Bachelor + Master Publishing
765 Bachelorarbeiten, 508 Masterarbeiten, 10.071 Diplomarbeiten

Potentiale und Perspektiven des Transfers von Wissensprodukten in den deutsch-russischen Beziehungen

Potentiale und Perspektiven des Transfers von Wissensprodukten in den deutsch-russischen Beziehungen
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Juliane Partsch
  • Abgabedatum: Juli 2007
  • Umfang: 69 Seiten
  • Dateigröße: 802,9 KB
  • Note: 1,2
  • Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 94
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0616-5
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0616-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Partsch, Juliane Juli 2007: Potentiale und Perspektiven des Transfers von Wissensprodukten in den deutsch-russischen Beziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Russland, Wissensmanagement, Cultural Engineering, Kulturwissenschaften, Logistik

In den Warenkorb
38,00 €

Bachelorarbeit von Juliane Partsch

Einleitung:

Die Russische Föderation ist reich an Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas. Insbesondere in Zusammenhang mit der weltweit hohen Nachfrage nach Rohstoffen und steigenden Ölpreisen wächst die russische Wirtschaft dynamisch. 2006 betrug das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum knapp 7%. Das stetige Wachstum hat nach jahrelangem Transformationschaos zu einer wirtschaftlichen und politischen Wiedererstarkung Russlands geführt. Jedoch sind die positive russische Wirtschaftsentwicklung und die damit in Zusammenhang stehenden sozialen Reformen zur Verbesserung der Lage des Landes stark abhängig von der Energie- und Rohstoffindustrie.

Die langfristige wirtschaftliche nationale und internationale Konkurrenz- und Wettbewerbsfähigkeit sowie die nationale Stabilität des Landes erfordern eine Diversifikation der Wirtschaftsstruktur. Im Kontext der Globalisierung und Wissensgesellschaft kommt dem Aufbau wissensintensiver Industrien dabei eine besondere Bedeutung zu. Zwar verfügt Russland über eine bereits vorhandene, gut aufgestellte technologische und wissenschaftliche Infrastruktur, aber es fehlt an neuem, aktuell notwendigem und zukünftig wichtigem Know how. In den meisten Schlüsselindustrien der russischen Wirtschaft fehlen sowohl die technologischen als auch die personellen Grundvoraussetzungen zu einer Modernisierung der veralteten Strukturen. Die vorliegende Arbeit knüpft hier an. Sie analysiert den Wissensbedarf der russischen Wirtschaft und beschreibt ansatzweise die Akquirierung notwendigen Wissens in Form des Transfers von Wissensprodukten am Beispiel der Region Nischni Nowgorod.

Problemstellung:

Das theoretische Grundprinzip der Arbeit ist der ökonomische Markt als Ort des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage und dem Austausch von Gütern. Als Gut wird dabei die Ressource Wissen verstanden. Im Kontext der Arbeit wird Wissen als Produkt betrachtet und eine Unterscheidung impliziter und expliziter Wissensprodukte vorgenommen. Das ermöglicht die Beobachtung des Austauschs von Wissen innerhalb und außerhalb von Orga-nisationen sowie zwischen Volkswirtschaften.

Der Fokus wird im weiteren Verlauf auf den Nachfrager, in diesem Fall allgemein die Russische Föderation, gelegt. Um Aussagen über die Nachfrage treffen zu können, wird der Wissensbedarf analysiert. Die Analyse erfolgt mittels der Erstellung eines Ist-Wissensprofils der russischen Wirtschaft und eines Soll-Wissensprofils ausgewählter Branchen in der Region Nischni Nowgorod. Das Ist-Wissensprofil wird auf der Basis einer allgemeinen Situationsanalyse der Russischen Föderation unter Zuhilfenahme dominanter wirtschaftlicher, politischer, soziokultureller und historischer Faktoren angefertigt. Ausgehend davon werden Stärken, Schwächen, Gefahren und Chancen der russischen Wirtschaft in Bezug auf Wissensinhalte im Allgemeinen geschlussfolgert.

