werden, den deutsche und arabische Medieninhalte bei der Berichterstattung über islamistisch motivierte Anschläge aufweisen. Grundannahme ist, dass beide Mediengruppen sehr ähnliche Quellenausgangsvoraussetzungen haben. In welchem Ausmaß berichten die Medien über Terrorismus, und mit welcher Färbung? Welche Anschlussdiskurse initiieren Massenmedien? Anschließend soll auf der Kommunikatorebene ermittelt werden, welche externen Einflussfaktoren die journalistische Berichterstattung in diesem speziellen Fall determinieren. Dazu gehören sowohl lebensweltliche Einflussfaktoren auf der individuellen Ebene als auch Strukturen des Organisationssystems Redaktion.

Es soll ein Vergleich durchgeführt werden von deutschen und arabischen Elite-Zeitungen, da diese als ihre Zielgruppe u.a. die Eliten eines Landes ansehen und somit am ehesten einen inter-elitären Bezug zu anderen Räumen herstellen können und sollen. Zwar stammen die Zeitungen aus sehr unterschiedlichen Mediensystemen (deutschen Zeitungen aus einem libertären Pressemarkt, eine arabische Zeitung aus einem autoritären System, während die zweite als transnationale Zeitung einen Zwischenstand einnimmt).

Für alle Zeitungen gelten aber ähnliche Nachrichtenfaktoren, Quellen, Zugänge und Berichterstattungsroutinen. Untersucht wurden für Deutschland die ideologischen Gegenpole Frankfurter Allgemeine Zeitung und Frankfurter Rundschau, für den arabischen Raum die transnationale Al-Hayat und die auflagenstärkste arabischsprachige Zeitung Al-Ahram aus Ägypten.

In einer Inhaltsanalyse (Stichprobe N=635 Artikel) wurde eine Reihe von Variablen codiert, die sich zu acht Dimensionen zusammenfassen lassen: Thema, Prominenz, Zeitverlauf, journalistisches Handwerk, Informationsurheberschaft, Terrorismusbezug und Darstellung des kulturell „Anderen“. Die Stichprobe umfasst jeweils die 9 Folgetage nach den beiden „Juli-Anschlägen“ des Jahres 2005 in London und Sharm El-Sheikh.

Hinzu kam eine mediale Diskursanalyse, die sich speziell der Ereigniskommentierung widmete. Die 45 ausgewählten deutschen und arabischen Artikel wurden nach dem Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring einer induktiven Kategorienbildung auf Aussagenebene unterzogen, die sich in neun Dimensionen gliederte: Islamistischer Terrorismus, Motiv-, Ursachen- und Konsequenzen-Attribution, Reaktionen, das Selbst und der Andere (Muslime), das Ereignisgeschehen von London und von Sharm El-Sheikh sowie die Einbettung des Terror-Aktes. Neben der Spannbreite der Argumente wurde auch deren Häufigkeit erfasst.

Der Test auf Homogenität der Berichterstattung ergab für die ähnlichen Merkmale einen Anteil von 61 % (5,5 Punkte auf einer Skala mit 9 Ausprägungen). Die homogenen Merkmale beschränken sich dabei auf die Bereiche des journalistischen Handwerks, der verwendeten Quellen, des Interpretationskontextes für Terrorismus und der gegenseitigen Thematisierung als der „Andere“. Während die Prominenz der Terrorismus-Darstellung, ihr Zeitverlauf und die Feinanalyse des medialen Diskurses sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede aufwiesen, wichen deutsche und arabische Medien vor allem in der Themenagenda und den gegenseitigen Bezugnahmen voneinander ab.

Wenn deutsche und arabische Medien über Terrorismus berichten, dann also mit einer leicht erhöhten homogenen Tendenz, die vor allem im Bereich der Quellen und journalistischen Formstandards zu finden ist, jedoch deutlich weniger auf inhaltlicher Ebene.