Die Erstellung des Ist-Wissensprofils auf nationaler bzw. staatlicher Ebene ermöglicht die Betrachtung allgemein-russischer Wissenspotentiale, die sich aus den benannten dominanten Faktoren ergeben. Die Größe des Landes, die unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstufen der russischen Regionen und die Vielfalt der wirtschaftlichen Branchen lassen allgemeine Aussagen über wirtschaftliche Wissenspotentiale und Wissensdefizite jedoch nur bedingt zu. Daher wird das Soll-Wissensprofil über das bereits vorhandene und fehlende zukünftige Erfolgswissen am Beispiel dreier strategischer Prioritätsindustrien im Gebiet Nischni Nowgorod erstellt. Davon ausgehend können detaillierte Schlussfolgerungen zum Wissensbedarf auf Organisations- und Wissensträgerebene in ausgewählten Branchen in der Region Nischni Nowgorod gemacht werden. Die Region ist u.a. interessant, da sie nah an den russischen Boomregionen Moskau und St. Petersburg gelegen ist, aber einen Blick über diese hinaus in das „übrige“ Russland zulässt. Nach Analyse der Nachfragesituation ist der Austausch bzw. Transfer von Wissensprodukten als eine Maßnahme zur Deckung des belegten Wissensdefizits beobachtbar.

Die Beobachtung erfolgt durch Beschreibung der Aktivitäten ausländischer Unternehmen mit deutscher Beteiligung am Beispiel der Firmen EagleBurgmann und Trosifol in der Region Nischni Nowgorod. Der Ebenenwechsel von staatlich zu regional bei der Erstellung der Wissensprofile ermöglicht, über die Aussagen zum Wissensbedarf in den strategischen Prioritätsbranchen in der Region Nischni Nowgorod hinaus, auch Schlussfolgerungen zu einem möglichen nationalen Wissensbedarf der russischen Wirtschaft. In Zusammenhang mit den Beobachtungen zum Wissenstransfer werden daher schließlich Potentiale, Perspektiven und mögliche Gefahren des Transfers von Wissensprodukten vorwiegend auf staatlicher Ebene für Russland und für Deutschland betrachtet. Hinzu kommen Grenzen der Untersuchung und weiterführende Untersuchungsmöglichkeiten.

Ziel der Arbeit ist es, begründete Aussagen über mögliche vorhandene Wissensdefizite in der russischen Wirtschaft zu tätigen und die Potentiale, Perspektiven und Gefahren des Transfers von Wissen im Kontext der deutsch-russischen Beziehungen herauszustellen. Die Fragestellungen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, beziehen sich zum einen auf den Transfer von impliziten und expliziten Wissensprodukten, zum anderen auf die strategischen Optionen des Wissenstransfers in den deutsch-russischen Beziehungen.

Wissen hat die besondere Eigenschaft bei kompetenter Anwendung potentiell zu wachsen und sich zu verbreiten. So ist zu untersuchen, worin die Vorteile bzw. der Nutzen des Transfers von Wissensprodukten zwischen Organisationen bzw. Volkswirtschaften für den Anbieter, in diesem Falle Deutschland, bestehen und ob der Austausch von Wissensprodukten z.B. gegen Geld oder Rohstoffe langfristig nicht von größerem Nutzen für den Nachfrager, in diesem Falle Russland, ist. Ebenso ist zu klären, welche grundlegenden Voraussetzungen beim intraorganisationalen und interkulturellen Wissenstransfer zu berücksichtigen sind.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit ist ausgehend von ihrer Fragestellung und Bearbeitung forschend und klärend angelegt auf der Grundlage empirischer Erhebungen und sekundärer Daten. Als qualitative Erhebungsmethode zur Datensammlung wurde eine unstrukturierte teilnehmende Beobachtung in Kombination mit Gesprächen gewählt.

Die daraus gewonnen Erkenntnisse sind durch sekundäre Daten belegt worden, um so ein möglichst objektives Bild zu erhalten. Die teilnehmende Beobachtung, auch durch ein allgemeines offenes und ungerichtetes Erkenntnisinteresse unabhängig von der Erforschung und Klärung des benannten Themas begründet, fand in Form wiederholter Reisen nach Russland, längerer Aufenthalte für Praktikum und Studium, das Schließen vieler persönlicher Kontakte und damit einem Eintauchen in die Lebenswelten der Bevölkerung in Zentralrussland statt.

Die bereits benannte Situationsanalyse ist als diagnostischer Prozess zu verstehen, der die wichtigsten Merkmale für das Verstehen des „Systems Russland“ beschreibt. Im Verlauf des Diagnoseprozesses gelingt unter Zuhilfenahme des integrierten 7-S-Modells die Fokussierung auf mehrere zentrale Systemfaktoren, anhand derer grundlegende Prozesse und Modelle aufgedeckt werden. Das inte-grierte 7-S-Modell spiegelt in den Elementen System, Strategie, Struktur, Fähigkeiten, Kultur, Menschen, Vision und Umwelt die wichtigsten politischen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren bzw. Variablen unterschiedlicher Teilsysteme auf eine Gesamtsituation wider.

Die Diagnose dominanter Strukturen in der Russischen Föderation und die sich daraus ergebenen Schlussfolgerungen sowie die Beobachtungen zum Wissenstransfer sind dabei auch als abhängig vom Diagnostiker zu verstehen. Bei der Bearbeitung des Themas ist der Schwerpunkt insbesondere auf die Russische Föderation gelegt worden. Als „Nicht-Russe“ ist dem entsprechend zwar eine teilnehmende, dennoch aber nur externe Betrachtung aus der Perspektive der Fremdbeobachtung möglich gewesen. Zum einen ist dadurch Unvoreingenommenheit, Neutralität und ein verstärktes Bewusstsein für soziale Prozesse gewährleistet, zum anderen kann die Datenerhebung aber durch Exklusion erschwert werden.

Das gewählte Forschungsfeld, insbesondere im Kontext des Wissenstransfers, ist recht schwer zugänglich, da in Russland der für die empirische Datenerhebung notwendige Zugang zu Unternehmen und Organisationen meist nur durch persönliche Kontakte oder aber durch monetäre Zuwendungen realisierbar ist. Besonders bei letzterem ist die Qualität der preisgegebenen Informationen meist nicht zufriedenstellend.

Durch die gewählte Erhebungsmethode und eine intuitiv-induktive Vorgehensweise zur Erkenntnisgewinnung konnte der Zugang zu notwendigen Daten und Informationen größtenteils gewährleistet werden. Die Daten bezüglich der ausländischen Aktivitäten in der Region Nischni Nowgorod zur Erstellung des Soll-Wissensprofils und die Beobachtungen zum Wissenstransfer wurden vorwiegend während eines Praktikums in einem formal russischen Unternehmen mit deutschem Management sowie durch initiierte Treffen und Gesprächsrunden mit deutschen und russischen Geschäftsleuten erhoben. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sind die zum Teil unabhängig vom Thema bereits erhobenen Daten mit demselben abgeglichen bzw. integriert worden, beispielsweise durch das Aufstellen lokaler und zeitlicher Begrenzungen.

Der Forschungs- und Klärungsprozess, unter anderem mithilfe qualitativer Datenerhebung, ist iterativ ausgelegt. Ausgehend von der Konzipierung und Klärung der Ressource Wissen über die Erstellung eines Ist- und Soll-Wissensprofils der russischen Wirtschaft und ausgewählter Branchen in der Region Nischni Nowgorod bis hin zu praktischen Beispielen deutscher Aktivitäten zur Deckung von Wissensdefiziten werden Ergebnisse und Schlussfolgerungen generiert, auf Grundlage derer Perspektiven und Potentiale des Transfers von Wissensprodukten in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen formuliert werden können.

Inhaltsverzeichnis:

Fragestellungen und methodisches Vorgehen
1. Gliederung der Arbeit und Fragestellungen 5
2. Methodisches Vorgehen 7
3. Wissensgesellschaft und Globalisierung 8
3.1 Wirtschaftliche Vernetzung und ihre Auswirkungen 8
3.2 Von der Agrar- zur Wissensgesellschaft: Die Bedeutung von Wissen in der heutigen Gesellschaft und Konsequenzen für die Ökonomie 9
4. Wissen, Wissensprodukte und Wissenstransfer - eine theoretische Annäherung 10
4.1 Abgrenzung von Begrifflichkeiten und Klassifizierung der Wissensdimensionen 11
4.2 Das Produkt Wissen und seine Eigenschaften 12
4.3 Der Transfer von Wissen: Märkte, Motivationen, Herausforderungen 14
4.3.1 Der Transfer von Wissensprodukten innerhalb einer Organisation 14
4.3.2 Der Transfer von Wissensprodukten zwischen Organisationen 15
5. Allgemeine Situationsanalyse der Russischen Föderation mit Hilfe des integrierten 7-S-Modells 16
5.1 Das System: Postsozialistische Transformation als grundlegender Wandlungsprozess in der Russischen Föderation 16
5.2 Die Strategie: Erhöhung des Lebensstandards und internationale Konkurrenzfähigkeit 18
5.3 Die Struktur: Der politische Aufbau Russlands 20
5.4 Die Fähigkeiten: Segen und Fluch des Rohstoffreichtums 21
5.5 Die Kultur: Tradierte Normen und Verhaltensmuster der „Russen“ 23
5.6 Die Menschen: Vom Staat und Individuum 24
5.7 Die Vision: Eine neue nationale Identität 26
5.8 Die Umwelt: Russland auf der Weltbühne 28
Exkurs: Ein Einblick in die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene 29
6. Stärken und Schwächen der russischen Wirtschaft 31
7. Erstellung eines Soll-Wissensprofils russischer Unternehmen am Beispiel ausgewählter Branchen in der Region Nischni Nowgorod 34
7.1 Die Region Nischni Nowgorod: Strategische Wirtschaftsentwicklung und deren Einflussfaktoren 34
7.2 Wissensdefizite in den strategischen Prioritätsbereichen Automobilbau, Nahrungsmittelindustrie und Innovation und Bildung 37
7.2.1 Benötigtes Erfolgswissen zur Erreichung der nationalen Führung in der Automobilindustrie 38
7.2.2 Zukünftig notwendiges Wissen zur Beibehaltung und Entwicklung der Innovations- und Bildungsstandards 39
7.2.3 Vorausgesetztes Wissen zum Aufbau eines Distributionszentrums der Konsumgüterindustrie 41
7.3 Zusammenfassung des zukünftig notwendigen Wissens zur Erreichung der strategischen Ziele 42
8. Ausländische Aktivitäten mit deutscher Beteiligung in der Region Nischni Nowgorod zur Deckung des Wissensdefizits in den wirtschaftlichen Prioritätsbereichen 44
8.1 Intraorganisationaler Transfer von Wissensprodukten in der OOO Trosifol 45
8.2 Interorganisationaler Wissenstransfer von Wissensprodukten bei der OOO EagleBurgmann 48
8.3 Zusammenfassende Betrachtung der Beispiele 49
9. Chancen und Gefahren von Wissensexporten für Deutschland 50
10. Chancen und Gefahren von Wissensimporten für die Russische Föderation 52
11. Allgemeine Zusammenfassung und weiterführende Untersuchungsmöglichkeiten 53
11.1 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen 54
11.2 Weiterführende Untersuchungsansätze 58
Literaturverzeichnis 61
Abbildungsverzeichnis 69

Textprobe:

Kapitel 6., Stärken und Schwächen der russischen Wirtschaft:

Die Betrachtung der Russischen Föderation anhand der acht Elemente des integrierten 7-S-Modells hat sowohl Kernkompetenzen als auch organisationale Defizite bzw. Handlungsfehler identifiziert. Davon ausgehend können allgemeine Aussagen zu den Stärken, Schwächen, Gefahren und Chancen bezüglich der globalen Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft im Kontext gegenwärtiger Wissenselemente geschlussfolgert werden. Als Hilfe zur Darstellung dient die Beschreibung ausgehend von Wissens- und Lernbarrieren, Lernhemmnissen sowie Systemarchetypen.

Die Stärken der russischen Wirtschaft liegen insbesondere in den vorhanden Ressourcen des Landes. Aufgrund seines Rohstoffreichtums an fossilen Brennstoffen, Metallen und weiteren natürlichen Ressourcen ist Russland international konkurrenzfähig und nutzt die Rohstoffabhängigkeit vieler Industriestaaten zunehmend auch politisch aus. Der international steigende Ölpreis und der anhaltend starke Rohstoffboom erhöhen die Staatseinnahmen enorm und finanzieren damit zum Teil den Weg des Landes aus der gesamtgesellschaftlichen Krise. Die spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse in den vergangenen Jahren führt in der Bevölkerung zu einer steigenden Nachfrage im Verbraucherbereich.