Die Feinanalyse der Aussagen innerhalb des Kommentardiskurses ergab für beide Mediengruppen eine große Bandbreite an Argumenten, die jedoch in unterschiedlichen Schwerpunktbereichen eingesetzt wurden. Deutsche Zeitungen diskutierten in den Kommentaren am häufigsten über das unmittelbare Geschehen in London und über die Effizienz westlich initiierter Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus in Vergangenheit und Gegenwart. Arabische Zeitungen hingegen konzentrierten sich auf die Ursachen für Anschläge und verfolgten einen multiperspektivischen Ansatz bei den Reaktionsmöglichkeiten darauf. Zudem wurde die Stellung der Muslime und muslimischen Minderheiten im westlichen Ausland als unschuldiges Opfer der Anschläge thematisiert und damit die westliche Welt indirekt einer gewissen Islamfeindlichkeit beschuldigt.

Setzt man die Ergebnisse nun speziell in den Kontext der Frage nach einer medialen transnationalen Öffentlichkeit, so erscheint diese nur ansatzweise. Die durchwachsene, eher ungleiche Themenagenda, die mäßig homogene Zeitverlaufsanalyse und die häufig nicht vorhandenen Bezugnahmen auf den Diskurs der „anderen Seite“ lassen nur ansatzweise einen transnationalen Diskurs und eine transnationale Medienöffentlichkeit zu. Die Berichterstattung beschäftigt sich zwar mit ähnlichen Themendimensionen, verharrt im Detail aber in nationalen Interpretationsstrukturen.

Neben den bisherigen zwei Analysemethoden wurden leitfadengestützte Interviews mit je einem Redakteur der beiden deutschen Medien geführt. Die Interviewpartner repräsentierten in den erhobenen Kategorien mit Ausnahme der ideologischen Blattlinie sehr ähnliche lebensweltliche Prägungen, Einstellungen und Meinungen. Die Organisationsebene zeigte bei FAZ und FR im vorliegenden Fall deutliche Entsprechungen. Redakteure, die für die Berichterstattung über Terrorismus zuständig sind, zeigen Ähnlichkeiten in Ausbildung und professionellen Kompetenzen, Bewusstsein der Problematik, Begriffs-Semantik, Vorgaben der Institution und in den redaktionellen Routinen. Generell erscheinen schriftlich fixierte Redaktionslinien nicht zur Koordinierung der Terrorismus-Berichterstattung erforderlich, da die Zeitungen Distanz zu den Terroristen wahren wollen und das Neutralitätsgebot weitgehend zu erfüllen versuchen. Wichtig hingegen ist die Qualifizierung der Korrespondenten im Ausland, die nötige Sprach- und Landeskompetenz sowie handwerkliche Fähigkeiten besitzen sollten.

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkungen zur Schreibweise V
EINLEITUNG 1
Begründung des Forschungsvorhabens und Zielstellung 1
Untersuchungsansatz der Arbeit 2
TEIL I. THEORETISCHER RAHMEN 4
1. NORMEN- UND STRUKTURKONTEXT: DETERMINIERENDE FAKTOREN DES JOURNALISMUS 5
1.1 Medien und Politik 5
1.1.1 Perspektive 1: Klassische Erklärungsansätze 5
1.1.2 Perspektive 2: Politik als Systemumwelt des Journalismus 6
1.1.3 Zwischenfazit 7
1.2 Rahmenbedingungen der Mediensysteme 7
1.2.1 Deutschland 8
1.2.2 Die arabische Welt 9
1.2.3 Ägypten 12
1.2.4 Zwischenfazit 13
1.3 Ein strukturalistischer Ansatz: die Systemtheorie nach Niklas Luhmann 14
1.3.1 Zwischenfazit 17
1.4 Ein integraler Ansatz nach Weischenberg 17
2. ANSÄTZE AUS DER MEDIENWISSENSCHAFT 18
2.1 Die Konstruktion von Realität - Erkenntnistheorien 18
2.1.1 Realismus 19
2.1.2 Konstruktivismus 20
2.1.3 Der Rekonstruktions-Dekonstruktions-Ansatz nach Hafez 22
2.2 Die Produktion von Medieninhalten 23
2.2.1 Agenda-Setting, Priming, Framing 23
2.2.2 Die Nachricht 25
2.2.3 Globalisierte Nachrichtenströme 29
2.3 Arten von Journalismus 32
2.3.1 Journalismus in Krisen und Konflikten 32
2.3.2 Auslandsjournalismus 35
2.3.3 Zwischenfazit 39
3. DER BEGRIFF DER TRANSNATIONALEN ÖFFENTLICHKEIT 39
3.1 Öffentlichkeit und Medienöffentlichkeit: Begriffsklärung 39
3.1.1 Öffentliche Meinung 40
3.1.2 Die mediale Öffentlichkeit nach Weßlers Öffentlichkeitsmodell und aus systemtheoretischer Sicht 41
3.2 Transnationale Öffentlichkeit 43
3.2.1 Begriffsbestimmung I: Transnational 43
3.2.2 Begriffsbestimmung II: Transnationale Öffentlichkeit 43
3.2.3 Exkurs: Weltgesellschaft oder Partikularismus? 44
3.2.4 Die transnationale Medienöffentlichkeit 47
3.3 Exkurs: Regionale Öffentlichkeiten 48
3.3.1 Regionale Öffentlichkeiten I: Europa 48
3.3.2 Regionale Öffentlichkeiten II: Arabisch-islamische Welt 49
3.4 Zwischenfazit 50
4. BEGRIFFSVERSTÄNDNIS: TERRORISMUS 51
4.1 Etymologie: „Terrorismus“ und „Al-Irhab“ 51
4.2 Zur Definition des Begriffs „Terrorismus“ - Politische und institutionelle Ansätze 52
4.2.1 Arbeitsdefinition 54
4.3 Typen und Strukturen von Terrorismus 54
4.3.1 Religiöser Terrorismus 55
4.3.2 Internationaler und transnationaler Terrorismus 57
4.3.3 Transnationaler religiöser (islamistisch motivierter) Terrorismus 58
4.4 Länderspezifische Erfahrungen mit T-Akten 60
4.4.1 Bundesdeutscher und europäischer Kontext 60
4.4.2 Ägyptischer und arabischer Kontext 61
4.5 Zwischenfazit 62
5. DER TERRORISMUS UND DIE MEDIEN 62
5.1 Der Terrorismus als Kommunikationsstrategie? 62
5.2 Teilnehmer am T-Kommunikationsprozess 64
5.2.1 Faktor Terroristen: Instrumentalisierungsstrategien 65
5.2.2 Faktor Medien: Die Symbiose-Theorie 67
5.2.3 Exkurs 1: T-Akte in der Medienforschung 69
5.2.4 Exkurs 2: Der 11. September 2001 und der Aufstieg des Fernsehens zum Krisen-Leitmedium 73
5.2.5 Faktor Politik: Kontroll-Lust 74
5.2.6 Faktor Publikum: Entertainment 74
5.2.7 Der mediale Umgang mit Terrorismus: Perspektiven 75
5.3 Zwischenfazit 75
6. BEGRIFFSVERSTÄNDNIS: ISLAM, GEWALT UND TERRORISMUS 76
6.1 Islam - Islamismus - Fundamentalismus 76
6.1.1 Der „Islamist“ 77
6.1.2 Der „Fundamentalist“ 80
6.2 Zum Gewaltverhältnis im Islam 82
6.2.1 Gewalt, Kampf, Krieg 82
6.2.2 Der Dschihad-Begriff 82
6.3 Zwischenfazit 86
7. DER „ANDERE“ IN DEN MEDIEN - MEDIALE REPRÄSENTATIONEN DES ISLAMS UND DES WESTENS 87
7.1 Stereotypen, Vorurteile, Feindbilder 87
7.2 Der Islam und die arabisch-islamische Welt aus der Sicht des Westens 88
7.2.1 Im Bild des Anderen 88
7.2.2 1001 Bild: Historische Entwicklung des Orientbildes 89
7.2.3 Gegenwarts-Ansichten der arabisch-islamischen Welt 89
7.2.4 Mediale Bilder des Islams 90
7.3 Der Westen aus der Sicht der arabisch-muslimischen Welt 91
7.3.1 Barbaren: Historische Entwicklung des Bildes der westlichen Welt 91
7.3.2 Gegenwarts-Ansichten der westlichen Welt 92
7.3.3 Mediale Bilder des Westens 93
7.4 Zwischenfazit 93
8. ZUSAMMENFÜHRUNG DER ANSÄTZE ENTWICKLUNG VON FORSCHUNGSFRAGEN 94
8.1 Forschungsfragen 94
8.2 Hypothesenbildung aus den Forschungsfragen 95
8.2.1 Umfang und Darstellungsweise 95
8.2.2 Inhalt und journalistische Qualität 95
8.2.3 Externe Dimensionen 96
EXKURS: EREIGNIS-CHRONOLOGIE 97
9. KURZE CHRONOLOGIE DER JULI-ANSCHLÄGE 98
9.1 Vorgeschichte 98
9.2 Der 7. Juli 2005: Die Anschläge in London 98
9.2.1 Tathergang 98
9.2.2 Täter 99
9.2.3 Zweifel an der offiziellen Version 99
9.2.4 Reaktionen und Nachfolge-Ereignisse 100
9.2.5 Exkurs: Londons Anti-Terror-Politik - ein Kurzüberblick 100
9.3 Der 23. Juli 2005: Die Anschläge in Sharm El-Sheikh 100
9.3.1 Tathergang 100
9.3.2 Täter 101
9.3.3 Reaktion 101
TEIL II. METHODIK 102
10. ALLGEMEINES FORSCHUNGSDESIGN 103
10.1 Quantitative versus qualitative Analysemethoden - Begründung der Methodenwahl 103
10.2 Empirische Operationalisierung der Schlüsselbegriffe 104
10.2.1 Die „temporäre transnationale Weltöffentlichkeit“ und deren Diskurs 104
10.2.2 Die einzelnen Bedingungen für „Welt-Öffentlichkeit“ 105
10.2.3 „Homogenität“ 106
10.3 Zur Komparatistik von Medienkulturen 106
10.3.1 Ausgangsüberlegungen 106
10.3.2 Mediensysteme 107
10.3.3 Die Einbettung in den Kulturraum - Untersuchungsansatz 108
10.3.4 Sprachbarrieren 109
11. DIE AUSGEWÄHLTEN FORSCHUNGSMETHODEN 110
11.1 Die quantitative Inhaltsanalyse 110
11.1.1 Definition und Begründung der Methodik 110
11.1.2 Grenzen der quantitativen Inhaltsanalyse 111
11.1.3 Kategorienbildung 111
11.1.4 Untersuchungszeitraum und Item-Auswahl 113
11.1.5 Auswahl der Medien und Medienprofile 114
11.2 Die Argumentationsanalyse 119
11.2.1 Problemverständnis und Definition 119
11.2.2 Das Argument 120
11.2.3 Rahmen- und Geltungsbedingungen für Argumentation 121
11.2.4 Der Diskurs 122
11.2.5 Diskurs-Sonderfall: Der Mediendiskurs 123
11.2.6 Ansatz zu einer medialen Diskursanalyse und Methodenwahl 125
11.2.7 Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring 127
11.2.8 Begründung der Materialauswahl der Artikel 130
11.3 Die qualitative Befragung 130
11.3.1 Definition und Begründung der Methode 130
11.3.2 Grenzen der qualitativen Befragung 131
11.3.3 Die ausgewählten Journalisten 132
11.3.4 Die Fragestellungen 132
TEIL III. ERGEBNISSE 133
12. ERGEBNISSE DER INHALTSANALYSE 134
12.1 Formale Kriterien 134
12.1.1 Allgemeines: Anteil der Berichterstattung an den T-Akten 134
12.2 Zeitverlaufsanalyse 136
12.2.1 Zeitverlaufsanalyse der gesamten Berichterstattung 137
12.2.2 Zeitliche Publikationsnähe zum Ereignis - Aktualität 138
12.2.3 Themenspezifische Zeitverlaufsanalyse 139
12.2.4 Themengleichheit in der Berichterstattung 140
12.2.5 Zwischenfazit 141
12.3 Prominenz von Terrorismus 141
12.3.1 Artikelumfang und Artikelfläche 141
12.3.2 Platzierung 143
12.3.3 Ressort 144
12.3.4 Kontext 145
12.3.5 Entwicklung eines Prominenz-Indexes 147
12.4 Informations-Urheberschaft: Artikel-Verfasser und Quellen 148
12.4.1 Verfasser von Textbeiträgen 148
12.4.2 Quellen in Textbeiträgen 149
12.4.3 Verfasser von Fotos und Grafiken 151
12.4.4 Zwischenfazit 152
12.5 Beitragsdimensionen 152
12.5.1 Der Vordergrund: Themen - Akteure - Orte (Text) 152
12.5.2 Der Vordergrund II: Themen - Akteure - Orte (Bild) 162
12.5.3 Zwischenfazit 165
12.6 Die journalistische Qualitäts-Dimension 166
12.6.1 Der Hintergrund: die Fundierung der Texte 166
12.6.2 Positionsvielfalt und journalistische Wertungen 168
12.6.3 Grundtenor der Beiträge - Wertungen der Journalisten 170
12.6.4 Beitragscharakter 172
12.6.5 Darstellungsform 172
12.6.6 Bildcharakter 173
12.6.7 Faktizität/Sachlichkeit 174
12.6.8 Schwerpunkt der Darstellung: Ereignis oder Thema? 175
12.7 Einbettung in den T-Kontext 176
12.7.1 Rückbezug auf frühere T-Akte 176
12.7.2 Täter-Motive und Motivakteur 178
12.7.3 Opfer oder Täter: Rollenmodelle ausgewählter Akteure 181
12.8 Einbettung aus kulturwissenschaftlicher Sicht 183
12.8.1 Der „Andere“: Dividing - Rejecting 183
12.8.2 Stereotype und Vorurteile 185
12.8.3 Wortfeld 188
13. RESULTATE DER BEZUGSANALYSE 191
13.1 Fragestellung 191
13.2.1 Quantität der Bezugnahmen 191
13.2.2 Bezugnehmer, Bezugsakteure, Bezugsthemen - quantitative inhaltliche Analyse der Bezüge 192
13.2.3 Bezugsmedien 194
13.2.4 Gegenseitige Wahrnehmung durch die Rubrik „Pressestimmen“ 195
13.2.5 Qualitative Analyse der Bezüge 196
13.3 Beantwortung der Forschungsfrage 197
14. DIE ERGEBNISSE DER MEDIALEN DISKURSANALYSE 199
14.1.1 Zeitlicher Verlauf der Debatte 199
14.1.2 Autorenschaft 199
14.1.3 Vielfältigkeit der Argumente 200
14.1.4 Themendimensionen der Kommentare im deutsch-arabischen Diskurs 200
14.1.5 Themendimensionen der Kommentare im Diskurs der einzelnen Medien 201
14.1.6 Die einzelnen Themendimensionen im deutsch-arabischen Vergleich 202
14.1.7 Argumentekonzentration und Argumentationslücken 211
14.2 Gemeinsamkeiten und Differenzen der Diskurse 213
14.2.1 Diskursgemeinsamkeiten 213
14.2.2 Diskursdifferenzen in deutschen und arabischen Medien 214
14.2.3 Verwendete Topoi 215
14.3 Die Kommentare: Gemeinsam gegen den Terrorismus? 216
15. ERSTELLEN EINER „HOMOGENITÄTSLISTE“ 218
16. RESULTATE DER BEFRAGUNG 220
16.1 Der Umgang mit T-Akten in Redaktionen: Regeln und Terminologie 220
16.1.1 Das Modell von Paletz/Tawney zur Einordnung des Umgangs mit Terrorismus 220
16.1.2 Redaktioneller Umgang mit Terrorismus und T-Verständnis 221
16.2 Der Umgang mit Terrorismus in FAZ und FR 221
16.2.1 Biographische Details 221
16.2.2 Verständnis von Terrorismus 222
16.2.3 Zum spezifischen Umgang mit Terrorismus in den Redaktionen 223
16.3 Fazit 226
17. FAZIT 227
17.1 Grenzen der Analyse 232
Eidesstattliche Erklärung
Literaturverzeichnis 235-280
Anhang I Materialien zur Inhaltsanalyse 281
Anhang II Materialien zur Mediendiskursanalyse 347
Anhang III Materialien zum leitfadenzentrierten Interview 401

Textprobe:

Kapitel 3.2.3.1, Pro-Positionen:

Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass sich eine neue globale Kultur gegenwärtig auf der Ebene von Konsumprodukten herausbildet, unterstützt von Computer- und Kommunikationstechnologie, z.B. in der globalen Verbreitung von Popmusik oder Hollywood-/Bollywood-Filmen insbesondere innerhalb von Jugendkulturen.

Auf der politischen Ebene werden nationale Regierungen bereits einer transnationalen Öffentlichkeit gegenüber gesehen, die sie mittels transnationalen Kommunikationen und Diskursen kritisiert und beeinflusst. Andere Forscher betrachten die Weltöffentlichkeit bereits als transnationale Macht- und Entscheidungszentren.

3.2.3.2. Skeptische Positionen:

Die meisten Forscher zeigen sich jedoch vorsichtig gegenüber der Herausbildung einer Weltöffentlichkeit, sowohl auf politischer wie pluraler Ebene.

Definiert man Weltöffentlichkeit nach ihrem Einflusspotential, so ist sie noch lange nicht in der Lage, beispielsweise einen Staat zu stürzen. Hallin weist darauf hin, dass die meisten Länder von einer internationalen öffentlichen Sphäre und dem damit verbundenen politischen Dialog bisher ausgeschlossen sind. Eine wirkliche globale Zivilgesellschaft wird aber hoffnungsvoll als dritte Kraft neben Politik und transnationalen Unternehmen gesehen, jedoch mangelt es bisher an stabilen Prozessen informeller Rückkopplung zu deren Verankerung.

Techniken wie das Internet deuten zwar auf eine Pluralisierung von Öffentlichkeiten hin. Eine echte globale Öffentlichkeit müsste zudem sowohl ausländische als auch inländische mediale Perspektiven wahrnehmen, um eine Vielzahl nationaler Diskurse in sich vereinen zu können – bei dieser Aufgabe stößt selbst der global verstandene Sender CNN an seine Grenzen.

3.2.4. Die transnationale Medienöffentlichkeit:

Medien können als Vermittler „between the nation and an extra-societal global public space“ verstanden werden. Massenmedien üben eine stark integrative Wirkung aus, nicht nur bei der Entstehung von Nationen, sondern auch von Regionen oder sogar einer gedachten Weltgesellschaft, denn es „werden verschiedenste Menschen in einen kommunikativen Prozess eingebunden, der auf die Konstruktion einer geteilten ‚vorgestellten Gemeinschaft’ eines ‚home territory’ oder einer ‚kulturellen Verdichtung’ zielt“.

Ein transnationaler Diskurs, der durch Medien-Akteure realisiert wird, liegt am Beispiel Europas dann vor, „wenn tatsächlich ein grenzüberschreitender Meinungsaustausch zwischen Sprechern aus verschiedenen Mitgliedsstaaten zu beobachten ist“. Eine grenzüberschreitende Öffentlichkeit bzw. transnationale Diskursgemeinschaft sollte durch grenzüberschreitende Kommunikationsflüsse gekennzeichnet sein, durch Bezugnahmen auf Sprechakte und Meinungen von Akteuren anderer Länder. Dabei könnte das Phänomen der kommunikativen Deterritorialisierung im Rahmen der Globalisierung helfen, denn auch Medienkommunikation weist eine zunehmende kommunikative Konnektivität auf und bedient transnationale Publika.

Diesem Ideal gegenüber steht jedoch die Realität, bei der transnationale Ereignisse domestiziert werden. Rühls Bemerkung, dass gegenwärtig „die Weltkommunikationsordnung in hohem Maße aus national und regional orientierten öffentlich-kommunikativen Teilsystemen“ besteht, ist immer noch gültig. Das selbst globale Massenmedien in der Praxis hingegen kaum eine Weltöffentlichkeit herstellen konnten, liegt an traditionellen Berichterstattungs-strukturen wie die Betonung von „world dualisms“. Und schnell kann der falsche Eindruck entstehen, dass Medien die Globalisierung der Öffentlichkeit vorantreiben, wenn sich Journalisten gegenseitig rezipieren. Dies führt zu „Kondensate[n] von Meinungen und Konfirmationseffekte[n], die sich selbst als Weltöffentlichkeit verstehen und denen dieser Status nicht leicht durch konkurrierende Ansprüche bestritten werden kann“.

Hafez bemerkt pessimistisch, dass transnationale Medien im Sinne von „überstaatlichen globalen Institutionen“ und „Leitmedien einer von spezifischen Staats- und Kultureinflüssen befreiten ‚Weltöffentlichkeit’ [...] im Grunde überhaupt noch nicht“ existieren. Transnationalität existiert vor allem auf der technischen Ebene. Solange Medien in national dominierte Systemstrukturen eingebettet sind und dementsprechend nationale Öffentlichkeiten bedienen müssen, können sie kaum Weltöffentlichkeit fördern. Das weltweite Mediensystem verharrt in der Internationalität und schafft nicht den Sprung zur Transnationalität. Nur vereinzelt begegnet man transnationalen Prozessen.

3.3. Exkurs: Regionale Öffentlichkeiten:

Bevor national integrierte Gesellschaften globale Diskurse führen, steht meist noch eine regionale Ebene dazwischen. Faulstich spricht von einer „Kulturöffentlichkeit“ und meint damit kulturspezifische Räume wie „der Westen“ oder „die arabische Welt“, die als Basis Sprache oder Werte haben können. Mit der Globalisierung haben regionale Verdichtungen von medialen Repräsentationen, die über einzelne Staaten hinausreichen, gegenüber der ‚nationalen Gemeinschaft’ als Sinnhorizont des Lokalen an Relevanz gewinnen können. Sie können sich mit politischen Gebilden wie in Europa decken, existieren wie im Fall Indiens und seinen Nachbarstaaten aber auch ohne politische Ebene. Eine transnationale Öffentlichkeit ist Grundlage für die Herausbildung einer transnationalen Identität.

Nationalstaaten gehören meist regional definierten Gebilden an. Deutschland (FAZ, FR) ist in die EU-Ebene integriert, Ägypten (Al-Ahram) sowie Al-Hayat in den arabisch-islamischen Raum. Nachfolgend soll diese Einordnung begründet werden.

3.3.1. Regionale Öffentlichkeiten I: Europa:

Im Falle Deutschlands bildet die Europäische Union die nächsthöhere Ebene, der Deutschland zugehört, und die vor allem politisch, wirtschaftlich und rechtlich ausdifferenziert ist. Diese verschiedenen Teilsysteme benötigen ein Synchronisierungs- und Beobachtungssystem in Form von Öffentlichkeit. Deutschland ist ebenfalls der Abstammung nach in „Europa“ integriert, durch langfristige geschichtliche Parallelentwicklungen und Interkonnektivitäten.

Von einer europäisierten Öffentlichkeit kann erst dann gesprochen werden, wenn „in den jeweiligen national organisierten Medienproduktionen, seien es die Printmedien oder das Fernsehen, regelmäßig und ausführlich über alle relevanten europapolitischen Themen berichtet und diskutiert werden würde“. Die reale Herausbildung einer regional-transnationalen europäischen Öffentlichkeit steht erst am Beginn und beschränkt sich bisher auf Teilöffentlichkeiten oder lokalisierte parallele Diskurse.

Arbeit zitieren:
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