Russland ist ein starker Wachstumsmarkt und daher, auch aufgrund niedriger Lohnkosten, für ausländische Unternehmen interessant. Zudem sind die russischen Arbeitskräfte zum Teil hoch motiviert, krisenerprobt und sehr gut ausgebildet, besonders im Hinblick auf die naturwissenschaftlich-mathematischen Wissenschaften. Neben dem hohen Bildungsstandard in den Fundamentalwissenschaften als Hinterlassenschaft der Sowjetunion wirken sich auch die gut ausgerüstete technologische Infrastruktur, die den Anschluss Russlands an die internationalen Entwicklungen im Hochtechnologiebereich erleichtert, und die internationale Positionierung der Sowjetunion, die Ausgangspunkt der russischen internationalen Position ist, positiv aus. Dadurch, dass der russische Technologiebereich nach wie vor ein hohes Niveau hat, sind derartige Waren aufgrund niedrigerer Marktpreise für Schwellen- und Entwicklungsländer als Importprodukte interessant. Die Positionierung russischer Waren auf dem Weltmarkt und der politische und wirtschaftliche Einfluss Russlands in einigen Weltregionen werden zum Teil durch erhalten gebliebene Absatzstrukturen erleichtert.

Sowjetische und auch zaristische Hinterlassenschaften können aber auch als Gründe für latente Schwächen im heutigen Russland angeführt werden, die durch die Transformationssituation in den 90er Jahren zum Teil weiter verschärft wurden. Die größte Schwäche in der russischen Wirtschaft und das größte Hindernis für ein freies Unternehmertum sind die vorherrschende Rechtsunsicherheit und die bereichsübergreifende Korruption. Diese werden unterstützt durch informelle und undurchsichtige Strukturen und ein kultiviertes Informations- und Kommunikationsdefizit. Dem entsprechend lassen sich laterale und horizontale Informationsfilter, Machtverteilung und Partizipationsregeln und Kooperationskonflikte als kollektiv-strukturelle Barrieren und Hemmnisse in der Wirtschaft identifizieren.

Hinzu kommt die Gefahr einer antrainierten Unfähigkeit, defensiver Routinen und die alleinige Konzentration auf die eigene Position des Mitarbeiters. Unterstützt wird dieser traditionelle Infantilismus der Untergebenen durch das autoritäre Regime Putins, welches den starken Staat propagiert und sozusagen den „Mythos vom Managementteam“ vorlebt. Weitere mögliche Wissensbarrieren, die ihre Ursprünge in vergangen kulturellen Sozialisationsprozessen und in den politischen Konstellationen des Systems haben, sind beispielsweise „Audience Learning“ und damit verbunden ein fehlendes bzw. wenig ausgeprägtes Analyse-, Urteils- und Anwendungsvermögen, „kollektiver Rollenzwang“ und ein verbreitetes Lernen unter Realitäts- und Aufklärungsdoktrinen als Hinterlassenschaft kommunistischer Ideologie.

Weiterhin lässt sich beobachten, dass seitens der Regierung eine „Überbetonung einer Einheitskultur und Binnenorientierung“ erfolgt und versucht wird durch vorgegebene „russische“ Mythen und Traditionen die kulturelle Diversität zu beherrschen. Im Hinblick auf die Größe und den Rohstoffreichtum Russlands, die international ja ein klarer Wettbewerbsvorteil sind, und dem beschriebenen nachlässigen Umgang mit den Ressourcen und deren konsequenter Ausbeutung lässt sich der Systemarchetyp der „Tragödie der Gemeingüter“ beobachten, der auch auf andere Bereiche überspringt.

Bezüglich der wirtschaftlichen Struktur des Landes wird das beispielsweise am immensen Modernisierungsbedarf des oftmals ehemaligen kollektiven Eigentums deutlich. So gibt es in geringem Maße Kapital und eine gut funktionierende Infrastruktur ist nur in den wenigsten Regionen zu finden. In den nach wie vor sowjetisch geprägten Städten gibt es noch keine bzw. nur sehr wenige Büro- und Gewerbekomplexe bzw. es besteht ein Mangel an bezahlbaren Gewerberäumen. Die derzeitigen finanziellen und infrastrukturellen Hemmnisse behindern die Entwicklung einer ohnehin bisher vernachlässigten mittelständischen Unternehmerschicht, die darüber hinaus mit negativen Rahmenbedingungen des Systems zu kämpfen hat.

In den Warenkorb
38,00 €

Arbeit zitieren:
Partsch, Juliane Juli 2007: Potentiale und Perspektiven des Transfers von Wissensprodukten in den deutsch-russischen Beziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Russland, Wissensmanagement, Cultural Engineering, Kulturwissenschaften, Logistik

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren